KAPITEL 7

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Zwei Wochen, dachte Ro und lehnte sich auf ihrem Schreibtischstuhl zurück. Irgendwo in ihrem Nacken verkrampfte sich plötzlich ein Muskel. Ro ließ die Schultern kreisen und warf das Padd mit dem Bericht – dem unvollendeten Bericht – auf ihren Bürotisch.

Zwei Wochen, und noch immer räume ich die Thriss-Sache auf.

Das Türsignal erklang. Ro sah durch das Glas. Wer wollte den nun schon wieder ihre Zeit für sich beanspruchen? Erst als sie sah, um wen es sich handelte, entspannte sie sich und wies den Computer an, die Tür zu öffnen.

»Hätte nicht gedacht, Sie so spät noch hier anzutreffen, Ro.« Lieutenant Commander Phillipa Matthias lugte über die Schwelle. »Haben Sie eine Minute?«

Ro lächelte. Sie mochte den neuen Stationscounselor. Nicht nur weil sie nett zu ihr war – und ihre mitunter launische Art hinzunehmen wusste –, sondern auch weil sie offen und direkt war. Die Sternenflotte hatte nur wenige Counselors, die so angenehm frei von berufsbedingtem Psychogebrabbel waren wie sie.

»Eine Minute?«, wiederholte Ro, stand auf und streckte sich. Phillipa würde ihre Zeit schon nicht verschwenden. »Ich habe so viele, wie Sie brauchen. Sagen Sie, haben die Andorianer mit Ihnen gesprochen?«

»Nun, die ärztliche Schweigepflicht verböte mir, es Ihnen mitzuteilen, wenn Dizhei und Anichent sich mir geöffnet hätten. Aber das haben sie nicht. Und ehrlich gesagt überrascht mich das auch nicht. Andorianer sind nicht gerade als Fans meines Berufsstandes verschrien.«

»Ich frage mich, warum«, murmelte Ro nachdenklich.

»Wegen der Antennen.«

»Wie bitte?«

»Diese Antennen sind ein wunderbares Werkzeug für die nonverbale Kommunikation. Mitunter sogar unfreiwillig. Andorianer sind nicht in der Lage, ein Pokerface aufrechtzuerhalten – aber sie beurteilen den emotionalen Zustand ihres Gegenübers wie kaum ein zweiter. Vermutlich legen sie deswegen keinen großen Wert auf die Anwesenheit eines Counselors. Insbesondere wenn sie derart aufgewühlt sind.«

Ro spürte, wie sich ein weiterer pochender Warpkernbruch von einem Kopfschmerz ankündigte. Das Leid, das Anichent und Dizhei empfinden mussten, verstand sie nur zu gut. Es erinnerte sie schmerzlich an den Tod von Jalik, einem Kameraden aus Maquis-Tagen. Er war einem Minenfeld der Jem’Hadar zum Opfer gefallen. Außerdem musste sie an den grauenvollen Tod ihres Vaters denken, der vor ihren Augen von Cardassianern gefoltert worden war. Damals war sie gerade einmal zarte sieben Jahre alt gewesen.

Ro wusste, dass man selbst große Schrecken überleben konnte. Sie war in ihrem an Tod und Grausamkeiten nicht armen Leben nie derart paralysiert gewesen, wie es die beiden jungen Andorianer zu sein schienen.

Trotz all der Tage, die vergangen waren, hatte es noch keiner von ihnen vermocht, Ro einen halbwegs zusammenhängenden Bericht bezüglich Thriss’ Selbstmord zu geben. Und die offiziellen Unterlagen warteten auf Vervollständigung, Tragödie hin oder her.

Das Leben der verbliebenen Mitglieder von Shars Bündnisgruppe ging weiter. Es musste weitergehen.

»Ließen sie Dr. Tarses zu sich?«, fragte Ro. »Oder haben sie ihre Meinung über die vorgeschlagene Autopsie geändert?«

Phillipa schüttelte den Kopf. »Heute Abend ließen sie Simon rein. Kurz bevor seine Schicht endete. Er war bei ihnen, weil er angeblich nach der Stasiskammer sehen musste, die sie sich aus der Krankenstation geliehen haben. Aber mehr ließen sie ihn nicht tun. Mir öffnen sie nicht einmal die Tür zu ihrem Quartier.«

Shars Quartier, dachte Ro. Der Ort, an dem sich Thriss das Leben genommen hatte. Wo zwei ihrer Seelenverwandten selbst zwei Wochen später noch die Mahnwache hielten. »Halten Sie sie für gefährlich?«, fragte sie und entsann sich des Wahnsinns, den sie in Anichents kalten grauen Augen gesehen hatte, als er sie angriff.

