11
»Ähm, Jenks?«, sagte ich und stolperte einen Schritt nach hinten in die Wolke aus Pixies, die jetzt bei mir Schutz suchte. »Sag mir, dass die Sonne am Himmel steht.«
»Die Sonne steht am Himmel«, wiederholte er. Er hörte die Panik in meiner Stimme und wusste fast so gut wie ich, was die schwarze Blase gewesen war. »Verdammt, Rache. Willst du damit sagen, dass das kein Vogel ist?«
Ivy schob Trent von sich herunter und stand auf. Als Nächstes kam Trent, und dann gingen wir zusammen rückwärts zum Auto. Die Pixies zogen sich mit uns zurück, während sie dem Vogel weiter Beleidigungen zuriefen. Die Sonne stand am Himmel. Es konnte kein Dämon sein. Aber es war auch kein Vogel, und ich war mir nicht ganz sicher, ob mir das Angst einflößte oder mich nur wütender machte. Einem ignoranten Vogel, der Leute fraß, konnte man das vielleicht noch vergeben, aber wenn er ein intelligentes Wesen war, egal, ob Dämon oder nicht, war es unverzeihlich. Meine Instinkte schrien Dämon, aber die Sonne stand am Himmel. Das ist unmöglich. Vielleicht ist es eine wirklich böse Hexe, die Trent für einen Dämon hält.
Die Wolke aus Pixies hinter mir fing an zu reden, zu schnell, als dass ich sie wirklich hätte verstehen können. Sie schrien etwas von Ku'Sox und Fabeln und der Vergangenheit, die wieder zum Leben erwachte. »Tötet ihn!«, schrie der Oberpixie, und ich hörte, wie Jenks sein Schwert zog.
»Nein!«, brüllte ich, und sie stoppten hinter mir. »Es ist kein Vogel! Ihr könnt ihn nicht bekämpfen als wäre es einer!«
Mein Mund wurde trocken, als der Storch krächzte und mich im Blick behielt, während er von Stein zu Stein sprang und immer näher kam. Dreck, er wurde auch größer. Meine Gedanken schossen zu den Petroglyphen von dem Vogel mit der Figur im Schnabel und ich wurde bleich, als in meiner Erinnerung noch einmal der Schrei eines Pixies erklang, bevor der Vogel ihn verschlang. »Ähm, Leute ...«, stammelte ich und drehte mich zu Ivy und Trent um, die immer noch einfach dastanden, während ängstliche Pixies um sie herumwirbelten. »Wir gehen besser zum Auto.«
Wir rannten. Mit pumpenden Armen folgte ich Trent und Ivy den Hügel hinab zum Wagen. Wir nahmen den direkten Weg, sprangen über kniehohe Mauern und rutschten über Steine, statt den sichereren, gewundenen Weg zu nehmen. Ich konnte nur einen Schutzkreis errichten. Wir mussten alle drin sein, inklusive Vivian. Hinter mir kreischte der Vogel, und die Pixies stoben quietschend auseinander, als schwere Flügelschläge erklangen.
»Errichte einen Schutzkreis!«, schrie ich Vivian zu, als ich sie wach neben dem offenen Kofferraum entdeckte, meinen Beschwörungsspiegel in der Hand. Ihr hing die Kinnlade runter, als sie über uns hinwegsah.
»Errichte den verdammten Kreis!«, schrie ich wieder, als der Boden eben wurde und ich auf Asphalt lief statt auf Pflastersteinen. Die Hitze war fast wie eine Wand.
Ivy und Trent erreichten das Auto zuerst und wirbelten sofort herum, um zu starren. Ich sah mich nicht um, als ich schlitternd neben ihnen zum Stehen kann und in meinen Taschen nach der Kreide suchte, die ich nicht hatte. Ich hatte Pixies gejagt, keinen verdammten tagaktiven Dämon!
Es konnte nicht sein. Aber ich hatte seine Augen gesehen. Und er hatte einen Schutzkreis errichtet.
Hinter mir stieß der Vogel einen seltsamen Ruf aus. Er hallte in der hitzeflirrenden Stille wider, als erklänge er aus dem Anbeginn der Zeit. Ich lehnte mich ins Auto, fand meine Tasche und suchte darin nach meiner Kreide, während ich an meinen Beschwörungsspiegel in Vivians Händen dachte. Hatte Trent auch meine Kreide geklaut?
»Ein Kreis wird ihn nicht halten«, sagte Trent grimmig, und ich tauchte mit der Kreide in der Hand wieder aus dem Innenraum auf. Vivian stand neben Ivy, und Pixies umschwärmten uns in fast schmerzhaften Mengen.
»Es ist der Ku'Sox Sha-Ku'Ru«, schrie einer. »Du hast die linke Hand der Sonne über uns gebracht!«
»Kreide!«, erklärte ich triumphierend, hielt sie hoch und drehte mich um. »Oh, Dreck«, flüsterte ich. Er flog. Und er war noch größer geworden — inzwischen hatte er fast die Ausmaße eines kleinen Flugzeuges.
