2. KAPITEL
„Probier ihn aus“, forderte Rogan mich auf.
Ich war ihm längst einen Schritt voraus. Ich hatte mir den Schlüssel schon geschnappt und gerade das Schlüsselloch an meiner Handschelle gefunden. Schon wieder hämmerte mein Herzschlag laut in meinen Ohren.
Mein Blick verfinsterte sich, denn der Schlüssel passte nicht. Ich versuchte es noch einmal. Wieso passte er nicht?
Ich schaute zu Rogan, der mich düster anstarrte.
Neben ihm glitzerte etwas, und ich zeigte in die Richtung. Noch ein Schlüssel. Er nahm ihn sich und probierte, damit seine Handschelle aufzuschließen.
Nichts.
Plötzlich hörte ich ein Surren und blickte hoch, um herauszufinden, woher das Geräusch stammte. Oben an der linken Wand, knapp unter der Decke, hatte sich eine kleine Klappe geöffnet. Etwas, das aussah wie eine Überwachungskamera – nur moderner, schmal und silbern –, kam heraus.
„Was ist das?“, fragte ich.
Missmutig funkelte er die Kamera an. „Es ist anscheinend Showtime.“
Ich hielt den Schlüssel so fest umklammert, dass er mit Sicherheit einen Abdruck in meiner Hand hinterlassen würde. „Warum sollten sie uns filmen?“
„Weil sie gern zuschauen.“
„Wobei schauen sie zu?“, entgegnete ich gereizt. „Kannst du mal aufhören, dich so verdammt schwammig auszudrücken, und mir einfach verraten, was hier los ist?“
Doch er beachteet mich nicht. Er sah meinen Schlüssel an. „Ich vermute mal, dass dein Schlüssel in mein Schloss passt und meiner in deines.“
Ich runzelte die Stirn. „Woher weißt du das?“
„Ich habe nicht behauptet, dass ich es weiß. Ich sagte, ich vermute es.“ Der fast achtzehn Jahre alte Mörder grinste mich wieder an. „Versuch, dich ein bisschen zu konzentrieren, okay?“
Ich biss die Zähne zusammen. „Ich mag dich nicht.“
„Mir bricht das Herz. Also, kannst du jetzt ein liebes Mädchen sein und mir den Schlüssel zuwerfen, damit ich meine Theorie überprüfen kann?“
„Leck mich.“
Er zuckte die Achseln und verzog das Gesicht, als würde die Wunde an seiner Schulter ihm schlimme Schmerzen bereiten. „Das können wir auch machen, wenn du Lust dazu hast, allerdings müsste ich zuerst die Handschellen loswerden. Selbstverständlich können wir die Ketten anschließend mitnehmen, wenn du auf so etwas stehst.“
Ich warf ihm den Blick zu, den ich Jungs, die mich anmachen wollten, immer zuwarf. Den Losern und Freaks, die Sex für einen Wettbewerb hielten und mich ins Bett kriegen wollten. In den Kreisen, in denen ich mich seit Neuestem bewegte, waren solche Typen eher die Norm als die Ausnahme. Die guten Jungs schienen die Stadt schon vor langer Zeit verlassen zu haben. Und was soll ich sagen? Mit einigen von ihnen hatte ich, so gut ich konnte, gespielt. Mir war bewusst, dass ich nicht hässlich war. Und obwohl ich schon länger auf der Straße lebte, als mir lieb war, hatte ich eine gute Figur und anscheinend ein Gesicht, das Jungs – und Männer – attraktiv fanden. Ich flirtete mit ihnen und dann nahm ich ihnen in einem unbeobachteten Moment die Brieftasche ab. Na und? Sollte man mich doch verklagen. Keiner von ihnen war mir jedoch näher gekommen.
Dieser Junge hatte, soweit ich es einschätzen konnte, kein Portemonnaie. Er hatte nichts, das ich wollte. Nichts bis auf diesen Schlüssel.
Ich verlagerte mein Gewicht und setzte mich etwas verführerischer hin. Brust raus. Bauch rein. Ich zog eine Augenbraue hoch und zwang mich zu einem Lächeln. „Warum wirfst du mir nicht zuerst deinen Schlüssel zu?“
Nicht zu viel. Sei nicht zu offensichtlich, okay?
Er musterte mich. Ich gab ihm noch immer nicht das, was er wollte, aber meine Haltung wirkte viel … freundlicher. Ich meine, der Typ war in einer Jugendstrafanstalt gewesen, von der ich gehört hatte, dass sie schlimmer war als alles, was ich mir vorstellen konnte. Und bei seiner Akte war er sicherlich nicht in einem gemischten Block gewesen. Bestimmt war er inzwischen sexuell total ausgehungert, oder? Das konnte ich mir zunutze machen. Er sollte Wachs in meinen Händen sein.
