13

Hätte nicht das Meer gefehlt, hätte ich geglaubt, in Florida in einer Touristenfalle zu sitzen, die sich ganz dem Strandthema verschrieben hatte, um Collegekids in den Ferien anzusprechen. Der Boden bestand aus grauen Planken. Die Treppen hatten Geländer aus festem Seil. Fischernetze, die niemals das Meer gesehen hatten, hingen unter der hohen Decke. Es war voll, aber Trents Hunderter hatte uns eine Nische direkt vor der Bühne erkauft und uns die vierzigminütige Wartezeit erspart. Vielleicht konnte man mit Geld kein Glück kaufen, aber man konnte damit einen Tisch bekommen, der aussah wie der Bug eines Hochseeschiffes.

Müde und desillusioniert musterte ich unsere Nische. Es standen sogar Angelruten zwischen uns und der Bühne, wo ein gammliger Werwolf gerade über sein verlogenes Salzfass sang. Nein, sein verlorenes Salzfass, zumindest laut dem beschrifteten Set vor mir. Es musste Jimmy Buffet wirklich nerven, dass niemand seine gelallten Texte verstand, obwohl er sogar dafür gesorgt hatte, dass sie auf den dicken Deckenbalken standen. Ja, wir waren im Margaritaville, und Trent kochte vor sich hin, weil wir immer noch in Vegas waren.

Verspannt aß ich meinen letzten Shrimp aus dem Cocktail und nippte an meinem Wasser, während ich die schönen Bedienungen beobachtete, die sich zwischen den Tischen hindurchschoben. Jede einzelne von ihnen war ein lebender Vampir, und ich fand es irgendwie seltsam, dass Vampire und das Strandthema so gut zusammenpassten.

Immer noch hungrig, zog ich meinen Finger durch die Shrimp-Sauce und leckte ihn ab. Ich saß am äußeren Rand des Halbkreises mit dem Rücken zur Küche. Der alte Dämonenkiller saß zu meiner Linken, dann kamen Trent, Vivian und Ivy am anderen Ende. Jenks saß auf dem Kerzenleuchter in der Mitte und war trotz des Lärms kurz vorm Einschlafen. Mein Telefon verkündete, dass es sieben Uhr dreißig war, aber für mich fühlte es sich an wie zehn Uhr dreißig — Schlafenszeit für Pixies und Elfen nach Westküstenzeit. Jenks sah jetzt, wo wir nicht mehr fuhren, um einiges besser aus. Und ich fühlte mich besser, nachdem ich geduscht und frische Jeans und ein schwarzes Mieder angezogen hatte. Ich hatte noch nicht mit Trent über seinen neuen Freund Ku'Sox geredet, weil ich immer noch damit beschäftigt war, Pierce zu verarbeiten. Er war eine schwarze Hexe. Ich konnte es einfach nicht leugnen. Vielleicht sollte ich, statt herauszufinden, ob es falsch war, ihn zu mögen oder nicht, einfach klug werden und ... ihn vergessen.

Ich verzog das Gesicht, stellte mein Handy auf Vibrationsalarm und steckte es in die hintere Hosentasche. Jenks hatte vor einer Weile mit seinen Kindern geredet, und ich hatte kurz mit Bis gesprochen. Anscheinend war er an diesem Nachmittag für ein paar Minuten aufgewacht und wollte mit seinen Leuten darüber reden, dass er die Sonne gesehen hatte. Sie wohnten an der Basilika, in fünf Minuten Flugentfernung, aber er wollte die Pixies nicht allein lassen, ohne dass wir davon wussten. Er war ein guter Junge. Aber ich war auch überrascht. Die meisten Gargoyles konnten tagsüber nicht wach bleiben, bevor sie viel älter waren.

»Hey, Ivy«, sagte ich und lehnte mich über den Tisch. »Wieso arbeiten hier lauter Vampire? Ist das eine Gewerkschaftssache?«

Vivian sah von ihren Tacos auf und war offensichtlich bereit, sofort zu antworten, aber Ivy war schneller. Ich hatte gesehen, dass sie ein paar der hübscheren mit mehr als nur beiläufigem Interesse gemustert hatte. »Sie arbeiten ihre Schulden ab«, sagte sie, während sie an ihrem Drink nippte, und wirkte dabei so sexy wie eine Wodka-Werbung.