»Rachel, duck dich!«, kreischte Jenks, als das Monster auf mich zuhielt, aber ich fiel bereits.
Ich schrie auf, als ich Krallen in meiner Kopfhaut spürte, fiel auf den Asphalt und rollte unter den Wagen. Meine Wange brannte, und ich hielt den Atem an, als der Wind meine Haare bewegte. Dann war er verschwunden, und als ich nach draußen spähte, drehte er gerade um. Heilige Scheiße, ich musste etwas unternehmen.
»Ist es ein Dämon?«, kreischte Jenks nur Zentimeter von meinem Gesicht entfernt, als ich unter dem Auto herausrollte, auf die Füße kam und mir blinzelnd den Dreck von den Händen schlug. Trent kniete neben dem Wagen und wirkte erschüttert, während Ivy gerade Vivian auf die Füße half. Pixies wirbelten in einer Wolke über ihnen, angezogen von genau der Person, die dafür verantwortlich war, dass ihre Verwandten gestorben waren. »Also, ist es einer?«, fragte Jenks wieder.
»Ich weiß es nicht.« Benommen schaute ich zu den verängstigten Pixies, die bei uns Schutz suchten. Ein tagaktiver Dämon? Das konnte nicht sein. Aber als ich zu Trent sah, hatte ich das üble Gefühl, dass es so war. Hast nur versucht zu helfen, hm? Vielen Dank auch.
»Was ist das?«, fragte Vivian.
»Ich glaube, es ist ein Dämon«, sagte Trent und versuchte, mit den Händen die Pixies zu vertreiben.
»Du glaubst!«, rief ich, aber der scharfe Blick, den er mir zuwarf, ließ mich innehalten. Ivy sah auf und selbst Jenks, der in der heißen Luft über dem Auto schwebte, drehte sich um. Und als Trent seinen Blick zu Vivian und dann wieder zu mir gleiten ließ, biss ich die Zähne zusammen und schwieg. Ich konnte nichts sagen. Wenn der Hexenzirkel erfuhr, dass er einen Dämon beschworen hatte, selbst um uns zu helfen, würde seine gesamte Verteidigung bedeutungslos. Verdammt! Verdammt bis zum Wandel und zurück.
»Das kann nicht sein«, spottete Vivian und merkte nichts von meinem Hass auf Trent. »Es ist Tag!«
»Er kommt zurück!«, schrie der Anführer der Pixies. »Verteilt euch!«
»Nein, kommt näher!«, rief ich. »Jenks, bring sie dazu, näher zu kommen.« Und sofort wünschte ich mir, ich hätte nichts gesagt, als er mühsam losflatterte, um sie zusammenzutreiben.
Trent hatte also einen Dämon beschworen, um uns zu helfen. Gott schütze mich vor Geschäftsmännern mit zu viel Geld und zu wenig zu tun, dachte ich, als ich mich gegen den Wagen lehnte und versuchte, mir einen Kreis vorzustellen, der groß genug war, um uns alle zu halten. Für die meisten Hexen wäre er zu groß, aber ich konnte es schaffen. Er würde auch nicht lange halten, aber wenn ich es richtig machte, würde es mir genug Zeit verschaffen, um einen richtigen Kreis zu errichten.
Die Pixies schienen zu schwanken. Teile wollten ihrem Anführer folgen, der schon davonflog, und andere wollten Jenks folgen, der sie zum Auto zurücktrieb. Mit drei tiefen Krächzern kam der riesige Vogel mit ausgestreckten Krallen auf uns zu. Ich zitterte und erinnerte mich an den Tag, an dem ich eine Maus gewesen war.
»Ein ungezogener Kreis wird nicht halten«, sagte Trent leise, der mit weit aufgerissenen Augen neben mir stand, zwei der Pixie-Anführer auf der Schulter. Der dämliche Elf würde vielleicht verletzt werden, aber der Dämon konnte ihn nicht mitnehmen, und das wusste er.
»Du solltest den Mund halten«, knurrte ich und fing an zu zittern. »Ich glaube, für einen Tag hast du genug geholfen, okay?«
Er senkte den Kopf und verlagerte sein Gewicht, wirkte aber bei weitem nicht verlegen genug. Ich drehte mich wieder zu dem näher kommenden Vogel, berührte die Linie, zog sie in mich und stellte mir einen starken, über alle Maßen vogelfeindlichen Kreis vor. Oh Gott. Die gelben Krallen wirkten jetzt schon so groß wie Baumwurzeln, und sie wurden noch größer.
»Jetzt!«, schrie Jenks.
»Rhombus!«, brüllte ich und riss die Hand nach vorne, um meinem Zauber mehr Stärke zu verleihen.
Ich fiel auf ein Knie, als ich die Energie aus mir herausstieß, statt sie natürlich fließen zu lassen. Mit einem donnernden Knall materialisierte sich meine Schutzblase. Kreischend versuchte der Vogel abzudrehen, den Kopf hochgerissen und die Krallen eng an den Körper gezogen.
