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7 Annwyl knallte auf den Boden. Schon wieder. Sie musste zugeben, langsam hatte sie genug davon, die Welt liegend von unten zu sehen.

Sie verzog das Gesicht, als der Schmerz ihr durch den Kopf schoss. Der Ritter hatte sie mit der Rückseite seiner Hand getroffen; das Schwert, das er hielt, verstärkte den Schlag noch.

»Ich glaube, du hast mir die Nase gebrochen!«

»Möglich.« Er stand über ihr und starrte ihr ins Gesicht. Plötzlich verfluchte sie sich im Stillen dafür, dass sie für ihr Training ihr Hemd ausgezogen hatte, denn die felsige Erde grub sich ihr in den blanken Rücken, wo die Binden ihn nicht bedeckten. »Nein. Ich habe sie nur ein bisschen ausgerenkt.«

Annwyl wollte aufstehen, doch er drückte sie wieder nach unten. »Beruhige dich.« Er warf sein Schwert beiseite und setzte sich rittlings auf ihre Hüften. Sie sah ihn aus schmalen Augenschlitzen an, als er sich mit der unteren Hälfte seines Körpers auf ihre setzte.

Er beugte sich vor und nahm ihre Nase zwischen seine großen Hände. »Das könnte jetzt ein bisschen wehtun.«

Mit einem »Plopp« renkte er ihre Nase wieder ein.

»Au!« Sie schlug ihn auf die Schulter.

»Sei kein Baby«, mahnte er sie mit einem Lächeln. »Also, wenn ich schon mal hier unten bin: Hast du noch andere Schmerzen oder Beschwerden, bei denen ich dir helfen kann?«

Annwyl wollte, dass er von ihr herunterging, da sie nicht wollte, dass er von ihr herunterging. Sie wollte, dass er seine Hände über ihren Körper gleiten ließ. Sie wollte, dass er sie küsste. Sie wollte diesen Mann in sich spüren. Und der Gedanke daran jagte ihr ziemliche Angst ein.

»Geh runter von mir!«

»Du kennst das Zauberwort.«

Annwyl verdrehte die Augen. »Bitte«, presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Der Mann stellte das bisschen Geduld, das sie besaß, permanent auf die Probe.

»Na, na! Das kannst du doch besser. Ein bisschen netter bitte. Vielleicht könntest du es auch ernst meinen.«

»Ach, komm schon!«

»Es sei denn …«

»Es sei denn?«

»Es sei denn, du willst gar nicht, dass ich gehe.« Er lehnte sich zu ihr herab. »Es sei denn, du willst, dass ich genau hier bleibe.«

Bastard, anscheinend konnte er ihre Gedanken lesen. Allein, ihn auf sich zu haben, brachte ihr Blut in Wallung. Und sie spürte ein höchst merkwürdiges Pochen zwischen ihren Schenkeln. Nicht unangenehm, aber eindeutig beunruhigend.

»Also?«, setzte er nach.

Doch sie konnte ihm nicht antworten. Sie konnte nicht sprechen. Wenn sie es doch täte, fürchtete sie sich davor, was aus ihrem Mund kommen mochte. Stattdessen starrte sie in diese schwarzen Augen und fragte sich, ob sein Schweiß salzig auf ihrer Zunge schmecken würde.

Er ließ mehr von seinem Gewicht auf ihre Hüften sinken, und sie biss die Zähne zusammen, um nicht laut aufzustöhnen. »Antworte mir, Annwyl.«

Sie schluckte und brachte sich irgendwie unter Kontrolle. Verdammt, sie war eine Kriegerin! Die Anführerin eines der härtesten Aufstände der Geschichte, und doch ließ sie zu, dass irgendein Ritter sie vollkommen verwirrte.