Ich warf einen Blick zu unserer Kellnerin, die gerade mit den Geschäftsmännern am Nebentisch flirtete, dann glitt mein Blick zu dem männlichen Vampir, den Ivy schon beäugte, seitdem wir den Raum betreten hatten. »Wirklich?«

»Wirklich«, sagte Vivian, als Ivy ihrem Auserwählten ein Luftküsschen schickte. »Der oberste Vampir von Vegas erlaubt freie Durchreise auf seinem Gebiet. Sonst käme es zu Einbrüchen in den Spielgewinnen. Aber niemand verlässt Vegas mit unbezahlten Schulden. Egal, ob lebend oder tot.«

Trent nickte, als hätte er das gewusst, aber ich hatte noch nie von einem untoten Vampir gehört, der Kontrolle über Mitglieder anderer Vampirfamilien hatte, selbst wenn es nur vorübergehend war. Ich drehte mich zu Ivy um und entdeckte, dass ihr Gesicht gerade rot anlief. »Deswegen haben wir in Vegas gehalten«, riet ich, und sie nickte, die Augen auf den Tisch gerichtet, als Jenks in einer Wolke aus gelbem Staub aufwachte.

»Weniger Probleme, wenn ich ...« Sie hielt inne, die Augen auf den Vampir gerichtet, den sie sich ausgesucht hatte. Er war relativ gut aussehend. »Du glaubst, Menschen könnten schlecht einschätzen, wann sie am Spieltisch aufhören sollten?«, fragte sie und kaute auf dem Zahnstocher, auf dem ihre Cocktailkirsche gesteckt hatte. »Versuch es mal als gelangweilter Vampir, der eine Ewigkeit vor sich sieht, um die Verluste des heutigen Abends auszugleichen.« Sie leckte sich über die Lippen, und ich unterdrückte ein Schaudern. Meine Augen glitten zu Trent und Pierce. Okay, sie beobachteten sie auch beim Flirten, beide einerseits seltsam konzentriert und trotzdem unbeteiligt.

Pierce schien nicht glücklich darüber, hier zu sein, was ich ziemlich unhöflich fand, nachdem seine andere Option in Als Kiste im Jenseits bestand. Er hatte ebenfalls geduscht, so dass er jetzt nach Hotelshampoo statt nach verbranntem Bernstein roch. Mit einem Stirnrunzeln beobachtete er alles unter seinem komischen Hut hervor — den er seit seiner Dusche plötzlich trug —, nahm große Schlucke von seiner Limo und wischte sich die Augen, wann immer er zu schnell trank. Nach einer Runde im Trockner des Hotels war der Gestank größtenteils aus seiner Kleidung verschwunden, und jetzt trug er wieder seine Stoffhose, das lässige Hemd und eine Weste, die wahrscheinlich aus seinem Kleiderschrank im neunzehnten Jahrhundert stammte, aber nichtsdestotrotz neu aussah. Um seinen Hals lag immer noch dieses silberne Amulett. Ich hatte keine Ahnung, was es war, aber ich fand es vielsagend, dass Pierce es nicht abgenommen hatte, nicht mal unter der Dusche.

Trent war auch keine besonders gute Gesellschaft, nachdem sich unser kurzer Stopp in eine vierstündige Pause in einem Restaurant verwandelt hatte, das er nicht ausgesucht hatte. Wir mussten alle mal für eine Weile aus dem Auto raus, und ich wollte immer noch mit Trent über Ku'Sox sprechen — um herauszufinden, ob er gewusst hatte, wie übel Ku'Sox war, bevor er ihn freigelassen hatte, oder ob er es erst hinterher kapiert hatte.

Ivys Bewegungen schrien Sex, als sie unsere Kellnerin anstrahlte, die mit einer weiteren Limo für Pierce an den Tisch trat.

»Wissen Sie, was Sie möchten?«, fragte sie, als sie das Glas abstellte. Sie sprach laut, um trotz der Musik gehört zu werden.

»Ich nehme die Nudeln«, sagte ich und zeigte auf die Karte.

»Dasselbe«, meinte Pierce, und ich fragte mich, ob er eigentlich etwas anderes als Latein lesen konnte. Er war im frühen neunzehnten Jahrhundert geboren worden, und es konnte gut sein, dass normale Schrift für ihn ein Buch mit sieben Siegeln war.

»Die Muschelsuppe«, sagte Trent und gab seine Karte zurück.

»Ich nehme den Buntbarsch«, sagte Vivian fröhlich, und eine Spur ihres normalen schicken Selbst blitzte auf, da sie sich in vertrauter Umgebung bewegte. »Mit Spargel.«

»Oh, Gott schütze uns«, sagte Jenks und hielt sich mit dramatischer Geste die Nase zu. »Wir müssen noch tausendfünfhundert Kilometer in diesem winzigen Auto fahren.«

»Das Auto meiner Mom ist nicht winzig«, erklärte ich, und Trent runzelte die Stirn.

