15

Ich wachte auf, weil das Motorengeräusch sich veränderte, aber nachdem wir nicht langsamer wurden, kroch ich tiefer unter meinen Mantel und lehnte mich fester gegen die Tür. Ein verschlafener Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir erst seit ungefähr einer Stunde auf der 80 unterwegs waren und damit wahrscheinlich kurz vor Reno. Vier Stunden Fahrt im Dunkeln bei mindestens hundertfünfzig war mehr als ein wenig beunruhigend gewesen, aber wir hatten einen tollen Schnitt rausgefahren.

Trent fuhr wieder, schon seitdem wir die 95 verlassen hatten. Meinetwegen konnte er den Job behalten — selbst wenn er ununterbrochen motzte, bis wir unsere Klo- und Kaffeepausen auf so gut wie nichts verkürzten. Die Straße zwischen Las Vegas und der 80 war nervenaufreibend gewesen, auch wenn wir niemanden gesehen hatten. Es hatte Lichter gegeben. In der Luft. Jede Menge davon. Und sie hatten mit uns Schritt gehalten, egal, wie schnell Ivy fuhr. Trent und Jenks hatten das alles verschlafen.

Drei Uhr achtzehn, überlegte ich, als die Uhr umschaltete, und ich kuschelte mich wieder gegen die Tür. Mir tat immer noch einiges weh, nachdem Ku'Sox mich auf den Boden, gegen eine Wand, auf einen Tisch und was weiß ich noch geschmissen hatte. Das grelle Licht einer Raststätte huschte über mich hinweg, dann noch eines. Ich atmete langsamer und versuchte, den Schlaf zu mir zurückzulocken. Wenn wir schon fast in Reno waren, war San Francisco nur noch knapp vierhundert Kilometer entfernt. Adrenalin schoss in meine Adern, um wieder zu verblassen. Morgen. Morgen würde sich alles entscheiden.

»Sie wird uns rechtzeitig hinbringen«, sagte Jenks, ein wenig schleppender als sonst, ein Hinweis sowohl auf seinen Ärger als auch auf die Höhenkrankheit, mit der er kämpfte. Ich hatte ihm den Zauber angeboten, der ihn groß werden ließ, aber er hatte mit der Begründung abgelehnt, dass das Auto schon voll genug war.

»Das sagst du immer wieder«, antwortete Trent genauso leise. Ich hätte sie niemals gehört, wenn ich nicht auf dem Beifahrersitz gesessen hätte.

»Tritt einfach weiter das Gas durch«, schoss er zurück. Der Stimme nach saß er im Aschenbecher, nicht auf dem Rückspiegel. »Du solltest ihr vertrauen. Sie hatte jede Berechtigung, dich neben der Straße auszusetzen, weil du Ku'Sox befreit hast, und sie hat es nicht getan. Das muss ja mal ein tolles Gespräch gewesen sein, das ihr auf dem Klo geführt habt, denn wenn ich es gewesen wäre, läge dein Arsch jetzt schon unter der Grasnarbe.«

Jeder Gedanke an Schlaf verflüchtigte sich, aber ich bewegte mich nicht. Jenks würde wissen, dass ich wach war, weil meine Aura heller wurde oder irgendwas in der Art, aber Trent nicht. Ich achtete darauf, weiterhin langsam und ruhig zu atmen. Vivian musste ebenfalls schlafen, sonst hätte Jenks den Dämon niemals angesprochen.

»Du weißt einfach nicht, wann du in der Scheiße sitzt, Elfenjunge.«

Es war ein leises Murmeln gewesen, aber ich wusste, dass Trent es gehört hatte, weil ein leises Quietschen erklang und die Lüftung plötzlich kalte Luft produzierte. »Ich habe meine Gründe«, erklärte Trent.

»Du hast Vertrauensprobleme, die hast du», blaffte Jenks zurück. »Und mach die Lüftung aus. Was bist du, ein verdammter Pinguin?«

»Du ahnst nicht mal die Hälfte von dem, was vorgeht.«

Das stimmt, dachte ich, als die Heizung wieder angeschaltet wurde. Ein Faden meines Mantels kitzelte mich an der Nase, aber ich bewegte mich nicht, weil ich hoffte, dass Trent weiterreden würde. Tat er vielleicht. Jenks und Trent hatten eine Menge Zeit miteinander verbracht, während der Rest von uns geschlafen hatte, und Jenks redete gerne. Besonders, wenn er schlecht drauf war. Bei über siebenhundertsechzig Meter über dem Meeresspiegel hatte er Probleme mit dem Fliegen. Ab tausend ging gar nichts mehr.

