2. Kapitel
Am darauf folgenden Freitag war Josh wieder in der Bar. Er konnte nicht anders. Selbst nach einer ganzen Woche hatte er sie nicht vergessen können. Es schien, als wäre sie allgegenwärtig. Und das nicht nur in seinen Träumen. Wenn er einen Tisch sah, musste er an ihren Anblick denken, als sie sich über den Tresen gebeugt hatte. Wenn er einen Stuhl oder seinen Sessel betrachtete, wurde er an ihre langen, schlanken Beine erinnert. Wenn er die Absatzschuhe von seiner Schwester über den Boden klackern hörte, sah er wieder diesen Hüftschwung vor sich. Er musste sie unbedingt wieder sehen. Vielleicht spielte ihm seine Erinnerung auch nur einen Streich und sie war gar nicht so begehrenswert und hübsch wie in seiner Vorstellung. Und dennoch verzehrte er sich regelrecht nach ihr.
Bevor er los gezogen war, hatte er noch ein kleines Gespräch mit Sylvester geführt. Es bestand im Großen und Ganzen nur aus einem Rat: "Mach sie betrunken und verführe sie". Außerdem meinte er grinsend, Josh solle nicht so viel Energie in diese Frau stecken und sich lieber langsam eine Gefährtin suchen und kleine Wölfe produzieren. Er würde seinem Bruder garantiert nicht auf die Nase binden, dass er sich selbst in tausend Jahren nicht an eine Gefährtin ketten würde. Dafür war er einfach nicht der Typ. Aber im Moment zählte sowieso nur eine für ihn.
Er setzte sich in eine dunkle Ecke am Tresen und beobachtete die jungen Frauen. Er hatte sich nicht getäuscht. Cassandra war wirklich sein wahr gewordener Traum. Heute Abend hatte sie ein grünes Kleid an. Etwas länger als das Gelbe, aber trotzdem konnte er ihre wohlgeformten, langen, schlanken Beine sehen. Ihre schmale Hüfte. Ihren schönen Busen. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie er sie in seinen Händen hielt. Sie würden perfekt in seine Handflächen passen. Ihr flammend rotes Haar hatte sie heute wieder offen und es bedeckte ihren Rücken bis zu ihrer Taille. Und ihr Hinterteil erst. Ein perfekter, kleiner, knackiger Apfel. Eigentlich mochte Josh eher kurvenreiche Frauen mit viel Busen und viel Hüfte, aber Cassandras Körper war einfach perfekt.
Auch jede einzelne von ihren Freundinnen war auf ihre Weise hübsch und begehrenswert. Cassandra war die einzige Rothaarige. Die anderen Frauen wiesen die volle Farbpalette der Natur auf. Von einem strahlend, hellen Blond bis zu einem tiefen, sattem Schwarz, dass einen bläulichen Schimmer inne hatte. Bis auf eine kurvige Blondine waren alle schlank, wobei Cassandra wohl den sehnigsten Körper besaß.
Ob sie von Natur aus so schlank war? Oder
hungerte sie sich auf diese Kleidergröße herunter?
Er mochte den heutigen Trend der Mager-Models nicht unbedingt.
Obwohl er eine schlanke Frau mit gut proportionierten Kurven nicht
unbedingt von der Bettkante stoßen würde.Er musste ein Knurren unterdrücken, als Cassandra und die füllige Blondine auf die Tanzfläche stolzierten und eng umschlungen tanzten. Das erinnerte ihn an Johanna und Mirielle.
Oh ja. Das war eine herrliche Nacht gewesen.
Sehr schweißtreibend, aber auch sehr befriedigend.
Nach und nach kamen auch die anderen Frauen auf die Tanzfläche und
wiegten sich rhythmisch zur Musik, während sie sich lautstark
unterhielten und lachten.Diese Anziehungskraft, die Cassandras Körper auf ihn ausübte, war Furchterregend. Wohin würde das noch führen?
Wenn sie ein Wolf wäre... Nein!
Er schüttelte den Kopf um wieder klar denken zu können.
Nur eine Nacht. Dann können wir wieder
getrennte Wege gehen.