»Mit fünf Leuten drin schon«, murmelte er.

Ivy gab der Frau ihre Speisekarte. »Ich möchte das Steak-Sandwich«, sagte sie. »Zum Mitnehmen.«

Ich sah sie fragend an, aber die Frau nickte. »Ich tippe es gleich ein«, sagte sie. »Braucht sonst noch jemand was?«

So wie es aussah und wie Vivian enger zu Trent rutschte, brauchte Ivy einen Hals. Ich schüttelte den Kopf, aber Trent reichte der Kellnerin einen zusammengefalteten Geldschein und sagte: »Ich will noch ein Bier. Und wenn das Essen in fünf Minuten da ist, gibt es noch so einen für Sie.«

Die Frau schaute auf Ben Franklins Gesicht auf dem Hunderter und steckte ihn weg. »Ich werde sehen, was sich machen lässt, Süßer«, sagte sie und lächelte noch einmal Ivy an, bevor sie von dannen rauschte.

»Bier und Suppe?«, fragte Jenks und verlor eine dünne Spur aus silbernem Staub. In den dämmrigen Schatten hier war sein Schein kaum sichtbar. »Das passt ja toll zusammen.«

»Du wärst überrascht, wenn du wüsstest, wie gut sich Bier mit Muscheln verträgt«, sagte Trent, aber seine Aufmerksamkeit ruhte auf dem Kellner, dem Ivy zuzwinkerte. Gott, das wurde langsam ungemütlich, und ich legte eine Hand an den Hals, als er anfing zu kribbeln.

»Er ist nervös wegen seiner Zeitplanung«, sagte Ivy, aber die Worte waren eher ein Seufzen.

»Und du nicht?«

Trents Miene erstarrte, als sie sich zu ihm umdrehte und ihn so anlächelte, dass man ihre kleinen Reißzähne sah. »Entschuldigt mich«, sagte sie und stand mit einer trägen Bewegung auf, die Pierce schaudern ließ. Aber natürlich konnte das auch an der kalten Limo liegen, die er gerade erst abgestellt hatte.

Niemand sagte etwas, als Ivy sich auf den hinteren Rand des Pseudobootes setzte und die Beine darüberschwang. Mit fließender Grazie steuerte sie direkt auf den Vampir zu, auf den sie ein Auge geworfen hatte. Die Leute gingen ihr aus dem Weg und der betreffende Vamp wartete mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

»Was tut sie?«, fragte Trent. Vivian wusste es. Sie hielt den Blick nach unten gerichtet, als sie auf der Bank weiterrutschte, um uns anderen mehr Platz zu geben. Zur Hölle, selbst unsere Kellnerin wusste, was Ivy tat.

Ich nippte an meiner Limo und beobachtete, wie Ivy ihre Arme um den Hals des Mannes schlang und ihm etwas ins Ohr flüsterte. »Sie sorgt dafür, dass der Rest von uns sicher ist«, sagte ich, während ich versuchte, mir keine Sorgen um sie zu machen. Bei ihr war alles in Ordnung. Und wenn Vegas einen großzügigen Meistervampir hatte, war das wahrscheinlich der einzige Ort zwischen Cincinnati und der Küste, an dem sie ihrem Drang nachgeben konnte.

Jenks runzelte unzufrieden die Stirn, und so bereit ich auch war, ihr zuzugestehen, dass sie sich um ihre eigenen Bedürfnisse kümmerte, war ich mir trotzdem nicht sicher, ob ich verstimmt sein sollte oder nicht. Ich war nicht ihr Hüter — aber ich war ihre Freundin.

Pierce ignorierte alle anderen, und Trent schien es egal zu sein, bis auf die Tatsache, dass Ivys Rendezvous uns vielleicht aufhielt. Vivian allerdings drehte ihr Glas in der Hand. Es war offensichtlich, dass sie ihren Mut zusammennahm, und ich war nicht überrascht, als sie fragte: »Du und sie ...«

»Nein«, sagte ich, bevor Jenks etwas sagen konnte. »Wir teilen kein Blut.« Ich fühlte Trents Blick auf mir, aber Pierce sah nicht von seinem Glas auf. »Wir haben es versucht«, sagte ich und sprach mit dem gesamten Tisch, auch wenn ich meine Augen auf Vivian gerichtet hielt.

