KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG
El Rey hörte die Rufe hinter sich, ignorierte sie aber. Jeder Schritt näher zum Humvee war ein Schritt näher zur Sicherheit, deshalb ging er weiter, subtil seine Geschwindigkeit durch Verlängern der Schritte erhöhend.
Der Ruf wiederholte sich, und er drehte sich um. Es war ihm gleichgültig, dass das Spiel aus war. Es gab nur einen Grund dafür, dass ihm jemand folgen würde, und der konnte kein guter sein.
Er sah, wie der Mann in der charakteristisch blauen Uniform auf ihn zuschritt. Dann trafen sich ihre Augen, und er sah, wie der Mann seine Waffe zog.
Zwei Schüsse explodierten aus der Bomberjackentasche des Attentäters und trafen den Polizisten in der Brust und an der Schulter. Er wurde umgerissen, seine Waffe polterte nutzlos neben ihn auf den Gehweg. Die schallgedämpfte Kompakt-Automatik-Pistole war fast geräuschlos. El Rey drehte sich um und ging die restlichen sieben Meter zu den beiden Soldaten am Fahrzeug – dankbar, dass beide noch relativ grün waren.
»Männer. Schnell. Dort drüben. Dieser Mann – der Bundespolizist. Er liegt am Boden. Helft ihm. Ich hole den Laster. Wir müssen ihn in ein Krankenhaus bringen.« El Rey sah die Verwirrung in ihren Augen. »Jetzt!«, brüllte er sie an. »Das ist ein Befehl. Er wurde getroffen. Bewegt euch!« Sie traten in Aktion und rannten dahin, wo Briones lag.
El Rey kletterte auf den Fahrersitz, ließ den Motor an, legte den Gang ein und raste über die Straße, direkt auf die Hügel zu. Er brauchte nur eine halbe Minute Vorsprung, und er hätte es geschafft. Es wäre fast so, als ob er den Präsidenten mit Erfolg getötet hätte, nur, dass ihn jetzt mehr Polizisten und Soldaten verfolgten. Der Wind trocknete den Schweiß auf seinem Gesicht, während er davonjagte. Die stark profilierten Reifen des massiven Allrad-Fahrzeugs bohrten sich den steilen Hang hoch.
Die Soldaten erreichten Briones, der stark aus seiner Schulter blutete. Seine Weste hatte den Schuss in die Brust abgefangen, aber es würde einen schmerzhaften Bluterguss geben. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen– der Arm aber schon: Die Kugel hatte eine Arterie gestreift, und Blut spritzte frei aus der Wunde. Er versuchte zu sprechen, war aber desorientiert und im Moment nicht fähig dazu. Cruz, der den niedergestreckten Mann sah, kam humpelnd herbeigeeilt, sein Bein tat immer noch weh, selbst Wochen nach der Schießerei. Er beugte sich über ihn und legte seinen Kopf nahe an das Ohr des Lieutenant
Briones bemühte sich zu sprechen.
»El Rey. Dort …«
Er brachte den Rest seiner Energie auf, um in die Richtung des Humvee zu zeigen, der bereits ein gutes Stück den Hügel hinauf war und eine Staubwolke aufwirbelte. Cruz blickte wieder zu ihm hinunter. Briones’ Augen rollten zurück unter die Lider, und er fiel schlaff auf den Gehweg.
»Rufen Sie einen Krankenwagen. Laufen Sie. Schnell. Wo ist Ihr Befehlshaber?«, fragte Cruz.
»Dort drüben.« Die Soldaten zeigten auf die Gruppe Soldaten vor ihnen, dreißig Meter entfernt.
Cruz überlegte einen kurzen Moment, dann gab er seinen anfänglichen Impuls auf, einen der anderen Humvees zu beschlagnahmen und die Jagd aufzunehmen.
Er ging zu den Offizieren und erklärte schnell, was passiert war.
