11.

Die Alte war erregt. Die Nachricht, die ihr einer der Knappen gebracht hatte, war wunderbar. Ihre Untergebenen hatten die Fremden ausnahmslos gefangen. Sie erwartete sie voller Spannung. Der getreue Zwyll würde sie direkt in ihre Residenz führen.

Über ihren Plan sprach sie mit keinem der Roboter. Nur sie allein wusste, dass ihre Lebenszeit sich dem Ende zuneigte. Ihre letzte Aufgabe würde es sein, einen würdigen Nachfolger zu finden.

Die Fremden waren zwar unvollkommen, denn sie besaßen nur je zwei Arme und Beine. Aber es waren ganz eindeutig drei weibliche Wesen darunter. Eines davon würde sie in das Amt der Quaderkönigin einführen.

Noch während sie ungeduldig auf die Ankunft der Gefangenen wartete, legte sie sich einen Plan zurecht. Es waren einfache Überlegungen, aber in ihrer Situation blieb ihr keine andere Wahl. Die schwachen männlichen Wesen würden sicher schon bei den ersten Prüfungen durchfallen. Das war schon immer so gewesen. Damit war lediglich ungeklärt, wer von den drei Frauen die stärkste war. Sie würde ihre Nachfolgerin werden.

Hoffentlich machte ihr das verfluchte Biest nicht wieder einen Strich durch die Rechnung. Das Auftauchen des Glitzereis würde nur Verwirrung stiften und die Ergebnisse der Tests verfälschen.

Als Wallga-Wallga die Geräusche der sich nähernden Knappen und der Gefangenen hörte, setzte sie sich würdevoll auf ihren Thron. Die Armpaare verschränkte sie übereinander auf der Brust.

Das Tor glitt zur Seite. Hinter Zwyll und den anderen Knappen betraten die Gefangenen die Residenz.

Wallga-Wallgas Enttäuschung war groß, aber sie ließ sich nichts anmerken. Die Fremden waren viel kleiner, als sie gedacht hatte. Die flüchtigen Impressionen der Bilder hatten in ihr einen falschen Eindruck entstehen lassen. Der weißhaarige Mann, den sie zuerst beobachtet hatte, war noch der größte der Gruppe. Dennoch reichte er nur bis an ihr unteres Armpaar.

»Berichte, Knappe Zwyll!«, verlangte sie.

Während der Roboter sprach und von der Festnahme der Fremden erzählte, die problemlos abgelaufen war, betrachtete sie deren Gesichter. Dabei erlebte sie die nächste Enttäuschung. Die drei weiblichen Wesen machten keinen starken Eindruck. Sie schienen vielmehr völlig erschöpft zu sein.

Die Kleidung, die vier der Männer trugen, erinnerte sie an Bilder aus der fernen Vergangenheit. Ihr Wissen um die lange vergangenen Zeiten war jedoch bruchstückhaft. An den Gesichtern konnte sie ablesen, dass diese Wesen die Sprache Zwylls nicht verstanden. Also waren es wirklich Fremde, die den Pfullianoras noch nie begegnet waren. Es fiel ihr ein, dass auch Zwyll ihre Sprache anfangs nicht verstanden hatte. Erst nach vielen Quumpies hatte der Knappe gelernt, sich fehlerfrei zu unterhalten.

»Verstehst du die Sprache der Fremden?«, fragte sie Zwyll.

Als der Knappe bejahte, fuhr sie fort:

»Sag ihnen, dass sie sich auf ein paar Überraschungen gefasst machen müssen, denn ich habe wichtige Aufgaben für sie.«

Zwyll sprach in einem seltsamen Kauderwelsch mit den Gefangenen. Der Weißhaarige antwortete mit ähnlichen Worten.