»Na ja, wir haben es ausprobiert und schnell realisiert, dass einer von uns sich zu sehr verändern müsste, um es zum Laufen zu bringen. Wenn ich mich beuge, verliert sie, was sie an mir liebt, und wenn sie sich anpasst, verliere ich, was ich an ihr liebe.« Ich zuckte mit den Achseln, auch wenn mein Gesicht brannte, aber das war nur mein Problem.

Jenks klapperte mit den Flügeln und hob testweise ab. »Ich werde ein Auge auf sie halten«, sagte er und runzelte die Stirn, als Pierce ein unhöfliches Geräusch von sich gab. »Um sicherzustellen, dass es ihr gutgeht!«, fügte er scharf hinzu. »Ich werde nicht zuschauen. Disneyhure Tink, ich bin kein Spanner.«

Mit einer bedeutungsvollen Kopfbewegung in Trents Richtung flog er davon, hoch oben an der Decke zwischen den Fischernetzen.

»Wir haben keine Zeit für so was«, sagte Trent plötzlich, und ich fragte mich, ob die Beziehung zwischen Ivy und mir ihn beunruhigte. Seltsam.

»Du bist derjenige, der essen wollte«, sagte ich.

»Ich habe gemeint, dass der Rest von uns sich ein anständiges Essen besorgt, während du duschst, und nicht, dass wir eine fünfstündige Touri-Tour machen, die schließlich in einem zweitklassigen Showrestaurant endet.«

Das war einfach unhöflich, ganz abgesehen davon, dass es eine Beleidung aller Jimmy-Buffet-Fans darstellte. »Wir waren zwei Tage lang in diesem Auto gefangen«, sagte ich. »Wir brauchen mal eine Pause.« Und ich muss mit dir reden, dämlicher Elf.

Trent fuhr sich mit der Hand durch die Haare, so dass sie hinterher attraktiv verwuschelt waren. Seine Augen spiegelten seine Stimmung, dunkel und zornig, als er über Urlauber hinwegschaute, die den Rest des Abends nichts mehr zu tun hatten. Seine Frustration stieg. »Ich muss ...«

»Sonntag in Seattle sein«, unterbrach ich ihn. »Ja, das hatte ich schon kapiert.« Ich nippte an meinem Glas, was ihn aus irgendeinem Grund noch wütender machte. »Würdest du dich bitte entspannen? Bestell dir eine Margarita oder irgendwas. Ich habe dir gesagt, dass ich dich hinbringen werde, und das werde ich auch. Vertrau mir.« Der letzte Satz triefte vor Sarkasmus, aber ich war sauer. Ich meine, warum hatte er mich gebeten, ihn auf seinem Weg an die Westküste zu beschützen, nur um dann für dieselbe Aufgabe einen Dämon zu befreien?

Vivian beobachtete mich und kniff nachdenklich ihre klugen Augen zusammen. Sie wusste, dass etwas los war, aber sie wusste nicht, was.

»Dir vertrauen.« Trent rutschte missbilligend auf seinem Platz herum. »Seattle ist über zweitausend Kilometer von hier entfernt. Allein nach San Francisco zu kommen wird uns acht Stunden kosten, selbst wenn wir die 95 nehmen.«

»Hey, hey, hey«, sagte Vivian laut, und das Paar im nächsten Boot schaute zu uns herüber. »Bist du verrückt? Niemand nimmt die 95!«

»Was bedeutet, dass wir so schnell fahren können, wie wir wollen«, sagte Trent und zog die Augenbrauen zusammen.

»Wir nehmen nicht die 95«, erklärte Vivian nachdrücklich. Ich ignorierte sie und beobachtete, wie Ivy und ihr Blutkumpel nach hinten verschwanden. Jenks gab mir ein grünes Signal, und ich drehte mich wieder zum Tisch um. »Wenn man auf die 95 auffährt, hält man nicht an!«, beendete Vivian feurig ihre Ausführungen.

Trent nahm einen Schluck von seinem Bier und wirkte vollkommen normal. »Ich habe nicht vor, anzuhalten.«

Vivian warf eine Hand in die Luft und ließ sich in ihre Kissen fallen. »Ich gehöre zum Hexenzirkel, aber ich bin keiner von Gottes Engeln. Es ist zu gefährlich.«

Vielleicht verlässt er sich auf seinen Dämonenfreund, dachte ich bitter. Ich ging nicht davon aus, dass irgendwelche Bösewichter auf der 95 zum Problem werden würden, selbst wenn wir anhalten mussten. Zur Hölle, wir waren bereits elfischen Meuchelmördern und einem schwer gestörten Dämon entkommen. Einem Seelenfresser. Dreck auf Toast, ich musste mit Trent reden. Er hatte besser mal keine Ahnung, was er da freigesetzt hatte. Denn wenn er es gewusst und es absichtlich getan hatte, wäre ich vielleicht sauer genug, um ihn einfach hier sitzenzulassen.

