»Und – haben Sie ihn dann wieder beim Rasen erwischt?« Der Truthahnjunge, der das Kinn auf die Hände gestützt hatte, hob den Kopf. »Hoffentlich haben Sie ihn diesmal festgenommen. Er hätte schon wieder jemanden umbringen können. Und warum hängen Sie mit Ihrem Auto überhaupt immer an der gleichen Stelle rum wie ein Stalker?«
»Ich hab ihn nicht mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt, nein«, erklärte Raphie, ohne auf die letzte Frage einzugehen. »Die beiden haben bloß eine rote Ampel überfahren.«
»Bloß? Ich hoffe, sie haben den arroganten Arsch endlich verhaftet.«
»Na ja, wie hätte ich Lou verhaften sollen, also wirklich, überleg doch mal«, entgegnete Raphie in oberlehrerhaftem Ton. »Du hörst mir nicht zu. Nur nicht so eilig, eins nach dem anderen.«
»Aber Sie erzählen so nervig langsam. Kommen Sie doch endlich zum Punkt.«
»Das tu ich ja, aber wenn du dich nicht ordentlich benimmst, erzähl ich gleich überhaupt nichts mehr«, brummte Raphie und starrte den Truthahnjungen wütend an. Diesmal konterte dieser aber nicht, und so fuhr Raphie schließlich doch fort. »Es war nicht Lou, der die rote Ampel {149 }überfahren hat, denn er saß ja nicht selbst am Steuer. Das hab ich dir doch schon vorhin erklärt.«
»Gabe würde nie eine rote Ampel überfahren. Der doch nicht«, wandte der Truthahnjunge ein.
»Na, woher hätte ich das denn wissen sollen? Ich hab den Kerl ja vorher nie gesehen, erinnerst du dich?«
»Die beiden haben auf dem Heimweg bestimmt die Plätze getauscht.«
»Nein, Gabe saß am Steuer. Wenn man bedenkt, wie ähnlich sich die beiden sahen, hätten sie das zwar leicht tun können. Aber ich weiß mit Sicherheit, dass Lou auf dem Beifahrersitz war, und zwar sternhagelvoll.«
»Wie kommt es, dass Sie ihn genau an der gleichen Stelle noch mal angehalten haben?«
»Ich hab nur ein Haus beobachtet, weiter nichts.«
»Das Haus von einem Mörder?« Der Truthahnjunge machte große Augen.
»Nein, das Haus gehört keinem Mörder, sondern nur jemandem, den ich kenne.«
»Haben Sie Ihre Frau beschattet?« Der Junge gab einfach keine Ruhe.
Raphie rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl herum. »Was meinst du denn jetzt damit?«
»Vielleicht wollten Sie rausfinden, ob sie ’ne Affäre hat.«
Raphie verdrehte die Augen. »Du siehst zu viel fern, Kleiner.«
»Tja.« Offensichtlich war der Truthahnjunge enttäuscht. »Also, was haben Sie gemacht, als Sie die beiden erwischt haben?«