Kapitel 5

 

Man kann sich nicht einfach in Westfall niederlassen, so wie es Reisende aus anderen Provinzen kennen. Wer sein Glück dort versuchen will, benötigt Zeit, Geduld und einen schweren Geldbeutel, denn den Wachen einer Stadt obliegt die Entscheidung, wer in ihren Mauern leben darf. Reiche Wachen sind in Westfall keine Seltenheit.

Jonaddyn Flerr, Die Fürstentümer und Provinzen der vier Königreiche, Band 1

 

Er hatte geglaubt, es würde alles anders werden. Wenn er nur laufen könnte, hatte er gedacht, wenn nur die Schmerzen verschwänden und die Hilflosigkeit, die ihn niederdrückte, dann würde der Mann, der sich hinter ihnen verbarg, aus den Schatten treten und Craymorus ins Licht führen.

Doch das war nicht geschehen. Er war derselbe geblieben, schwach und unsicher, ein Fürst, der kein Fürst war, ein Betrüger an den Menschen, die zu ihm aufsahen, und an sich selbst.

»Wie lange noch?«, fragte er. Der hölzerne, reich verzierte Thron, auf dem er saß, war unbequem und hart. Milus, sein Vater, hatte darauf bestanden, dass alle Treffen zwischen Craymorus und den Magiern im Thronsaal stattfanden. Er hielt das für angemessen. Craymorus hatte ihm nicht widersprochen.

Milus, ein strenger Mann, in dem er sich selbst nicht erkennen konnte, hob die Augenbrauen. »Ich schätze deine Ungeduld nicht«, sagte er. »Wir arbeiten Tag und Nacht an diesem Zauber, aber wie du wissen solltest, brauchen solche Dinge Zeit.«

»Verzeih, ich wollte eure Hingabe nicht infrage stellen.« Craymorus hätte sich für diese Worte am liebsten geohrfeigt. Die anderen sechs Magier im Saal senkten den Blick, als wäre es ihnen peinlich, ihm zuzuhören. Sie saßen auf hohen Stühlen rechts und links des Throns. Nur Adelus, sein jüngerer Bruder, stand am Fenster und sah nach draußen. Die Unterhaltung schien ihn zu langweilen.

»Die Zeit wird nur knapp«, fuhr Craymorus fort. »Die Vorräte schwinden. Lange halten wir diese Belagerung nicht mehr durch.«

»Du hättest die ganzen Leute nicht in die Festung lassen sollen«, sagte Milus. »Sie nützen dir nicht.«

»Das ist mein Volk.«

»Dein Volk.« Milus' Mundwinkel zuckten. »Natürlich. Ich vergaß.«

Ist er schon immer so gewesen?, fragte sich Craymorus. So kalt? So gemein?

Einer der anderen Magier, ein junger Mann namens Civicus, räusperte sich. »Mein Fürst, eine Bitte von den Magiern, die sich gerade auf den nächsten Kampf vorbereiten: Vielleicht könntet Ihr dafür sorgen, dass sie bei der Nahrungsverteilung bevorzugt behandelt werden. Die Zauber kosten große Kraft.«

Ein Schwert zu halten auch, wollte Craymorus entgegnen, aber er wusste, dass er sich damit nur dem erneuten Widerspruch seines Vaters ausgesetzt hätte. Also nickte er. »Ich werde mich darum kümmern.«

»Danke, mein Fürst.«

»Wenn sonst nichts mehr anliegt …«, begann er, aber Milus hob die Hand.

»Es gibt noch etwas. Seit unserer Ankunft sind durch die Unfähigkeit deiner Wachen drei unserer Magier ums Leben gekommen. Ich würde es als angemessen erachten, wenn du ihre Familien mit ihrem Gewicht in Gold entschädigst.«

Craymorus rieb sich mit der Hand übers Gesicht. Ihre Schwielen, Erinnerungen an die Krücken, die immer noch an der Wand seines Schlafzimmers lehnten, drückten gegen seine Haut. »Weißt du, wie viel sie gewogen haben?«, fragte er müde.