»Sie sind nicht einverstanden«, meinte Zwyll dann kleinlaut. »Sie verlangen nach einem Raumschiff, das sie vom Quader wegbringt. Sie behaupten, der Quader würde in Kürze auf einen Planeten stürzen und dort zerschellen. Wenn du nicht mit ihnen zusammenarbeitest, bedeutet das auch deinen Tod.«

»Das ist dummes Gewäsch. Ich lebe lang genug hier, um zu wissen, was geschehen kann und was nicht. Sage ihnen, sie haben sich meinen Befehlen zu beugen, sonst lasse ich sie hinrichten. Und sage ihnen, dass diejenige der Frauen, die die Tests überlebt, nach meinem Tod die neue Quaderkönigin werden wird. Das wird sie besänftigen.«

Zwyll übersetzte.

 

»Großartig«, stöhnte Atlan. »Diese Verrückte hat uns gerade noch gefehlt. Kannst du in ihren Gedanken lesen, Bjo?«

»Einiges ist klar, vieles ist unklar.« Der Katzer trat unruhig von einem Bein auf das andere. Die verworrenen Gedanken der Alten ergaben kein eindeutiges Bild. »Es steht jedenfalls fest, dass sie weiß, was ein Raumschiff ist. Und dass sie über keins verfügt. Sie lebt schon eine Ewigkeit im Quader, stammt aber selbst nicht von hier. Wahrscheinlich wurde sie von den ehemaligen Herren dieses Schiffs hierher gebracht, aber dann vergessen. Die Roboter gehorchen ihr.«

Zwyll sagte etwas zu der Alten. »Ich habe der Königin erklärt, dass ihr euch beratet«, wandte er sich danach an Atlan.

»Da gibt es nicht viel zu beraten.« Gavro Yaal schob sich an die Seite des Arkoniden. »Wir müssen hier raus. Vor allem die Buhrlos! Was sollen wir hier groß mit diesem ... Ding diskutieren? Wir sollten es paralysieren und den dämlichen Robotern mit unseren Waffen den Marsch blasen. Und dann nichts wie weg.«

»Wir können den Quader ohne Hilfe nicht verlassen.« Atlans Einwand erregte Yaal nur noch mehr. »Wie willst du zur SOL gelangen? Wie weit wir noch von Mausefalle VII entfernt sind, weiß auch niemand. Selbst den Buhrlos wäre nicht geholfen, wenn sie sich für einige Zeit im Vakuum des freien Raumes erholen könnten. Auch sie brauchen danach wieder eine normale Sauerstoffatmosphäre. Noch haben wir unsere Ausrüstung und die Waffen. Ich sehe aber keinen Grund, sie gegen diese harmlosen Roboter und gegen die Alte einzusetzen.«

Während Atlan sprach, redete Zwyll erregt auf die Quaderkönigin ein.

»Vorsicht!«, zischte Breiskoll. »Sie hat etwas mit uns vor. Es hat etwas mit einem Rätsel zu tun, das sie schon lange beantwortet haben will.«

Atlan zog seine Waffe und zielte auf Wallga-Wallga. »Sage deiner komischen Königin«, forderte er Zwyll auf, »sie soll keine Dummheiten machen. Wir können uns wehren. Ich nehme an, du erkennst, dass ich eine todbringende Waffe besitze.«

Die Alte kreischte wütend auf, als Zwyll übersetzt hatte. Mit einem Satz sprang sie von ihrem Thron und baute sich in voller Größe vor den Menschen auf. Ihre Stimme überschlug sich. Zwyll wich ängstlich vor seiner wütenden Herrin zurück und versäumte es, die gesprochenen Worte zu übersetzen.

Plötzlich stoben die Roboter auseinander. Bjo Breiskoll erstarrte.

»Chybrain«, sagte er heiser.

Von oben schwebte das Kristallei herab, das sie bereits einmal beobachtet hatten. Es erschien übergangslos aus der Decke. Seine Oberfläche glitzerte hellrot und hellgrün.

Wallga-Wallga entdeckte Chybrain im gleichen Augenblick. Wut und Panik traten in ihr Gesicht. Sie schlug wild mit den Händen um sich, als das Kristallei dicht vor ihrem Kopf in der Luft anhielt. Ihre dicken Arme durchdrangen Chybrain, als wäre dieser nicht vorhanden.

