26
Das trockene Geräusch rutschender Kohlen weckte mich. Ich zuckte zusammen und klammerte mich an eine schwarze Decke, die nach Brimstone roch. Ich setzte mich nicht auf, da es gemütlich und warm war und ich immer noch eine träge Mattigkeit verspürte. Ich lag auf der sanft gebogenen Bank um das zentrale Feuer in Als Küche. Ich war schon früher hier eingeschlafen, aber diesmal fühlte es sich anders an.
Ein schwaches Licht leuchtete auf einem neuen, honigfarbenen Schiefertisch, der vor dem kleineren Kamin stand. Al saß davor, den Rücken zu mir gewandt, und sang leise. Zumindest glaubte ich, dass es Al war. Es sah nicht aus wie er, aber es sah auch nicht aus wie Pierce.
Al war in meinem Kopf. Er hat meine Gedanken real gemacht. Er hat mich bis in die Tiefen meiner Seele gesehen, ich habe nichts von ihm gesehen ... und er ... summt?
Die männliche Gestalt war ein gutes Stück größer als Al, aber schmaler, ohne die breiten Schultern, die mir so vertraut waren. Kurze rote Haare überzogen ihn fast wie ein Pelz, wo immer man rund um das einfache schwarze Hemd und die schwarze Hose Haut sah. Die Muskeln waren gut definiert, eher sehnig als aufgeblasen. Glänzende ebenholzschwarze Erhebungen über seinen Ohren waren vielleicht Hörner, und bei Gott, ich glaube, er trug denselben greiffähigen Schwanz, den ich schon gesehen hatte, als er Treble bedroht hatte.
»Al?«, krächzte ich und legte eine Hand an die Kehle, als das rostige Geräusch erklang.
Der raue Singsang brach ab, und er wirbelte herum, wobei ein Kraftliniendingsbums vom Tisch fiel. Mit geschickter Hand fing er es auf. Eine Schicht aus Jenseits glitt über ihn und enthüllte dann den vertrauteren Anblick von Als normaler Gestalt, auch wenn er immer noch einen Pyjama trug und in seinen roten Ziegenaugen Überraschung stand. Er drehte den Spiegel, in den er geschaut hatte, mit dem Gesicht nach unten und verdeckte damit auch das Pentagramm und die Glyphen, die er in seinen neuen Schiefertisch geritzt hatte.
»Du bist wach!«, sagte er, und ich zuckte zusammen, als seine Stimme in meinem Kopf widerhallte.
»Ja«, keuchte ich, die Hände über die Ohren geschlagen. Ich öffnete vorsichtig ein Lid und sah, wie er einen neuen Fluch murmelte und die nächste Welle Jenseits über ihn hinwegglitt. Was tut er hier, während ich schlafe? »Ich fühle mich nicht besonders«, sagte ich, als ich mich aufsetzte. »Was tust du hier?«
»Ich versuche, mich daran zu erinnern, wie ich aussehe«, murmelte er und wurde rot — vor Verlegenheit, nicht durch einen Zauber oder einen Fluch. Er berührte den Spiegel, der daraufhin verschwand.
Ich verzog das Gesicht und schaute durch den von Kerzenlicht erhellten Raum. Ich vermisste die Sonne jetzt schon. Ich fühlte mich, als hätte ich den ganzen Tag gearbeitet und wäre dann durchgefroren ins Bett gegangen. Es musste etwas mit der Errichtung des Konstrukts zu tun haben. Ich hatte den Schmutz dafür nicht auf mich genommen und fragte mich, wer es getan hatte. Al? »Du hast mal gesagt, ich hätte deine DNS zurückgesetzt. Kannst du nicht einfach ... Ich weiß nicht ... Plug and Play?«
»Plug and Play ...«, grummelte Al und wandte mir seinen breiten Rücken zu, während er das Kraftlinienzeug in einen hohen Schrank legte und die Tür mit einem Schlüssel verschloss, nicht mit einem Zauber, der manipuliert werden konnte. »Du kannst ja so fantastisch mit Worten umgehen. Ja, meine DNS wurde zurückgesetzt, aber nicht alle Gene eines Lebewesens sind aktiv. Ich muss mich entscheiden, welche ich anschalte.«
Wie zum Beispiel das Gen mit den gekräuselten roten Haaren. »Oh«, sagte ich nur und sackte in mich zusammen. Verdammt, war ich müde. Ich streckte meine Beine unter der schwarzen Decke heraus und fühlte, dass mir alles wehtat. Ich trug immer noch das kurzärmlige Hemd und die Jeans, die Newt mir am Rande der Wüste angezogen hatte, aber zumindest hatte Al mir die Turnschuhe ausgezogen — und nur die Turnschuhe.
Ich schwieg und dachte über den krausen roten Pelz nach, mit dem er überzogen gewesen war. Und den Schwanz. »Ich mag dich irgendwie so, wie du jetzt bist«, sagte ich und fühlte jeden Muskel, als ich die Beine auf den Boden schwang und meine Zehen den kalten Boden berührten. »Wo ist Pierce?«
»Ich weiß es nicht.«
Vor Überraschung vergaß ich, was ich als Nächstes hatte sagen wollen. Er wusste es nicht? So wie er es gesagt hatte, klang es eher, als wäre es ihm egal. Es sah Al gar nicht ähnlich, sich einen Profit entgehen zu lassen, und ich fragte mich, was los war. Ich bewegte meine schmerzenden Schultern und murmelte: »Ich mag es nicht, wenn du hier bist, während ich schlafe. Ich finde es gruselig.«
»Na ja, es war einfacher für mich, hier leise zu arbeiten, als dich in mein Zimmer zu bringen.« Er stand auf, eine Handvoll Kraftlinienamulette in seinen dicken Händen. »Jetzt, wo du wach bist, wirst du dort einziehen.«
Meine Arme taten weh, und ich rieb sie. Dann hielt ich inne. Dort einziehen? »Hey, hey, hey«, sagte ich und wurde mit einem Schlag wach. »Okay, ich habe dich in meinen Kopf gelassen und alles, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich in dein Bett einziehe!« Ich stand wackelig auf, und plötzlich war er neben mir und stützte mich.
