Schwärmer

 

Mir wird Ihre Unterhaltung während des Restes der Reise sehr fehlen«, sagte der Extraterrestrier.

Der Captain, Doktor Simon Afriel, faltete seine juwelengeschmückten Hände über der goldbestickten Jacke. »Mir tut es auch leid, Leutnant«, sagte er in der zischelnden Sprache des Extraterrestriers. »Unsere Gespräche waren für mich sehr gewinnbringend. Ich hätte auch dafür bezahlt, soviel zu lernen; aber Sie unterrichteten mich umsonst.«

»Aber das waren doch nur ein paar Informationen«, meinte der Extraterrestrier. Er verhüllte seine funkelnden Knopfaugen mit dicken Nickhäuten. »Wir Investierer machen in Energie und Edelmetallen. Die Vermehrung von Wissen ist eine Eigenschaft einer unreifen Rasse, die dafür auch noch Geld ausgeben will.« Der Extraterrestrier stellte die hohe, geriffelte Halskrause hinter seinen stecknadelkopfgroßen Ohren auf.

»Sie haben zweifellos recht«, stimmte ihm Afriel zu, verachtete ihn aber abgrundtief. »Wir Menschen sind im Vergleich zu anderen Rassen reine Kinder; deshalb gehört wohl auch eine gewisse Unreife zu uns.« Afriel nahm seine Sonnenbrille ab, um sich am Nasenrücken zu kratzen. Die Kabine des Sternenschiffes war erfüllt von gleißendem blauen Licht mit einem starken Ultraviolett-Anteil. Die Investierer bevorzugten dieses Licht und dachten gar nicht daran, es für einen Passagier zu ändern.

»Sie sind gar nicht so übel«, versicherte der Extraterrestrier großzügig. »Sie sind die Art von Rasse, mit der wir gern Geschäfte machen: jung, eifrig, formbar, aufnahmebereit für alle möglichen Produkte und Erfahrungen. Wir hätten schon viel früher mit Ihnen Verbindung aufgenommen, aber Ihre Technologie steckte noch in den Kinderschuhen, so daß wir daraus keinen Gewinn hätten schlagen können.«

»Jetzt liegen die Dinge anders«, sagte Afriel. »Wir werden Sie reich machen.«

»Das stimmt«, sagte der Investierer. Die Halskrause hinter seinem geschuppten Kopf wedelte heftig, ein Zeichen, daß er sich amüsierte. »Innerhalb von zweihundert Jahren werden Sie so reich sein, daß Sie von uns das Geheimnis unserer Sternenflüge kaufen können. Es sei denn, Ihre Mechanisierer-Partei entdeckt das Geheimnis durch eigene Forschungen.«

Afriel ärgerte sich. Als Mitglied der Neuform-Partei schätzte er die Erwähnung der konkurrierenden Mechanisierer-Partei gar nicht. »Bauen Sie nicht zu sehr auf die reine Technik«, sagte er. »Denken Sie an unsere Begabung für Sprachen. Damit sind wir Former mit unserer Partei ein viel besserer Geschäftspartner. Für einen Mechanisierer sehen alle Investierer gleich aus.«

Der Extraterrestrier zögerte. Afriel lächelte. Mit seiner letzten Bemerkung hatte er den persönlichen Ehrgeiz des Extraterrestriers angesprochen. Der Hieb saß. In dem Punkt machten die Mechanisierer nämlich immer Fehler. Sie versuchten, alle Investierer gleich zu behandeln, und wandten jedes Mal die gleiche programmierte Methode an. Es fehlte ihnen jede Phantasie.

Man müßte etwas gegen die Mechanisierer tun, dachte Afriel. Etwas Endgültigeres als die kleinen, wenn auch tödlichen, Begegnungen zwischen einzelnen Schiffen im Asteroidengürtel und zwischen den Eisringen des Saturn. Beide Parteien waren ständig auf der Suche nach dem entscheidenden Schlag. Sie warben einander die besten Talente ab, legten Hinterhalte, begingen Meuchelmorde und Industriespionage.

Captain Simon Afriel war Arzt und hatte diese Betätigungen schon hinter sich gelassen. Deshalb hatte die Neuform-Partei auch die Millionen von Kilowatts bezahlt, die seine Überfahrt kostete. Afriel hatte den Doktorgrad in Biochemie und Extraterrestrischer Linguistik erworben, besaß daneben noch den Magister in Magnetwaffentechnik. Er war achtunddreißig und war so kunstvoll, wie es zur Zeit seiner Zeugung möglich gewesen war, neugeformt worden. Nur sein Hormonspiegel war etwas verändert worden, um die langen Zeiten der Schwerelosigkeit auszugleichen. Er hatte keinen Blinddarm. Die Struktur seines Herzens war für eine größere Leistungsfähigkeit umgeformt worden. Sein Dickdarm wurde dahingehend verändert, daß er die Vitamine produzieren konnte, die normalerweise von den Darmbakterien erzeugt wurden. Gentechnik und hartes Training als Kind hatten bei ihm zu einem IQ von hundertachtzig geführt. Er war nicht der intelligenteste Agent des Ringrats, aber einer der psychisch stabilsten und verläßlichsten.

»Eigentlich ist es eine Schande«, sagte der Extraterrestrier, »daß ein Mensch von Ihren Fertigkeiten zwei Jahre auf dieser lausigen, uneinträglichen Außenstation dahinvegetieren soll.«

»Die Jahre werden sich schon bezahlt machen«, meinte Afriel.

»Aber warum haben Sie sich entschlossen, die Schwärmer zu beobachten? Da sie über keine Sprache verfügen, können sie Ihnen doch nichts beibringen. Außerdem haben sie auch nicht den Wunsch, Handel zu treiben, haben keine Werkzeuge, keinerlei Technik. Sie sind die einzige Rasse im All, die praktisch ohne Intelligenz ist.«

»Das allein ist schon Grund genug, sie genau zu studieren.«

»Wollen Sie sie denn imitieren? Damit würden Sie sich zu Ungeheuern machen.« Der Leutnant machte eine Pause. »Vielleicht schaffen Sie es. Das wäre aber schlecht für das Geschäft.«

Aus den Lautsprechern des Raumschiffs ertönte sanfte, fremdartige Musik, danach einige kreischende Sprachfetzen in der Sprache der Investierer. Das meiste davon lag auf einer so hohen Frequenz, daß Afriels Ohren es nicht aufnehmen konnten.

Der Extraterrestrier stand auf, sein juwelenbesetztes Gewand berührte die Spitzen der klauenartigen Vogelfüße. »Der Symbiont*{*} der Schwärmer ist angekommen«, sagte er.

»Vielen Dank«, sagte Afriel. Als der Leutnant die Kabinentür öffnete, konnte Afriel den Vertreter der Schwärmer riechen. Der warme Hefegeruch verbreitete sich schnell in der umgewälzten Luft des Raumschiffs.