»Also?«, fragte Jenks sarkastisch und forderte ihn damit heraus.

Trent gab ein misstrauisches Geräusch von sich. »Du würdest es ihr erzählen.«

»Und?«

»Und ich will ihr Mitgefühl nicht.«

Mitgefühl? Ich öffnete die Augen gerade genug, um das leichte Glühen von Pixiestaub im Aschenbecher zu erkennen. »Komm schon, Trent«, nölte Jenks, wobei er die Serviette von sich herunterschob und sich aufsetzte. »Was in Seattle ist so verdammt wichtig? Vielleicht kann ich helfen.«

Trent schnaubte nur ungläubig. »Du redest zu viel.«

Jenks' Flügel leuchteten aufgebracht. Er flog mühsam zum Armaturenbrett, um dort erst mal die Hände auf die Knie zu stemmen und zu keuchen. »Ich habe Quen geholfen, deinen Papierkram aus dem FIB zu stehlen«, sagte er atemlos. »Ich habe niemals etwas verraten. Ich kann helfen. Es ist erlaubt. Ich habe es gecheckt. Wenn du wirklich auf einer Elfenqueste bist, darfst du einen Pixie haben. Pixies haben Elfen ständig auf Questen geholfen.«

Elfenqueste, dachte ich. Es klang so ... würdelos, wie ein überkandideltes Kostümfest. Ich unterdrückte ein Lächeln, als ich mir Trent vorstellte, wie er im Kostüm durch den Wald ritt, um die gefangene Prinzessin zu befreien. Dreck, wird er mit Ellasbeth zurück nach Cincy kommen?

»Ich breche in ein Hochsicherheitsgebäude ein und reite nicht auf einem märchenhaften Abenteuer quer durch das Land«, antwortete Trent angespannt. Offensichtlich dachte er in dieselbe Richtung wie ich.

»Also sitzt du in einem geliehenen Buick statt auf deinem edlen Ross und dein Pixiekumpan kann die Sicherheitselektronik kurzschließen, statt Orks zu erspähen. So sind die Zeiten, Trent. Nimm es hin.«

Jenks lachte ihn aus, und obwohl ich Trent nicht sehen konnte, konnte ich mir doch genau seine zusammengepressten Lippen und die roten Ohren vorstellen, als er grummelte: »So ist es nicht.«

»Für mich sieht es aber so aus«, sagte Jenks. »Du hast sogar eine komische Bande dabei.«

Im Sitz hinter mir bewegte sich Ivy, und für einen Moment schwiegen beide.

»Was hast du vor?«, flüsterte Jenks. »Willst du die Steuererklärung der Withons manipulieren?«

Ich wagte wieder zu atmen und hätte fast Trents leise Antwort verpasst: »Ich beanspruche etwas für mich. Ellasbeth hat es, aber es gehört mir.«

Dann war er nicht hinter Ellasbeth her. Gott sei Dank. Und warum musste Trent sich beweisen? Alte Traditionen? Abgesehen von seinem Ausflug ins Jenseits, wo er die Elfen-DNS geholt hatte, war er einfach in die Fußstapfen seines Vaters getreten. War das ein Weg, um den restlichen Elfen zu beweisen, dass er sie führen konnte? War das Heilmittel gegen den Dämonenfluch nicht genug?

»Ich kann helfen«, sagte Jenks. »Sag mir, was du genau vorhast.«

Das Auto driftete nach rechts, dem Geräusch nach, um anderen Wagen auszuweichen. Wir mussten Reno schon ziemlich nahe sein. »Warum willst du mir helfen?«, fragte Trent, nachdem er sich in die neue Spur eingefädelt hatte. »Du schuldest mir nichts. Ich habe Rachel nichts als Ärger gemacht.«

»Stimmt«, gab Jenks zu. »Aber mit Quen zusammenzuarbeiten hat mir eine Kirche und Sicherheit für meine Familie verschafft«, fügte er hinzu. Ich öffnete meine Augen einen Spaltbreit und entdeckte ihn auf dem Armaturenbrett vor dem Lenkrad. Seine Flügel waren blau von der Kälte und der Höhe. »Aber der Hauptgrund ist, dass Rachel niemanden hat, der für sie auf dem Treffen des Hexenzirkels spricht, wenn du gefangen wirst.«

Und das ...

»Das ist nicht genug, um dein Leben für mich zu riskieren. Ich will wissen, warum«, hakte Trent nach.

