10
Fünfzehn Minuten später stand Pierce zusammen mit einem Polizisten hinter dessen am Bordstein parkenden Streifenwagen. Madison saß auf dem Rücksitz des Polizeiautos und warf Pierce und dem Beamten durch das Rückfenster böse Blicke zu. Sie war ziemlich aufgebracht darüber, dass man sie im Auto eingeschlossen hatte. Pierce brauchte die Worte nicht zu hören, um zu wissen, was sie sagte.
Ihre Gesten waren mehr als eindeutig.
Sein Grinsen mit einem Hüsteln überspielend, drehte er ihr den Rücken zu und lehnte sich gegen die Stoßstange des Autos. »Vielen Dank, Officer Crowley. Ich weiß es zu schätzen, dass sie Mrs McKinley im Auge behalten, während Hamilton die Arbeit der Spurensicherung überwacht.«
»Kein Problem.« Der Polizist warf Madison einen skeptischen Blick zu. »Es ist wirklich lange her, seitdem ich eine so wütende Frau zu Gesicht bekommen habe. Die wird Ihnen nachher garantiert noch die Hölle heißmachen.«
»Das macht mir nichts aus«, sagte Pierce und meinte es auch so. Er war bereit, ihre Schimpftiraden über sich ergehen zu lassen, wenn er dafür Gefahr von ihr fernhalten konnte. »Ich sehe mal nach, ob die Spurensicherung schon was gefunden hat. Sobald Hamilton sein Okay gibt und Mrs McKinley das Haus wieder betreten kann, sage ich Ihnen Bescheid.«
»In Ordnung, Sir. Ich glaube, ich warte lieber hier draußen. Ist gar nicht so schlecht hier. Für Januar ist das Wetter recht mild.«
Pierce musste lachen, und der junge Polizist lächelte zurück. Sie wussten beide, warum er es vorzog, sich nicht ins Auto zu setzen.
Pierce ging über den Backsteinweg zurück ins Haus. Ein weiterer uniformierter Beamter stand zusammen mit Hamilton im Wohnzimmer. Als Pierce das Zimmer betrat, drehten sich beide zu ihm herum. Der Polizist nickte als Antwort auf etwas, was der Lieutenant sagte, und ging eilig zur Vordertür hinaus.
»Special Agent Buchanan«, Hamilton streckte ihm die Hand entgegen. »Nichts für ungut, aber ich hatte gehofft, dass wir uns nicht so schnell wiedersehen würden.«
Pierce schüttelte seine Hand. »Haben Sie schon eine heiße Spur im East-River-Street-Mord?«
»Nein, aber es ist ja auch nicht viel Zeit vergangen. Wir durchkämmen immer noch die Umgebung auf der Suche nach Zeugen. Inzwischen haben wir mit ein paar Leuten gesprochen, die in der Menge einen Mann gesehen haben, auf den Mrs McKinleys Beschreibung passt. Aber leider haben wir noch keinen Hinweis darauf, wohin er verschwunden ist und ob es sich bei dem Mann auch um den Schützen aus dem Park handelt.«
»Was ist mit dem Gärtner, Mr Newsome? Haben Ihre Männer ihn in der Zwischenzeit überprüft?«
»Bis jetzt noch nicht, aber das werden wir noch. Es kann noch ein oder zwei Tage dauern. Wie Sie wissen, hatten wir noch ein paar wichtigere Dinge zu erledigen.« Er legte den Kopf schief. »Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei den gegenwärtigen Ermittlungen das FBI um Hilfe gebeten hätte, aber Sie tauchen wirklich oft auf. Sind Sie sicher, dass Ihr Engagement keinen offiziellen Charakter hat?«
»Nein, das hier ist mein Privatvergnügen, als Freund der Familie.«
»Ich verstehe.« Er klang nicht überzeugt.
»Hat die Spurensicherung in den oberen Stockwerken etwas gefunden?«, fragte Pierce, der nicht wollte, dass Hamilton ihm weitere Fragen stellte, die in dieselbe Richtung gingen. Casey und Tessa beschäftigten sich ebenfalls mit dem Fall, da Pierce sie an diesem Morgen angerufen und ihnen seine Befürchtungen wegen des ermordeten Radfahrers mitgeteilt hatte. Wenn das FBI sich ohne offizielle Aufforderung in die Ermittlungen einmischte und Hamilton es herausfand, konnten sie Schwierigkeiten bekommen.
»Schwer zu sagen. Es konnten jede Menge Fingerabdrücke sichergestellt werden, aber wir wissen nicht, ob sie von Mrs McKinley oder dem Einbrecher stammen. Es gibt keine Hinweise auf gewaltsames Eindringen. Ist sie absolut sicher, dass sie immer abschließt und die Alarmanlage einschaltet, wenn sie das Haus verlässt?«
»Sie meint, sie hätte es getan, aber ich habe vorsichtshalber ihre Sicherheitsfirma gebeten, uns einen Bericht zu schicken, der die Zeiten vermerkt, wann die Alarmanlage ein- beziehungsweise ausgeschaltet war. Er müsste im Laufe des Tages eintreffen«, sagte Pierce.
