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9 »Wenn du ihn willst, dann nimm ihn dir.« Das klang mehr nach einem Befehl als nach sonst irgendwas. Und Annwyl fühlte sich genötigt zu gehorchen. Sie lächelte über ihre eigene Dummheit. Sie wollte diesen Mann. So oder so würde nichts, was diese Hexe sagte, daran etwas ändern.
Annwyl erreichte den Fluss, wo sie und der Ritter sich immer zum Üben trafen. Sie blieb abrupt stehen und sog den Anblick der breiten Schultern und des Rückens, der sich zu den schmalen Hüften hin verjüngte, in sich auf. Er kauerte am Wasser, sein Körper straff und gespannt unter seinem Kettenhemd. Auch ohne dass er sich umdrehte, wusste sie, dass er schön war.
Er spürte ihre Gegenwart und blickte über seine Schulter. »Na hallo, hübsche Lady!« Er strich sich das dichte goldblonde Haar aus dem Gesicht und sah sie anzüglich an. Ganz offen. Versuchte nicht einmal, seine Lust zu verstecken.
»Wer zum Teufel bist du?« Angesichts der Tatsache, dass fast alle die Finstere Schlucht fürchteten, schien es hier in letzter Zeit eine ganze Menge Besucher zu geben, sie eingeschlossen.
»Gwenvael ist mein Name. Und du bist …?«
»Dein schlimmster Feind, solange du mir nicht sagst, was du hier zu suchen hast, Ritter.«
Sie warf einen Blick auf seinen Waffenrock und bemerkte, dass dieser dieselbe Farbe hatte und dasselbe Wappen trug wie der ihres Ritters. Anscheinend noch ein Söldner.
Gwenvael richtete sich zu voller Größe auf, und Annwyl hielt ihr Schwert fester, bereit, es zu ziehen, wenn nötig. Er war riesig. Und sie hatte keinen Zweifel, dass ihr Ritter und dieser Mann Brüder waren.
»Ich bin hier, um den Drachen zu sehen.«
Ihre Augen wurden schmal. »Warum?«
»Sieh an, wir sind wehrhaft!«
»Ja. Das sind wir. Und jetzt beantworte meine Frage!«
»Ich habe eine Nachricht für ihn. Von der Familie.«
»Ach ja? Dann gib sie mir. Ich sorge dafür, dass er sie bekommt.« Sie streckte die Hand aus.
Der Ritter lächelte. »Um genau zu sein, ist die Nachricht in meinem Kopf, meine Süße.« Er nahm ihre Hand und hob sie an seine Lippen. Annwyl sah zu, wie er sanft ihre Fingerspitzen küsste, während er ihr unverwandt in die Augen sah. Sie ließ es ihn beenden, dann kniff sie seine Nase zwischen Daumen und Zeigefinger ein. Sie drehte, bis er vor Schmerzen aufschrie.
»Nicht anfassen! Ich mag es nicht, wenn man mich anfasst!«
»Das habe ich gemerkt.«
»Sag, dass es dir leidtut, oder ich reiße sie dir ab!«
»Tut mir leid! Tut mir leid!«
Sie ließ ihn los. Er rieb sich die Nase und zog einen Schmollmund. Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. So niedlich. Und so charmant. Natürlich hätte sie ihm trotzdem nicht einmal ihr totes Pferd anvertraut.
Seine Schwester hatte etwas vor. Das spürte er. Er kannte sie jetzt seit über zweihundert Jahren, und sie ärgerte ihn schon ihr ganzes Leben lang sinn- und pausenlos. Aber jetzt erzählte sie ihm gar nichts. Sie war immer noch zu wütend über die Entdeckung seines Doppellebens.