»Nimm deinen Hintern von mir … bitte.«

Er starrte sie verblüfft an, dann warf er den Kopf zurück und lachte. Er sprang auf, griff sie am Arm und zog sie zu sich hoch. »Du amüsierst mich wirklich immer wieder.«

»Es freut mich, dass ich so unterhaltsam bin.« Sie hob rasch ihr Hemd auf, das am Flusslauf lag, und zog es sich über den Kopf. Sie brauchte etwas, um die harten Spitzen ihrer Nippel zu verstecken. Die Stoffstreifen waren dabei keine große Hilfe. »Ich glaube, meine Nase hat für heute genug durchgemacht. Abgesehen davon wird es langsam spät. Ich muss gehen.«

Er hielt sie am Handgelenk fest. »Bist du sicher?«

»Ich habe es doch gesagt, oder?«

»Das habe ich nicht gefragt.«

»Ich habe keine Zeit für so was.« Sie fand es schrecklich, wie verzweifelt sie klang, wie ihr ganzer Körper auf seine Berührung reagierte. Wie er danach schrie, er möge jeden Zentimeter ihrer Haut erkunden.

»Geh nicht.« Seine Stimme war sanft. Lockend.

»Einer von uns muss gehen.«

Er lächelte sie an. »Warum?«

Ihr Blick wanderte die ganze Länge seiner Gestalt entlang, nahm die Breite seiner Schultern wahr, die Muskeln, die sich unter seinem Kettenhemd wölbten. »Vertrau mir.«

Er kam näher. Er hielt immer noch ihren Arm fest, doch seine Finger begannen, sich über ihre Haut zu bewegen. Wanderten ihren Arm hinauf. Ihre Brüste wurden fest, ihre Nippel schmerzhaft hart. Ihr Atem ging schneller. Sie wollte diesen Mann. Bei den Göttern, und wie sie ihn wollte! Mehr als alles zuvor ihn ihrem Leben. Und er wusste es. Sie erkannte es an der Art, wie er sie ansah. Die Art, wie er näher kam und sein Körper beinahe ihren berührte.

»Ich muss wirklich gehen.«

Er senkte den Kopf, den Blick auf ihre Lippen gerichtet. »Wirklich? Bist du sicher?«

Sie sah zu, wie seine Lippen näher kamen, um sich mit ihren zu treffen.

 

Er hatte eindeutig den Verstand verloren. Und er machte das Mädchen dafür verantwortlich. Anfangs hatte er nicht vorgehabt, irgendetwas anderes zu tun als sie auszubilden. Doch so wie diese grünen Augen zu ihm hinaufstarrten und dieser Körper danach schrie, genommen zu werden – mal ehrlich, was sollte ein armer Drache da tun?

Sie küssen natürlich. Zumindest war das der Plan, als er seinen Kopf senkte, um sie zu kosten, aber er fühlte einen harten Klaps, als eine Hand sein Gesicht traf.

»Moment mal!« Annwyl machte sich von ihm los, indem sie sein Gesicht mit der Hand wegschob.

Überrascht wich er zurück.

»Was genau glaubst du eigentlich, was du da tust?« Sie strahlte Wut aus, allerdings nicht ihre übliche Wut. Es schien etwas ganz anderes zu sein.

»Wie bitte?«

»Du hast mich genau verstanden.« Sie schubste ihn an den Schultern von sich. »Was glaubst du …« Schubs. »Was du da …« Schubs. »Tust?« Stoß.

Er knallte mit dem Rücken gegen einen Baum und knirschte mit den Zähnen. Ließ er sich hier ernsthaft von einem Menschen in seiner eigenen Schlucht herumschubsen? Während er ihr zusah, wie sie unter ihrem Hemd ihre Brustbinden ordnete, um sicherzustellen, dass ihre Brüste nicht herausrutschten, wurde ihm bewusst, dass die Antwort »Ja« war. Ja, er ließ sich von einem Menschen herumschubsen. Aber nicht von irgendeinem Menschen. Von Annwyl.