Schmutziges, mörderisches Wachs. Mit schönen Augen und – ich hasste es, das eingestehen zu müssen – einem sexy Lächeln. Gelinde gesagt, eine ungewöhnliche Kombination.
Er leckte sich über die Lippen. „Oh, du bist gut. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass mir jeden Moment der Arm abfallen könnte, hättest du mich gehabt. Doch der Schmerz hilft mir, mich zu konzentrieren. Dein Schlüssel. Wirf ihn mir her. Dann schmeiße ich dir meinen rüber.“
Mein falsches Lächeln erstarb. „Und wenn ich dir meinen Schlüssel zuwerfe, wie kann ich mir sicher sein, dass du mir deinen geben wirst?“
„Du wirst mir schon vertrauen müssen.“
„Nenn mir einen guten Grund, warum ich das tun sollte.“
Er starrte mich an und stieß dann ein knappes, freudloses Lachen aus. „Mir fällt nichts ein.“
„Dann haben wir beide Pech, fürchte ich.“
„Glaube ich auch.“ Gequält lächelte er. Dann schloss er die Augen, und Schmerz überschattete seine Züge.
Verdammt. Ich wollte kein Mitgefühl für diesen Kerl empfinden. Er war ein Mörder – genau wie der Mistkerl, der meine Familie auf dem Gewissen hatte. Allerdings, wenn das Blut ein Hinweis war, war er ernsthaft verletzt.
Wie konnte ich mir anderseits so sicher sein? Vielleicht war es nur ein Trick. Möglicherweise tat er nur so, als wäre er verwundet. Immerhin war die Kamera eben wie aus dem Nichts erschienen. Was hatte er gerade noch gesagt? Showtime?
Die Kamera surrte wieder, da sie die Richtung änderte, um Rogan zu filmen.
Mühsam öffnete er die Augen und schaute hinauf zur Kamera.
Und dann zeigte er ihr den Mittelfinger.
Plötzlich fingen die Lichter an, wild zu blitzen und zu zucken, und ein Alarmsignal heulte so laut auf, dass ich mir instinktiv die Ohren zuhielt.
„Was ist los?“, schrie ich.
Rogans Blick huschte durch den Raum.
Und dann hörte ich noch etwas anderes. Eine metallische computergenerierte Stimme, die von überall herzukommen schien.
„Sechzig“, verkündete sie. „Neunundfünfzig … achtundfünfzig … siebenundfünfzig …“
Rogan fing an, an seiner Kette zu zerren. „Kira, wirf mir den Schlüssel zu. Sofort! Los!“
„Wieso? Was ist denn?“
„Das ist der Countdown!“
Gut, dass hatte ich auch schon herausgefunden. Wenn ich nicht gerade damit beschäftigt gewesen wäre, eine Höllenangst zu haben, hätte ich mir die Zeit genommen, die Augen zu verdrehen.
„Und was bedeutet das?“
Er reckte den Hals und schaute sich hektisch um. Die Lichter blitzten und zuckten noch immer grell, und wir wurden wie von einem Stroboskop in einem Club mal in Dunkelheit und mal in Licht getaucht. „Wir haben zu viel Zeit vergeudet.“
„Zweiundfünfzig … einundfünfzig … fünfzig …“
„Was geschieht, wenn der Countdown bei null angelangt ist?“
Durch den Raum hindurch starrte er mich an. Panik stand in seinem Blick. „Sobald bis zur Null heruntergezählt worden ist, werden wir sterben. Verstehst du? Wenn du mir jetzt nicht sofort den Schlüssel rüberschmeißt, sind wir in weniger als fünfzig Sekunden beide tot!“
Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. „Was meinst du damit? Sterben? Woher willst du das wissen?“
„Wir haben keine Zeit mehr für Erklärungen. Mir ist klar, dass du mir nicht traust, dennoch … Bitte, mach einfach das, was ich dir sage, damit wir weiterleben können.“
Ich riss die Augen weit auf. Nein. Das konnte ich nicht. Ich konnte ihm nicht vertrauen. Wenn ich ihm den Schlüssel gab, würde er sich selbst befreien und mich hier zurücklassen. Er war ein Mörder. Er hatte es zugegeben. Er hatte mir erzählt, dass er mir keinen Grund nennen konnte, warum ich ihm trauen sollte. Und ich tat es auch nicht. Ich vertraute niemandem außer mir selbst.
„Komm schon!“, brüllte er.
„Fünfunddreißig … vierunddreißig … dreiunddreißig …“
Ich schaute mich in dem silberfarbenen Zimmer um, ohne wirklich etwas zu erkennen. Wer wollte uns töten? Das ergab überhaupt keinen Sinn. Nichts von alledem hier ergab einen Sinn.