An diesen Abend verabschiedeten sich die Frauen schon etwas früher als das letzte Mal und er hörte Cass sagen: "Ich mag noch nicht Heim. Charly hat heute frei und passt den ganzen Abend auf Charlott auf." Die anderen Frauen lächelten wissend und verabschiedeten sich herzlich mit vielen Umarmungen und Küsschen. Dann schnappte sie sich ihre Handtasche und ging an die Bar, wo sie angeregt mit Mike plauderte. Als dieser einen Gast zu bedienen hatte, nutzte Josh die Gelegenheit und setzte sich neben seine lang ersehnte Beute.
"Hallo Cassandra. Heute gar kein Weiberabend?" Cass sah ihn finster an.
Oh ja.
Sie erinnerte sich an ihn. Und wahrscheinlich auch an das, was er
letzten Freitag gesagt hatte. Obwohl er jedes seiner Worte
mindestens einhundert Mal im Kopf durchgegangen war, hatte er
nichts schlimmes oder zweideutiges an ihnen entdecken
können."Du müsstest es doch besser wissen, immerhin hast du uns doch die ganze Zeit beobachtet." Josh lächelte.
Erwischt!
"Du hast mich gesehen?" Cassandra sah wieder auf ihren Drink und nippte daran. Ihre vollen Lippen berührten das Glas und bevor sie antwortete, leckte sie den letzten Tropfen vom Glasrand.
Sexy.
Er musste sich sehr zusammen reißen und seine ganze mentale Kraft
aufbieten, um seinen Schwanz zur Ruhe zu rufen. Wie konnte eine
Frau ihn nur dermaßen aus dem Konzept bringen?"Wie könnte man jemanden wie dich übersehen?"
Hörte er da Sarkasmus in ihrer Stimme?
"War das ein Kompliment?" Cass drehte ihm den Rücken zu und erwiderte nichts auf seine Frage. Sie wollte wohl nicht mit ihm reden.
Plötzlich hatte er das starke Bedürfnis an ihrem Haar und ihrer Haut zu schnuppern. Ihren Duft in sich einzufangen. Wie würde sie wohl riechen? Menschen hatten für gewöhnlich einen schwächeren Geruch als Wölfe, blumiger. Wölfe rochen meist nach Hund, Erde oder Wald. Als er sich langsam vorbeugte und konzentriert die Luft durch seine Nase zog, bemerkte er nur einen leichten Parfümduft.
Kein eigener Geruch. Nichts. Wie kann das
sein?
Cass schien seine Schnupperattake mitbekommen zu haben und drehte
sich langsam wieder um, sodass ihr Oberkörper zum Tresen
zeigte."Hast du gerade an mir gerochen?" Ihr Ton war so schneidend und giftig, dass er sofort zurück zuckte. Er war noch nie vor einer Frau zurückgewichen.
"Dein Parfüm riecht sehr gut. Wie heißt es?" Plötzlich schien sie sich wieder etwas zu entspannen.
"Claire Angel." Ihre Ellbogen stützte sie auf den Tresen ab und sah auf ihren Drink. Dann legte sie ihren Zeige- und Mittelfinger an ihre rechte Schläfe und begann, kreisende Bewegungen auszuführen.
"Tut mir Leid. Ich bin von der Woche etwas gereizt." Josh hob sein Glas hoch und entgegnete: "Wollen wir die Woche ertränken? Ich lade dich ein." Cassandra sah ihn verwundert an, dann lächelte sie verschmitzt.
"Da machst du aber kein gutes Geschäft. Ich vertrage sehr viel Alkohol." Er schmunzelte.
Aber nicht so viel wie ich.
Bei Wölfen wirkte Alkohol etwas langsamer als bei Menschen. Es
brauchte schon eine große Menge, um einen Wolf aus den Latschen zu
hauen. Und dieser Mensch würde ihn garantiert nicht unter den Tisch
trinken."Das hab ich letzte Woche schon gesehen, aber an mich kommst du nicht ran." Cass drehte sich nun völlig zu ihm um, sodass sie ihm genau gegenüber saß. "Du glaubst nicht, wie viele Männer mir das schon gesagt haben."
Nach fast zwei Stunden Kampftrinken konnte er kaum noch gerade sitzen und sie war die Nüchternheit in Person.
Das kann doch nicht wahr sein! Von einer Frau
besiegt.