Alle Anwesenden hörten die flüsternde Stimme des Kristalleis. Bjo Breiskoll wich vorsichtig zurück.

»Er will nicht, dass du ... Er will nicht, dass du auf Wallga-Wallga schießt, Atlan«, sagte er langsam.

»Das hätte ich ohnehin nicht getan«, erwiderte der Arkonide und steckte mit einem Ruck die Waffe wieder weg. Sofort schwebte Chybrain weiter. Er umrundete die Gruppe der Menschen. Dann beschleunigte er und verschwand in einer Seitenwand. Die Knappen der Quaderkönigin kamen vorsichtig wieder aus ihren Verstecken hervor.

»Was jetzt?«, jammerte Zwyll.

»Sag deiner Königin, dass sie uns in Ruhe lassen soll«, antwortete Atlan. »Wir gehen unseren eigenen Weg.«

Er winkte seinen Begleitern. »Das hier bringt uns nicht weiter. Wir verschwinden. Wenn man uns daran hindert, wehren wir uns.«

Gavro Yaal ging als Erster auf das Tor zu. Die Buhrlos schlossen sich ihm sofort an. Atlan, Breiskoll und Joscan Hellmut beobachteten die Alte und die Roboter, die ratlos herumstanden.

»Das geht nicht«, rief Zwyll aufgebracht. »Die Königin sagt, die Tests müssen durchgeführt werden. Ihr rennt in euer Unglück, wenn ihr nicht gehorcht.«

Das Tor glitt auf. Während sie nach draußen eilten, kicherte die Alte laut. Sie rief noch etwas, aber da Zwyll nicht übersetzte, blieb den Menschen der Sinn ihrer Worte verborgen.

»Hier stimmt etwas nicht.« Gavro Yaal, der an der Spitze der Gruppe ging, blieb stehen.

Der Raum vor der Kammer der seltsamen Alten hatte sich völlig verändert. Die Apparate und Geräte, die hier gestanden hatten, als die Roboter sie zu Wallga-Wallga geführt hatten, waren verschwunden. Auf dem Boden lag eine Metallplatte, die der glich, die sie aus dem Schacht gezogen hatte. Es war gut möglich, dass es sich um die gleiche Plattform handelte, denn auch die elf übergroßen Eimer waren vorhanden.

»Vorsicht!«, brüllte Gavro Yaal plötzlich.

Er sah als Erster, dass sich die Eimer, von unsichtbaren Kräften bewegt, aus ihren Ruhestellungen erhoben. Sie schwebten mehrere Meter in die Höhe und kippten dann zur Seite. Die Öffnungen zeigten direkt auf Atlan und seine Begleiter. Dann beschleunigten die Behälter und schossen auf die Menschen zu.

Yaal zog seine Waffe und feuerte. Eine Wirkung erzielte er damit nicht. Die Gefäße stülpten sich über die Solaner. Fesselfelder hielten sie im Innern fest. Mit einer ruckartigen Drehung kamen die Öffnungen wieder nach oben.

Atlan wollte aus dem Eimer springen, doch nun wölbte sich eine schimmernde Halbkugel aus undurchdringlicher Energie über seinem Gefängnis. Ein Blick zu den anderen Gefäßen zeigte ihm, dass es seinen Begleitern nicht besser ergangen war.

Die elf Eimer kehrten schwebend zur Plattform zurück und setzten dort auf. Unmittelbar darauf gab es einen weiteren Ruck. Die Plattform beschleunigte mit hohen Werten und raste los. Die Seitenwände der Gänge flogen vorbei.

Atlan schaltete sein Helmfunkgerät ein, aber er erhielt keine Verbindung zu den anderen. Das Energiefeld seines Gefäßes war offensichtlich auch für Funkwellen nicht zu durchdringen. Er war zur Tatenlosigkeit verdammt, also konzentrierte er sich auf den Weg, den die Plattform nahm. Der Gang, durch den sie raste, war stark nach einer Seite gekrümmt. Auch hatte er das Gefühl, dass der Kurs der Platte nach oben führte.

