»Ist es ein gewöhnlicher oder ein interessanter Zufall, dass zwei
der Polizei wohlbekannte Männer, die beide bei Elli im Octopussy
gearbeitet haben, im PlayboyClub übernachtet haben, und zwar in
derselben Nacht, in der Þórhildurs Sohn Selbstmord begangen
hat?«
Terje stand mit dem Gästebuch der Unterkunft in der Hand an Dagnýs
Schreibtisch und blickte auf sie herab.
Kurz spielte sie mit dem Gedanken, aufzustehen und sich auf ihren
Stuhl zu stellen, um auf ihn herunter zu blicken, bevor sie
antwortete, aber sie blieb sitzen. Spontane Einfälle ohne
Nachdenken umzusetzen entsprach nicht Dagnýs Naturell.
»Was meinst du mit gewöhnlichem Zufall? Sind nicht alle Zufälle
eher ungewöhnlich?«, fragte sie und hoffte, dass Terje nicht auf
die Idee käme, auf ihrer Schreibtischkante Platz zu
nehmen.
»Ein gewöhnlicher Zufall ist es, wenn du deinen Erzfeind triffst,
und er dir ein paar aufs Maul gibt«, sagte Terje, ließ sich mit
einer Pobacke auf die Schreibtischkante nieder und warf einen
Becher mit Stiften um. »Ein ungewöhnlicher Zufall ist es, wenn du
deinen Erzfeind triffst, ihm ein paar aufs Maul gibst und dir
dann den Kopf an einer Tür stößt, wenn du weggehst.«
»Also ich weiß nicht«, sagte Dagný und versuchte Terje mit Blicken
zu verstehen zu geben, dass sein Hinterteil auf ihrem Schreibtisch
nicht willkommen war. Zwar hätte der Blick Sommer in Winter
verwandeln können, aber Terje las in ihm wohlwollendes Interesse
und versuchte es sich entsprechend auf dem Schreibtisch bequemer zu
machen.
»Okay«, sagte er. »Wenn diese beiden Typen, die bekannt dafür sind,
sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, an dem Morgen, an dem
Magnús gefunden wird, in aller Herrgottsfrühe aufstehen, um
auszuchecken, ist das dann ein Zufall?«
»Das ist schwer zu sagen«, sagte Dagný. »Aber man kann es näher
untersuchen.«
»Nicht genug damit, dass die beiden beim ersten Hahnenschrei
aufgestanden sind, sondern sie beschlossen auch noch, zusammen zu
verreisen, und kauften sich ein Flugticket nach Kopenhagen am
nächsten Tag. Auch ein Zufall?«
Dagný gab die Hoffnung auf, Terje ihre Unzufriedenheit allein mit
Blicken zu verstehen geben zu können.
»Siehst du den Stuhl da? Willst du nicht ausprobieren, ob man
darauf besser als auf meinem Schreibtisch sitzen kann?«
»Ich habe es ganz bequem«, sagte Terje. »Mach dir keine Gedanken
darum, wie es mir geht. Denk lieber mal an all diese Zufälle. Weißt
du, wer gesagt hat: >Once is happenstance. Twice is coincidence.
The third time it's enemy action<? Ein Mal ist kein Mal. Das
zweite Mal ist Zufall. Beim dritten Mal ist was faul.«
»Ich hab Harry Potter nicht gelesen«, sagte Dagný.
»Oder ist das aus Star Wars?«
Die Unverschämtheit und die Rücksichtslosigkeit ihres Kollegen
waren es, die sie nervten weit mehr als die Pobacke auf dem
Schreibtisch, die zugegebenermaßen nicht übel aussah. »Bond«, sagte
Terje. »James Bond. Genau genommen war es kein geringerer als Auric
Goldfinger, der das sagte. Der berühmteste Bösewicht der
Filmgeschichte.«
»Ich bewundere dich dafür, wie belesen du bist«, sagte Dagný.
