Peinliche Unterredungen

Natürlich machte Frau Ansbach sich weiterhin Sorgen. Sie schlief fast nicht in dieser Nacht und konnte am nächsten Tag den Abend kaum erwarten — obwohl sie sich vor der Begegnung mit Sandra fürchtete. Vor dem, was Sandra ihr eingestehen würde. Sie schalt sich selbst für ihr Mißtrauen. Dann wieder plagten sie Zweifel.

Mit völlig zerrütteten Nerven fuhr Frau Ansbach mit dem Neunzehn-Uhr-Bus in die Stadt.

Sandra öffnete auf ihr Klingeln die Tür.

Sie erschrak, als sie ihre Großmutter zu so ungewohnter Stunde sah. „Oma! Was machst du denn hier? Ist etwas passiert?“

„Nein, nein, bei uns ist alles in Ordnung. Ich muß etwas mit dir besprechen“, sagte Frau Ansbach und ging Sandra voraus ins Wohnzimmer.

Dort stellte sie zunächst den Fernsehapparat ab. „Wo ist Rainer?“

„Bei Eva, denke ich. Was mußt du mit mir besprechen, Oma?“

„Sofort! Holst du mir bitte ein Glas Sprudel?“ bat Frau Ansbach, um Zeit zu gewinnen. „Es ist ja unerträglich schwül in der Stadt. Wie ihr das bloß aushaltet.“

Sandra brachte ihrer Großmutter das Mineralwasser und baute sich erwartungsvoll vor ihr auf.

Frau Ansbach klopfte neben sich auf das Couchpolster. „Setz dich zu mir, Sandra.“

Sandra ließ sich schwungvoll auf den Sitz plumpsen. „Was gibt‚s denn, Oma? Mach‚s nicht so spannend. Ich platze ja vor Neugierde.“

Frau Ansbach blickte ihre Enkelin an. Sie sah in ihr hübsches, offenes Gesicht, in ihre hellen, vor Spannung funkelnden Augen.

Nein, da war nichts Duckmäuserisches, kein verlegenes Flattern der Augenlider, kein Ausweichen der Blicke, da war nichts, das auf Schuldbewußtsein hindeutete.

Frau Ansbach seufzte erleichtert und entspannte sich.

Dann erzählte sie Sandra von dem verschwundenen Geld.

„Und du und Herr Seibold meint, einer von uns hätte das Geld geklaut?“ fragte Sandra, als ihre Großmutter geendet hatte.

Frau Ansbach nickte bekümmert. „Muß wohl so sein, Sandra. Es ist ja nicht mehr da.“

„Also, ich hab‚s nicht. Ich habe mir im Badezimmer die Hände gewaschen und bin sofort wieder raus, weil Mama Angst hatte, wir würden den Bus versäumen. Und überhaupt...!“ Sandra blitzte ihre Großmutter empört an. „Denkst du, ich würde klauen?“

„Ich mußte dich fragen. Bitte, verstehe das, Sandra“, verteidigte sich ihre Großmutter unglücklich.

„Ich finde es empörend, daß du mir nicht vertraust.“

„Ich vertraue dir.“

„Wozu fragst du mich dann, ob ich das Geld genommen habe?“

„Weil es nicht mehr da ist.“

„Wenn bei mir Geld verschwunden wäre, nachdem du mit anderen hier warst, würde ich dich nicht verdächtigen“, hielt Sandra ihr vor.

Sie blickten sich an — und lachten beide lauthals bei dieser Vorstellung.

Aber so unberechtigt ist ihr Vorwurf nicht, überlegte Frau Ansbach und schämte sich ein bißchen für Sandras bedingungsloses Vertrauen. Immerhin gab es Väter oder Mütter, die ihre Kinder bestahlen, die heimlich ihr Sparschwein plünderten. Vielleicht kam das auch bei Großeltern vor. Doch Sandra hielt ein solches Verhalten ihrer Angehörigen schlechtweg für unmöglich.

„Und warum würdest du mich nicht verdächtigen?“ wollte Frau Ansbach wissen.