Trent beugte sich zu Vivian. »Ich sehe keine andere Möglichkeit, rechtzeitig Seattle zu erreichen«, sagte er leise und beherrschte mühsam seine Wut.

»Ich habe doch gesagt, dass ich dich hinbringe«, sagte ich und beobachtete, wie Pierce zwei Frauen in kurzen Hosen musterte. Seine Ohren wurden rot. »Glaub einfach an die Leute, die du bittest, dich zu beschützen.«

Trent lehnte sich zurück und ermöglichte Pierce damit einen guten Blick auf die weiblichen Vampire, die in einer Ecke rumknutschten.

Den Rücken an die Kissen gelehnt, nahm Trent sein Besteck und arrangierte es steif. »Ich habe gesehen, wie du Leute beschützt. Mir zu erklären, dass ich an dich glauben soll, inspiriert mich nicht gerade.«

Oh, aber tagaktive, seelenfressende Dämonen zu beschwören schon?

Pierce löste lange genug den Blick von den Vampiren, um zustimmend zu grunzen, und mein Gesicht wurde heiß. »Habe ich je mein Wort nicht gehalten?«

Trent spielte an seinem Messer herum. »Nein, aber die Kollateralschäden sind gewöhnlich größer, als ich es tolerieren kann — Morgan.«

Und das von einem Mann, der sich auf eine Partnerschaft mit einem Dämon eingelassen hat? Ich runzelte die Stirn. Pierce wirkte zum ersten Mal, seit er hier angekommen war, glücklich. »Und was geht in deinem Kopf vor, Dämonenköder?«, blaffte ich ihn an. »Gefällt dir die Show?«

Sofort wurde Pierces Miene wieder finster. »Ich hätte Al töten können, wenn du nicht gewesen wärst«, sagte er. Vivian zuckte zusammen.

»Du hast fast einen Dämon getötet?«, fragte sie und zog interessiert die Augenbrauen hoch. Dann sah sie kurz zu mir. »Ihren Dämon?«

»Aye«, sagte er und warf mir einen finsteren Blick zu. »Sie hat mich aufgehalten.«

»Wer soll mich denn im Jenseits beschützen, wenn nicht Al?«, protestierte ich und bereute meine Worte, als mich plötzlich alle am Tisch ansahen, als hätte ich Bambis Mutter getötet. »Al ist das Einzige, was zwischen mir und Newt oder noch Schlimmerem steht! Ihr seht mich an und denkt, ich hätte alles unter Kontrolle, aber so ist es nicht!«

Trent lächelte bösartig und drehte sein leeres Bierglas. »Das ist nicht, was ich sehe, wenn ich dich anschaue.«

»Ich auch nicht«, sagte Pierce leise — Gott möge mich mit einem Blitz niederstrecken, wenn die zwei Männer nicht anfingen, Kumpel zu werden.

»Was ich gemeint habe«, erklärte ich geduldig, obwohl ich mich wie die schlechte Pointe eines Witzes fühlte, »ist, dass man denkt, ich wäre bei ihnen sicher, aber so ist es nicht. Wenn Al stirbt, stecke ich richtig in der Scheiße.«

Pierce holte sich einen Eiswürfel aus seinem Drink. »Nicht mein Problem«, sagte er und zerbiss ihn.

Mir fiel die Kinnlade runter. »Hey! Du bist derjenige, der ihm vorgeschlagen hat, dich als Vertrauten zu nehmen, nur damit du ihn umbringen kannst.«

»Es ist eine famose Idee«, sagte Pierce ungehalten und starrte mich unter seinem Hut hervor böse an. »Und es hätte auch funktioniert, wenn du nicht gewesen wärst. «

Vivian lehnte sich näher. »Du hast versucht, einen Dämon zu töten?«

»Es wäre mir fast gelungen, ja«, sagte Pierce, und in seinem Gesicht war immer noch seine Wut auf mich zu lesen. »Das war der einzige Grund, warum ich mich mit ihnen abgegeben habe, und meiner Meinung nach müsste sich der Hexenzirkel bei mir dafür entschuldigen, dass er mich lebendig eingemauert hat, wenn er die Wahrheit erfährt. Aber das wollen sie sicher nicht, nicht wahr?«

Mit nachdenklicher Miene ließ Vivian sich auf der Bank zurückfallen. Ich sagte nichts. Soweit es mich anging, war er eine schwarze Hexe. Und das störte mich, wahrscheinlich, weil ich dann vielleicht auch eine war. Vielleicht war ich aber auch zu streng. Vielleicht.