»Schaust du auch alle Verfilmungen?«
»Ich rede von Zufällen«, sagte Terje. »Als sich die Mitarbeiter vom
Octopussy treffen, stirbt Magnús und die anderen beiden verlassen
das Land. Wie soll man das nennen?«
»Einen interessanten Zufall?«, fragte Dagný. »Jetzt lass mich bitte
diese Liste mit Telefonnummern in Ruhe fertig machen. Wir können
dann in der Mittagspause weiterreden.«
»Wow!«, sagte Terje. »Ein Date! Mama hat mir immer gesagt, dass ich
unwiderstehlich bin.«
*****
»Nein und wieder nein. Ich lasse weder dich noch irgendeinen
anderen Mann eine Schnur um meinen Hals knüpfen.«
»Und wenn ich eine Krawatte von jemandem besorgen würde? Ein Gürtel
wäre natürlich am allerbesten.«
»Nein, nein, nein. Verstehst du nicht, dass >nein< einfach
>nein< heißt?«
Dagný wunderte sich über sich selbst und wusste eigentlich gar
nicht mehr, wie Terje sie überhaupt dazu gebracht hatte, mit
ausgestreckten Beinen auf dem schmutzigen Büroboden zu sitzen und
sich mit dem Rücken an die Tür zu lehnen. Als er eine Schnur aus
seiner Tasche hervorgezogen und sich angeschickt hatte, diese um
ihren Hals zu legen, hatte sie genug.
»Aber dann ist unsere Arbeit nicht wissenschaftlich«, sagte Terje.
»Ich wusste gar nicht, dass du so etepetete bist.«
Dagný machte Anstalten, aufzustehen, aber Terje drückte von oben
fest auf ihren Kopf und hielt sie dadurch unten.
»Bleib still sitzen. Wir sind noch nicht fertig, auch wenn wir das
Aufknüpfen sein lassen. Sei ganz kraftlos.«
»Erwartest du, dass ich mich platt auf den Boden lege?«
»Nein, du könntest nicht zu Boden sinken. Du hast einen Gürtel um
den Hals und der Gürtel ist an der Türklinke über dir
befestigt.«
»Okay. Versteh ich.«
»Jetzt bist du schon bewusstlos und ich will nicht, dass man mich
hier drin vorfindet. Ich muss raus, und dann lehnst du dich an die
Tür, wenn ich hinter mir schließe.«
»Okay.«
Terje zog an der Tür und versuchte, sie zu öffnen.
Dagný wollte sich vorbeugen, sodass er hinausschlüpfen
könnte.
»Warum kannst du nicht still sitzen bleiben, Mensch?
Hast du Springwürmer? Du sollst vollkommen bewusstlos sein.
Erschlafft. Verstehst du?«
»Okay.«
Dagný versuchte, sich auf ihre Rolle zu konzentrieren.
Lehnte sich kraftlos an die Tür. Spürte, wie die Tür gegen ihren
Rücken drückte, als Terje sie einen kleinen Spalt öffnete. Sie
neigte sich vor und war kurz davor, sich nach vorn fallen zu
lassen, als sie sich daran erinnerte, dass sie an einem
eingebildeten Band an der Klinke hing. Lehnte sich wieder gegen die
Tür und wäre fast zur Seite gerollt, als Terje die Tür schloss.
»Halt still«, rief Terje von draußen. »Jetzt komme ich wieder rein.
Denk dran, ganz erschlafft zu sein.« Die Tür begann sich wieder
nach innen zu bewegen.
Terjes Kopf erschien.
»Prima«, sagte er. »Verstehst du jetzt, was ich meine?«
»Darf ich aufstehen?«
»Bitte sehr.«
Terje streckte seine Hand aus, aber Dagný gab vor, sie nicht zu
sehen, und richtete sich ohne Unterstützung wieder auf.
»Das beweist doch gar nichts«, sagte sie.
»Es beweist, dass zweifellos jemand den Kerl mit einem Gürtel
erwürgt hat, dann rausgeschlichen ist und die Leiche dazu verwendet
hat, um die Tür hinter sich zu schließen. Oder glaubst du etwa,
dass sich jemand an einer Türklinke erhängt? Das ist genauso
praktisch wie sich umbringen zu wollen, indem man die Luft
anhält.
Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass der Kerl umgebracht
worden ist. Ich sage Randver, dass ich das ohne deine Hilfe nie
hätte herausfinden können.«
»Nein, erwähn mich nicht«, sagte Dagný. »Du darfst die gesamte Ehre
für diesen Einfall für dich beanspruchen.«
»Natürlich sage ich, dass du mich auf die Fährte gebracht hast.
Unter der Sonne ist genug Platz für uns beide.«
*****
Sogar der Gentleman Randver konnte grantig werden.
