27
Das misstönende Klirren der gebrochenen Linien von San Francisco überschwemmte meinen Geist, und ich beobachtete, wie sie sich zu einer einzigen vereinten. Ich versuchte, auf sie zu lauschen, ohne die Bewusstseinsblase zu verlassen, in die ich gehüllt war, aber ohne Bis, der den Klang sicher in meine Blase übertragen konnte, waren alle Kraftlinien gleich.
Ich zitterte, als meine Lunge sich formte und die Erinnerung meines Körpers sich bildete, um meiner Seele einen Ort zum Wohnen zu geben. Mit einem leisen Plopp fand ich mich fast exakt an der Stelle wieder, wo ich vor nicht ganz drei Tagen gewesen war, mitten auf der Bühne, auf der ich verflucht worden war.
Die Lichter waren aus, und es war dunkel bis auf das zischende Licht einer Kerosinlampe, die auf der Bühne einen Lichtfleck erzeugte. Der Schutzkreis, in dem ich gefangen war, nahm den größten Teil davon ein. Dunkelheit verwandelte den riesigen Raum in eine Höhle schwarzer Echos und im Hintergrund dröhnte ein Generator. Mir stieg scharf und beißend der Geruch von geborstenem Zement in die Nase. Etwas war geschehen. Der Strom war ausgefallen.
»Siehst du!«, sagte Pierce, und ich wirbelte herum. Er stand zwischen Oliver und Vivian. Hinter ihnen kauerte auf dem Boden eine vierte Hexe in den Roben des Hexenzirkels. »Wäre sie ein wahrer Dämon, könnte sie nicht tagsüber beschworen werden. Lass deine Behauptungen fallen, Oliver.«
Pierce!, dachte ich, und Wut kochte in mir hoch. Sie hatten mich in einen Schutzkreis gestellt. Wie den Dämon, der ich war. Ich sog zischend die Luft durch die Zähne und schaute auf die drei Hexen, die in einer Reihe standen und mich anstarrten, während der vierte scheinbar überhaupt nichts damit zu tun hatte und hinter ihnen nur zitterte. Ich wünschte mir, es wären Ivy oder Jenks gewesen — oder sogar Trent.
»Hi, Pierce«, sagte ich trocken. »Deine Idee?«, fügte ich hinzu und schnippte mit dem Finger gegen den Schutzkreis, um sofort die Hand zurückzuziehen, damit er mich nicht verbrennen konnte. Woher sie meinen Beschwörungsnamen kannten — meinen richtigen Beschwörungsnamen, nicht den, den ich von Al geliehen hatte —, war mir ein Rätsel, bis mir einfiel, dass Pierce wahrscheinlich schon in der Kirche gespukt hatte, als ich mir den dämlichen Namen ausgesucht hatte. Super, ich bin seit weniger als einer Woche ein Dämon und schon nehme ich Anrufungen entgegen.
Mit schmerzerfüllter und ein wenig verlorener Miene trat Pierce vor. Sein langer Mantel war mit Staub befleckt. Seine Haare waren durcheinander, und er bewegte sich schnell. Meine Wut starb. Müde. Ich war müde. Für einen kurzen Moment in Trents Hotel hatte ich mit dem Gedanken gespielt, dass wir es selbst mit unseren Unterschieden zum Laufen bringen könnten. Er liebte mich. Und ich hätte ihn lieben können, hätte ich mir selbst erlaubt, dumm zu sein. Aber ich konnte nicht mehr vorgeben, dass die Umstände sich jemals ändern würden. Er gehörte zum Hexenzirkel, und ich war ein Dämon. Was stimmte nicht mit mir? Warum fühlte ich mich von genau den Dingen angezogen, die mich verletzen konnten?
»Lass sie raus, Oliver«, sagte Pierce und starrte den stoischen Mann, der den Schutzkreis hielt, böse an. Mein Herz verkrampfte sich vor Bedauern. »Sie ist kein Dämon.«
Doch, bin ich.
Oliver verschränkte die Arme vor der Brust, und das Licht der Lampe spiegelte sich auf dem Möbiusband an seinem Kragen. Sein Schutzkreis schien gut gezogen zu sein, aber trotzdem hätte ich ihn mit ein wenig Mühe wahrscheinlich brechen können. Aber um die Wahrheit zu sagen, es war mir einfach egal.
»Hi, Vivian«, sagte ich als Begrüßung, kein bisschen überrascht, dass sie mich so behandelten. Ich hatte ihr das Leben gerettet, und hier war ich nun, eingesperrt wie ein Tier. Sie hörte den bitteren Sarkasmus in meiner Stimme und senkte beschämt den Blick. Die letzte Hexe auf dem Boden zitterte, und ich erhaschte einen Blick auf blutverklebte Haare und einen männlichen Arm. Der Hexenzirkel hatte zwei Hexen verloren. Was war passiert?