Jenks' Flügel brummten, und ich öffnete wieder ein Auge. Auf der anderen Seite der Windschutzscheibe huschten graue Gebäude in der Dunkelheit an uns vorbei. »Wo fährst du hin?«, fragte Jenks misstrauisch, als wieder der Blinker tickte. Wir wechselten die Spur, und die Gebäude schienen sich zu neigen, als das Auto sich bewegte.

»Seattle.«

Ich saß plötzlich senkrecht, und meine steifen Muskeln beschwerten sich. »Hey! Wir fahren nach San Francisco!«

Trent zuckte erschrocken zusammen. Aber das Auto war bereits auf der Ausfahrt. »W-Wie lange ...«, stammelte er, aber ich machte mir mehr Sorgen um das SEATTLE-635 DIESE AUSFAHRT-Zeichen, das an uns vorbeiglitt.

»Wir fahren nach San Francisco!«, zischte ich und mir war vollkommen egal, ob ich jeden im Auto aufweckte. »Fahr wieder auf die Autobahn!«

Trent starrte mich nur an. »Wie lange belauschst du uns schon?«

Ich biss die Zähne zusammen, als die durchbrochene Linie zur durchgezogenen Linie wurde. »Gott helfe mir, Trent, wenn du nicht wieder auf die Autobahn fährst, werde ich dich ... Ich werde dich für immer hassen!«

Jenks lachte, und seine Flügel brummten. »Ich würde meinen Arsch zurück auf die Autobahn schaffen, Keksbäcker. Es würde dir gar nicht gefallen, wenn Rachel dich für immer hasst.«

»Ich habe keine Zeit, in San Francisco anzuhalten«, erklärte er steif. »Dreihundertdreißig Kilometer machen vielleicht den Unterschied aus zwischen Erfolg und Versagen.«

Meine Seite tat weh, und ich hielt die Stelle, während ich ihn anstarrte. »Ich bringe dich hin.«

»Ich sehe nicht, wie!«

»Ich werde dich hinbringen!«, schrie ich. Oh Gott, das Asphaltdreieck vor uns wurde größer. »Trent, vertrau mir. Vertrau mir einfach. Du hast mich gebeten, dir zu vertrauen!«

Ich konnte seinen Ärger an seinem Kinn ablesen. Auf dem Armaturenbrett wartete Jenks angespannt, ohne auch nur ein Körnchen Staub zu verlieren. Vertrau mir. Wenn er das nicht tut, warum sollte ich ihm vertrauen?

Gleich würde sich zwischen der 395 und der 80 eine Leitplanke aus Metall befinden — und eine noch größere Barriere zwischen Trent und mir.

Trent verzog sein Gesicht zu einer hässlichen Grimasse und riss mit einem geknurrten Fluch das Lenkrad nach links.

»Hey!«, rief Ivy auf dem Rücksitz, als das Auto heftig schlingerte.

Mein Herz raste, und ich löste die Hand vom Türgriff. Jenks hatte es auf den Rückspiegel geschafft und grinste.

»Sind wir schon da?«, erklang Vivians verschlafene Stimme, und ich schaute zu ihr nach hinten und entdeckte, dass ihre Haare wirklich furchtbar aussahen.

»Nein, schlaf weiter«, sagte ich und bemerkte, dass Pierce nicht einmal aufgewacht war. Er lag unter seinem langen Mantel in der Ecke hinter Trent.

Ich lehnte mich zurück und zog meinen eigenen Mantel hoch, um mich vor den Temperaturen zu schützen, die Trent anscheinend mochte. Wir waren wieder auf der 80, auf dem Weg zum Treffen des Hexenzirkels, aber er war nicht glücklich. Er hatte gesagt, dass er mir vertraute, aber seine Körpersprache behauptete etwas anderes.

»Ich werde es nicht schaffen«, sagte er, und ich lächelte, als das SAN FRANCISCO — 338 KILOMETER-Schild über uns hinweghuschte. Er würde es schaffen. Und noch besser war, dass ich es auch schaffen würde.

»Danke dir, Trent«, sagte ich, und mein Kopfweh ließ ein wenig nach.

»Ich werde es nicht schaffen«, wiederholte er und klang jetzt eher verloren als wütend.

Ich konnte nicht mehr so tun, als würde ich schlafen, also griff ich nach der Tüte mit Zucker und Kohlenhydraten, die wir in einem anderen Staat gekauft hatten, und wühlte darin herum, bis ich einen angeschlagenen Brownie fand. Wer zum Wandel kauft die Milk Duds?