»Lass mich los«, schrie ich, entriss ihm meinen Arm und fiel nach hinten auf die weiche, warme Decke. Mein Herz raste, und ich fühlte mich überraschend schwach. »Ich mag ja ein Dämon sein«, rief ich und fühlte, wie Tränen in meine Augen stiegen, als alles wieder aufstieg. »Aber ich bin nicht deine Freundin, deine Frau oder irgendwas. Nichts!«, brüllte ich und zog zitternd die Knie ans Kinn. »Ich teile mir nicht ein Zimmer mit dir, und auch nicht das Bett oder das Leben. Ich kann ganz prima hier schlafen!«
»Rachel, Rachel, Rachel«, sagte er, sehr ruhig und bewegungslos. »Immer ziehst du die falschen Schlüsse. Du bist wie ein Frosch, weißt du?« Al zog sich an den kleineren Kamin zurück und sah dabei nicht aus wie er selbst. Verlegen senkte ich die Beine wieder. Dreck, ich hatte mich zusammengekauert wie ein kleines Mädchen.
»Falsche Schlüsse«, sagte ich bitter. »Was ist da falsch zu verstehen? In dein Zimmer einziehen? Klingt für mich klar genug.«
Al drehte seinen Stuhl am Tisch so herum, dass er mich ansah und mit dem Rücken zum Kamin saß. Er wirkte zerknittert, bis er sich die Mühe machte, sich aufrecht hinzusetzen. »Du kannst nicht weiter in der Küche schlafen«, sagte er und wirkte ein wenig verwirrt. »Und bevor du mich wieder anschreist«, sagte er hastig, als ich Luft holte, »ich werde in der Bibliothek schlafen. Du bekommst das Schlafzimmer.«
Ich stieß den Atem aus. Hä?
Al sah sich in seinem düsteren Arbeitszimmer um. »Hier ist es nicht sicher genug für dich. Zu viele Dinge könnten entkommen.« Ich zitterte, während ich an den Wandteppich dachte, der sich scheinbar von allein bewegte und nach dem Kampf mit Ku'Sox geblutet und geweint hatte. Oder die Flasche mit einer Seele darin, die mich fast übernommen hatte. Jetzt stand sie auf einem Regal, und die Seele wartete darauf zu fallen, um freizukommen.
»Oder eindringen«, fügte er mit einem kurzen Achselzucken hinzu. Ich zog die Decke höher, und meine Gedanken wanderten zu dem dunklen Fleck auf dem Boden des Vorratsraums, der mich anzog, wann immer ich allein dort unten war — und nur, wenn ich allein war. »Du hast nicht genug Schmutz auf der Seele, um dich zu verbergen, und du bist wie ein Licht, das Dinge anzieht.«
»Wie Motten?«
Als Blick sorgte dafür, dass mir kalt wurde. »Nein. Hässliche Dinge der Dunkelheit, die von Macht angezogen werden, und ich rede hier nicht von meinen Kollegen. Bis jetzt spielte es keine Rolle, aber ...« Al verzog das Gesicht. »Ich wusste, dass du etwas Besonderes bist, Rachel. Und bitte deute das nicht als Schwäche oder Weinerlichkeit ...«
»Du hast nicht geglaubt, dass ich es schaffen könnte.« Mein Herz schlug wie wild, und mir war schlecht. Ich war ein Dämon. Dreck auf Toast, ich war ein Dämon, und ich konnte nicht zurück. Etwas war in meinem Kopf angeschaltet worden und konnte nicht mehr ausgeschaltet werden.
Mit gesenktem Kopf sah Al auf seine nackten Hände, die er im Schoß gefaltet hatte. »Ich wusste, dass du es konntest, sonst hätte ich nicht zugelassen, dass du in diese Situation gerätst. Aber jetzt wissen es auch alle anderen. Ich hatte nicht erwartet, dass du so verletzlich sein würdest, und so was spricht sich herum. Es ist zu leicht für ...« Er zögerte. »Du bist einfach so verdammt hilflos ...«, setzte er wieder an, nur um wieder abzubrechen. »Wie soll ich sie fernhalten, jetzt, wo sie es wissen?«
Mein Magen verkrampfte sich, und ich konnte spüren, wie meine Miene ausdruckslos wurde. Andere Dämonen. Ich war von einer Kuriosität zu einem echten Dämon geworden. Vielleicht wollten sie sich jetzt erschleichen, was sie nicht mehr kaufen konnten — jetzt, wo ich einer von ihnen war und nicht mehr nur ein Vielleicht. Und Al wusste nicht, wie er es verhindern sollte?
»Schon gut«, sagte er, als er meine Angst sah. »Das Schlafzimmer hat Sicherungsvorkehrungen, die es hier nicht gibt.«
»Al?«, fragte ich, und er stand auf und drehte sich zum Feuer.