»Er ist außer Schussweite, und ich glaube nicht, dass wir die Hügel hochschießen und einen internationalen Zwischenfall verursachen sollten. Bemannen Sie die Hubschrauber mit einigen Scharfschützen und heben Sie ab. Ich werde ihn mit ein paar Männern in einem der Laster verfolgen«, wies Cruz an.
Die hochrangigen Offiziere starrten ein paar Sekunden lang betroffen auf den gefallenen blutüberströmten Polizisten, bevor sie in Aktion traten. Der General schritt hinüber zu einem Mann mit dem Rang eines Majors und gab ihm Anweisungen. Der Major hielt schnell sein Funkgerät an den Mund und bellte eine Reihe von Befehlen hinein.
Sie verloren Zeit. Es würde im besten Fall mehrere Minuten dauern, um die Helikopter in die Luft zu bekommen. Das war zu lange.
Cruz humpelte zum nächsten Humvee hinüber, schwang sein Gewehr auf den Nebensitz und rief den drei Soldaten, die sich näherten, zu:
»Steigt ein. Sofort.«
Sie tauschten verstohlene Blicke und sprangen dann an Bord. Cruz jagte den Motor hoch und donnerte in wilder Verfolgung hektisch den Hügel hinauf.
Hinter der Bühne schlugen die Kinder immer noch mit aller Kraft auf die Piñata ein. Das Drama spielte sich ganz hinten auf der Rückseite des Gebäudes ab, unsichtbar für die Teilnehmer. Das Aufheulen der Dieselmotoren wurde durch die Sonnenabschirmung aus Leinen und die dissonanten Fiestahörner, die aus den Lautsprechern dröhnten, gedämpft.
Als die beiden großen Militärhubschrauber abhoben, wurden die Piñata-Festivitäten bereits ermüdend. Die Würdenträger wurden unruhig, und es wurde ihnen heiß. Da die abscheuliche Kreatur nach zehn Minuten des Draufschlagens immer noch nicht zerbrochen war, wurde dieser Teil der Gipfelunterhaltung vom Bürgermeister beendet, und die versammelten Teilnehmer gingen dankbar in das Gebäudeinnere, wo Erfrischungen und eine arktische Klimaanlage auf sie warteten.
El Reys Humvee glitt zu einem alten Schuppen, zwei Hügel weiter nördlich des Konferenzzentrums. Dort machte er Halt. Er betrachtete den Staub, der von einem Verfolgungswagen aufgewirbelt wurde, und schätzte, dass er einige Minuten entfernt sein musste. Er warf seinen Helm in den Laster und schälte sich aus der Uniform, unter der er schwarze Cargo-Shorts und ein T-Shirt trug.
Dann eilte er zum Schuppen und verschwand im Innern des verlassenen Gebäudes. Als er ein paar Sekunden später wieder auftauchte, schob er ein robustes Geländemotorrad neben den Humvee und sprang auf den Kickstarter. Der Motor heulte auf. Er legte den Gang ein und bretterte den Hang hinunter in ein noch abgelegeneres, unbewohntes Gebiet voller Gestrüpp.
Cruz kam über den Hügel und sah, wie das Motorrad in die Luft sprang, in einer Staubwolke landete und in die Pampa davonraste.
»Shit. Damit werden wir ihn nie einholen«, klagte Cruz. »Wie funktioniert dieses Funkgerät? Wir müssen den Helikoptern Bescheid sagen, in welche Richtung er fährt und dass er auf einem Motorrad unterwegs ist.«
Einer der Soldaten tippte auf einen Knopf und drehte an einer Wählscheibe – kurz darauf knisterte eine Stimme über den Äther. Cruz schnappte sich das Mikrofon und bellte Anweisungen zu den Verfolgern, bevor er auf das Gaspedal trat und den Hügel hinunterpolterte, am Schuppen vorbei, das ausgetrocknete Flussbett hinunter, wohin der Attentäter verschwunden war.