»Was willst du damit eigentlich andeuten?«, fragte er und schaute
Terje erbost an. »Wir haben hier mehr Morde und Totschläge als
jemals zuvor in der Geschichte der isländischen Polizei um die
Ohren, und du, was machst du? Du kommst mit irgendwelchen
Spinnereien, dass ein Selbstmord, der bereits als solcher bestätigt
wurde, kein Selbstmord gewesen sein soll, sondern Mord. Damit
erweist du uns doch einen Bärendienst.«
»Du hast mir doch selbst den Auftrag gegeben, mich der Sache
anzunehmen«, sagte Terje. Ihm war völlig egal, dass Randver gerade
schlechte Laune hatte. Er wollte recht bekommen.
»Das habe ich nicht gesagt«, widersprach Randver.
»Ich habe dir nicht gesagt, dich hineinzusteigern und aus einem
Selbstmord einen Mord zu machen. Ich habe dir klar und deutlich
gesagt, genau zu untersuchen, wie es passieren konnte, dass niemand
Magnús' Leiche identifiziert hat, und wie es dazu kam, dass seine
Mutter ihm bei der Autopsie begegnete.«
»Das lief wie jeder andere Murks auch«, sagte Terje.
»Menschliches Versagen und so weiter. Keiner hat etwas davon, wenn
ich jetzt irgendwelche Berichte darüber schreibe, welche Polizisten
Dienst hatten und zuerst den Leichnam sahen. Irgendwelche
Sündenböcke zu benennen, ist einfach nicht mein Ding. Gewiss bist
du mein Vorgesetzter und ich tue ja auch, was du mir sagst
innerhalb vernünftiger Grenzen.«
»Innerhalb welcher Grenzen?«, fragte Randver und war überrascht,
wie unverfroren der Kerl war.
»Bis du mir sagst, dass ein Mord kein Mord ist und wir es auf sich
beruhen lassen sollen.«
»Und was willst du dann machen?«, fragte Randver.
»Ich kann zum Beispiel mit Víkingur sprechen. Er würde nicht lange
brauchen, um zu sehen, dass ich recht habe.«
»Er ist beurlaubt«, sagte Randver.
»Ich weiß, wo er wohnt«, sagte Terje. »Ein guter Polizist ist nie
im Urlaub, wenn es um Mord geht.« »Du lässt Víkingur in Frieden«,
sagte Randver. »Seine Frau hat sich das Leben genommen. Verstehst
du das, Junge?«
Randver war vom Schreibtisch aufgestanden, sodass Terje es vorzog,
einen geordneten Rückzug anzutreten.
»Deswegen glaube ich ja, dass er Interesse hätte, der Sache auf den
Grund zu gehen.«
»Kümmere du dich nur darum, das zu tun, worum du gebeten wirst«,
sagte Randver.
»Das ist ja akkurat das, was ich versuche«, sagte Terje.
»Findest du es wirklich nicht seltsam, dass der Kerl sich am selben
Tag, an dem er aus dem Ausland nach Hause kommt, in ein Zimmer im
Playboy-Club einschließt und das Leben aus sich herausquetscht,
indem er sich an einer Türklinke erhängt?«
Randver konnte nie lange wütend sein. »Von wo kam Magnús
denn?«
»Er kam mit der Abendmaschine aus Kopenhagen und war während seiner
Auslandsreise sowohl in Holland als auch in Estland
gewesen.«
»Woher weißt du das?«
»Ich hab das einfach überprüft.« Das war allerdings übertrieben.
Ein Angestellter eines Reisebüros erinnerte sich daran, dass ein
Mann, der Magnús gewesen sein könnte, nach den Kosten einer Reise
nach Tallinn und Amsterdam über Kopenhagen gefragt hatte. Der
Grund, weshalb der Mann sich daran erinnerte, war, dass er sich
dafür schämte, so bequem gewesen zu sein, dass er dem Mann gesagt
hatte, er könne ja selbst im Internet nach billigen Flügen
suchen.
»Da sagst du was.«
»Mit dem Zeitpunkt, zu dem Ársæll auf dem Flughafen Schiphol
getötet wurde, stimmt das überein. Magnús war zur selben Zeit im
Ausland. Bei der Leiche in Rotterdam ist es schwieriger zu sagen.