Die Beschleunigungskräfte zur Seite hin wurden durch keine Andruckautomatik ausgeglichen. Dennoch standen die Eimer unverrückbar fest auf der Metallplatte. Die Reise verlief so schnell, dass ein einwandfreies Verfolgen der Fahrtrichtung fast unmöglich war. Allerdings hatte der Arkonide das Gefühl, dass sie sich nach einer Weile wieder abwärts bewegten und sich dem Ausgangspunkt der wilden Fahrt näherten. Schließlich bremste die Plattform ab und hielt an.

Die Energieschirme über den Öffnungen der Gefäße erloschen. Mit einem Ruck fielen die Eimer um. Der Arkonide und die Solaner purzelten hinaus.

Atlan war sofort auf den Beinen, aber Bjo Breiskoll war noch schneller gewesen. Der Katzer hatte seine Waffe gezogen und suchte die Umgebung mit den Augen ab. Währenddessen versammelten sich die Eimer über den Köpfen der Menschen. Dort verformten sie sich und schoben sich ineinander. Schließlich war nur noch ein Gefäß zu sehen, das schnell auf eine Öffnung in einer Seitenwand zustrebte und dort verschwand. Krachend schloss sich ein schweres Schott.

»Ich werde hier noch wahnsinnig«, stöhnte Gavro Yaal. »Ein Irrenhaus ist nichts gegen diesen Quader.«

Von den Robotern Wallga-Wallgas war nichts zu sehen. Der Raum, in dem sie standen, war ohne jede Einrichtung. Nur an der Decke brannte in etwa zwanzig Metern Höhe ein einzelnes helles Licht.

Der Boden unter ihren Füßen erzitterte leicht. Knirschende Geräusche wurden hörbar. Der Durchgang zu dem Korridor, auf den sie mit der Plattform gekommen waren, schloss sich durch zwei schwere Stahlflügel. Bjo Breiskoll sprang auf die sich schließende Wand zu. Mit seiner Gewandtheit hätte er es wohl noch geschafft, aus dem Raum zu entkommen. Im letzten Augenblick besann er sich aber und blieb bei seinen Gefährten.

Die Buhrlos drängten sich in der Mitte des Raums zusammen. Ihre Blicke suchten Hilfe bei Atlan und den Schläfern.

Die Geräusche von sich bewegenden Wänden hielten weiter an. Öffnungen entstanden an den Seitenwänden, und seltsame, völlig fremdartige Geräte schoben sich daraus hervor. Atlan erblickte Maschinen, die ihn an überdimensionierte Duschen erinnerten. Daneben schoben sich armdicke Rohre, farbig schillernde, feinadrige Fächer und langsam rotierende Flügel hervor.

Die Menschen standen schweigend und staunend da. Sie konnten zunächst nichts unternehmen, denn die Geräte waren von leuchtenden Energiefeldern umgeben, die denen über den Eimeröffnungen glichen.

»Was sind das für Maschinen?«, jammerten die Buhrlos. Einige von ihnen lagen reglos auf dem Boden. Die Höllenfahrt mit der Plattform hatte ihnen arg zugesetzt.

»Das sieht aus wie eine Wasch-und Reinigungsanlage«, vermutete Atlan. »Für uns ist sie bestimmt nicht geeignet. Sucht nach einem Ausgang.«

»Da steckt bestimmt dieses mehrarmige alte Weib dahinter«, schimpfte Gavro Yaal.

»Stimmt«, bestätigte der Katzer. »Es war ihr Plan, dass wir in diesem Raum einem Test unterzogen werden. Allerdings ist ihr die Einrichtung, obwohl sie sie kennt, ein Rätsel.«

Die Geräusche in der eiförmigen Kammer erstarben. Die Vorbereitungen schienen beendet zu sein. Aus unsichtbaren Lautsprechern erklang eine leise und fremdartige Musik. Atlan, der schon viele Klänge anderer Völker gehört hatte, war seltsam berührt. Die Tonfolgen waren exotisch, klangen aber dennoch harmonisch und angenehm.