»Wer derart am Boden ist, birgt immer Gefahrenpotenzial – zumindest für sich selbst. Aber wenn es sich dabei um einen Andorianer handelt, sieht es sogar noch schlimmer aus.«

»Anders gesagt ziehe ich die beiden Wachen, die ich vor Shars Quartier postiert habe, besser noch nicht ab.«

Phillipa nickte, wirkte besorgt. »Solange sie im Gang und einige Schritte vom Eingang entfernt bleiben. Wie ich schon sagte, reagieren diese Antennen ganz schön empfindlich – insbesondere auf von Phasern erzeugte EM-Felder. Ich gehe aber davon aus, dass Dizhei und Anichent nicht länger, äh, aufbrausend sind.«

»Wie kommen Sie zu der Annahme?«

»Nun, die beiden haben einander. Geteiltes Leid ist halbes Leid.«

Ro wollte das glauben, doch sie kannte auch den Drang, das eigene Leid verbreiten zu wollen. Es zu verteilen, als wäre man der Wind und die Trauer nur Nerak-Blumen am Ufer des Flusses Glyrhond. »Vielleicht sollte ich einen weiteren Gesprächsversuch starten«, sagte sie, nahm ihr Padd und trat zur Tür des Sicherheitsbüros.

Phillipa folgte ihr auf den Gang hinaus, die Stirn voller Sorgenfalten. »Das halte ich für keine gute Idee.«

Die Turbolifttür öffnete sich, doch Ro blieb davor stehen. »Haben Sie mir nicht gerade erklärt, die beiden sprächen nicht mit Ihnen, weil Sie ihnen zu viel Einfühlungsvermögen entgegenbringen?«

»Den Vorwurf habe ich noch nie gehört …«

Schweigend traten die Frauen in den Lift, dessen Tür sich hinter ihnen schloss. Es kostete Ro einige Mühe, Phillipas »Sie werden schon sehen«-Miene zu ignorieren.

Sie stand im Habitatring und sah nach links den Gang hinab. Vier Türen entfernt hatte Corporal Hava Station bezogen, die Hand schussbereit am Phaser. Ro sah nach rechts und fand Sergeant Shul Torem in gleichem Abstand auf seinem Posten. Der altgediente Grauschopf wirkte gleichermaßen entspannt wie wachsam.

Ro hingegen griff das Padd, das sie in der Rechten hielt, fester und betätigte die Türklingel. Mit einem Mal wünschte sie sich, sie hätte auch eine Waffe dabei.

»Verschwinden Sie.«

Dizheis Stimme. Selbst durch die Tür aus grauem Duranium erkannte Ro den schroffen Tonfall sofort.

»Verschwinden Sie, wer Sie auch sind.«

»Hier ist Lieutenant Ro«, sagte Ro erleichtert. Immer noch besser als Anichent. »Ich komme in offiziellem Auftrag.«

Eine Pause entstand. Als Dizhei endlich reagierte, klang sie gefasster – aber auch wie jemand, der seine Gefühle nur mühsam beherrschen konnte. »Bitte, Lieutenant. Uns ist derzeit nicht nach Besuch. Anichent und ich melden uns bei Ihnen. Später. Nach Shars Rückkehr.«

Ro war es allmählich leid, dieses Gespräch durch eine Metalltür zu führen. »Shar kehrt erst in einigen Wochen aus dem Gamma-Quadranten zurück. Ich verstehe Ihre Trauer, Dizhei. Und Sie wissen, dass ich die Bestattungsriten Ihres Volkes respektiere. Aber ich habe Routinen zu beachten, Berichte zu vollenden. Diese Dinge erledigt man besser früher als später.«

Die schwere graue Tür blieb so stumm und reglos wie ein steinerner Monolith der Sh’dama-Ära. Nach knapp einer halben Minute brach Ro das Schweigen. »Was hält Anichent denn davon, mit mir zu sprechen? Ich brauche nur ein paar Minuten seiner Zeit.«

Mehr Schweigen. Ein Gedanke kam Ro in den Sinn. Mit einem Mal fühlte sie sich, als hätte man ihre Wirbelsäule in flüssigen Stickstoff getunkt. Konnte Anichent überhaupt zur Tür kommen? War er vielleicht mehr als nur kontaktscheu?

»Dizhei? Öffnen Sie die Tür. Bitte. Ich muss wirklich mit Anichent sprechen.«

Nichts.

Ro winkte die beiden Wachen zu sich. Schweigend zogen die Männer die Waffen. Es missfiel ihr, dass die Situation sich derart entwickelt hatte, aber sie musste wissen, was hinter dieser metallenen Barriere vorgefallen war. Schnell berührte sie ihren Kommunikator. »Computer, Sicherheitszugang zum Privatquartier von Ensign Thirishar ch’Thane. Autorisierung Ro-Gamma-Sieben-Vier.«

Die Tür glitt auf, und Ro – gespannt wie ein Bogen – trat ein, dicht gefolgt von Hava und Shul.