»Senk den Schutzkreis, bevor ich dich hindurchstoße!«, sagte Pierce gepresst. »Rache' ist kein Dämon!«
Wieder grunzte Oliver verneinend und starrte mich an, als wäre ich ein Käfer, nicht eine Person, die er vor drei Tagen verurteilt hatte. »Nein«, sagte er. Seine Stimme klang rau, als hätte er viel geschrien. »Wenn wir sie rauslassen, bevor sie zustimmt zu tun, was wir wollen, wird sie es nicht tun.«
Ich konnte mein Kichern nicht unterdrücken und verlagerte das Gewicht auf den anderen Fuß, wobei ich mir wünschte, nicht strumpfsockig zu sein. Hier drin war es kalt, und ich schlang mir die Arme um den Körper, weil ich nur ein kurzärmliges Oberteil trug. »Ich habe Neuigkeiten für dich, Ollie«, sagte ich. »Ich werde sowieso nicht tun, was du willst.«
Mit weit aufgerissenen Augen wirbelte Pierce herum, so dass seine Rockschöße flatterten. »Wir bitten dich um Hilfe und verlangen sie nicht.« Er suchte meinen Blick und flehte um Vergebung. »Es tut mir leid. Der Kreis war nicht meine Idee.«
Aber du hast mitgespielt. »Ihr glaubt, wenn ihr mich um Hilfe bittet, bekommt ihr sie umsonst?«, fragte ich und hörte das Echo meiner Stimme durch den leeren Raum hallen. Ich ließ die Arme sinken. »Nachdem ihr mich von einem Elfen habt verfluchen lassen und zum Dämon erklärt habt? Vor allen?« Oh ja. Ich muss mit Trent reden. Ich schaute zu Oliver und entdeckte keinerlei Schuldgefühle. »Nachdem ihr mir reinen Tisch versprochen hattet?«
Pierce senkte den Kopf, weil er den Tadel in meiner Stimme hörte. Zur Hölle, sein Patzer hatte mich hierhergebracht und dafür gesorgt, dass er jetzt zum Hexenzirkel gehörte. Er hatte es nicht absichtlich gemacht, aber hier war ich, in einem Schutzkreis, und da war er, außerhalb des Kreises. Gott, ich war dämlich. Müde starrte ich auf die leeren Sitze des Auditoriums, als ein Grummeln die Luft erschütterte. Sie alle duckten sich, als erwarteten sie, dass das Dach einstürzen würde, und die kauernde Hexe zitterte stärker und rollte sich noch fester zusammen — falls das überhaupt möglich war. Leon?
»Was ist passiert? Wo ist der Rest von euch?«, fragte ich erschöpft.
Vivian trat ins Licht. Sie wirkte müde in ihren Jeans und dem Pullover, als hätte sie in zu kurzer Zeit zu viel gesehen. »Wir haben sie verloren«, sagte sie mit verschlossenem Gesicht. »Ku'Sox ...«
Adrenalin schoss in meine Adern und mein Lid zuckte, als sie schmerzerfüllt abbrach. Ku'Sox. Warum überrascht mich das nicht?
»Er hat sie umgebracht«, sagte Pierce unverblümt. »Hat sie gefressen, während sie um Beistand geschrien haben. Dann hat er ihre Seelen gefressen, während sie zusahen. Hat sie verschlungen. Das war gestern. Es hätte abgewendet werden können, wenn der Rest dieser lilienweißen Hasenfüße früher auf mich gehört hätte.«
Sie wollen, dass ich für sie gegen Ku'Sox kämpfe, dachte ich und sah den Stromausfall und den Geruch von gesprengtem Zement mit ganz neuen Augen. Ein Hauch von adrenalingetragener Hoffnung breitete sich in mir aus, und ich nahm die Schultern zurück. Sie wollten etwas von mir. Ich wollte etwas von ihnen. Aber erst musste ich mit Trent reden.
Ich fühlte, wie meine Lippen sich zu einem wenig netten Lächeln verzogen, das Oliver zum Fluchen brachte und Vivian schwer schlucken ließ. Allein Pierce schien die hässliche, finstere Befriedigung, von der ich wusste, dass sie jetzt in meinem Gesicht stand, erwartet zu haben. Ich hatte sie schon bei Al gesehen, aber erst jetzt verstand ich es wirklich. Wir waren alle Narren. Jeder Einzelne von uns.