Das änderte sich sehr bald, als verschiedene schrille Pfeiftöne immer lauter anschwollen. Atlan wollte schon den Helm seines Raumanzugs schließen, als das Unheil über sie hereinbrach. Schlagartig schoss aus sämtlichen Rohren eine breiige Masse von dunkelgrüner Farbe. Innerhalb von Sekunden waren die Menschen von ihr bedeckt.

Der Arkonide dachte noch an die Buhrlos, die ohne jeden Schutz waren. Da er selbst in höchster Gefahr war, musste er sich aber zuerst um sich kümmern.

Der Helm schlug auf die Halskrause, doch im Innern hatten sich schon dicke Fladen der Masse angesammelt. Durch den Auftrieb der dicken Flüssigkeit wurde er in die Höhe gewirbelt. Das Dröhnen der Rohre drang durch den Schlamm an seine Ohren. Die Sicht war ihm versperrt.

Er ruderte wild mit den Armen, fand aber nirgendwo Halt. Als er eine wispernde Stimme in seinem Kopf hörte, glaubte er zuerst, es sei sein Extrasinn. Dann merkte er, dass dies ein Irrtum war, denn diese Stimme klang völlig anders. Sie erinnerte ihn an das Flüstern des seltsamen Kristalleis, dem er begegnet war.

Die Stimme sang ein Lied, das er vor vielen Jahren einmal auf der Erde gehört hatte. Der Text war in altenglischer Sprache abgefasst.

... there's a hole in the bucket ... ein Loch ist im Eimer ...

Er versuchte sich zu orientieren. Als er seine Position erkannt zu haben glaubte, zog er seinen Impulsstrahler und drückte den Abzug. Unter ihm verdampfte die zähe Masse. Der Raumanzug schützte ihn vor den entstehenden Gasen.

Dann erblickte er im Dämmerlicht die Bodenplatte. Ohne Unterlass feuerte er weiter, bis eine große Öffnung entstanden war. Die zähe Flüssigkeit floss durch das entstandene Loch ab. Atlan musste all sein Geschick aufwenden, um nicht mitgerissen zu werden.

Die breiige Masse verschwand überraschend schnell. Erst als Atlan wieder freie Sicht hatte, erkannte er die Ursache. Die drei Schläfer standen nicht weit von ihm entfernt – und auch sie hatten ihre Waffen gezogen und große Löcher in den Boden geschossen.

Der Arkonide klappte den Helm seines Raumanzugs zurück. Sofort begann die Automatik damit, die Reste der schmierigen Flüssigkeit zu beseitigen. Die technischen Einrichtungen der Kammer schwiegen nun.

Atlans erste Sorge galt den Buhrlos. Zu seinem Erstaunen schien diesen die Prozedur nicht viel ausgemacht zu haben. Auch die Bewusstlosen waren wieder auf den Beinen. Er ging zu den sieben Weltraumgeborenen hinüber und erkundigte sich nach deren Befinden.

»Es war verrückt, und ich hatte schreckliche Angst«, meinte Varn Soeklund, »aber die Prozedur war nicht unangenehm. Ich konnte in dem Brei atmen. Irgendwie war es sogar erfrischend.«

»Na, herzlichen Dank«, schimpfte Gavro Yaal. »Das war eine Schweinerei. Ich möchte wissen, was das sollte.«

»Womöglich handelt es sich um ein Lebenserhaltungssystem der früheren Bewohner des Quaders«, vermutete Joscan Hellmut. »Möglicherweise hat die Alte es entdeckt und uns hineingehetzt, um unsere Reaktion zu testen. Bjo hat ja so etwas angedeutet. Die Hauptsache ist, dass den Gläsernen nichts passiert ist.«

»Ich hatte ein seltsames Erlebnis«, murmelte der Katzer. »Als ich in der Brühe schwamm, trug mir jemand ein altes Gedicht von der SOL vor. Eigentlich waren es nur ein paar Zeilen daraus. Es war ein Abzählreim, den wir früher als Kinder benutzt haben. Ich hatte ihn längst vergessen. Er lautete: Ach du Schreck, die SOL hat ein Leck. Ach du Schreck, und du bist weg. Dadurch kam ich auf die Idee, ein Loch in den Boden zu schießen, damit die grüne Soße abfließt.«

Atlan nickte und erzählte dann von seiner eigenen Erfahrung mit der wispernden Stimme.

