Vierundzwanzig


»Ist es ein gewöhnlicher oder ein interessanter Zufall, dass zwei der Polizei wohlbekannte Männer, die beide bei Elli im Octopussy gearbeitet haben, im PlayboyClub übernachtet haben, und zwar in derselben Nacht, in der Þórhildurs Sohn Selbstmord begangen hat?«


Terje stand mit dem Gästebuch der Unterkunft in der Hand an Dagnýs Schreibtisch und blickte auf sie herab.


Kurz spielte sie mit dem Gedanken, aufzustehen und sich auf ihren Stuhl zu stellen, um auf ihn herunter zu blicken, bevor sie antwortete, aber sie blieb sitzen. Spontane Einfälle ohne Nachdenken umzusetzen entsprach nicht Dagnýs Naturell.


»Was meinst du mit gewöhnlichem Zufall? Sind nicht alle Zufälle eher ungewöhnlich?«, fragte sie und hoffte, dass Terje nicht auf die Idee käme, auf ihrer Schreibtischkante Platz zu nehmen.


»Ein gewöhnlicher Zufall ist es, wenn du deinen Erzfeind triffst, und er dir ein paar aufs Maul gibt«, sagte Terje, ließ sich mit einer Pobacke auf die Schreibtischkante nieder und warf einen Becher mit Stiften um. »Ein ungewöhnlicher Zufall ist es, wenn du deinen Erzfeind triffst, ihm ein paar aufs Maul gibst ­ und dir dann den Kopf an einer Tür stößt, wenn du weggehst.«   

 


»Also ich weiß nicht«, sagte Dagný und versuchte Terje mit Blicken zu verstehen zu geben, dass sein Hinterteil auf ihrem Schreibtisch nicht willkommen war. Zwar hätte der Blick Sommer in Winter verwandeln können, aber Terje las in ihm wohlwollendes Interesse und versuchte es sich entsprechend auf dem Schreibtisch bequemer zu machen.


»Okay«, sagte er. »Wenn diese beiden Typen, die bekannt dafür sind, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, an dem Morgen, an dem Magnús gefunden wird, in aller Herrgottsfrühe aufstehen, um auszuchecken, ist das dann ein Zufall?«


»Das ist schwer zu sagen«, sagte Dagný. »Aber man kann es näher untersuchen.«


»Nicht genug damit, dass die beiden beim ersten Hahnenschrei aufgestanden sind, sondern sie beschlossen auch noch, zusammen zu verreisen, und kauften sich ein Flugticket nach Kopenhagen am nächsten Tag. Auch ein Zufall?«


Dagný gab die Hoffnung auf, Terje ihre Unzufriedenheit allein mit Blicken zu verstehen geben zu können.


»Siehst du den Stuhl da? Willst du nicht ausprobieren, ob man darauf besser als auf meinem Schreibtisch sitzen kann?«


»Ich habe es ganz bequem«, sagte Terje. »Mach dir keine Gedanken darum, wie es mir geht. Denk lieber mal an all diese Zufälle. Weißt du, wer gesagt hat: >Once is happenstance. Twice is coincidence. The third time it's enemy action<? Ein Mal ist kein Mal. Das zweite Mal ist Zufall. Beim dritten Mal ist was faul.«


»Ich hab Harry Potter nicht gelesen«, sagte Dagný.


»Oder ist das aus Star Wars?«


Die Unverschämtheit und die Rücksichtslosigkeit ihres Kollegen waren es, die sie nervten ­ weit mehr als die Pobacke auf dem Schreibtisch, die zugegebenermaßen nicht übel aussah. »Bond«, sagte Terje. »James Bond. Genau genommen war es kein geringerer als Auric Goldfinger, der das sagte. Der berühmteste Bösewicht der Filmgeschichte.«


»Ich bewundere dich dafür, wie belesen du bist«, sagte Dagný. »Schaust du auch alle Verfilmungen?«


»Ich rede von Zufällen«, sagte Terje. »Als sich die Mitarbeiter vom Octopussy treffen, stirbt Magnús und die anderen beiden verlassen das Land. Wie soll man das nennen?«


»Einen interessanten Zufall?«, fragte Dagný. »Jetzt lass mich bitte diese Liste mit Telefonnummern in Ruhe fertig machen. Wir können dann in der Mittagspause weiterreden.«