»Halte«, flüsterte ich, die Hände zu Fäusten geballt. »Oh Gott. Bitte halte.«
Der Vogel knallte dagegen, und ich zitterte mit gesenktem Kopf, als der Schlag mich durchfuhr. Und dann fiel mein Schutzkreis. Keuchend sah ich auf. Der Vogel war vom oberen Teil der Blase abgeprallt, weil er es geschafft hatte, hoch genug zu kommen, um einen frontalen Aufprall zu vermeiden. Er wirbelte durch die Luft und schlug auf den Boden. Während er über den Parkplatz rollte und schließlich gegen einen Felsen knallte, wurde er kleiner.
»Hast du ihn umgebracht?«, fragte Trent. »Rachel, hast du ihn getötet?«
Er klang verängstigt, und ich warf ihm einen bösen Blick zu. Trotz aller Gefühllosigkeit, die er der Welt präsentierte, war er dem Tod gegenüber nicht so gleichgültig, wie er andere glauben lassen wollte.
»Das Glück sollten wir haben«, sagte ich säuerlich, als ich schnell seitwärts um das Auto ging, um mit der Kreide einen Kreis zu ziehen und so eine festere Barriere errichten zu können. Ivy wirkte frustriert. Pixies schwirrten um sie herum, weil sie bei ihr Schutz gesucht hatten, nachdem Trent sie vertrieben hatte. Vivian war bleich. Verängstigt. Der Haufen Federn am Fuße des Felsens bewegte sich nicht, aber trotzdem hob ich den Schutzkreis. Dann stellte ich mich zitternd hin und wartete einfach.
»Willst du ihn dir nicht ansehen?«, fragte Vivian, und Jenks landete auf meiner Schulter.
»Ja, genau«, sagte Jenks und verlor vor Erschöpfung Mengen von Staub. »Man piekt das Monster nicht, wenn es am Boden liegt. Man läuft weg.«
»Ich werde diesen Schutzkreis nicht verlassen«, sagte ich. »Gib ihm eine oder zwei Stunden, und wenn er sich dann immer noch nicht bewegt, können wir Steine draufwerfen.« Dämon. Ich fing an zu glauben, dass es wirklich einer war.
Trent trat näher, blieb aber sofort stehen, als ich ihm einen bitterbösen Blick zuwarf. Aber ob wir nun den Vogel pieken oder einfach wegfahren sollten, wurde unwichtig, als der schwarze Berg sich bewegte. Angst versteifte meine Schultern, als ein Mann sich erhob und Federn verlor. Sie glitten von ihm herab und enthüllten einfach geschnittene graue Hosen, ein einfaches Hemd und weiche graue Lederschuhe. Sein schiefergraues Haar war an den Stellen, wo es die Sonne reflektierte, silbern, und als er sich umdrehte, lächelte er, als würde er sich darüber freuen, dass ich ihm Schmerzen bereitet hatte. Er war größer als ich. Bleich. Silbern. Geschliffen. Dämon.
Ich schaute zu Trent und dachte, dass es besser war, ihn zum Feind zu haben als zum Freund, wenn das seine Vorstellung von Hilfe war. Trent hielt den Kopf gesenkt, und es machte mich wütend, dass ich der Grund dafür war, dass er in Sicherheit war und der Rest von uns nicht. Gott! Ich war ein Narr. Al hatte Recht gehabt.
Vivian starrte die sich nähernde Gestalt mit offenem Mund an, und Jenks schwebte am Rand der Blase, die Hände in die Hüften gestemmt, während er die neue Bedrohung einschätzte. Ivy hatte Angst, versuchte aber, es nicht zu zeigen, als der Dämon vor uns anhielt. Er wirkte stark und sehr selbstsicher. Und jung, selbst mit den silbernen Haaren. Ich wand mich, als seine Ziegenaugen von Vivian zu mir glitten.
»Aber die Sonne scheint!«, flüsterte Vivian, und Ku'Sox lächelte erfreut. Er wandte den Blick von mir ab, ließ ihn über Trent und dann weiter gleiten. Den kann ich nicht haben. Er hatte mich mit beiläufigem Desinteresse gemustert. Aber ich hätte gewettet, dass es nicht so bleiben würde.
»Es ist der Ku'Sox!«, schrien die Pixies aus dem Wagen, und ich atmete durch. Ivy wedelte mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum, als sie hervorschossen und sie umschwärmten. »Der Ku'Sox Sha-Ku'Ru!«
»Ich bin der Verschlinger«, sagte der schmalgesichtige Mann und ich atmete tief durch. Dreck, seine Stimme war genauso grau wie der Rest. Silbern und grau, mit einem seltsamen Akzent, den ich erst einmal gehört hatte. Es war Newts.