Doch sie konnte niemals so wütend auf ihn sein wie er selbst es war. Der gestrige Tag hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Er hatte nicht die Absicht gehabt, Annwyl anzurühren, ganz zu schweigen davon, sie zu küssen. Er hatte sich sogar zum Gehen gewandt. Aber wieder einmal konnte er nicht anders. Und als sie seinen Kuss erwiderte …
Doch heute würde alles anders sein. Heute würde er seinen menschlichen Körper unter Kontrolle halten. Heute würde er sie nicht berühren. Er würde sie nicht einmal ansehen. Heute würde er sich der Tatsache stellen, dass sie ein Mensch und er ein Drache war.
Fearghus seufzte. Wann war eigentlich alles so schwierig geworden? Als du sie unbedingt retten musstest, du Idiot. Inzwischen war ihm klar, dass er niemals hätte nach draußen gehen und helfen sollen. Er hätte die Menschen ihren Krieg allein ausfechten lassen sollen, wie sie es seit Jahrhunderten taten. Seit er sich eingemischt hatte, wurde alles schwierig. Kompliziert. Jetzt wohnten seine Schwester und ein Menschenmädchen bei ihm. Wer würde als Nächstes erscheinen, um ihn in den Wahnsinn zu treiben?
Als er auf die beiden stieß, bemerkte er – zu spät –, dass er daran nicht hätte denken sollen. Sie saßen am Fluss. Sein unverkennbarer Charme tropfte ihm aus allen Poren, während sie laut über irgendetwas lachte, das er gerade gesagt hatte. Sie sah fast aus, als würde sie flirten.
Brutale Eifersucht stieg in ihm auf und erstickte ihn beinahe. Er würde den kleinen Bastard erwürgen! Ihn ohne den Rest seines Schwanzes zurück zu ihrer Mutter schicken.
Er trat zwischen den Bäumen hervor, und Gwenvael sah zu ihm auf. »Oh! Sei gegrüßt, großer Bruder!«
Er knirschte mit den Zähnen. Hatte der kleine Bastard ihr alles erzählt? Anders als der Rest ihrer Sippe glaubte Gwenvael nicht an Diskretion. Man brauchte nicht lange, um herauszufinden, dass man, wenn man Gwenvael eine direkte Frage über Drachen oder auch alles andere stellte, eine direkte Antwort von ihm bekam.
»Ich bin hier, um den Drachen zu sehen.« Er zwinkerte Fearghus zu. Und Fearghus konnte kaum das beinahe überwältigende Bedürfnis unterdrücken, dem Jungen den Kopf abzureißen und ihn auf direktem Weg aus seiner Schlucht zu kicken.
»Ach ja?«, presste Fearghus zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
»O ja! Wichtige Familienangelegenheiten führen mich hierher.«
»Tja, warum gehst du dann nicht Morfyd suchen? Ich bin sicher, sie ist in der Höhle. Sie kann dir helfen.«
»Wirklich? Meinst du?« Der kleine Bastard hatte vor diebischer Freude fast Schaum vor dem Mund. Er hatte Fearghus genau da, wo er ihn haben wollte, und das wussten sie beide.
»Da bin ich mir sicher.«
»Also gut. Dann gehe ich wohl besser und suche sie.«
Gwenvaels Grinsen blendete ihn praktisch. Doch als der Bastard Annwyls Hand in seine nahm und sie küsste, wurde Fearghus klar, dass er diesen wertlosen kleinen Streuner definitiv umbringen musste.
»Ich dachte, wir hätten das geklärt, Ritter«, schalt sie ihn lächelnd.
»Das haben wir. Aber ich konnte nicht anders, Mylady.«
Gwenvael stand auf und ging auf Fearghus zu. »Wir sehen uns später, Bruder.«
Die beiden Brüder starrten sich an, bis Gwenvael außer Sicht war.
