NACHWORT
DIESES BUCH IST vor allem ein Roman. Alle Familien, deren
Schicksale hier geschildert wurden, von den Duckets bis zur Familie
Penny, sind, ebenso wie ihre Beiträge zu den in diesem Buch
erwähnten historischen Ereignissen, frei erfunden.
Ich habe die Geschichte dieser fiktiven Familien durch die
Jahrhunderte hindurch verfolgt und versucht, sie im Umfeld von
Leuten oder Ereignissen anzusiedeln, die entweder real waren oder
es hätten sein können.
Manchmal mußte ich historische Details »erfinden«. So werden
wir wahrscheinlich nie wissen, wo genau Julius Cäsar die Themse
überquert hat; dem Autor erschien der Ort, an dem heute Westminster
steht, am plausibelsten.
Ein ähnlicher Fall: Obwohl wir die politischen Umstände
ziemlich gut kennen, unter denen im Jahre 604 Bischof Mellitus St.
Paul's gründete, war ich so frei, eigene Überlegungen zur damaligen
Situation im sächsischen Lundenwic anzustellen.
1830 dann, also sehr viel später, habe ich einen
St.-PancrasWahlbezirk für meine Figuren erfunden, in dem sie für
die in jenem Jahr stattfindende Wahl kandidieren konnten.
Doch im allgemeinen gibt es – nicht nur, was die Geschichte
Londons, sondern auch, was die Lebensläufe zahlloser Bürger
betrifft – eine Fülle an Informationen, so daß der Autor genügend
Details zur Verfügung hatte und nur gelegentlich zur Unterstützung
des Erzählflusses kleinere Veränderungen an komplexen Ereignissen
vornehmen mußte.
Die wichtigsten Gebäude und Kirchen in London wurden fast
durchgängig unter ihrem tatsächlichen Namen erwähnt. Auch viele
Straßen haben ihre Namen seit der Zeit der Sachsen beibehalten.
Eine Namensänderung wurde entweder im Verlauf der Geschichte
erklärt, oder der Ort wurde – falls eine Erklärung nur verwirrt
hätte – unter dem heute bekanntesten Namen aufgeführt.
Folgende Angaben sind rein fiktiver Natur: Der Handelsplatz
von Cerdic dem Sachsen ist an der Stelle angesiedelt, an der heute
das Savoy-Hotel steht. Das Haus unter dem Hauszeichen des Bullen
unterhalb von St. Mary-le-Bow mag an bzw. bei der heutigen
»Williamson's Tavern« gestanden haben; die Kirche St.
Lawrence-Silversleeves in der Nähe der Watling Street könnte eine
der vielen kleinen Kirchen dieser Gegend sein, die nach dem Großen
Feuer verschwunden sind; das »Dog's Head« könnte eines der vielen
Bordelle sein, die es an der Bankside gab.
Ich habe mir herausgenommen, in jener Epoche, als der Platz
lediglich eine römische Straßenkreuzung war, einen Torbogen an der
Stelle des heutigen Marble Arch errichten zu lassen. Möglicherweise
stand seinerzeit dort ja tatsächlich ein Torbogen, wenn auch seine
Reste erst noch gefunden werden müssen.
Was die fiktiven Familien in diesem Roman
betrifft: Dogget und Ducket sind Namen, auf die man in Londons
Geschichte häufig stößt. Reale Personen mit diesen Namen – vor
allem der berühmte Dogget, der Dogget's Coat and Badge Race auf der
Themse ins Leben rief – werden gelegentlich im Text erwähnt, dann
jedoch klar von den fiktiven Familien unterschieden. Die
Ableitungen fiktiver Familiennamen aus vererbten körperlichen
Merkmalen sind natürlich ausschließlich für diesen Roman erfunden
worden.
Der Name Bull kommt in England oft vor; Carpenter ist ein
Name, der sich auf den Beruf des Namensträgers, also Zimmermann,
bezieht, genauso wie Baker, Painter, Tailor und Dutzende weiterer
solcher Namen. Die Leser, die meinen Roman Sarum kennen,
erkennen die Carpenters vielleicht auch als Verwandte der Masons in
jenem Buch. Auch Fleming ist ein häufig vorkommender Name; er weist
wahrscheinlich auf die flämische Abstammung des Namensträgers hin.