El Rey genoss die Verfolgung. Die Männer im Humvee mussten das Leben jetzt hassen, da sie eine verlorene Schlacht kämpften, um mit dem beweglichen Motorrad mitzuhalten. Sie hatten keine Chance.
Er raste einige Minuten die Auswaschung entlang und zog eine Wolke von rötlich weißem Staub hinter sich her. Dann schwenkte er in eine Nebenschlucht, die zu den unbewohnten Bergen führte, die die Halbinsel zweiteilten. Ein Teil von ihm fragte sich, was wohl mit dem Stier schiefgegangen war. Alles war so perfekt geplant gewesen, und dann explodierte er nicht. Es war sein erstes Versagen überhaupt, was ihn mehr ärgerte, als von der halben mexikanischen Armee verfolgt zu werden.
Als er den Choya-Kaktus mit dem gelben Farbstreifen erblickte, bog er wieder nach rechts und fuhr dreißig Meter weiter den durchfurchten Boden hinunter und hielt dann an. Die ganze Planung erwies sich als wertvoll, dachte er zufrieden. Sie würden ihn nie fangen, und auch wenn er in seinem Vorhaben, die beiden Präsidenten zu töten, nicht erfolgreich gewesen war, würden noch Generationen von Polizisten über diese Flucht mit unterdrücktem Respekt sprechen.
Er machte den Motor des Gefährts aus und stieg ab, sprintete in eine kleine Höhle, die durch Jahrhunderte von flutartigen Überschwemmungen von den nahe gelegenen Bergen ausgewaschen worden war. Er konnte nicht anders, als beim Gedanken an die Notlage seiner Verfolger zu grinsen.
Cruz sah die Reifenspuren des Motorrads, die nach links führten, und riss das Steuer herum, wobei sich das kräftige Fahrzeug fast überschlug, als es den Halt verlor und gefährlich über den Boden schlitterte, bevor es sich wieder fing. Während sie über das trockene Flussbett rasten, hörten sie von oben ein Geräusch. Cruz verlangsamte das Tempo, und die Männer suchten den Himmel nach der Ursache des Lärms ab.
Ein Ultraleichtfluggerät flog mit einem einzelnen Mann an der Steuerung in der Ferne davon. Das gebrochene Weiß des Flügelstoffes schimmerte im Kontrast zum blauen Himmel.
Es war bereits über fünfhundert Meter entfernt und so außerhalb der Schussweite der Gewehre, dass Cruz und die Soldaten ihm nur ungläubig nachstarren konnten.
Es ging in den Kurvenflug über San José und flog auf die Küste und das spärlich bewohnte Gebiet von East Cape zu. Die Stadt verschwand unter ihm, während es sich stetig von Cruz und seinen Männern entfernte.
Cruz sah, wie es aus der Sicht verschwand, als er die Verfolgungshubschrauber anfunkte. Ein paar Minuten später schwebten sie über ihn hinweg, ein paar Kampfhubschrauber, die hinter einem winzigen Drachenflieger, der von einem rasenmähergroßen Motor angetrieben wurde, her waren.
Ein großer Teil von ihm freute sich schon auf die Aussicht, diesen Scheißkerl endlich festzunageln, aber eine kleine innere Stimme sagte ihm, dass sie ihn nie kriegen würden.
El Rey mochte ein gemeingefährlicher Psychopath sein, aber offensichtlich war er weder dumm noch unvorsichtig. Cruz sah, wie die Helikopter in ihrer Verfolgungsjagd abzogen, und registrierte plötzlich, dass es für ihn hier nichts mehr zu tun gab. Daher drehte er um und steuerte zurück zum Tagungszentrum, sein Teil der Jagd war vorüber. Er wischte sich mit der Rückseite seines Ärmels den Staub und den Schweiß von der Stirn und warf einen abschließenden Blick über seine Schulter, schüttelte dann den Kopf und konzentrierte sich darauf, auf demselben Weg zurückzufahren.