»Ich bin nicht irgendeine Hure, die du einfach schnappen und nehmen kannst, wie es dir einfällt!«

Er holte tief Luft. »Ich weiß.«

Annwyl blinzelte, überrascht von seiner Antwort. »Ähm … also … dann sind wir uns ja einig.«

Er lächelte. »Das sind wir.«

»Na dann … gut. Und jetzt … geh weg.«

»Wenn es das ist, was du willst.«

»Ja. Ja. Das ist es, was ich will.« Sie machte eine abweisende Handbewegung, während sie von ihm wegging.

»Natürlich würde ein Abschiedskuss dafür sorgen, dass ich noch ein bisschen schneller gehe«, rief er ihr nach.

Annwyl blieb stehen, und bis ans Ende der Zeiten würde er schwören, dass er sie fauchen hörte.

 

Warum musste er sie unbedingt foltern? Was wollte er? Warum ging der Mann nicht einfach weg? Annwyl drehte sich ruckartig um und erwartete, ihn an den Baum gelehnt zu sehen, wo sie ihn stehen gelassen hatte. Doch er stand direkt hinter ihr. Dieser Mann bewegte sich schneller als der Blitz. Erschrocken stolperte sie rückwärts und fiel beinahe hin, doch er schlang ihr einen Arm um die Hüfte und fing sie auf. Sie spürte sengende Hitze auf ihrer Haut, wo er sie hielt, und der Atem blieb ihr in der Kehle stecken, als er sich vorbeugte und sie dabei immer noch in seinem Arm hielt.

»Geht es dir gut?« Seine tiefe Stimme glitt samtig über ihre Haut. Neckend. Ließ ihren Körper vor Verlangen nach ihm schmerzen.

»Es würde mir besser gehen, wenn du mich losließest.«

»Und mir würde es besser gehen, wenn du mich küsstest. Wie wäre es mit einem Geschäft?« Wieder fauchte sie wütend, und er grinste sie an. »Ich mag dieses Geräusch.«

»Lass mich los!«

»Küss mich!«

»Wie wäre es, wenn ich dich einfach durchbohrte?«

»Ich glaube, dafür bräuchtest du ein Schwert.«

Ihr wurde bewusst, dass sie ihr Schwert am Boden zu ihren Füßen liegen gelassen hatte. Dumm, Annwyl, dumm!

Sein Lächeln wurde weicher, während er auf ihr Gesicht herabsah. »Küss mich einfach.« Es war mehr ein Flehen als ein Befehl. Und so sehr ihr rationaler Verstand dagegen wetterte: Sie wollte ihn küssen.

Ganz leicht hob sie den Kopf, während er seinen senkte. Sie trafen sich irgendwo in der Mitte, und als seine Lippen ihre berührten, schoss Hitze durch sie hindurch wie ein Pfeil. Hitze und … Wiedererkennen? Ihre Hände griffen nach oben zu seinen Schultern, während sich ihr Mund öffnete und seine Zunge hereinglitt. Er strich mit starken, trockenen Finger über ihre bloße Haut, ließ sie mühelos unter ihre Brustbinden gleiten und berührte sanft ihre Brüste. Die Reaktion ihres Körpers war ein Aufbäumen, und Annwyl wurde klar, dass sie nur Augenblicke davon entfernt war, diesen Mann alles mit sich tun zu lassen, was er wollte. Alles.

Sie stemmte sich gegen seine Schultern, während sie ihren Körper aus seinen Armen wand. Sie machte sich frei von ihm, und sie standen einander gegenüber und starrten sich an, beide nach Luft schnappend. Ihre Nippel waren jetzt schmerzhaft hart, genauso, schätzte sie, wie die Erektion, die verzweifelt versuchte, sich durch die Kettenhose des Ritters zu schieben.

»Also, du hast es versprochen. Geh.«

»Bist du sicher?« Er machte einen Schritt auf sie zu, und sie sprang zurück.

»Das fragst du mich andauernd!« Da war wieder diese Verzweiflung in ihrer Stimme.

