Nachwort des Autors

Am 5. Januar 1589 starb Caterina de Medici im Alter von neunundsechzig Jahren im Schloss Blois im Loire-Tal. In ihrem letzten Willen verfügte sie die Versorgung ihres Hofstaats und vererbte den Großteil ihres Vermögens an ihre Enkelkinder. Chenonceau fiel an Louise, Henris Königin; Caterinas andere Schwiegertochter, Charles’ Witwe Isabell (auch als Elisabeth von Österreich bekannt), lebte dort ebenfalls bis zu ihrem Tod im Jahre 1592.

Henri erbte den Rest der Besitztümer seiner Mutter. Ihre Tochter Margot, die bis 1599 in Usson eingesperrt blieb, wird in Caterinas Testament mit keinem Wort erwähnt.

Die ausländischen Botschafter widmeten Caterinas Ableben nur die allernötigste Aufmerksamkeit und fuhren mit ihren Tagesgeschäften fort. Sie war entweder gefürchtet oder verachtet worden, und der Rat von Paris ließ Henri wissen, dass man Caterinas Leiche im Falle einer Beisetzung in der Basilika von St. Denis mit Spannhaken aus der Gruft holen und in die Seine werfen würde. Darum wurde sie vierzig Tage lang in Blois aufgebahrt, ehe sie in der nahegelegenen Kirche Saint-Sauveur bestattet wurde. Jahre später wurden ihre Überreste doch noch nach St. Denis überführt. Während der Französischen Revolution schändete ein Mob die Basilika und verscharrte die Skelette der toten Monarchen in einer Lehmgrube. Doch das beeindruckende Grabgewölbe, das Caterina für ihren Mann und sich errichten ließ, ist erhalten geblieben und kann noch heute besichtigt werden.

1589 wurde Henri III. von einem Kapuzinermönch erstochen, angeblich im Auftrag von Guises rachsüchtiger Schwester. Kurz vor seinem Tod hatte Henri einen Waffenstillstand mit seinem bourbonischen Cousin Henri von Navarra geschlossen. Ob ihn tatsächlich Caterina mit einem letzten Aufruf dazu veranlasste, ist reine Spekulation. Jedenfalls bestieg Navarra den Thron als Henri IV. und wurde zu einem der beliebtesten und tolerantesten Könige Frankreichs. Es dauerte allerdings zehn Jahre, bis er in Paris einzog. Zu guter Letzt konvertierte er zum Katholizismus, um die Stadt für sich zu gewinnen. Es war diese Entscheidung, die ihn zu dem berühmten Scherz »Paris ist eine Messe wert« anregte.

Die Führung der vom ermordeten Duc de Guise gegründeten Katholischen Liga übernahm nach Guises Tod einer seiner Brüder. Diese Liga spielte im französischen Katholizismus auch weiterhin eine maßgebende Rolle, bis Henri sie 1596 entmachtete.

Die Hauptlinie der Guises starb 1688 aus.

Margot wurde aus dem Hausarrest erst entlassen, nachdem sie der Annullierung ihrer Ehe zugestimmt hatte. Sie kehrte nach Paris zurück, wo sie in jeder Hinsicht ein Luxusleben führte, schon zu Lebzeiten eine Legende wurde und ihre eigenen, recht fantasiereichen Memoiren verfasste. 1615 starb sie im Alter von einundsechzig Jahren, fünf Jahre nach dem Tod ihres ehemaligen Mannes.

Zur zweiten Frau nahm sich Henri IV. Maria de Medici, die aus einem Nebenzweig der italienischen Dynastie stammte. 1601 gebar Maria den zukünftigen Louis XIII. Wie Caterina litt sie jahrelang unter der Untreue ihres Mannes, ehe sie schließlich als verwitwete Regentin für ihren minderjährigen Sohn Macht erlangte.

Henri IV. regierte Frankreich einundzwanzig Jahre lang. Trotz seiner Konversion verfügte er die Tolerierung der Hugenotten und tat alles in seiner Macht Stehende, um religiösen Frieden zu wahren. Im Alter von sechsundfünfzig Jahren fiel er während einer Fahrt mit der Kutsche durch die Rue St. Honoré dem Anschlag eines katholischen Fanatikers zum Opfer. Er verblutete auf der Stelle. Nach seinem Tod wurde Frankreich erneut in religiöse Unruhen gestürzt. Seine Nachkommen setzten die bourbonische Dynastie bis zu ihrem Sturz 1793 fort. Die Verfolgung der Hugenotten endete 1789 mit der Französischen Revolution, als ihnen gesetzlich die gleichen Rechte zugesichert wurden.

