VÖLSUNGAKVIĐA EN NÝJA

Das neue Wölsungenlied

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UPPHAF

(Eingang)

    1    

Einst in der Urzeit

war alles noch leer,

nicht Sand gab’s noch See

noch salzkalte Wellen,

Erde war unten nicht

noch über ihr Himmel –

gähnendes Nichts

und nirgends Gras.

    2    

Die großen Götter

begannen zu bauen,

die gewaltige Welt

wirkten sie also.

Von Süden schien

die Sonne am Morgen,

dass grünes Gras

dem Grund entspross.

 

    3    

Heilige Hallen

hoch aufragend

mit glänzenden Giebeln

und goldenen Säulen,

wuchtiges Wehrwerk

aus währendem Fels,

Burg und Esse

bauten sie prächtig.

    4    

Heiteren Herzens

im Hof versammelt

trieb sie ihr Mut,

Menschen zu schaffen.

Unter den hohen

Himmelsbergen

lebten sie lachend

vor langer Zeit.

    5    

Schauergestalten

entstiegen dem Dunkel

über Gipfeln und Graten

am grenzenlosen Meer,

Freunde des Finstern,

Feinde auf ewig,

alt, ungeboren,

aus Urzeitleere.

 

    6    

Da kam Krieg in die Welt,

da bekämpften Riesen

die Festen der Götter;

Freude erstarb.

Die Berge bebten,

es brauste das Meer,

überschwemmte die Scholle,

schwarz ward die Sonne.

    7    

Die Götter gingen

zu den goldenen Sitzen,

über Tod und Verhängnis

hielten sie Rat:

wie Unheil abwenden,

die Argen bezwingen,

ihr Werk neu beleben,

das Licht neu entfachen.

    8    

Geschmiedet wurde

der schwerste Hammer

im furchtbaren Feuer

flammenden Zorns.

Unter sie warf

der gewaltige Thór

Blitz und Donner,

brach ihre Kraft.

 

    9    

Da flohen vor Furcht

die Feinde auf ewig,

geschlagen, geschmettert

von schützenden Wällen,

umringten die Erde

am Rand der Welt

mit brüllender See

und Bergen aus Eis.

*

    10    

Auf horchten die Hallen

als erhöht stehend

eine Seherin, lang stumm,

zu singen anhob.

Von Tod und Verhängnis

enthüllte sie Dunkles,

vom letzten Gefecht

der befehdeten Götter.

    11    

»Heimdalls Horn

höre ich gellen,

die brennende Brücke

biegt sich von Reitern.

Die Esche ächzt,

ihre Äste zittern,

der Wolf erwacht,

Bewaffnete ziehen.

 

    12    

Rot glüht das Schwert

des Riesen Surt,

die schlummernde Schlange,

jetzt schlägt sie die Wellen.

Zum letzten Gefecht

von Gefilden der Hölle

ein Schattenschiff schafft

die Scharen der Wilden.

    13    

Der Wolf Fenrir

wartet auf Ódin,

auf Frey den Feinen

die Flammen des Surt.

Der düstere Drache

bedroht jetzt Thór –

wird alles enden,

die Erde vergehen?

    14    

Steht zu der Stunde

ein Unsterblicher auf,

der das Sterben geschmeckt hat

und stirbt drum nicht mehr,

der Schlangentöter,

der Spross Ódins,

dann endet nicht alles,

die Erde vergeht nicht.

 

    15    

Behelmt ist sein Haupt,

seine Hand blitzbewehrt,

glühend sein Geist,

voll Glanz sein Gesicht.

Die Schlange wird schaudern

und schwanken Surt,

überwunden der Wolf sein

und die Welt fortbestehen.«

*

    16    

Auf trutzigen Höhen

trafen sich die Götter,

über Tod und Verhängnis

hielten sie Rat.

Neu ließen sie lodernd

leuchten die Sonne,

den Silbermond segeln

auf Seen der Sterne.

    17    

Frey und Freyja

pflanzten Gedeihliches,

Bäume und Blumen,

bebende Gräser.

Thór fuhr donnernd

durch die Tore des Himmels

im Wagen hinweg

zu den Wänden aus Fels.

 

    18    

Ódin, der immer

die Erde durchstreifte,

bekümmert von Kenntnis

künftigen Leids,

der Führer der Fürsten

und befehdeten Götter,

wurde der Stammvater

starker Helden.

    19    

Stattlich und strahlend

erschuf er Walhall,

Schilde und Speere

waren Schindeln und Balken.

Von dort flogen Raben

über Reiche der Erde,

wo über dem Eingang

ein Adler schwebte.

    20    

Der Gäste Zahl groß,

die grimmig dort sangen,

Eberfleisch aßen

und üppig tranken.

Gerüstet saßen

die Recken der Erde,

den Erwählten der Welt

erwarteten sie.

*