»Du wirst es schaffen«, sagte ich, als ich die Tüte aufriss und mir der Geruch von weißem Mehl und Schokolade in die Nase stieg. Ich biss ab: Die Schokolade war wächsern und die Erdnussstücke schmeckten schal, aber es war Zucker. Ich lehnte mich vor und gab Jenks ein Stück von der Größe seines Kopfes. »Sobald ich mich beim Hexenzirkel angemeldet habe, werde ich Al dazu bringen, dich dort abzusetzen«, erklärte ich mit vollem Mund. »Fall erledigt.«

Trent gab ein Geräusch von sich, das ein wenig klang, als würde seine blinde Wut nur von heißem Zorn kontrolliert. Ich wandte den Blick von Jenks ab, der mit dem Brownie in der Hand salutierte, und schaute Trent an, der mich eisig anfunkelte. »Willst du was davon?«, fragte ich und hielt den Brownie hoch.

»Du hättest mich jederzeit dort hinspringen können?«, fragte Trent aufgebracht.

»Ja«, sagte Jenks mit vollem Mund. »Man schlägt nur die Hacken aneinander und schon ist alles wunderbar.«

Trent biss die Zähne zusammen und wechselte die Spur, um nicht den Lastwagen vor uns zu rammen. »Rachel«, sagte er und in diesem einen Wort lag eine gesamte Diskussion. Er war stinkig und umklammerte das Lenkrad mit aller Kraft. Wir fuhren auch ungefähr zwanzig Stundenkilometer schneller.

»Nein, ich kann es nicht jederzeit, wann immer ich will«, sagte ich mit einem breiten Grinsen, auch wenn ich die Lippen geschlossen hielt, um mit dem Brownie zwischen den Zähnen nicht auszusehen wie ein Ork. »Die Magie funktioniert nicht, außer du lernst etwas fürs Leben«, zog ich ihn auf. »Aber es hat doch Spaß gemacht, oder? Nur noch dreihundertdreißig Kilometer. Das schaffen wir im Kopfstand! Außer es verstößt gegen die Regeln deiner Elfenqueste? Ich meine, ich bin dein Schwert, dein Schild und dein Spiegel, also ist es nur fair, wenn ich diejenige bin, die dich hinbringt, oder?«

Auf dem Rücksitz schnüffelte jemand. Offensichtlich war Ivy immer noch wach, aber Trent hatte es nicht bemerkt. »Über dreitausend Kilometer, Rachel«, sagte er angespannt, und ich ging davon aus, dass es die Regeln, denen er bei dieser Sache unterworfen war, nicht verletzte, denn er war sicherlich nicht hier, um den Hexenzirkel davon abzuhalten, mich anzugreifen. »Ich habe zwei Tage lang nur Dreck gefressen und Klos benutzt, auf die ich nicht mal meine Hunde schicken würde. Und was ist mit dem Paar in dem Wohnwagen kurz vor Texas? Ich werde dieses Bild nie mehr aus dem Kopf bekommen.«

Ich nickte und popelte mir den Brownie aus den Zähnen. »Ich wäre auch ganz gut ohne diesen Anblick ausgekommen.«

»Ich hätte auf diese gesamte Fahrt verzichten können«, grummelte Trent, aber seine Wut ließ langsam nach, da ihm klarwurde, dass er in ein paar Stunden schon in Seattle sein würde.

Ich zog einen Fuß auf den Sitz und drehte mich zu ihm um. »Du willst, dass ich für dich arbeite, richtig?«, fragte ich, als ich die Verpackung zusammenknüllte und in die Tüte warf. »Betrachte diese Fahrt als dein Bewerbungsgespräch.«

Jenks verschluckte sich an seinem Brownie und starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Mit rotem Kopf schaute er zwischen mir und jemandem auf der Rückbank hin und her — wahrscheinlich Ivy. Ich schenkte dem Pixie eine kleine Grimasse. Was sollte ich denn realistisch gesehen hier tun? Entweder ich schmierte Trent genügend Honig ums Maul, damit er bei dem Treffen in zwei Tagen die richtigen Dinge sagte, oder ich landete erst in Alcatraz und dann im Jenseits, wenn ich zugab, dass ich meine Wette mit Al verloren hatte und unter seine Fittiche floh. Tolle Auswahl, aber trotzdem war Trent noch die bessere Variante. Selbst wenn er Ku'Sox freigesetzt hatte. Dämlicher Elf.

Trent schnaubte. »Du hast mich auf Eignung überprüft. Du. Mich?«

Ich unterdrückte ein Zittern. »Vielleicht.« Ich konnte Ivys Blick fühlen, der sich in meinen Hinterkopf bohrte. Es war fast schmerzhaft.