»Dass Ku'Sox eure Realität zerstört, ist nicht mein Problem«, erklärte ich, während ich meine Nägel betrachtete und wünschte, ich hätte gewusst, wie ich meine Kleidung angemessen anmaßend und sinnlich umgestalten könnte. »Wer will mich bannen? Wer schickt mich nach Hause?«
Das letzte Wort betonte ich voller Sarkasmus, und Pierce schickte einen bösen Blick zu Oliver, der ihm sagte, endlich mit dem Gemurmel über Dämonen aufzuhören. »Rachel, bitte«, bat er. »Er zerstört alles und tötet Leute. Du hast ihn schon einmal geschlagen.«
»Ach?«, sagte ich, und Pierce senkte den Blick. »Das war, als ich noch eine Hexe war. Wo sind Ivy und Jenks?«
Voller Überheblichkeit trat Oliver vor, bis die zischende Kerosinlampe hässliche Schatten auf sein Gesicht warf. »Du dreckiger Dämon. Du bist in meinem Schutzkreis, und du wirst tun, was ich sage!«
Ich piekte gegen die Barriere zwischen uns, um seine Aura ein wenig zu biegen. Sie hielt, selbst wenn nur Oliver den Kreis hielt. Er wirkte alt. Müde. Kein Wunder, wenn er seit drei Tagen gegen Ku'Sox kämpfte. »So funktioniert das nicht«, erklärte ich leichtfertig. »Die Sache bei Dämonen ist, dass sie Nein sagen können, und ich mag dich nicht.« Mit einem bösartigen Lächeln lehnte ich mich vor, bis die Barriere protestierend brummte. »Man nennt es nicht grundlos ›Lass uns einen Handel schließen‹. Du hast mich gebannt, Fairys losgeschickt, um meine Kirche zu verbrennen, hast versucht, mich und meine Freunde zu töten. Dann hast du mich dazu gebracht, mich quer durch den Kontinent zu schlagen, auf der Jagd nach einem Versprechen von Vergebung, das ich offen und ehrlich von dir gewonnen hatte, nur um verflucht und als Dämon bezeichnet zu werden. Und jetzt, wo du in Schwierigkeiten steckst, besitzt du die Frechheit, mich um meine Hilfe zu bitten?« Ich schüttelte den Kopf und konnte nicht glauben, dass Trent all das vorhergesehen und sich darauf vorbereitet hatte.
»Was in Herrgotts Namen könntest du haben, was ich will ... Hmmm, lass mich nachdenken«, grübelte ich sarkastisch und sah sie nacheinander an. Oliver war voller Hass, Vivian enttäuscht und Pierce ... Na ja, er wirkte zu müde, um etwas zu bedauern, aber ich konnte seine Schuldgefühle sehen.
»Mir ist unerklärlich, wie wir je Wiedergutmachung leisten sollen«, sagte Pierce, und sein altmodischer Akzent hallte durch den Raum. »Und ich bin bereit, auf jede in deinen Augen mögliche Weise Abbitte zu leisten. Ich war mir nicht im Klaren, dass mein Erreichen der Position im Hexenzirkel dich in solche Not bringen würde. Das war niemals meine Absicht. Es ist einfach ... passiert.«
Es ist einfach passiert. Die Geschichte meines Lebens. Ich sackte in mich zusammen.
Die drei Mitglieder des Hexenzirkels sahen mich mit verschiedenen Graden von Hoffnung, Scham und Abscheu an, und ich leckte mir die Lippen. Vor drei Tagen hätte ich gesagt: »Gebt mir meine Staatsbürgerschaft zurück, und ich kämpfe gegen Ku'Sox«, aber nachdem ich drei Tage unter Als Schutz geschlafen hatte, weil er mich für verletzlich hielt, dachte ich nochmal darüber nach, grübelte noch etwas und sinnierte schließlich ein wenig.
Aber die Chance, dem Jenseits den Rücken zu kehren, war einfach unwiderstehlich.
Ich verlagerte mein Gewicht und stemmte die Hände in die Hüften, während mein Herz raste. »Ihr wollt, dass ich Ku'Sox loswerde? Was genau seid ihr bereit, dafür zu geben ... Ollie? Oder soll ich eher fragen, wen?«
Oliver riss die Augen auf. »Ich?«, stammelte er, und fast hätte ich gelacht.