»Ich ziehe in die Bibliothek«, sagte er wieder. »Ich hätte dich gleich in mein Schlafzimmer gebracht, aber ich wollte nicht, dass du in einem fremden Zimmer aufwachst.« Er drehte sich wieder um und hatte die Augenbrauen in vertrauter Belustigung nach oben gezogen. »Falsche Schlüsse. Schreist mich an. Zerbrichst meine Sachen ...«
Ich zitterte und zog wieder die Knie ans Kinn. Mir war egal, ob ich so verängstigt aussah. Ich war es. Verletzlich. Er hatte mich verletzlich genannt. Ich hatte bewiesen, dass ich stärker war, und war damit schwächer geworden. »Du warst in meinem Kopf«, flüsterte ich und erinnerte mich daran, wie weh es getan hatte — meine Seele über das gesamte Kollektiv gestreckt, bis er mich daraus befreit hatte. »Du hast die Tulpa aus meinen Gedanken gelöst. Danke.«
Er stand wieder vor dem Tisch und wischte sowohl den Kreis als auch die Einkaufsliste daneben mit einem roten Tuch weg. »Gern geschehen.«
Seine Antwort klang wachsam, und meine Anspannung stieg. »Du hast meine Gedanken gesehen. Mehr als gewöhnlich.«
»Ja.« Er schrubbte und schrubbte.
»Ich konnte deine nicht sehen.«
Mit einem Lächeln drehte er sich um, und seine Augen wirkten im dämmrigen Licht fast normal. Seine Zähne blitzten auf. »Das liegt in der Natur der Sache, ja.«
Beklommen zählte ich die dreckigen Teller, die überall herumstanden und den Raum aussehen ließen wie die Mensa eines Verbindungshauses. Vielleicht hatte er Hunger gehabt. Ich hatte jedenfalls welchen. »Was hast du gesehen?«, fragte ich nervös.
Der Lappen, mit dem er den Tisch gewischt hatte, landete hinter ihm im Feuer. »Ich habe gesehen, was du bist«, sagte er, »und war beschämt. Ich habe gesehen, was du von anderen erwartest, und hätte dich als Miststück bezeichnet, wenn du nicht dasselbe von dir verlangen würdest. Ich habe gesehen, wie du mich siehst«, erklärte er. »Es war nichts, was ich nicht bereits wusste, aber da habe ich angefangen, mich zu fragen, was mir fehlt, was nicht da ist.«
»Al«, unterbrach ich ihn und erinnerte mich an unseren erzwungenen Kuss und wie es sich angefühlt hatte.
Aber Al schüttelte mit kränklicher Miene den Kopf. »Ich werde nicht derjenige sein, der dich ergänzt«, sagte er mit einem kurzen Blick zu mir, bevor er sich abwandte. »Du bist vielleicht ein verkorkstes Miststück.«
»Hey, danke«, murmelte ich, während ich meine kalten Zehen umfasste. Aber ich war glücklich, dass er nicht versuchen wollte, unsere Beziehung zu verändern, jetzt, wo ich hier gefangen war.
Als Miene wandelte sich und wurde verzerrt, voller Wut auf sich selbst. »Ich habe gesehen, wozu wir geworden sind. Weich, ineffektiv, lachhaft«, sagte er und ballte die Hände zu Fäusten.
»Ihr macht mir immer noch eine Höllenangst«, warf ich ein.
»Wir haben unser Exil akzeptiert und uns häuslich eingerichtet, statt einen Weg nach Hause zu finden. Wir sind eine Lachnummer.«
Oh, das. Ich rieb mir die Füße in dem Versuch, sie aufzuwärmen. »Tut mir leid.«
Al schüttelte einen silbernen Schal aus, der einen Moment zuvor noch nicht existiert hatte, und drehte sich wieder zum Tisch um. Er ließ den Stoff leicht über den geputzten Schiefer gleiten, als wolle er jede vielleicht verbliebene elektronische Ladung beseitigen. »Ich brauche dein Mitleid nicht.«
Nein, du brauchst einen guten Psychiater. Meine Augen glitten zu seinen Füßen, als ein schlurfendes Geräusch erklang. Schlappen? »Wo ist Ku'Sox?«, fragte ich und wünschte mir, ich könnte nochmal aufwachen und neu anfangen. Dass er in meiner Seele geschwommen war, mochte Al ja das Gefühl vermittelt haben, ungezwungen mit mir umgehen zu können, aber mich machte es nervös. Ich hatte keine Ahnung, was er als Nächstes tun würde.
Mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen wischte Al den Tisch noch einmal ab, bis auch die letzten Reste des Geschriebenen verschwunden waren. »Mach dir keine Sorgen wegen Ku'Sox. Du hast dich bewiesen.« Er erstarrte, sah mich an und im Feuerschein schienen seine Augen zu glühen. »Du hast hier deinen Platz.«
Vielleicht, aber ich wollte ihn nicht. Ich hatte einiges zu erledigen. Ich musste Trent fragen, was ich mit dem Fluch falsch gemacht hatte. Dann musste ich Ku'Sox finden, um ihn ihm zu geben, damit ich zumindest ohne Beschwörung nach Hause konnte. Zuhause ... »Wie spät ist es?«, fragte ich deprimiert.
Al schien den Themenwechsel genauso zu brauchen wie ich. Er schielte auf die Uhr über dem Kamin, und das Licht wurde heller. »Mittag?«
Super, ich war für Stunden außer Gefecht gewesen. Ivy und Jenks machten sich wahrscheinlich unglaubliche Sorgen. Vielleicht konnten sie mich beim nächsten Sonnenuntergang für ein paar Stunden beschwören und wir könnten Pläne schmieden, bis die Sonne aufging. Ich musste hier für eine Weile raus. Al machte mir Angst.
Ich warf die Decke von mir, dann zögerte ich und legte eine Hand auf meinen Magen. Ich war mir nicht sicher, ob ich schon aufstehen konnte. Verdammt, mir ist schwindlig. »Ich bin bewusstlos geworden«, sagte ich unnötigerweise, und Al setzte sich wieder in seinen Stuhl, um mich anzustarren. Eine Hand lag auf dem sauberen Tisch, die andere in seinem Schoß.