Jenseits der Schwelle war es so warm wie in der Musilla-Provinz während des Sommers. Hohe Luftfeuchtigkeit. Nur das Leuchten zweier hoher, einen scharfen Geruch verbreitender Kerzen riss Löcher in die Schwärze. Hinter dem großen, ovalen Fenster glitzerten zahllose Sterne wie Juwelen auf Nadelspitzen. Zwischen den Kerzen und im Zentrum des Raumes stand eine Bahre, umgeben vom blassblauen Leuchten einer großen Stasiskammer. Auf ihr lag Thriss’ Leichnam. Sie war in ein schlichtes weißes Kleid gehüllt, wie es andorianische Sitte war. Im blassen Schein wirkte sie nahezu lebendig, als schliefe sie nur und könnte jederzeit durch ein zu lautes Auftreten oder eine knarrende Bodenplatte erwachen.

Wider besseres Wissen bemühte sich Ro um Stille, während sie zu den beiden Gestalten trat, die vor der Bahre knieten. Einen Moment lang stand sie einfach nur hinter ihnen, bis sich ihre Augen an das schwache Kerzenlicht und die flackernden Schatten gewöhnt hatten.

Dizhei und Anichent sahen aus, als befänden sie sich in tiefer Meditation. Sie wirkten erschöpft, abgemagert. Die schmucklosen andorianischen Gebetsroben hingen an ihren Körpern wie zu weite Segel. Ro konnte nicht beurteilen, ob sie sich noch immer absichtlich Schnittwunden zufügten, wie sie es unmittelbar nach Thriss’ Tod begonnen hatten. Ihre Augen waren geschlossen; die Antennen lagen reglos auf den zerzausten weißen Haaren. Beide Andorianer schienen Ros Anwesenheit nicht zu registrieren, und Ro fragte sich, ob sie wirklich gemeinsam trauerten oder jeder von ihnen in seiner ganz privaten emotionalen Hölle gefangen war.

Von Phillipa wusste sie ein wenig über andorianische Biologie und Trauerriten. Um sich fortzupflanzen, bedurften diese Wesen aller vier Mitglieder eines Bündnisses. Entsprechend hart traf die Hinterbliebenen der Tod einer Person aus ihrer Gruppe – und führte mitunter zu wahrhaft extremen Trauerbekundungen. Weder Dizhei noch Anichent schien fähig, die verlorene Geliebte ziehen zu lassen und das eigene Leben fortzusetzen. Sie gaben Thriss’ Leichnam ja nicht einmal zur Autopsie frei, gestatteten kein Begräbnis. Zumindest nicht bis alle verbliebenen Bündnispartner sich in vereinter Trauer vor der Verstorbenen versammelt hatten. Das war der Grund, aus dem sie auf Shars Rückkehr pochten. Bis dahin, so wusste Ro, würden sie niemanden sehen wollen und nichts zu sich nehmen außer Wasser.

Für wie lange?, fragte sie sich.

Wären die weißen Strubbelhaare, die blaue Haut und die Antennen nicht gewesen, wären Dizhei und Anichent auch als bajoranische Gläubige durchgegangen, die die Propheten um Weisung anflehten. Ro beobachtete die nahezu verbissene Frömmigkeit vieler ihrer Landsleute meist mit Skepsis – und ein wenig Belustigung. Die Ermordung ihres Vaters durch cardassianische Besatzer hatte sie gelehrt, dass frommes Verhalten bessere Resultate erbrachte, wenn man es mit einer Handgranate kombinierte.

Die Selbstkasteiung, deren Zeugin sie hier wurde, war wie ein Mahnmal der Empfindungen, die die bajoranische Religion mitunter in ihr weckte. Und obwohl sie wusste, wie unsinnig es war, die Sitten einer fremden Kultur anhand denen der eigenen zu beurteilen, kam sie nicht umhin, sich von dem Anblick vor sich zu einer emotionalen Reaktion provozieren zu lassen.

Zu Wut.

Ro ließ ihr Padd laut auf einen niedrigen Tisch knallen. In der Stille des Raumes kam das Geräusch einem Donnerschlag gleich. Dizhei zuckte zusammen, als hätte sie jemand geschlagen. Zornig blickte sie sich um und entdeckte Ro.

Ro hörte Shul und Hava hinter sich Stellung beziehen, doch Dizhei erhob sich nicht. »Ist diese Störung ein Beispiel für das, was wir von Bajor erwarten dürfen, sobald es zur Föderation gehört?«, fragte sie stattdessen, die Worte kaum mehr als ein Zischen. Die Freundlichkeit, die Ro an der Andorianerin zu schätzen gelernt hatte, seit diese vor wenigen Wochen auf die Station kam, war verschwunden.

»Entschuldigen Sie mein Eindringen, Dizhei«, sagte Ro und nahm ihr Padd wieder in die Hand. Dizheis Frage überging sie. »Aber ich hatte Grund zu der Annahme, Anichent sei in Gefahr.«

Dizhei lachte. Ein schroffes Geräusch, in dem kein Humor lag. »Zweifellos weil wir Andorianer so ein gewaltbereites Völkchen sind.«

»Das habe ich nie gesagt«, widersprach Ro. Sie umklammerte das Padd, als wollte sie es erdrücken.