Mit einer Handbewegung machte sie Mike auf sich aufmerksam und
sagte: "ich bring die kleine Schnapsdrossel mal nach Hause." Der
Barkeeper nickte und lachte sich unverhohlen ins Fäustchen.
Dieser arrogante Arsch!
"Na komm, Großer." Sie half ihm vom Barhocker, was wohl Schwerstarbeit war, so wie sie ihre Lippen zusammen presste und an ihm herum zerrte. Dann verließen sie gemeinsam die Bar, wobei sich alles vor seinen Augen drehte. Einen solchen Vollrausch hatte er schon lange nicht mehr erlebt. Der Letzte war anlässlich der Rudelgründung gewesen. Oder war das damals bei Detty? Er wusste es nicht mehr. Aber er bemerkte in diesem Augenblick, dass sich Cassandras Busen an seinen Oberkörper presste, als sie ihn in ein Taxi hieven wollte.
"Wo wohnst du?" Sie klang etwas gereizt. Trotzdem sah sie wunderschön aus. Ihre Haare leuchteten wie ein Feuer und die Wärme ihrer Haut schien ihn magisch anzuziehen. Sie zog die Augenbrauen hoch und schnippte kurz mit den Fingern vor seinem Gesicht.
"Deine Adresse?" Er lallte seine Anschrift und der Taxifahrer fuhr los. Die Adresse, die er genannt hatte, war die seiner Privatwohnung, in die er sich manchmal zurück zog, wenn er seine Ruhe wollte - oder eine Frau abschleppte. Heute wollte er sich eigentlich nur die Blicke seines Rudels ersparen. Es wären vernichtende Blicke gewesen.
Gegen eine Frau beim Wetttrinken verloren. Was
für eine Schande.
Das hätte er sich die nächsten Jahrzehnte anhören dürfen. Außerdem
war er etwas schlecht gelaunt, weil er den ganzen Abend keine
Information aus ihr herausbekommen hatte und sie sich anscheinend
nicht verführen lassen wollte.So ein beschissener Abend.
Als sie vor dem riesigen Wohngebäude angekommen waren - zum Glück hatte das Gebäude einen Lift - schloss sie mit seinem Schlüssel die Tür auf und zog ihn hinein. Seine Wohnung entpuppte sich als riesiges Loft, dass mindestens einhundertfünfzig Quadratmeter groß war. Die Einrichtung sah sehr teuer und antik aus, aber er schien Geschmack zu haben. Alles passte in gewisser Weise zusammen. Sogar der Kontrast von neu und alt schien zu der angenehmen Atmosphäre der Wohnung hinzu zutragen.
Cass sah sich suchend um und entdeckte schließlich das Badezimmer. Sie zerrte ihn hinein und wartete, bis er sie mit seinem glasigen Augen ansah. Er war sturzbetrunken. Mit einem Blick bedeutete sie ihm, dass er duschen gehen sollte, bevor er sich zum schlafen hinlegte. Doch er war so betrunken, dass er, mit dem Rücken zur Wand, auf den Boden sank. Cassandra stöhnte genervt auf.
"Meine Güte. Saufen wie die Großen, aber nichts vertragen." Sie begann die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen und freute sich schon teuflisch darauf, ihn mit eiskaltem Wasser zu wecken oder zumindest wieder etwas nüchtern zu bekommen. Als sein Hemd aufgeknöpft war, bemerkte sie seine Muskeln. Seine überaus großen Muskeln.
Oh mein Gott. Das ist ja unglaublich.
Seine Haut war so weich und glatt, man konnte jeden einzelnen
Muskel spüren. Er war einfach nur atemberaubend. Sie streichelte
sanft über seinen Oberkörper und plötzlich keimte in ihr das
Verlangen, seine Haut zu kosten. Sie beugte sich vor und roch an
seinem Nacken. Dieser herrliche, männliche Duft. Ihre kleine Zunge
berührte ihn dort und ein Stöhnen wich aus seiner Kehle. Ebenso wie
ein wildes Knurren.Plötzlich stand Cassandra in Flammen. Was war auf einmal in sie gefahren? Sie hatte das Gefühl, sterben zu müssen, wenn sie ihn nicht gleich zwischen ihren Schenkeln spüren würde. Sie streichelte wieder über seinen Oberkörper, massierte ihn, küsste ihn. Dann wanderten ihre Hände tiefer zu seiner Hose. Sollte sie das wirklich tun? Ihn in einem schwachen Moment benutzen um ihr Verlangen zu stillen?
