11.
Wien, 14 Mai 2007
André stand an der Fensterfront seines Apartments und hielt Bastet im Arm, während sein Blick über dem Dächermeer des ersten Wiener Bezirks schwebte. Das leise Schnurren der Perserkatze und ihr weiches Fell, das er kraulte, besänftigten seine innere Unruhe. Auf seinen Lippen lag noch immer Natalies Geschmack und in seinen Venen pulsierten sanfte Wellen. Ihm war, als könne er noch immer ihre Hände, ihre Lippen und die Vereinigung spüren. Wie konnte etwas so Wunderbares nur so falsch sein?
Seine Gedanken wurden durch das laute Summen der Türglocke unterbrochen. Er schloss die Augen und konzentrierte seine Sinne. In seinem Geist flammte das Bild eines schwarzhaarigen Mannes auf, den er bereits erwartete. Romain Valmont. Ohne sich von der Stelle zu bewegen, öffnete André die Tür über die Fernbedienung in der Tasche. Kurz darauf betrat der breitschultrige Mann, der einen schwarzen Anzug und ein schwarzes Hemd trug, den Wohnraum.
„Gerald schickt mich.“
„Tretet ein.“ André setzte Bastet auf den Boden. „Habt Ihr schon getrunken?“
Romain schüttelte den Kopf. „Nein, aber macht Euch meinetwegen keine Umstände.“
„Es redet sich besser bei einem guten Tröpfchen.“ André schritt zur Küchenzeile. „Setzt Euch.“ Er nahm zwei Fläschchen aus dem Klimaschrank und reichte Romain eine der körperwarmen Blutphiolen.
„Gerald sprach von einem Assassinen“, sagte Romain.
„Er bedroht eine Menschenfrau. Eine Geschäftspartnerin von mir.“
Romain musterte André mit scharfem Blick. André wusste nur zu gut über Romains Misstrauen Bescheid. Romain war kein Dummkopf und es war gerade sein Scharfsinn, der ihn zu einem der fähigsten Agenten in Geralds Reihen machte.
„Wisst Ihr, was der Assassine von Eurer Geschäftspartnerin will?“
André zuckte mit den Schultern und berichtete von Natalie, wobei er nur das Nötigste verriet und Natalie weiterhin als wichtige Geschäftspartnerin bezeichnete.
„Jedenfalls möchte ich, dass Ihr die Frau im Auge behaltet.“ Er leerte die Phiole in einem Zug. „Ich würde es selbst tun, aber im Augenblick …“
„Macht Euch keine Sorgen, wir werden uns um die Frau kümmern.“ Romain tat es André gleich und trank von dem roten Lebenssaft. „Gebt mir die Adresse und ich werde dafür sorgen, dass sie unter permanenter Beobachtung steht.“
„Ich danke Euch“, antwortete André.