Dizhei senkte den Blick und schien ihre nächsten Worte sorgfältig auswählen zu wollen. »Das mussten Sie nicht, Lieutenant. Sie und ich wissen auch so, dass es so ist.«

Auf einmal hob Anichent den Kopf. Es wirkte, als lastete ein großes Gewicht auf ihm. Kniend sah er zu Ro, die instinktiv die Muskeln anspannte. Ihr Puls beschleunigte sich, und sie hörte, wie der neben ihr stehende Hava keuchte.

»Sie sah es so deutlich«, flüsterte Anichent, und die Mutlosigkeit hinter seinen Worten war nahezu greifbar. »Deutlicher als wir alle es je sehen könnten.«

Ro wusste, dass er von Thriss sprach. »Was sah sie?«

Bevor Anichent antworten konnte, verbot ihm Dizhei mit einem schroffen Wort auf Andorii den Mund. Sofort senkte er den Kopf und schloss wieder die Augen, als würde er beten oder meditieren.

Dizhei starrte derweil zu Ro. »Ihre Männer können die Waffen sinken lassen«, sagte sie leise. »Anichent kann sich kaum rühren, geschweige denn jemanden attackieren.«

»Bleiben Sie wachsam«, wies Ro Shul an, der bestätigend grunzte. Dann wandte sie sich wieder an Dizhei. »Ich will nicht taktlos erscheinen, aber ohne Autopsie muss ich Thriss’ engste verfügbare Familienmitglieder um ihre Aussagen bitten. Ratsmitglied zh’Thane zählt nicht zu dieser Gruppe, aber Sie beide als Bündnispartner schon. Bedaure, aber nur so kann ich den Fall offiziell abschließen. Geben Sie mir zehn Minuten. Dann verschwinden wir und belästigen Sie nie wieder.«

Dizhei wirkte gleichermaßen ungläubig wie zornig. »Haben Sie momentan nichts Besseres zu tun, als uns zu stören?«

»Ehrlich gesagt, doch«, antwortete Ro. Allmählich drohte ihr eigener Groll, die Oberhand über sie zu gewinnen. »Diese Station wird in den nächsten Tagen voller VIPs der Föderation und Bajors sein. Ich muss die offizielle Vertragsunterzeichnung organisieren, und das kommt einem sicherheitstechnischen Albtraum gleich. Ich kann es mir nicht leisten, einen Fall wie diesen offen zu lassen. Nicht angesichts all der anderen Baustellen.«

»Verstehe.« Dizheis eisblaue Augen sahen sie an. Die Antennen beugten sich vor, als suchten sie nach etwas, das sie aufspießen konnten.

Ro schluckte ihren Zorn hinunter und hob die Hand. »Hören Sie. Ich weiß, wie schwer das alles für Sie ist. Aber zwei Wochen sind sicherlich Zeit genug, um …«

»Zeit«, wiederholte Anichent nuschelnd und hob langsam den Kopf. »Was bedeutet Zeit noch, wenn die Zukunft nicht länger existiert?«

Ro trat zu ihm. Kerzenlicht spiegelte sich flackernd in seinen grauen Augen. Den optimistischen Intellektuellen, den sie vor wenigen Wochen kennengelernt hatte, gab es nicht mehr. Dieser Anichent war eine Hülle. Ein Wiedergänger, ausgehöhlt und leer.

»Sie haben ihm etwas gegeben«, sagte sie zu Dizhei. Es war keine Frage. »Ein Medikament.«

Die Andorianerin nickte. »Um sein Leben zu retten.«

»Wir müssen ihn zur Krankenstation bringen.«

»Nein. Ich kenne mich mit andorianischer Pharmazie besser aus als Ihr Dr. Tarses. Anichent ist bei mir sicherer aufgehoben. Hier kann ich ihn im Auge behalten.«

Und plötzlich begriff Ro. Anichent war bei ihr tatsächlich besser dran – an einem Ort, wo er nicht Gefahr lief, zu unpassender Zeit aus seinem Rausch zu erwachen. Einem Ort, an dem er nicht der Versuchung nachgeben konnte, sich willentlich in den Rachen des Todes zu werfen. Mit einem Mal kam ihr ein Konzept in den Sinn, dem sie einst in einer Geschichtsstunde an der Sternenflottenakademie begegnet war.

Selbstmord durch Polizeibeschuss.

Ros Zorn verflog, während sie über die wahrscheinliche Quelle der andorianischen Aggressivität nachdachte. Sie entsprang keinem inneren Trieb wie bei den Jem’Hadar. Sie war auch nicht anerzogen wie bei den Klingonen. Sie war aus Schmerz geboren.

Schmerz kann ich verstehen.