Fearghus wandte sich zurück zu Annwyl, die inzwischen aufgestanden war und sich den Schmutz von ihrer Hinterseite strich. »Du hast nie erwähnt, dass du einen Bruder hast. Ihr zwei seht euch sehr ähnlich.«
»Was hast du mit ihm gemacht?«
Sie sah überrascht auf und verstand fast sofort, was er sagen wollte. »Alles, was ich will.«
Er funkelte sie böse an. Sie funkelte böse zurück. Er trat auf sie zu, schob die Hände unter ihre Arme, hob sie hoch und drückte sie mit dem Rücken gegen einen Baum. Er konnte den Geruch seines Bruders noch an ihr riechen, und er wollte, dass dieser Geruch verschwand. Wenn sie nach einem männlichen Wesen roch, dann nach ihm und sonst niemandem.
»Du musst dich von ihm fernhalten.«
»Versuch nicht, mir zu sagen, was ich tun soll! Ich gehorche keinem Mann!«
Er hob sie noch höher, bis sie auf Augenhöhe waren. »Du wirst tun, was ich dir sage!«
Der Ausdruck auf ihrem Gesicht. Der Duft des Verlangens, der auf seine Sinne einprasselte. Die Fülle ihrer Lippen. Nichts davon bewegte ihn. Es war das, was sie als Nächstes sagte, was den größten Schaden anrichtete.
»Zwing mich doch!«
Das konnte nicht das sein, was Morfyd meinte. Sie musste etwas anderes gemeint haben. Etwas weniger … Gefährliches. Oder zumindest etwas weniger Dummes.
Aber Annwyl forderte ihn heraus. Nicht mit einem Schwert oder Knüppel. Damit konnte sie umgehen. Sie forderte ihn heraus. War sie verrückt geworden? War sie schließlich so verrückt geworden wie ihr Bruder?
Sie starrte in diese schönen dunklen Augen, von denen eines fast ganz von der üblichen widerspenstigen Haarsträhne verdeckt war, und ihr wurde klar, dass sie womöglich ausnahmsweise einmal einer Situation nicht gewachsen war. Nicht einmal ihre Füße standen auf festem Boden. Er hob sie hoch, als wöge sie nicht mehr als ein Kleinkind. Und, was noch schlimmer war: Sie kannte immer noch nicht den Namen dieses Mannes.
Bei allen Göttern, Frau! Was hast du getan?
Aber jetzt würde sie nicht kneifen. Sie musste an ihren Stolz denken. Zumindest sagte sie sich das immer wieder.
Er beugte sich zu ihr vor. Sein Mund streifte ihre Wange. Sein heißer Atem kitzelte sie im Ohr.
»Eine Kampfansage? Frau, willst du mich umbringen?«
Annwyl runzelte verwirrt die Stirn. Was meinte er? »Meinst du den Drachen? Er würde dir nichts tun.«
Er fuhr mit der Zunge an ihrem Kiefer entlang. »Du glaubst, du beherrschst den Drachen, stimmt’s?«
Annwyl musste sich zwingen, sich zu konzentrieren. Seine Zunge auf ihrer Haut ließ sie nach mehr lechzen. Mehr von seinen Berührungen. Mehr von ihm. »Ich kann ihn nicht kontrollieren.« Annwyl unterdrückte ein Stöhnen, als er sie gegen den Baum drückte. Sein Körper, hart und fest gegen ihren gepresst, war jetzt das Einzige, was sie über dem Boden hielt.
»Warum glaubst du dann …« – er küsste ihr Schlüsselbein – »dass du ihn davon abhalten kannst …« – er küsste ihren Hals – »mir etwas anzutun?« Er knabberte an ihrem Ohrläppchen.
»Er mag eine Bestie sein, Ritter, aber eine ehrbare. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen, eher als jedem menschlichen Wesen.«
Seine Hände hielten inne. Sein Körper hörte auf, sich zu bewegen. Seine Lippen ruhten sanft an ihrem Ohr. Hatte sie ihn beleidigt? Sie wollte nicht, dass er aufhörte, aber sie würde ihn auch niemals bitten. Also wartete sie.