„Weil ich dich kenne. Weil du der anständigste Mensch der Welt bist — abgesehen von deinem Mißtrauen“, fügte sie anklagend hinzu. „Ich wette, du hast Herrn Seibold noch nie um etwas betrogen. Wenn du uns Blumen oder Obst oder Gemüse aus seinem Garten gibst, machst du das offen vor seinen Augen. Genausowenig würde ich mir heimlich etwas einstecken. Das weißt du, Oma.“

„Ja, Sandralein.“ Frau Ansbach strich ihrer Enkelin übers Haar. „Es tut mir leid, daß ich an dir zweifelte. Also war es Joschi?“

„Joschi auch nicht.“

„Ich weiß, daß du ihn gern hast. Aber kennst du ihn so gut?“

„Ja“, erwiderte Sandra fest.

Doch Frau Ansbach ließ nicht locker. „Mißverstehe mich bitte nicht, Sandra. Das Geld ist weg. Jemand muß es genommen haben. Wo hat Joschi sich die Hände gewaschen?“

„Auf dem Klo oder in der Küche. Ich frage ihn. Wenn er in der Küche war, muß er das Geld gesehen haben, falls es noch da war. Aber denke nur ja nicht, daß ich ihn frage, ob er es geklaut hat“, fügte Sandra kampfeslustig hinzu.

„Ach, Sandra!“ Frau Ansbach erhob sich seufzend. „Mir ist das alles sehr unangenehm. Ganz schrecklich ist mir das. Ich fahre jetzt zurück. Vergangene Nacht habe ich vor lauter Sorgen nicht geschlafen. Aber jetzt merke ich, daß ich müde bin.“

„Arme Oma! Ich komme mit runter. Ich klingele den Joschi raus“, sagte Sandra.

„Das kannst du doch morgen mit ihm besprechen.“ Frau Ansbach wußte, daß ihre Tochter es nicht gern sah, wenn Sandra spät abends noch ausging.

Doch ihre Enkelin beharrte auf ihrem Willen. „Ich muß jetzt mit ihm sprechen. Ich könnte auch nicht schlafen, solange das nicht geklärt ist. Verstehst du das nicht, Oma? Joschi ist mein Freund. Ich will nicht, daß ihr ihn verdächtigt.“

Sie ging mit ihrer Großmutter zur Tür.

Im Treppenhaus blieb Sandra plötzlich stehen. „Wieso denkt ihr eigentlich nur an Joschi und mich? Wo war Gesine?“ Frau Ansbach hob abwehrend die Hand. „Ach, sie kann‚s kaum gewesen sein. Sie lieferte Herrn Seibold das Geld ab, ging ins Badezimmer und kam einen Augenblick später zu ihm auf die Veranda hinaus. Außerdem hatte sie ja vorher eine viel bessere Gelegenheit, das Geld einzustecken. Gesine nahm es schließlich an der Tür entgegen. Sie hätte davon gar nichts zu erwähnen brauchen.“

Sandra hob die Schultern. „Ich dachte ja nur! — Also, dann müssen Geister im Haus gewesen sein. Joschi und ich waren es jedenfalls nicht.“ Sie hob die Hand, als sie Frau Ansbachs skeptische Miene sah. „Aber ich frage ihn trotzdem — damit du beruhigt bist.“

Sie waren vor der Haustür angelangt. Sandra küßte ihre Oma. „Tschüs! Komm gut heim, Oma!“

„Bleib nicht solange aus, Sandra.“

„Keine Bange!“

Sandra wollte sich gerade zu Joschis Haus auf den Weg machen, es lag entgegengesetzt der Bushaltestelle, da fiel ihr etwas ein. Sie blieb erneut stehen. „Oma, Gesine war als letzte in der Küche. Sie hat unsere Kuchenpakete aus dem Kühlschrank geholt. Vielleicht ist sie da erst auf den Gedanken gekommen?“

„Ja, wirklich!“ sagte Frau Ansbach bestürzt. „Ach, das wäre aber ihrer Großeltern wegen schlimm. Hör zu, wir wollen die Sache nicht dramatisieren. Herr Bollerhey regt sich immer gleich auf. Gesine hat es eigentlich doch gar nicht nötig, Geld zu stehlen. Sie erhält viel mehr Taschengeld als du und Joschi, hast du mir mal gesagt...“

Sandra unterbrach ihre Großmutter. „Als wenn das ein Grund wäre!“

Wütend lief Sandra davon.