Ku'Sox musterte meinen Schutzkreis und machte mich noch nervöser, als er sich erst in die eine, dann in die andere Richtung lehnte, um seine Größe und den schwarzen Dämonenschmutz abzuschätzen, der über seine Oberfläche kroch. Ich wurde bleich, als mir klarwurde, dass der Schmutz auf meiner Blase von ihm angezogen wurde und sich dort sammelte, wo er stand — als würde das Schwarz versuchen, ihn zu erreichen. »Leute«, sagte ich und wünschte mir inständig, ich könnte weiter zurückweichen. »Ich glaube nicht, dass ich einen gezogenen Kreis dieser Größe gegen ihn halten kann.«
»Nein, kannst du nicht«, sagte Ku'Sox, und sein Blick suchte wieder mich. »Was bist du doch für eine seltsame Art von Hexe.« Er atmete tief durch, und Überraschung glitt über sein Gesicht. »Und du trägst die Kleidung eines Mannes«, fügte er hinzu, als seine goldenen Augen plötzlich eine fahlblaue Färbung annahmen. »Wie eigenartig. Du bist weiblich.«
»Vorsicht!«, schrie Jenks, aber plötzlich würgte ich und meine Finger gruben sich in Ku'Sox' Hand, die meine Kehle umklammerte. Er hatte mich. Seine Finger lagen einfach um meinen Hals, während meine Füße über dem Boden baumelten. Irgendwie hatte er mich aus meinem Kreis gezogen und ihn damit gebrochen. Er war zu groß gewesen, um ihn gegen den Dämon zu halten, und er hatte ihn zerstört.
Nach Ivys und Jenks' Protestschreien zu schließen, hatte Vivian den Schutzkreis neu errichtet. Sie hatte auch keine Chance, ihn zu halten, aber Ku'Sox hatte anscheinend kein Interesse mehr an ihnen. Nein, ich war das verdammte Dämonenbonbon. Musste an den roten Haaren liegen.
»Warte!«, presste ich hervor. Ich konnte noch atmen und fühlte seine Finger fest an meinem Hals. Er stank nicht nach Dämon. Und seine Augen, auch wenn sie immer noch geschlitzt waren wie die einer Ziege, hatten ein fahles Blau mit einem dünnen Ring Schiefergrau an den Rändern angenommen. Seine Lippen waren dünn und sein Kinn schmal. Al hatte einmal erklärt, dass er seine Augenfarbe ändern konnte, wenn er sich Mühe gab. Hatte Ku'Sox sich die Mühe gemacht oder waren seine Augen von Natur aus blau?
Angst breitete sich in Wellen in mir aus, und ich zitterte, als meine Zehen den Boden berührten. »Ähm, können wir reden?«, stieß ich hervor, und das Lächeln des Dämons wurde breiter. Seine Zähne waren flach und klotzig wie die von Al, und sehr weiß.
»Können wir reden?«, wiederholte er leise und sah mich auf nicht besonders nette Art an. »Vielleicht. Ha-all-oo«, sagte er langgezogen. »Nett dich kennenzulernen, kleine rothaarige Hexe.«
»Lass mich raus, Vivian!«, schrie Jenks, und ich bemühte mich, sie zu sehen.
»Wage es nicht ...«, presste ich hervor, dann sah ich wieder zu Ku'Sox auf, als er seine Hände von der Kehle an meine Schultern verlagerte und meine Füße wieder den Boden berührten. Ich konnte frei atmen, und ich starrte unverwandt den Mann ... Dämon ... Ku'Sox an. Ausgewaschene, fahlblaue Augen huschten über meine Schulter, dann zurück zu mir.
»Ich weiß nicht, wer du bist«, sagte ich geradeheraus, während seine langen, schmalen Finger sich in meine Schulter gruben, »aber du solltest gehen.«
»Mutig«, sagte er. Ich rammte ihm meine Faust in den Bauch, als er versuchte, mich über die Schulter zu werfen.
Ich weiß nicht, was genau meine Faust getroffen hatte, aber er ließ mich fallen. Ich holte kurz Luft, dann knallte ich auf den Asphalt. Ich hatte die Kreide noch in der Hand und weigerte mich, meine Finger zu öffnen. Ku'Sox' Schuhe waren nur Zentimeter vor meinen Augen, und meine Knöchel bluteten, weil ich sie mir beim Fall aufgeschürft hatte. Ich hatte meine Kreide noch. Verdammt, ich hatte meine Kreide noch.
Ich konnte hören, wie Ivy Vivian anschrie, und ich betete, dass sie den Schutzkreis geschlossen hielt. »Lasst mich das regeln!«, warnte ich alle. Als ich den Kopf hob, wirkte Ivy, als wäre sie bereit, Vivian gegen ihren eigenen Kreis zu stoßen und damit ihr Leben und das der anderen zu gefährden. »Bitte«, flehte ich Ivy an, und mit fast schmerzverzerrtem Gesicht ließ sie Vivian los. Die Frau vom Hexenzirkel stolperte gegen das Auto und glitt erschüttert auf den Asphalt. Trent war ein schweigender Beobachter und Jenks ...
Ich wandte den Blick ab. Jenks war außer sich.
Ku'Sox lachte nur, aber gleichzeitig befühlte er seine Rippen. »Du wirst meine Erste seit langer Zeit sein«, sagte er, beugte sich vor, stemmte die Hände auf die Knie und musterte mich. »Gibt es etwas, was du nicht so gerne machst?«
»Schieb's dir in den Arsch«, keuchte ich.