»Zurück«, sagte sie zu ihren Begleitern. »Und weggetreten.«

Hava ließ sich das nicht zweimal sagen. Einzig Shul dachte einen Moment nach, bevor auch er das Quartier verließ.

»Glauben Sie wirklich, Sie verstehen es jetzt?«, fragte Dizhei, als sie endlich allein waren. Nur Anichent weilte noch bei ihnen, verloren in seinem Rausch. Dizhei stand auf und machte einen Schritt auf Ro zu.

Obwohl Ro sich erfolgreich davon abhielt, zusammenzuzucken, stellte sie sich innerlich doch auf einen Angriff ein. Sie nickte zögerlich. »Er hofft nicht mehr.«

Dizheis Erwiderung bestand aus einem kaum merklichen Kopfschütteln. »Nein«, sagte sie dann. So leise, als fürchtete sie sich davor, vom weggetretenen Anichent gehört zu werden. »Es ist noch grundlegender, Lieutenant. Er glaubt, die Hoffnung selbst existiere nicht länger. Dass Thriss’ Tod ein Omen für unser gesamtes Volk sei.«

»Es gibt immer Hoffnung«, widersprach Ro und zweifelte an ihren eigenen Worten.

»Nicht wenn man so dicht davorsteht, auszusterben.«

Mein Chei riss auch Anichent und Dizhei ins Verderben, hatte zh’Thane gesagt. Ro entsann sich, wie das Ratsmitglied von andorianischen Ehen gesprochen hatte. Dass Andorianer schon von Kindesbeinen an auf ihr Bündnis vorbereitet wurden und als junge Erwachsene nur wenige Jahre Zeit hatten, um Nachkommen zu zeugen. Es dürfte schwer für Anichent und Dizhei werden – wenn nicht gar unmöglich –, einen Ersatz für Thriss zu finden.

Sie sah es so deutlich. Das waren Anichents Worte. Ro ahnte nun, dass er damit blanke, ungeschminkte Verzweiflung gemeint haben musste. Thriss war verzweifelt gewesen – nicht nur wegen sich selbst, sondern wegen ihrer gesamten Welt.

Und dann komme ich und zwinge die beiden ins Verhör. Super gemacht, Laren. Sie fühlte sich, als hätte sie soeben ein hilfloses drathanisches Hündchen getreten.

Dizhei fuhr fort. »Anichent ist überzeugt, dass unsere Spezies ausstirbt. Wegen unseres komplexen Fortpflanzungsprozesses. Ich verrate Ihnen das nur, weil Shar Sie als gute Freundin betrachtet. Er vertraut Ihnen.«

Ro fühlte, wie sich Tränen ankündigten, zwang sie aber zurück. »Das beruht auf Gegenseitigkeit«, sagte sie leise. »Wir haben ein paar Gemeinsamkeiten.« Wir sind beide Außenseiter, die kaum jemanden in ihre Geheimnisse einweihen. Erst recht nicht in ihre Ängste.

Dizheis Antennen entspannten sich wieder. Stumm sah sie Ro an, wartete auf deren nächsten Zug.

»Glauben Sie, Anichent hat recht?«, fragte Ro sanft.

Seufzend schloss die Andorianerin die Augen, sammelte ihre Gedanken. »Manchmal bin ich zumindest geneigt, ihm zu glauben. Aber ich kann es mir nicht erlauben, derartige Gedanken zu hegen. Sonst sind wir verloren – und verlieren selbst die winzige Chance, die uns vielleicht noch bleibt, um Thriss vor Ablauf unserer Zeugungsspanne zu ersetzen.« Sie wirkte, als wären ihre Worte eine Boje, an der sie aus Meerestiefen aufstieg. Mit einem Mal kam ihre Körperhaltung Ro nahezu majestätisch vor.

So ungefähr muss Charivretha zh’Thane vor dreißig Jahren ausgesehen haben.

»Ich werde bei Thriss wachen, bis Shar zurückkehrt«, sagte Dizhei. »So ist es Sitte. Und ich werde bei Anichent wachen, ihm über die Schlucht helfen. Selbst wenn es mich jede Minute jedes einzelnen Tages kostet. Selbst wenn es mich umbringt

Ro dachte an die Verzweiflung, die sie in den Gesichtern von Freunden und Familienmitgliedern gesehen hatte. Kaum jemand aus ihrem eigenen Umfeld war je aus derart guten Gründen mutlos gewesen. Diese Andorianer und ihre Bündnisknechtschaft … Für die Mitglieder dieses Volkes stellte die Fortpflanzung den Höhepunkt ihres Daseins dar, ihren Lebenszweck. Wie sollten sie nicht der Hoffnungslosigkeit verfallen, wenn sie diesen Zweck verloren? Obwohl es sonst nicht ihre Art war, sehnte sich Ro nach einem Drink. Oder mehreren.

»Was Ihren Bericht angeht«, sagte Dizhei. Ihre Antennen beugten sich vor, als röchen sie etwas.