»Dir bedeutet ein Drache etwas?«
»Ja, dieser Drache bedeutet mir etwas, Ritter. Er ist mein Freund.«
»Und ich?«
»Du? Ich habe keine Ahnung. Aber ich würde uns nicht direkt Freunde nennen.«
Er ließ sie los und ließ sie zu Boden fallen wie einen Sack Kartoffeln. »Warum bist du dann jetzt mit mir hier, Annwyl?«
»Ich habe nicht gesagt, dass ich dich nicht will. Ich habe nur gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob du mir etwas bedeutest.«
Er trat zurück und sah sie lange an. »Ehrliches Mädchen«, brachte er schließlich heraus.
»Man kann meine Familie vieles nennen, Ritter, aber nicht Lügner.«
»In Ordnung.«
Annwyl mühte sich ab, den verwirrenden Mann zu verstehen. Sie spürte, er wollte etwas von ihr, aber sie hatte keine Ahnung, was. Und ihre Frustration war zu groß, um es herausfinden zu wollen. Mit einem schweren Seufzen schob sie sich an ihm vorbei.
»Wir sind noch nicht fertig.«
Sie hielt mitten im Schritt inne, verärgert über seinen Tonfall. Verärgert über ihn. »Nicht?« Sie wandte sich ihm zu, die Arme vor der Brust verschränkt.
»Nein. Ich warte immer noch.« Er kam auf sie zu, und sie fühlte sich wie ein gejagtes Reh im Wald.
»Du wartest? Worauf?«
»Auf dein Versprechen.« Er trat vor sie, und das wenige Licht, das die beiden Sonnen in die stark bewaldete Schlucht des Drachen warfen, wurde durch den riesigen Körper des Mannes abgeschirmt. Sie stand jetzt im Schatten.
»Versprechen?«
»Dein Versprechen, dich von Gwenvael fernzuhalten.«
Jetzt war sie wirklich verärgert. Gwenvael scherte sie nicht im Geringsten. Das war ein mutwilliger kleiner Wichtigtuer. Aber sie verstand auch, wie Geschwister sich gegenseitig in den Wahnsinn treiben konnten. »Ich habe nicht vor, solch ein Versprechen abzugeben.« Sie sah, wie sich sein Kiefer anspannte und hatte das plötzliche Bedürfnis, niederträchtig zu sein. Sehr niederträchtig. »Um ehrlich zu sein, geht mir der Mann nicht mehr aus dem Kopf. Sag mir«, sie legte den Kopf schief, während sie hinauf in das dunkle, schöne Gesicht des Ritters sah: »Hat er schon eine Frau?«
»Du stellst mich auf die Probe, Weib.«
»Und du drängst mich. Ich rate dir dringend, das nicht zu tun.«
»Sonst … was?«
Sie schenkte ihm dasselbe Lächeln, das sie feindlichen Soldaten im Kampf schenkte. Sie übte es nicht, aber sie wusste, was es bewirkte. Männer erbleichten bei diesem Ausdruck. Die meisten rannten davon. Alle starben. Ihr Ritter zuckte nicht einmal mit der Wimper.
»Sonst mache ich deinen Bruder zu einem sehr glücklichen Mann. Er scheint mir mehr als bereit dazu.«
Mit einem wilden Knurren schnappte er ihre Arme und hielt sie hinter ihrem Rücken fest. Er zog sie an sich, und sie spürte die intensive Hitze seines Körpers. Die Wut. Und die Lust. »Du spielst ein gefährliches Spiel, Lady Annwyl.«
Sie hätte zurückweichen können. Vermutlich hätte sie es tun sollen, doch Annwyl war schon immer waghalsig gewesen. Tollkühn. Und dieser Mann … dieser Mann weckte etwas Niederes und Wildes in ihr. Etwas, das sie nicht kontrollieren konnte.
»Nur ein Mann hat mich je beherrscht. Jetzt verrotten seine Gebeine in der Erde. Und seit seinem Tod gehorche ich keinem Mann. Und besonders nicht dir.«
Der Ritter stöhnte schmerzlich auf, bevor er seine Lippen auf ihre presste. Und für Annwyl gab es kein Zurück mehr.