Der Ritter grinste. »Ich hoffe jedes Mal, dass du mir eine andere Antwort geben wirst.«

»Das werde ich nicht. Geh jetzt!«

Er nickte und holte tief Luft. »Wie ich versprochen habe.«

Er ging. Als Annwyl sicher sein konnte, dass er wirklich fort war, ging sie zurück zum Fluss und setzte sich mitten hinein, ließ das kalte Wasser an sich vorüberströmen. Nach ein paar Minuten steckte sie auch den Kopf hinein.

 

Fearghus tauchte in seinen See. Immer noch in Menschengestalt, so wie die wütende Erektion, die er im Moment hatte. Dieses Mädchen musste ihn unbedingt wahnsinnig machen! Ob sie es zugeben wollte oder nicht, ihr Körper rief nach ihm. Laut. Und was genau glaubte er eigentlich, was er da tat? Warum zur Hölle hatte er sie geküsst? Einen Menschen, rief er sich verzweifelt ins Gedächtnis. Nur einen Menschen! Eine umwerfende, großbrüstige Menschenfrau.

Er knirschte mit den Zähnen. Er wusste wirklich nicht, wie viel er noch ertragen konnte. Doch er musste dagegen ankämpfen. Er musste ihr widerstehen. Allein um seines Geisteszustandes willen.

Als Fearghus sich aus dem Wasser hochzog, hatte er wieder seine Drachengestalt angenommen. Er schüttelte das Wasser von seinem Körper und den Flügeln und setzte sich ein paar Minuten, um seinen Drang unter Kontrolle zu bekommen. Seinen Drang, wieder nach draußen zu gehen und Annwyl zu finden. Sie zu finden und zu vögeln.

»Drache!« Annwyls Stimme klang durch seine Höhle und ließ seinen ganzen Körper verkrampfen.

»Verdammt!« Er bedeckte die Augen mit seiner Klaue. Diese Frau war irgendwann noch sein Tod.

 

»Drache!«

Annwyl ging tiefer in die Höhle als sie es je zuvor getan hatte. Sie konnte Morfyd nicht finden, und sie wollte Fearghus sehen. Jetzt. »Drache!«

»Hier.« Sie hörte seine tiefe, volle Stimme und folgte ihr. Sie fand ihn ausgestreckt neben einem unterirdischen See; sein Schwanz wirbelte durch das Wasser. »Was ist los?«

»Dein Freund muss gehen.«

»Nicht schon wieder. Was hat er jetzt wieder angestellt?«

Sie kletterte auf einen Felsblock und sah dem Drachen ins Auge. »Er ist sehr … verwirrend.«

»Verwirrend? Ich wusste nicht, dass das ein Makel ist.«

»Das kann es schon sein.«

»Ich verstehe nicht, warum er dich so nervös macht und ich nicht. Ich kann dich in einen Feuerball verwandeln!«

Das kann er auch.

»Na ja, du bist sehr süß. Und charmant.«

»Man nennt mich Fearghus den Zerstörer!«

Sie tat es mit einer Handbewegung ab. »Und mich nennt man Annwyl die Blutrünstige. Das beeindruckt mich nicht.«

»Du bist ein wirklich seltsames Mädchen, Annwyl.«

»Wachs du mal in meiner Familie auf, mal sehen, was aus dir wird.« Sie ballte frustriert die Fäuste. Sie war noch nie zuvor in ihrem Leben so frustriert gewesen. Und alles wegen eines Mannes!

»Ich glaube, es wäre ein Fehler, ihn wegzuschicken. Er bereitet dich auf den Kampf gegen Lorcan vor. Irgendwann wirst du dich deinem Bruder stellen und ihn töten müssen.« Er klang, als hätte er langsam genug davon, sie immer wieder daran zu erinnern. Doch sie gab wieder dem Ritter die Schuld. Sie sollte den Drachen bitten, einen Feuerball nach ihm zu schleudern.