»Du?«, meinte ich abfällig, als Vivian sich bemühte, eine ausdruckslose Miene zu bewahren. »Du bist nur zum Tischabräumen gut. Ich will, dass alle Anklagen gegen mich und mein Team fallengelassen werden, jeder letzte Hinweis auf meine Bannung getilgt wird, und ich will, dass du dich öffentlich bei mir und meiner Familie entschuldigst — auf dem Fountain Square«, sagte ich und sah dabei Oliver direkt an. »Ich will, was du mir letztes Jahr versprochen hast, und ich will, dass du mir den lilienweißen Arsch leckst.«
»Niemals«, flüsterte er, und der Haufen Kleidung hinter ihm bewegte sich plötzlich.
»Gib ihr, was sie will!«, kreischte Leon und warf sich auf Oliver. »Du hast versprochen, alles käme in Ordnung!« Sie fielen um, Leon auf Oliver, und die nervöse Hexe rammte Olivers Kopf gegen den Bühnenboden. »Du hast gesagt, wir sollen mit dir stimmen und alles würde gut, und jetzt sind Wyatt und Amanda tot! Sie sind tot, Oliver! Er hat sie gefressen!«
»Leon! Hör auf!«, schrie Vivian, packte den hysterischen Mann und zog ihn zurück. Olivers Fuß traf den Schutzkreis und mit einem kribbelnden Gefühl fiel er. Sofort trat ich über die Linie und wich nach hinten in die Schatten zurück. Niemand außer Pierce bemerkte es. Alle anderen waren auf Oliver konzentriert, der langsam auf die Füße kam und sich das Gesicht hielt, wo Leon es auf den Boden geschlagen hatte. Sein Blick war hasserfüllt.
»Du hast es versprochen!«, brüllte Leon, wieder in sich zusammengesunken. Er wirkte wie ein wildes Tier. »Ich habe dir vertraut. Wir alle haben dir vertraut. Und jetzt sind wir alle tot!«
In der Ferne erklang das Geräusch splitternder Steine, und der Boden erzitterte.
»Wo ist mein Team?«, fragte ich, weil ich Jenks' altkluge Kommentare und Ivys gleichmütigen Rückhalt vermisste. »Aber am wichtigsten ist: Wo ist Trent Kalamack?«
Oliver wurde bleich und schluckte seine nächsten Worte, als ihm klarwurde, dass ich frei war. »Du willst ihn? Du willst, dass wir ihn dir geben? Mein Gott, du bist wirklich ein Dämon.«
Pierce senkte den Kopf, aber mir war egal, was er dachte. Ich wollte Trent nicht als Vertrauten, ich wollte nur fünf Minuten mit ihm reden, um herauszufinden, was ich bei dem Fluch falsch gemacht hatte ... oder ihm einmal in die Fresse schlagen. Das hing davon ab, was dabei rauskam, wenn ich ihn traf. Gib Ku'Sox den Fluch, sagt er. Du bist die Einzige, die es kann, sagt er. Dämlicher Elf.
Oliver verfiel in theatralisches Gelaber — etwas darüber, dass sie mich in einen Schutzkreis sperren mussten, weil sie sonst alle sterben würden —, und Vivian ließ Leon mit seinen blutigen Fingernägeln allein, während er mit Oliver eine gemurmelte Diskussion über Moral und Realitäten führte. Ich konnte nicht verstehen, weshalb es so eine große Sache war, ob ich in einem Kreis stand oder nicht. Sie würden sowieso alle sterben, wenn Ku'Sox Hexen fraß. Das war einfach scheußlich.
»Sie wird uns nicht ins Jenseits schleppen. Reiß dich zusammen!«, schrie Vivian, und Oliver hielt endlich den Mund. »Und steig von deinem selbstgerechten Sockel runter! Ein Mann gegen eine gesamte Zivilisation? Ein Leben zu opfern, um eine gesamte Welt zu retten, ist in meinen Augen ziemlich billig!«, rief sie, ihr Gesicht rot vor Scham. »Er ist derjenige, der sie verflucht hat. Was hast du erwartet? Wir verleihen dem Elfen einfach posthum eine Medaille und zahlen für die Collegeausbildung seiner Tochter. Fall abgeschlossen. Das Leben kehrt zur Normalität zurück, und in zwanzig Jahren ist es allen egal!«
»Du bist so schwarz wie Pierce!«, schrie Oliver mit rotem Kopf, und die zwei begannen eine laute, wütende Diskussion, die ich recht bald ausblendete. Traurig war nur, dass Vivian Recht hatte. Aber das sorgte nicht dafür, dass ich mich besser fühlte. Sie waren bereit, mir jemanden auszuliefern, weil sie mich als ihre mögliche Rettung ansahen. Mein Gott, in wen setzten wir unser Vertrauen?
