Echte Freundinnen …

 

Am Abend saß ich mit meiner Mutter am Küchentisch und hörte ihren Geschichten vom Einsatz in der Notaufnahme zu … okay, ich versuchte zumindest zuzuhören. Ihre Augenringe waren tiefer und dunkler als je zuvor. Dabei machte sie gerade die Frühschicht. Wie würde es erst werden, wenn die Spätschicht dran war? Vielleicht schlief sie auch nicht gut und sagte es mir nicht, damit ich mir keine Sorgen machte. Sie war jetzt fast vierzig Jahre alt und erste graue Haare zeigten sich. Dabei war sie eigentlich noch relativ attraktiv. Ihre Figur war weder zu dick noch zu dünn, sie hatte süße Lachfältchen um die Augen herum und ein schönes herzförmiges Gesicht. Wenn sie nur nicht so fertig aussehen würde und dieses Schild von ihrer Stirn abnehmen könnte, auf dem stand: Bin nicht frei, dann würde sie bestimmt mal jemanden kennenlernen.

Ihre Stimme riss mich aus meinen trüben Gedanken: „Erde an Alexa! Huhu, jemand Zuhaus?“

„Was? Mama, ähm … was hast du gesagt?“

„Ich sagte, ich habe heute mit einem Kollegen das erste Mal in meiner Karriere einen Verbandswechsel bei einem ziemlich übel aussehenden Diabetes Bein vorgenommen. Da war soviel nekrotisches Gewebe, und wir mussten es ganz vorsichtig abtragen und dann die Wunde desinfizieren. Die arme Frau, der das Bein gehörte, musste ordentlich mit Morphium vollgepumpt werden, damit sie den Schmerz ertragen konnte.“

Ich verzog das Gesicht. „Uhh, igittigitt …“

„Ja, also, ich hätte es ohne Mund- und Nasenschutz, glaub ich, nicht hingekriegt, weil das Bein so widerlich gestunken hat, das kannst du dir nicht vorstellen.“

„Ich stelle mir einfach den Gestank von Toten vor!“ Als Tochter einer Vollblutkrankenschwester wusste ich natürlich längst, dass ‚nekrotisch’ abgestorben hieß …

„Ja, das kommt gut hin. Jedenfalls der Kollege, Derek Bender, konnte erstaunlicherweise auf seinen Mund- und Nasenschutz verzichten, und außerdem will er mit mir ausgehen …“ Sie sprang plötzlich auf und ging zum Kühlschrank. Ich musste kurz in mich gehen und rekapitulieren. Als mir endlich klar wurde, was sie da im letzten Satz gerade gesagt hatte, kippte ich fast vom Stuhl. „Mama! Das … das … ist toll. Ein Date? Du hattest seit der Trennung von Papa noch kein einziges Date mit einem anderen Mann.“

„Do-och hatte ich sehr wohl …“, sagte sie in einem kindlich trotzigen Ton, „… mit Ralf Männing vom Sozialdienst.“

Ich schüttelte energisch den Kopf. „Der zählt nicht, Mama, das weißt du.“

Ralf Männing war eine versteckte Tunte gewesen und von einer Nachtschwester beim Anziehen von Seidenstrümpfen erwischt worden. Meine Mutter war nur deshalb mit ihm ausgegangen, weil er sie darum gebeten hatte, damit das Gerücht, er trage gerne Frauenkleider, nicht wild um sich schlug.

Sie lachte und setzte sich wieder hin, ohne aus dem Kühlschrank etwas entnommen zu haben.

Jetzt blickte sie wieder ernster und fuhr nachdenklich mit dem Finger am Tischrand entlang. „Außerdem habe ich nicht gesagt, dass ich zugesagt hätte. So betrachtet habe ich also noch kein Date.“

„Aber du wirst doch zusagen, oder?“

„Mal sehen“

„Mama!?“

„Lexi, hör auf.“

„Okay, `tschuldige.“ Ich wusste, es war falsch, sie noch weiter zu drängen. Plötzlich fand ich, dass dies der richtige Zeitpunkt war, um zu fragen, ob ich bei Adriana übernachten durfte. Sie hatte sie ja bereits kennengelernt und einen guten ersten Eindruck von ihr gewonnen, und vielleicht würde es sie motivieren, das Date Angebot anzunehmen, wenn ich mal nicht um sie herum war.