Afriel kontrollierte noch schnell sein Aussehen in einem Taschenspiegel. Er legte noch etwas Puder auf und rückte den runden Samthut auf seinen schulterlangen, rotblonden Haaren zurecht. An seinen Ohrläppchen glitzerten daumenkuppengroße Druckrubine, die man im Asteroidengürtel abbaute. Seine knielange Jacke und seine Weste waren aus Goldbrokat; das Hemd darunter aus rot-goldenem feinen Stoff. Er hatte sich so angezogen, um die Investierer zu beeindrucken, die von ihren Kunden erwarteten, daß sie sich ihrem Wohlstand entsprechend kleideten. Wie konnte er nun diesem neuen fremden Wesen aus dem All imponieren? Vielleicht durch Geruch? Er nahm noch etwas Parfüm.

Der Symbiont der Schwärmer redete wie ein Wasserfall auf die Kommandantin des Raumschiffes ein. Sie standen neben der zweiten Luftschleuse. Die Kommandantin war ein alter und verschlafener Investierer, doppelt so groß wie die meisten ihrer Leute. Ihr massiger Kopf steckte in einem Helm, der über und über mit Edelsteinen besetzt war. Die verhüllten Augen glitzerten wie die Linsen einer Kamera daraus hervor.

Der Symbiont hob eines seiner sechs Hinterbeine und machte mit den vier krallenartigen Vorderbeinen schwache Bewegungen. Die künstliche Schwerkraft des Raumschiffs, ein Drittel über der Erdschwerkraft, schien ihn zu behindern. Die rudimentären Augen saßen auf Stielen und hatten sich in dem gleißenden Licht fest geschlossen. Er muß also an Dunkelheit gewöhnt sein, dachte Afriel.

Die Kommandantin antwortete dem Geschöpf in seiner eigenen Sprache. Afriel verzog das Gesicht; er hatte gehofft, daß der Symbiont investierisch sprechen konnte. Jetzt mußte er wieder eine neue Sprache lernen, eine Sprache, die ohne Zunge gesprochen wurde.

Nach einer weiteren kurzen Unterhaltung wandte sich die Kommandantin an Afriel. »Der Symbiont ist über Ihre Ankunft keineswegs erfreut«, teilte sie Afriel in der Sprache der Investierer mit. »Es hat hier offensichtlich in letzter Zeit einige Unruhen gegeben, an denen die Menschen nicht unbeteiligt waren. Ich konnte ihn aber dazu überreden, daß er Ihnen Zugang zum Nest gewährt. Der Vorgang ist aktenkundig. Die Bezahlung für meine diplomatischen Dienste werde ich mit Ihrer Partei regeln, wenn ich in Ihr Sternsystem zurückkehre.«

»Ich bedanke mich, mächtige Fürsprecherin«, sagte Afriel. »Bitte, übermitteln Sie dem Symbionten meine persönlichen Grüße, sowie die Harmlosigkeit und Bescheidenheit meiner Absichten …« Er brach ab, weil der Symbiont plötzlich vorgeschossen war und ihn kräftig in die linke Wade gebissen hatte. Afriel sprang trotz der vermehrten Schwerkraft nach hinten und nahm eine Verteidigungsstellung ein. Der Symbiont hatte ein großes Stück aus seiner Hose gefetzt, das er jetzt seelenruhig verspeiste.

»Dieser Stoffetzen wird Ihren Geruch und Ihre Zusammensetzung den anderen Nestbewohnern übermitteln«, erklärte die Kommandantin. »Das ist nötig, weil Sie sonst als Eindringling angesehen würden. Die Krieger der Schwärmer würden Sie auf der Stelle umbringen.«

Afriel beruhigte sich schnell und preßte seine Hand auf die Bißwunde, damit das Bluten aufhörte. Er hoffte, daß keiner der Investierer seine Reflexhandlung bemerkt hatte. Sie paßte nicht so ganz zu seiner Rolle als harmloser Wissenschaftler.

»Wir werden gleich die Luftschleuse öffnen«, sagte die Kommandantin schläfrig und lehnte sich auf ihrem dicken Reptilienschwanz genüßlich herum. Afriel sah sich den genicklosen, segmentierten Kopf des Geschöpfs näher an. Es besaß ein Maul und Nasenflügel; die vorgewölbten, atrophierten Augen saßen auf Stielen. Ferner sah er Rippen wie Jalousien, die Funkempfänger sein konnten. Zwischen drei Chitinplatten ragten zwei parallele Wülste auf, die aufgerollten Antennendrähten glichen. Ihre Funktion war ihm nicht bekannt.

Die Luftschleuse öffnete sich. Ein Schwall dicker, rauchiger Luft drang in die Kabine. Der Geruch schien den Investierern lästig zu sein, so daß sie schnell hinausgingen. »Wir werden in sechshundertundzwölf Tagen Ihrer Zeitrechnung zurückkommen, wie es ausgemacht ist«, sagte die Kommandantin.

»Ich danke Ihnen, Mächtige«, sagte Afriel.

»Viel Glück!« sagte die Kommandantin auf englisch. Afriel lächelte.

Der Symbiont schlängelte sich geschickt mit seinem segmentierten Körper auf die Luftschleuse zu und kroch hinein. Afriel folgte ihm. Die Schleusentür schloß sich hinter ihnen. Das Geschöpf sagte nichts, sondern schmatzte laut weiter. Die zweite Tür öffnete sich, der Symbiont sprang hindurch in einen weiten, runden Felstunnel. Sofort war er in der Dunkelheit verschwunden.

Afriel steckte die Sonnenbrille in die Jackentasche und holte eine Infrarotschutzbrille heraus. Er setzte sie auf und verließ die Luftschleuse. Die künstliche Schwerkraft wurde durch die kaum merkliche Schwerkraft des Asteroidennestes der Schwärmer ersetzt. Afriel lächelte und fühlte sich zum ersten Mal seit Wochen wieder behaglich. Er hatte die meiste Zeit seines Lebens als Erwachsener in Schwerelosigkeit verbracht, auf den Kolonien der Former in den Ringen um den Saturn.

In einer dunklen Höhlung in der Tunnelwand hockte ein elefantengroßes, behaartes Tier, dessen Kopf wie eine Scheibe aussah. Durch die Körperwärme war es im Infrarotlicht deutlich zu erkennen. Afriel konnte es atmen hören. Es wartete geduldig, bis Afriel sich vorbeibewegt hatte und weiter in den Tunnel vorgedrungen war. Dann nahm es am Tunnelende Aufstellung, und blies sich so auf, daß sein aufgedunsener Kopf den Eingang abdichtete. Die vielen Beine steckten fest in den dafür vorgesehenen Fassungen in den Tunnelwänden.

Das Raumschiff der Investierer war abgeflogen. Afriel saß nun hier in einem der Millionen von Planetoiden, die den roten Riesen Beteigeuze umkreisen. Ihr Ringgürtel besitzt fünfmal die Masse des Jupiters. Als Quelle möglichen Reichtums ließ der Gürtel das gesamte Sonnensystem wie einen Zwerg erscheinen; und das alles gehörte mehr oder weniger den Schwärmern. Solange sich die Investierer erinnern konnten, hatte sie noch keine andere Rasse angegriffen.

Afriel schaute den langen Gang hinunter. Er schien verlassen und ohne Körper zu sein, die Infrarotstrahlung abgaben; allerdings konnte er nicht weit sehen. Er stieß sich an den Wänden ab und glitt vorsichtig weiter.