El Rey schwebte über den Highway und ging wieder in einen Kurvenflug, in Richtung Küste. Er suchte nach einem ganz besonderen Gebiet und wusste, dass seine Zeit knapp bemessen war. Die Suchmannschaft würde jetzt nach einem Ultraleicht Ausschau halten, deshalb musste er bald landen. Zum Glück lief alles noch nach Plan.
Er fischte ein Handy aus seinem Stricksack, der am Fahrgestell hing, und drückte die Wahlwiederholungstaste, während er schnell an Höhe verlor.
»Ich werde in zwei Minuten da sein. Sieh zu, dass alle angezogen und bereit zur Abfahrt sind«, wies er über das Telefon an, das er dann fallen ließ und ihm nachschaute, wie es sechzig Meter nach unten fiel und auf den Wüstenfelsen zerschellte. Er flog absichtlich so tief wie möglich, um etwaige Radartreffer zu vermeiden. Aber es bestand immer die Möglichkeit, dass sie ihn trotzdem aufspüren konnten, deshalb hatte er extra Vorsichtsmaßnahmen getroffen.
Er flog auf eine unbefestigte Straße bei einer großen Zementfabrik zu, bremste und stellte den Ultraleichtmotor ab, bevor er auf seinen Füßen aufkam.
Drei Männer, alle genau gleich gekleidet wie El Rey, standen neben vier Geländefahrzeugen, deren Motoren gleichmäßig brummten. El Rey nickte ihnen zu und setzte sich einen bereitgestellten Helm auf. Jetzt waren alle vier nicht mehr zu unterscheiden. Er hatte jedem zehntausend Dollar dafür bezahlt, dass sie an einem Rennen über alternative Routen teilnahmen, auf ein gemeinsames Ziel hin, fünfzehn Kilometer jenseits des Flughafens, auf halbem Weg zwischen diesem Ort und der Küste. Jeder Wettkampfteilnehmer hatte eine festgelegte Route und die Hälfte des Geldes im Voraus bekommen. Der Rest wäre nach ihrer Ankunft fällig.
El Rey schaute mit einer schwungvollen Geste auf seine Uhr und dann zu den Fahrern, die mit Spannung auf den Start des Rennens warteten.
»Viel Glück, Gentlemen. Auf die Plätze, fertig … los!« Er drückte das Gaspedal und fuhr los, genauso wie der Rest, jeder in eine etwas andere Richtung.
Während sein Geländewagen sich durch den Dreck in Richtung Küste arbeitete, hörte er, wie sich über ihm die Hubschrauber näherten. Wie befürchtet, konnten sie das Ultraleicht aufspüren. Nun gut. Er blickte über seine Schulter und sah, dass es nur zwei Hubschrauber waren. Einer scherte aus und verfolgte die beiden Rennwagen, die nach Norden über die unbefestigte Spur ins Landesinnere fuhren, und der andere hielt sich an El Rey und seinen Partner, die die Route zur Küste nahmen. Sie schnitten sich gegenseitig, und dann schoss sein Partner einen anderen unbefestigten Pfad nach links hoch. Jetzt war es nur noch El Rey, der die ramponierte Straße der Küste entlangfuhr.
Er warf einen Blick auf seinen Tachometer; er fuhr achtzig Stundenkilometer – gefährlich schnell auf dieser schmalen Spur. Der Hubschrauber, dessen Pilot nicht wissen konnte, welchem Fahrzeug er folgen musste, gewann an Höhe, um beide im Blick zu behalten. El Rey hatte das erwartet; ihm war klar, wie der Pilot reagieren musste. Jetzt bog er ab und machte sich auf den Weg nach Zacatitos, einer kleinen, abgelegenen Siedlung am Strand.