»Ich weiß.«

»Es sei denn, es gibt noch einen anderen Grund, warum du willst, dass ich ihn wegschicke?«

Annwyl dachte sorgfältig über ihre Antwort nach. Dem Drachen sagen, dass ihr Körper jedes Mal, wenn sie in der Nähe dieses Mannes war, nach ihm schrie? Ihm sagen, dass sie jedes Mal, wenn ihre Schwerter aufeinanderprallten, feucht vor Verlangen wurde? Dass sie sich fortwährend fragte, wie er aussehen würde, wenn er nackt auf ihr lag? Würde sie das vor dem Drachen zugeben?

»Nein.« Sie schüttelte den Kopf. »Kein anderer Grund.« Sie seufzte. »Nur …«

»Nur was?«

Warum kann er nicht mehr wie du sein? »Nichts.«

Sie sah hinab auf den See, dessen Wasser von einem wunderbaren klaren Blau war, da eine sprudelnde Quelle ihn beständig neu auffüllte. Sie deutete darauf. »Macht es dir etwas aus?«

»Äh … äh … nein.« Er drehte seinen großen Körper herum. »Soll ich gehen?«

»Warum?« Sie glitt von dem Felsblock hinunter und ging ans Wasser. »Du hast mich doch schon nackt gesehen.« Sie ließ ihr Schwert in seiner Scheide fallen. »Es sei denn, menschliche Körper stoßen dich ab?«

»Was? Nein! Tu einfach, was immer du tun musst.«

Sie zuckte die Achseln, zog sich rasch aus und tauchte in das Wasser.

 

Er verstand es jetzt. Die Götter prüften ihn. Es konnte keinen anderen Grund geben, warum diese Frau nackt und mit dem Gesicht nach oben in seinem See trieb, ohne im Geringsten auf seine Anwesenheit zu achten. Die Götter hatten einen grausamen Sinn für Humor.

»Drache?« Ihm wurde bewusst, dass sie schon eine ganze Weile mit ihm sprach. Aber er konnte nicht aufhören, ihre Brüste anzustarren. Sie waren unglaublich.

»Was?«

»Ich habe gefragt, woher du ihn kennst.«

Er riss seinen Blick von ihrer Brust los. »Wen?«

Sie runzelte die Stirn. »Störe ich dich, Drache?«

Stören war nicht das Wort, das er benutzt hätte. »Nein. Warum?«

Mit einem Achselzucken: »Ich frage mich nur. Du wirkst ein bisschen angespannt.«

Du hast ja keine Ahnung …

Sie schnappte mit beiden Händen nach seiner Schwanzspitze. Ihre Finger waren lang und stark, und er konnte sich gut vorstellen, wie diese Hände ihn zum Höhepunkt brachten.

Nein. Damit hätte ich gar nicht erst anfangen dürfen.

»Deine Schwanzspitze ist scharf wie eine Klinge und besteht auf ganzer Länge nur aus Muskeln. Benutzt du sie manchmal als Waffe?«

Er räusperte sich. Er musste sich irgendwie von ihren magischen Händen ablenken. »Ab und zu.«

»Faszinierend.«

Es war wirklich keine Hilfe, dass sie ihn dauernd berühren musste. Es war noch nie vorgekommen, dass ein Mensch ihm als Drache so nah gekommen war, geschweige denn ständig jeden Zentimeter von ihm untersucht hatte. Er grunzte. Sie versuchte wirklich, ihn zu töten.

Warum zur Hölle hatte er sich überhaupt in den Geschwisterkrieg verwickeln lassen? Er hätte einfach weiterschlafen sollen!

»Was genau stört dich an ihm?«

»Alles.« Sie sah aufs Wasser hinab. »Wie tief ist das?«

»Ich kann meinen ganzen Körper hineintauchen. Und ›alles‹ scheint mir ziemlich viel.«

»Er ist arrogant.« Sie hielt sich mit beiden Armen an seinem Schwanz fest. »Heb mich hoch!«

»Bist du verrückt? Außerdem bin ich arrogant.«

»Ja. Aber er ist nervtötend arrogant.« Sie hielt sich immer noch an seinem Schwanz fest. »Bitte«, bettelte sie mit einem Lächeln.