Unbedingt! Er würde das Gleiche tun.
Sie öffnete den Knopf seiner Hose und danach den Reißverschluss. Er
trug keine Unterhose, doch das hatte sie sich schon gedacht. Er war
absolut nicht der Typ für Unterhosen. Dafür stand sein Penis
stramm. Sie streichelte bewundernd über das glatte, warme Fleisch
und er hob langsam den Kopf."Träume ich?" Cass schüttelte den Kopf. Ihr von Lust vernebeltes Hirn musste stark arbeiten um einen anständigen Satz zusammen zu bekommen.
"Ich brauche dich. In mir." Mit einem lustvollem Knurren fuhr seine Hand unter ihr Kleid und zerriss den dünnen Stoff ihres Höschens.
"Oh ja. Ich werde in dir sein." Sein Grinsen war diabolisch und seine Stimme klang wieder etwas gefestigt. Mit seinem Finger teilte er ihre geschwollenen Schamlippen und streichelte langsam und zärtlich über ihr erhitztes und sehr feuchtes Fleisch. Mit einem anderen Finger drang er forschend in sie ein. Wie von selbst begann sich ihre Hüfte kreisend auf seiner Hand zu bewegen.
Was für ein Wahnsinnsgefühl.
Sie umschloss seinen Schwanz fester und er legte mit geschlossenen
Augen den Kopf in den Nacken, während er ein genüssliches Stöhnen
von sich gab. Wann war sie das letzte Mal so von einem Mann berührt
worden? Er bewegte sich unruhig unter ihr und versuchte
offensichtlich aufzustehen."Schlafzimmer!" Es war ein barscher Befehl. Und sie stellte fest, dass sie diesen Ton nicht mochte.
"Was ist falsch am Badezimmer?" War das ihre atemlose Stimme gewesen? Das Blut rauschte ihr durch den Kopf und es war sehr schwer, noch einen klaren Gedanken zu fassen. Er musste mit diesen verdammten Berührungen aufhören. Sie zerrte solange an seiner Hand, bis er sie nicht mehr streicheln konnte. Aber ihr Körper war schon so stark gereizt, dass er nach ihm verlangte. Nach Befriedigung. Nach wilden, hemmungslosen Sex. Also setzte sie sich rittlings auf ihn und begann, ihn in sich einzuführen. Er sah zu der Stelle ihrer Vereinigung und legte seine Hänge auf ihre Oberschenkel.
"Du bist so riesig." Sie schnurrte die Worte fast. Voller Wonne warf er den Kopf wieder in den Nacken und stöhnte überaus lustvoll. Er streichelte gedankenverloren über ihren Rücken, spielte mit ihrem langen, roten Haar und fuhr ihr dann wieder bedächtig über die schlanken Oberschenkel. Cass ritt ihn erst langsam und qualvoll, doch irgendwann hielt sie es selbst nicht mehr aus und beschleunigte ihr Tempo. Es war schon viel zu lange her, dass sie mit einem anderen Mann zusammen gewesen war. Als ihr Orgasmus sie überrollte, schrie sie laut auf und ließ sich zitternd auf ihn fallen.
Auf einmal packte er ihren Hintern und warf sie auf den Rücken.
"Moment", schrie sie erschrocken auf, doch er drückte ihr seinen Mund auf die Lippen und küsste sie leidenschaftlich. Seine Hände glitten zu ihrem Busen und er befreite sie aus dem Kleid. Dann unterbrach er seinen Kuss und hob den Kopf um sie bewundern zu können.
"Du bist so wunderschön." Er glitt von ihren Lippen zu ihrem Hals und dabei stieß er immer wieder in sie. Seine Wildheit war wie ein Brandbeschleuniger, der ihr innerstes Feuer noch mehr anfachte. Sie krallte sich in seinen Rücken und ein weiterer Orgasmus kündigte sich an. Das war ihr noch nie passiert. Egal wie sehr sich ihre bisherigen Liebschaften ins Zeug gelegt hatten, war meist nur ein einziger Orgasmus drin gewesen. Und das sehr oft nur durch die gleichzeitige Stimulation ihres Kitzlers. Das hier war komplett anders als alles, was sie je erlebt hatte.