Bis zum heutigen Tag ist Caterina de Medici in abenteuerliche Mythen gehüllt geblieben. Man hat ihr einige der grässlichsten Verbrechen des sechzehnten Jahrhunderts vorgeworfen, darunter die Morde an Jeanne de Navarre und Gaspard de Coligny. Es ist auch behauptet worden, sie hätte den älteren Bruder ihres Mannes und ihre zwei ältesten Söhne ermordet und dazu eine ganze Reihe untergeordneter Höflinge, die sich ihr widersetzt haben sollen.

Ist der Mythos Wahrheit? Hat Caterina jeden, der ihr im Weg stand, skrupellos ermordet? War sie machtbesessen? Diejenigen, die sie kannten, äußerten sich widersprüchlich dazu. Nicht anders war es bei jenen, die nur von ihr gehört hatten. Elizabeth I. von England sagte einmal, von allen Herrschern Europas sei Caterina diejenige, die sie am meisten fürchte. Hätte man ihn gefragt, hätte sich Philipp von Spanien wohl ähnlich geäußert. Von Henri IV. ist bemerkenswerterweise überliefert, dass er einem Kritiker seiner verstorbenen Schwiegermutter entgegnete: »Ich frage Euch: Was hätte die Frau denn tun können, als sie nach dem Tod ihres Gemahls mit fünf kleinen Kindern auf sich gestellt war und sich zweier Familien erwehren musste, die unentwegt nach der Krone trachteten – meine eigene (die Bourbonen) und die Guises? Da wundert es mich, dass sie nichts Schlimmeres angestellt hat.«

Um Caterina zu porträtieren, musste ich mich in die historischen Quellen über die Witwe in Schwarz vertiefen, die nichts als Böses im Sinn gehabt haben soll. Ihre erhalten gebliebenen Briefe füllen ganze Bände, diejenigen ihrer Zeitgenossen gleichfalls. Um mein Verständnis für sie und ihre Epoche zu vertiefen, habe ich sowohl historische Werke aus unserer Gegenwart als auch Dokumente aus Caterinas Zeit studiert.

Zu meiner Überraschung habe ich ein tapferes junges Mädchen entdeckt, das eine gefährliche Kindheit und eine schwierige Ehe überstand, um daraus als eine warmherzige Frau mit einer bemerkenswerten Kompromissfähigkeit hervorzugehen. Caterina verabscheute den Krieg und kämpfte zeitlebens für den Frieden. Sie war eine Königin und Mutter, deren vorrangiges Ziel es war, das Weiterbestehen ihrer Dynastie zu sichern. Auch wenn sie schwere Fehler beging, glaube ich nicht, dass sie an der Planung des Massakers in der Bartholomäusnacht beteiligt war. Vielmehr ging es ihr darum, Coligny zu eliminieren, der nach den Maßstäben seiner Zeit nur als Verräter bezeichnet werden kann. In ihrer Panik nach dem Misslingen des ersten anonymen Attentats erkannte Caterina nicht, dass die Entscheidung, Guise damit zu beauftragen, Coligny in seinem eigenen Haus zu ermorden, direkt zu einem Gemetzel an sechstausend Menschen in und um Paris führen und ihren Namen auf Jahrhunderte hinaus besudeln würde. Zwar war sie hinsichtlich Glaubensfragen keine ausgesprochene Pazifistin, doch sie bezog eine eindeutige Gegenposition zu den Guises, die die systematische Verfolgung der sogenannten Häretiker forderten. Ihr Leben lang verabscheute Caterina den in Spanien herrschenden Fanatismus und tat ihr Möglichstes, um dergleichen in Frankreich einzudämmen. Es war ihr Unglück, dass nur wenige der Männer in ihrem Umkreis sich wie sie der Versöhnung verpflichtet sahen.