Meredith ist ein walisischer Name; und Penny könnte ein
hugenottischer Name sein. Der seltenere Name Barnikel, der auch in
Sarum vorkommt, stammt wahrscheinlich von den Wikingern;
sein Ursprung wird mit einer netten Legende erklärt. Auch Dickens
hat diesen Namen verwendet (Barnacle), wenn auch in ziemlich
abfälliger Weise. Bei mir kommen die Barnikels hoffentlich besser
weg.
Der Name Silversleeves und die langnasige Familie, die diesen
Namen trägt, sind rein erfunden. Im Mittelalter gab es viele dieser
hübschen, klangvollen Namen; heute jedoch sind sie leider fast
verschwunden. Silversleeves soll diese alte Tradition
repräsentieren.
Ein Autor, der einen Roman über London schreiben möchte, steht
vor einem großen Problem – der Fülle an phantastischem Material.
Jeder Londoner hat einen Lieblingsfleck in seiner Stadt. Immer
wieder ist man versucht, in eine faszinierende historische
Nebengeschichte abzuschweifen. Es gibt kaum einen Bezirk in London,
der nicht für ein Buch wie das vorliegende Stoff liefern könnte.
Die Tatsache, daß die Geschichte Londons zum großen Teil auch die
Geschichte Englands ist, brachte mich dazu, bestimmte Orte anderen
vorzuziehen. Ich kann nur hoffen, daß die vielen, die diese
wunderbare Stadt kennen und lieben, über meine Auswahl nicht allzu
enttäuscht sind.
Danksagung
Folgenden Personen, Experten auf ihren jeweiligen
Fachgebieten, bin ich zu größtem Dank verpflichtet. Mit viel Geduld
haben sie mich beraten, mir Informationen verschafft und in vielen
Fällen meinen Text durchgelesen und mir bei der Fehlerkorrektur
geholfen. Für alle noch verbliebenen Irrtümer bin ich allein
verantwortlich:
Ms. Susan Banks, Archäologische Abteilung des Museum of
London; Mr. David Bentley, Archäologische Abteilung des Museum of
London; Mr. John Clark, Kurator des Museum of London; Reverend
Father K. Cunningham, St. Etheldreda's, Ely Place; Mr. A. P.
Gittins, Schneider, Tom Brown; Mrs. Jenny Hall, Kuratorin des
Museum of London; Mr. Frederick Hilton; Mr. Bernard Kearnes J. P;
Dr. Nick Merziman, Kurator des Museum of London; Mrs. Lily Moody;
Mr. Geoffrey Parnell, Kurator des Tower of London; Mr. H. Pearce;
Mr. Richard Shaw, Lavender Hill Reverence Library; Mr. Ken Thomas,
Archivar, Courage Breweries; Mrs. Rosemary Weinstein, Kuratorin des
Museum of London; Mr. Alex Weiner, Kurator des Museum of London;
Mr. RJ. M. Willoughby.
Zutiefst dankbar bin ich auch den Leitern und Bibliothekaren
der Guildhall Library, der Museum of London Library und der London
Library für ihr unbegrenztes Entgegenkommen und ihre
Hilfsbereitschaft.
Nicht genug danken kann ich Ms. Eimear Hannafin und Mrs.
Gillian Redmond von Magpie Audio Visual für ihre unermüdliche
Unterstützung und gute Laune bei der Reinschrift und der häufigen
Abänderung des Manuskripts.
Meinen besonderen Dank schulde ich auch David Bentley und
Susan Banks für die Erstellung von Landkarten und Andrew Thompson,
Siena Artworks, London, für Entwürfe und Reinzeichnung der
Landkarten.
Wie immer wäre ich ohne meinen Agenten Gill Coleridge und
meine beiden Lektorinnen, Kate Parkin von Century und Betty A.
Prashker von Crown Publishers, die mich unermüdlich unterstützt und
ermutigt haben, verloren gewesen.
Meiner Frau Susan, meinen Kindern Edward und Elizabeth und
meiner Mutter schulde ich von Herzen Dank für ihre Geduld,
Unterstützung und Aufgeschlossenheit.
Meine größte Dankbarkeit gebührt jedoch den Kuratoren,
besonders John Clark und Rosemary Weinstein, und den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museum of London, ohne die
dieses Buch nicht hätte geschrieben werden können. Das Museum of
London war für mich während der langen Entstehungszeit dieses
Romans eine nie versiegende Quelle der Inspiration.