»Rachel, du hast ein Konstrukt errichtet, das groß genug ist, um mit einem Jet darin zu landen. Natürlich bist du bewusstlos geworden.«
Ich leckte mir unsicher die Lippen. »Danke, dass du den Schmutz übernommen hast.«
Er runzelte die Stirn und gab ein Grollen von sich. »Ich habe den Schmutz nicht auf mich genommen. Das war Newt, und ich würde eine Menge dafür geben, zu erfahren, warum.«
Newt hatte ihn genommen? War das gut oder schlecht? »Ich glaube, sie hat es getan, weil sie ein Teil davon sein wollte«, sagte ich, als mir einfiel, dass sie geweint hatte.
»Newt?«, blaffte Al und rutschte nervös auf seinem Stuhl herum. »Ich bezweifle, dass sie ein Teil davon sein wollte. Sie errichtet nicht mehr gerne Konstrukte. Sie vertraut niemandem genug, um sich von ihm beschützen zu lassen, während sie sich erholt. Das, und sie will niemanden in ihrem Kopf haben.« Al berührte sein Kinn, ein nervöser Tick, den ich noch nie zuvor bemerkt hatte. »Wie fühlst du dich?«
Wie fühle ich mich? Ich fühle mich scheiße. Mit der Hand am Bauch versuchte ich wieder aufzustehen, änderte dann aber meine Meinung und kuschelte mich lieber mit dem Rücken zu dem großen Feuer in die Decke. War der nervöse Tick gerade echt gewesen, oder war die Behauptung, dass er mich nicht als Freundin wollte, eine Lüge und er versuchte mich zu verführen? Er wusste alles. Was mich anmachte, was mich abturnte. Was meine Verteidigungen unterlaufen konnte. Wo ich verletzlich war. Es war genug, um verrückt zu werden. »Hungrig«, sagte ich schließlich. »Ich kann nicht glauben, dass ich einen halben Tag bewusstlos war.«
»Einen halben Tag?«, wiederholte Al langsam. »Versuch's mal mit guten drei.«
»Was?« Dieses Mal gelang es mir aufzustehen. Ich schwankte, bis Al zu mir kam und mich stützte. Sein Griff an meinem Ellbogen war ein wenig zu fest. »Drei Tage? Ich kann nicht drei Tage bewusstlos gewesen sein!«
Dreck auf Toast, ich hatte die Hochzeit meines Bruders verpasst!
»Langsam«, sagte er, als ich mich wieder hinsetzte, damit er mich losließ. »Newt hat gesagt, dass dir wahrscheinlich für eine Weile schwindlig sein wird. Deswegen bin ich hiergeblieben. Kannst du schon eine Linie anzapfen?«
Schon? Mit gesenktem Kopf konzentrierte ich mich aufs Atmen. Vorsichtig griff ich nach einer Linie, gerade genug, um zu wissen, dass ich es konnte, dann zog ich mich wieder zurück. Langsam sah ich den Sinn in der Sache. Frauen erdachten das Konstrukt, und ein Mann hob es aus der Psyche seiner Bekannten und beschützte sie, bis sie sich erholt hatte — und ich sage hier Bekannte, weil ich ganz sicher nicht Als Freundin war. Aber drei Tage? Jenks und Ivy waren wahrscheinlich krank vor Sorge. »Newt war hier?« Ich konnte die leichten Störungen in seiner Energie fühlen, die sie immer bei Al auslöste.
Ich hörte das Knarzen seines Stuhls, als er sich wieder hinsetzte. »Nachdem du am ersten Tag nicht aufgewacht bist, ja, da habe ich ihr ein paar Fragen gestellt. Kannst du eine Linie anzapfen?«
Ich schaute auf, als ich die Sorge in seiner Stimme hörte, und fühlte, wie sich etwas verlagerte. »Ja. Danke. Dafür, dass du auf mich aufgepasst hast.«
»Ich musste sie dazu zwingen, zu gehen«, sagte er und schaute überallhin, nur nicht zu mir. »Sie hat gesagt, ich könne nicht auf dich aufpassen. Miststück. Ich habe sichergestellt, dass du gegessen hast. Habe einen Säuberungsfluch über dich geschickt, wann immer du dich dreckig gemacht hast. Habe gewartet. Habe alles ferngehalten, bis deine Aura sich erholt hat.«
»Meine Aura? Al?« Jetzt war ich wirklich verängstigt, bis ich entschlossen die Linie anzapfte und das Kopfweh und die Schmerzen verschwanden. Ich war in Ordnung. »Du machst Witze, oder?«
Endlich fand mich sein unruhiger Blick. »Wäre es dir lieber gewesen, ich hätte dich drei Tage in deinem Dreck sitzen gelassen?«
»Nein. Ich meinte ... Ähm. Danke. Einfach ... Danke.« Heilige Fairyfürze, ich hatte nicht gewusst, dass ein Konstrukt zu errichten solch weitreichende Auswirkungen haben würde.
Al schob seinen Stuhl zurück und stand wieder auf. »Verdammt träge von dir.«
Es war deutlich zu merken, dass er erleichtert war, als er Teller und Tassen einsammelte und alles zusammen in die Küche schickte. Er hatte mich drei Tage lang bewacht? »Al. Danke dir. Ich meine es wirklich ernst.«
Er drehte sich um und wollte etwas sagen, aber stattdessen nieste er.