Trents Mundwinkel rutschten nach oben, und er lächelte die Straße an, während ein selbstbewusster, zufriedener Ausdruck auf seinem Gesicht erschien. Nicht überrascht sackte ich in mich zusammen und rollte die Augen. Das würde er mir ewig unter die Nase reiben. »Also erklärst du damit, dass du vielleicht für mich arbeitest?«, fragte er, weil er es offensichtlich einfach hören musste. Der Motor wurde leiser, und zum ersten Mal seit Las Vegas fuhren wir langsamer als hundertfünfzig. »Wie habe ich mich geschlagen?«, fragte Trent mit einem Lächeln in der Stimme. »Bei meinem Bewerbungsgespräch?«

Verdammt nochmal, er lachte über mich, aber trotzdem entspannte sich etwas in meinem Inneren. Ich würde vielleicht für ihn arbeiten. Ich hatte es ausgesprochen — mir selbst eingestanden. Ich würde seinen blöden Vertrag nicht unterschreiben — und damit zu seiner Hexe werden —, aber ein Job ... Ab und zu einen Job konnte ich vielleicht erledigen. Ich würde etwas brauchen, bis ich das Vertrauen von Cincinnati zurückgewonnen hatte und langsam auch wieder andere Aufträge des Weges kamen. »Du arbeitest nicht besonders gut im Team«, sagte ich, während ich die letzten klebrigen Brösel mit einer Serviette von meinen Fingern kratzte, die so hart war, dass sie nutzlos war. »Neigst dazu, dir zu viel auf die Schultern zu laden, ohne den anderen im Team zu sagen, was du tust — und das schafft Probleme, die man einfach hätte vermeiden können.«

Trents gesamte Haltung hatte sich verändert. Entspannt legte er eine Hand in den Schoß und lenkte nur mit der anderen. Es wirkte fast schon attraktiv, aber ich runzelte die Stirn, als er sagte: »Klingt nach dir.«

»Aber insgesamt ein akzeptables Risiko«, fügte ich säuerlich hinzu. »Wenn die Bezahlung stimmt. Und mir danach ist.« Und ich die Miete sonst nicht zahlen kann.

Jenks flog zu seinem Aschenbecher und vergrub sich unter einer Serviette und einem Taschentuch. »All diese gute Stimmung sorgt dafür, dass mir schlecht wird«, sagte er und versteckte sich. Wir mussten noch über die Berge. Es würden ein paar harte Stunden für ihn werden.

»Ich kann nicht glauben, dass du mich so hast schwitzen lassen. Ich habe Fastfood gegessen, Rachel«, beschwerte sich Trent.

»Und Tomaten in der Öffentlichkeit«, sagte ich, als mir die Suppe einfiel. »Es hat sich gut angefühlt, oder? Nicht zu verstecken, was du bist.«

Langsam breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, das im dämmrigen Licht kaum zu sehen war. »Hat es«, sagte er so leise, dass ich es vielleicht nicht mal gehört hätte, wenn ich nicht darauf gewartet hätte.

»Und du hast den Versteinerten Wald gesehen«, fügte ich hinzu.

Aus dem Aschenbecher erklang Jenks' Stimme: »Und Pixies, die bei lebendigem Leib gefressen wurden.«

»Das war ganz allein sein Fehler«, erklärte ich. Jenks streckte den Kopf hervor und sah absolut nicht gut aus. »Und du hast mal Urlaub gemacht«, bot ich an, und meine Laune hob sich. Es war eine lange, ermüdende Fahrt gewesen, und ich war froh, das Ende am Horizont zu sehen.

Jenks lachte mit dem Geräusch eines Windspiels im Schnee. »Urlaub. Der tinkverschissene Gateway Arch ist auf ihn draufgefallen.«

»Und wieder war es sein eigener Fehler«, antwortete ich und blinzelte Trent unschuldig an. »Meine Güte, Trent. Vielleicht hätten wir dich doch besser zu Hause gelassen.«

Trent schwieg, scheinbar vollkommen auf die Straße vor uns konzentriert, und ich spielte mit der Lüftung herum, bis die warme Luft direkt auf Jenks geblasen wurde. »Ich glaube, es hat dir Spaß gemacht.« Trent warf mir einen charmant zornigen Seitenblick zu. »Du hattest die Chance, zu sehen, wie es ist, zu einer Familie zu gehören«, fügte ich hinzu und sein Augenwinkel hörte auf zu zucken.