Sie rannte die Treppe zu Joschis Wohnung hinauf und klingelte stürmisch an der Wohnungstür.

Frau Ruge, das Gesicht glänzend von Nachtcreme, öffnete. „Wo brennt‚s denn?“

„Kann ich Joschi sprechen?“

„Jetzt noch?“

„Es ist dringend. Bitte, Frau Ruge, kann er mal rauskommen?“

„Joschi!“ rief Frau Ruge. „Aber macht‚s kurz. Du hast noch Vokabeln zu lernen“, ermahnte sie ihren Sohn.

Sandra winkte Joschi, ihr ins Treppenhaus zu folgen.

„Denk dir“, sagte sie, nachdem er die Wohnungstür zugezogen hatte, „meiner Oma fehlt Geld. Sie meint, einer von uns hat es genommen.“

„Was denn für Geld?“

Sandra blickte ihn an. Joschi wirkte absolut überrascht und ahnungslos. Nein, er war kein Dieb. Selbst wenn sie auch nur einen Moment den Verdacht ihrer Großmutter ernstgenommen hätte—Joschis Verhalten widerlegte ihn.

Sandra setzte sich auf die Treppe gegenüber der Wohnungstür. Sie wartete, bis Joschi neben ihr Platz genommen hatte. Und dann erzählte sie ihm, weshalb ihre Großmutter überraschend in die Stadt gekommen war.

„Mann, das ist ja ein Ding!“ meinte Joschi. Er stützte seinen Kopf in die Hände.

Plötzlich fuhr er auf. „Sag mal, denkt ihr etwa, ich hätte es geklaut? Da gehe ich doch nie wieder hin. Ich lasse mich doch nicht einen Dieb schimpfen.“

„Reg dich nicht auf. Meine Großmutter hat‚s mir ja nur erzählen wollen. Sie fragt, ob wir das Geld gesehen hätten“, erwiderte Sandra, um ihn zu besänftigen.

„Herr Seibold hat‚s bestimmt verlegt. Oder das Küchenfenster stand offen. Natürlich stand es offen! Der Wind wird‚s vom Schrank geweht haben. Ich habe mir in der Küche die Hände gewaschen, aber ich habe kein Geld bemerkt.“

„Es war ein Schein und ein Fünfmarkstück. Dann müßte wenigstens die Münze noch da sein. Kein Wind kann ein Fünfmarkstück vom Schrank herunterfegen.“

„Ein Sturm schon.“

„Es war aber kein Sturm. Vielleicht lag das Geld noch da, und du hast nicht darauf geachtet.“

Joschi dachte darüber nach.

„Wir mußten zum Bus. Wir waren in Eile“, erinnerte Sandra. „Gesine war nach dir noch einmal in der Küche. Ich tippe auf Gesine.“

„Verrückt! Du spinnst ja! Ich wette, daß Herr Seibold das Geld verlegt hat. Er sucht doch immer irgend etwas.“

„Sie haben überall nachgesehen. Herr Seibold hat genau die Stelle bezeichnet, wo er das Geld hingelegt hat. Wenn du und ich es nicht genommen haben, muß Gesine es gewesen sein. Nur sie...“

Joschi fiel Sandra ins Wort. „Hör doch auf damit. Gesine ist viel zu harmlos für so etwas. Die hätte viel zuviel Angst. Nur, weil du sie nicht leiden magst, ist sie noch lange keine Diebin. Das kannst du ihr nicht anhängen.“

„Du bist genau wie meine Großmutter. Ich wußte, daß du sie in Schutz nehmen würdest“, fauchte Sandra.

„Tue ich gar nicht. Ich versuche nur fair zu sein.“

„Tust du wohl! Die schöne Gesine ist ja immer ein Engel. Bloß weil sie dir schöne Augen macht, fällst du mir in den Rücken, wenn ich sie abwimmeln will. Am liebsten würdest du sie überallhin mitschleppen.“

„Mann, was redest du denn?“

Sandra wandte sich ab.

