ANDVARA-GULL
(Andwaris Gold)
Hier wird eingangs erzählt, wie Ódin und seine Gefährten im Haus des Dämons Hreidmar und seiner Söhne gefangen wurden. Diese wohnten damals in der Gestalt von Menschen oder Tieren in der Welt.
ging Ódin einher |
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an weitem Gewässer, |
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an der Welt Anfang. |
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Links von ihm lief |
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Loki flinkfüßig, |
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rechts von ihm rüstig |
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der ruhige Hönir. |
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Am Wasserfall Andwaris |
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wimmelten Fische, |
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schwammen und schlugen |
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in schäumenden Becken. |
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Aus hinterster Höhle |
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als Hecht kam der Zwerg, |
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Andwari war |
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aus auf die Beute. |
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Hungrig jagte dort |
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Hreidmars Sohn, |
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nach leckeren Lachsen |
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gelüstet’ es ihn. |
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In Ottergestalt aß |
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Otr versonnen |
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am Ufer sitzend, |
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die Augen geschlossen. |
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Tückisch traf ihn |
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mit tödlichem Stein |
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Loki und löste |
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den Lauf des Unheils. |
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Sie zogen das Fell ab, |
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fuhren dann weiter |
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zu Hreidmars Haus, |
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um Herberge bitten. |
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Dort schmiedete Regin |
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über rötlicher Glut |
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mit Runen geritztes |
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berückendes Eisen. |
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Glänzend von Goldwerk, |
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von grauem Silber |
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lag dort Fáfnir |
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am Feuer und träumte. |
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Hreidmar |
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Krieger von Ásgard? |
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Mit bindenden Runen |
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hat sie Regin geschmiedet. |
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Nun müssen Ringe, |
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muss rotes Gold |
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dies Fell zum Freikauf |
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füllen und decken!« |
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über Land und Wellen |
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Loki zu Rán, |
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in ihr Reich des Meeres. |
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Seinen Wunsch gewährte |
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das Weib Ägirs: |
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ihr kalten Herzens |
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geknüpftes Netz. |
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Loki |
»Welch flinken Fisch |
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fing ich mir hier? |
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Kauf dir den Kopf los |
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vom kläglichen Tod!« |
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Andwari |
»Andwari heiß ich, |
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Óin zeugte mich |
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zu bitterem Los. |
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Ich biete dir Gold!« |
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Loki |
»Deine hohle Hand, |
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was verhehlt sie mir?« |
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Andwari |
»Nimm mir doch nicht |
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den nichtigen Ring!« |
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Loki |
»Alles, Andwari, |
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alles entrichte, |
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nichtig oder nicht, |
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sonst nehm ich dein Leben!« |
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(Finsteren Fluch sprach |
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aus dem Fels der Zwerg:) |
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Andwari |
»Reue rufe |
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mein Ring hervor! |
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Bringen wird bald er |
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zwei Brüdern den Tod, |
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erschlagen sieben Fürsten, |
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Schwertstreit erwecken – |
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unzeitiges Ende |
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von Ódins Hoffnung.« |
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In Hreidmars Haus |
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häuften das Gold sie. |
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Hreidmar |
»Verhüllt ist hier |
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ein Haar noch nicht!« |
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Ab nahm Ódin |
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Andwaris Ring, |
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warf den verwünschten |
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aufs verwunschene Gold. |
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Ódin |
»Das Gold ist gegeben, |
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göttliches Bußgeld, |
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für dich selbst und die Söhne |
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eine Saat des Unheils.« |
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Hreidmar |
»Gut sind die Gaben |
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der Götter selten. |
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Missgönnt wird Gold oft |
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der greifenden Hand.« |
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sprach da Loki: |
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Loki |
»Verderben droht |
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davon Königen, |
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Königinnen Kummer, |
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Klage und Feuer, |
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unzeitiges Ende |
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von Ódins Hoffnung!« |
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Ódin |
»Nicht endet unzeitig, |
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wen Ódin erwählt, |
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wandelt er kurz auch |
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die Wege der Menschen. |
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Er wartet und feiert |
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im weiten Walhalle – |
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im Auge hat Ódin |
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andere Zeiten.« |
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Hreidmar |
»Ódins Hoffnung |
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achten wir wenig! |
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Die rotgoldnen Ringe |
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sind rechtens nur mein. |
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Gold ist doch gut |
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trotz göttlicher Missgunst. |
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Hurtig von Hreidmar |
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nach Hause zieht!« |
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