„Mama“, begann ich, „… kann ich Freitagabend bei Adriana schlafen?“ Ich sah meine Mutter gespannt an und rechnete mit einer kritischen Nachfrage.

„Wenn du das gerne möchtest …“, sagte sie prompt.

Ich wusste erstmal gar nicht, was ich darauf erwidern sollte. „Ähm, hast du denn gar keine Bedenken oder so?“ Doch die hellblauen Augen meiner Mutter lächelten warm, und sie schüttelte entschieden den Kopf. „Warum sollte ich?“, sagte sie. „Lexi, du bist in ein paar Wochen siebzehn. Ich denke, du bist alt genug, um zu wissen, was du tust! Und außerdem … also, ich fand deine neue Freundin sehr sympathisch. Bestimmt werdet ihr noch viel Spaß miteinander haben.“

„Na ja, Adriana hat da so eine fixe Idee mit Kleidern“, lachte ich, und meine Mutter sah mich neugierig an. „Was denn für eine Idee?“

„Ach, nicht wichtig, Mama. Aber da ist noch etwas, was ich dich fragen wollte.“

„Ich bin ganz Ohr …?“

„Die Ruderriege der Schule veranstaltet am Samstag eine Party am Strandbad Wannsee, um ihre Saisonsiege zu feiern. Adriana und ich sind auch eingeladen.“

Die Augenbrauen meiner Mutter gingen hoch und sie biss sich bei dieser Neuigkeit unsicher auf die Unterlippe. „Jetzt stell ich mir einen Haufen Teenager vor, die sicher nicht nur vernünftig sind … oje… Sonne, Strand … Jungs … und … Alkohol?“ Sie machte ein besorgtes Gesicht, während sie die flache Hand gegen ihre Stirn presste.

„Mama! Sollten wir tatsächlich zu dieser Strandparty gehen, ist die größte Gefahr, die mir droht, allerhöchstens ein gemeiner Sonnenbrand trotz Sunblocker, sonst nichts, das weißt du …“

Sie seufzte. „Mhm, … wie ich gesagt habe, du bist schon ein großes Mädchen, meine Süße, nicht mehr lang, dann bist du sogar volljährig. Ich denke, ich muss auch lernen, loszulassen und darauf zu vertrauen, dass du auf dich aufpassen kannst.“

Ich seufzte bewegt. „Danke, Mama“

„Wird denn dieser Bruder von deiner Freundin auch dabei sein, dann hättet ihr wenigstens noch einen männlichen Begleiter.“

Ich starrte sie irritiert an. „Ähm, keine Ahnung … vielleicht … Wie gesagt, wir wissen noch nicht genau, ob wir hingehen.“

„Okay, meine Erlaubnis hast du, aber du gibst natürlich rechtzeitig Bescheid, wie ihr euch entscheidet und hast immer dein Handy auf Empfang, damit ich weiß, wo du bist und wie es dir geht.“

Ich stand auf und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange. „Versprochen!“

So, Mama, dachte ich, ich hoffe, du kümmerst dich auch bald um etwas Spaß und Zerstreuung für dich.

 

Am nächsten Tag eilte ich in der ersten großen Pause zum Sekretariat, um meinen Schülerausweis abzuholen. Ich klopfte zweimal an die Tür und trat kurz darauf ein. Wie angewurzelt blieb ich stehen, noch bevor ich zwei Schritte gemacht hatte, denn Sergio lehnte am Pult und hatte offensichtlich ein wichtiges Anliegen zu klären.

„Ich kann Ihnen nichts dazu sagen. Sie müssen mit Herrn Blum reden. Wenn Sie möchten, lege ich ihm eine Notiz ins Fach“, erklärte ihm die ungeduldige Sekretärin, eine kleine, schlanke Person mit rot gefärbter Dauerwelle, deren Ansätze bereits grau nachwuchsen.

„Kann ich nicht seine Handynummer haben?“, drängte Sergio, erntete aber nur ein energisches Kopfschütteln.