Da hörte er eine menschliche Stimme. »Doktor Afriel!«

»Doktor Mirny!« rief er zurück. »Hierher!«

Als erstes sah er zwei junge Symbionten, die ihm entgegeneilten, wobei ihre Krallenfüße kaum die Wände berührten. Dahinter kam eine Frau, die die gleiche Schutzbrille wie er trug. Sie war jung und sehr attraktiv, wenn auch auf die anonyme, gleichmäßige Art der Genneuformungen.

Sie kreischte etwas in der Sprache der Symbionten. Diese hielten an und warteten. Sie glitt vorwärts, bis Afriel ihren Arm packte und ihre Bewegung fachmännisch abfing.

»Sie haben hoffentlich kein Gepäck mitgebracht?« fragte sie besorgt.

Er schüttelte den Kopf. »Wir haben Ihre Warnung erhalten, ehe ich losgeschickt wurde. Ich habe nur die Kleider, die ich auf dem Leib habe und ein paar Kleinigkeiten in meinen Taschen.«

Sie schaute ihn kritisch an. »Trägt man so etwas jetzt in den Ringen? Es hat sich mehr verändert, als ich gedacht habe.«

Afriel sah auf seine Brokatjacke und lachte. »Die Verpackung gehört nun einmal dazu. Die Investierer sprechen bereitwilliger mit einem Menschen, wenn er so aussieht, als ob er Geschäfte im großen Rahmen durchführen könnte. Alle Repräsentanten der Former tragen heutzutage solche Sachen. Wir sind damit den Mechanisierern um einen Schritt voraus; die stecken immer noch in ihren Overalls.« Er zögerte, weil er sie nicht beleidigen wollte. Galina Mirnys Intelligenzquotient wurde auf zweihundert geschätzt. Männer und Frauen mit solchem Verstand waren manchmal fahrig und labil; sie zogen sich in ihre private Phantasiewelt zurück oder verstrickten sich in merkwürdige, undurchdringliche Spinnweben ihrer Intrigen und Überlegungen. Die Former hatten auf hohe Intelligenz gesetzt in ihrer Strategie, die Kulturoberhoheit zu gewinnen; sie mußten jetzt trotz der manchmal auftretenden Nachteile dabei bleiben. Sie hatten versucht, die Superintelligenten zu züchten – mit einem IQ über zweihundert; aber von diesen waren so viele von den Kolonien der Former desertiert, daß die Partei aufgehört hatte, sie herzustellen.

»Sie staunen über meine Kleidung?« fragte Mirny.

»Es ist auf alle Fälle mal etwas ganz anderes«, sagte Afriel und lächelte.

»Es ist aus dem Gespinst eines Kokons gewoben«, fuhr sie fort. »Meine ursprüngliche Kleidung wurde von einem Raubsymbionten während der Unruhen im vorigen Jahr aufgefressen. Normalerweise gehe ich nackt. Ich wollte Sie aber nicht durch zu große Vertraulichkeit in Verlegenheit bringen.«

Afriel zuckte die Achseln. »Ich gehe in meiner eigenen Umgebung auch immer nackt. Wenn die Temperatur konstant ist, sind Kleidungsstücke überflüssig, außer daß sie Taschen haben. Ich habe ein paar Werkzeuge an mir, die meisten davon sind aber ziemlich unwichtig. Wir Neugeformten haben unsere Werkzeuge hier.« Er tippte sich an den Kopf. »Wenn Sie mir einen sicheren Aufbewahrungsort für meine Sachen zeigen …«

Sie schüttelte den Kopf. Es war unmöglich, durch die Schutzbrille ihre Augen zu sehen; deshalb konnte er auch nicht feststellen, welchen Ausdruck sie hatten. »Sie haben Ihren ersten Fehler begangen, Doktor. Hier gibt es keine privaten Stellen. Die Agenten der Mechanisierer haben den gleichen Fehler begangen, der mich auch beinahe das Leben gekostet hätte. Der Begriff von privatem Eigentum existiert hier nicht. Hier ist das Nest. Wenn Sie irgendeinen Teil davon für sich mit Beschlag belegen – um Sachen zu verstauen, um zu schlafen oder sonst etwas – werden Sie zu einem Eindringling, zu einem Feind. Die beiden Mechanisierer – ein Mann und eine Frau – versuchten, sich eine unbenutzte Kammer als ihr Computerlabor einzurichten. Die Krieger drückten die Tür ein und fraßen sie auf. Die Allesfresser verschlangen ihre gesamte Ausrüstung, Glas, Metall, alles.«

Afriel lächelte zynisch. »Es muß sie ein Vermögen gekostet haben, das ganze Zeug hierherzuschaffen.«

Mirny meinte: »Sie haben mehr Mittel als wir. Ihre Maschinen, die Minen. Sie hatten vor, mich umzubringen, glaube ich. Natürlich heimlich, damit die Krieger nicht durch den Anblick von Gewalt aufgestört würden. Sie hatten einen Computer, der die Sprache der Sprungschwänze schneller als ich lernte.«

»Aber Sie haben überlebt«, stellte Afriel fest. »Und Ihre Bänder und Berichte – besonders die frühen, als Sie noch über den Großteil Ihrer Ausrüstung verfügten – waren von größter Wichtigkeit. Der Rat steht voll und ganz hinter Ihnen. Sie sind während Ihrer Abwesenheit in den Ringen zu einer Berühmtheit geworden.«

»Ja, das habe ich erwartet«, sagte sie.

Afriel war verblüfft. »Wenn ich dabei etwas vermißte«, sagte er vorsichtig, »betraf es mein eigenes Gebiet, die extraterrestrischen Sprachen.« Er deutete auf die beiden Symbionten, die sie begleiteten. »Ich nehme an, daß Sie in der Kommunikation mit Symbionten große Fortschritte erzielt haben, da diese offensichtlich als einzige für das Nest sprechen.«

Sie schaute ihn mit undurchdringlicher Miene an und zuckte die Achseln. »Es gibt wenigstens fünfzehn verschiedene Arten von Symbionten hier. Die, die mich begleiten, sind die Sprungschwänze, sie können selbst sprechen. Sie sind Wilde, die von den Investierern nur deshalb beachtet werden, weil sie sprechen können. Früher einmal waren sie ein Volk von Astronauten; aber das haben sie inzwischen vergessen. Sie haben das Nest entdeckt und wurden absorbiert, und jetzt sind sie Parasiten.« Sie tippte einem von den beiden auf den Kopf. »Ich habe diese beiden hier gezähmt, weil ich besser als sie Fressen stehlen oder erbetteln kann. Sie bleiben jetzt bei mir und schützen mich vor den Größeren. Sie sind eifersüchtig, müssen Sie wissen. Sie sind erst etwa zehntausend Jahre beim Nest und haben sich noch keine sichere Position schaffen können. Sie denken immer noch ab und zu, oder machen sich zumindest Gedanken. Nach zehntausend Jahren ist bei ihnen davon immer noch etwas zurückgeblieben.«

»Wilde!« sagte Afriel. »Sie sagen es! Einer von ihnen hat mich schon an Bord des Raumschiffes gebissen. Für einen Gesandten war sein Benehmen nicht gerade tadellos.«

»Ja, ich hatte ihm mitgeteilt, daß Sie kommen«, sagte Mirny. »Er war von dieser Aussicht nicht gerade angetan; aber ich konnte ihn mit Fressen bestechen … Hoffentlich hat er Sie nicht zu sehr verletzt?«