Wir wissen nicht exakt, wann sie im Hafen gelandet ist. Dennoch
halte ich es für wahrscheinlich, dass Magnús auch da am Werk
war.«
»Jetzt warte erst mal ab. Erst kommst du und behauptest, Magnús
habe keinen Selbstmord begangen, sondern sei ermordet worden, und
kaum hast du das begründet, behauptest du, dass Magnús selbst zwei
Morde in Holland begangen haben könnte.«
»Und eine Menge Menschen in Estland hat er auch umgebracht«, fügte
Terje hinzu. Er war erfreut, dass er Randvers Interesse hatte
wecken können.
»Jetzt bin ich aber baff«, sagte Randver. »Machst du das alles
daran fest, dass der Kerl nach Kopenhagen gereist ist? Oder welchen
Grund sollte Magnús haben, sich in großem Stil dem Totschlag zu
widmen in Holland und in Estland?«
»Und in Island«, murmelte Terje. »Er könnte die Morde im Sommerhaus
verübt haben, auch wenn er selbst getötet wurde, bevor die Leichen
gefunden wurden.«
»Setz dich«, sagte Randver und zeigte auf den Stuhl vor dem
Schreibtisch. »Wir wollen das noch einmal durchgehen. In aller
Ruhe.«
Terje tat so, als sähe er den Stuhl nicht, und ließ sich
stattdessen auf der Schreibtischkante von seinem Vorgesetzten
nieder.
»Setz dich auf den Stuhl, Junge. Was sind das denn für Manieren,
einem auf den Schreibtisch zu klettern?«
»Entschuldige«, sagte Terje und setzte sich um.
»Also?«
»Weißt du, ich habe mich für den Jungen interessiert, seit du mir
gesagt hast, ich solle mir die Sache mal genauer anschauen.« »Ich
weiß noch genau, worum ich dich gebeten habe.«
»Ich fand diesen Selbstmord so merkwürdig. Eine Türklinke befindet
sich in einhundertzehn Zentimetern Höhe vom Boden. Sich in ein
Gästezimmer zu schleichen, um sich an einer Türklinke zu erhängen,
ist absolut hirnverbrannt. Es stehen genug leere Neubauten
herum.
Ich fand das total abstrus. Natürlich ist mir trotzdem völlig klar,
dass Drogensüchtige wesentlich selbstmordgefährdeter sind als
andere, vielleicht zwanzigmal mehr.
Die Sache war nur die, dass dieser Kerl ziemlich frisch aus einem
Entzug kam, von dem man ausging, dass er erfolgreich sein
würde.«
»Laut Autopsiebericht hatte er etwas im Blut. Man kann sich
vorstellen, dass er von absoluter Hoffnungslosigkeit ergriffen
wurde, als er rückfällig wurde.«
»Und dass er dann beschlossen hat, in den PlayboyClub zu gehen, um
sich dort ein leeres Zimmer zu suchen und sich an der Türklinke zu
erhängen?«
»Ja, irgendetwas in der Richtung.« Randver war noch nicht bereit,
die Theorie mit dem ermordeten Mörder zu akzeptieren.
»Was sagst du dazu: Magnús hat zufällig zwei Mitarbeiter von Elli
vom Octopussy getroffen, die ihn dann ausgefragt haben, ob er
wisse, wo Elli sei? Sie haben Magnús mit sich in den Playboy-Club
genommen, wo sie beide ein Zimmer hatten. Da ist es zu einer
Auseinandersetzung zwischen den Männern gekommen und die
Octopussy-Typen haben Magnús erledigt. Um Ärger zu vermeiden,
beschlossen sie, es wie Selbstmord aussehen zu lassen, suchten ein
leeres Zimmer, haben die Leiche da untergebracht und sich zur
Sicherheit mit dem ersten Flug ins Ausland abgesetzt.«
»Ich finde das eine sehr fragwürdige Vermutung. Wenn Magnús kurz
vor seinem Tod in einer Schlägerei gelandet ist, warum steht dann
nichts darüber im Autopsiebericht?«
»Weißt du, wie dieser Bericht entstanden ist?«
»Ich gehe davon aus, dass er auf die normale Weise entstanden ist«,
sagte Randver. »Gibt es an ihm etwas auszusetzen?«
»Ich würde sagen, dass er sehr schlampig gemacht wurde«, sagte
Terje. »Aus verständlichen Gründen ist dieser Bericht nicht von
unserer Gerichtsmedizinerin erstellt worden, sondern von einem
Arzt, der eine Weiterbildung macht. Außerdem war es seine vierte
Autopsie an dem Tag. Ich wusste nicht, dass Obduktionen wie das
Filetieren in der Fischfabrik im Akkord gemacht werden.