»Wow!«, sagte Terje. »Ein Date! Mama hat mir immer gesagt, dass ich unwiderstehlich bin.«


*****


»Nein und wieder nein. Ich lasse weder dich noch irgendeinen anderen Mann eine Schnur um meinen Hals knüpfen.«


»Und wenn ich eine Krawatte von jemandem besorgen würde? Ein Gürtel wäre natürlich am allerbesten.«


»Nein, nein, nein. Verstehst du nicht, dass >nein< einfach >nein< heißt?«


Dagný wunderte sich über sich selbst und wusste eigentlich gar nicht mehr, wie Terje sie überhaupt dazu gebracht hatte, mit ausgestreckten Beinen auf dem schmutzigen Büroboden zu sitzen und sich mit dem Rücken an die Tür zu lehnen. Als er eine Schnur aus seiner Tasche hervorgezogen und sich angeschickt hatte, diese um ihren Hals zu legen, hatte sie genug.


»Aber dann ist unsere Arbeit nicht wissenschaftlich«, sagte Terje. »Ich wusste gar nicht, dass du so etepetete bist.«


Dagný machte Anstalten, aufzustehen, aber Terje drückte von oben fest auf ihren Kopf und hielt sie dadurch unten.


»Bleib still sitzen. Wir sind noch nicht fertig, auch wenn wir das Aufknüpfen sein lassen. Sei ganz kraftlos.«


»Erwartest du, dass ich mich platt auf den Boden lege?«


»Nein, du könntest nicht zu Boden sinken. Du hast einen Gürtel um den Hals und der Gürtel ist an der Türklinke über dir befestigt.«


»Okay. Versteh ich.«


»Jetzt bist du schon bewusstlos und ich will nicht, dass man mich hier drin vorfindet. Ich muss raus, und dann lehnst du dich an die Tür, wenn ich hinter mir schließe.«


»Okay.«


Terje zog an der Tür und versuchte, sie zu öffnen.


Dagný wollte sich vorbeugen, sodass er hinausschlüpfen könnte.


»Warum kannst du nicht still sitzen bleiben, Mensch?


Hast du Springwürmer? Du sollst vollkommen bewusstlos sein. Erschlafft. Verstehst du?«


»Okay.«


Dagný versuchte, sich auf ihre Rolle zu konzentrieren.


Lehnte sich kraftlos an die Tür. Spürte, wie die Tür gegen ihren Rücken drückte, als Terje sie einen kleinen Spalt öffnete. Sie neigte sich vor und war kurz davor, sich nach vorn fallen zu lassen, als sie sich daran erinnerte, dass sie an einem eingebildeten Band an der Klinke hing. Lehnte sich wieder gegen die Tür und wäre fast zur Seite gerollt, als Terje die Tür schloss.              


»Halt still«, rief Terje von draußen. »Jetzt komme ich wieder rein. Denk dran, ganz erschlafft zu sein.« Die Tür begann sich wieder nach innen zu bewegen.


Terjes Kopf erschien.


»Prima«, sagte er. »Verstehst du jetzt, was ich meine?«


»Darf ich aufstehen?«


»Bitte sehr.«


Terje streckte seine Hand aus, aber Dagný gab vor, sie nicht zu sehen, und richtete sich ohne Unterstützung wieder auf.


»Das beweist doch gar nichts«, sagte sie.


»Es beweist, dass zweifellos jemand den Kerl mit einem Gürtel erwürgt hat, dann rausgeschlichen ist und die Leiche dazu verwendet hat, um die Tür hinter sich zu schließen. Oder glaubst du etwa, dass sich jemand an einer Türklinke erhängt? Das ist genauso praktisch wie sich umbringen zu wollen, indem man die Luft anhält.


Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass der Kerl umgebracht worden ist. Ich sage Randver, dass ich das ohne deine Hilfe nie hätte herausfinden können.«


»Nein, erwähn mich nicht«, sagte Dagný. »Du darfst die gesamte Ehre für diesen Einfall für dich beanspruchen.«


»Natürlich sage ich, dass du mich auf die Fährte gebracht hast. Unter der Sonne ist genug Platz für uns beide.«


*****


Sogar der Gentleman Randver konnte grantig werden.