„Die geben wir generell nicht raus. Also, wie war der Name noch mal?“

„Sergio … Lovic … L … o … v … i … c …“, diktierte er ein wenig ungehalten. Anschließend wollte er gehen und blieb ebenfalls wie angewurzelt stehen, als er mich erblickte. Seine dunklen Augen strahlten. „Hey, Lexi“, flüsterte er erfreut. „Ich wart draußen auf dich, okay?“ Sobald er aus der Tür war, atmete ich erleichtert aus.

Mein Schülerausweis warte bereits seit letztem Freitag auf mich, erfuhr ich. Ich nahm ihn gespannt entgegen, warf auf beide Seiten einen ersten flinken Blick, checkte die Richtigkeit der Daten, begutachtete kritisch mein Passbild und steckte ihn schließlich in die Klarsichthülle, die ich extra dafür besorgt hatte.

Als ich aus dem Sekretariat heraustrat, sah ich Sergio mit dem Rücken gegen die Flurwand lehnen. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt und ein Knie angewinkelt. Es sah fast schon aus wie eine gut einstudierte Pose. Notgedrungen ging ich zu ihm hin. Er trug Army Bermudas und ein enges khakifarbenes T-Shirt und - wie ich übrigens auch - schwitzte er bereits unter den Achseln, dabei war es noch nicht einmal mittags. Ein paar Grad mehr und es müsste Hitzefrei geben.

„Diese Müggenburg Tante geht mir so auf den Sack, ich könnt kotzen“, schimpfte er, doch in seinen Augen war deutlich ein schelmisches Lächeln zu erkennen.

„Wer?“ Ich hatte keine Ahnung, wen er meinte.

„Die Sekretariats Tussi da drin.“

Ich nickte. „Und wer ist Herr Blum?“, fragte ich, weil dieser Name vorhin gefallen war.

Er hob die Brauen. „Du bist ganz schön neugierig!“, gab er mir zu verstehen. „Ich mag das … Wie wär’s, kann ich dich zu deiner Klasse begleiten?“ Er sah mich von der Seite mit seinem Ich-bin-unwiderstehlich Blick an. Einfach unmöglich! Ich dachte allerdings, wenn ich ihn schon wieder unfreundlich abwies, würde er sich erst recht was darauf einbilden, und so nickte ich stumm.

Wir liefen eine Weile schweigend nebeneinander den Flur entlang, dann sagte er wie beiläufig „Adriana hat mich wegen Samstag gefragt.“

Ein plötzliches Kribbeln durchfuhr meinen Körper, aber Sergio ließ die Bemerkung in der Luft hängen. Ich wartete vergebens auf mehr. „Und?“, fragte ich schließlich, „… erzählst du mir auch, was ihr besprochen habt?“ Meine Stimme kippte fast weg, bei dem Versuch nicht besonders gespannt zu klingen, und ich musste mich räuspern. Sergio schien es zu amüsieren, mich auf die Folter zu spannen. „Hab ich es nicht gesagt … neugierig bis zum Rand … diese Lexi Braut.“

Ich gab ihm einen leichten Schubs mit der Schulter und kniff verärgert die Augen zusammen. Sergio lachte nur. „Ihr habt Glück“, sagte er auf eine Art, als mache er Adriana und mir ein gnädiges Geschenk. „Ich hab diesen Samstag nichts weiter vor. Ich kann uns sogar hinfahren“

Ich blieb abrupt stehen. „Du kommst also auch mit?“

Er machte große Augen und grinste bis zu den Ohren. „Keine Party ohne mich!“

Verlegen wandte ich mich von ihm ab und lief weiter. Mit einem großen Satz war er wieder an meiner Seite.

„Ich wusste nicht, dass du ein Auto hast“, sagte ich, ohne ihn anzusehen.

„Hab ich auch nicht … noch nicht …“ Er fuchtelte mit dem Zeigefinger kurz in der Luft herum. „… muss noch paar Cent sparen. Ich kann mir aber das Cabrio von einem Kumpel ausleihen.“ Ich wollte gerade etwas erwidern, als es das zweite Mal zum Unterricht klingelte.