»Sie teilen mir die Ergebnisse doch mit, nicht wahr?«
»Selbstverständlich.«
»Und sagen Sie mir Bescheid, falls Mrs McKinley doch noch etwas vermissen sollte – abgesehen von den alten Familienfotos. Es erscheint mir seltsam, dass jemand wegen ein paar Fotos in einen Dachboden einbricht und nichts Wertvolles mitnimmt.« Er sah sich im Wohnzimmer um. Sein Blick blieb an dem Schreibtisch im angrenzenden Arbeitszimmer hängen. »Wie zum Beispiel den Laptop dort drüben.«
Pierce sah das genauso. »Falls es sich bei dem Schützen um Mrs McKinleys Mann handelt, ist der Einbruch einleuchtend. Er will nicht, dass jemand Fotos von ihm besitzt, damit er weiter unter seiner neuen Identität leben kann.«
»Das hört sich plausibel an, zumindest, wenn man an das Szenario vom vorgetäuschten Tod glaubt – was ich nicht tue. Nicht ohne stichhaltige Beweise.«
»Lieutenant?« Einer der Polizisten steckte den Kopf zur Vordertür herein. »Draußen im Garten ist etwas, das sie sich ansehen sollten.«
»Warum sollte jemand alles zerstören, was im Garten herumliegt?«, fragte Hamilton ratlos.
Pierce stellte sich dieselbe Frage. Kaputte Schaufeln, Hämmer und Rechen lagen mit entzweigesägten Griffen im Garten verstreut. Ansonsten war nichts beschädigt worden, allerdings mochte das daran liegen, dass es abgesehen von den Gartengeräten nicht viel gab, was sich zu zerstören gelohnt hätte.
Für ein Grundstück mit einem Marktwert, der deutlich über einer Million Dollar lag, war der Garten sehr lieblos gestaltet. Das einzige Nebengebäude war ein kleiner Schuppen, in dem vermutlich die Werkzeuge untergebracht gewesen waren. Im Vorgarten des Grundstücks hingegen stand eine Reihe von Ziersträuchern und Bäumen, und gepflegte Plattenwege führten zur Vordertür und seitlich am Haus vorbei. Pierce nahm an, dass der Mangel an Gartengestaltung auf die Renovierungsarbeiten zurückging, die Madison erwähnt hatte. Auch wenn nicht klar war, um welche Art von Renovierungsarbeiten es sich handelte. Am Haus selbst war nichts gemacht worden.
»Vielleicht war das nur ein Dummejungenstreich, der nichts mit dem Einbruch zu tun hat«, vermutete einer der Polizisten.
»Wohl kaum«, sagte Lieutenant Hamilton.
»Darauf würde ich nicht wetten«, sagte Pierce im selben Moment. Er und Hamilton wechselten einen düsteren Blick. Offenbar glaubte keiner von ihnen an Zufälle.
Officer Crowley, der Polizist, in dessen Streifenwagen Madison saß, bog um die Hausecke und näherte sich der kleinen Gruppe. Sein Gesichtsausdruck wirkte gequält. »Special Agent Buchanan?«
»Ja?«
»Mrs McKinley besteht ziemlich energisch darauf, dass man sie aus dem Auto lässt. Sie will wissen, was hier hinten los ist. Sie droht damit, uns alle zu verklagen, wenn man sie nicht auf der Stelle gehen lässt. Ich glaube, sie meint das ernst.«
»Oh, bestimmt meint sie das ernst.« Angesichts der besorgten Miene des Polizisten musste Pierce lachen. »Lieutenant Hamilton, haben Sie etwas dagegen einzuwenden, dass Mrs McKinley herkommt?«
»Solange sie nichts anfasst und nicht im Weg herumsteht.« Hamilton winkte dem Beamten begütigend zu. »Lassen Sie sie ruhig gehen.«
Pierce ging hinüber zum Haus, zu einer Stelle, von der aus er Madison sehen konnte. Sobald die Autotür aufgeschlossen war, stürmte sie hinaus. Zu behaupten, dass sie wütend war, beschrieb ihren Gemütszustand nicht einmal annähernd.
Er musste sich zusammenreißen, um nicht loszuprusten, als sie über den Rasen auf ihn zumarschiert kam. Sie sah aus wie ein bezaubernder kleiner Kobold, aufgebracht, mit gerötetem Gesicht und Augen, aus denen Funken sprühten. Er war schon gespannt darauf, was für eine Unverschämtheit sie ihm dieses Mal entgegenschleudern würde.
Alle Beobachter schienen den Atem anzuhalten.