Ku'Sox richtete sich auf. »Die Dame bestimmt«, sagte er, dann griff er nach meiner Schulter.
»Aaaauuuuu!«, jaulte ich, als er mich mit Energie überflutete. Stocksauer stand ich auf, was ihn tief schockierte. Ich speicherte die Energie und schleuderte sie direkt zu ihm zurück. »Lass das!«, schrie ich, als er nach hinten stolperte. Seine silberne Kleidung schien plötzlich schwärzer.
Ku'Sox fing sich ungefähr zwei Meter von mir entfernt und blinzelte überrascht. »Wer zur Hölle bist du, Hexe, die sich wie ein Mann kleidet?«
Ich holte Luft, um ihm mitzuteilen, dass er sich ins Knie ficken konnte, aber meine Worte blieben ungesagt, als mein Kopf zu explodieren schien. Keuchend fiel ich auf die Knie. Er war in meinem Kopf. Oh Gott, er ist in meinem Kopf! Ich sah Fetzen meines Lebens vor mir, während er als Zuschauer in den Schatten stand: Eine Schwester im Krankenhaus, als ich dreizehn war — und seine fahlblauen Augen verspotteten mein Leid, als mein Vater starb; dann war er mit im Camp, auf dem Pferd hinter meinem; dann war er im Park und führte einen Hund spazieren, als der Spaziergänger, den ich beobachtet hatte, als ich meinen Handel mit Al geschlossen hatte. Er war an keinem dieser Orte gewesen, aber jetzt, als ich die Momente erneut durchlebte, war er da. Erfuhr alles, übersah nichts.
»Raus da!«, brüllte ich, die Hände gegen meinen Kopf gepresst, während ich mich bemühte, meine Stirn nicht auf den Boden zu schlagen.
»Rache' Mariana Morgan«, sagte Ku'Sox und riss eine Hand nach vorne. Ich hörte, wie Ivy grunzte. Der Schutzkreis war gefallen. Nein. Bitte nein.
»Wer hat dir so gefährliche Tricks beigebracht?«, fragte Ku'Sox, und ich spürte eine Berührung an der Schulter, zögerlich und sanft.
»Fahr ... zur ... Hölle«, keuchte ich. Nein, nicht diese Erinnerung, dachte ich schmerzerfüllt, als ich seine Reflektion im Spiegel entdeckte, an dem Abend, an dem Kisten gestorben war.
»Algaliarept?« Die Naht an Ku'Sox' Ärmel glänzte in der Sonne, als er Magie auf Jenks warf. Ich fühlte, wie sich Tränen in meinen Augen bildeten und heiß auf meine Knie tropften. Sie versuchten, gegen ihn zu kämpfen, während ich zusammengesunken auf dem heißen Asphalt saß und mein Leben für den Dämon noch einmal lebte. »Warum lässt der Dummkopf dich hier in der Sonne herumwandern, kleine Vertraute?«
»Raus aus meinem Kopf ...«, hauchte ich und versuchte, mich nicht daran zu erinnern, dass ich keine Vertraute war, sondern fast eine Gleichgestellte. »Raus jetzt!«
»Oh!«, rief er plötzlich, als eine Erinnerung an Trent in mir aufstieg. Jonathan war da, und sein Gesicht hatte Ku'Sox' Augen. Und dann keuchte ich auf, und meine zur Faust geballte Hand glitt über den Asphalt. Ich war wieder allein in meinem Geist. Schwer atmend senkte ich den Kopf und sog die Hitze in mich. Oh Gott, es war furchtbar gewesen. Mein Leben. Er hatte mein gesamtes Leben gesehen.
»Du kannst Dämonenmagie entzünden?«, fragte Ku'Sox leise und beugte sich über mich. Zwischen uns hing ein Hauch von verbranntem Bernstein. Aber ob das von ihm oder von mir kam, wusste ich nicht.
Ich atmete scharf ein, als seine Arme sich um mich legten. Mit baumelndem Kopf versuchte ich mich zu konzentrieren, versagte aber. Ich war nur noch am Leben, weil ich für ihn interessant war.
Ich hatte die Hand immer noch zur Faust geballt. Er zog meine aufgeschürften Knöchel an seinen Mund und leckte mein Blut ab. Mir gelang es, mich auf ihn zu konzentrieren. Er hatte eine Narbe auf dem Augenlid, wie Lee. Sobald ich meinen anderen Arm bewegen konnte, würde ihm ein Auge fehlen.
»Du bist ein Verbindungsglied«, sagte er und grinste mich an, als hätte er auf dem Jahrmarkt eine Puppe gewonnen. »Und du hast rote Haare und trägst Hosen. Ich liebe rote Haare. Einmal habe ich einer ganzen Generation von Hexen rote Haare verpasst. Das war, bevor sie mich im Boden eingeschlossen haben.«
»Lass mich runter«, verlangte ich, und er tat es. Er stützte mich, bis ich das Gleichgewicht wiedergefunden hatte, aber als ich versuchte zu entkommen, schlang sein Arm sich fester um meine Hüfte.