»Ein Kratzer«, antwortete Afriel. »Ich nehme an, daß es hier unmöglich zu einer Infektion kommen kann.«

»Das glaube ich auch nicht. Höchstens, wenn Sie Ihre eigenen Bakterien mitgebracht haben.«

»Völlig unmöglich«, sagte Afriel beleidigt. »Ich habe keine Bakterien. Außerdem hätte ich niemals Mikroorganismen in eine fremde Kultur eingeführt.«

Mirny schaute ihn nicht an. »Ich dachte, Sie hätten vielleicht einige der genveränderten Sonderformen … Wir können jetzt weiter. Die Sprungschwänze haben inzwischen Ihren Geruch durch die Berührung der Mäuler in die Nebenkammer vor uns weitergegeben. In ein paar Stunden hat er sich dann im ganzen Nest verbreitet. Sobald er die Königin erreicht hat, ist er sehr schnell überall.«

Sie stemmte ihre Füße gegen einen der harten Panzer der Sprungschwänze und stieß sich ab, so daß sie mit Schwung den Gang hinunterglitt. Afriel folgte ihr. Die Luft war sehr warm; in seiner kostbaren Kleidung fing er bald an zu schwitzen; aber sein aseptischer Schweiß war völlig geruchlos.

Sie verließen den Gang und kamen in eine riesige Kammer, die aus dem festen Gestein herausgehauen worden war. Sie war oval und hatte eine gewölbte Decke; die Länge betrug ungefähr achtzig Meter, die Breite etwa zwanzig. Die Bewohner des Nestes wimmelten umher.

Sie waren zu Hunderten. Die meisten waren Arbeiter mit acht Beinen und behaart, etwa von der Größe dänischer Doggen. Ab und zu sah man Angehörige der Kriegerkaste, pferdegroße, behaarte Ungeheuer mit scharfen, langen Fangzähnen an den Köpfen, die etwa die Größe und Beschaffenheit von Polstersesseln hatten.

Ein paar Meter entfernt trugen zwei Arbeiter ein Mitglied der Sensorenkaste. Dieses Wesen besaß einen riesigen, flachen Kopf, der an einem verkrümmten Körperchen befestigt war, welcher fast nur aus Lungen bestand. Der Sensor hatte Augen; aus seinem haarigen Chitin reckten sich lange, gewundene Antennen, die kraftlos hin und her schwankten, als die Träger ihn beförderten. Die Arbeiter suchten mit ihren Füßen, die mit Haken und Saugnäpfen versehen waren, an den rohen Felswänden Halt.

Ein Ungeheuer mit paddelartigen Gliedmaßen, einem unbehaarten, gesichtslosen Kopf schob sich an ihnen durch die warme stinkende Luft vorbei. Die Vorderseite seines Kopfes war mit den messerscharfen Kiefern, die pausenlos mahlten, und den groben, durch Platten geschützten Säurespeiern ein reiner Alptraum. »Ein Tunneler«, sagte Mirny. »Er kann uns noch weiter ins Nest hineinführen – kommen Sie mit.« Sie glitt auf ihn zu und hielt sich mit einer Hand in seinem Rückenpelz fest. Afriel folgte ihr, ebenso die beiden jungen Sprungschwänze, die sich mit ihren Vorderläufen in der Haut des Biestes festkrallten. Afriel ekelte es, als er den stinkenden, feuchten Pelz anfaßte. Das Ungeheuer paddelte mit seinen acht Füßen weiter, als ob es die Luft wie ein Schaufelbagger durchpflügte.

»Davon muß es Tausende geben«, sagte Afriel.

»Ich habe in meinem letzten Bericht hunderttausend gemeldet; aber das war, ehe ich das Nest ganz durchstöbert hatte; übrigens gibt es noch jetzt Teile, die ich nicht gesehen habe. Ihre Zahl dürfte sich auf etwa zweihundertfünfzigtausend belaufen. Dieser Asteroid hier hat ungefähr die gleiche Größe wie die größte Basis der Mechanisierer – Ceres. Es gibt hier immer noch reichhaltige Kohlenstoffvorkommen, die keineswegs abgebaut sind.«

Afriel schloß die Augen. Wenn er seine Schutzbrille verlor, müßte er sich seinen Weg blind durch dieses zuckende, wackelnde Gewimmel von Leibern ertasten. »Dann wächst also die Bevölkerung ständig?«

»Mit Sicherheit«, antwortete sie. »Die Kolonie wird außerdem bald einen Hochzeitsschwarm ausschicken. In den Kammern neben der Königin sind drei Dutzend weibliche und männliche Flügler. Sobald sie losgelassen werden, paaren sie sich und gründen eigene Nester. Ich werde sie Ihnen gleich zeigen.« Sie stockte. »Wir kommen jetzt in einen der Schwammgärten.«

Einer der jungen Sprungschwänze veränderte unauffällig seine Lage. Er hing mit den Vorderläufen im Pelz des Tunnelers und fing an, die Hosenaufschläge Afriels zu benagen. Afriel versetzte ihm einen kräftigen Tritt, worauf er zurückwich und seine Stielaugen einzog.

Kurz darauf waren sie in einer zweiten Kammer, die viel größer als die erste war. Die gesamten Wände, die Decke und der Fußboden waren von dichten Schwämmen überwuchert. Die häufigste Art war aufgedunsen zu faßähnlichen Kuppeln mit dichten, vielarmigen Wucherungen und spaghettiknäueligen Auswüchsen, die sich lautlos in der streng riechenden Luft bewegten. Einige dieser ›Fässer‹ lagen inmitten von Staubwolken aus blassen, ausgestoßenen Sporen.

»Sehen Sie diese Klumpen unter den Schwämmen! Ob das der Nährboden ist?« fragte Mirny.

»Ja.«

»Ich bin nicht sicher, ob es sich um eine Pflanzenart oder um einen biochemisch komplizierten Matsch handelt«, sagte sie. »Es wächst im Sonnenlicht an der Außenseite des Asteroiden. Eine Nahrungsquelle, die im nackten Raum wächst! Stellen Sie sich vor, welchen Wert dieses Zeug bei uns zu Hause in den Ringen haben würde.«

»Man kann den Wert gar nicht in Worte fassen«, sagte Afriel.

»Es ist allein völlig ungenießbar«, sagte sie. »Ich habe versucht, ein kleines Stückchen zu essen. Es war, als ob man versuchte, Plastik zu essen.«

»Haben Sie im allgemeinen ordentlich gegessen?«

»Ja. Unsere Biochemie ist der der Schwärmer sehr verwandt. Die Schwämme kann man sehr gut essen; aber das Erbrochene ist bei weitem nahrhafter. Die interne Fermentation im hinteren Darmabschnitt der Arbeiter reichert den Nährwert sehr an.«

Afriel schaute sie erstaunt an. »Ach, man gewöhnt sich daran«, sagte Mirny. »Ich werde Ihnen später beibringen, wie man aus den Arbeitern das Essen herausholt. Man muß nur durch Antippen einen bestimmten Reflex in Gang setzen – er wird nicht durch Pheromone gesteuert wie die meisten ihrer Verhaltensweisen.« Sie wischte sich eine lange, verfilzte Haarsträhne vom Gesicht. »Ich hoffe, daß die Pheromonproben, die ich zurückgeschickt habe, die Kosten für ihre Beförderung wert waren.«

»Ja!« sagte Afriel. »Ihre chemische Zusammensetzung war faszinierend. Es gelang uns, die meisten Einzelstoffe synthetisch herzustellen. Ich habe selbst bei dieser Forschungsgruppe mitgearbeitet.« Er zögerte. Wieweit konnte er ihr trauen? Sie wußte von dem Experiment, das er und seine Vorgesetzten planten, bisher noch nichts. Für Mirny war er nur ein einfacher, friedlicher Wissenschaftler wie sie selbst. Die Gemeinschaft der Wissenschaftler der Form war Leuten gegenüber, die sich mit militärischen Aufgaben und Spionage beschäftigten, sehr mißtrauisch.