»Was willst du damit eigentlich andeuten?«, fragte er und schaute Terje erbost an. »Wir haben hier mehr Morde und Totschläge als jemals zuvor in der Geschichte der isländischen Polizei um die Ohren, und du, was machst du? Du kommst mit irgendwelchen Spinnereien, dass ein Selbstmord, der bereits als solcher bestätigt wurde, kein Selbstmord gewesen sein soll, sondern Mord. Damit erweist du uns doch einen Bärendienst.«


»Du hast mir doch selbst den Auftrag gegeben, mich der Sache anzunehmen«, sagte Terje. Ihm war völlig egal, dass Randver gerade schlechte Laune hatte. Er wollte recht bekommen.


»Das habe ich nicht gesagt«, widersprach Randver.


»Ich habe dir nicht gesagt, dich hineinzusteigern und aus einem Selbstmord einen Mord zu machen. Ich habe dir klar und deutlich gesagt, genau zu untersuchen, wie es passieren konnte, dass niemand Magnús' Leiche identifiziert hat, und wie es dazu kam, dass seine Mutter ihm bei der Autopsie begegnete.«


»Das lief wie jeder andere Murks auch«, sagte Terje.


»Menschliches Versagen und so weiter. Keiner hat etwas davon, wenn ich jetzt irgendwelche Berichte darüber schreibe, welche Polizisten Dienst hatten und zuerst den Leichnam sahen. Irgendwelche Sündenböcke zu benennen, ist einfach nicht mein Ding. Gewiss bist du mein Vorgesetzter und ich tue ja auch, was du mir sagst ­ innerhalb vernünftiger Grenzen.«


»Innerhalb welcher Grenzen?«, fragte Randver und war überrascht, wie unverfroren der Kerl war.


»Bis du mir sagst, dass ein Mord kein Mord ist und wir es auf sich beruhen lassen sollen.«


»Und was willst du dann machen?«, fragte Randver.


»Ich kann zum Beispiel mit Víkingur sprechen. Er würde nicht lange brauchen, um zu sehen, dass ich recht habe.«


»Er ist beurlaubt«, sagte Randver.


»Ich weiß, wo er wohnt«, sagte Terje. »Ein guter Polizist ist nie im Urlaub, wenn es um Mord geht.« »Du lässt Víkingur in Frieden«, sagte Randver. »Seine Frau hat sich das Leben genommen. Verstehst du das, Junge?«


Randver war vom Schreibtisch aufgestanden, sodass Terje es vorzog, einen geordneten Rückzug anzutreten.


»Deswegen glaube ich ja, dass er Interesse hätte, der Sache auf den Grund zu gehen.«


»Kümmere du dich nur darum, das zu tun, worum du gebeten wirst«, sagte Randver.


»Das ist ja akkurat das, was ich versuche«, sagte Terje.


»Findest du es wirklich nicht seltsam, dass der Kerl sich am selben Tag, an dem er aus dem Ausland nach Hause kommt, in ein Zimmer im Playboy-Club einschließt und das Leben aus sich herausquetscht, indem er sich an einer Türklinke erhängt?«


Randver konnte nie lange wütend sein. »Von wo kam Magnús denn?«


»Er kam mit der Abendmaschine aus Kopenhagen und war während seiner Auslandsreise sowohl in Holland als auch in Estland gewesen.«


»Woher weißt du das?«


»Ich hab das einfach überprüft.« Das war allerdings übertrieben. Ein Angestellter eines Reisebüros erinnerte sich daran, dass ein Mann, der Magnús gewesen sein könnte, nach den Kosten einer Reise nach Tallinn und Amsterdam über Kopenhagen gefragt hatte. Der Grund, weshalb der Mann sich daran erinnerte, war, dass er sich dafür schämte, so bequem gewesen zu sein, dass er dem Mann gesagt hatte, er könne ja selbst im Internet nach billigen Flügen suchen.