Ihre Gefühle fuhren Achterbahn und sie verlor die Kontrolle. Sie warf ihren Kopf hin und her und verschränkte ihre langen, schlanken Beine über seinem Po. Als sie den Orgasmus spürte, wie er in ihr aufloderte, sie verbrannte, schrie sie laut auf und biss ihm leidenschaftlich in den Oberarm.
Derek, der Rudelführer der Silver-Spring-Wölfe, saß in seinem Arbeitszimmer und wühlte sich durch einen Berg Akten. Er schlug eine nach der anderen auf und überflog den Inhalt, aber er fand einfach nicht das, wonach er suchte.
In einem Wutanfall fegte er die Akten von seinem Tisch und sah zu, wie sie zu Boden fielen. Seit über dreißig Jahren suchte er nun schon nach einem Kind. Kein normales Menschenkind. Ein von Odin begünstigtes Kind, dass dessen Krieger in den Ragnarök führen sollte. Die ersten Anzeichen für den Weltuntergang standen schon kurz bevor, also musste auch dieses Kind schon geboren worden sein.
Keine lebendige Frau wird es gebären.
Er hasste dieses Rätsel. Er hasste die Hexe, die es ihm aufgegeben
hatte. Und noch viel mehr hasste er es, dass er einfach nicht
dahinter kam.
Wenn keine lebendige Frau es gebären konnte,
wie sollte es dann zur Welt kommen? Oder wurde es erschaffen?
Hekate erschuf immer wieder Nymphen aus Blumen, Gestein oder anderem Firlefanz. Aber diese Frauen waren viel zu zart und nicht für den Kampf geeignet. Es war undenkbar, dass eine von ihnen Odins Krieger in den Ragnarök führte.
Nein. Es war ganz sicher ein Wolf.
Außerdem lebten in Alexandria nur Wölfe und Nymphen. Sein Blick
wanderte zu einem Gemälde, dass seine verstorbene Frau
zeigte.Carla trug darauf ein weißes Kleid und einen Strohhut.
Heuchlerei. Selbst bei der Hochzeit hätte sie
kein Weiß tragen dürfen. Sie war immerhin nicht als Jungfrau in die
Ehe gegangen.
Als er sich einmal darüber bei seinem Vater ausgelassen hatte,
lachte dieser nur und meinte, heutzutage wären die wenigsten
Mädchen noch Jungfrauen. Er solle mit seiner Wahl zufrieden sein
und sich glücklich schätzen, so ein intelligentes Mädchen
geheiratet zu haben. Aber Derek hatte sie von Tag zu Tag mehr
gehasst. Sie flirtete ständig mit anderen Männern und mischte sich
immer wieder in die Rudelführung ein. Also begann er, sie immer
weiter von den anderen abzuschotten. Sie durfte nur noch auf ihrem
Zimmer essen und sobald ein Mann den Raum betrat, musste sie sich
entschuldigen und sofort verschwinden.Am Anfang hatte sie sich noch dagegen gewehrt, war schnippisch und frech gewesen, aber nachdem er sie jedes Mal ziemlich grob genommen hatte, zog sie sich freiwillig zurück. Wenn er unterwegs gewesen war, hatte er sie in der Obhut von Michael oder Richard gelassen. Die beiden Männer, denen er am meisten vertraut hatte. Mit der Zeit vergaß er manchmal sogar, dass er verheiratet war. Er zog ihr Huren vor und sie fiel auch nicht mehr negativ auf, so dass er sie nicht mehr bestrafen musste.
Erst als immer öfter gefragt wurde, warum keine Nachkommen gezeugt wurden, viel ihm seine Frau wieder ein. Sie war wahrscheinlich unfruchtbar. Er hatte sie am Anfang so oft genommen, dass sie auf jeden Fall hätte schwanger werden müssen. Aber Nachkommen waren wichtig, wenn man der Rudelführer war. Also beschloss er, seine Frau los zu werden. Töten konnte er sie nicht. Sie stammte aus einem alten schottischen Adelsgeschlecht und ihre Leute waren ihr treu ergeben.