Mit einem theatralischen Seufzen hob Fearghus seinen Schwanz und das Mädchen mit ihm. Sie quiekte und lachte, dass ihm ganz warm ums Herz wurde.

»Und jetzt?«, fragte er, als sie da hing, gefährlich weit über dem See.

»Jetzt? Jetzt lasse ich los!« Und sie tat es. Er sah zu, wie sie zurück ins Wasser platschte und in den dunkelblauen Tiefen des Sees verschwand. Doch innerhalb von Sekunden hatte sie sich wieder an die Oberfläche gekämpft.

»Das« – ihr nasses Gesicht strahlte vor Begeisterung – »war verdammt großartig!«

Fearghus senkte seinen Kopf, um ihr in die Augen sehen zu können. »Warst du immer so … anders?«

Sie zuckte die Achseln. »Ich weiß nicht. Wahrscheinlich.« Sie küsste ihn sanft auf die Schnauze und schwamm davon.

Seine Klaue berührte die Stelle, wo sie ihn geküsst hatte. Sie hatte so weiche Lippen. Er knurrte leise, als er ihren nackten Körper durch den See schwimmen sah und fragte sich, wie es sich anfühlen würde, sich in sie zu vergraben, ihren Höhepunkt zu spüren, ihren weichen Mund auf seinem …

»Tut mir leid, Fearghus, störe ich?«

Er knirschte mit den Zähnen beim Klang der Stimme seiner Schwester und fragte sich, wie lange sie wohl schon dort stand. So wie er seine Schwester kannte, hätte er wetten können, dass es schon ziemlich lange war.

Fearghus ließ seinen Schwanz herabsausen, und sie sprang gerade noch rechtzeitig aus dem Weg. »Nein«, antwortete er unschuldig. »Du störst überhaupt nicht.«

Seine Schwester starrte ihn an, und er fürchtete, sie könnte sich genau in diesem Moment verwandeln, damit ihr Schlag genug Kraft besaß, um ihn durch die Höhle zu schleudern. Er hörte genau, wie sie tonlos »Bastard« murmelte.

»Ich muss für ein paar Stunden zurück ins Dorf. Aber sag Annwyl, dass hier etwas zu essen für sie ist.« Sie wandte sich zum Gehen.

»Wie du willst.« Er schwang träge seinen Schwanz und hörte sie fluchen, als er ihre Füße traf, sodass sie stolperte und aus der Höhle taumelte. »Entschuldige!«, rief er ihr nach.

»War das Morfyd?«

Er sah Annwyl aus dem Wasser kommen. Ihr braunes Haar reichte ihr bis zu den Knien, bedeckte ihren langen, starken Körper und glücklicherweise auch ihre Brüste.

»Hier ist etwas zu essen.«

»Gut. Ich bin am Verhungern.« Sie bückte sich und nahm ihre Kleider und ihr Schwert.

»Annwyl …«

»Ich weiß, ich weiß. Er dient einem Zweck, und ich sollte ihm einfach eine Chance geben. Richtig?«

»Eigentlich wollte ich sagen, dass du deine Kleider anziehen solltest, hier drin ist es kühl.«

»Oh.«

»Aber du solltest ihm auch eine Chance geben.«

Sie blinzelte zu ihm herauf. »Also gut, Drache.« Sie grinste. »Für dich tu ich doch alles.«

Und Fearghus’ Herz setzte mehrere Schläge aus, bevor es wieder anfing zu pumpen.

»Aber er soll mich bloß nicht noch mal belästigen.«

Fearghus verzog das Gesicht. Er konnte praktisch garantieren, dass er sich das nicht verkneifen können würde.