»Gesundheit«, sagte ich, und er hob genervt die Hand, als er nach seinem Beschwörungsspiegel griff, der zwischen Büchern steckte. Er holte ihn heraus und zog eine Grimasse. »Es ist für dich.«
Ich zog die Augenbrauen hoch und unterdrückte ein Schaudern, als das schwere, kalte Glas auf meinen Schoß rutschte. »Woher weißt du das?«
»Weil du eine Kraftlinie angezapft hast und sie darauf gewartet haben«, sagte er. »Du wirst dir eine neue Anrufglyphe schaffen müssen. Ich bin nicht dein verdammter Sekretär.«
Was bist du dann, Al? »Es war ja nicht so, als hätte mir der Hexenzirkel die Zeit gegeben, mein Gepäck zu holen, bevor sie mich gebannt haben«, sagte ich. Ich wollte meine Hand nicht auf die komplexere Glyphe legen, die Al benutzte. Die Linien glühten fast schon rot, und das Glas war so dunkel, dass ich überhaupt kein Spiegelbild erkennen konnte.
»Dann kaufe ich dir einen Spiegel, und du machst dir einen neuen«, sagte er, und ich lächelte, erleichtert, dass wir uns wieder auf vertrautem Boden befanden. »Geh dran, sei so lieb, ja?«, drängte er, genervt von meiner guten Laune.
Immer noch lächelnd, rutschte ich mühsam in den Schneidersitz und legte das schwere Ding wieder über meinen Schoß. »Größer konntest du ihn nicht machen, hm?«
»Der Junge mit dem größten Spielzeug gewinnt, Liebes«, sagte er mit einem anzüglichen Blick. Ich schaute nach unten.
Meine Hand lag bereits an der richtigen Stelle. Ich griff nach einer Linie und zapfte sie vorsichtig an, bis ich mir sicher war, dass mein Kopf nicht explodieren würde. Die Kraftlinie ergoss sich mit sanfter Glätte in mich, und ich fand problemlos das Kollektiv. Zumindest war meine Aura okay. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass ich sie beschädigt hatte.
Hallo?, sagte ich. Als Leitung?
Rache, dröhnte eine Stimme in meinem Kopf, und ich zuckte zusammen. So froh, dich erwischt zu haben und dass du dich gut fühlst, Liebes.
Ich warf einen Blick zu Al, der vorgab, das Feuer zu richten. Ach jaaaaa?, wagte ich. Nenn mich nicht Liebes. Ich habe einen Namen. Apropos, ich kenne deinen nicht.
Natürlich. Aber natürlich, schleimte der Dämon. Hier ist Strontanchaark. Zwei a's und ein rk. Du hast es vielleicht nicht bemerkt, aber ich war letzte Woche im Dalliance. Rote Federn ... silberner Kopfschmuck?
Tut mir leid, ich erinnere mich nicht, dachte ich und fragte mich, ob er auf ein Date aus war. Auf keinen Fall. Niemals. Unmöglich.
Mein Rufname ist Tron, fügte er hinzu, und ich seufzte.
»Schau, Tron«, sagte ich laut, damit Al wenigstens einen Teil des Gesprächs hören konnte und aufhörte, so zu tun, als müsste er etwas am Feuer richten. »Ich bin momentan ziemlich beschäftigt. Gerade erst aufgewacht. Habe einiges zu erledigen, weißt du ...«
Vollkommen verständlich, erklärte er schnell und konzentrierte sich schwer, um mich davon abzuhalten, die Verbindung zu unterbrechen. Aber wenn du diese Woche mal ein wenig Zeit für mich finden könntest, würde ich dafür sorgen, dass es die Mühe wert ist. Glaubst du, du könntest mir eine Replik von Rynn Cormels Schwimmbad anfertigen?
Ich blinzelte und versuchte, diesem Sprung zu folgen. Er wollte keine Verabredung. Er wollte mir einen Auftrag geben. Das ergab Sinn. Alles, was sie hatten, hatten sie schon seit Tausenden von Jahren, außer dem, was Newt ihnen geben konnte. Und vor drei Tagen hatte ich eine nagelneue Wüste für sie gemacht, in der sie spielen konnten.
»Rynn Cormel?«, stammelte ich, als Tron mich gedanklich piekte, um zu sehen, ob ich noch da war. »Das ist ein Scherz, richtig? Er hat gar kein Schwimmbad.«
Hat er schon. In Washington, erklärte Tron. In der Sonne. Das Konstrukt muss in der Sonne sein.
Mit einem unguten Gefühl winkte ich Al. Er drehte sich zu mir um und auf seinem Gesicht lag ein weiches, geheimnisvolles Lächeln. »Ähm, ich war noch nie im Weißen Haus«, stammelte ich. Und was sollte das mit der Sonne? Wussten sie nicht, dass ich verflucht worden war?
Dann geh rüber und schau es dir an.
Ich kniff die Augen zusammen, weil mir seine Einstellung nicht passte. »So einfach ist das nicht«, erklärte ich, weil ich mir nicht schon am ersten Tag den Ruf einfangen wollte, ein Miststück zu sein.
Aber du kannst es, beharrte Tron, dann zögerte er. Wie viel?
Seine Gedanken waren ausdruckslos, und ich fühlte eine Welle der Aufregung. Ein Dämon fragte mich, was ich wollte. Meine Augen glitten zu Al, und der zuckte mit den Achseln. »Was willst du?«, fragte er leise und etwas in seiner Stimme brachte mich zum Schaudern.