Die Former hatten zu allen neunzehn fremden Rassen, die die Investierer ihnen beschrieben hatten, Wissenschaftler als eine Art Kapitalanlage für die Zukunft geschickt. Dieses Unternehmen hatte die Former mehrere Gigawatt ihrer kostbaren Energie und Tonnen von seltenen Metallen und Isotopen gekostet. In den meisten Fällen konnte man nur ein oder zwei Forscher schicken, in sieben Fällen nur einen. Für die Schwärmer war die Wahl auf Galina Mirny gefallen. Sie war voll Vertrauen auf ihre Intelligenz und ihre Fähigkeit, die Sache gut und vernünftig zu überstehen, abgeflogen. Als man sie losgeschickt hatte, wußte niemand, ob die Ergebnisse ihrer Forschungen wichtig oder nützlich sein würden. Man war sich nur darüber einig gewesen, daß man sie, auch allein und schlecht ausgerüstet, schicken müsse, ehe die andere Partei jemanden sandte, der dann möglicherweise eine neue Technik oder sonst einen überaus wichtigen Punkt zuerst finden könnte. Dr. Mirny hatte tatsächlich etwas Wichtiges entdeckt. Damit war ihre Mission zu einer Angelegenheit des Sicherheitsbüros der Ringe geworden, und deshalb war jetzt auch Afriel gekommen.

»Sie haben die Zusammensetzung synthetisiert?« fragte sie. »Warum?«

Afriel lächelte entwaffnend. »Vielleicht nur um uns selbst zu beweisen, daß wir dazu imstande waren.«

Sie schüttelte den Kopf. »Keine gedanklichen Spielereien, Doktor Afriel! Ich bin unter anderem auch hierhergekommen, um solchen Kindereien zu entgehen. Sagen Sie mir die Wahrheit.«

Afriel sah sie an und bedauerte, daß er ihr wegen der Schutzbrille nicht in die Augen schauen konnte. »Also gut«, fing er an. »Sie müssen wissen, daß ich von dem Ringrat den Auftrag habe, ein Experiment durchzuführen, das uns beide das Leben kosten kann.«

Mirny war einen Augenblick ganz still. »Dann gehören Sie zum Sicherheitsbüro?«

»Ich bin Hauptmann.«

»Ich wußte es doch … ich wußte es, als diese beiden Mechanisierer ankamen. Sie waren so höflich und so mißtrauisch – ich glaube, sie hätten mich auf der Stelle umgebracht, wenn sie nicht gehofft hätten, durch Bestechung oder Folter ein Geheimnis aus mir herauszuholen. Sie haben mich zu Tode erschreckt, Hauptmann Afriel … Vor Ihnen fürchte ich mich auch.«

»Die Welt, in der wir leben, ist nun mal zum Fürchten, Doktor. Es ist eine Angelegenheit der Sicherheit der Partei.«

»Für Leute Ihres Schlags ist immer alles eine Angelegenheit der Sicherheit der Partei«, sagte sie. »Ich sollte Sie keinen Schritt weiter führen oder Ihnen noch irgend etwas zeigen. Dieses Nest, diese Geschöpfe – sind nicht intelligent, Hauptmann. Sie können nicht denken, sie können nicht lernen. Sie sind völlig unschuldig, so unschuldig wie im Paradies. Sie haben kein Bewußtsein für Gut oder Böse. Sie wissen gar nichts. Unter keinen Umständen sollten sie zu Spielfiguren in einem Machtkampf einer anderen Rasse werden, die Lichtjahre entfernt ist.«

Der Tunneler hatte durch einen Ausgang die Schwammkammer verlassen und paddelte jetzt langsam durch die Dunkelheit. Eine Gruppe, die wie plattgedrückte, graue Basketbälle aussah, kam ihnen entgegen. Eines dieser Geschöpfe ließ sich auf Afriels Arm nieder und saugte sich mit dünnen, peitschenartigen Fühlern fest. Afriel löste es vorsichtig ab; als es den Arm losgelassen hatte, versprühte es einen Strom rostroter Tröpfchen.

»Im Prinzip stimme ich ja mit Ihnen überein, Doktor«, sagte Afriel. »Aber denken Sie an die Mechanisierer. Einige ihrer extremen Flügelgruppen sind bereits mehr als zur Hälfte nur noch Maschinen. Erwarten Sie von denen humanitäre Überlegungen? Sie sind kalt, eiskalt, Doktor – kalte und seelenlose Wesen, die einen lebendigen Menschen in Stücke reißen, ohne je Schmerz zu spüren. Die meisten anderen Parteien hassen uns. Sie glauben, daß wir uns als Herrenrasse aufspielen wollen, weil wir uns nicht kreuzen wollen, weil wir die Freiheit der Genmanipulation gewählt haben. Wäre es Ihnen lieber, wenn eine dieser anderen Vereinigungen das täte, was wir tun müssen, und dann die Ergebnisse gegen uns verwendete?«

»Das ist spitzfindige Propaganda.« Sie schaute weg. Um sie herum schwammen überall Arbeiter, die Kiefer, und Bäuche vollgestopft mit Schwämmen. Sie verteilten sich im Nest, drängten sich an ihnen vorbei und verschwanden in Seitentunneln, die nach allen Richtungen abzweigten, auch nach oben und unten. Afriel sah ein Geschöpf, das wie ein Arbeiter aussah, aber nur sechs Beine hatte; es glitt über ihm in die entgegengesetzte Richtung. Das war ein parasitärer Nachahmer. Er überlegte, wie lange es dauerte, bis ein Wesen es geschafft hatte, so auszusehen.

