Nachwort

Daniel Defoe, der Schriftsteller des »Robinson«, wurde vor 300 Jahren in London geboren. Eigentlich hieß er nur Foe. Die Silbe »De« stellte er deshalb an den Anfang seines Namens, weil er fand, daß dieser so vornehmer klang.

Daniels Vater war Metzger. Da er nicht der anglikanischen Kirche angehörte, konnte er seinen Sohn weder in eine Schule noch auf die Universität schicken. Daniel ging in die Lehre zu einem Strumpfwarenhändler und machte sich später selbständig. Mit seinen Waren reiste er ins Ausland, nach Spanien, Portugal, Frankreich, Holland und vielleicht auch nach Deutschland. Viele Eindrücke, die später ihren Niederschlag in seinen Erzählungen fanden, empfing er auf diesen Reisen.

Daniel Defoe lebte zu einer Zeit, die in politischer und religiöser Hinsicht außerordentlich bewegt war. Sie verursachte seinen finanziellen Ruin. In seiner Not griff er zur Feder. Er verfaßte Flugschriften, durch die er rasch bekannt wurde und wieder zu Rang und Ansehen kam. Doch dieses Glück dauerte nur kurze Zeit. Da er in seinen Abhandlungen immer lebhaft Partei ergriff, schuf er sich viele Feinde. 1702 veröffentlichte er ein Traktat, das sich in satirischer Weise gegen die anglikanische Kirche richtete. Der Erfolg war: Defoe wurde an den Pranger gestellt, kam ins Gefängnis, und seine Güter wurden eingezogen. In bitterer Armut und völlig niedergeschlagen beschloß er, sich nicht mehr politisch zu betätigen, sondern sich ausschließlidf literarischen Aufgaben zu widmen.

Defoe war schon fast 60 Jahre alt, als er seinen »Robinson« schrieb. Das Leben hatte ihm manche Wunde geschlagen. Not und Entbehrung, Enttäuschung, Kummer und Schmerz häuften sich in diesem Künstlerdasein mehr als in jedem anderen. Die Einsamkeit umdüsterte seine späten Tage. Aus diesen Gegebenheiten heraus können wir den »Robinson« am besten verstehen. Er ist gewissermaßen das Ergebnis seiner eigenen Lebenserfahrungen.

Angeregt wurde Defoe dazu von der Reisebeschreibung des schottischen Matrosen Alexander Selkirk, der auf der Insel San Fernando längere Zeit verbracht hatte. Doch erst die schöpferische Phantasie und die Erfahrung eines vollen reichen Menschenlebens konnten den »Robinson« zu dem machen, was er ist: ein Meisterwerk der Weltliteratur. Obgleich es schon vor 250 Jahren seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat, besitzt es heute noch die gleiche Kraft der Aussage, und es gibt keinen Jungen und kein Mädchen, die sich dem Reiz dieser Erzählung entziehen könnten.