»Da sagst du was.«


»Mit dem Zeitpunkt, zu dem Ársæll auf dem Flughafen Schiphol getötet wurde, stimmt das überein. Magnús war zur selben Zeit im Ausland. Bei der Leiche in Rotterdam ist es schwieriger zu sagen. Wir wissen nicht exakt, wann sie im Hafen gelandet ist. Dennoch halte ich es für wahrscheinlich, dass Magnús auch da am Werk war.«


»Jetzt warte erst mal ab. Erst kommst du und behauptest, Magnús habe keinen Selbstmord begangen, sondern sei ermordet worden, und kaum hast du das begründet, behauptest du, dass Magnús selbst zwei Morde in Holland begangen haben könnte.«


»Und eine Menge Menschen in Estland hat er auch umgebracht«, fügte Terje hinzu. Er war erfreut, dass er Randvers Interesse hatte wecken können.


»Jetzt bin ich aber baff«, sagte Randver. »Machst du das alles daran fest, dass der Kerl nach Kopenhagen gereist ist? Oder welchen Grund sollte Magnús haben, sich in großem Stil dem Totschlag zu widmen ­ in Holland und in Estland?«


»Und in Island«, murmelte Terje. »Er könnte die Morde im Sommerhaus verübt haben, auch wenn er selbst getötet wurde, bevor die Leichen gefunden wurden.«   

 


»Setz dich«, sagte Randver und zeigte auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. »Wir wollen das noch einmal durchgehen. In aller Ruhe.«


Terje tat so, als sähe er den Stuhl nicht, und ließ sich stattdessen auf der Schreibtischkante von seinem Vorgesetzten nieder.


»Setz dich auf den Stuhl, Junge. Was sind das denn für Manieren, einem auf den Schreibtisch zu klettern?«


»Entschuldige«, sagte Terje und setzte sich um.


»Also?«


»Weißt du, ich habe mich für den Jungen interessiert, seit du mir gesagt hast, ich solle mir die Sache mal genauer anschauen.« »Ich weiß noch genau, worum ich dich gebeten habe.«


»Ich fand diesen Selbstmord so merkwürdig. Eine Türklinke befindet sich in einhundertzehn Zentimetern Höhe vom Boden. Sich in ein Gästezimmer zu schleichen, um sich an einer Türklinke zu erhängen, ist absolut hirnverbrannt. Es stehen genug leere Neubauten herum.


Ich fand das total abstrus. Natürlich ist mir trotzdem völlig klar, dass Drogensüchtige wesentlich selbstmordgefährdeter sind als andere, vielleicht zwanzigmal mehr.


Die Sache war nur die, dass dieser Kerl ziemlich frisch aus einem Entzug kam, von dem man ausging, dass er erfolgreich sein würde.«


»Laut Autopsiebericht hatte er etwas im Blut. Man kann sich vorstellen, dass er von absoluter Hoffnungslosigkeit ergriffen wurde, als er rückfällig wurde.«


»Und dass er dann beschlossen hat, in den PlayboyClub zu gehen, um sich dort ein leeres Zimmer zu suchen und sich an der Türklinke zu erhängen?«


»Ja, irgendetwas in der Richtung.« Randver war noch nicht bereit, die Theorie mit dem ermordeten Mörder zu akzeptieren.


»Was sagst du dazu: Magnús hat zufällig zwei Mitarbeiter von Elli vom Octopussy getroffen, die ihn dann ausgefragt haben, ob er wisse, wo Elli sei? Sie haben Magnús mit sich in den Playboy-Club genommen, wo sie beide ein Zimmer hatten. Da ist es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Männern gekommen und die Octopussy-Typen haben Magnús erledigt. Um Ärger zu vermeiden, beschlossen sie, es wie Selbstmord aussehen zu lassen, suchten ein leeres Zimmer, haben die Leiche da untergebracht und sich zur Sicherheit mit dem ersten Flug ins Ausland abgesetzt.«


»Ich finde das eine sehr fragwürdige Vermutung. Wenn Magnús kurz vor seinem Tod in einer Schlägerei gelandet ist, warum steht dann nichts darüber im Autopsiebericht?«


»Weißt du, wie dieser Bericht entstanden ist?«


»Ich gehe davon aus, dass er auf die normale Weise entstanden ist«, sagte Randver. »Gibt es an ihm etwas auszusetzen?«


»Ich würde sagen, dass er sehr schlampig gemacht wurde«, sagte Terje. »Aus verständlichen Gründen ist dieser Bericht nicht von unserer Gerichtsmedizinerin erstellt worden, sondern von einem Arzt, der eine Weiterbildung macht. Außerdem war es seine vierte Autopsie an dem Tag. Ich wusste nicht, dass Obduktionen wie das Filetieren in der Fischfabrik im Akkord gemacht werden.