Der Mann hat nämlich versucht, einen Mengenrekord zu setzen statt
einen Rekord in Genauigkeit. Dennoch wird im Bericht erwähnt, dass
die Leiche Hämatome und geringfügige Verletzungen
aufwies.«
»Betrunkene taumeln und stoßen sich und ziehen sich so
verschiedenste Verletzungen zu.«
»Dieser Mann hatte null Komma sieben Promille Alkohol im Blut. Wie
bei einem Mann, der sich einen Schnaps genehmigt hat. Ich glaube,
dass Magnús nüchtern war und die Männer versucht haben, ihm Alkohol
zu verabreichen. Sein Hemd war zerrissen und die Kleidung roch
stark nach Alkohol.«
»Schön und gut«, sagte Randver. »Ich habe gehört, was du zu sagen
hast. Und was ist dann das Motiv für das Ganze?«
»Drogen und Geld. Geld und Drogen.«
»Würde es dir etwas ausmachen, dich etwas präziser auszudrücken?
Was genau meinst du mit >Geld und Drogen<?« »Das weiß ich
noch nicht genau. Ich habe noch ein paar lose Enden, aber ich bin
mir todsicher, dass es sich um Drogen und Geld dreht. Vielleicht
haben Magnús und seine Komplizen viel Rauschgift gestohlen, als sie
dieses Amphetaminlabor niedergebrannt haben, das Elli in Estland
besaß. Vielleicht haben sie die Männer in Holland getötet, um
herauszufinden, wo sich das Labor befand? Vielleicht töteten sie
Elli, um zu verhindern, dass er herausfindet, dass sie sein Labor
zerstört haben. Wenn meine Vermutung stimmt, haben wir nur noch ein
bisschen Fleißarbeit vor uns.«
»Du sagtest >Magnús und seine Komplizen<. Hast du Magnús etwa
zum Mafiaboss gemacht?«
»Nein, es ist ja nicht sicher, ob er der Anführer war, und das habe
ich auch nie gesagt. Ich sprach auch nicht von einer ganzen
Mafiatruppe, aber es ist ja offensichtlich, dass man mehr als einen
Komplizen braucht, um die Morde im Sommerhaus zu begehen.«
»Weißt du von irgendeinem Begleiter von Magnús?«
»Ja und nein«, antwortete Terje. »Ich habe den Namen des Mannes,
der auf dem Weg nach Kopenhagen neben ihm saß.«
»Und das findest du verdächtig?« Sarkasmus war nicht Randvers Art,
er meinte die Frage ernst, weil es ihm zu weit ging, wie Terje aus
wenigen Fakten einen komplizierten Tathergang zusammenflocht. Das
Gegenteil traf auf die große Ermittlung zu. Bei der hatte man viele
Fakten gesammelt, ohne dass es bisher gelungen war, sie zu einem
schlüssigen Tathergang zu verbinden.
»Ja, besonders in Hinsicht darauf, dass derselbe Mann auch auf dem
Rückweg neben ihm saß.«
»Und was sagt dieser Mann zu der Reise?«
»Ich habe ihn noch nicht befragt.« »Warum nicht?«
»Weil dieser Mann nicht in Reykjavík lebt, sondern auf dem
Land.«
»Wo?«
»Weiter östlich in Rangárvellir. Auf dem Hof
Steinkross.«
»Was für ein Mann ist das?«
»Er ist in einem ähnlichen Alter wie Magnús, taucht aber nicht im
Vorstrafenregister auf. Ich dachte, ich düse heute Nachmittag mal
Richtung Osten und unterhalte mich mit ihm.«
»Mach das«, sagte Randver. »Weil du dich ja ohnehin schon so lange
damit beschäftigt hast.«
»Prima«, sagte Terje und stand auf.
»Und nimm Dagný oder jemand anderen mit.«
»Mach ich.«
»Warte mal«, sagte Randver. »Wie heißt dieser Mann, den du in
Steinkross treffen willst?«
»Er heißt Karl Viktor Ágústsson.«