»Es ist kein Wunder, daß wir so viele Deserteure in den Ringen haben«, sagte Mirny traurig. »Wenn die Menschheit so idiotisch ist, sich selbst in solche Schwierigkeiten zu bringen, wie sie sie beschrieben haben, ist es besser, nichts mit ihr zu tun zu haben. Dann lebt man besser allein. Dieser Zustand ist erstrebenswerter, als zu helfen, den Irrsinn auch noch zu verbreiten.«

»Solche Reden kosten uns noch das Leben«, sagte Afriel. »Wir schulden der Partei, die uns hervorgebracht hat, Treue.«

»Sagen Sie mal ehrlich, Hauptmann«, fragte sie ihn. »Haben Sie nie den brennenden Wunsch verspürt, alles und jeden, alle Pflichten und Zwänge hinter sich zu lassen und irgendwohin zu gehen, um über alles nachzudenken? Über Ihre Welt und welche Rolle Sie darin spielen? Wir werden von Kindheit an so hart herangenommen; man verlangt so viel von uns. Glauben Sie nicht auch, daß man dabei sein Ziel aus den Augen verliert?«

»Wir leben im All«, antwortete er knapp. »Das All ist nicht unsere natürliche Umgebung. Um hier zu gedeihen, bedarf es unnatürlicher Anstrengungen von unnatürlichen Menschen. Unser Verstand ist unser Werkzeug; Lebensphilosophie ist zweitrangig. Selbstverständlich habe ich auch diesen Drang verspürt, den Sie erwähnt haben. Er gehört eben auch zu den Dingen, vor denen man sich hüten muß. Ich glaube an eine geordnete Gesellschaft. Die Technologie hat unermeßliche Kräfte freigesetzt, die eine Gesellschaft auseinanderreißen können. Da muß eben eine Partei alles zusammenhalten. Wir sind die Neugeformten und besitzen die Weisheit und die Zurückhaltung, human zu handeln. Darin sehe ich die Rechtfertigung für meine Arbeit.« Er machte eine Pause. »Ich erwarte auch nicht, daß ich den Tag unseres Triumphes noch sehen werde. Wahrscheinlich werde ich in irgendeinem Buschkampf sterben oder ermordet werden. Mir reicht die Gewißheit, daß dieser Tag kommen wird!«

»Wie grauenvoll arrogant, Hauptmann!« stieß sie plötzlich hervor. »Diese Arroganz Ihres unwichtigen Lebens und des unwichtigen Opfers! Nehmen Sie die Schwärmer, wenn Sie wirklich nach einer humanen und vollkommenen Ordnung suchen, haben Sie sie hier, wo es immer warm und dunkel ist, gut riecht, Nahrung leicht zu beschaffen ist, alles immer wieder vollkommen aufbereitet wird. Die einzigen Ressourcen, die verlorengehen, sind die Körper der Paarungsschwärme und ein bißchen Luft, wenn die Arbeiter zur Ernte aus den Luftschleusen gehen. Ein Nest wie dieses hier kann Hunderttausende von Jahren ohne jede Veränderung überdauern. Überlegen Sie: Hunderttausende von Jahren! Wer oder was wird sich nicht an unsere blöde Partei auch nur in tausend Jahren erinnern?«

Afriel schüttelte den Kopf. »Das ist kein stichhaltiger Vergleich. Wir sehen nicht so weit voraus. In tausend Jahren sind wir entweder zu Maschinen oder Göttern geworden.« Er faßte sich an den Kopf. Seine Samtmütze war weg. Zweifellos fraß jemand sie inzwischen auf.

Der Tunneler führte sie noch tiefer in das schwerelose Wabenlabyrinth des Asteroiden hinein. Sie sahen die Puppenstuben, wo bleiche Larven in Seide gewickelt lagen. Dann die Hauptschwammgärten, die Gräberschächte, wo Arbeiter mit Flügeln unentwegt die heiße, stickige Luft, die durch Zersetzung entstand, bewegten. Ätzende, schwarze Schwämme fraßen die Leichen auf und sonderten sie als schwarzen Staub ab, der von den Arbeitern, die ganz schwarz und schon selbst zu drei Vierteln tot waren, weggeschleppt wurde.

Später ließen sie den Tunneler los und trieben allein weiter. Die Frau bewegte sich mit der Leichtigkeit und Anmut, die lange Übung verriet. Afriel folgte ihr, stieß aber immer wieder mit quiekenden Arbeitern zusammen, von denen es Tausende gab, die sich an der Decke, den Wänden und dem Boden sammelten und aus allen Richtungen kamen.

Danach besichtigten sie die Kammer der geflügelten Prinzen und Prinzessinnen und ein hallendes, rundes Gewölbe wo krummbeinige, etwa vierzig Meter lange Geschöpfe reglos in der Luft hingen. Ihre Körper hatten Segmente und schillerten metallisch; an ihrer Brust saßen organische Raketendüsen, wo man Flügel erwartet hätte. An langen Stangen trugen sie auf den schmalen Rücken große Radarantennen. Sie sahen eher wie interplanetare Sonden aus als biologische Wesen. Arbeiter fütterten sie pausenlos. Die gewölbten Leiber mit den Tracheen waren mit unter Druck stehendem Sauerstoff gefüllt.

Mirny erbettelte von einem vorbeikommenden Arbeiter ein großes Stück Schwamm, indem sie kräftig an seine Antennen tippte, wodurch sie einen Reflex auslöste. Sie gab das meiste des Schwammes an die beiden Sprungschwänze weiter, die es gierig verschlangen und auf mehr warteten.

Afriel brachte seine Beine in den Lotussitz und fing an, entschlossen auf dem lederartigen Schwamm herumzukauen. Er war zäh, schmeckte aber gut, wie Rauchfleisch – eine Terra-Delikatesse, die er nur einmal gekostet hatte. In einer Former-Kolonie bedeutete Rauchgeruch eine Katastrophe.

Mirny verharrte in eisernem Schweigen. »Nahrung ist kein Problem«, meinte Afriel fröhlich. »Wo werden wir schlafen?«

Sie zuckte die Achseln. »Irgendwo … es gibt unbenutzte Tunnel und Nischen. Ich nehme an, daß Sie die Kammer der Königin als nächstes sehen wollen.«

»Ja, natürlich!«

»Ich muß noch mehr Schwamm besorgen. Die Krieger, die Wache halten, müssen mit Essen bestochen werden.«

Sie sammelte einen Arm voll Schwamm von einem anderen Arbeiter und führte Afriel durch einen anderen Tunnel. Afriel hatte schon vorher die Orientierung in diesem Irrgarten von Kammern und Tunneln verloren. Jetzt kannte er sich gar nicht mehr aus. Schließlich gelangten sie in eine riesige, dunkle Höhle, die nur von der Infrarotstrahlung des gewaltigen Körpers der Königin erhellt wurde. Hier war die zentrale Produktionsstätte der Kolonie. Obwohl die Königin aus warmem Zellengewebe bestand, konnte sie ihre eigentliche industrielle Eigenschaft nicht verbergen. Vorverdauter Schwammbrei wanderte tonnenweise in die rutschigen Scheinkiefer am einen Ende. Die runden Fleischmassen verdauten und beförderten ihn weiter; dabei saugte, schlängelte und drehte sie sich mit lautem Gurgeln und Schmatzen, das so regelmäßig wie die Stöße einer Maschine kam. Aus dem anderen Ende floß ein ständiger Eistrom wie auf einem Fließband heraus. Jedes Ei war in eine dicke, rutschige Hormonmasse eingehüllt. Die Arbeiter leckten eifrig die Eier sauber und trugen sie in die Brutkammern. Jedes Ei hatte etwa die Größe eines männlichen Torsos.

Die Produktion lief unaufhörlich. In diesem lichtlosen Kern des Asteroiden gab es weder Tag noch Nacht. In den Genen dieser Kreaturen war keine Spur mehr von einem Tagesrhythmus vorhanden. Der Produktionsfluß war so beständig und regelmäßig wie das Fließband einer automatischen Bergbauanlage.