Der andere Fahrer würde bald noch weiter ins Inland abzweigen und seinen Verfolger zwingen, eine Entscheidung zu treffen. Das würde in etwa drei Minuten sein, bei der Geschwindigkeit, die er fuhr. Er konnte die Staubwolke seines Partners zu seiner Linken sehen, während sie voneinander wegfuhren.
El Rey war ziemlich zuversichtlich, dass die Soldaten nicht auf vier Geländewagenenthusiasten schießen würden, die auf Spaß aus waren. Selbst wenn sie den Verdacht hatten, dass einer von ihnen El Rey sei, würde kein Offizier den Befehl geben, auf Zivilisten zu schießen, und damit beim meistbeachteten Ereignis des Jahres einen internationalen Zwischenfall auslösen, vor allem, wo es doch gar keinen Anschlag gegeben hatte. Bis jetzt hatte das einzige Verbrechen, das geschehen war, darin bestanden, dass ein neugieriger Polizist angeschossen worden war, was ehrlich gesagt nicht rechtfertigen würde, eine Gruppe unbewaffneter Rennfahrer niederzuschießen.
Er bewertete seine Chancen immer noch als gut.
Der Helikopter war jetzt an dem Punkt angelangt, an dem er Farbe bekennen musste. El Rey würde schon bald wissen, welchen Rennfahrer der Pilot weiter verfolgen würde, deshalb wurde er ein wenig langsamer, als er die Häuser von Zacatitos passierte. Er befreite seine Ohren von dem Tuch und hörte, wie der Heli nach Norden abzog, hinter dem anderen Mann her.
Sein Glück hielt an.
So weit.
Er fuhr noch ein paar Minuten die Küstenstraße entlang – was weniger eine Straße, sondern eher eine sehr schmale, autobreite, durchlöcherte Dreckspur war, wo oft zerklüftete Felssteine aus der lockeren, sandigen Oberfläche ragten. Der Geländewagen war das perfekte Fahrzeug für dieses Terrain, und er fragte sich, wie die Einwohner ihre Autos über die Furchen brachten, besonders während der kurzen, intensiven Regenzeit.
Ein grünes Haus mit Meerblick stand zu seiner Rechten auf einer Klippe, die Wellen schlugen an die sanften Hügel im Meer. Er näherte sich der Mauer, die das Anwesen umgab, verlangsamte dann seine Fahrt und fuhr in den Hof ein, darauf bedacht, das Tor hinter sich zu schließen. Das Haus war unbewohnt, die Besitzer ließen es während der unerträglichen Sommermonate leer stehen, wie er aus dem Gespräch mit dem Makler, der ihm die Villa vor zwei Wochen gezeigt hatte, in Erfahrung bringen konnte. Er war letzte Woche dort eingebrochen und hatte akribische Vorbereitungen für seine Flucht getroffen, im Vertrauen darauf, dass seiner Ausrüstung nichts passieren würde – er war der erste Interessent, der sich innerhalb von zwei Monaten das Haus angeschaut hatte.
Die Ruhe wurde durch das schmetternde Wummern der Rotoren unterbrochen, als der Helikopter der Straße folgte, hundert Meter über dem Boden. El Rey warf einen Blick auf ihn und rechnete aus, dass er etwa fünfundzwanzig Sekunden Zeit haben würde. Das wäre mehr als genug. Er schwang das metallene Garagentor auf, trat hinein und befestigte seine Lebensversicherung an seiner Schulter. Er hatte keine Zeit, das Fahrzeug zu verstecken. Er hoffte, sie würden den Geländewagen draußen übersehen, verließ sich aber nicht darauf.
Einige Sekunden später schwebte der Hubschrauber fünfzig Meter vor dem Haus und verlor in Vorbereitung zur Landung langsam an Höhe. Als er dreißig Meter über dem Boden war, wurde er von einem Strahl aus der Garage getroffen. Das Fluggerät explodierte in einem schmelzenden orangefarbenen Feuerball und zerfiel in zwei Teile, bevor es auf den felsigen Boden unterhalb der Straße aufschlug. Eine zweite Detonation ließ die Fenster des Hauses erzittern, als der Benzintank explodierte. Dann blieb nur noch eine pechschwarze Säule von öligem Rauch übrig, die aus dem Wrack entstieg.