Doch beim Anblick der zerstörten Werkzeuge in ihrem Garten wurden Madisons Augen groß, und ihr Ärger schien sich vor Überraschung in Luft aufzulösen. Pierce’ Belustigung verschwand, als er die Furcht in ihren Augen sah. Aber der ängstliche Ausdruck wich schnell und sie hatte ihre Gesichtszüge wieder unter Kontrolle – zumindest Lieutenant Hamilton und den anderen gegenüber. Nur Pierce wusste es besser.
»Was ist passiert?«, fragte sie.
»Das wissen wir nicht«, sagte Pierce. »Ich nehme an, dass die Werkzeuge nicht in diesem Zustand waren, als du das letzte Mal im Garten warst?«
Sie schüttelte den Kopf. »Die Werkzeuge gehören mir nicht, sondern dem Bauunternehmer, den ich damit beauftragt habe, mir hinter dem Haus eine Veranda zu bauen. Sie haben den Garten aufgerissen und den alten Backsteinhof entfernt, damit die Veranda Platz hat. Sind alle Werkzeuge ruiniert?«
»Es sieht danach aus.« Hamilton trat einen Schritt vor. »Haben Sie die Telefonnummer der Firma, die Sie mit den Renovierungsarbeiten beauftragt haben? Ich muss wissen, ob sie Strafanzeige stellen möchten, und außerdem brauche ich eine Aufstellung aller Gegenstände, die zerstört worden sind.«
»Ich habe ihre Nummer in meinem Handy eingespeichert, es liegt im Haus. Ich gehe hinein und hole es.«
»Das hat keine Eile. Schicken Sie mir die Nummer einfach per SMS, sobald Sie sie herausgesucht haben. Meine Kontaktdaten haben Sie ja.«
Sie nickte. »Glauben Sie, dass das hier etwas mit dem Einbruch zu tun hat?«
»Schwer zu sagen. Wir haben keine Hinweise gefunden, auf welche Art ein Einbrecher in ihr Haus eingedrungen sein könnte. Die Schlösser weisen keine Kratzspuren auf. Es gibt keine zerbrochenen Fensterscheiben oder unverschlossenen Zugänge. Sind Sie wirklich sicher, dass außer Ihnen niemand einen Schlüssel besitzt?«
»Ich habe die Schlösser austauschen lassen, als ich eingezogen bin.«
»Und Sie vermissen wirklich keine Wertgegenstände? Vielleicht etwas, das Sie nicht besonders häufig benutzen?«
»Das muss ich erst noch einmal überprüfen.«
Er warf einen Blick auf seine Männer. »So wie es aussieht, gibt es im Moment nichts weiter für uns zu tun. Ich würde normalerweise nicht so viele Männer wegen eines Einbruchs anfordern, aber angesichts der momentanen Situation …« Er zuckte mit den Achseln. »Wir werden mit Ihrem Bauunternehmer Kontakt aufnehmen und Ihnen Bescheid sagen, falls wir weitere Fragen haben. Ich beauftrage einen meiner Beamten damit, die Nachbarschaft zu befragen, vielleicht gibt es Augenzeugen.« Er nickte Pierce zu und ging dann zu seinen Untergebenen, um mit ihnen zu sprechen.
»Geh ins Haus und hol dein Handy«, sagte Pierce.
»Warum?«
»Du hast gehört, was der Lieutenant gesagt hat. Keine Eile. Dieser Fall hat keine Priorität. Ich möchte selbst mit den Leuten von deiner Baufirma sprechen.«
Madison rief bei dem Bauunternehmer an und stellte fest, dass er gerade eine andere Baustelle besuchte, praktischerweise in einem viktorianischen Haus, das nur wenige Straßen entfernt war. Als sie und Pierce am Bordstein parkten, fiel Madisons Blick als Erstes auf einen riesigen, dunkelgrünen Müllcontainer, der direkt neben dem Haus stand. Arbeiter mit knallgelben Schutzhelmen warfen aus einem Fenster im zweiten Stock Schutt in den Metallcontainer und wirbelten dabei Staubwölkchen auf.
»Wer von denen ist die Chefin?«, fragte Pierce, der laut sprechen musste, um das Poltern der Holzreste zu übertönen, die in den Container krachten. Er umrundete einen weiteren kleineren Container, der in der Einfahrt stand.
Madison beschattete ihr Gesicht mit der Hand, damit die Sonne sie nicht blendete, und ließ den Blick über die geschäftige Baustelle schweifen. »Ich kann sie nicht sehen. Vielleicht ist sie im Haus oder hinten im Garten.«
Beim Klang eines starken Motors drehten sie sich unwillkürlich um. Ein weißer, länglicher Lieferwagen parkte gerade hinter Pierce’ Wagen. In der Fahrerkabine saßen zwei Männer. Der Fahrer grinste, als er Madison und Pierce sah.