Ro schaltete ihr Padd aus und ließ es sinken. Ein Schweißtropfen bahnte sich seinen Weg zwischen ihren Schulterblättern hinab. »Das kann warten«, sagte sie, mit einem Mal überwältigt vom Ausmaß der Last, die Dizhei stemmte – und von Anichents Hoffnungslosigkeit. Polizeiroutinen kamen ihr im Vergleich dazu furchtbar trivial vor. »Bitte vergessen Sie mein Drängen. Vergeben Sie mir.«

Sie verabschiedete sich schnell und eilte geradezu aus dem Quartier. Dizhei sollte die Tränen nicht sehen, die sie nicht länger zurückhalten konnte.

Zweieinhalb Gläser Frühlingswein später fühlte Ro sich bedeutend entspannter.

»Holla«, sagte Treir, die ihr in der kleinen, schwach beleuchteten Nische gegenübersaß. »Vielleicht sollten Sie aufhören, mit Lichtgeschwindigkeit zu trinken, Lieutenant.«

»Ich bin momentan nicht im Dienst«, erwiderte Ro und ließ den Wein im Glas kreisen. Er war trockener, als sie es gewohnt war, aber einwandfrei. »Und manchmal lassen sich Probleme am besten ertragen, indem man sie ertränkt.«

Die Orionerin lächelte schwach. Ihre weißen Zähne bildeten einen beeindruckenden Kontrast zu ihrer jadegrünen Haut, die an strategischen Stellen durch ihr Designer-Dabo-Mädchen-Kostüm schimmerte. Dann hob sie ihren Warpkernbruch – ein Gesöff, das sich in Ros Weltsicht kaum von industriellem Lösungsmittel unterschied –, als wollte sie einen Trinkspruch zum Besten geben. Im Vergleich zu Treirs Glas wirkte Ros eigenes winzig, doch die großen und dennoch grazilen Hände der Orionerin passten im Maßstab.

»Auf das Ertränken der Sorgen«, sagte Treir, dann tranken sie. »Oder wenigstens auf das Glück, sie hin und wieder schwimmen schicken zu dürfen. Mal sehen … Welche drängen am ehesten darauf, ertränkt zu werden? Da wären die Andorianer, die in Ensign ch’Thanes Unterkunft hausen. Und die Unterschriftenzeremonie für Bajors Föderationsbeitritt.«

Ro lächelte knapp und hob ihr Glas zum Mund. »Sie sollten Lieutenant Commander Matthias mal auf eine Karriere als Counselor ansprechen.« Wie sehr sich ihr Umgang miteinander doch gewandelt hatte, seit sie und Quark die Orionerin aus den Fängen des Piraten Malic befreiten. Ein paar Monate war das nun her – und mittlerweile war selbst für Ro offensichtlich, dass Treir viel mehr als ihr Aussehen zu bieten hatte.

Treir schaute über die Schulter. Dann wandte sie sich wieder Ro zu. »Oh, und vergessen Sie nicht den grauenvollsten Grund auf der Liste der zu ertränkenden Sorgen«, flüsterte sie verschwörerisch. »Die zweite Verabredung, zu der mein Boss Sie irgendwie überredet hat.«

Ro hätte beinahe ihren Wein über den Tisch geprustet. In letzter Zeit hatte die Station sie derart beansprucht, dass ihr die Verabredung völlig entfallen war.

»Das hab ich gehört!«

Die Stimme gehörte zu Quark. Ro brauchte einige Augenblicke, um ihn zu finden. Der Besitzer und Betreiber von Deep Space 9s größter Gaststätte stand drei Nischen entfernt neben einer kleinen Gruppe Terrellianer, der er soeben Getränke gebracht hatte.

Einen Moment später war er an Ros Tisch, sah Treir missbilligend an und deutete anklagend auf das Glas in der Hand der attraktiven grünen Frau. »Bezahle ich Sie etwa für’s Trinken?«

»Werfen Sie mal ’nen Blick auf den Dienstplan, Quark«, erwiderte diese nonchalant und kippte den Rest ihres Warpkernbruchs hinunter. »Ich habe frei. Und wenn ich frei habe, gehe ich mitunter meiner Nebenbeschäftigung nach: als Ros Leibwächterin.« Dabei warf sie Ro einen Blick zu, der »Wenn Sie wollen, sorge ich dafür, dass er Sie in Ruhe lässt« zu sagen schien.

»Hallo Quark«, sagte Ro. Seine Anwesenheit tat ihr irgendwie gut.

Die Erwiderung, die er Treir präsentieren wollte, schien ungesagt auf seinen Lippen zu verkümmern. »Ich hoffe, unser Termin morgen Abend steht noch«, murmelte er stattdessen und lächelte Ro erwartungsvoll an. »Ab 2100 Uhr haben wir Holosuite drei ganz für uns allein.«

Ro bemerkte, dass Treir sie anstarrte. Wieder lag eine Botschaft im Blick der Orionerin: Nein, ernsthaft. Ich kann ihn verschwinden lassen. Sagen Sie’s nur.

