Das neue Wölsungenlied
UPPHAF
(Eingang)
war alles noch leer, |
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nicht Sand gab’s noch See |
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noch salzkalte Wellen, |
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Erde war unten nicht |
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noch über ihr Himmel – |
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gähnendes Nichts |
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und nirgends Gras. |
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Die großen Götter |
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begannen zu bauen, |
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die gewaltige Welt |
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wirkten sie also. |
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Von Süden schien |
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die Sonne am Morgen, |
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dass grünes Gras |
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dem Grund entspross. |
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Heilige Hallen |
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hoch aufragend |
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mit glänzenden Giebeln |
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und goldenen Säulen, |
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wuchtiges Wehrwerk |
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aus währendem Fels, |
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Burg und Esse |
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bauten sie prächtig. |
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Heiteren Herzens |
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im Hof versammelt |
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trieb sie ihr Mut, |
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Menschen zu schaffen. |
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Unter den hohen |
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Himmelsbergen |
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lebten sie lachend |
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vor langer Zeit. |
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Schauergestalten |
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entstiegen dem Dunkel |
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über Gipfeln und Graten |
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am grenzenlosen Meer, |
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Freunde des Finstern, |
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Feinde auf ewig, |
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alt, ungeboren, |
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aus Urzeitleere. |
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Da kam Krieg in die Welt, |
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da bekämpften Riesen |
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die Festen der Götter; |
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Freude erstarb. |
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Die Berge bebten, |
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es brauste das Meer, |
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überschwemmte die Scholle, |
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schwarz ward die Sonne. |
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Die Götter gingen |
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zu den goldenen Sitzen, |
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über Tod und Verhängnis |
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hielten sie Rat: |
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wie Unheil abwenden, |
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die Argen bezwingen, |
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ihr Werk neu beleben, |
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das Licht neu entfachen. |
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Geschmiedet wurde |
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der schwerste Hammer |
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im furchtbaren Feuer |
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flammenden Zorns. |
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Unter sie warf |
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der gewaltige Thór |
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Blitz und Donner, |
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brach ihre Kraft. |
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Da flohen vor Furcht |
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die Feinde auf ewig, |
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geschlagen, geschmettert |
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von schützenden Wällen, |
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umringten die Erde |
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am Rand der Welt |
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mit brüllender See |
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und Bergen aus Eis. |
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Auf horchten die Hallen |
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als erhöht stehend |
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eine Seherin, lang stumm, |
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zu singen anhob. |
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Von Tod und Verhängnis |
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enthüllte sie Dunkles, |
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vom letzten Gefecht |
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der befehdeten Götter. |
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höre ich gellen, |
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die brennende Brücke |
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biegt sich von Reitern. |
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Die Esche ächzt, |
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ihre Äste zittern, |
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der Wolf erwacht, |
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Bewaffnete ziehen. |
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des Riesen Surt, |
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die schlummernde Schlange, |
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jetzt schlägt sie die Wellen. |
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Zum letzten Gefecht |
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von Gefilden der Hölle |
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ein Schattenschiff schafft |
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die Scharen der Wilden. |
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wartet auf Ódin, |
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auf Frey den Feinen |
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die Flammen des Surt. |
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Der düstere Drache |
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bedroht jetzt Thór – |
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wird alles enden, |
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die Erde vergehen? |
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Steht zu der Stunde |
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ein Unsterblicher auf, |
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der das Sterben geschmeckt hat |
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und stirbt drum nicht mehr, |
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der Schlangentöter, |
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der Spross Ódins, |
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dann endet nicht alles, |
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die Erde vergeht nicht. |
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Behelmt ist sein Haupt, |
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seine Hand blitzbewehrt, |
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glühend sein Geist, |
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voll Glanz sein Gesicht. |
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Die Schlange wird schaudern |
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und schwanken Surt, |
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überwunden der Wolf sein |
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und die Welt fortbestehen.« |
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Auf trutzigen Höhen |
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trafen sich die Götter, |
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über Tod und Verhängnis |
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hielten sie Rat. |
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Neu ließen sie lodernd |
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leuchten die Sonne, |
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den Silbermond segeln |
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auf Seen der Sterne. |
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Frey und Freyja |
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pflanzten Gedeihliches, |
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Bäume und Blumen, |
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bebende Gräser. |
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Thór fuhr donnernd |
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durch die Tore des Himmels |
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im Wagen hinweg |
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zu den Wänden aus Fels. |
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Ódin, der immer |
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die Erde durchstreifte, |
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bekümmert von Kenntnis |
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künftigen Leids, |
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der Führer der Fürsten |
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und befehdeten Götter, |
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wurde der Stammvater |
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starker Helden. |
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Stattlich und strahlend |
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erschuf er Walhall, |
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Schilde und Speere |
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waren Schindeln und Balken. |
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Von dort flogen Raben |
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über Reiche der Erde, |
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wo über dem Eingang |
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ein Adler schwebte. |
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Der Gäste Zahl groß, |
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die grimmig dort sangen, |
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Eberfleisch aßen |
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und üppig tranken. |
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Gerüstet saßen |
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die Recken der Erde, |
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den Erwählten der Welt |
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erwarteten sie. |
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