Meine Wut kochte wieder hoch, und ich runzelte die Stirn. »Ihr glaubt, ich will Trent als Vertrauten?«, sagte ich laut genug, um über ihr Geschrei gehört zu werden. »Denkt, ich will ihn ins Jenseits mitnehmen und ihn Flüche winden lassen? Ihn für den Fluch bestrafen, mit dem er mich belegt hat? Ich wollte nur mit dem Mann reden. Seltsam, dass ihr alle denkt, dass ich ihn verschleppen oder gleich umbringen will. Vielen Dank auch. Das weiß ich wirklich zu schätzen.«
Olivers dickliche Wangen zitterten. Seine raue Tirade verklang, und er drehte sich um. Vivian hörte ebenfalls auf zu schreien. Ich verschränkte die Arme vor dem Bauch und starrte böse vor mich hin, während ich mich fragte, was sie tun würden, wenn ich einfach ging. Würde ich zurück ins Jenseits gerissen werden, wenn die Sonne unterging? Ich wusste es wirklich nicht. Als Trent mich verflucht hatte, hatte er nichts darüber gesagt, dass ich zurückgezogen werden würde. Nachdem ich jetzt nicht mehr im Schutzkreis war ... konnte ich vielleicht bleiben?
Mit gesenktem Kopf trat Pierce von den anderen weg, und das kratzende Geräusch seiner Schuhe auf dem Staub von der Decke erinnerte mich an meinen Küchenboden. »Ich habe nie geglaubt, dass du Kalamack verschleppen wirst«, sagte er leise. Seine Augen schossen von mir zu den anderen, dann fragte er: »Hast du einen Plan? Brauchst du Trent dafür? Ich kann ihn finden.«
Ich unterdrückte ein Schaudern, als wieder Adrenalin in meine Adern schoss. »Ich habe eine Idee«, gab ich zu, »aber Ivy ist die Planerin. Wo ist sie?«
Oliver und Vivian sahen sich kurz an, dann landete ihr Blick wieder auf mir.
»Wenn du Ku'Sox loswerden kannst, setzen wir dich wieder als weiße Hexe ein«, sagte Vivian, ohne meine Frage zu beantworten. »Du wirst für die schwarze Magie begnadigt, die du bist jetzt gewirkt hast, inklusive dessen, was du brauchst, um Ku'Sox loszuwerden«, fügte sie hinzu. »Der Hexenzirkel wird dich und deine Familie in Ruhe lassen. Wir kennen die Magie nicht, die nötig ist, um den Dämonenfluch von dir zu nehmen.«
»Trent kennt sie«, sagte ich, weil ich es nicht für nötig hielt, ihnen zu verraten, dass ich es selbst auch wusste. Ungefähr. Zum Wandel, ich konnte nur hoffen, dass ich nicht wieder dumm war. Es machte mir nichts aus, einmal dumm zu sein, aber mehrmals auf dieselbe Masche reinzufallen wurde langsam lästig. »Aber ich bin keine weiße Hexe«, sagte ich und konzentrierte mich darauf, nicht die Zähne zusammenzubeißen. »Ich bin ein Dämon, und ich will, dass es offiziell gemacht wird. Abgesehen davon haben wir eine Abmachung. Oh, und ich will nicht für den Schaden verantwortlich gemacht werden, den ich anrichte, während ich ihn loswerde. Okay?«
Vivian wirkte verängstigt, aber Oliver machte eine sarkastische Bewegung mit der Hand, die erklärte, dass es für ihn in Ordnung war. Pierce schloss die Augen als hätte er Schmerzen. Die Abmachung war nichts, wozu ich sie zwingen konnte, und ich ging nicht davon aus, dass sie sie einhalten würden. Im Moment wollte ich einfach nur eine Chance, den Fluch von mir wieder auf Ku'Sox zu übertragen.
»Also, wo ist der kleine Designertrottel von Dämon?«, fragte ich, weil mir der bösartige Spitzname gefiel, den Al Ku'Sox verpasst hatte. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das schaffen sollte, aber zu wissen, wo er war, wäre schon mal ein Anfang.
Vivian schaute zu den geschlossenen Doppeltüren. »Folge einfach den Schreien.«
Ich atmete tief durch. »Und Ivy und Jenks? Ich werde ihre Hilfe brauchen.«
Niemand sagte etwas. Mein Herz schien auszusetzen, als sie beide zu Pierce sahen.
»Ku'Sox hat sie«, sagte er, und Angst erfüllte jeden Knochen in meinem Leib. »Ich bin gesonnen zu vermuten, dass er sie nicht sofort getötet hat, sondern sie am Leben hält, um dich aus der Deckung zu locken.«