Gelbe und rote Karte
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GELBE UND ROTE KARTE |
Schiedsrichter zu Willi Lippens: „Ich
verwarne Ihnen.“
Willi Lippens zu Schiedsrichter: „Ich danke Sie.“
Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung.
Wer eine gelbe oder rote Karte gezeigt bekommt, hat beim Schiedsrichter schlechte Karten. Dass beides trotzdem gute Karten für den Fußball sind, wird klar, wenn man die Entstehung der Kartenidee nachvollzieht. Also wollen wir kurz nachkarten:

Aufgrund der Sprachbarrieren konnte aber niemand mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob der Argentinier die mündlich verhängte Strafe tatsächlich auch sofort verstanden hatte. So lasen zum Beispiel auch die englischen Fußballbrüder Jack und Bobby Charlton erst am nächsten Morgen in der Zeitung, dass sie verwarnt worden waren. Beide beteuerten, dass sie davon überhaupt nichts mitbekommen hätten und riefen den Turnierleiter an, um die Angelegenheit zu klären.
Denn damals gab es wenigstens schon das Notizbuch, in das der Schiedsrichter die Namen der verwarnten Spieler eintrug. (Daher stammt übrigens der Begriff booking, mit dem die Engländer heute noch die gelbe Karte bezeichnen.)
Als Kenneth George Aston – so heißt es – an diesem Tag nach all dem Durcheinander nach Hause fuhr, hätte er gedankenversunken beinahe eine rote Ampel überfahren. Das Licht sprang von Gelb auf Rot, und Aston kam im letzten Moment mit seinem flotten MG Sportwagen zum Stehen. Und da hatte er die Idee: Als optisches Ausrufezeichen erfand er die gelbe Karte für die Verwarnung eines Spielers und die rote für den sofortigen Ausschluss aus der Partie. Eine Requisitensprache, die sowohl die Aktiven als auch die Zuschauer weltweit sofort verstanden.
Und wieder war es ein deutscher Schiedsrichter, der beim Durchbruch dieser Maßnahme aktiv dabei war: Kurt Tschenscher führte bei der WM 1970 in der Begegnung Mexiko gegen Russland die Kartenregelung sozusagen offiziell ein. Er zeigte dem Russen Asatiani sowie noch vier weiteren Spielern im Verlauf der Partie wegen verbotenen Spiels die gelbe Karte.
In den folgenden 31 Begegnungen der WM 1970 gab es durchschnittlich eine Karte pro Spiel – Farbe Gelb! Rot wurde kein einziges Mal gezogen. Heute kann man sich Fußball ohne diese Utensilien nicht mehr vorstellen.
Gerade in Deutschland kann man am ehesten nachvollziehen, wie es zu dieser Erfindung gekommen ist. Denn hierzulande kennt man die gelb-rote Karte – ganz in Anlehnung an ihren Ursprung (siehe oben) – als „Ampelkarte“ (während man im Englischen einfach nur von der „zweiten gelben Karte“ = second yellow card spricht). Im Unterschied zur Ampelkoalition, die mit SPD, FDP und Grünen alle drei Farben (Rot, Gelb und Grün) zu einer Sinneinheit verbindet, berücksichtigt die Ampelkarte des Fußballs allerdings nur die ersten beiden: Ein Spieler, der zum zweiten Mal Gelb sieht, sieht automatisch Rot. Daraufhin muss er allerdings das Grün verlassen …
Der Erfinder der gelben und roten Karte, Kenneth George Aston, starb am 23. Oktober 2001 im Alter von 86 Jahren.
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FUSSBALLWITZE |
Gladbach gegen Bayern: Gelbe Karte in der 42. Minute für Ziege wegen Meckerns.