»Scheint, als wäre ich gerade rechtzeitig freigekommen«, murmelte er und musterte mich noch einmal von oben bis unten. »Warum vertrödelst du deine Zeit mit Algaliarept? Er ist ein Stümper. Aber wahrscheinlich ist er der Beste, den sie jetzt noch haben. Außer, Newt lebt noch. Ich war für ...« Er blinzelte nachdenklich in die Sonne. » ... geschätzte zweitausend Jahre weg?« Mit einem Stirnrunzeln sah er mich wieder an. »Zweitausend Jahre, und du hast rote Haare. Was für ein Vermächtnis!«
Er schien glücklich darüber zu sein, aber ich versuchte immer noch, auf meinen eigenen Füßen zu stehen. Mir gefiel nicht, was ich hörte, und ich war mir sicher, dass Vivian jetzt noch glücklicher war als gerade eben. Ku'Sox war tatsächlich ein Dämon. Der. Unter. Der. Sonne. Wandelte. Ich brauchte Antworten, aber ich wollte sie von Al, nicht von ... Coole Socke hier.
Vivians Gesicht war grau. Sie stand mit einem Stück Kreide in der Hand vor dem Auto. Um Ku'Sox und mich war ein noch nicht errichteter Schutzkreis gezogen und ihre Absicht war klar. Ivy stand mit Jenks neben ihr. Die wilden Pixies, die immer noch bei uns waren, hatten sich unter dem Auto versteckt. Ich suchte Jenks' Blick, und er zuckte mit den Achseln, wobei er pantomimisch darstellte, dass ich ihn schlagen sollte. Könnte funktionieren, dachte ich. Ich hatte eine bessere Chance, ihn in einem kleineren Kreis zu halten, als ihn aus einem größeren fernzuhalten, der das gesamte Auto umfasste. Mein Herz raste, ich riss den Fuß hoch und donnerte ihn gegen Ku'Sox' Schienbein.
Der Dämon heulte auf, und sein Griff lockerte sich ein wenig.
»Roll dich weg!«, schrie Jenks, und ich warf mich nach vorne auf den Boden. Ich fühlte Vivians Schutzkreis noch an meinen Fersen, aber ich hatte es rechtzeitig geschafft. Ein Stöhnen entwich mir, als ich wieder auf den Parkplatz knallte, und ich kam nur langsam auf die Füße. Die Hand immer noch um meine Kreide geballt, drehte ich mich keuchend um. Der Dämon war in einem Schutzkreis — einem Hexenzirkelschutzkreis —, und der Kreis würde nicht halten.
Und tatsächlich, Ku'Sox drückte mit entschlossenem Gesicht dagegen, und Rauch stieg an der Stelle auf, an der seine Finger die Barriere berührten. Der vertraute Geruch nach verbranntem Bernstein wurde stärker und ich setzte mich eilig in Bewegung. Gebückt ging ich um Vivians Schutzkreis herum und betete, dass die magnetische Kreide nicht springen würde, keine Lücke lassen würde. Der Kreis musste perfekt werden. Und trotzdem würde er vielleicht nicht halten.
»Rhombus«, hauchte ich, als ich fertig war, und ließ mich mit dem Hintern auf den heißen Asphalt fallen, als der Schutzkreis sich hob.
»Sohn einer Werhure!«, brüllte Ku'Sox, als seine dampfende Faust Vivians Barriere durchbrach, nur um gegen meine zu knallen. Er riss die Hand zurück und schüttelte sie, als würde sie brennen. Seine fahlen Augen glitten zu mir, und ich rutschte ein Stück nach hinten. Der Kreis war perfekt. Er würde halten. Musste er einfach.
»Ich konnte ihn nicht halten«, keuchte Vivian, und ich sah sie an. Sie lehnte am Auto und wirkte ausgezehrt.
Ich zuckte zusammen, als Ivy mich an der Schulter berührte, dann ließ ich zu, dass sie mir auf die Beine half. »Bist du okay?«, fragte sie, und ich nickte. Langsam zog sie ihre Hand zurück, und ich atmete in dem Versuch, mich zu sammeln, tief durch. Trent lehnte am Auto und wich meinem Blick aus. Bastard.
Ich atmete noch einmal durch und wich noch ein wenig zurück, bevor ich den Dreck von meinen Handflächen klopfte. »Danke«, sagte ich zu Vivian, als ich die Kreide in meinen Hosenbund schob. Dann warf ich einen weiteren Blick zu Trent und fragte mich, was für ein Spielchen er spielte. Der Idiot hatte einen Dämon beschworen, den er nicht kontrollieren konnte. Was hatte er erwartet?
»Ich konnte ihn nicht halten!«, sagte Vivian wieder, und ich schlurfte müde zu ihr hinüber. Das Positive daran? Zumindest hatte der Hexenzirkel jetzt einen Beweis dafür, dass Dämonen in der Realität auftauchen konnten, wenn die Sonne am Himmel stand. Al hatte es getan, als er in Lees Körper war. Aber ich ging nicht davon aus, dass Ku'Sox einen Körper in Besitz genommen hatte. Das hier war etwas völlig anderes. Super.