Ein Trip nach Hause war wahrscheinlich unmöglich. Das Nächstbeste wäre ein eigenes Zimmer, damit ich nicht in Als Schlafzimmer einziehen musste. Ich verlagerte nervös mein Gewicht und achtete darauf, dass meine Hand nicht verrutschte. Ich würde wohl niemals das Schwimmbad des Weißen Hauses in der Sonne sehen, aber vielleicht konnten wir eine Lösung finden. »Wie viele zusätzliche Zimmer hast du?«
Zimmer?, jaulte Tron auf, und ich verzog das Gesicht. Stinkende Mutterkornhülsenasche, du willst Zimmer? Mehrzahl?
Irgendwie ermutigte mich seine Reaktion, und ich sammelte meinen Mut, selbst als Al mich erstaunt anblinzelte. »Du glaubst doch nicht, dass ich dir die Sonne einfach schenke, oder? Aus der Freundlichkeit meines kleinen Dämonenherzens heraus? Du willst eine voll ausgearbeitete Tulpa mit den akkuraten Artefakten und der Sonne? Ich werde in die Realität wechseln und mich tagsüber aufs Gelände des Weißen Hauses schleichen müssen. FIB und I.S.-Agenten gleichzeitig ausweichen.«
Raub! Wegelagerei!, jaulte Tron in meinen Gedanken.
»Angebot und Nachfrage, Kumpel«, sagte ich und machte mich bereit, die Verbindung zu beenden. »Melde dich wieder, wenn du es ernst meinst.«
Nein, warte!, hörte ich ihn denken. Was ist mit dem Auto? Dem in der Wüste. Ich kann dir einen nur leicht gebrauchten Vertrauten geben, stubenrein und kunstfertig, wenn du dieses Auto für mich duplizierst.
Du willst das Auto meiner Mom?, dachte ich zurück, dann zog ich meine Gedanken für einen Moment zurück. »Ich lebe bei Al«, sagte ich mit einem Blick zu ihm. »Wenn ich einen Vertrauten will, wende ich mich an den Profi und bekomme von ihm einen. Ich brauche nicht die abgelegten Vertrauten anderer Leute. Du willst einen 89erBuick mit Ledersitzen und einem Kassettendeck. Ich will einen Raum zum Schlafen. Ruf mich wieder an, wenn du mir ein Zimmer bieten kannst. Uneingerichtet, wenn es dir nichts ausmacht. Ich mag den Müll anderer Leute nicht.«
Warte, rief er wieder, und ich grinste Al an, während ich versuchte, meine Aufregung zu kontrollieren, damit Tron sie nicht bemerkte. Wenn du es rot machen kannst und mir das Exklusivrecht versprichst, bekommst du von mir einen Wandschrank.
»Ein Wandschrank?«, rief ich und fühlte, wie Tron das Gesicht verzog. »Du findest, das Auto meiner Mom ist gerade mal einen lausigen Wandschrank wert?«
Ein großer, begehbarer Schrank, fügte Tron hinzu. Vier fünfzig mal neun mal neun Meter Deckenhöhe. Ich kann die Spielzeuge rausnehmen, aber mit dem Dreck an der Wand musst du selbst klarkommen. Aber ich will ein Exklusivrecht. Du machst für niemand anderen ein Auto.
»Kein Exklusivrecht«, sagte ich laut und beobachtete Al, um seine Meinung einzuholen. Er schüttelte den Kopf und bedeutete mir mit den Händen »größer«. Er wusste nicht mal, wie hoch das Angebot war, und trotzdem dachte er, ich könnte ein Besseres bekommen. »Kumpel, für ein Exklusivrecht will ich etwas, das doppelt so groß ist wie vier fünfzig mal neun mal neun. Und dann umfasst das Exklusivrecht nur dieses eine Modell.« Tron stöhnte, und ich fügte hinzu: »Und ich will, dass es an Als Räume angeschlossen wird.«
Okay, okay!, sagte der Dämon, und ich hatte das Gefühl, dass er zustimmte, bevor mir noch was einfiel. Das wäre ein Deal.
Abgemacht, sagte ich. Al sprang auf die Füße und rannte fast die schmalen Steinstufen zum Keller hinunter. »Ich kann dich gegen Ende der Woche reinschieben«, erklärte ich laut, damit Al mich weiterhin hören konnte. »Ich bin im Moment ein wenig müde. Ruf mich in einer Stunde zurück.« Al kam mit einer Flasche und zwei Trinkbechern in der Hand zurück. »Ähm, sagen wir zwei Stunden«, schob ich hinterher. »Du kannst dir vorstellen, dass Al meinen Terminkalender recht gut gefüllt hat«, sagte ich, und Al lachte auf. »Um genau zu sein, warum machst du den Termin, wann wir kommen und das Auto genau da hinstellen sollen, wo du es haben willst, nicht mit ihm aus? Sobald das Zimmer auftaucht und Al mir sagt, dass ich meine Schuhe reinstellen kann.«
Al?, dachte Tron enttäuscht. Ich dachte, ich würde die Tulpa fixieren.
»Du?«, fragte ich alarmiert. Diesen kleinen Teil hatte ich vergessen. Ich hatte Al als Puffer mitnehmen wollen, aber langsam wurde es kompliziert. »Nein, Al fixiert es in der Realität, ähm, dem Jenseits, nicht du.«
Ich fühlte Tron seufzen, und das löste in mir die Frage aus, ob er sein Anliegen zum Teil nur deswegen geäußert hatte, um die Chance zu bekommen, in meinem Unterbewusstsein zu schwimmen. Keine Chance, Kumpel. Al öffnete mit einem Lächeln die Flasche. Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Wer wusste schon, was ich dort entdecken würde?
Ich werde dir das Zimmer innerhalb einer Stunde übertragen, dachte Tron ein wenig enttäuscht, und ich unterbrach die Verbindung.