Fearghus wollte stärker sein. Er wollte ihr ihr Schwert reichen und mit dem täglichen Training beginnen. Stattdessen riss er ihr die Schwerter vom Rücken und warf sie auf den Boden der Schlucht.
Annwyl die Blutrünstige war noch gefährlicher als allgemein bekannt war. Sie nahm keine Gefangenen – ob im Krieg oder in der Liebe. Ihre Reaktion auf seinen Kuss war ebenso verzweifelt und fordernd, wie er sich fühlte. Doch er musste sich ermahnen, dass sie noch Jungfrau war. So sehr er sich einen Felsblock suchen und sie darüberlegen wollte – er konnte nicht. Er wollte nicht, dass ihre erste Erfahrung eine schmerzliche Erinnerung würde, die sie in Zukunft zusammenzucken ließ.
Er kämpfte um Beherrschung, zog sich von ihr zurück und ließ sie keuchend und verärgert zurück.
»Zieh deine Kleider aus«, befahl er, während er zurücktrat. Sie runzelte verwirrt die Stirn. »Ich reiße sie dir vom Leib, wenn ich es selbst mache. Zieh sie aus.«
Annwyl starrte ihn an, ihr ganzer Körper angespannt. Einen Augenblick lang dachte er, sie könnte ihre Meinung geändert haben. Ihr Blick zuckte zu dem Weg hinüber, der zurück in die Höhle führte. Doch dann zog sie sich das Hemd über den Kopf. Gefolgt von den Binden. Sie ließ die Hose über ihre Hüften und langen Beine gleiten und als Häufchen zu ihren Füßen liegen. Zusammen mit ihren Stiefeln kickte sie sie zur Seite. Vollkommen nackt stand sie vor ihm. Er studierte jeden Zentimeter ihres Körpers. Jede Narbe. Jede Sommersprosse. Sie war so schön. Und sein.
»Du starrst mich an, Ritter.«
»Ja, das tue ich. Du bist schön.«
Plötzlich erschien sie hilflos und schüchtern. Ihr Blick wich Richtung Boden aus, und sie sah aus, als könnte sie jeden Moment weglaufen.
»Hat dir das noch nie jemand gesagt?«
»Doch. Normalerweise, wenn sie etwas von meinem Bruder oder mir wollten. Sie haben es nie ernst gemeint.«
Und plötzlich sah er die Frau hinter der Kriegerin. Eine Frau, die unter bösen Männern aufgewachsen war, es aber trotzdem irgendwie geschafft hatte, sich ihre Seele zu bewahren. Eine Frau, die für die Freiheit von Menschen kämpfte, die sie nicht kannte, und die jeden Tag ihr Leben riskierte, um sie gegen ihre eigene Sippe zu verteidigen. Eine Frau, die mühelos einen Drachen ihren Freund nannte. Und ob sie es wusste oder nicht: Sie gehörte ihm. Seine Frau. Seine Kriegerin. Sein Leben. Er würde alles tun, um sie zu beschützen. Alles, um sie zu behalten.
Er streckte die Hand aus und schob ihr das lange Haar von der Schulter. Sanft fuhr er mit dem Finger ihren Oberkörper entlang, über ihre Brust, und umkreiste den Nippel. Er sah, wie er hart wurde unter seiner Berührung. Hörte, wie ihr Atem schwer und schnell wurde. Sie roch nach Verlangen und dem Wald. Und bald würde sie nach ihm riechen.
Sein Arm schlang sich um ihre Taille, und er zog sie unsanft an sich. Sein Mund nahm ihren gefangen, während seine Hände über ihren Rücken und ihren Hintern wanderten. Ihre starken Hände griffen in sein Haar. Ihre Zunge kostete seine.