Der Mann hat nämlich versucht, einen Mengenrekord zu setzen statt einen Rekord in Genauigkeit. Dennoch wird im Bericht erwähnt, dass die Leiche Hämatome und geringfügige Verletzungen aufwies.«


»Betrunkene taumeln und stoßen sich und ziehen sich so verschiedenste Verletzungen zu.«


»Dieser Mann hatte null Komma sieben Promille Alkohol im Blut. Wie bei einem Mann, der sich einen Schnaps genehmigt hat. Ich glaube, dass Magnús nüchtern war und die Männer versucht haben, ihm Alkohol zu verabreichen. Sein Hemd war zerrissen und die Kleidung roch stark nach Alkohol.«


»Schön und gut«, sagte Randver. »Ich habe gehört, was du zu sagen hast. Und was ist dann das Motiv für das Ganze?«


»Drogen und Geld. Geld und Drogen.«


»Würde es dir etwas ausmachen, dich etwas präziser auszudrücken? Was genau meinst du mit >Geld und Drogen<?« »Das weiß ich noch nicht genau. Ich habe noch ein paar lose Enden, aber ich bin mir todsicher, dass es sich um Drogen und Geld dreht. Vielleicht haben Magnús und seine Komplizen viel Rauschgift gestohlen, als sie dieses Amphetaminlabor niedergebrannt haben, das Elli in Estland besaß. Vielleicht haben sie die Männer in Holland getötet, um herauszufinden, wo sich das Labor befand? Vielleicht töteten sie Elli, um zu verhindern, dass er herausfindet, dass sie sein Labor zerstört haben. Wenn meine Vermutung stimmt, haben wir nur noch ein bisschen Fleißarbeit vor uns.«


»Du sagtest >Magnús und seine Komplizen<. Hast du Magnús etwa zum Mafiaboss gemacht?«


»Nein, es ist ja nicht sicher, ob er der Anführer war, und das habe ich auch nie gesagt. Ich sprach auch nicht von einer ganzen Mafiatruppe, aber es ist ja offensichtlich, dass man mehr als einen Komplizen braucht, um die Morde im Sommerhaus zu begehen.«              


»Weißt du von irgendeinem Begleiter von Magnús?«


»Ja und nein«, antwortete Terje. »Ich habe den Namen des Mannes, der auf dem Weg nach Kopenhagen neben ihm saß.«


»Und das findest du verdächtig?« Sarkasmus war nicht Randvers Art, er meinte die Frage ernst, weil es ihm zu weit ging, wie Terje aus wenigen Fakten einen komplizierten Tathergang zusammenflocht. Das Gegenteil traf auf die große Ermittlung zu. Bei der hatte man viele Fakten gesammelt, ohne dass es bisher gelungen war, sie zu einem schlüssigen Tathergang zu verbinden.


»Ja, besonders in Hinsicht darauf, dass derselbe Mann auch auf dem Rückweg neben ihm saß.«


»Und was sagt dieser Mann zu der Reise?«


»Ich habe ihn noch nicht befragt.« »Warum nicht?«


»Weil dieser Mann nicht in Reykjavík lebt, sondern auf dem Land.«


»Wo?«


»Weiter östlich in Rangárvellir. Auf dem Hof Steinkross.«


»Was für ein Mann ist das?«


»Er ist in einem ähnlichen Alter wie Magnús, taucht aber nicht im Vorstrafenregister auf. Ich dachte, ich düse heute Nachmittag mal Richtung Osten und unterhalte mich mit ihm.«


»Mach das«, sagte Randver. »Weil du dich ja ohnehin schon so lange damit beschäftigt hast.«


»Prima«, sagte Terje und stand auf.


»Und nimm Dagný oder jemand anderen mit.«


»Mach ich.«


»Warte mal«, sagte Randver. »Wie heißt dieser Mann, den du in Steinkross treffen willst?«


»Er heißt Karl Viktor Ágústsson.«