Ihm wurde erst klar, dass er einen Witz gemacht hatte, als Adelus am Fenster zu lachen begann. Craymorus lächelte. »Das war eine ernst gemeinte Frage.«

Milus stand auf. »Ich werde es dich wissen lassen.«

Er nickte. Stühle wurden laut quietschend über den Steinboden geschoben, dann erhoben sich auch die anderen Magier. Civicus war der Einzige, der sich tief verbeugte. »Mit Eurer Erlaubnis, mein Fürst, werden wir uns zurückziehen.«

»Hoffnung«, sagte Craymorus, so wie man es von ihm erwartete.

»Hoffnung«, antworteten Adelus und Civicus.

Hinter ihm öffnete sich eine kleine Tür, die zu den fürstlichen Privatgemächern führte. Er wusste, dass Mellie den Thronsaal betreten hatte, noch bevor er sie sah. Die Luft veränderte sich, wurde schneidend und metallisch, wenn sie in der Nähe war. Er fragte sich, warum ihm das so lange nicht aufgefallen war.

Er hörte ihre Schritte auf den Steinen und drehte den Kopf. Die Magier blieben stehen. Adelus wandte sich vom Fenster ab.

»Entschuldigt, mein Fürst, ich habe nicht gewusst, dass jemand hier ist.« Mellie blieb neben dem Thron stehen und legte ihm die Hand auf den Arm. Seit die Ewige Garde die Festung verlassen hatte, versteckte sie sich nicht mehr in seinem Quartier. Er befürchtete, dass schon bald Gerüchte über die Geliebte des Fürsten die Runde machte.

Er zog den Arm weg. »Wir waren gerade fertig.«

Ihre Nähe beengte ihn. Beinahe hektisch stand er auf und trat einige Schritte zur Seite. »Vater«, begann er, doch dann sah er den Blick, mit dem Milus Mellie betrachtete. Ein seltsamer Ausdruck lag darin, den er nicht deuten konnte.

Weiß er, was sie ist?, dachte Craymorus plötzlich. Auch die anderen Magier starrten sie an. Niemand sagte etwas. Nur Adelus ging langsam und mit weit geöffneten Augen auf Mellie zu, so als könne er nicht glauben, wer den Saal betreten hatte.

Wissen sie es alle?

Der Gedanke entsetzte ihn. Die metallische Luft lag schwer auf seiner Zunge. Ihm wurde übel.

»Entschuldigt mich«, sagte er, dann verließ er den Saal. Mühsam zwang er sich dazu, nicht zu rennen, seine Flucht nicht vor allen deutlich zu machen.

Er übergab sich im Gang, zwischen einem ausgestopften Bären und einem Ölgemälde der Festung.

Sie wissen es. Sie wissen es.

 

 

Nach einer Weile richtete sich Craymorus auf. Der Gang, in dem er stand, war leer. Die meisten Wachen waren auf die Mauern und Türme versetzt worden. Er atmete tief durch. Seine Knie zitterten. Einmal pro Tag musste er den Tanz wiederholen, der ihm das Gehen ermöglichte. Am Morgen hatte er das bereits in einem der kleinen Kräutergärten hinter dem Haupthaus getan. Das Zittern hatte nichts mit seinen verkrüppelten Beinen zu tun. Es war ein Zeichen seiner Angst.

Craymorus drehte sich um und ging am Thronsaal vorbei tiefer in die Festung hinein. Er begegnete Sklaven, die sich tief vor ihm verbeugten, und Soldaten, die salutierten. Ein paar riefen »Hoffnung«, wenn sie ihn sahen. Sie glaubten immer noch an ihn. Er wich ihren Blicken aus.

Eine Treppe führte ihn hinab in die Kerker. Man hatte ihn oft heruntergetragen, wenn er sich zu schwach fühlte. Seit zehn Tagen musste er niemanden mehr darum bitten. Er versuchte, Freude darüber zu empfinden.

Craymorus brachte die Treppe hinter sich und ging durch lange, von Fackeln erhellte Gänge. Er nickte den Wachen zu, die vor einer schweren Eisentür standen. Sie salutierten mit ihren Schwertern und schlossen die Tür auf. Er spürte, wie ihre Blicke ihm in die Höhle, in der einfache Gefangene und Wärter lebten, folgten. Sie wussten, wo er hinging, aber sie verstanden nicht, warum. Er verstand es selbst nicht.