Stattdessen erwiderte sie Quarks Lächeln. Ihr war, als hätte sie seit Wochen nichts anderes gemacht, als miesepetrig das Gesicht zu verziehen. »Klar steht der noch, Quark. Ich hab’s nicht vergessen.«

Treir schüttelte verständnislos den Kopf, verabschiedete sich und ging. Sie hatte offensichtlich mehr als genug gesehen und gehört.

Soll sie doch glauben, was immer sie möchte, dachte Ro amüsiert. »Ehrlich gesagt freue ich mich schon darauf«, sagte sie zu Quark. »Ich glaube, ein wenig Ablenkung wird mir guttun.«

Für einen Moment wirkte Quark überrascht, doch im Nu hatte er sein Tongo-Gesicht wieder. »Beim letzten Mal hast du das Programm ausgewählt. Morgen darf ich also entscheiden. So war es abgemacht.«

»Weiß ich doch«, erwiderte sie und hörte auf, zu lächeln. Diesen nächsten Punkt musste sie ihm so klar wie nur möglich machen. »Und du weißt hoffentlich, dass du dir deine Holoromane Marke Vulkanischer Liebessklave schenken kannst. Sonst wird’s nämlich ein extrem kurzer Abend!«

Er wirkte verletzt und hob die Hände in einer »Nicht schießen!«-Geste. »Das würde ich nicht einmal im Traum wagen.«

»Auch keine Programme, in denen ich mich wie Treir anziehen muss.« Das hatte sie schon einmal tun müssen, dienstlich, und es war einmal zu viel gewesen.

Quark machte eine ziemliche Show daraus, wie sehr er ihr zustimmte. »Passt mir voll und ganz. So eine Garderobe wäre in Las Vegas ohnehin nicht angemessen.«

»Las Vegas?« Der Name sagte ihr nichts. »Ist das ein Planet im Gamma-Quadranten?«

»Eine Stadt auf der Erde des zwanzigsten Jahrhunderts«, erklärte Quark. Er grinste so breit, dass seine spitzen Zähne zu sehen waren. »Das Programm gehört Dr. Bashir und ist voller heller Lichter, unbeschreiblicher Klänge und krebserregender Rauchwolken in der Luft. Harmloser, holografischer krebserregender Rauchwolken, versteht sich.«

»Klingt nach einem cardassianischen Arbeitslager«, murmelte Ro und runzelte die Stirn. »Abgesehen von dem Teil mit den Hologrammen.«

»Ich fürchte, meine Beschreibung wird dem Ort nicht gerecht. Eigentlich …«

Ros Kommunikator unterbrach ihn. »Kira an Ro. Ich habe hier ein Problem, Lieutenant.«

Der Klang ihrer Stimme wirkte so ernüchternd wie ein Eimer Eiswasser. »Ro hier, Colonel. Bitte sagen Sie nicht, dass schon wieder jemand verletzt oder getötet wurde.«

»Keine Sorge, so ernst ist es nicht. Noch nicht. Aber ich brauche Sie umgehend in meinem Büro.«

»Bin unterwegs.« Ro stand auf und verabschiedete sich von Quark. »Morgen, 2100 Uhr?«

»Zieh ein schönes Abendkleid an«, hörte sie ihn rufen, als sie zum Ausgang eilte. »Klassische Eleganz mit freien Schultern wäre ganz gut. Und Pailletten!«

Auf dem Weg zur Promenade stieß Ro an der Bar fast mit Morn zusammen, der genau diesen Moment ausgewählt hatte, um sich von seinem Hocker zu erheben. Ihr war, als wohnte sie einem Ereignis von astrohistorischer Bedeutung bei, das mit der Entstehung eines Antimateriequasars vergleichbar war: Der Anblick eines von seinem Barhocker getrennten Morn konnte nicht minder selten sein.

Sie lächelte höflich und schob sich an dem stämmigen Lurianer vorbei, bevor dieser sie mit einer weiteren seiner endlos scheinenden Familienanekdoten beehrte.

Kurz darauf trat sie aus dem Turbolift und ins Büro der Stationskommandantin.