»Ich dachte, du hättest gesagt, dass es sich bei dem Bauunternehmer um eine Frau handelt.«
Madison warf Pierce einen überraschten Blick zu, als sie den ärgerlichen Unterton in seiner Stimme registrierte. »Das ist sie auch. Ich kenne diese beiden Männer nicht, gehe aber davon aus, dass sie für sie arbeiten. Da vorn auf dem Lieferwagen steht der Firmenname: B&B Construction.«
»Die beiden da sind bestimmt nicht bei ihr angestellt.« Er klang missmutig. »Im Gegenteil, sie arbeitet für diese beiden Männer.«
Sie wollte ihn gerade fragen, was los war, doch die beiden hatten sie bereits erreicht.
Der Erste, ein dunkelhaariger Mann, der nicht nur genauso groß und muskulös war wie Pierce, sondern auch dasselbe Alter hatte, klopfte Pierce breit grinsend auf den Rücken. »Mit dir hatte ich nicht gerechnet.«
Der zweite Mann war ein ganzes Stück jünger und sah aus, als gehörte er eigentlich aufs College. Er war genauso groß wie der andere Mann, aber schlaksiger, so als wäre er noch nicht ganz ausgewachsen. Er nickte Madison zu, sagte aber nichts.
»Wer ist denn die schöne Frau an deiner Seite?« Der Ältere der beiden musterte Madison mit einem strahlenden Lächeln.
Das Lächeln wirkte ansteckend. Als er ihr auch noch zuzwinkerte, prustete Madison laut los. Sie machte einen Schritt nach vorn, um sich vorzustellen, doch Pierce legte seinen Arm um ihre Taille und zog sie zu sich heran.
Fast hätte sie ihm gesagt, was sie von seinen Neandertaler-Manieren hielt, doch seine düstere Miene ließ sie verstummen.
»Madison McKinley«, sagte er, »dieser grinsende Tölpel hier ist Braedon. Und der mit dem ernsthaften Gesichtsausdruck ist Matt. Die beiden sind meine Brüder.«
Madison saß auf einem Gartenstuhl im Innenhof des viktorianischen Hauses, direkt hinter der fertiggestellten Glasveranda. Pierce hatte neben ihr Platz genommen, und seine Brüder saßen ihnen gegenüber. »B&B Construction« bedeutete Buchanan und Buchanan. Eigentlich hätte sie auch früher darauf kommen können – spätestens in dem Moment, als sie Pierce’ Brüder aus der Nähe gesehen hatte.
Der Ältere, Braedon, sah Pierce besonders ähnlich. Derselbe Körperbau und derselbe Hautton, allerdings lächelte Braedon viel häufiger als Pierce. Tatsächlich schien es, als würde Pierce immer weniger lächeln, je fröhlicher Braedon wurde.
Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie geglaubt, dass er eifersüchtig war. War das nicht absolut lächerlich? Nach dem umwerfenden Kuss von neulich hatte er allzu deutlich gemacht, dass er kein Interesse mehr an ihr hatte. Warum machte es ihm dann etwas aus, wenn sein Bruder mit ihr flirtete?
Sie warf dem jüngeren Bruder, Matt, einen Blick zu. Er sah aus, als wäre er um die Zwanzig. Zuerst hatte sie angenommen, dass er einfach schüchtern war. Aber nachdem sie ihn ein paar Minuten lang in Gesellschaft seiner Brüder erlebt hatte, wurde ihr klar, dass er einfach ein ruhiges, nachdenkliches Naturell hatte. Er studierte konzentriert alles und alle um sich herum, so, als würde er jede Information aufsaugen und sie nach ihrem Wert beurteilen. Wenn er sprach, wählte er seine Worte mit Bedacht und gab sich Mühe, allen gerecht zu werden.
Als er bemerkte, dass sie ihn beobachtete, grinste er nicht oder zwinkerte ihr schelmisch zu, wie es sein Bruder tat, sondern nickte nur kurz, um sich dann wieder seinen Brüdern zuzuwenden.
»Es ist nicht das erste Mal, dass es Probleme mit der Baustelle bei Mrs McKinleys Haus gibt«, meinte Braedon. »Colleen hat uns letzte Woche zwei durchgeschnittene Reifen gemeldet.«
»Gab es sonst noch irgendwelche Probleme? Hat Colleen jemanden gesehen, der das Haus beobachtet hat, während sie und ihre Leute dort gearbeitet haben?«
Matt lehnte sich vor und stützte sich mit verschränkten Armen auf dem Tisch ab. »Als sie mit den Bauarbeiten angefangen haben, hat jemand Zucker in den Benzintank von einem der Lkws geschüttet. Der Lkw gehörte einem der Arbeiter.«
Braedon zog eine Augenbraue hoch. »Davon hast du mir gar nichts erzählt.«
Matt zuckte mit den Achseln. »Das war auch nicht nötig. Ich habe mich darum gekümmert.«
»Und wie genau hast du dich darum gekümmert?«
»Er hat zwei Kinder, die er durchs College bringen muss. Er kann sich eine so teure Reparatur nicht leisten. Ich habe ihm einen Mietwagen besorgt, seinen Lkw in die Werkstatt gebracht und ihm gesagt, dass die Firma die Kosten übernimmt.«
»Das ist eine ganz schöne Ausgabe für einen Burschen, der nur auf Stippvisite zu Hause ist, weil er gerade Sommerferien hat. Insbesondere, wenn er nicht selbst für die Kosten aufkommen muss.«
Matt starrte ihn an, die Rede seines Bruders schien keinen besonderen Eindruck bei ihm hinterlassen zu haben. Er brachte auch keine hastig gestammelte Entschuldigung vor.
