Am nächsten Tag saßen Adriana und ich in der Mittagspause mit zwei Mädchen aus unserer Klasse, Nele und Doreen, an demselben Vierertisch, an dem wir am Vortag gesessen hatten. Die Mädchen alberten gerade herum und machten Witze über das Aussehen mancher Lehrer, als sie plötzlich still wurden und beide in eine Richtung starrten.
Sergio war gerade im Anmarsch.
Mit drei lebenden Barbies an sich dran schritt er an unserem Tisch vorbei und warf mir nebenbei ein schiefes Lächeln zu. Ich wandte sofort meinen Kopf ab und aß hektisch mein Essen weiter.
„Adriana, sag mal …“, fing Nele an. Ihr Mund stand immer noch halb offen. „Wie oft trainiert dein Bruder eigentlich, dass er so aussieht?“
Adriana machte einen gelangweilten Seufzer. „Weiß nicht. Eigentlich kaum ...“
Nele und Doreen blickten weiter in Sergios Richtung. „Kaum? Das kann ich mir aber gar nicht vorstellen. Der kann für Hollister Werbung machen, wenn du mich fragst.“ Sie stieß Doreen mit dem Ellbogen in die Seite und beide lachten laut los. Es kam mir so vor, als versuchten sie ebenfalls, Sergios Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
„Bist du fertig, Lexi?“, fragte mich Adriana plötzlich, obwohl sie sehen musste, dass ich meinen Joghurt noch nicht angerührt hatte. Ich packte meinen Nachtisch in meine Handtasche und nickte.
„Dann lass uns nach draußen in die Sonne setzen, wir haben noch zwanzig Minuten“, sagte sie und rollte kurz mit den Augen, um die Dringlichkeit ihres Wunsches zu unterstreichen.
„Ihr geht schon? Oh, okay …“ Doreen tat enttäuscht, mampfte dabei ihr Essen weiter, und Nele fing wieder von Sergio an. „Er soll auch die ganze Brust tätowiert haben, hab ich gehört!“, flüsterte sie aufgeregt. Adriana schüttelte völlig entnervt den Kopf, während wir unsere Tabletts wegbrachten.
Der Sommer verlief seit unserem Umzug nach Berlin wie man es von einem ordentlichen Sommer erwartete: Sonneschein von früh bis spät. Adriana und ich setzten uns auf die Rasenfläche in der Mitte des Schulhofes und streckten unsere Gesichter in die Sonne. „Ich kann ganz dunkel werden, wenn ich will“, sagte sie. Sie hatte sich eine fesche Sonnenbrille aufgesetzt und grinste zufrieden. Ich schloss meine Augen und spürte die Hitze in meinem Gesicht.
„Du hast es gut“, sagte ich. „Ich werde höchstens rot, aber kaum braun. Ich bin so weiß, dass man mich früher Weißkäse genannt hat, wenn man mich ärgern wollte.“
„Dann solltest du lieber nicht in der prallen Sonne sitzen. Und setz dir lieber auch `ne Sonnenbrille auf, Lexi, das mein ich ernst! Du willst doch nicht mit fünfundzwanzig aussehen wie ein Bratapfel?“
„Mhm, muss mir erst noch eine besorgen“, nuschelte ich.
Plötzlich wurde es dunkel unter meinen Lidern. Jemand warf offenbar seinen Schatten auf mich. Ich blinzelte und öffnete schließlich beide Augen. Sergio stand mit verschränkten Armen breitbeinig vor mir. Seine Hände hatte er unter die Achseln geschoben. Er trug ein blaues T-Shirt, hüfthohe Jeans und eine dunkle Sonnenbrille, die ihm zugegebenermaßen ziemlich gut stand.
„Hey, na. Wie geht’s, Lexi? Hast du dich schon eingelebt auf unserer Schule?“
„Das ist erst mein zweiter Tag“, entgegnete ich, wieder ziemlich schroff, obwohl er mir eine einfache Frage gestellt hatte. Er musste mich langsam für einen Kotzbrocken halten.
„Sergio, hast du nichts Besseres zu tun, als Lexi in der Sonne zu stehen?“ Adriana hatte ihre Brille auf die Nasenspitze geschoben und warf ihm einen strengen Gouvernanten Blick zu. Sergio ließ sich neben mich ins Gras fallen. Als er so dicht neben mir lag, wollte ich instinktiv aufstehen und weggehen, konnte aber Adriana nicht einfach so stehen lassen. Er drehte sich auf die Seite und stützte den Kopf auf dem Ellbogen ab.
„Keine Angst, ich flirte schon nicht mit dir“, sagte er. Ich konnte es nicht fassen, wie eingebildet er war, und wie er vor Selbstbewusstsein nur so strotzte. Ich dagegen fühlte mich ganz und gar nicht wohl in meiner Haut.