»Mein Fürst.« Forderak, der Kerkermeister, eilte herbei. Er schloss die Tür zum Zellentrakt auf. Der Schlüssel hing an einer Kette von seinem Handgelenk.

Craymorus bedeckte Mund und Nase mit dem Ärmel seiner Jacke. Obwohl er fast jeden Tag an diesen Ort kam, hatte er sich an den Gestank und die Geräusche, die aus den dunklen Zellen drangen, noch nicht gewöhnt. Die Gefangenen, die in diesem Trakt saßen, waren Besessene, die unter dem Einfluss von Dämonen furchtbare Taten begangen hatten. Sie galten als unberührbar.

Sie verließen den Trakt. Forderak schloss die Tür sorgfältig ab, während Craymorus den Arm vom Gesicht nahm. »Hast du je in die Zellen hineingesehen?«, fragte er.

Der Kerkermeister schüttelte den Kopf. »Ich sehe die Unberührbaren, wenn sie hereingebracht werden. Das ist alles.«

»Und wenn sie herausgebracht werden.«

»Sie werden nicht herausgebracht.« Forderak ging an ihm vorbei in den Gang hinein. Nur zwei der Zellentüren waren verschlossen. Hinter einer befand sich Korvellan, der gefangen genommene General der Nachtschatten. Der Blick auf seine Zelle brachte die Erinnerung an das einzige Gespräch zurück, das Craymorus mit ihm geführt hatte. Er schob den Gedanken beiseite.

»Mir ist klar, dass sie nicht freigelassen werden«, sagte er stattdessen in dem Glauben, der Kerkermeister habe ihn missverstanden. »Ich meine, wenn sie sterben.«

»Sie werden nicht herausgebracht, Herr.«

Craymorus fragte nicht noch einmal nach.

Forderak schloss die letzte Zelle des Trakts auf. Noch vor kurzem hatten vier Soldaten in dem Gang Wache gestanden, doch seit der Belagerung waren sie auf andere Posten versetzt worden.

Die Nachtschatten lagen in Ketten, umgeben von Mauern, vom Gang getrennt durch eine schwere, eisenbeschlagene Holztür. Sie konnten nicht fliehen, das hatte man ihm versichert.

»Danke«, sagte Craymorus. »Ich klingele, wenn ich fertig bin.«

»Ja, Herr.« Der Blick des Kerkermeisters glitt über den Tisch neben der Tür, über die Schriftrollen, die sich drauf stapelten, die Karaffe mit verdünntem Wein und den leeren Kelch. »Braucht Ihr noch etwas?«

»Nein.« Craymorus ging an ihm vorbei und zog einen Stuhl an den Tisch heran.

Der Nachtschattenjunge hatte sich in einer Ecke zusammengerollt. Seine Ketten klirrten, als er den Kopf hob.

Forderak zögerte. »Kommt Ihr voran, wenn ich fragen darf, Herr?«

»Ja, ich komme voran.«

»Das freut mich, Herr.« Der Kerkermeister wirkte, als wolle er fragen, womit genau sein Fürst weiterkam, aber dann verließ ihn offenbar der Mut. Er drehte sich um. »Ich warte dann auf Euer Klingeln.«

»Danke.« Craymorus wartete, bis er die Tür hinter sich geschlossen hatte, dann zog er seine Jacke aus und setzte sich. Es war warm in der Zelle. Kerzen brannten Tag und Nacht. Er hatte darum gebeten. Der Nachtschatten sollte nicht im Dunkeln leben müssen. Mellie war wütend geworden, als sie davon erfuhr.

Nach allem, was die Nachtschatten dir angetan haben, kümmerst du dich um sein Wohlergehen?, hatte sie gesagt. Du solltest ihn aufhängen lassen!

Er schüttelte den Kopf, um ihre Stimme zum Schweigen zu bringen.