»Ich konnte ihn nicht halten«, sagte Vivian zum dritten Mal, und ich runzelte die Stirn.
Pierce hätte vielleicht einen Schutzkreis errichten können, der ihn hielt. Aber er war nicht da. »Er ist ein großer Kerl«, sagte ich schließlich mit einem kurzen Blick zu Ku'Sox. »Sind alle in Ordnung?«
Sehr zu meiner Erleichterung fing Ku'Sox nicht an, Drohungen auszustoßen oder Monologe zu halten. Der Chor der Pixies erinnerte mich an Jenks' Kinder. Das waren Erinnerungen, die Ku'Sox jetzt kannte. Das gefiel mir nicht. Wenn er meine Geschichte kannte, dann wusste er, was ich mit ihm machen würde.
»Es war nicht mal ein großer Kreis.« Vivian setzte sich offensichtlich erschüttert ins Auto. Sie wirkte niedergeschlagen und erschöpft.
Ich schaute zurück zu dem geduldig wartenden Dämon und auf Vivians nutzlosen Kreis auf dem Boden. »Es ist eine harte Welt.« Ich humpelte zu Ivy und lehnte mich neben ihr an den warmen Wagen. »Den hier kenne ich nicht«, sagte ich. Ich sprach mit Vivian, aber ich beschuldigte indirekt Trent. »Er ist ziemlich widerwärtig.«
»Widerwärtig?«, sagte Ku'Sox, und mein Blick glitt zu ihm, weil ich die Drohung in seinen Worten hörte.
»Wenn du mich jemals wieder anfasst«, sagte ich leise, »lasse ich deine Gonaden explodieren. Verstanden?«
Trent hielt den Kopf nachdenklich gesenkt, und das machte mir Sorgen. Wäre ich nicht so verdammt müde gewesen, hätte ich auch ihn angeblafft. »Dämon«, setzte ich an, und Ku'Sox grinste erwartungsvoll. Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Er wollte gebannt werden.
»Warte!«, sagte Trent und hob die Hand.
»Du wirst diesen Ort verlassen und ins Jenseits zurückkehren, um uns nicht mehr zu belästigen«, beendete ich meinen Satz.
Trent stoppte seine Vorwärtsbewegung und wandte sich ab, um seine Empörung zu verbergen, aber ich hatte es gesehen.
»Für den Moment«, sagte Ku'Sox, und seine Augen glitten von Trent zu mir. Sie verschwanden zuerst, dann sein Körper, bis nur noch eine obsidianschwarze Feder zurückblieb. Ich schüttelte mich, als auch sie schließlich in der Sonne schmolz.
Ich schloss die Augen und hörte Ivy seufzen. »Ich hasse Dämonen wirklich«, sagte sie. Und ich konnte ihr nur zustimmen.
»Okay, jeder, der kleiner ist als eine Teekanne — raus aus dem Auto!«, sagte ich laut. »Jenks, du bleibst. Und ich schwöre, wenn ihr wilden Pixies mir irgendwelche Probleme macht, werde ich euch alle in eine Kiste stopfen! Ich werde euch euren Sirup mit der Post schicken, und ihr werdet euch damit abfinden. Kapiert?«
Ohne zu protestieren, begannen die Pixies, in Dreier- und Fünfergruppen abzuschwirren. Ihr aufgeregtes Plappern verstärkte noch mein heftiges Kopfweh. Der Oberpixie war nirgendwo zu sehen, und es war mir auch egal. Als hätte er sich je bedankt. Mein Kopf pulsierte, als Trent steif an mir vorbeiging. Sein helles, feines Haar war schweißverklebt.
»Ihn so gehen zu lassen war ein Fehler«, sagte er im Vorbeigehen. Ich tickte aus und wirbelte ihn so herum, dass er schockiert gegen das Auto knallte.
»Du denkst, wir hätten ihn benutzen sollen?«, schrie ich, und Ivy, die gerade meinen Beschwörungsspiegel wieder in den Kofferraum räumte, zögerte. »Vielleicht findest du, wir hätten einen Sprung nach Seattle gegen seine Freiheit eintauschen können? Bleib bei deinem Scheckbuch. Dann werden wir alle länger leben.«
Mit zusammengebissenen Zähnen beharrte Trent auf seiner Meinung, während Jenks auf meiner Schulter landete. »Ich sage ja nur ...«
»Nichts!« Okay, ich schrie, aber ich hatte eine Menge Adrenalin im Blut, das erst mal ein Ventil finden musste, bevor ich weiterfuhr, als wäre nichts geschehen. »Das war ein Dämon! In der Sonne. Hältst du dich für cleverer als er? Das bist du nicht! Wenn du dich mit Dämonen einlässt, stirbst du!«
Sein Blick glitt zu Vivian. »Du arbeitest mit ihnen zusammen«, sagte er. »Hältst du dich für etwas Besonderes?«
Das war eine bösartige, spitze Bemerkung, und ich wurde noch wütender. »Ich wünsche mir wirklich, es wäre anders, Trent«, sagte ich, und es gelang mir, ihn nicht zu schlagen. »Ich bin etwas so Besonderes, dass es mich umbringen wird. Dieser da ...« Ich zeigte auf meinen leeren Schutzkreis. »Dieser da ist übel. Ihn jetzt zu bannen mag morgen zu einem Problem werden, aber es ist auf alle Fälle besser, als ihn zu behalten und zu versuchen, ihn zu kontrollieren. Und je eher du das in deinen dämlichen Schädel kriegst, desto länger werden wir alle leben. Es war meine Entscheidung, ihn zu bannen, und du wirst dich hinsetzen, den Mund halten ...«
» ... und die Fahrt genießen«, beendete er den Satz, und auch der letzte Rest seines weltgewandten Geschäftsmann-Auftretens verschwand, als er sich vorbeugte und geschmeidig ins Auto glitt. Er rutschte durch und knallte die Tür zu.