Aber eine Intrige konnte er spinnen. In einem Rudel gab es kein schlimmeres Verbrechen, als eine Affäre mit einem Menschen zu haben. Er schickte Michael und Richard los, um ein paar Besorgungen zu machen und beobachtete seine Frau ein paar Tage lang aufmerksam. Es war zum verrückt werden, aber kein Mann kam ihr zu nahe und wenn doch, zog sie sich sofort auf ihr Zimmer zurück. Also musste er zu härteren Geschützen greifen. Er bestach den Gärtner, einen großen, kräftigen Mann in den vierzigern, dass dieser Carla kompromittieren sollte. An dessen anzüglichen Grinsen hatte er sofort festgestellt, dass er nur auf eine solche Gelegenheit gewartet hatte.
Am gleichen Nachmittag überfiel er Carla im Garten. Sie kämpfte wie die sprichwörtliche Wölfin und es gelang ihr, ins Haus zu flüchten, wo Derek sie prompt einfing. Sie hatte sich an ihn geklammert und unter Tränen erzählt, was der Gärtner hatte tun wollen. Immer mehr Rudelmitglieder kamen dazu und auch der Gärtner erschien auf der Bildfläche.
"Diese schamlose Hure hat den Gärtner verführt. Und nun lügt sie, um mit heiler Haut davon zu kommen." Mit großen grünen Augen hatte sie zu ihm empor gestarrt und er hatte förmlich sehen können, wie sie langsam begriff. Sie wehrte sich nicht gegen seine Anschuldigungen, sondern ließ nur den Kopf hängen und packte wenig später ihren Koffer.
Hätte er damals schon gewusst, dass sie die Kinder eines anderen in sich trug, hätte er sie Tod geprügelt. Und das Rudel hätte nichts dagegen sagen können. Aber dieses Versäumnis hatte er etwas später nachholen können.
Vor ein paar Monaten hatte er schließlich auch Carlas Brut gefunden. Er war zufällig auf die Adoptionspapiere gestoßen, als er gehackte Daten vom Jugendamt bekommen hatte. Um sicher zu gehen, hatte er sich den beiden Frauen als Onkel vorgestellt. Mehr als einen einzigen Blick hatte er nicht gebraucht. Sie waren die genauen Ebenbilder von Carla gewesen.
Carmen hatte zufällig einen Wolf geheiratet, der selbst von seiner Abstammung keine Ahnung hatte. Zusammen hatten sie eine kleine Tochter. Cassandra hingegen lebte allein in der Stadt. Zuerst war er verwundert gewesen, dass sie keine Duftmarke hatte. Aber die Ähnlichkeit zu ihrer Mutter war der Beweis, den er brauchte. Die Mutter war Tod, nun mussten die Bastarde ebenfalls sterben. Die Beseitigung von Carmen war kein Problem gewesen, aber Cassandra hatte eine ungehörige Portion Glück.
Derek fuhr sich mit der Hand durch die Haare und ging wieder zu seinem Schreibtisch. Nachdem er die Akten wieder zusammen gesammelt hatte, nahm er sein Handy und rief einen seiner Männer an. "Probiert es in den Archiven des Krankenhauses. Vielleicht finden wir dort etwas." Damit legte er wieder auf und legte es beiseite. Er würde dieses Kind finden und von Odin reich belohnt werden.
Leicht benommen und mit einem süßen, wunden Schmerz zwischen den Beinen stand Cassandra etwas später auf und zog ihr Kleid wieder an. Sie hatte es kurz nach dem dritten Orgasmus ausgezogen, weil sie Angst hatte, dass dieser Wilde es in seiner Gier kaputt machen würde. Das Höschen war total zerrissen und lag einen Meter von ihr entfernt. Da war nichts zu machen. Sie musste wohl oder übel unten ohne nach Hause gehen.
Mit einem Seufzer auf den Lippen durchquerte sie das Badezimmer und ging zum Waschbecken. Als sie sich im Spiegel betrachtete, war ihr Gesicht noch immer leicht gerötet und ihre Lippen vom küssen ganz geschwollen. Ihre Haare waren nach dem Sex in wilder Unordnung, die sie mit ein paar Handstrichen wieder etwas bändigte.