„He!“ Joschi stand auf und blickte erstaunt auf Sandra hinunter. „Bist du eifersüchtig?“

„Pfff! Was bildest du dir ein?“

„Mann, ich glaube wirklich, du bist eifersüchtig.“ Bevor Sandra begriff, was geschah, hatte Joschi sich zu ihr hinuntergebeugt und gab ihr einen Kuß.

Sandra stemmte ihre Hände gegen seine Brust. „Bist du verrückt?“

„Nein, ich nicht, aber du! Du denkst, mir liegt etwas an Gesine. Stimmt aber nicht. Das wollte ich dir gerade beweisen. Ich mag nur dich. Aber du stößt mich immer zurück.“

„Gesine tut das wohl nicht?“ stichelte Sandra.

„Hör endlich auf damit!“ Joschi setzte sich wieder neben sie.

Eine Weile saßen sie stumm. Sandra war von Joschis Kuß verwirrt. Und Joschi mochte nicht reden, weil er fürchtete, von Sandra wieder mißverstanden zu werden.

Schließlich brach Sandra das Schweigen. „Du meinst also, ich dürfe Gesine nicht darauf ansprechen? Meine Großmutter ist auch dagegen. Aber ich bin für Gerechtigkeit. Wieso sollen wir Gesine schonen?“

„Was willst du ihr denn sagen? Willst du sie geradeheraus fragen, ob sie eine Diebin ist?“ Joschi lachte gezwungen.

„Jetzt, wo du es dir überlegt hast, hältst du es also auch nicht für unmöglich, daß sie das Geld hat?“ fragte Sandra.

„Na ja...“Joschi räkelte sich ungemütlich. „Wenn sie schon als letzte in der Küche war!“

„Sie hat das Geld“, behauptete Sandra.

„Und wenn! Meinst du, sie gibt das zu?“ fragte Joschi.

„Das werden wir ja sehen. Wir werden sie in die Enge treiben.“

„Laß mich da heraus, bitte. — Nicht deshalb, was du dir einbildest“, beteuerte Joschi rasch, um Sandras Eifersucht vorzubeugen. „Ich kann so was nicht haben. Ich will da lieber nicht dabeisein. Es ist mir peinlich.“

„Frage ich sie eben allein. Denkst du, mir macht das Spaß?“

„Blöder Geburtstag!“ schimpfte Joschi, als sei der Anlaß ihres Besuches bei Sandras Großmutter schuld an ihrer verzwickten Situation.

Die Wohnungstür wurde geöffnet. „Joschi...!“ mahnte Herr Ruge.

„Immer wird man gestört“, murrte Joschi. Er erhob sich aufreizend langsam. „Muß noch was tun“, erklärte er Sandra.

„Müßte ich auch.“ Sandra stand ebenfalls auf. „Nacht, Herr Ruge. Tschau, Joschi.“

Sie ging die Treppe hinunter.

Auf dem Bürgersteig blieb sie einen Augenblick überlegend stehen.

Schließlich entschied sie sich dafür, auch den Besuch bei Gesine heute noch hinter sich zu bringen. Es war zwar bereits nach neun Uhr. Doch Gesine würde gewiß noch auf sein.

Gesine öffnete Sandra selbst die Tür. Sie wirkte überrascht, Sandra zu sehen. Überrascht und erfreut, wie es Sandra schien. Das machte es nicht leichter für sie, ihre Beschuldigung vorzubringen.

„Komm rein! Es ist Sandra!“ rief Gesine ihren Großeltern im Wohnzimmer zu.

„Komm du mit raus“, bat Sandra.

„Jetzt noch?“

Sandra nickte. „Ich muß dich was fragen.“

Täuschte sie sich, oder zuckte Gesine betroffen zusammen?

„Ich gehe noch mal raus, Oma!“ rief Gesine.

Nein, Sandra hatte sich nicht getäuscht. Gesines Stimme klang belegt. Also schien sie ein schlechtes Gewissen zu haben.