»Das Schwimmbad des Weißen Hauses«, sagte ich mit einem Schnauben, als ich vorsichtig Als Spiegel zur Seite legte. »Spinnt der?« Al würde zwar wieder in meinem Kopf sein, aber das wäre es wert. Richtig? Zumindest musste Al dann nicht in der Bibliothek schlafen. Es war mir ziemlich peinlich, dass ich die Fähigkeit verloren hatte, aus dem Jenseits zu verschwinden, außer Jenks oder Ivy beschworen mich — sie kannten meinen Beschwörungsnamen —, aber Al schien nicht beunruhigt zu sein. Tatsächlich hatte er fantastische Laune, als er mir einen angelaufenen Silberkelch in der Form einer Champagnerflöte reichte.
»Und du bezweifelst, ob du eine von uns bist«, sagte er leise. Stolz und mehr als nur ein wenig Erleichterung schwangen in seiner Stimme mit. »Gut gemacht, Rachel.«
Wir stießen an, und ich nahm einen Schluck. Der überraschende Honig-Bernstein-Geschmack glitt sanft und köstlich über meinen Gaumen. »Wow!«, sagte ich, als ich wieder reden konnte. »Ich wette, Rynn Cormel könnte mir die große Tour durchs Weiße Haus besorgen.« Es war kein Wein, aber trotzdem war das Getränk stark. Wärme breitete sich in meinem Körper aus. Ich hatte ein eigenes Zimmer und eine eigene Dienstleistung, die sonst niemand außer Newt anbieten konnte. Mir würde es gutgehen.
Dieser Gedanke ernüchterte mich. Mir würde es gutgehen. Was genau bedeutete das? Würde ich glücklich werden? Und warum versuchte ich nicht, einen Ausweg zu finden?
Al grunzte und wusste anscheinend, warum meine Freude verpufft war. »Ich bekomme seit gestern Anrufe, nachdem sie endlich draufgekommen waren, dass sich dein Beschwörungsspiegel in der Realität befindet«, sagte er. »Ich musste eine ›Nicht erreichbar‹-Nachricht einrichten, aber du siehst ja, wie schnell die Anrufe wieder angefangen haben, kaum dass du eine Linie angezapft hast. Sie haben auf dich gewartet. Scheint, als hättest du hier eine lukrative Einkommensquelle.«
»Mit deiner Hilfe.« Ich starrte auf das Feuer im kleinen Kamin, das unter dem neuen Schiefertisch zu sehen war, und dachte daran, wie ich hier aufgewacht war und festgestellt hatte, dass Al dort saß und aussah ... wie jemand anderes. »Ich mache ein Auto für ihn«, grübelte ich laut. »Und dafür bekomme ich ein Zimmer. Du wirst nicht in der Bibliothek schlafen müssen.«
Al zögerte kurz, als er mein Glas wieder auffüllte. »Du gibst mir das Zimmer?«, fragte er dann, als die Flüssigkeit sich in meinen Becher ergoss.
Ich riss den Kopf hoch, als ich den fragenden Tonfall hörte. »Eigentlich«, sagte ich leise, »dachte ich, ich könnte in das neue einziehen, damit du dein Zimmer behalten kannst.«
Er holte tief Luft und hielt für einen Moment den Atem an, bevor er wieder ausatmete. Mit leicht zitternder Hand stellte er die bernsteinfarbene Flasche zwischen uns. »Du wirst mein Zimmer nehmen. Die Schutzrunen sind in die Wände gemeißelt. Aber ich würde es durchaus begrüßen, meine Einrichtung mal zu modernisieren.« Er nippte an seinem Glas und wippte auf den Ballen. »Ich dachte, du würdest dir das Mal entfernen lassen.«
Mein Blick glitt zu meinem letzten Dämonenmal, das an meinem Handgelenk, mit dem unsere Bekanntschaft ihren Anfang genommen hatte. »Ähm, ich habe es vergessen«, stammelte ich, irgendwie peinlich berührt. Ich nippte an meinem Drink, ohne zu wissen, was es war. Trotzdem genoss ich den leichten Schwips, den ich bekam. »Al«, sagte ich, weil sich meine Zunge schon um einiges gelockert hatte. »Sag mir einfach, was du willst, und ich mache es für dich möglich. Ich schulde dir eine Menge.«
Er sah mich an. Er verbarg seine Gefühle hinter einem Schweigen, das so lange anhielt, dass ich mich fragte, ob ich etwas Falsches gesagt hatte. Das Feuer in der zentralen Feuerstelle hinter mir knisterte, und als ich zitterte, warf Al geistesabwesend ein Stück poliertes Holz darauf, das wahrscheinlich von einem zerstörten Gebäude irgendwo an der Oberfläche gestohlen war.
»Ähm, Al?«, fragte ich. Mir war mehr als nur ein wenig unwohl zumute, und der Honig-Bernstein-Wein verlieh meinem Kopf eine leuchtende Klarheit. »Ich weiß zu schätzen, dass du mir den Arsch gerettet hast. Wenn es etwas gibt, was ich tun kann, um das zu beweisen, dann wirst du es mir sagen, oder?«
Er drehte sich zu mir um, sein Gesicht immer noch ausdruckslos. »Ich bin mir relativ sicher, dass ich braunes Haar hatte.«
Oh, Gott. Anscheinend hatte ich ihn beleidigt. »Al ...«
Endlich glitt eine kurze Regung über sein Gesicht. »Trink«, sagte er und stieß mit seinem Becher leicht gegen meinen. »Es ist ein Feiertag. Du bist nach Hause gekommen.«
Ich war mir bei der Zuhause-Sache nicht sicher, aber trotzdem hob ich mein Glas. Dann packte so unerwartet wie eine knallende Tür ein Niesen meinen Körper. Meine Finger zitterten, und einige Tropfen fielen auf Als hübschen schwarzen Fußboden. Entsetzt suchte ich Als Blick, und seine erste, genervte Reaktion verwandelte sich in Schrecken, während er mich mit etwas Ähnlichem wie Mitleid ansah. Ich nieste, nicht er. Und es fühlte sich nicht an wie ein Anruf. Es fühlte sich an wie eine Beschwörung. Und es war Mittag?