Mister Groß und Dunkel
verdiente seinen Namen. Er war wirklich groß. Und ausdauernd. Er
war nach fünf Orgasmen ihrerseits völlig erschöpft eingeschlafen
und lag nun nackt auf dem Boden seines eigenen Badezimmers. Zum
Glück hatte er eine Fußbodenheizung. Er würde sich also nicht
erkälten, wenn sie ihn einfach so liegen lassen würde.Sie betrachtete ihn noch eine Weile und selbst im erschlafften Zustand war sein Penis riesig.
Meine Güte. Was hab ich nur getan? Mit einem
Fremden in seine Wohnung zu gehen. Es hätte sonst was passieren
können. Und noch nicht mal an ein Kondom hab ich gedacht...
Aber sie hätte nie mit solch einem atemberaubenden Sex gerechnet.
Und ihrer Reaktion auf seinen Körper. Es war schon sehr lange her,
seit sie sich so befriedigt gefühlt hatte. Wenn
überhaupt.Widerstrebend wendete sie ihren Blick von ihm ab und ging ins Wohnzimmer. Dort suchte sie ein Blatt und einen Stift, schrieb ihm eine kurze Nachricht und verließ danach seine Wohnung.
Während sie auf das Taxi wartete, dass sie sich eben per Handy bestellt hatte, dachte sie darüber nach, was wohl Charly sagen würde, wenn er wüsste, was sie heute Abend getrieben hatte. Sie würde es ihm nicht erzählen. Es war ihr kleines schmutziges Geheimnis.
Kurz vor dem Morgengrauen erwachte auch Josh nach und nach. Die wunderschöne Frau aus seinen Träumen war wieder weg. Er sah immer noch ihr flammendes Haar vor seinen Augen als er in sie stieß und sie lustvoll stöhnte. Ihre wunderschönen Brüste mit diesen kleinen dunkelroten Brustwarzen. Ihre vollen roten Lippen. Ihre gierigen Finger, die jeden Zentimeter seines Körpers erkundet hatten. Er setzte sich auf und war überrascht, sich im Bad wiederzufinden.
"War es doch kein Traum?" Splitterfaser nackt stand er auf und ging ins Wohnzimmer. Auf dem Wohnzimmertisch sah er einen Zettel liegen. Er ging sofort hin und las ihn.
Danke für die tolle Nacht. Cassandra
Er ließ sich auf das dunkelbraune Ledersofa fallen und lehnte sich erschöpft an.
Verdammt! Es war kein Traum. Sie war wirklich
hier und wir hatten Sex. Sie hat mich verführt.
Er sah auf die Uhr und stand wieder auf. Er hatte noch ein paar
Stunden, bevor er wieder beim Rudel sein musste und er brauchte
ganz dringend noch etwas Schlaf. Wobei er schon jetzt wusste, wer
in seinen Träumen die Hauptrolle spielen würde.Sein Schlafzimmer war ein Raum indem dunkelblau und weiß dominierten. Die Wände waren mit königsblauer Tapete beklebt, weiße Bordüren verzierten die Leisten an Boden und Decke. In der Mitte des Raumes stand ein riesiges Himmelbett aus dunklem Holz und der Überwurf, die Kissen und Decken waren aus blauem Stoff. An der Decke und gegenüber des Bettes waren große Spiegel angebracht, damit er seine "Beute" genau beobachten konnte.
Doch heute sah er nur sich. Und Cassandras Spuren. Sie hatte ihn wohl in der Ekstase gebissen. Mehrmals. Er sah sich komplett an. Am Oberarm, an seinem Hals und seinem Bauch hatte er Bissspuren und sein Rücken wies einige tiefe Kratzer auf. Cass war wohl eine kleine Wildkatze.
Er schmunzelte und stieg dann ins Bett. Er war zufrieden. Er hatte mit ihr geschlafen und nun musste er sich noch nicht mal darum kümmern, sie abzuwimmeln. Vielleicht sollte er sich demnächst nur noch verheiratete Frauen für seine einsamen Nächte suchen. Sein Grinsen verblasste. Warum schien ihn plötzlich das komische Gefühl der Leere nicht mehr los zulassen?