Ivy warf mir einen Blick zu, den ich nicht deuten konnte, und kratzte sich am Nacken, als sie neben ihm einstieg und das Fenster runterkurbelte. Ich war verschwitzt und mir war heiß. Vivian rutschte über die Vorderbank, bis sie hinter dem Lenkrad saß, so dass ich nur noch einen Schwarm Pixies durchqueren musste, um auf den Beifahrersitz zu fallen.
Ich stieg ein und fühlte Trents bösen Blick geradezu im Nacken. Das Kunstleder war warm. Mein Nacken juckte, und mir wurde klar, dass wir irgendwann gepixt worden waren. Verdammt, das war einfach nicht mein Tag. »Ich dachte, du wärst müde«, sagte ich mit einem Blick auf Vivian, und sie runzelte die Stirn.
»Jetzt bin ich wach.« Ohne ein weiteres Wort startete sie den Motor und spielte an der Belüftung herum, bis fast alle Düsen auf mich gerichtet waren. Ich fühlte mich schrecklich. Ich hatte zwei Tage lang nicht geduscht.
Die Pixies waren verschwunden, und ich pfiff nach Jenks. Er brummte müde in das Auto und fiel fast, als er den Halter des Rückspiegels umklammerte. Seine langen Locken wehten um seinen Kopf, und er verlor heftig Staub. Ich fragte mich, wo auf den letzten zweihundertfünfzig Kilometern er seinen Haargummi verloren hatte.
»Danke fürs Fahren, Vivian«, sagte ich, während sie vorsichtig auf die Straße einbog und dabei doch tatsächlich den Blinker setzte.
Die junge Frau schwieg nachdenklich. Sie kurbelte ihr Fenster nach oben und ließ die Klimaanlage ihren Dienst tun. »Er hat meinen Schutzkreis durchbrochen, als wäre nichts dabei«, sagte sie dann und warf mir einen kurzen Blick zu. Sie wirkte, als wäre es ihr peinlich. »Und was hat er in der Sonne getan?« Wieder sah sie mich an, diesmal mit Angst im Blick. »Hast du ihn gerufen?«
Ich rieb mir das Blut von den Knöcheln und versteifte mich, als ich mich zwang, mich nicht umzudrehen und Trent böse anzustarren. Mein Blut sah aus wie das von jedem anderen, aber jeder, der Blut hatte wie ich, starb, außer er erhielt drei Jahre lang eine illegale Genbehandlung, die als Sommercamp getarnt war.
»Hast du?«, fragte sie wieder und ich schüttelte den Kopf, ohne etwas zu sagen. Jenks' Flügel klapperten, und ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Trents Aussage war vielleicht das Einzige, was zwischen mir und einer Zelle in Alcatraz stand, und ich würde nicht zulassen, dass er als Dämonenbeschwörer abgestempelt wurde — noch nicht. Jenks würde ebenfalls den Mund halten. Und Ivy natürlich auch.
»Dämonen kommen, Vivian«, sagte ich schließlich, kurbelte mein Fenster nach oben und richtete auch noch die letzte Düse auf mich aus. »Sie finden Wege um die Regeln herum. Die genetischen Kontrollmechanismen sind gebrochen, und das Dämonengenom wird sich selbst reparieren. Wir werden das werden, was wir einst waren. Vielleicht nicht in dieser Generation, vielleicht nicht in der nächsten, aber wenn es passiert, können die Hexen entweder bereit sein, oder wie Pixies, die von einem riesigen Vogel gefressen werden.«
Vivian starrte auf die Straße, während sie über meine Worte nachdachte. »Ich muss nach San Francisco. Ich muss mit dem Hexenzirkel reden.«
»Ich auch.«
Ich lehnte mich zurück und drehte mein Gesicht zur Sonne. Die Helligkeit erzeugte sogar hinter meinen Augenlidern blutrote Flecken. Ich wollte nicht als schwarze Hexe abgestempelt und weggesperrt werden, aber gleichzeitig verschaffte ich dem Hexenzirkel ein sehr klares Bild davon, was passieren konnte, wenn sie mich am Leben ließen.
Und ich konnte einfach nichts dagegen tun.