Ivy? Jenks?
»Rachel?«, fragte Al, als die ersten Schmerzen aufblühten und ich ihm mein Glas in die Hand drückte.
»Es ist eine Beschwörung«, murmelte ich durch zusammengebissene Zähne. Das gute Gefühl, das mir das Getränk verschafft hatte, löste sich in Nichts auf.
»Aber es ist Mittag!«, rief der Dämon, und seine Augen glitten zur Uhr, um sich nochmal zu versichern.
Au. Ich kauerte mich zusammen, als das ziehende Gefühl stärker wurde. »Vielleicht hat Trent mich nur so verflucht, dass es eine Beschwörung braucht, um mich in die Realität zu holen. Anscheinend kann ich immer noch ... unter der Sonne wandeln. Au!« Ich sah mit verzerrtem Gesicht auf. »Ich muss weg.« Tag oder Nacht. Trent hatte gesagt Tag oder Nacht. Tron würde begeistert sein. Ich konnte ihm doch das Schwimmbad des Weißen Hauses im Sonnenlicht verkaufen.
Ich keuchte, als Al plötzlich meinen Kragen packte und mich nach oben riss. »Wer weiß das?«, knurrte er. »Wer weiß, dass du auch tagsüber beschworen werden kannst?«
»Al, du tust mir weh. Wahrscheinlich ist es nur Ivy oder meine Mom!«
Er lockerte den Griff, aber er ließ nicht los. »Ich habe dich gefragt, wer weiß, dass der Fluch dir erlaubt, auch tagsüber beschworen zu werden?« Ich schob seine Hand von mir und spürte die Schmerzen einer ignorierten Beschwörung.
»Alle, die im Auditorium waren, als Trent mich verflucht hat«, sagte ich. »Heilige Martha! Ich glaube, du hast mir einen blauen Fleck gemacht.«
Al kniff die Augen zusammen. »Trenton«, grollte er, und seine Hände ballten sich zu Fäusten.
»Wenn ich Glück habe«, sagte ich und fragte mich, ob Trent überhaupt meinen Beschwörungsnamen kannte. Wahrscheinlich schon. »Ich muss sowieso mit ihm reden und mir den lateinischen Spruch holen, um Ku'Sox seinen Fluch zurückzugeben, damit ich mich wieder frei bewegen kann. Das letzte Mal habe ich etwas falsch gemacht.«
Ich konnte fast sehen, wie Al einiges aufging, während seine Miene ausdruckslos wurde. »Du hast versucht, ihm seinen Originalfluch zurückzugeben?«, fragte Al erstaunt. »Im Restaurant? Und ich habe dich davon abgehalten? Heiliger Eitereimer!«, rief er, und ich schwöre, es rieselte Staub von der Decke. »Rachel, wir müssen an dieser Kommunikationssache arbeiten.«
Mit einer Hand am Bauch krümmte ich mich zusammen. »Ich muss weg«, keuchte ich. »Trent kennt den Fluch. Ich muss mit ihm reden. Wenn ich Glück habe, ist er es.«
Wieder berührte Al mich, aber diesmal legte er mir sanft die Hand auf die Schulter. »Und wenn du Pech hast, ist es Ku'Sox. Er weiß, dass du hier geschützt bist, und du bist eine Bedrohung für ihn. Er beschwört dich. Er beschwört dich an einen Ort, an den ich dir nicht folgen kann. Er wird versuchen, dich umzubringen!«
Ich keuchte und fühlte, wie all meine Muskeln zitterten, weil das Ziehen immer stärker wurde. Gott, ich fühlte mich, als würde ich in zwei Hälften gerissen. »Kann nicht sein. Kennt meinen Namen nicht.«
»Trent schon«, sagte Al, und sein Griff versteifte sich für einen Moment so sehr, dass es wehtat. »Ich habe dir gesagt, dass du diesen Elf an die Kandare nehmen musst. Trent hat Ku'Sox freigelassen. Sie arbeiten zusammen. Sie wollen dich tot sehen.«
Ich hielt den Atem an, und es gelang mir, zu ihm aufzuschauen. Ich fühlte mich verraten. Es konnte nicht Trent sein. Ich hatte einfach nur die Formel nicht hinbekommen. Oder? »Ich muss weg«, presste ich hervor. »Das ist furchtbar, weißt du? Wie könnt ihr so leben?«
»Rachel!«, rief er, aber es war zu spät. Ich löste meinen Griff an der Welt. Der Schmerz verklang, und das beruhigende Grau von Als Küche verschwand, als ich in die Kraftlinien gerissen wurde. Angst, Hoffnung und Erwartung stauten sich in mir auf. Wenn es Ku'Sox war, dann stellte er sich besser auf eine böse Überraschung ein. Ich war ein selbst ernannter Dämon, und ich sollte langsam anfangen, mich so zu benehmen.
Aber noch während dieser Gedanke durch meinen Kopf schoss, wurde mir die Kehle eng, und ich fühlte tiefes Heimweh. Ivy. Jenks. Was sollte ich ihnen sagen? Pierce. Wie konnte ich erklären, was passiert war? Trent ... Wie wollte ich ihn umbringen, wenn er mich betrogen hatte?
Okay, vielleicht war nicht alles schlecht.