»Seltsam«, meinte Gavro Yaal. »In meinem Kopf tauchten die Bilder des Schwarzen Loches auf, das im Jahr 3578 die Kleingalaxis Balayndagar und die SOL verschlang. Alles wurde aus dem Universum gerissen. Ich war damals gerade 33 Jahre alt. Die Bilder verleiteten mich dazu, für eine Öffnung in diesem Tank zu sorgen.«

»Sollten wir einen unbekannten Helfer haben?« Joscan Hellmuts Augen schweiften durch den Raum. »Auch ich bekam einen Hinweis. Es war SENECAS Kunststimme, die mir erklärte, einer seiner Biopontanks würde auslaufen.«

Sie konnten ihr Gespräch nicht weiter fortsetzen, denn in diesem Augenblick setzten die Maschinen der Kammer wieder ein. Dichte weiße Gaswolken schossen aus den Rohröffnungen. Die rotierenden Flügel begannen sich rasend schnell zu drehen.

Atlan schloss sofort seinen Helm.

Die Buhrlos schrien verängstigt auf. Ghuna Heck und Studia St. Felix ließen sich in eines der Löcher fallen, die die Männer in den Boden gebrannt hatten. Die anderen Gläsernen folgten den beiden Frauen.

Für Atlan und die drei Schläfer waren die Gase keine Gefahr, denn ihre Raumanzüge schützten sie. Der entstandene Sog durch die wirbelnden Flügel war jedoch so stark, dass sie Mühe hatten, eine rettende Öffnung zu erreichen.

Breiskoll schwang sich zuerst nach unten. Dann folgten Hellmut und Yaal. Atlan warf einen schnellen Blick zurück. Er sah, wie mächtige Bürsten aus den Wänden fuhren.

Der Fall war nicht tief und endete in einer engen Kammer. Der Arkonide kam auf hartem Untergrund auf. Auch hier herrschte eine künstliche Beleuchtung.

Atlan winkte den Buhrlos, schnell von hier zu verschwinden. Er wusste nichts über die Wirkung der Gase in der seltsamen Kammer. Sie mochten durchaus tödlich sein.

Breiskoll schnappte sich zwei der Buhrlo-Frauen und zog sie mit sich. Die anderen rannten hinterher. Vor dem Katzer öffnete sich automatisch eine Tür.

Die kleine Gruppe schlüpfte hindurch. Als sich hinter ihnen die Wand schloss, atmete Atlan auf. Er überzeugte sich, dass hier eine atembare Atmosphäre herrschte. Dann klappte er seinen Helm zurück.

Erschöpft lehnten sich die Menschen an die Maschinen und Geräte, die diesen Raum fast bis in den letzten Winkel füllten. Atlan suchte sofort die Umgebung ab, da er neue Gefahren witterte.

»Ich glaube«, sagte Joscan Hellmut, »wir sind vorläufig in Sicherheit.«

»Da bin ich mir nicht so sicher.« Bjo Breiskoll deutete in die Mitte der Halle. Dort standen im Schatten eines breiten Maschinenblocks zwei Roboter mit ausgefahrenen Waffenarmen. Vor den Kampfmaschinen stand der kleine Zwyll.

»Das habt ihr toll gemacht«, tönte er aufgeregt. »Wallga-Wallga wird sich freuen. Wie ihr seht, hat sie mir Verstärkung mitgegeben. Folgt mir also bitte ohne Widerstand. Noch hat die Quaderkönigin nicht bestimmt, wer ihre Nachfolgerin wird.«

Gavro Yaal stieß einen deftigen Fluch aus.