Der Nachtschatten setzte sich in seiner Ecke auf. Sein Kopf war vernarbt, die Nase so oft gebrochen, dass sie breit und knollig wie ein Sack voll Murmeln in seinem Gesicht hing. Fell bedeckte einen Teil seines Körpers, eine Hand war gekrümmt wie eine Klaue. Er war gefangen in einem Zustand zwischen Mensch und Nachtschatten, unfähig, sich in das eine oder das andere zu verwandeln.

Wir sind uns ähnlich, dachte Craymorus.

»Willst du mir nicht deinen Namen nennen?«, fragte er. Jedes Mal begann er das Gespräch mit diesen Worten. Jedes Mal antwortete ihm Schweigen.

Der Nachtschatten ließ den Kopf sinken. Sein Blick war trüb wie der eines alten Mannes.

Craymorus nahm wahllos eine der Schriftrollen vom Tisch und zog sie vorsichtig auf. Das Papier war vergilbt, die Tinte blass. Er hatte sie und all die anderen Rollen und Bücher in dem Bibliothekssaal gefunden, der sich mit der frühen Geschichte Westfalls befasste. Heimlich hatte er sie in die Zelle gebracht und studierte sie seitdem. Er wagte es nicht, sie in der Bibliothek zu lesen. Zu viele hätten ihn dort beobachten können. Mellie hätte ihn dort beobachten können.

»Beten Nachtschatten zu den Vergangenen?«, fragte er, ohne den Jungen anzusehen. Er zog die Kerze näher heran und kniff die Augen zusammen. Die Schrift war kaum zu lesen. »Ich denke nicht, oder? Weißt du das überhaupt? Hast du je einen anderen Nachtschatten gesehen, deine Eltern mal ausgenommen? Woher kommt euer Wissen, und was …«

Er ließ die Frage unvollendet in der Luft hängen. In dem besseren Licht konnte er die Schrift auf dem uralten Papier leicht lesen. Sie war alt, vielleicht die älteste, die er bislang in Händen gehalten hatte. Das Papier war brüchig und an vielen Stellen eingerissen. Jemand hatte in einer anderen, weitaus neuer wirkenden Schrift Kommentare zwischen die Zeilen geschrieben.

»Die Eroberung von Westfall«, las Craymorus. Er stutzte. »Ich wusste nicht, dass Westfall erobert wurde.«

Er las weiter. Die Chronik beschrieb einen Angriff von Barbaren aus dem Süden. Sie waren über die Provinz hergefallen, hatten Städte und Dörfer niedergebrannt. Die Bewohner waren in die Berge geflohen, weit weg vom Großen Fluss, in ihr Heiligtum. Dort beteten sie zu ihren schlafenden Göttern. In der neueren Schrift stand das Wort »Vergangene!« daneben.

Doch die Barbaren fanden sie und massakrierten all die, denen eine Flucht nicht gelang. »Wahrheit, Gründung Westfalls, wie 764/1«, hatte der Kommentator unter den Absatz geschrieben.

»Sieben vierundsechzig Strich eins«, murmelte Craymorus. Die meisten Schriftrollen hatte jemand nach einem System, das er noch nicht ganz durchschaute, nummeriert. Er wühlte in den Rollen auf dem Tisch, fand die richtige und zog sie auf.

Auch diese Schrift war kommentiert worden, in der gleichen schnörkellos sauberen Handschrift.

Er fand weitere Verweise und Anmerkungen. Manche bezogen sich auf Schriften, die er mitgenommen hatte, andere auf welche, die noch in der Bibliothek liegen mussten. Er ignorierte Letztere, legte die neben sich, die der unbekannte Kommentator erwähnte und die er auf dem Tisch finden konnte.

Craymorus fühlte sich wie der Entdecker eines fremden Landes. Mit jeder Zeile, die er las, stieß er tiefer in die Geschichte Westfalls vor, kam er näher an die Vergangenen heran. Der Kommentator begleitete ihn. Seine Anmerkungen waren wie ein eingezeichneter Weg auf einer Karte. Craymorus wich nicht davon ab.

Schließlich, nachdem drei Kerzen niedergebrannt waren, rieb er sich die Augen und sah auf.

»Kennst du die Geschichte vom Anfang der Welt?«, fragte er.