»Deshalb bin ich gekommen«, flüsterte Afriel andächtig. »Sehen Sie sich das nur an, Doktor! Die Mechanisierer haben computergesteuerte Abbaumaschinen, die unseren um Generationen voraus sind. Aber hier – in den Eingeweiden dieser namenlosen, kleinen Welt, gibt es eine genetisch gesteuerte Technik, die sich selbst ernährt, wartet, bedient und endlos, rationell und unter Ausschaltung des Verstandes läuft. Es ist die perfekte organische Maschine. Die Partei, die sich dieser unermüdlichen Arbeiten bedienen kann, wird zu einem industriellen Giganten. Da unsere Kenntnisse in Biochemie unübertroffen sind, sind wir Former genau die richtigen Leute dafür.«

»Und wie wollen Sie das machen?« fragte Mirny, ohne ihre Skepsis zu verbergen. »Sie müßten eine befruchtete Königin bis in unser Sonnensystem transportieren, selbst wenn die Investierer es uns gestatten würden, was ich bezweifle.«

»Ich brauche keine vollständige Kolonie«, erklärte Afriel geduldig. »Ich brauche nur die genetischen Daten eines Eies. Unsere Labors in den Ringen könnten danach jede beliebige Anzahl klonen.«

»Aber die Arbeiter sind ohne den Rest der Kolonie, der ihnen die Befehle gibt, nutzlos. Sie brauchen die Pheromone, um ihre Verhaltensweisen auszulösen.«

»Genau«, sagte Afriel. »Rein zufällig verfüge ich über diese Pheromone in konzentrierter Form. Jetzt muß ich sie nur noch ausprobieren. Ich muß den Beweis erbringen, daß ich damit die Arbeiter dazu bringen kann, meine Befehle auszuführen. Sobald ich das bewiesen habe, bin ich ermächtigt, die erforderlichen genetischen Daten zurück zu den Ringen zu schmuggeln. Den Investierern wird das gar nicht recht sein. Es spielen natürlich auch moralische Bedenken eine Rolle, zumal sie genetisch noch nicht so weit entwickelt sind wie wir. Aber mit den Gewinnen, die wir machen, werden wir ihr Wohlwollen schon zurückkaufen. Am wichtigsten ist aber, daß wir die Mechanisierer in ihrem eigenen Spiel schlagen können.«

»Sie haben die Pheromone hierher mitgebracht?« erkundigte sich Mirny. »Haben die Investierer nicht Verdacht geschöpft, als sie sie fanden?«

»Jetzt haben Sie sich gründlich geirrt«, sagte Afriel. »Sie glauben, daß die Investierer unfehlbar sind. Das ist keineswegs so. Eine Rasse ohne Neugier wird nie jede Möglichkeit so erforschen, wie wir als Former es tun.« Afriel zog sein rechtes Hosenbein hoch und streckte das Bein aus. »Sehen Sie diese Krampfader an. Diese Beschwerden sind bei Leuten, die lange in Schwerelosigkeit gelebt haben, durchaus nicht selten. Diese Vene ist aber künstlich gestaut und die Außenwände sind chemisch behandelt worden, damit die Osmose verringert wird. In der Vene sind zehn verschiedene genetisch behandelte Bakterienkolonien, von denen jede ein bestimmtes Schwärmer-Pheromon produzieren kann.«

Er lächelte. »Die Investierer haben mich sehr genau abgesucht, sogar mit Röntgenaufnahmen. Natürlich bestanden sie darauf, alles zu wissen, das an Bord mitgeführt wird. Aber die Vene sieht beim Röntgen völlig normal aus; die Bakterien stecken in Fächern innerhalb der Vene. Man kann sie nicht aufspüren. Ich trage eine kleine medizinische Ausrüstung an mir; dabei ist auch eine Spritze. Wir können damit die Pheromone heraussaugen und ausprobieren. Wenn die Tests vorüber sind – ich bin eigentlich ganz sicher, daß sie erfolgreich verlaufen werden, ich setze sogar meine Karriere aufs Spiel – können wir alle Fächer in der Vene leeren. Die Bakterien gehen bei der Berührung mit Luft sofort ein. Dann können wir die Vene mit dem Dotter eines Embryos füllen. Die Zellen sterben vielleicht auf der Heimreise ab, können aber nicht verwesen, da sie niemals mit Bakterien, die sie zersetzen, in Kontakt kommen. Zu Hause in den Ringen können wir verschiedene Gene aktivieren oder unterdrücken, um die einzelnen Kasten zu produzieren, so wie es hier auf natürliche Art geschieht. Wir werden Millionen von Arbeitern, Armeen von Kriegern haben, wenn wir sie brauchen; vielleicht sogar organische Raketenschiffe aus manipulierten Flüglern. Wenn das alles klappt, wer wird sich dann an mich erinnern, hm? An mich und mein arrogantes, unwichtiges Leben und mein unwichtiges Opfer?«

Sie starrte ihn an. Auch die unförmige Schutzbrille konnte ihre neu gewonnene Hochachtung, aber auch ihre Furcht nicht verhehlen. »Dann wollen Sie es wirklich durchführen?«

»Ich habe meine Energie und meine Zeit geopfert. Ich erwarte jetzt Resultate, Doktor.«

»Aber das ist doch glatte Entführung. Sie beabsichtigen ein Volk von Sklaven zu züchten.«

Afriel zuckte verächtlich die Achseln. »Reine Wortklauberei, Doktor! Ich schade dieser Kolonie hier nicht im geringsten. Ich entziehe ihr vielleicht etwas Arbeitszeit der Arbeiter, während diese meinen chemischen Befehlen gehorchen; aber die paar Leute werden nicht vermißt werden. Ich gestehe den Mord an einem Ei; das ist aber kein schlimmeres Verbrechen als eine Abtreibung bei den Menschen. Kann man wirklich den Diebstahl eines genetischen Stranges ›Entführung‹ nennen? Ich glaube nicht. Und den skandalösen Vorwurf der Versklavung weise ich klipp und klar zurück. Diese Geschöpfe sind genetische Roboter. Sie sind ebensowenig Sklaven wie Laserbohrer oder Bulldozer. Schlimmstenfalls kann man sie als Haustiere betrachten.«

Mirny dachte über seine Erklärungen nach. Sie brauchte aber nicht lange. »Sie haben recht. Es wäre nicht so, als ob ein gewöhnlicher Arbeiter aus Sehnsucht nach Freiheit zu den Sternen aufschaute. Sie sind nur gehirnlose Neutra.«

»Genau, Doktor.«

»Sie arbeiten einfach dahin. Ob sie für uns oder für die Schwärmer arbeiten, ist gleich.«

»Ich sehe, daß Ihnen die Schönheit meiner Idee aufzugehen beginnt.«

»Und wenn es klappt«, sagte Mirny, »wenn es klappt, wäre es für unsere Partei ein Riesengewinn.«

Afriel lächelte erfreut, ohne sich des eiskalten Zynismus seiner Worte bewußt zu sein. »Und der persönliche Profit, Doktor …« Er sprach ganz ruhig. »Haben Sie je einen Schneeschauer von Stickstoff auf Titan erlebt? Ich denke da an eine eigene Siedlung – groß, größer als irgend etwas, das man vorher schaffen konnte … Eine richtige Stadt, Galina, ein Ort, wo man die Verordnungen und Beschränkungen, die einen jetzt verrückt machen, einfach über Bord werfen kann …«