Pierce warf mir einen wütenden Blick zu. »Ich wäre heute Abend frei, wäre deine fehlgeleitete, ignorante Dummheit nicht gewesen.«

»Ja, ja, ja«, sagte ich, ohne ihn dabei anzusehen. »Es ist alles mein Fehler. Und wenn du Al umgebracht hättest, wo wäre ich jetzt? Du kannst mich nicht vor Newt beschützen. Ob es dir gefällt oder nicht, ich brauche Al. Geh und töte den Dämon von jemand anderem, um dich zum Mann zu machen, Mister Schwarzmagier.«

Pierce verfiel ihn Schweigen, als der Werwolf seine Show zu Ende brachte und unter überenthusiastischem Applaus die Bühne verließ.

»Auf die Freiheit«, sagte Trent plötzlich. Er hielt das Glas erhoben, Pierce hob mit unsicheren Fingern seine fast leere Limo, und die beiden stießen an.

Männer. »Oh, bitte verzeiht, dass ich versuche, am Leben zu bleiben«, sagte ich, die Ellbogen auf den Tisch gestemmt. Ohne Jenks und Ivy gefiel es mir hier nicht. »Und ich dachte, du magst Trent nicht.«

Pierce hatte einen Schluck genommen, und seine Augen tränten, als ihm die Kohlensäure in die Nase stieg. »Ich kann mit einem Mann trinken und ihn trotzdem nicht mögen«, sagte er, und Trent lächelte dieses enervierende Männer-Club-Lächeln.

»Ich wette, dass du das kannst«, sagte ich, während ich über die Köpfe hinweg eifrig nach Ivy Ausschau hielt. Sollte sie inzwischen nicht zurück sein? Wie lange dauerte es schon, jemanden zu beißen? Oder dauerte es so lange, alles wieder sauberzumachen? Ich war niemals gebissen worden, ohne drei Sekunden später schon um mein Leben zu kämpfen. Wahrscheinlich hatte ich es einfach falsch gemacht.

»Entschuldigt mich«, sagte Trent plötzlich, und ich riss den Kopf zu ihm herum, als er aufstand und dabei fast Vivian aus der Nische schob.

»Wo gehst du hin?«, fragte ich misstrauisch.

Trent zögerte neben dem Tisch, und Vivian rutschte wieder auf die Bank. »Zur Toilette.« Seine Augen glitten zu seinem leeren Bierglas, dann wieder zu mir, bevor er sich umdrehte und den hinteren Teil des Restaurants ansteuerte.

Ich bekam Kopfweh. Das war vielleicht meine einzige Chance, allein mit Trent zu sprechen. Seufzend stand ich auf. »Vivian, pass auf Pierce auf, okay?«

Vivian sah mich verwirrt an und ließ den Strohhalm los, durch den sie ihre Limo trank. »Man muss auf ihn aufpassen? Was wird er tun?«

»Auf mich muss man nicht aufpassen«, erklärte Pierce empört, als ich meine Beine über das Boot schwang, wie Ivy es getan hatte. Allerdings hatte sie dabei wahrscheinlich besser ausgesehen. Ohne Vivian zu antworten, machte ich mich dran, Trent zu folgen, und mir fiel auf, dass er von den anderen Gästen abschätzend gemustert wurde. Er schien nicht bemerkt zu haben, dass ich hinter ihm war, bis der Lärm im Restaurant von Küchengeräuschen abgelöst wurde. Dann waren wir im relativ stillen hinteren Flur.

»Trent«, sagte ich, als er die Tür der Toilette erreichte. Mit steifem Arm drückte er die Tür auf und ging hinein, ohne mich zu beachten.

Ich wurde nicht langsamer, sondern folgte ihm mit gestrafften Schultern und angehaltenem Atem.

Trent stand am Spiegel, den Kopf gesenkt und die Hände auf das Waschbecken gestemmt. Er wirkte schicksalsergeben. Aber als er den Kopf hob und mich im Spiegel entdeckte, zuckte sein Auge. »Raus.«

Ich atmete durch und entschied, dass es hier drin nicht allzu schlimm stank. Urinale waren wirklich scheußliche Dinger. Ich ging an ihm vorbei, schaute unter die einzelne Kabine und trat die Tür auf, um sicherzustellen, dass niemand auf der Toilette stand. Vertrau mir, hatte er gesagt, aber er hatte Ku'Sox beschworen, und ich musste wissen, warum.