„Ich hab keine Angst vor dir“, hörte ich mich sagen. Sergio runzelte die Stirn. „Wieso solltest du auch? Wir sind doch Freunde, oder?“
„Wieso sind wir Freunde?“, fragte ich verwundert. Seine Dreistigkeit war schon beeindruckend.
„Na, du bist mit meiner Schwester befreundet. Somit bist du mit unserer ganzen Familie befreundet, darum! Wir sind Serben, bei uns wird mitgegangen und mitgehangen!“ Er machte zuerst ein todernstes Gesicht und lachte daraufhin los, als hätte er einen Wahnsinnswitz gemacht.
„Klingt ja verlockend!“, entgegnete ich schnippisch.
Adriana stemmte sich vom Boden hoch. „Sergio, wir müssen jetzt in den Unterricht.“
Er setzte sich mit einer schnellen Bewegung in den Schneidersitz und hob die Brauen. „Und, hast du sie schon gefragt?“
Seine Haare glänzten blauschwarz im Sonnenlicht, und jetzt erst bemerkte ich, dass er eine feine, etwa fünf Zentimeter lange Narbe über der rechten Augenbraue hatte.
„Mach ich noch, wir müssen jetzt los. Ach ja, den Einkauf heute machst du“, ermahnte sie ihn.
„Schick mir `ne SMS! Okay, Tschau ihr beiden!“
„Tschau“, grummelte ich, sah aber nicht mehr zurück.
„Tschau, Lexi, wir sehn uns!“, hörte ich ihn rufen.
Adriana und ich liefen eilig zurück ins Schulgebäude.
„Worum ging’s denn da vorhin?“, wollte ich wissen.
„Ach, nichts Besonderes. Hättest du Lust, heute Abend zu uns zum Essen zu kommen?“ Sie blieb abrupt stehen und sah mich gespannt an.
„Das ist … echt nett“, antwortete ich etwas überrascht. „Aber ich will meine Mom noch nicht alleine lassen. Da sie zurzeit Frühschicht arbeitet, sind wir nur abends beim Abendbrot zusammen.“
„Oh, na klar, das verstehe ich vollkommen. Dann vielleicht ein andermal.“
„Ja, wenn Mom in knapp zehn Tagen die Spätschicht übernimmt, dann passt es besser.“
Sie nickte. Wir liefen hastig die Treppen hoch und durch einen langen Gang zu unserem Klassenzimmer.
„Gleich lernst du unseren Mathelehrer, Herrn Thompson, kennen. Mach dich auf was gefasst“, warnte mich Adriana mit einem bedeutungsschweren Seitenblick vor.
Sie hatte nicht übertrieben.
Herr Thompson war lang und dürr wie ein Laternenpfahl, hatte eine glänzende Halbglatze, umgeben von einem braunen Haarkranz, trug eine Fliege und lächelte offenbar aus Prinzip nicht. Er redete ununterbrochen mit einer monotonen Stimme, auch wenn ihm keiner zuzuhören schien. Blöderweise kündigte er an, dass wir in den nächsten Wochen Wahrscheinlichkeitsrechnung durchnehmen und dazu einen Test schreiben würden. Daraufhin ging ein gequältes Raunen durch den Klassenraum und sorgenvolle Blicke wanderten umher. Mit dieser schrecklichen Wahrscheinlichkeitsrechnung hatte ich, wie auch meine neuen Klassenkameraden, in der Neunten erste Bekanntschaft gemacht, und ich hatte mich absolut doof angestellt. Daher auch die erste Fünf, die ich jemals geschrieben hatte.
Ich seufzte tief, und Adriana lächelte mich von der Seite an. „Siehst du“, flüsterte sie. „Deswegen habe ich dir gleich zu Beginn das ‚Turbo Trio’ vorgestellt. Ansonsten kenne ich nur einen, der diesen ganzen Mathe Scheiß perfekt drauf hat, aber dessen Hilfe wirst du hoffentlich nie benötigen ...“
Ich fragte lieber nicht nach, wen sie damit meinte, denn ich hatte da so eine Ahnung.
Die nächsten zwei Tage verliefen ruhig, auch in der Mensa, da Sergio und sein kleiner Harem fehlten. Ich überlegte hin und her, ob ich Adriana nach dem Grund fragen sollte, aber eigentlich konnte es mir ja egal sein, was mit ihm war. Er interessierte mich schließlich nicht und war auch kein Kumpel von mir, so wie er behauptet hatte. Dennoch ging mir die Frage dauernd durch den Kopf, es war nervig, dass ich sie nicht abstellen konnte.
Ich lernte in der ersten Woche fast alle Fachlehrer kennen und machte mir eifrig Notizen, was ich noch alles für die Schule zu besorgen und zu erledigen hatte.
Am Donnerstag, in der Mittagspause, als wir wieder einmal mit unseren vollen Tabletts nach einem freien Tisch suchten, ging zwischen zwei Typen ein heftiger Streit los. Ich blieb erschrocken stehen und beobachtete die Szene. Adriana schob mich vorsichtig zur Seite, damit wir nicht mitten ins Gefecht gerieten.