Madisons Muskeln spannten sich, und sie fragte sich besorgt, wie Braedon reagieren würde.
Der grinste plötzlich und schlug Matt auf den Rücken. »Gute Arbeit, Kleiner.« Er wandte sich wieder Pierce zu. »Aber ansonsten scheint alles gut zu laufen. Das Fundament für die Veranda soll nächste Woche gelegt werden. Soll ich den Termin absagen?«
»Ja«, erwiderte Pierce.
»Nein«, sagte Madison im selben Augenblick. »Ich werde Ihnen alle Verluste ersetzen, die Ihre Firma durch mein Projekt erlitten hat – auch die Reparaturen an dem Lkw, aber ich möchte nicht, dass die Arbeiten ausgesetzt oder aufgeschoben werden.«
»Warum nicht?«, wollte Pierce wissen.
»Weil ich nicht zulassen werde, dass ein paar … Dummejungenstreiche meine Pläne vereiteln.«
Er sah sie ungläubig an. »Dummejungenstreiche?«
»Ist mir was entgangen?«, fragte Braedon.
»Nein«, sagten Pierce und Madison gleichzeitig.
Braedon tauschte einen überraschten Blick mit Matt.
Dieser schob seinen Stuhl zurück und erhob sich. Er trat vor Pierce. »Ich weiß nicht, was da zwischen dir und Mrs McKinley vor sich geht, aber eins steht fest – sie hat uns dafür bezahlt, dass wir unsere Arbeit erledigen.« Die nächste Bemerkung war an Madison gerichtet. »Wir werden wie geplant nächste Woche ein Team zu Ihrem Haus schicken, um das Fundament zu legen.« Mit diesen Worten marschierte er über den Innenhof und ging um das Haus herum Richtung Straße.
Pierce’ Mundwinkel zuckten.
Braedon grinste und streckte die Hand aus, um ihm einen kleinen Knuff zu versetzen.
Pierce knuffte ihn zurück und sie lachten beide. Die Spannung, die gerade noch in der Luft gehangen hatte, löste sich in Wohlgefallen auf.
Madison, die nicht wusste, worüber die beiden sich amüsierten, runzelte die Stirn. »Was ist so komisch?«
»Mein kleiner Bruder hat Rückgrat entwickelt«, sagte Pierce. »Braedon, es wäre mir lieb, wenn ihr die Arbeiten an Madisons Haus selbst übernehmen könntet. Hast du dafür Zeit?«
»Wir könnten ein paar Termine verlegen. Ich sorge dafür, dass es klappt.«
»Sag deinen Männern, dass sie sich vorsehen sollen und gib mir sofort Bescheid, falls etwas schiefgeht, egal, wie nebensächlich es erscheinen mag.«
»Du hast mein Wort.«
Pierce zupfte an Madisons Hand herum, bis sie aufstand. Als sie gerade gehen wollten, legte Braedon Pierce die Hand auf die Schulter.
»Es ist nicht zu übersehen, dass mehr an der Sache dran ist als ein paar übermütige Nachbarskinder, die Spaß haben wollen. Wenn du mir nicht sagen willst, was los ist, ist das für mich kein Problem. Aber nur weil ich kein Spitzenermittler vom FBI bin, bedeutet das nicht, dass ich keine Hilfe sein kann. Ruf mich an, wenn du in der Klemme steckst. Ich bin immer für dich da.«
Madison las noch einmal die Geschäftskarte, die Mrs Whitmire Pierce gegeben hatte. Kopfschüttelnd warf sie einen weiteren Blick auf das Vorhängeschloss, das an der Tür zum Lagerraum angebracht war. »Hier stimmt was nicht. Hat Hamilton bestätigt, dass das hier Mr Newsomes Geschäftsadresse ist?«
Pierce stützte sich auf der Motorhaube seines Wagens ab. »Da er bis jetzt niemanden hergeschickt hat, um mit Mr Newsome zu sprechen, kann er es nicht wissen. Mrs Whitmire hat gesagt, dass Newsome sein Unternehmen gerade erst gegründet hätte. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Leute einen Lagerraum oder sogar ein Postschließfach als Geschäftsadresse angeben. Vermutlich lagert er hier die Rasenmäher und andere Gartengeräte.«
Madison schob die nutzlose Geschäftskarte zurück in ihre Handtasche. »Meinst du, dass die Leute von der Lagerraumfirma uns seine Privatanschrift geben?«
»Nicht, wenn sie schon einmal etwas von Datenschutz gehört haben – nein, eher nicht.«
»Wollen wir es nicht wenigstens versuchen?«