»Und um deine nächste Frage zu beantworten: Ja, genauso ist es, zu einer Familie zu gehören«, sagte ich und lehnte mich vor, um eine von Ivys Wasserflaschen aus der Tüte zwischen meinen Beinen zu ziehen. Ich hätte lieber einen Kaffee gehabt, aber ich wusste, dass Trent nicht anhalten würde. »Und ich muss zugeben, dass ich dich nicht jederzeit hätte nach Seattle springen können«, sagte ich, als ich die Flasche aufschraubte. »Al schuldet mir jetzt einiges. Vorher hätte er es nicht getan.«

Schweigend rutschte Trent in seinem Sitz herum und richtete die Lüftung wieder anders aus. Mit einem Seufzen sah ich nach hinten zu Vivian, eingeklemmt zwischen meiner vampirischen Mitbewohnerin und meinem Verehrer, dem gebannten Dämonenvertrauten und Schwarzmagier, dem ich nicht vertraute.

All die schwarze Magie, die ich vor Vivian gewirkt hatte ... Ich hatte sie sogar gebeten, dabei zu helfen. Vielleicht hatte sie jetzt gesehen, was sie erwartete, wenn sie das zukünftige Problem mit den Dämonen ignorierten, und war bereit, mich ein wenig großzügiger zu richten. Vielleicht würden Ku'Sox' Angriffe auf mich meinen Fall stützen. Würden sie wirklich versuchen, mich umzubringen, wenn es da draußen schlimmere Bösewichter gab, Bösewichter, denen sie nichts entgegenzusetzen hatten? In den letzten paar Tagen waren Leute gestorben, aber nicht aufgrund meiner Magie, und es wären noch mehr gestorben, wenn ich Unwissenheit vorgespielt und Ku'Sox seinen Willen gelassen hätte.

»Bist du dir sicher, dass du weißt, was du tust, Trent?«, flüsterte ich in der Hoffnung, dass er wusste, dass ich von Ku'Sox sprach. Seine Finger versteiften sich ein wenig. »Ich werde nicht behaupten, dass es dir nicht ähnlich sieht, weil du immer gefährliche Dinge benutzt, als wären es kleine Böller, aber hast du irgendeine Vorstellung davon, was du getan hast?«

Jenks suhlte sich in der Wärme, aber trotzdem wanderte sein Blick zwischen mir und Trent hin und her.

»Liegt es an Ceri?«, riet ich. »Versuchst du, sie zu beeindrucken? Der Elf zu sein, der du ihrer Meinung nach sein solltest?«

Trents Lippen zuckten, und er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, um sie zu glätten. Das war eine seiner nervösen Gesten, und er ertappte sich selbst und senkte die Hand wieder auf das Lenkrad. »Ich habe meine Gründe«, erklärte er einfach.

»Ja, weil du mir nicht zutraust, dich am Leben zu halten.« Ich stellte die Flasche in den Becherhalter und stemmte meine Stiefel mit angezogenen Knien gegen das Armaturenbrett, in dem Versuch, eine bequeme Sitzhaltung zu finden.

»Vertrauen hat damit überhaupt nichts zu tun«, erklärte Trent mit einem Blick auf meine Stiefel, und Jenks gab ein unhöfliches Geräusch von sich. »Ich vertraue dir, Rachel. Ich hätte Cincinnati nie verlassen, wenn es anders wäre. Ich vertraue dir, auch wenn du aufbrausend bist und gerne voreilige Schlüsse ziehst. Gott allein weiß, warum.«

Meine Stirn glättete sich, und ich stellte die Füße wieder in den Fußraum. »Wirklich?«

Er warf mir einen langen Blick zu. »Das ist dir wichtig, oder?«

Ich schaute in die Welt hinaus, die sich langsam von Schwarz zu Grau verfärbte. »Ja, ist es. Niemand bekommt gerne ein Kompliment, nur um dann herauszufinden, dass es eine Lüge war.«

Trent runzelte die Stirn und grunzte leise. »So habe ich es nie gesehen. Tut mir leid.«

»Disneyhure Tink«, fluchte Jenks in seinem Aschenbecher. »Hat er sich gerade entschuldigt?«

Trent starrte ihn für einen Moment böse an, aber ich grinste. »Schhh, mach es nicht kaputt, Jenks«, sagte ich. »So etwas erlebe ich vielleicht nie wieder.«

Trent lachte leise, und seine gute Laune kehrte zurück. Aber dagegen konnte ich etwas tun, und nach einer Weise fragte ich sehr leise: »Also, warum hat du es getan?« Du kleiner Schwachkopf, fügte ich in Gedanken hinzu.

Er schwieg, die Augen auf die Berge vor uns gerichtet. »Ich habe es nicht getan, weil ich dir nicht vertraue. Ich habe es getan, weil es Teil meiner ... Queste ist«, erklärte er schließlich, und es war ihm offensichtlich peinlich.