„Das ist einer von Hakans Jungs und einer von den russischen Schülern, ich glaube Nikolaj heißt der“, klärte sie mich auf.
Hakan hatte diesen Nikolaj am Shirt gepackt und versuchte ihn zu Boden zu reißen, bekam aber einen Fausthieb mitten ins Gesicht und ließ sofort brüllend los. Er hielt mit beiden Händen seine Nase, die heftig blutete. Als er das viele Blut in seinen Händen sah, stürzte er sich voller Wut auf seinen Gegner und landete an dessen Nasenbein einen Kopfstoß. Geschrei und Gekreische hatte die ganze Mensa inzwischen in einen Zirkus verwandelt.
„Typisch“, sagte Adriana wenig mitleidsvoll. „Immer wenn Sergio nicht in der Schule ist, fliegen hier die Fetzen.“
Das gab mir eine gute Gelegenheit, die Frage zu stellen, die mich nicht losließ. „Ähm, wo ist er denn eigentlich?“ Ich versuchte, es wie beiläufig klingen zu lassen.
„Er ist … ein wenig verhindert. Kommt morgen sicher wieder“
„Ist er denn krank?“, fragte ich verwundert. Schließlich hatten wir August. Es war die ganze Zeit heiß, und außerdem hatte er vor ein paar Tagen noch ganz gesund ausgesehen.
Adriana winkte ab. „Nein, nein. Komm lass uns setzen, unser Essen wird sonst kalt.“
Zwei Lehrer waren herbeigeeilt und hatten die Streithähne getrennt. Beide mussten nun mit zum Direktor, der ihnen die Leviten lesen würde. Es kehrte wieder einigermaßen Ruhe in der Mensa ein, aber zwischen einigen Schülern gab es noch üble Wortgefechte. Ich begriff so gar nicht, worum es überhaupt ging. Es fielen böse Ausdrücke und Beleidigungen, die man besser überhörte.
Am Freitag verlief der Tag völlig zäh, doch ich freute mich schon sehr auf das Wochenende. Die vielen neuen Eindrücke mussten verarbeitet werden. Ich musste mich sortieren, meine Unterlagen ordnen und noch fehlendes Arbeitsmaterial besorgen.
In der Mittagspause tauchte Sergio in der Mensa auf. Er kam mit Sonnenbrille und nahm sie die ganze Zeit über nicht ab. Die Mädchen, die sich gleich zu ihm gesellen wollten, scheuchte er energisch weg. Ein paar seiner Kumpels setzten sich zu ihm an den Tisch. Alle paar Minuten klatschten sie sich ab und lachten laut auf. Ich hätte zu gern gewusst, worüber sie sich unterhielten.
Adriana war viel schweigsamer an diesem Tag. Ich fragte sie, ob sie etwas bedrückte, aber sie schüttelte nur den Kopf.
„Mir geht’s gut“, sagte sie mit einem kritischen Blick zu Sergio.
„Ich hasse es, wenn er so ist“, sagte sie schließlich. „Er macht total auf Macho, und alle nehmen ihm sein Gehabe ab.“
Ich riskierte einen Blick zu Sergios Tisch. „Er scheint damit gut anzukommen.“
Adriana sah mich alarmiert an. „Ich hoffe sehr, Lexi, dass er bei dir nicht ankommt!“
Ich lachte und berührte kurz Adrianas Hand, damit sie sich beruhigte. „Wie oft soll ich denn noch sagen, dass er nicht mein Typ ist?“
„Freut mich immer wieder, das zu hören, aber … ich will dich trotzdem noch mal warnen. Dann kannst du niemals behaupten, ich hätte es nicht getan. Sergio lässt sich nie … nie! … auf ein Mädchen richtig ein. Er hat seinen Spaß, und das war’s dann. Es gibt auch kein zweites Mal. Du weißt, was ich meine. Ich wundere mich immer wieder, dass sich diese Tussis mit ihm abgeben. Die hoffen wider besseren Wissens, dass es was für länger wird.“
„Also, an Nachschub mangelt es ihm jedenfalls nicht.“
Adriana pustete laut los. „Weißt du was?“
Ich schüttelte neugierig den Kopf.
„Wenn ich mich so verhalten würde, würde er total ausflippen."
„Das ist ungerecht“, sagte ich entrüstet.
„Ja, das erzähl mal Sergio.“
„Was würde er dann tun?“
„Nichts Schlimmes, aber … er würde mir dauernd eine Moralpredigt halten und den brüderlichen Aufpasser spielen. Ich hab so was von keinen Bock darauf.“
„Ist das der Grund, warum du deine Verehrer abwimmelst?“, fragte ich.