Er schüttelte den Kopf. »Eine Geschäftsadresse aufzusuchen ist eine Sache. Aber ich werde dich nicht zu Newsomes Haus mitnehmen, zumindest nicht, ehe Hamiltons Leute nachgeprüft haben, ob mit Newsome alles in Ordnung ist oder ob Gefahr droht.«
Geduld war noch nie ihre Stärke gewesen; auf etwas zu warten war für Madison gleichbedeutend mit Folter. Sie ließ die Finger über die glänzende Motorhaube seines Autos gleiten. »Vielleicht haben Hamiltons Männer ihn schon überprüft und nur vergessen, es dir zu sagen.«
Er seufzte schwer und zog sein Telefon heraus. Ein paar Minuten später schob er es zurück in seine Tasche. »In Ordnung, du hast gewonnen. Hamilton hat mir gesagt, dass seine Männer vor einer Stunde mit Newsome gesprochen hätten. Hamilton hat mir seine Adresse gegeben, er wohnt nicht weit von hier. Gehen wir.«
Von der Altstadt aus war es kein weiter Weg zu dem bescheidenen, eingeschossigen Haus, in dem Newsome wohnte. Es lag nur einen Häuserblock von der Skidaway Road entfernt und wurde zum Teil von gewaltigen Eichenbäumen verdeckt, von denen Lousianamoos herabhing.
»Für einen Gärtner hat er einen ziemlich verwilderten Garten«, sagte Madison und bahnte sich ihren Weg durch das kniehohe Gras, das den Weg zum Haus überwucherte.
Pierce’ Augen suchten den Garten und die Vorderveranda ab, als würde er ihr gesamtes Umfeld in sich aufnehmen.
Auf den Verandastufen lag eine zusammengerollte Zeitung. Madison hob sie hoch, um einen Blick darauf zu werfen. »Die Zeitung von heute. Das ist ein gutes Zeichen, stimmt’s?«
»Möglicherweise. Du hättest im Auto bleiben sollen, so wie ich dich gebeten hatte.« Er hielt sie mit der Hand auf, als sie auf der obersten Verandastufe angekommen war.
»Es besteht kein Grund zur Sorge«, meinte sie. »Hamilton hat gesagt, dass seine Männer bereits mit Newsome gesprochen hätten.«
»Tu mir den Gefallen und rühr dich nicht von der Stelle, bis ich dir Bescheid sage.« Er warf ihr den Blick zu, den sie insgeheim seinen FBI-Agenten-Blick nannte, und marschierte über die Veranda zur Vordertür. Als niemand auf sein wiederholtes Klopfen reagierte, ging er zur Längsseite der Veranda, um einen Blick in den Garten zu werfen.
Sie marschierte rasch zum Haus und spähte durch das Vorderfenster, wobei sie die Augen mit der Hand beschatten musste, um im Inneren etwas erkennen zu können. »Es ist ziemlich sauber da drin. Sieht nicht verlassen aus.«
»Um Himmels willen … geh vom Fenster weg.« Er machte einen großen Schritt auf sie zu und packte sie am Arm.
»Warte, ich glaube, ich kann Mr Newsome sehen.«
Ein Schatten, der sich dunkel vom Rest seiner Umgebung abhob, wurde im Flur sichtbar.
Madison wollte gerade winken, um die Aufmerksamkeit des Mannes auf sich zu ziehen, als sie plötzlich hörbar nach Luft schnappte.
Pierce zerrte sie von der Scheibe weg und zog seine Pistole heraus. Jeder Muskel seines Körpers war angespannt. »Was ist?« Er schob sich zentimeterweise auf das Fenster zu. »Was hast du gesehen?«
Sie schluckte, obwohl ihre Kehle sich trocken wie Sandpapier anfühlte. »Damon. Ich glaube, ich habe gerade Damon gesehen.«
»Ich sage es Ihnen noch einmal, Damon war da drin.« Madison lehnte sich gegen Pierce’ Auto, das immer noch vor Newsomes Haus geparkt stand, und sah Lieutenant Hamilton direkt in die Augen. Sie konnte nicht begreifen, warum er so wild entschlossen war, ihr nicht zu glauben, egal, was sie ihm erzählte.
Dieses eine Mal warf Pierce ihr keinen warnenden Blick zu und sagte ihr auch nicht, dass sie ruhig sein solle. Er hatte sich ebenfalls Hamilton zugewandt und sah genauso verwirrt aus wie sie selbst.
In Newsomes Vorgarten standen zwei Streifenwagen mit blitzenden Blaulichtern.
»Haben Sie denn überhaupt jemanden gesehen?«, fragte Hamilton Pierce.