»Oh mein Gott!«, rief Jenks. »Nimm mich mit, Trent. Ich war noch nie auf einer Elfenqueste! Bi-i-it-te?«

»Ruhig, Jenks«, murmelte ich, weil ich nicht wollte, dass Trent aufhörte zu reden. Dann drehte ich mich zu dem Elf um. »Also hast du einen Weg, dich um das zu kümmern, was du, ähm, angefangen hast, richtig? Wenn es vorbei ist?«

»Das weiß ich nicht, bis es vorbei ist«, sagte Trent. Er warf mir einen kurzen Blick zu und zuckte mit den Achseln. »Ich hatte das alles so nie geplant.«

Ich wandte mich ab, und es fiel mir ziemlich schwer, wütend auf ihn zu werden. Ich war zu müde. »Willkommen in meiner Welt«, sagte ich und dachte darüber nach, dass ich in meinem Leben auch schon ziemlich dumme Dinge getan hatte.

»Ich habe eine Idee, wie ich die Dinge regeln kann«, beharrte Trent, aber ich bezweifelte es schwer. Und seine üblichen nervösen Gesten verrieten mir gar nichts. Ich schaute zu Jenks, und er zuckte nur mit den Achseln, genauso ahnungslos wie ich. Die Idee, dass Jenks mit ihm ging, wurde immer attraktiver. Ich wollte wissen, welche hochriskante Unternehmung Trent plante, bei der ein Dämon als Hilfe nötig war. Gott, was stimmte nur nicht mit uns?

Trotzdem ...

Ich warf Jenks einen fragenden Blick zu und formte mit den Fingern das Pixiesignal für Späher. Er nickte. Vielleicht war das die ganze Zeit seine Absicht gewesen. Ich setzte mich auf und sah mich nach Ivy um, die zusammengerollt unter einer Decke lag. Sie war wach. Ihre Augen waren in der Dämmerung fast schwarz. Sie verzog das Gesicht, rollte mit einem Blick auf Trent mit den Augen und nickte ebenfalls. Einstimmiges Ergebnis.

»Ich finde, du solltest Jenks mitnehmen«, sagte ich, als ich mich wieder nach vorne drehte.

Er packte das Lenkrad fester. »Nein.«

»Ne-e-ei-in?«, jammerte Jenks. »Hey, falls es um die Höhenkrankheit geht — Seattle liegt tiefer als Cincy. Dort geht es mir auf jeden Fall prima.«

Ich atmete tief durch und sammelte mich. »Jenks hat Recht. Wenn du auf einer Elfenqueste einen Pixie dabeihaben darfst, solltest du auch einen mitnehmen.«

»Ich werde darüber nicht diskutieren«, sagte Trent, und Jenks klapperte mit den Flügeln.

Ich kniff die Augen zusammen und drehte die Heizung noch wärmer. »Trent, du bist ein halsstarriger, überheblicher, kalter ...«

»Ich bin nicht kalt.«

» ... distanzierter Hurensohn. Versuch mal, eine Entscheidung nicht nur auf der Grundlage von Logik zu treffen. Auf die Art hättest du sicher mehr Freunde.«

Jenks klappte den Mund zu und wirkte überrascht. Trent schien ebenfalls etwas vor den Kopf gestoßen. »Nur weil ich mein Herz nicht auf der Zunge trage ...«

»Du hast dein Herz ja nicht mal in der Brust«, unterbrach ich ihn. »Aber eine Sache muss man dir lassen: Du bist nicht dumm.« Ich wedelte mit der Hand durch die Luft, weil ich gleichzeitig wütend auf ihn war und nicht wusste, warum ich überhaupt versuchte, ihm zu helfen. Er hatte mir nichts als Kummer bereitet. Und mir die Chance gegeben, mich zu retten.

»Ich weiß nicht, was du tust«, sagte ich. »Und ehrlich, es ist mir auch egal, solange dein Hintern nicht im Gefängnis landet, wenn du eigentlich auf dem Treffen für mich aussagen sollst. Also geh einfach davon aus, dass ich selbstsüchtig bin, wenn ich dich bitte, dir von Jenks helfen zu lassen. Tu mir den Gefallen, hm?«

Jenks bewegte die Flügel, und Trent starrte in die Dunkelheit.

»Oder bist du so stolz, dass du keinen Handlanger akzeptieren kannst?«

Trent sah Jenks an. »Er ist kein Handlanger«, sagte er und ich blinzelte. Ein Kompliment?