Caterinas Interesse am Okkulten ist dokumentiert. Wie die meisten Menschen in der Renaissance hatte sie einen tief verwurzelten Glauben an verborgene Mächte. Die Augenblicke, in denen sie Visionen oder »das zweite Gesicht« hatte, wurden von Angehörigen oder Freunden aufgezeichnet; ein Teil der von mir beschriebenen Visionen stammt direkt aus diesen Berichten. Caterina nahm Nostradamus’ Dienste tatsächlich bis zu seinem Tod in Anspruch. Cosimo Ruggieri war ihr persönlicher Astrologe, und dass er sie verriet, ist verbürgt. Die ihr zugeschriebene Neigung zu den dunklen Künsten und zu Gift erscheint mir jedoch zweifelhaft. Die Legende, dass sie in Blois eine mit Giften gefüllte Vitrine besessen habe, ist mit Sicherheit erfunden. Die heute noch einsehbaren Geheimfächer waren für Dokumente gedacht, nicht für Fläschchen. Ich habe nirgendwo konkrete Hinweise darauf gefunden, dass Caterina irgendjemanden vergiftete oder auf schwarze Magie zurückgriff. Cosimo Ruggieri dagegen könnte sehr wohl damit in Zusammenhang gestanden haben, wie ein großer Teil der nach seiner Verhaftung in Chambord entdeckten Gegenstände nahelegt. Caterinas Großzügigkeit ihren Vertrauten gegenüber, ihre lebenslange Freundschaft mit ihren Hofdamen und mit Birago und ihre für die damalige Zeit höchst ungewöhnliche Tierliebe werden von einer Reihe zeitgenössischer Quellen bestätigt.

Caterinas Unfruchtbarkeit in den ersten Jahren ihrer Ehe mit Henri ist Thema endloser Spekulationen. Manche Historiker sehen die Ursache bei Henri, der sich einer Operation am Penis unterziehen musste, um eine Ejakulationsstörung beheben zu lassen. Andere wiederum meinen, die Probleme hätten bei Caterina gelegen, und sie hätte erst ihr kräftiges Hymen operativ aufschneiden lassen müssen. Solche Anomalien lassen sich heute natürlich nicht mehr überprüfen, aber ich glaube, dass die naheliegendste Erklärung auch die wahrscheinlichste ist: Henris Geliebte, Diane de Poitiers, unterband nach Möglichkeit den ehelichen Verkehr zwischen den beiden, bis sie sich eine unangefochtene Machtposition über das königliche Paar gesichert hatte und Caterina zwingen konnte, sich ihr in allem zu fügen. Angesichts der Tatsache, dass Caterina ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als ihr politisches Leben von einem eigenen Kind abhing, plötzlich doch noch schwanger wurde, fällt es schwer, an puren Zufall zu glauben. Danach ging es natürlich weiter, und Caterina brachte insgesamt sieben gesunde Kinder auf die Welt; den Tod eines wenige Monate alten Sohnes und die Fehlgeburt von Zwillingstöchtern im Jahre 1556 habe ich in diesem Roman nicht erwähnt.

Caterina de Medici führte in einer hochkomplexen Zeit ein komplexes Leben, und um den Lesern ein Labyrinth von Ereignissen, Namen und Titeln zu ersparen, habe ich eine Reihe kleinerer Änderungen vorgenommen. So erwähne ich nur drei der neun Kinder von Caterinas Tochter Claude; von diesen hieß der älteste Sohn Henri und der zweite Charles. Da es in dieser Erzählung ohnehin schon von Henris wimmelt, habe ich die Namen kurzerhand vertauscht, um ein totales Durcheinander zu vermeiden. Aus demselben Grund habe ich den illegitimen Sohn Charles’IX. von seiner Mätresse ebenso unterschlagen wie den zweiten Sohn von François I., der ebenfalls Charles hieß und noch vor seinem Vater starb. Und auch wenn Philipp II. von Spanien einen langen Schatten auf Caterinas Leben warf, ist sein Treffen mit ihr in Bayonne rein fiktiver Natur, nur der Kontext ist es nicht. Fast dasselbe Gespräch führte Caterina mit Philipps bevollmächtigtem Vertreter, dem Herzog von Alba.

Allein schon die Größe der Familie Guise stellt für jeden Autor eine besondere Herausforderung dar. Erneut habe ich der Klarheit zuliebe die Anzahl der Mitglieder auf ein Minimum beschränkt. Eine erhebliche Änderung habe ich am Titel von le Balafrés Bruder, Monseigneur, vorgenommen, der Cardinal de Lorraine lautete, nicht de Guise.

Auch die Rolle der bourbonischen Prinzen habe ich beschnitten. Antoine, Prinzgemahl von Navarra und Vater von Henri IV., sorgte während der Herrschaft von François I. für beträchtliche Unruhe. Er und sein Bruder Condé fielen im Abstand von mehreren Jahren in einer Schlacht. Um die Handlung zu vereinfachen, habe ich Antoine kurz erwähnt, Condé aber nicht.

Alle anderen Fehler, Änderungen und Auslassungen, ob gewollt oder ungewollt, gehen auf mich zurück.