FŒDDR SIGURĐR
(Sigurds Geburt)
Sigmund lenkte |
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sein Land nun allein, |
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kalt seine Kammer, |
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ohne Kind, ohne Frau. |
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Er hörte in Liedern |
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vom holdesten Mädchen, |
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der schönen Sigrlinn, |
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Swáfnirs Tochter. |
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Alt war Sigmund, |
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wie die Eiche so knorrig, |
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grau war sein Bart |
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wie die Borke der Esche. |
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Blutjung und blond |
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war die blühende Sigrlinn, |
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lang hingen die Locken |
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auf gelenkige Schultern. |
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Sieben Königssöhne |
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kamen um das Mädchen: |
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Sigmund bekam sie, |
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sie segelten fort. |
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Es winkte von weitem |
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das Wölsungenland, |
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der stürmische Steilfels, |
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die stürzenden Wellen. |
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Sigmund |
»Sag mir, Sigrlinn, |
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ist’s süßer nicht, |
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statt Braut zu sein |
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blondbärtigem Prinzen, |
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den Erwählten der Welt |
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als Wölsungenfrau |
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mir zu gebären, |
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als Braut Ódins?« |
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Sigrlinn |
»Was sind das für Segel |
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auf See dort draußen? |
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Die Schilde sind rot, |
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die Schiffe unzählig.« |
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Sigmund |
»Sieben Königssöhne |
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kommen uns besuchen! |
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Grímnirs Gabe |
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wird gern sie empfangen!« |
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Hell gellten die Hörner |
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und Helme glänzten, |
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Speere stießen |
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auf Schildgegenwehr. |
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Wikingerfahnen, |
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Wölsungenbanner |
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wehten im Wind; |
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wuchtig der Ansturm. |
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Alt war Sigmund, |
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wie die Eiche so knorrig, |
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doch schwang er sein Schwert |
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so stark, dass es glühte. |
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Ihn schützte das Schicksal, |
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vom Schlachtentau |
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zu den Achseln gefärbt |
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die Arme beide. |
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Ein fremder Fechter, |
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furchtbar, einäugig, |
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stellte ihn stumm, |
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stand ihm entgegen, |
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sehr groß und grau, |
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grimmig vermummt. |
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Singen ließ Sigmund |
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sein siegreiches Schwert. |
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Den Speer erhob er, |
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da sprang entzwei |
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Grímnirs Gabe, |
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vergangen ihr Sang. |
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Mit offener Brust, |
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von Edlen umgeben, |
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liegt der Lehnsherr: |
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Im Land wird es dunkel. |
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Krieger klagten, |
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kalt sank der Mond. |
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Sigrlinn suchte ihn, |
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sie sagte traurig: |
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Sigrlinn |
»Hoffnung auf Heilung |
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hab ich für dich, |
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Letzter der Wölsungen, |
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geliebter Herr.« |
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Sigmund |
»Manch tödlich Getroffner |
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trat neu ins Leben, |
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doch heisch ich nicht Heilung. |
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Hoffnung ist müßig. |
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Ódin ruft mich |
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am Ende der Tage. |
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Hier liegt nicht verloren |
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der Letzte der Wölsungen! |
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Der Erwählte der Welt |
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wächst nun in dir, |
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der Schlangentöter, |
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der Spross Ódins. |
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Bis zum Ende der Zeit |
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werden alle ihn nennen |
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den größten der großen |
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glorreichen Helden. |
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die Stücke verwahre. |
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Grímnirs Gabe |
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glänzt alsbald neu. |
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Sehr schnell wird schon |
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im schönen Walhall |
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Sigurd sie gürten, |
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begrüßt er einst Ódin.« |
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Das Leben verließ ihn |
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im Licht des Morgens. |
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Traurig blieb bei ihm |
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die treue Sigrlinn. |
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Scharen von Schiffen |
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erschienen von Norden, |
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stracks an den Strand |
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sprangen die Krieger. |
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Sigmunds Frau |
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fuhr voller Trauer |
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als mindere Magd |
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übers Meer davon. |
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Wild blies der Wind, |
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die Wellen tanzten, |
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von weitem winkt’ ihr |
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das Wölsungenland. |
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Winde wimmerten, |
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Wellen heulten, |
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als Sigrlinn in Sorgen |
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einen Sohn gebar. |
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Wie eine Sonne |
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kam Sigurd golden |
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in ferner Fremde |
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fehllos zur Welt. |
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Frau |
»Tief gefallene Frau, |
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gefangen im Krieg, |
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wer war dein Mann, |
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bis die Macht ihm schwand? |
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Wer war der Vater |
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solch feinen Sohns? |
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Grauer Stahl gleißt ihm |
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in glitzernden Augen.« |
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Sigrlinn |
»Gezeugt hat Sigurd |
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Sigmund der Wölsung; |
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Ódins Spross |
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wird einst er heißen.« |
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Frau |
»Vornehm gepflegt werde |
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solchen Vaters Sohn, |
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die Mutter vermählt |
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einem mächtigen König.« |
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