Kira saß an ihrem Schreibtisch, stand aber sofort auf. »Es ist Gul Macet«, beantwortete sie Ros unausgesprochene Frage. »Er bittet darum, unverzüglich ablegen zu dürfen. Aber er nennt weder einen Grund für seinen Aufbruch noch einen Termin für seine Rückkehr.«

Ro stutzte. »Die Trager sollte eigentlich noch mehrere Tage hierbleiben. Macet sagte mir, sein Schiff unterstehe dem Befehl der cardassianischen Delegierten, die noch auf der Station sind und den ganzen Papierkram meistern.«

»Genau.« Kira nickte. »Denen, die diplomatische Treffen darüber abhalten, ob und wann Bajor und Cardassia mehr diplomatische Treffen haben werden. Mein Instinkt will Macet sagen, er soll gefälligst Ruhe geben und warten.«

Ro dachte kurz nach. Beim aktuellen Verkehrsaufkommen hieße das, die Trager müsste weitere sechs Stunden bleiben – mindestens. Warum hatte Macet es plötzlich so eilig? »Hat er Ihnen einen Grund gegeben, der mehr als nur eine harmlose Zeitplanänderung vermuten lässt?«

Kiras Lächeln war schwach und voller Bedauern. »Abgesehen von seiner Ähnlichkeit mit Gul Dukat, die es nahezu unmöglich macht, ihn objektiv zu beurteilen?«

»Abgesehen davon, ja.« Ro wusste, dass Kiras saloppe Erwiderung auf festem Fundament stand. Kein Bajoraner, der die Gräuel der cardassianischen Besatzung durchlebt hatte, konnte einen kühlen Kopf bewahren, wenn er in der Gegenwart eines Mannes war, dessen Antlitz dem des verhasstesten Besatzers glich.

Doch sie wusste auch, dass es mehr zu bedenken galt – etwa Bajors Verhältnis zu Cardassia während des dortigen Wiederaufbaus. Und Bajors Beurteilung durch die Föderation, die fraglos Einfluss auf die Aufnahme als vollwertiges Mitglied haben würde. Eine Aufnahme, die nur wenige Tage entfernt war.

Kiras Sorgenfalten zeigten Ro, dass der Colonel ähnlichen Überlegungen nachging.

Ro folgte ihr aus dem Büro und die Stufen zur Ops hinunter. Dort stand Ensign Selzner neben einer Komm-Konsole und wartete ganz offensichtlich auf Kiras Anweisungen in Sachen Macet.

»Rufen Sie die Trager, Ensign«, bat Kira. Dann wandte sie sich wieder Ro zu. »Vertrauen muss irgendwo beginnen. Auch auf die Gefahr hin, es den Falschen zu schenken.«

Es war absurd, aber die Bemerkung ließ sie an ihre Verabredung mit Quark denken.

»Vielen Dank, Colonel«, sagte Macet und bemühte sich redlich um ein schmeichlerisches Lächeln. »Sie haben mein Leben gerade unermesslich leichter gemacht. Macet Ende.«

Kiras Antlitz verschwand vom Monitor auf der engen Brücke der Trager. Macets Lächeln verschwand mit ihm.

Macet drehte sich mit seinem Sessel um und sah zu dem Bajoraner, der zwei Meter weiter stand – gerade noch außerhalb des Bildwinkels der Monitorübertragung. »Es betrübt mich zutiefst, Colonel Kiras Vertrauen zu missbrauchen. Sie haben keine Ahnung, wie schwer es war, mir das bisschen Wohlwollen zu erarbeiten, das sie mir inzwischen entgegenbringt.«

»Das verstehe ich«, sagte Vedek Yevir. »Vertrauen und wahrer Glaube sind Dinge, mit denen Colonel Kira Schwierigkeiten hat.«

»Und doch bestehen Sie auf diese … Scharade.« Macet strich sich über die Bartstreifen an seinem Kinn und dachte über das nach, was Yevir von ihm erbat.

»Ich versichere Ihnen, sie ist absolut notwendig.« Auf Yevirs Zügen lag eine Leidenschaft, wie Macet sie selten zuvor gesehen hatte. »Mir gefällt diese Täuschung ebenso wenig wie Ihnen. Aber glauben Sie mir: Sollte unsere Wallfahrt misslingen, werde ich allein die Verantwortung übernehmen – sowohl meinen als auch Ihren Vorgesetzten gegenüber.«

Macet lächelte und war nun einigermaßen beruhigt. Er ist nur einen Schritt davon entfernt, Kai zu sein. Er hat mehr Freunde und Einfluss in der Vedek-Versammlung als jeder andere. Abgesehen von Premierminister Shakaar gibt es niemanden, dem er zur Rechenschaft verpflichtet ist. »Einverstanden«, sagte er dann. »Aber es gilt, Dinge zu beachten, die weit wichtiger als unser beider Ruf sind. Und ich bin mir noch immer nicht sicher, wie ich Ihnen überhaupt helfen kann – vom Transport einmal abgesehen.«

»Oh, Gul Macet. Mit der richtigen Unterstützung können Sie sehr viel für mich tun. Dinge, die Politiker und Diplomaten nicht tun wollen oder können. Und wenn Politiker und Diplomaten den besten Weg verfehlen, müssen wir uns unsere Hilfe eben bei anderen suchen.«

Die Frage lag derart auf der Hand, dass Macet sie nicht länger für sich behalten konnte. »Bei wem?«

»Machen Sie Ihr Schiff startklar«, erwiderte Yevir, dessen Lächeln immer seliger wurde. »Ich erkläre Ihnen alles unterwegs.«