„Welche Verehrer?“
„Janna, bitte!“
Sie schmunzelte. „Jaaa.“
„Und deshalb versuchst du auch nichts mit Joshua, stimmt’s?“
Sie nickte zustimmend. „Vielleicht … und … weil er sicher eine Freundin hat, verdammt.“
„Ich finde, du solltest tun, worauf du Lust hast, Sergio hin oder her!“ Ich klatschte mit der flachen Hand auf den Tisch.
„Lexi, das sagst du so leicht!“ Adriana schlürfte ihren Saft durch einen Strohhalm. „Wann kommst du uns mal besuchen?“, fragte sie, und in diesem Augenblick wusste ich auf einmal, dass wir richtig gute Freundinnen werden würden.
„Bald, ich versprech’s. Aber vorher kommst du zu uns und lernst meine Mom kennen. Die brennt nämlich vor Neugier, weil ich ihr schon ganz viel von dir erzählt habe.“
„Cool, wann soll ich denn kommen?“, fragte sie gleich.
Ich sah sie überrascht an. „Heute?“
„Klar doch.“
„Nach der Schule?“
„Hm, ich muss Sergio noch Bescheid geben, aber ist sicher kein Problem.“
Nach Schulschluss warteten Adriana und ich vor dem Schulgebäude auf Sergio. Adriana checkte dauernd ihr Handy, ob sie vielleicht eine SMS bekommen hatte. Nachdem wir schon einige Minuten ungeduldig herum gestanden hatten, kam er durch die große Eingangstür und mit festen Schritten auf uns zu. Er hatte seine Sonnenbrille abgenommen, und man konnte deutlich blaue und grüne Verfärbungen in seinem Gesicht, vor allem um die Augen herum, erkennen. Ich starrte ihn irritiert an.
„Was gibt’s, Sister? Hi, Lexi, du siehst erschrocken aus?“
„Was ist denn mit deinem Gesicht?“, fragte ich. Er hatte mit so einer direkten Frage wohl nicht gerechnet, denn jetzt sah er mich für den Bruchteil einer Sekunde ziemlich verunsichert an. Doch kurz darauf gingen seine Mundwinkel hoch und er grinste verschmitzt. „Janna hat mich gehauen!“ Er deutete mit dem Finger auf seine Schwester.
Ich blickte ungläubig zu Adriana, die daraufhin die Augen verdrehte und eine Hand auf die Hüfte stemmte.
„Ja, natürlich, ich war das, du hast die Prügel auch verdient“, sagte sie spitz, und ich war nun ganz verwirrt, ob das die Wahrheit oder nur ein Witz war.
„Sergio, ich geh noch mit zu Lexi und komm erst am Abend nach Hause, okay? Sagst du Mama Bescheid, für den Fall, dass ich sie nicht erreiche?“ Adriana blickte nun mit großen, bittenden Augen zu ihrem Bruder hoch.
Sergio sah mich gönnerhaft an und nickte Adriana schließlich zu. „Komm aber nicht zu spät! … Soll ich euch bringen?“
Nach seiner Frage hatte ich plötzlich Herzklopfen. Ich hoffte inständig, dass er nur aus Höflichkeit gefragt hatte und uns nicht wirklich begleiten wollte.
„Nein, lieber nicht, was soll das denn überhaupt?“ Adriana machte ein völlig widerwilliges Gesicht.
Sergio seufzte laut auf. „Hab ja nur gefragt.“
Ein Mädchen mit langen, hellblonden Haaren huschte an ihm vorbei, warf ihm ein zuckersüßes Lächeln zu und lief hastig weiter. Sie trug einen kurzen Jeansrock und ein bauchfreies, rosa Oberteil mit Spagettiträgern. Sergio sah ihr schnalzend hinterher. „Okay, bis später dann… “, sagte er, ohne uns noch einmal anzusehen, und joggte los, bis er das Mädchen erreicht hatte. Sie drosselte ihr Tempo und nun liefen sie nebeneinander her.
Adriana verzog das Gesicht. „Ich kenn die Schnepfe …“, sagte sie wenig erfreut, ohne ihre Gedanken weiter auszuführen.
Als ich sah, wie Sergio seinen Arm um die Schultern der Blondine legte, wandte ich meinen Blick ab und nahm meinen Rucksack hoch. „Lass uns gehen“, sagte ich zu Adriana.
Ich musste tief Luft holen, als hätte ich die ganze Zeit nicht vernünftig geatmet. Unterwegs rief ich meine Mutter an, damit sie auf meinen Gast vorbereitet war.
Meine Mutter empfing uns an der Tür mit einem strahlenden Lächeln, das ein klein wenig aufgesetzt wirkte. „Kommt rein, kommt rein. Ich mach gerade Pizza, ihr könnt helfen, wenn ihr wollt!“ Sie eilte in die Küche zurück, und Adriana und ich legten kichernd unsere Sachen ab.
Wir aßen gemeinsam zu Abend.