Wir blieben vor der offenen Tür zu meinem Klassenraum stehen. „Sergio, mir ist völlig egal, ob du zu der Party mit kommst oder nicht!“, knallte ich ihm mit fester Stimme an den Kopf. Und um meine Behauptung zu unterstreichen, blickte ich ihm dabei direkt in die Augen … was ein Fehler war … denn mein Blick war auf einmal wie gefangen. Er beugte sich so dicht zu mir herunter, dass ich seinen warmen Atem in meinem Gesicht spüren konnte, und sagte fast flüsternd. „Mir aber nicht, Lexi! Und außerdem werden wir gerade zum Tratsch der Schule …“ Dann ein letztes schiefes Lächeln, und er schritt davon, während ich noch über seine letzten Worte nachdachte. Ich hatte keine Ahnung, was er damit gemeint hatte, bis ich mich umdrehte und die neugierigen Gesichter meiner Klassenkameraden sah. Offensichtlich waren wir die ganze Zeit beobachtet worden. Ich straffte sofort die Schultern und marschierte erhobenen Hauptes und mit einem Pokerface zu meinem Platz, wo Adriana mit einem vorwurfsvollen Blitzen in den Augen auf mich wartete.

Frau Rügmann, die Geschichtslehrerin mit der animalischen Ausstrahlung eines Heuballens, betrat den Klassenraum unmittelbar nach mir und legte einen Stapel Bücher auf dem Lehrertisch ab.

„So, wer hilft verteilen?“, fragte sie mit ihrer vom Rauchen schon ganz kratzigen, tiefen Stimme, und bevor sich überhaupt Freiwillige meldeten, deutete sie mit einem Stift zwei Schülern, diese Aufgabe zu übernehmen.

„Wir sprechen in der Mensa …“, flüsterte Adriana in mein Ohr und schwieg für den Rest des Unterrichts. Sie schien mit den Gedanken woanders, kritzelte mehrere Seiten eines Schreibblocks mit bizarren Figuren und symmetrischen Mustern voll, statt sich auf Frau Rügmanns Unterricht zu konzentrieren.

Was hat sie bloß, grübelte ich, bis ich unser neues Geschichtsbuch in der Hand hielt und meine komplette Aufmerksamkeit davon in Beschlag genommen wurde. Das Buch roch noch ganz frisch und hatte Glanzseiten, die schön griffig waren. Ich ging das Inhaltsverzeichnis durch, um zu sehen, mit welchen Ereignissen der Weltgeschichte wir zu tun haben würden. Die Auflösung des Ostblocks, die deutsche Einheit und Europa nach dem Ende des Ost-West-Konflikts würden die großen Themen sein. Eigentlich alles sehr interessant, wäre da nur nicht Frau Rügmann. Mir fiel ein Songtitel von den ‚Chasing Bullits’ ein: „You gotta take the dog with the shit“ hieß es da. Was anderes würde mir wohl nicht übrig bleiben, denn ich mochte das Fach Geschichte ansonsten sehr gerne.

 

Adriana starrte auf ihr Essen, dann nach draußen auf den Hof, dann wieder auf ihr Essen und schließlich mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck durch die ganze Mensa … Mir reichte es. „Was ist denn los mit dir? Bist du auf irgendetwas sauer?“, fragte ich. Endlich sah sie mich an und spuckte aus, was ihr die ganze Zeit auf dem Herzen gelegen hatte. „Lexi, was hattest du denn heute mit Sergio zu tun?“

Verwundert über ihre komische Frage, zuckte ich mit den Schultern. „Nichts weiter, wieso? Wir haben uns ganz zufällig getroffen.“

Sie sah mich skeptisch an. „Aha, und wo?“

„Im Sekretariat. Was ist denn los? Denkst du, ich laufe ihm hinterher?“, lachte ich und sah sie ungläubig an.

Sie schüttelte leicht beschämt den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Ich … weiß auch nicht … Euch zusammen zu sehen, und dann die Gesichter der anderen, hat mich verunsichert …“

„Die haben sich wahrscheinlich gewundert, was Sergio von einer grauen Maus wie mir wollen könnte …“, lachte ich.