»Nein, aber ich habe Madisons Reaktion gesehen … und die war echt. Sie hat jemanden im Hausinneren gesehen und ist davon überzeugt, dass es sich um ihren Ehemann handelt. Dieses Mal hatte er keine Kapuze auf. Sie hat sein Gesicht gesehen. Das genügt mir.«
Sie schmiegte sich an ihn, legte die Hand um seine Taille und drückte ihn leicht, um ihm zu zeigen, dass sie seine Unterstützung zu schätzen wusste.
»Es war dunkel im Inneren des Hauses. Die Lichter waren nicht eingeschaltet«, wandte Hamilton ein, der immer noch skeptisch klang.
»Es war Damon«, beharrte Madison.
»Es ist niemand im Haus. Ich habe mich davon überzeugt. Meine Männer haben soeben Mr Newsomes Haustür aufgebrochen – eine Tür, die Sie, Mrs McKinley, bezahlen müssen, sobald Mr Newsome nach Hause kommt.«
»Kein Problem«, erwiderte sie. »Ich werde die Summe einfach aus meinem Budget für die diesjährige Wohltätigkeitsspende an die Polizei abzweigen.«
Diese Bemerkung brachte ihr einen warnenden Blick von Pierce ein, aber das war es wert.
»Ihre Männer haben doch mit Newsome gesprochen. Was für einen Eindruck hat er auf sie gemacht?«, fragte Pierce. »Wirkte er ängstlich, hat er sich wegen irgendetwas Sorgen gemacht?«
Der Nacken des Lieutenants verfärbte sich rot. »Ehrlich gesagt haben sie gar nicht persönlich mit ihm gesprochen. Sie haben mit ihm telefoniert. Ich hielt es nicht für notwendig, sie extra herfahren zu lassen, und wie sich herausgestellt hat, lag ich mit meiner Einschätzung richtig. Es ist niemand im Haus.«
Jetzt verstand Madison, warum Hamilton sich so defensiv verhielt. Es war ihm peinlich, dass seine Männer ihn angelogen hatten und er war nicht bereit, zuzugeben, dass sie gelogen hatten – nicht vor einem anderen Polizisten.
Pierce fluchte verhalten. »Ich hätte Madison nicht hierher mitgenommen, wenn ich gewusst hätte, dass Ihre Männer nicht persönlich mit Newsome gesprochen und seine Identität verifiziert haben. Nach allem, was ich weiß, wäre es sogar möglich, dass Ihr Officer mit niemand anderem als Damon McKinley telefoniert hat.«
»Das ist sehr unwahrscheinlich. Ich wollte nett sein, einem Kollegen einen Gefallen tun und habe deshalb meine Männer angewiesen, den Anruf zu machen. Es gab bei Newsome keinerlei Anzeichen, dass etwas nicht stimmte, keinen Hinweis auf kriminelle Aktivitäten, die auch nur eine oberflächliche Überprüfung rechtfertigen würden. Und für den Fall, dass Sie es vergessen haben: Wie haben im Moment ziemlich viel mit ein paar wirklichen Verbrechen zu tun, vor allem mit denen des ›Simon sagt‹-Mörders.«
Madison stieß sich mit den Händen von Pierce’ Auto ab und trat einen Schritt auf den Lieutenant zu. »Da ich den armen Jungen mit eigenen Augen tot auf der Straße habe liegen sehen, werde ich das wohl kaum vergessen. Und was kriminelle Aktivitäten anbelangt – was ist mit der gefälschten Kündigung an meine Immobilienmanagerin? Die Nachricht, die ich Ihnen vor ein paar Wochen gegeben habe? Das sind Ihre Beweise.«
»Das war ein Computerausdruck, keine handgeschriebene Kündigung. Es gab keine Unterschrift. Für mich gibt es keinen Beweis dafür, dass Sie die Kündigung nicht selbst geschrieben haben.«
Sie warf die Hände in die Luft. »Warum sollte ich das tun?«
Er deutete auf das Haus. »Welche Gründe könnten Sie für all das hier haben? Mrs McKinley, in den letzten Wochen hat unsere Polizeidienststelle ein halbes Dutzend Notrufe von Ihnen erhalten.« Er hob die Hand und zählte an seine Fingern ab. »Das erste Mal haben Sie angerufen, um die angeblich gefälschte Kündigung an Ihre Immobilienmanagerin anzuzeigen – ein maschinengeschriebenes Schriftstück, auf dem sich keine Fingerabdrücke finden ließen, abgesehen von denen Ihrer Immobilienmanagerin und … Ihren eigenen.«
Frustriert schüttelte sie den Kopf. Sie war es so leid, dass man ihr nicht glaubte. »Mrs Whitmire hat mir das Schreiben gezeigt, kein Wunder, dass meine Fingerabdrücke auf dem Ausdruck waren.«
»Dreimal riefen Sie an, um zu melden, dass man sie beobachten würde«, redete er weiter. »Aber wir haben nie jemanden vor ihrem Haus angetroffen.«
»Das wäre vielleicht anders, wenn Sie nicht eine halbe Stunde bräuchten, um zu kommen, wenn man Sie anruft.«
Pierce trat hinter sie und legte sachte die Hände auf ihre Schultern, so wie er es im MacGuffin’s getan hatte. Er wollte sie – ohne es laut auszusprechen – an die Diskussion erinnern, die sie in seinem Auto geführt hatten, ehe sie die Polizei gerufen hatten. Er hatte sie gebeten, vorsichtig zu sein, damit sie Hamilton nicht gegen sich aufbrachte. Und sie hatte versprochen, dass sie sich bemühen würde, ihr Temperament zu zügeln.