»Du hast mich als Schutz angeheuert«, sagte ich steif. »Und ich erledige meinen Job.«

Trent drehte sich um und lehnte sich gegen das Waschbecken. »Das ist eine Herrentoilette. Warte draußen.«

Ich stemmte wütend die Hände in die Hüfte. »Ich meine mich zu erinnern, dass die Elfen, die dich unter dem Gateway Arch in St. Louis angegriffen haben, dieselben Teile hatten wie du.« Er runzelte die Stirn. Ich schlenderte nach vorne und fixierte ihn damit quasi am Waschbecken. »Erinnerst du dich an St. Louis? Wo der Arch zusammengebrochen ist? Willst du mir vielleicht verraten, warum du einen Dämon befreit hast, der unter der Sonne wandeln kann? Hast mir nicht zugetraut, dass ich dich wirklich nach Seattle bringe, hm?«

Er wandte mir den Rücken zu und drückte auf den Seifenspender, aber er musste zum nächsten gehen, bevor etwas herauskam. Seine Ohren waren rot, und ich wurde noch wütender. »Ich weiß, dass ihr Frauen in Rudeln aufs Klo rennt, aber ich würde ein wenig Privatsphäre begrüßen«, sagte er. Er hatte die Zähne zusammengebissen und in seinen Augenwinkeln hatten sich Fältchen gebildet. »Kein Auftragskiller mit einem Funken Selbstrespekt erledigt seine Zielperson auf dem Klo.«

»Auftragskiller mit einem Funken Selbstrespekt versuchen auch keinen Anschlag auf der Schnellstraße.« Ich trat so nah vor ihn, dass es ihm unangenehm sein musste. »Willst du mir verraten, warum zur Hölle du einen tagaktiven Dämon aus seinem Gefängnis unter dem St. Louis Arch befreit hast?«

Trent reagierte nicht, sondern drehte nur das Wasser ab, schüttelte seine Hände ab und griff nach einem Papierhandtuch. Schweigend drehte er sich mit verschlossenem Gesicht zu mir um.

Mein Magen verkrampfte sich. Ich wollte ihn schubsen, aber es gelang mir, meine Hände bei mir zu behalten. Durch die Wände hindurch konnte ich Beifall hören, als die nächste Band die Bühne betrat. »Ku'Sox hatte dich schon fast umgebracht, als ich diese Energie wieder in ihn geschoben habe. Er hat den Arch zum Einstürzen gebracht, in dem Versuch, uns beide zu töten«, sagte ich und trat noch weiter vor, bis nur noch Zentimeter zwischen uns lagen. »Und dann habe ich dich aus deiner Vertrautenverbindung befreit und dich ihm gegenüber immun gemacht. Ich will nur wissen, ob du das vom ersten Tag an geplant hast, oder ob du improvisierst, wie auch immer es kommt.«

Er drehte mir wieder den Rücken zu und richtete seine Haare, ohne mich im Spiegel anzusehen. »Ich weiß seit letztem Jahr von Ku'Sox«, sagte er. Ich zog mich ein Stück zurück. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihm glauben sollte oder nicht. Seine Augen suchten im Spiegel kurz meine. »Du denkst, Ivy ist eine Planerin? Sie ist nichts gegen einen motivierten Elfen mit zu viel Geld.« Er wandte den Blick wieder ab und schob sich eine Strähne hinter das Ohr. »Ich habe alles im Griff.«

Ich blinzelte, um nicht die Kontrolle zu verlieren, aber meine Hände zitterten. Ich konnte fast hören, wie er im Kopf hinzufügte: »Zerbrich dir darüber mal nicht dein hübsches Köpfchen.« »Ach ja?«, blaffte ich und war froh, dass ich damit gewartet hatte, bis wir allein waren — auf diese Art würde es keine Zeugen für den Mord geben. »Hast du irgendeine Vorstellung davon, in welchen Schwierigkeiten du steckst? Die Dämonen sind stinksauer. Sie können diesen Kerl nicht kontrollieren, können ihn nicht töten! Deswegen wurde er weggesperrt!«

Trent drehte sich langsam um und schien einfach darauf zu warten, dass ich ging.