»Oooooh, ich glaube ich muss Fairystaub furzen«, sagte Jenks, aber es war klar, dass er erfreut war, als er sich jetzt, wo ihm wieder warm war, zum Rückspiegel aufschwang.

Von hinten meldete sich Ivy: »Nimm ihn mit. Das erspart mir die Mühe, dich zu verprügeln, wenn du morgen um Mitternacht nicht auftauchst.«

Trent riss den Kopf herum. »Du bist auch wach?«

Vivian streckte sich mit einem Gähnen. »Ich finde, du solltest ihn mitnehmen«, sagte das Mitglied des Hexenzirkels. »Man kann nicht von dir erwarten, dass du allein arbeitest. Nur Narren arbeiten allein.«

Trent räusperte sich. Ich wechselte einen besorgten Blick mit ihm und hoffte inständig, dass ihr nicht klar war, dass die »Sache«, über die wir gesprochen hatten, Ku'Sox war. »Wie steht's mit dir, Pierce?«, fragte ich in dem Versuch, sie abzulenken. »Willst du auch noch etwas dazu sagen?«

»Gewiss«, sagte er, ohne sich zu bewegen. »Ich bin gesonnen zu sagen, dass du es allein machen solltest.«

Überrascht drehte ich mich zu Pierce um, der sich gerade schlecht gelaunt aufsetzte.

»Aber nur, damit dieser Teufel von Dämon Jenks nicht frisst«, fügte er hinzu. »Ich würde keinen Pferdeapfel für den Sohn eines Kalamack geben, aber Jenks ist ein feiner Krieger und es wäre traurig, ihn sterben zu sehen für eine dämliche Queste.«

Oooooh, Volltreffer.

Kein Zucken, nicht eine einzige Bewegung verriet Trents Gedanken. Er würde das Angebot nicht annehmen, und was auch immer er Idiotisches in Seattle vorhatte, es würde zurückkommen und mich ohne Vorwarnung anspringen, wahrscheinlich zum ungünstigsten Zeitpunkt. Ich schaute zu Jenks.

Der Pixie zuckte fast unmerklich mit den Achseln, und ein dünner Faden leuchtender Pixiestaub rieselte von ihm herab. »Sei doch ehrlich, kleiner Keksbäcker«, sagte Jenks und klang dabei fast liebevoll, »in den letzten paar Tagen hast du gesehen, wie es ist, Teil einer Familie zu sein, mit all der Streiterei und dem Gezicke. Jetzt siehst du die andere Seite, wo wir dumme Dinge tun, weil wir dich mögen. Rache ist die kleine Schwester, Ivy die große Schwester, ich bin der Onkel aus einem anderen Staat und du bist der reiche Neffe, den keiner wirklich mag, mit dem wir uns aber trotzdem abfinden, weil er uns leidtut. Lass mich einfach helfen, hm? Es wird dich nicht umbringen.«

Ich bin die kleine Schwester?, dachte ich und drehte mich, um zu sehen, was Ivy davon hielt. Sie lächelte ihr sanftes Lächeln mit geschlossenen Lippen.

Schweigend — ich hoffte, nachdenklich — fuhr Trent weiter. Als wir in die Berge eintauchten, konnte man die Straße kaum noch sehen. »Schön«, sagte er schließlich und Jenks gab eine Wolke von aufgeregtem Pixiestaub von sich. »Aber ich erzähle dir nicht, was wir tun, bis wir dort sind.«

»Okay, okay«, sagte Jenks und flog in einem Bogen auf seine Schulter. Sowohl Trent als auch ich versteiften uns, aber Jenks merkte davon nichts. »Erzähl es mir, wenn wir ankommen. Ich bin anpassungsfähig. Verdammt! Rache, das wird lustig!«

»Ja, ein Riesenspaß«, sagte ich und warf Trent einen scharfen Blick zu. Wenn Jenks nicht zurückkam, würde ich mich auf Trent stürzen wie ein wütender ... Dämon. »Kein Flugzeug auf dem Heimweg«, fügte ich hinzu, und Trent nickte vorsichtig, um Jenks nicht abzuschütteln.

»Keine Flugzeuge«, sagte Trent.

»Und halt ihn warm. Er mag die Wärme.«

»Gott, Rache. Halt den Mund!«, sagte Jenks und setzte sich. Er schien sich auf Trents Schulter heimisch zu fühlen. »Mir geht's gut. Wahrscheinlich stehlen wir nur den Ring seiner Großmutter zurück.«

Irgendwie bezweifelte ich das, und während ich mich wieder im Sitz zurücklehnte, grübelte ich darüber nach, ob ich mich gerade gerettet oder verdammt hatte.