Gesine schlüpfte rasch aus der Wohnung, bevor ihre Großmutter kommen und sie zurückhalten konnte. „Was ist denn?“ fragte sie ängstlich.

Sandra wartete mit ihrer Antwort, bis sie auf der Straße angelangt waren und sich ein paar Meter von Bollerheys Wohnungsfenstern entfernt hatten.

„Du hast doch gestern das Himbeergeld für meine Großmutter angenommen?“

Gesine wurde feuerrot.

Sandra sah es mit Befriedigung. Sie hatte sich also nicht geirrt. Sie war auf der richtigen Spur.

„Herr Seibold sagt, er habe es auf den Küchenschrank gelegt. Das stimmt doch?“

Gesine nickte stumm. Ihre Augenlider flatterten. Sie blickte Sandra an und wieder weg.

„Stell dir vor, sie finden es nicht mehr“, sagte Sandra.

„Ich weiß nichts davon. Ich habe es nicht. Ich habe das Geld Herrn Seibold gegeben“, beteuerte Gesine aufgeregt.

Sandra sah ihr an, daß sie log.

Außerdem hatte sie Gesine nicht einmal andeutungsweise verdächtigt. Sie hatte ihr nur erzählt, daß das Geld verschwunden ist. Weshalb verteidigte sich Gesine? — Es war ihr Schuldbewußtsein, das sie dazu drängte.

„Und wie erklärst du dir, daß es nicht mehr da ist?“

„Vielleicht... vielleicht hat jemand anderer es genommen.“

„Du meinst Joschi oder ich?“

„Das habe ich nicht behauptet.“

„Das möchte ich dir auch nicht raten. Du hast das Geld gestohlen! Du warst als letzte in der Küche!“

„Das beweist gar nichts“, erwiderte Gesine trotzig.

Sandra ging drohend auf sie zu. „Rück bloß das Geld heraus, sonst kannst du etwas erleben!“

Gesine wich zurück. „Ich habe es nicht! Ich sage es meiner Oma. Du bist gemein!“ Sie fing an zu weinen.

„Du lügst! Deine Oma wird sich freuen, wenn sie das erfährt.“

Gesine weinte heftiger.

„Dein Heulen juckt mich nicht. Das ist doch nur Schau. Laß dich bloß nicht mehr bei uns blicken, das sage ich dir, du gemeines Biest.“

Sandra drehte sich um und ließ Gesine stehen.

Gesine kam ihr nachgelaufen. „Ich schwöre, daß ich das Geld nicht habe! Bitte, sag meinen Großeltern nichts von dem verschwundenen Geld. Mein Opa regt sich immer gleich auf, und dann bekommt er einen Asthmaanfall. Ich habe das Geld wirklich nicht.“

Sandra glaubte ihr nicht.

Dennoch erzählte sie ihrer Großmutter nicht, daß Gesine sich ihrer Meinung nach verraten habe. Denn nach sorgfältiger Überlegung mißtraute Sandra ihrer eigenen Urteilsfähigkeit.

Von Joschi wußte Sandra auf Anhieb zu sagen, wann er log. Bei Gesine erschien ihr das nachträglich zweifelhaft. Sandras ausgeprägtes Rechtsempfinden gab ihr zu bedenken, daß jeder Mensch sich gegenüber einer solchen Anschuldigung unterschiedlich verhalten konnte. Ein endgültiges Urteil über Gesine zu fällen, wagte sie deshalb nicht.

Teilte sie ihrer Großmutter jedoch ihre Beobachtungen mit, würde Herr Seibold nicht ruhen, bis die Sache aufgeklärt war. Das würde bedeuten, daß Gesines Großeltern von dem Verdacht gegen Gesine erfuhren. Vielleicht entstand dadurch ein größerer Schaden, als es der Verlust von fünfundzwanzig Mark bedeutete. In dieser Hinsicht gab Sandra ihrer Großmutter recht.

So gab Sandra ihre Eindrücke von ihrer Unterredung mit Gesine nur an Joschi weiter.

Doch ihre ohnehin nur oberflächliche Freundschaft mit Gesine wurde nach diesem Vorfall von keinem von ihnen mehr fortzusetzen versucht.