„Ach, Lexi, jetzt übertreib mal nicht.“

„Ja, okay, aber du weißt, was ich meine.“

„Also, eher denke ich, dass sie sich über deinen coolen Umgang mit ihm gewundert haben, denn die meisten Mädchen können sich vor Sergio nicht normal benehmen. Entweder sie reden viel zu hoch und machen komische Verrenkungen oder sie geraten in Schockstarre und kriegen keinen Ton heraus.“

Wir kicherten unkontrolliert los.

Nach einer Weile wurde Adriana sehr ernst. „Lexi, ich muss dir was sagen: ich hatte bisher noch keine Freundin, die sich nicht in Sergio verliebt hat und … von ihm bitter enttäuscht wurde … und das war dann auch das Aus für unsere Freundschaft. Jedes Mal das gleiche, ausnahmslos … Sergio geht allerhöchstens zweimal mit demselben Mädchen aus, einmal davor und einmal danach, wenn du verstehst, was ich meine, und hat nie eine feste Freundin! Was ich sagen will ist … ähm … Du und ich sind doch jetzt Freundinnen. Ich will dich nicht verlieren. Ich will endlich mal eine Freundin behalten. Eigentlich war ich bis heute ganz sicher, dass du jemand sein könntest, der nicht in Sergios Netz geht … und der vielleicht auch nicht sein Typ ist … und umgekehrt natürlich … aber, als ich gesehen hab, wir ihr draußen vor dem Klassenraum gestanden und einander etwas zugeflüstert habt, da habe ich Schiss bekommen. Ich kenn schließlich meinen Bruder ziemlich gut …“

„Jetzt ist mir alles klar“, sagte ich. „Aber du hast nichts zu befürchten. Er wollte mich nur darüber informieren, dass das mit der Party am Samstag klar geht und er uns hinfahren wird … und außerdem … habe ich ihm nichts zugeflüstert! … Ich bin an seiner Gesellschaft nicht besonders interessiert!“

„Aber du kommst doch trotzdem am Freitag zum Übernachten?“

Ich lächelte. „Mhm, ich denke schon.“

„Hammer, klasse … das ist so cool … Ähm, deine Mutter hatte also nichts dagegen?“

„Komischerweise! Sie hat mich total erstaunt, sagte etwas von wegen ‚loslassen’ … und tja, hat es mir prompt erlaubt. Das war viel zu easy, wenn du mich fragst, so macht das ja gar keinen Spaß!“ Ich grinste über meinen eigenen Witz.

„Hauptsache, du kommst!“ Adriana war sichtlich erleichtert, was mir bewies, wie ernst sie es mit unserer Freundschaft meinte.

Inzwischen hatte sich die Mensa ziemlich gefüllt und der Geräuschpegel war enorm angestiegen. Möglichst unauffällig scannte ich die Reihen durch, um zu sehen, wer von den Schülern und Schülerinnen, die ich bereits gut kannte, anwesend war. Auch wollte ich aus reiner Neugier wissen, ob Sergio in der Nähe war … Ich entdeckte ihn recht schnell. Er hatte diesmal an dem langen Tisch der Ruderriege Platz genommen, wo es dem Anschein nach hoch her ging. Auf seinem Schoß saß eine dralle Brünette, die ihn mit einer Gabel zu füttern versuchte, aber Sergio drehte jedes Mal den Kopf weg. Die beiden Mädchen, die rechts und links von ihm saßen kicherten ständig, als wäre das Ganze eine furchtbar amüsante Angelegenheit. Als die Brünette erneut die Gabel in Sergios Mund zu schieben versuchte, erhob er sich einfach und das Mädchen plumpste von seinem Schoß auf den Boden. Verärgert kam sie wieder auf die Beine, warf die Gabel auf den Tisch, klopfte ihren Rock ab und trippelte schimpfend davon, während die Runde am Tisch immer noch laut lachte. Nur Sergio machte ein genervtes Gesicht. Anschließend sagte er etwas zu den beiden anderen Mädchen, die sich daraufhin ebenfalls erhoben und scheinbar beleidigt davon staksten.

Adriana hatte die Szene ebenfalls beobachtet und schüttelte den Kopf. Doch wir gingen beide nicht darauf ein.