Er trennte sich nur so lange von ihr, um sich seine eigenen Kleider und Waffen vom Leib zu reißen, dann hielt er sie wieder in seinen Armen. Fearghus knabberte an der weichen Haut an ihrem Hals und hörte sie knurren. Der Laut ging ihm durch und durch und stellte seine Herrschaft über seinen eigenen Körper auf die Probe. Er senkte sie sanft ins Gras der Schlucht und legte sich neben sie.
Annwyl liebte es, wie sich sein Körper anfühlte. Seine Hüften passten sich sanft ihren an. Seine Hände waren rau und so groß, dass sie ihre vollen Brüste umfassen konnten. Seine Haut war fest und glatt. Ihre Finger genossen es, über seinen Körper zu gleiten, durch sein langes, dichtes Haar.
Als er langsam seine Zunge über ihre Brust nach unten wandern ließ, fürchtete sie, aus der Haut fahren zu müssen. Doch seine Hände hielten sie fest, erdeten sie, während sie über ihren Rücken glitten, bis sie ihren Hintern umschlossen. Seine Zunge glitt zwischen ihre Schenkel, und ihr Körper bäumte sich auf. Doch als seine Zähne über sie raspelten, entrang sich ihrer Kehle ein wildes Stöhnen.
Annwyl hatte immer geglaubt, dagegen gefeit zu sein. Dieses Verlangen würde sie nie in die Falle locken, so wie die wenigen Frauen, die sie im Lauf der Jahre kennengelernt hatte. Doch jetzt wurde ihr klar, dass ihr Körper sich in ein betrügerisches Wesen verwandelt hatte. Im Kampf reagierte er auf jeden ihrer Befehle. Tat Dinge, die sie nie für möglich gehalten hatte. Besaß eine Kraft, von der sie selbst nichts gewusst hatte.
Aber jetzt ignorierte ihr Körper sie vollkommen. Er reagierte auf etwas ganz anderes. Und bis er bekam, was er brauchte, würde er auf nichts reagieren, was sie dachte oder wollte. Er würde nur seinem Verlangen folgen. Seinen Bedürfnissen. Und im Augenblick bedeutete das, dass ihr Körper nur auf den Mann über ihr reagieren würde.
Er liebte ihren Geschmack. Ihren Duft. Alles an ihr machte ihn lebendig. Machte ihn menschlicher als er es je zuvor gewesen war. Sie keuchte; ihr Körper war angespannt und wand sich, fürchtete sich vor diesem neuen Gefühl. Diese neuen Empfindungen, die sie nie zuvor gehabt hatte. Aber als sie ihren Griff in seinen Haaren verstärkte und die Strähnen um ihre Finger wand, wurde ihm bewusst, wie sehr er sie brauchte. Wie viel er zu riskieren bereit war, um diese Zeit mit ihr zu teilen.
Er ließ seine Zunge langsam zwischen ihren Schenkeln kreisen, während er einen Finger in sie gleiten ließ. Ihr ganzer Körper bäumte sich auf, und er lächelte, als er sie immer weiter leckte, während er sie langsam mit seiner Hand streichelte. Sie stöhnte laut, und er fragte sich, wie viel er davon noch aushalten konnte, bevor er in ihr sein durfte. Doch ihr Körper bäumte sich noch einmal auf, und die Muskeln ihres Geschlechts zogen sich um seinen Finger zusammen. Sie schnappte hörbar nach Luft und griff fester in sein Haar, als sie kam und ihre Säfte an ihren Schenkeln hinabrannen.
Er leckte sie sauber, als die Krämpfe vorübergingen und bewegte sich langsam an ihrem Körper nach oben, wobei er unterwegs jede Narbe küsste und leckte.
Seine Lippen erreichten ihren Mund, und er keuchte überrascht, als er feststellte, wie hungrig sie nach ihm war. Fearghus hatte sie nicht gesättigt, sondern sie vielmehr dazu gebracht, noch mehr zu wollen. Ihre Leidenschaft verstärkte seine.