Der Nachtschatten zuckte zusammen. Er hatte geschlafen.

Craymorus schüttete Wein in einen Kelch und stellte ihn auf den Boden, sodass der Junge ihn erreichen konnte. Dann setzte er sich wieder.

»Der Gott des Flusses«, sagte er, »sprach eines Tages mit dem Gott der Erde und des Feuers. Erde sagte, seine Macht wäre größer als die des Feuers, Feuer widersprach ihm. Um ihren Streit zu schlichten, erschuf der Gott des Flusses zwei Völker, das der Erde, das er an sein westliches Ufer brachte, und das des Feuers, das im Osten leben sollte.«

Der Nachtschatten kroch aus seiner Ecke und griff nach dem Kelch. Gierig trank er daraus. Craymorus wusste nicht, ob er ihm zuhörte.

»Die beiden Völker gediehen. Das am Westufer entdeckte die Magie, erbaute kunstvolle Gebäude und erfreute die Götter mit seinen Dichtungen. Das Volk des Feuers wurde zu mächtigen Kriegern mit einer wilden Lust am Leben.« Er hob die Schultern. »Du kannst dir wahrscheinlich denken, wie es weitergeht. Feuer und Erde konnten sich nicht einigen, wer den Wettstreit gewonnen hatte, also brachten sie das Feuervolk eines Nachts heimlich an das Westufer, um beide Völker aufeinanderzuhetzen. Der Gott des Flusses war wütend, als er davon erfuhr, aber es war zu spät. Der Krieg hatte bereits begonnen.«

Der Nachtschatten kroch zurück in seine Ecke und legte sich hin. Die Augen schloss er nicht. Er hörte zu.

»Es war ein Krieg, der Generationen dauerte und die ganze Welt verwüstete. Das Volk des Feuers schien ihn zu gewinnen, doch dann hatte das Volk der Erde eine letzte Idee. Es steckte die Magie, die im Land und in ihm selbst war, die es am Leben erhielt, in einen gewaltigen Zauber. Es entfachte einen Sturm, der dem Volk des Feuers die Kraft entriss und es bis ins ewige Eis des Nordens schleuderte. Der Sturm beendete den Krieg, doch das Volk der Erde lag im Sterben. Mit ihrem letzten Atemzug hauchten sie den Körpern, die als ihre Armeen gedient hatten, Leben ein. Die Körper wurden zu Menschen, hilflosen Sterblichen, die dazu verdammt sind, sich an die Größe ihrer Erschaffer zu erinnern, ohne sie je erreichen zu können. Aus dem Volk des Feuers wurden Nachtschatten. Bis zum heutigen Tag versuchen sie, die Menschen zu vernichten, um sich für die Niederlage zu rächen. Wir nennen das Volk der Erde die Vergangenen und beten zu ihnen, preisen sie wegen des Opfers, das sie für uns auf sich genommen haben, und hoffen, eines fernen Tages ihre Größe zu erlangen. Sie sind wie Götter für uns, wie Eltern, nach deren Stolz wir uns ein Leben lang sehnen.«

Craymorus trank einen Schluck Wein aus der Karaffe. Seine Hand zitterte. »Ich habe mein ganzes Leben daran geglaubt.«

Er sah Mellie vor sich. Sie lächelte. Ihre Augen waren leer.

Es klopfte.

Craymorus zuckte zusammen. Der Blick des Nachtschattens glitt zur Tür.

»Mein Fürst.« Garrsys Stimme klang dumpf durch das Holz. »Ich …«

»Ich habe befohlen, mich hier nicht zu stören!«

»Ich weiß, mein Fürst. Bestraft mich, wenn es Euch beliebt, aber ich muss Euch etwas Wichtiges sagen.«

Craymorus stellte die Karaffe zurück auf den Tisch und stand auf. Er legte die Hand auf den Riegel, der die Tür verschloss, dann drehte er sich zu dem Nachtschatten um.

»Ich habe an eine Lüge geglaubt«, sagte er leise und öffnete die Tür.

Forderak und Garrsy standen davor. Beide wirkten nervös.

»Es ist etwas geschehen, mein Fürst«, begann Garrsy.