»Der erste Versuch, ihn einzufangen, war ein verdammter Krieg«, sagte ich und erinnerte mich an Als Zauber, die durch unsere verbundenen Gedanken geglitten waren. »Ku'Sox ist tagsüber nicht ans Jenseits gebunden, und er frisst Leute, um ihre Seele aufzunehmen! Er isst Leute, Trent.«

In Trents Augen flackerte ein Gefühl auf, und seine Lippen zuckten. Ich stürzte mich auf diese kleinen Hinweise von Menschlichkeit.

»Du hast gesehen, wie er diese Pixies gefressen hat!«, sagte ich, um die Schuldgefühle tiefer zu verankern. »Das ist, was er tut. Er frisst Leute, weil seine Seele nicht richtig funktioniert. Ku'Sox ist ein magisch konstruiertes Desaster, das die Dämonen geschaffen haben, während sie versucht haben, den Fluch zu brechen, mit dem ihr sie in eurem dämlichen Krieg belegt habt! Und was sie bekommen haben, war etwas so Schreckliches, so Gestörtes, dass sie es in einer anderen Welt begraben haben. Und du ziehst los und setzt ihn frei?«

Trents grüne Augen wurden hart. »Ich habe das unter Kontrolle!«

Ich schnaubte abfällig. »Als hättest du ihn dazu gebracht, keine Pixies mehr zu fressen? Dass er dich nicht umbringen kann, heißt nicht, dass du ihn kontrollierst! Die Dämonen machen nicht mich dafür verantwortlich, sondern dich! Dass du ein befreiter Vertrauter bist, bedeutet auch, dass du selbst haftbar bist. Du wirst von Dämonen in roten Roben gejagt werden, die dich wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz gegen außergewöhnliche Dummheit vor Gericht zerren wollen, wenn du nicht vorsichtig bist.«

Er schaute mich kurz an, kniff die Augen zusammen und drehte sich wieder um. »Ich habe alles unter Kontrolle. Er hat geschworen, mich zu beschützen.«

Kapierte er es denn nicht? »Dich zu beschützen?«, kreischte ich. »Er hat Pixies gefressen — lebendig —, um sie abzulenken, damit wir mit Jenks entkommen können.«

»Gern geschehen«, unterbrach mich Trent, und mein Schädel brummte.

»Wenn du nicht geglaubt hast, dass ich dich beschützen kann, warum bin ich dann hier? Hm?«, fragte ich, die Hände in die Hüfte gestemmt. Ich stand zwischen der Tür und ihm.

Seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen, selbstgefälligen Lächeln, das mich bis ins Mark traf. »Weil Quen mich ohne dich nicht aus Cincinnati weggelassen hätte.«

Ich merkte, dass ich mit den Zähnen knirschte, und zwang sie auseinander. Ich ging nicht davon aus, dass Quen von Ku'Sox wusste, und ich war mir hundertprozentig sicher, dass Ceri keine Ahnung davon hatte. »Du bist ein Idiot«, presste ich hervor, die Hände zu Fäusten geballt.

Trent drehte sich wieder zum Spiegel um und wischte sich imaginären Staub von den Schultern. Die Bewegung wirkte bei einem Freizeithemd bei weitem nicht so toll wie bei einem Tausend-Dollar-Anzug. »Das Kompliment kann ich nur erwidern, Babe.«

Babe? Hat er mich gerade Babe genannt? Zitternd machte ich auf dem Absatz kehrt. Dieser Kerl war wirklich grauenhaft. »Ich werde draußen auf dich warten«, sagte ich, weil ich mir in seiner Nähe momentan einfach nicht traute.

»Wenn du es für nötig hältst.«

Wütend stürmte ich aus der Toilette. Soweit es mich betrifft, kannst du da drin verrecken, dachte ich, als ich wieder im warmen, lauten Flur stand. Trent war ein Trottel. Ein Trottel und ein Arsch. Die Dämonen würden mich vielleicht nicht verantwortlich machen, aber der Hexenzirkel würde es tun. Und dann würde ich mich selbst um Ku'Sox kümmern müssen. Wer zur Hölle war ich? Trents Dienstmädchen?

Ich sah den Mann nicht an, an dem ich mich vorbeidrängte, und spähte über die Küche hinaus ins Restaurant — aber dann zögerte ich. Zimt. Zimt und Wein.

Meine Wut löste sich auf, und ich drehte mich zu dem Mann um, der auf die Toilette zuhielt. Nette Hosen, unauffällige Jacke, weiche Schuhe, dunkle Haare, gut gebaut. Roch wie ein in Wein getunktes Zimtplätzchen.

Scheiße, der Kerl war ein Elf.