El Rey setzte die iranische Boden-Luft-Schulterfeuerwaffe ab und schnippte die Laserzielerfassung zu. Es hatte wie angekündigt funktioniert. Er war ein zufriedener Kunde. Womöglich hätte er das Angebot des Lieferanten für den doppelten Rabatt annehmen sollen.
Vielleicht das nächste Mal.
In dem Wissen, dass der Helikopterabsturz innerhalb von Minuten eine genauere Untersuchung nach sich ziehen würde, zog er den Geländewagen in die Garage und schloss das Tor.
Jetzt war es einfach nur ein Multi-Millionen-Dollar-Haus am Strand, das unbewohnt dastand, bei dem es nichts Verdächtiges gab, das Aufmerksamkeit erregte.
Und was für ein schöner Strand es doch war. Weißer Sand, kein sehr steiles Ufer, ein paar Felsen unter Wasser, geringer Sog.
Er hielt nach dem Marinezerstörer Ausschau, der anderthalb Kilometer vor der Küste patrouillierte, mindestens acht Kilometer weiter die Küste hinauf in Richtung San José. Er stellte keine Bedrohung dar. Die Marine würde sich an die Verbotszone halten, die vor den Stränden der Stadt eingerichtet worden war, um alle bedrohlichen Schiffe davon abzuhalten, in den Bereich des Konferenzzentrums zu gelangen, und würde nicht versuchen, die vielen Boote zu überprüfen, die außerhalb der Verbotszone fischten. Sie hatten sowieso nicht genug Einsatzkräfte dafür.
El Rey schlüpfte schnell in den bereitgelegten Neoprenanzug. Er zog sein Tauchgerät mit den beiden Sauerstoffflaschen und der Maske aus der Garagenecke hervor. Nachdem er alles angelegt hatte, ging er vorsichtig mit einem Paar Flossen in der Hand zum Strand hinunter. Als er in der milden Brandung war, die Brust tief im Wasser, legte er seine Flossen an und tauchte unter, wobei er den wasserdichten Kompass prüfte, den er um sein Handgelenk gestreift hatte.
Er schwamm vierzig Meter hinaus auf der Suche nach einer gelben Nylonschnur mit einem Schwimmkörper daran, in der Tiefe von zwölf Metern. Er tauchte ab, um sie zu ergreifen, und zog sich daran hinunter, bis er am Grund neben den beiden Tauchscootern vom Typ Torpedo 3500 angelangt war, die er vor drei Tagen dort vor Anker gelegt hatte. Er löste beide von der Kette und aktivierte einen, wobei er den anderen am hinteren Ende des ersten festklammerte. Jede Einheit würde etwa fünfundvierzig Minuten lang laufen, was ihm effektiv eine Reichweite von fünf Kilometern unter Wasser gab. Und da er einfach nur gezogen werden würde, würde er nicht so viel Sauerstoff verbrauchen wie beim Schwimmen. Deshalb würde er es mühelos bis zum wartenden Krabbenkutter draußen in der See von Cortez schaffen. Knapp fünf Kilometer vor der Küste, in anderthalb Stunden, würde das Boot auf seine Ankunft warten, wie vereinbart. Der Kapitän freute sich schon darauf, die fünfzigtausend Dollar zu kassieren, die sein Ausflug bringen würde.
Im schlimmsten Fall könnte El Rey die Strecke auch schwimmen. Aber die Torpedos waren Gold wert, und es wäre sinnlos, sich jetzt zu überanstrengen.
Er richtete die Einheit aufs offene Meer hinaus und machte sich auf den Weg.
Es war ein guter Tag für einen Bootsausflug.