Meine Mutter erzählte von ihrem Arbeitstag, und dass sich ein Patient auf ihren Schoß übergeben hatte, während sie ihm Blut abnahm.
„Mama“, ermahnte ich sie mit Blick auf unseren Gast. „Wir essen doch gerade!“
„Oh“, schrie sie daraufhin und lachte. „Sorry, sorry, ich vergesse immer, wie eklig so was für andere klingen muss.“
Adriana musste mitlachen. „Ach, nicht so schlimm!“, sagte sie. „Bei uns zuhause nimmt auch keiner ein Blatt vor den Mund.“
„Sind deine Eltern noch zusammen?“, wollte meine neugierige Mutter plötzlich wissen. Gespannt sah ich zu Adriana, denn wir hatten über ihren Vater, wie mir nun bewusst wurde, noch gar nicht gesprochen.
„Ähm, mein Vater ist vor einigen Jahren gestorben“, sagte sie ungerührt und fügte tonlos hinzu. „Da war ich zehn …“ Sie tat mit großer Mühe so, als würde es ihr nichts ausmachen, darüber zu sprechen, aber man hörte deutlich die Anstrengung in ihrer Stimme.
Ich empfand Mitleid für ihre Familie, dachte auch an Sergio, und fragte mich, was der Tod seines Vaters für ihn wohl bedeutet hatte.
Meine Mutter setzte sofort ihr Betroffenheitsgesicht auf. Diesen Gesichtsausdruck beherrschte sie wie kein Zweiter. Sie musste ihn schon so oft gemacht haben, dass sich über ihren Augenbrauen zwei tiefe Falten gebildet hatten, die auch bei Entspannung noch zu sehen waren. „Das ist schrecklich, Adriana, wirklich schrecklich, tut mir sehr Leid für dich und deine Geschwister und deine Mutter natürlich auch“, sagte sie, und ich wusste, dass sie das ehrlich meinte.
Adriana lächelte, aber ohne ihre Augenpartie mit einzubeziehen. „Hm, danke, wir kommen inzwischen einigermaßen klar“, sagte sie und biss ein großes Stück von ihrer Pizza ab, so als wollte sie damit das Thema beenden.
Als ich ihr mein Zimmer zeigte, warf sie sich lachend aufs Bett, drehte sich auf den Rücken und schnappte sich ein Kissen, das sie sich fest gegen die Brust drückte. „Sehr gemütlich! Und sehr ordentlich! Bist du etwa so eine ganz Penible, Lexi?“
Ich fühlte mich ertappt. „Äh … irgendwie schon. Ich weiß auch nicht …“, stammelte ich, „… fing an, als mein Vater auszog und meine Mutter völlig durch den Wind war. Seither versuche ich immer, alles ordentlich zu machen und meine Sachen gut zu behandeln.“
Adriana machte große Augen. „Also, ich find’s gut!“
Für einige Sekunden sahen wir uns schweigend an. Dann zog sie tief Luft ein, ließ die Brust anschwellen und pustete laut aus. „Ach, Lexi, was mach ich nur mit Joshua? In diesem Leben werde ich mich wohl nie trauen, ihn anzusprechen?“
Ich setzte mich auf die Bettkante. „Da fragst du grad die Richtige“, sagte ich achselzuckend. Dann sah ich sie eindringlich an, um überzeugend rüberzukommen. „Adriana, wenn ich so hübsch wäre wie du, würde ich mich alles trauen, das ist mein Ernst.“
Sie schmiss mir das Kissen entgegen, und ich fing es lachend auf.
„Ich und hübsch? Nicht wirklich. Ich fürchte, Sergio hat sich die ganzen Gene für gutes Aussehen geschnappt, der Mistkerl.“
Daraufhin mussten wir beide albern kichern. Dann setzte sie sich auf und sagte. „Außerdem reicht hübsch sein nicht aus. Und jetzt zeig mal deine Klamotten.“
Bei dem Blick in meinen Kleiderschrank machte sich Bestürzung in Adrianas Gesicht breit. „Sag mal, Lexi, ist das alles? Nur Hosen, Shorts und T-Shirts? Du hast ja gar keine Kleider?“ Ich grinste amüsiert über ihre Reaktion. „Weil ich keine trage“, sagte ich. „Kleider mögen mich nicht, und ich mag keine Kleider, und außerdem mag ich auch nicht Shoppen, und ich weiß nie, welche Farben zusammenpassen, deshalb habe ich immer nur weiße, rote oder schwarze Sachen, manchmal auch blaue, weil das meine Lieblingsfarbe ist. Meine Mom ist auch schon verzweifelt, lässt mich aber inzwischen in Ruhe, was Anziehen angeht.“
„Aha, na dann muss ich dir wohl damit auf die Nerven gehen. Wie alt bist du? Siebzehn?“
„Mhm, fast.“
„Na also, höchste Zeit für ein bisschen modisches Bewusstsein. Wenn du mich mal besuchen kommst, dann gehen wir meine ganzen Sachen durch und schauen, was dir davon so passt, ja?“
Ich hob skeptisch die Augenbrauen. Wir hatten nicht unbedingt identische Figuren. Bestimmt war ich fast zehn Zentimeter kleiner und hatte weniger Kurven, doch ich nickte zustimmend. Bei dem Gedanken, Adriana zuhause zu besuchen, wo auch Sergio sein würde, wurde mir mulmig. In Sergios Nähe kam ich mir zunehmend wie ein hässliches Entlein vor. Außerdem war er ein furchtbarer Draufgänger, mit dem ich absolut nichts gemeinsam hatte.