Sie atmete tief ein und biss die Zähne zusammen.
»Als Nächstes rufen Sie an«, fuhr Hamilton fort, »um einen Drohbrief und einen Drohanruf zu melden. Auch diese Nachricht ist mit der Maschine geschrieben, und nur Ihre Fingerabdrücke sind darauf. Die Rufnummernüberprüfung bleibt ergebnislos.«
»Ich kann es nur wiederholen«, sagte sie in gelassenem Tonfall, »meine Fingerabdrücke waren auf dem Brief, weil ich es war, die ihn gefunden hat. Und selbst ich als Laie weiß, dass Kriminelle oft Wegwerfhandys benutzen. Kein Handyvertrag, keine Möglichkeit, die Rufnummer zurückzuverfolgen. Das weiß jedes Kind.«
»Einen Moment«, mischte sich Pierce ein. »Welcher Drohbrief? Welcher Telefonanruf?« Er beugte sich zu ihr. »Davon hast du mir gar nichts erzählt.«
Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg. In letzter Zeit hatten sich die Ereignisse so überschlagen, dass sie die beiden Vorfälle vollständig vergessen hatte. Als Pierce angeschossen worden war, hatte das alles andere in den Hintergrund rücken lassen. »Das war keine Absicht. Ich hab’s einfach vergessen.«
Seine Hände, die ihre Schultern umfassten, verkrampften sich. Ihr Herz wurde schwer, als ihr klar wurde, dass er ihr wieder eine Lüge unterstellte.
Hamilton zählte weiter ab. »Dann haben Sie wieder angerufen – dieses Mal, weil ein Mann, dem Sie hinterhergerannt sind, ganz offensichtlich um sein Leben fürchtete und auf Sie geschossen hat, um sich zu verteidigen. Durch ihre Aktionen wurde ein Bundesagent angeschossen.«
»Also jetzt machen Sie mal halblang, Hamilton …«, fing Pierce an.
»Ich bin noch nicht fertig«, sagte er zu Pierce, und wandte sich wieder Madison zu. »Sie haben gemeldet, jemand sei in Ihren Dachboden eingebrochen und habe Fotos gestohlen. Wieder haben wir weder Beweise für einen Einbruch gefunden, noch dafür, dass überhaupt jemand im Haus war.«
»Jetzt gehen Sie wirklich zu weit, Lieutenant«, sagte Pierce.
Hamilton hob beschwichtigend die Hand. »Ich beschreibe nur, wie das alles aus meiner Perspektive aussieht. Wegen Mrs McKinleys Behauptung, ihren toten Ehemann in diesem Haus gesehen zu haben, haben wir auf der Suche nach dem Eindringling die Tür aufgebrochen. Und – Überraschung – wir haben niemanden gefunden. Und hinzu kommt, und das dürfte wohl niemanden mehr verwundern, dass Mr Newsome nicht einmal vermisst gemeldet wurde.«
Trotz aller guten Vorsätze brachte Madison es nicht mehr länger fertig, schweigend dazustehen und sich Hamiltons sarkastische Kommentare anzuhören. Sie wollte vortreten, doch Pierce Griff um ihre Schultern wurde fester.
»Beruhige dich«, flüsterte er ihr ins Ohr. Seine Stimme klang harsch und hatte einen wütenden Unterton. Würde er sich gegen sie wenden und Hamiltons Partei ergreifen?
»Aus meiner Sicht«, sagte Hamilton, »gibt es hier nur eine Person, die Probleme macht: Und das sind Sie.«
Pierce stellte sich schützend vor sie. »Das reicht jetzt.«
Hamilton streckte die Hände in einer besänftigenden Geste aus. »Ich versuche wirklich nicht, es Ihnen absichtlich schwer zu machen, Buchanan. Ich lege Ihnen die Fakten nur so dar, wie ich sie sehe. Ich kann es mir nicht leisten, weitere Ressourcen an eine Frau zu verschwenden, die unter einer Fixierung auf ihren toten Ehemann leidet. Offensichtlich braucht sie Hilfe, aber nicht die Art von Hilfe, die eine Polizeidienststelle leisten kann. Wenn Mrs McKinley noch einmal anruft, sollte sie einen wirklich guten Grund haben – wie etwa eine Leiche oder wenigstens jemanden, der im Sterben liegt.«