INTERMEZZO
3
KASHYYYK, AUF DEM RÜCKWEG VOM KORPORATIONSSEKTOR
Han Solo stand mitten in Mallatobucks Wohnzimmer in ihrem Haus auf Kashyyyk und sah zu, wie sein bester Freund seinen neugeborenen Sohn wiegte. Sie waren auf ihrem Rückweg aus dem Korporationssektor erst vor einer Stunde auf Chewies Heimatwelt gelandet. Die ›Falcon‹ lag sicher in dem geheimen Hangar im Innern des riesigen Wroshyrastes.
Dieses Mal stellten die Wookiees, um Hans Wohlbefinden nicht zu gefährden, dem Corellianer für den Aufstieg durch die Wroshyrzweige eine Reihe von Rankenleitern zur Verfügung. Nachdem er erfahren hatte, was ein Quulaar war, weigerte sich der Corellianer rundheraus, noch einmal in einen solchen Tragebeutel zu steigen.
Nach ihrer Landung hatte Han etwas Seltsames bemerkt. Sämt-liche Wookiees, die ihnen begegneten, warfen Chewie belustigte Seitenblicke zu und stießen einander an. Chewbacca nahm das Getue jedoch anscheinend gar nicht zur Kenntnis, da er viel zu erpicht darauf war, sein geliebtes Weib wiederzusehen. Immerhin hatte der Wookiee Malta seit beinahe einem Jahr nicht mehr gesehen… Und dann, als sie Mallas Haus betraten, stand sie da und hielt ein kleines, in eine Decke gewickeltes Bündel im Arm. Chewbacca blieb wie angewurzelt im Eingang stellen, und ungläubige Freude stahl sich langsam in seine pelzigen Züge.
Han schlug seinem Freund annähernd mit Wookiee-Kraft auf den Rücken. »He, gratuliere, Chewie! Du bist ja jetzt Vater!«
Nach einigen Minuten bewundernder Blicke für das Baby (von dem sogar Han zugeben mußte, daß es schrecklich niedlich war), schlenderte Han in Mallas Küche, um Chewie ein wenig Zeit allein mit seiner Familie zu gönnen. Er kramte im Eisschrank herum und fand ein paar Reste, die er sich, froh darüber, daß Malla ihn aufgefordert hatte, sich wie zu Hause zu fühlen, getrost in den Mund stopfen konnte. Während er so dasaß und lauschte, wie Chewie und Malla im Nebenraum über mögliche Namen für ihren Sohn diskutierten, wanderten seine Gedanken zurück in den Korporationssektor, zur Tion-Hegemonie und zu all den Abenteuern, die er dort erlebt hatte. Er kam zwar nicht reich nach Hause, soviel stand fest… aber es war ihm, so befand er, auch nicht allzu schlecht ergangen.
Und er hatte ohne Zweifel eine Menge unvergeßlicher Persönlichkeiten kennengelernt – einige darunter gut, andere nicht. Und natürlich hatte es schöne Frauen gegeben: Jessa, Fiolla… und Hasti… Die Erinnerung ließ Han lächeln.
Und es hatte Schurken gegeben. Jene, die ihm wegen einer Handvoll Credits an die Gurgel wollten, oder jene, die ihm, was noch schlimmer war, das Lebenslicht einfach so auspusten wollten. Eine lange Schlange von Schurken: Ploovo Zwo-Vier-Eins, Jirken, Zlarb, Magg, Spray… und Gallandro. Ein harter Brocken, dieser Gallandro. Es würde bestimmt Spaß machen, ihm bei einem Zweikampf gegen Boba Fett mit gleichen Waffen zuzusehen. Gallandro wäre wahrscheinlich schneller als der Kopfgeldjäger… obwohl Fetts Rüstung diesem wohl einen gewissen Schutz gewähren würde…
Han konnte sich nicht entscheiden, wer von beiden den Kampf für sich entscheiden würde. Und alle Spekulationen waren schließlich müßig, da Gallandro in Xims Schatzkammer auf Dellali zu einem Häuflein verkohlten Fleisches und schwarzer Knochen zusammengeschrumpft war.
Es hatte Spaß gemacht, Roa und Badure zu treffen. Er würde daran denken müssen, Mako die Grüße von Badure auszurichten… Han stellte voller Überraschung fest, daß er sogar Bollux und Blue Max vermißte. Ihm war nie klar gewesen, daß Droiden über eine so ausgeprägte Persönlichkeit verfügen konnten. Er hoffte inständig, daß Skynx die beiden anständig behandelte…
Der Corellianer betastete die schon beinahe vollständig verheilte Messerwunde am Kinn. Er war nie dazu gekommen, sie angemessen behandeln zu lassen, daher war sie mit einer sichtbaren Narbe verheilt, und er fragte sich, ob er sie sich entfernen lassen sollte…
War es nicht Lando, der stets darauf bestand, daß keine Frau einem Draufgänger widerstehen konnte? Aus diesem Grund hatte sich der Spieler den Bart wachsen lassen und behauptete seither, dieser verleihe ihm ein verwegenes und piratenhaftes Aussehen. Han beschloß, die Narbe vorläufig zu behalten. Immerhin konnte man – möglicherweise – Geschichten darüber erzählen. Er stellte sich vor, wie er in einer seiner Lieblingsbars auf Nar Shaddaa saß und seine Geschichte einer schönen Frau erzählte, die ihn fasziniert ansah…
Nächster Halt – Nar Shaddaa, dachte Han. Ich bin bloß mal gespannt, ob Jabba mich vermißt hat.