Den Samstag verbrachte ich mit Sortieren meiner Schulsachen und dem Auspacken eines letzten Kartons. Darin befanden sich meine Zeichnungen und Aquarelle, die ich sorgfältig in Bildermappen gesammelt hatte. Jede Mappe stand für eine bestimmte Jahreszeit. Ich liebte meine Bilder, hatte aber große Hemmungen, sie anderen zu zeigen. Selbst meiner Mutter hatte ich nur ein paar wenige gezeigt. Die Werke behandelten stets den Ausblick aus dem Fenster meines jeweiligen Zimmers während unterschiedlicher Jahreszeiten und intensiver Gefühlszustände.
Ich legte die Bildermappen in die abschließbare große Schublade unter meinem Schreibtisch und trat ans Fenster. Auch diesen Ausblick in den grünen Hinterhof mit der prächtigen Eiche mittendrin würde ich bald zeichnen und in die Bildermappe mit der Aufschrift ‚Sommer’ legen.
Meine Augen tränten auf einmal, als ich daran dachte, wie oft ich schon so aus meinem Fenster geschaut und mir gewünscht hatte, ich könnte die Zeit zurückdrehen. Dann würden meine Eltern noch zusammen sein, meine Mutter hätte keine schwarzen Ringe unter den Augen, und ich würde mich nicht ständig fragen, wie meine Zukunft wohl aussehen werde. Denn das tat ich leider viel zu oft, und das Gefühl, das ich dabei hatte, war kein gutes. Ich wollte auf keinen Fall das gleiche Schicksal erleiden wie meine Mutter. Ich wollte nicht rastlos und traurig einem Leben hinterher jagen, das nicht möglich war. Ich wollte mich niemals so abhängig machen wie sie es mit meinem Vater gemacht hatte.
Am Sonntag hatte meine Mutter frei. Ich hatte sie ausdrücklich gebeten, auszuschlafen und mich das Frühstück machen zu lassen. Erstaunlicherweise war sie meinem Wunsch nachgekommen und war nicht wie üblich viel zu früh aus dem Bett gefallen, nur um mir ein „Boogiewoogiesonntagsfrühstück“ - das war ihre Wortschöpfung - vorzubereiten.
Am späten Nachmittag erkundeten wir gemeinsam unseren Kreuzberger Grafekiez, und als wir Hunger bekamen, kehrten wir in einer sehr lebhaften Dönerbude namens ‚Bülent Bey’ ein. Dort bekamen wir einen wirklich köstlichen Döner Sandwich serviert. Mitten beim Essen erhielt ich einen Anruf von Adriana. Sie wollte wissen, was ich gerade machte, und ich erzählte ihr, dass ich mit meiner Mom unterwegs sei und wir uns den Bauch voll schlugen. Adriana sagte, sie kenne den Laden, der sei echt gut. Dann verriet sie mir mit einem fröhlichen Singsang in der Stimme, dass sie schon ihre ganzen Kleider für mich raussortiert habe und sich auf unsere Modenschau freue. Oh Gott, dachte ich bloß, was hatte sie sich da in den Kopf gesetzt? Ich musste ihr das ganz schnell wieder ausreden.
Am Montagmorgen sah Adriana aus, als hätte sie die ganze Nacht wach gelegen. Sie gähnte alle paar Minuten und stützte den Kopf auf dem Ellbogen ab.
„Müde?“, fragte ich verwundert über ihren Zustand, denn sie war die erste Woche immer frisch und ausgeruht zum Unterricht erschienen.
„Mhm“, machte sie und gähnte schon wieder.
„Warst du auf einer Party, oder warum bist du so müde?“
„Ach, das ist kompliziert, Lexi. Machst du heute Notizen für uns beide, bitte? Ich wäre dir dankbar bis an mein Lebensende!“
„Kein Problem. Und du brauchst deswegen nicht bis an dein Lebensende dankbar zu sein. Das ist doch wirklich kein Ding!“
Adriana seufzte leise. Sie trug heute ein seidenes, gelbes Trägerkleid und hatte die Haare hochsteckt. Damit die Frisur nicht zu streng aussah, hatte sie an den Seiten jeweils eine dünne Haarsträhne herausgezogen. Ich fand, dass sie, mal abgesehen von den Zeichen ihres Schlafmangels, wunderhübsch aussah, und ich wünschte mir auf einmal, ich wäre wenigstens halb so schön wie sie oder hätte irgendetwas Anziehendes an mir.