Er legte sich zwischen ihre Schenkel, seine Männlichkeit drückte gegen sie. Sie japste in sein Ohr, ihr Körper bewegte sich unter seinem, bereitete sich für ihn vor, ihre Beine öffneten sich weiter. Fearghus küsste sie am Hals entlang und hinauf zu ihrem Ohrläppchen. Er leckte das empfindliche Stück Haut, dann biss er hinein.
Sie schrie überrascht auf, und in diesem Moment stieß er zu, durchbrach ihre Jungfernhaut und füllte sie vollkommen aus, vergrub sich tief in ihr.
Sie schlang die Arme um ihn, und Fearghus wartete, bis sie sich an seine Größe gewöhnt hatte, bis es angenehm für sie war, ihn in sich zu haben. Innerhalb von Sekunden begann sie, ihn am Hals und Kiefer entlangzuküssen. Er küsste sie wieder. Und während er langsam ihren Mund erkundete, begann er, in sie zu stoßen. Er genoss es, wie sie sich anfühlte, wie ihr Körper sich unter seinem bewegte. Er wollte ihr nicht wehtun, deshalb ließ er sich Zeit, hielt seine eigene Befriedigung zurück, damit sie zuerst kommen konnte.
Dann hörte er sie etwas an seiner Kehle murmeln. »Was?«, fragte er sanft und zuckte bei ihrer Antwort verblüfft zusammen.
»Fester.«
Sie konnte nicht fassen, dass sie das Wort einmal gesagt hatte, ganz zu schweigen von zweimal. Doch sie war immer eine Frau gewesen, die wusste, was sie wollte. Und sie wollte, dass er sich heftiger in ihr bewegte. Sie wusste es zu schätzen, dass er sich Zeit ließ, behutsam war, doch sie war über den schwersten Teil hinweg. Er hatte gekonnt ihre Jungfernhaut durchbrochen, und jetzt wollte sie weitermachen.
Er zögerte. »Hast du gerade ›fester‹ gesagt?«
»Ja.« Sie wand sich. »Das war wohl unhöflich.« Ein Vorwurf, den man ihr mehr als einmal hingeschleudert hatte.
Er leckte die Kuhle an ihrem Hals. »Überhaupt nicht.«
Er stieß in sie, und Annwyl spürte, wie jeder einzelne Nerv in ihrem Körper zum Leben erwachte. Er zog sich zurück und stieß noch einmal zu. Sie schloss die Augen und ließ sich von ihrer Lust überspülen.
Während er sich in ihr bewegte, ließ sie ihre Hände seinen Rücken hinabgleiten. Als die Hitze von ihren Lenden ihr Rückgrat hinaufströmte, grub sie ihre Fingernägel in seinen Rücken, während ihr ganzer Körper sich anspannte und ihr der Atem stockte. Als das erste Zucken sie durchfuhr, rissen ihre Nägel über seine Haut, und sie schrie auf, während ihr Körper sich gegen seinen aufbäumte.
Er stieß noch einmal in sie; sein ganzer Körper bebte, als er in ihr kam.
Annwyl lehnte ihre Stirn an seinen Hals. Sie schloss die Augen und lauschte seinem Atem. Sein Herz schlug gegen ihre Brust, während sein warmer Körper sie umschloss. Ehe sie es sich versah, war Annwyl eingeschlafen.
Er spürte Annwyls gleichmäßigen Atem auf seiner erhitzten Haut, als sie an ihn gelehnt einschlief. Er lächelte, während er sich mit ihr zusammen ins Gras sinken ließ. Er strich ihr das lange Haar aus dem Gesicht und sah auf sie hinab. Kein Stirnrunzeln. Keine Sorgen. Es sah aus, als schliefe sie traumlos.
Er wiegte sie in den Armen und küsste ihre schweißbedeckte Stirn. Dann schloss er die Augen. Wenn sie aufwachten, würde er ihr die Wahrheit sagen. Die ganze Wahrheit.
Ob diese verrückte kleine Kriegsherrin sie hören wollte oder nicht.