»Jetzt sprechen Sie aber vom Desertieren, Hauptmann.«

Afriel schwieg einen Augenblick lang. Mit einem gequälten Lächeln fuhr er fort. »Sie haben soeben meinen schönsten Traum zerstört. Dabei habe ich nur von dem wohlverdienten Ruhesitz eines reichen Mannes gesprochen und nicht von einer Einsiedlerklause, in die man sich aus Selbstmitleid zurückzieht … Darin liegt ein feiner, aber deutlicher Unterschied.« Er zögerte. »Darf ich trotz allem annehmen, daß Sie mich bei dem Projekt unterstützen?«

Sie lachte und berührte seinen Arm. In ihrem Lachen, das von den gewaltigen, organischen Geräuschen aus dem Innern der Königin fast übertönt wurde, lag etwas Unheimliches … »Erwarten Sie, daß ich gegen Ihre Argumente zwei Jahre lang ankämpfen kann? Da ist es wohl besser, ich gebe gleich nach und erspare uns damit unnötige Reibereien.«

»Allerdings.«

»Schließlich tun Sie der Kolonie kein Leid an. Man wird niemals wissen, daß überhaupt etwas geschehen ist. Und falls es gelingt, ihre genetische Struktur daheim zu reproduzieren, gibt es auch keinen Grund mehr, sie wieder zu stören.«

»Stimmt genau«, sagte Afriel, obwohl er gleichzeitig an die märchenhaften Reichtümer denken mußte, über die das Asteroidensystem von Beteigeuze verfügte. Er war überzeugt, daß der Tag kommen würde, an dem die Menschheit in Massen zu den Sternen aufbrechen würde. Dann würde es sich auszahlen, alle Fakten über jede Rasse, die zu einem möglichen Rivalen werden konnte, zu kennen.

»Ich helfe Ihnen, so gut ich kann«, sagte sie. Dann schwiegen sie für kurze Zeit. »Haben Sie von diesem Teil genug gesehen?«

»Ja.« Sie verließen die Kammer der Königin.

»Am Anfang habe ich Sie wirklich nicht gemocht«, sagte sie. »Ich glaube, daß Sie mir jetzt sympathischer sind. Sie haben einen Sinn für Humor, der den meisten Sicherheitsleuten fehlt.«

»Es ist kein Sinn für Humor«, sagte Afriel ernst. »Es ist Zynismus, der sich als Humor verkleidet.«

In dem unendlichen Strom der folgenden Stunden gab es keine Tageseinteilung. Zuerst verbrachten sie die zufälligen Schlafzeiten getrennt, danach umschlungen in der Schwerelosigkeit. Das körperliche Gefühl der Haut und des Körpers des anderen wurde für sie zu einem gemeinsamen Anker in ihrem menschlichen Dasein. Die so viele Lichtjahre entfernte, zerstrittene Menschheit hatte für sie jede Bedeutung verloren. Ihr jetziges Leben spielte sich in den warmen und von Schwärmen wimmelnden Tunneln ab. Die beiden glichen Bazillen in einem Blutkreislauf, die unaufhörlich von Ebbe und Flut getrieben wurden. Sie probierten in den langen Monaten ihres Aufenthalts jedes Pheromon einzeln aus. Allmählich hatte die Zeit jede Bedeutung verloren.

Die Versuche mit den Pheromonen waren sehr kompliziert, aber nicht unmöglich. Das erste der zehn Pheromone war ein einfaches Stimulanz zur Gruppenbildung, das von Fühler zu Fühler weitergegeben wurde und die Arbeiter dazu brachte, sich in großer Zahl zusammenzurotten. Danach erwarteten die Arbeiter weitere Befehle. Als keine erfolgten, lösten sie sich wieder auf. Um wirklich effektiv arbeiten zu können, mußten die Pheromone nacheinander in bestimmter Reihenfolge verabreicht werden wie ein Computerprogramm. Nummer eins, Gruppenbildung, gefolgt zum Beispiel von Nummer drei, Verlegung, bewirkte, daß die Arbeiter jede beliebige Kammer ausräumten und den Inhalt in eine andere schleppten. Das neunte Pheromon zeigte die besten Wirkungen für die Industrie. Es gab einen Baubefehl, auf den hin die Arbeiter sofort Tunneler und Baggerer zusammentrieben und an die Arbeit jagten. Andere Reaktionen waren lästig; das zehnte Pheromon führte zu übertriebener Reinlichkeit, wobei die Arbeiter mit ihren haarigen Fühlern Afriel die letzten Reste seiner Kleidung wegstriegelten. Das achte Pheromon schickte die Arbeiter an die Oberfläche des Asteroiden, um dort Material zu sammeln. Die beiden Forscher waren ihnen dabei wißbegierig gefolgt; sie waren so in ihre Beobachtungen vertieft, daß sie beinahe den Halt verloren und ins All hinausgetragen wurden.

Die beiden hatten auch vor der Kriegerkaste keine Angst mehr. Sie wußten, daß eine Dosis des sechsten Pheromons die Krieger sofort veranlaßte, die Eier zu bewachen, und daß die Arbeiter ebenfalls dorthin eilen würden. Mirny und Afriel nützten das aus und richteten sich eigene Kammern ein, die sie von Arbeitern – durch Chemie gefügig gemacht – hatten graben lassen; sogar eine Wache für die Luftschleuse hatten sie sich auf diese Weise besorgt. Sie verfügten über ihren eigenen Schwammgarten mit der Sorte, die ihnen am besten schmeckte und die von einem ebenfalls unter Drogen stehenden Arbeiter für sie vorverdaut wurde. Das ständige Fressen hatte den Arbeiter bis zum Platzen aufgetrieben, so daß er wie eine gigantische Traube von der Decke hing.

Afriel war müde. In letzter Zeit hatte er kaum geschlafen; er konnte sich an das letzte Mal kaum erinnern. Sein Körperrhythmus war noch nicht so angepaßt wie der Mirnys; deshalb neigte er oft zu Depressionen und Gereiztheit, die er nur mit Mühe unterdrücken konnte. »Die Investierer müßten doch endlich kommen«, sagte er, »hoffentlich bald!«

Mirny zuckte die Achseln. »Die Investierer«, meinte sie und beendete den Satz in der Sprache der Sprungschwänze, die er immer noch nicht beherrschte. Trotz seines linguistischen Trainings war es Afriel nicht gelungen, sich den knirschenden Jargon der Sprungschwänze anzueignen. Da ihre Sprache sich zu einem primitiven Kauderwelsch ohne Regeln oder Struktur zurückgebildet hatte, war ihm seine sprachwissenschaftliche Ausbildung eher hinderlich. Er war zwar in der Lage, ihnen ein paar einfache Befehle zu erteilen, denen er durch seine Kontrolle über die Krieger Nachdruck verleihen konnte. Die Sprungschwänze hatten vor ihm Angst; die beiden jungen, die Mirny gezähmt hatte, waren inzwischen so faul und fett geworden, daß sie ihre Alten dauernd tyrannisierten. Afriel war viel zu beschäftigt gewesen, um die Sprungschwänze oder die anderen Symbionten genauer zu studieren. Es lagen zu viele praktische Aufgaben vor ihm.