Diese Gedanken irritierten mich!
Warum kümmerte mich mein Aussehen? Das hatte es doch bisher nicht, und jetzt war ich auch noch in der zehnten Klasse und musste mich auf wichtigere Dinge wie meinen MSA konzentrieren, der in diesem Jahr anstand. Mir fiel ein, wie Adriana behauptet hatte, Sergio hätte letztes Jahr die beste MSA Prüfung der ganzen Schule abgelegt. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das stimmte.
Ich korrigierte meine schlaffe Sitzhaltung, nahm mein Notizblock hervor und sah konzentriert zum Lehrerpult.
Herr Friese erschien mir noch hektischer, als in der ersten Schulwoche. Er kam kurz nach dem Klingeln hereingestürmt und hatte abstehende Haare, als hätte er vergessen, sich zu kämmen. Unter den Achseln seines kurzärmeligen, roten Hemdes zeichneten sich deutlich sichtbare Schweißflecken ab. Er wollte seine speckige Ledertasche auf dem Stuhl ablegen, doch sie rutschte von der Kante und fiel zu Boden. Jetzt musste er sich umständlich bücken, was aufgrund seines dicken Bauchs nicht so leicht war, er keuchte dabei angestrengt. Einige der Schüler fingen an zu kichern, und Herr Friese schaute grimmig auf. Nachdem er die Ledertasche endlich sicher auf dem Stuhl platziert hatte, plättete er mit den Händen seine wilde Frisur und blickte mit einem freundlichen Gesichtsausdruck in die Runde.
Er sprach in den folgenden zwei Unterrichtsstunden immer wieder über den straffen ‚Lernstoff’ für das zehnte Schuljahr, und dass wir uns alle Mühe geben sollten, denn er glaube an diese Klasse, sagte er mit kräftiger Stimme. Sie sei bisher die fleißigste, die er je gehabt habe. Er sagte, er könne sich mit etwas Mühe jeden einzelnen in der Oberstufe vorstellen, aber er wisse auch, dass wir in einem „nicht so leichten“ Alter seien. Er empfehle uns dennoch, uns auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu konzentrieren und uns nicht vom Lernstoff - da war wieder sein Lieblingswort - ablenken zu lassen.
‚Nicht vom Lernstoff ablenken lassen!’ notierte ich für mich und Adriana. Ich drehte meinen Kopf zu ihr und konnte nicht glauben, was ich sah: Sie schlief! Ihre Augen waren zu und ihr Mund halb offen. Ich stupste sie vorsichtig an, und sie richtete sich erschrocken auf. „Hab ich viel verpasst?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, eigentlich nicht. Heute ist Motivationspredigt angesagt.“ Ich zeigte ihr den Satz, den ich notiert hatte. Adriana beugte den Kopf zu mir rüber und hob schmunzelnd die Augenbrauen. „Ach, Herr Friese mal wieder …“
Sie schlief zum Glück nicht noch mal ein.
Nach Deutsch hatten wir Geschichte. Ich überlegte bereits, Geschichte als Fach für die Präsentation bei der MSA Prüfung zu wählen, war aber aufgrund unserer spröden Geschichtslehrerin, Frau Rügmann, nicht ganz sicher. Adriana war es unbegreiflich, dass ich mir jetzt schon Gedanken über die Präsentation machte. Sie hielt es für viel zu früh.
Als endlich auch die Doppelstunden Englisch rum waren, knurrten unsere Mägen und wir eilten in die Mensa. Man hatte die Wahl zwischen Schwäbische Teigtaschen, Kartoffelpüree mit Würstchen und Fischstäbchen mit Pommes Frites. Unsere Entscheidung fiel sehr schnell für die Teigtaschen aus. Wir holten uns unsere dampfenden Portionen und schritten vorsichtig durch die Reihen. Diesmal war der Vierertisch an dem wir die erste Woche hauptsächlich gesessen hatten besetzt, und so landeten wir im hinteren Bereich der Mensa. Mir fiel sofort auf, dass schon wieder weit und breit von Sergio nichts zu sehen war. Die aufgebrezelten Mädchen, die ihn für gewöhnlich umschwirrten, hatten sich wohl deshalb zu den Jungs von der Ruderriege gesetzt. Zwei der Ruderer drehten ihre Köpfe zu uns und grinsten uns an.
Adriana wunderte sich. „Was wollen die denn?“, flüsterte sie mir unauffällig zu. Wir saßen beide nebeneinander mit den Rücken zur Wand, so dass wir einen guten Überblick hatten. Ich stellte eine naheliegende Vermutung an. „Hm, wahrscheinlich … flirten? … Mit dir ?“
„Ne, die wollen irgendwas anderes“, murmelte sie skeptisch.
Im nächsten Augenblick stand einer der Jungs auf und kam zu unserem Tisch. „Hey, Ladies! Wir wollten euch fragen, ob ihr Lust habt, zu unserer Saisonfeier am Samstag zu kommen?“
Wir starrten ihn ausdruckslos an.
„Wann? Und wo?“ Es lag nicht gerade viel Begeisterung in Adrianas Stimme, als sie das fragte, aber der Junge ließ sich davon nicht beirren.
„Strandbad Wannsee. Wir feiern auf dem Sonnendeck. Ihr seid herzlich eingeladen.“
Schräg gegenüber von uns saßen Nele, Doreen und zwei weitere Mädchen aus unserer Klasse, Clarissa und Julia, die allesamt verstummt waren und uns beobachteten. Sie machten verdrossene Gesichter.
„Geht los um sechzehn Uhr. Und es sollen am Wochenende achtunddreißig Grad werden. Ich heiße übrigens Mark, werde mit ein paar von meinen Kumpels schon früher da sein! Ach ja, Adriana … deinem Bruder haben wir natürlich auch Bescheid gesagt … Also, wie gesagt, wenn ihr Lust habt, dann kommt! Wird `ne hammergeile Party!“
Adriana warf mir einen unsicheren Blick zu, während sie ihre Gabel in eine saftige Teigtasche piekste. „Hm, danke. Wir denken drüber nach!“, sagte sie schließlich mit einem kleinen Lächeln um ihre Mundwinkel herum.
Ohne weitere Worte stapfte Mark zufrieden zurück zu seinen Kumpels.
Adriana kaute auf ihrem Bissen, was sie keineswegs am Reden hinderte. „Nele und Doreen schauen uns an, als hätten wir ihnen ins Essen gespuckt“, bemerkte sie amüsiert.
Ich musste unweigerlich schmunzeln. Die beiden taten mir irgendwie Leid. Wie es aussah, waren sie wohl nicht eingeladen worden.
„Dieser Mark kannte meinen Namen“, staunte Adriana. „Was ist? Hast du Lust, Lexi? Party on the Beach?“ Sie sah mich erwartungsvoll an.
„Ich weiß nicht. Ich muss Mathe lernen.“
Sie schnitt eine Grimasse. „Doch nicht am Wochenende?“
„Wann denn sonst?“, fragte ich verwundert. Ich lernte immer am Wochenende, zumindest für einige Stunden.
„Ich finde, wir sollten hingehen“, sagte sie diesmal mit einem energischen Tonfall.
„Die haben mich sicher nur wegen dir mit eingeladen“, gab ich zu bedenken, aber Adriana wiegelte sofort ab.
„Glaub ich nicht. Die sind neugierig auf dich, das sehe ich.“
Ich war unsicher, ob ich wirklich Lust zu so einem Event hatte, ob ich da überhaupt am rechten Platz sein würde. Allerdings kannte ich noch nicht viele Leute aus der Schule. So gesehen würde es eine gute Gelegenheit sein, mal ein paar weitere Bekanntschaften zu machen.
„Strandbad Wannsee hört sich nach Spaß und Erfrischung an“, gab ich schließlich zu.
Adriana machte große Kulleraugen und lachte. „Oh ja, das ist es!“
Dann wurde sie nachdenklich. „Ich muss aber noch mit Sergio sprechen …“ Sie hielt kurz inne, bevor sie fortfuhr. „Es ist so, dass er an manchen Samstagabenden … na ja … zu tun hat, und da bleib ich dann lieber zuhause bei Mama und Yvo.“
Ich nickte stumm. Fragen drängten sich mir auf, aber ich schob sie besser beiseite.
Adrianas Gesicht hellte sich plötzlich wieder auf, als hätte sie eine spontane Eingebung. „Oh, übrigens, wie wäre es, wenn du am Freitag bei mir übernachtest? Und vielleicht können wir dann am Samstag zusammen zur Party.“
Ich zuckte unsicher mit den Schultern. „Müsste … theoretisch schon gehen, aber …“ Ich fragte mich, ob ich meiner Mutter schon soviel zumuten konnte, und abgesehen davon kannte ich Adrianas Familie noch gar nicht.
„Schau nicht so skeptisch“, wandte Adriana ein. „Ist doch nichts dabei. Oder, hast du keine Lust?“
„Doch sicher, es ist nur … Ich will zuerst meine Mom fragen, ob das für sie in Ordnung geht.“
„Du nimmst sehr viel Rücksicht auf deine Mutter stimmt’s?“
Ich nickte. „Ich versuch’s. Schließlich tut sie es mir gegenüber auch.“ Es klang ein wenig nach Rechtfertigung, aber Adriana legte den Kopf schief und schaute ganz gerührt. „Mhm, das ist … irgendwie … total süß, Lexi.“