Rogan fluchte so laut, dass mir über den Alarm und den Countdown hinweg die Ohren schmerzen.
„Gut!“, schrie er. „Nimm ihn! Du zuerst.“
Er warf mir seinen Schlüssel zu, und er landete neben meinen Füßen. Ohne noch weiter darüber nachzudenken, schnappte ich ihn mir und steckte ihn in mein Schloss. Die Handschelle ging auf, und ich stand unsicher auf.
In dem Moment, als ich frei war, öffnete sich links neben mir eine Tür, die in die Dunkelheit führte. Misstrauisch betrachtete ich sie, ehe ich einen Schritt darauf zu machte.
„Warte …“ Rogan streckte mir die Hand entgegen. „Was ist mit unserer Vereinbarung?“
Ich zögerte. Er war ein Mörder, der in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt werden sollte, sobald er achtzehn wurde. Ich sollte ihn hierlassen – wo auch immer hier war.
„Neunzehn … achtzehn … siebzehn …“
„Vergiss es. Lass mich hier. Mir egal.“ Er sank gegen die Metallwand und wandte den Blick ab. Mit jedem angestrengten Atemzug hob und senkte sich seine Brust. Er wirkte nicht so, als würde er darum betteln, dass ich ihm half.
Hatte er einfach so aufgegeben?
Er dachte, dass er sterben würde – wirklich und wahrhaftig sterben –, sobald der Countdown bei null ankam. Ich hatte es in seinen Augen gelesen. Das konnte niemand vortäuschen. Ob es nun die Wahrheit war oder nicht, spielte keine Rolle. Er glaubte es.
Leise fluchte ich und rannte zurück, um meinen Schlüssel vom Boden aufzuheben. Dann kniete ich mich neben Rogan und schob den Schlüssel in das Schloss an seiner Handschelle. Es sprang auf. Schnell richtete ich mich wieder auf und wandte mich zum Gehen. Aus einem Impuls heraus warf ich noch einen Blick über die Schulter zu Rogan. Er versuchte gerade, auf die Beine zu kommen. Es war die Wunde an seiner Schulter – sie machte ihm zu schaffen, behinderte ihn. Er konnte kaum laufen.
„Zehn … neun … acht …“
Kurz entschlossen wirbelte ich herum, packte ihn an der Taille und zog ihn praktisch hinter mir her durch den Raum. Schwer stützte er sich auf mich.
„Vier … drei … zwei … eins …“
In letzter Sekunde waren wir durch die Tür geschlüpft, und sie schlug mit einem ohrenbetäubenden, metallisch knirschenden Krachen, das den Boden vibrieren ließ, hinter uns zu.
Rogan stöhnte und sackte auf die Knie. Ich runzelte die Stirn und berührte ihn an der Schulter. Er war total angespannt.
„Du bist ernsthaft verletzt.“
Er blinzelte mich an. „Dachtest du, ich verarsche dich und täusche das alles vor?“
„Ich war mir nicht sicher.“
„Danke für die Hilfe.“
Ich wollte gerade „jederzeit gern“ antworten, was meine typische Antwort gewesen wäre, doch ich verkniff es mir. Mit Rogan gab es kein „jederzeit“. Das war es. Wir waren aus unserem Gefängnis geflohen und ich würde jetzt auf jeden Fall die Kurve kratzen.
Allerdings war ich mir nicht sicher, wo genau wir waren.
Wir hatten ein anderes Zimmer betreten. Dieses sah nicht viel interessanter aus als das erste, aber ich konnte die Umrisse einer Tür ohne Griff erkennen. Ich trat hinein und kickte, so fest ich konnte, gegen die Tür.
„Lasst mich hier raus!“, brüllte ich. Meine Stimme hallte von den Metallwänden wider.
„Das bringt nichts“, stellte Rogan fest.
„Abwarten.“ Wieder trat ich gegen die Tür. Und noch einmal. Irgendwann, als mein Bein anfing, zu schmerzen, und die Tür vollkommen unbeeindruckt schien, hörte ich auf. Ich hatte es nicht einmal geschafft, die Verkleidung etwas zu zerbeulen.
Keuchend und schwitzend drehte ich mich zu Rogan um und wies mit dem Finger auf ihn. „Fang an, zu reden. Ich will alles hören, was du weißt.“
Er blinzelte mich an und hielt eine Hand gegen seine Wunde gepresst. „Du bist meinetwegen zurückgekommen.“
„Ja. Das bin ich. Jetzt pass bloß auf, dass ich meine Entscheidung nicht doch noch bereue.“
„Ich dachte, du würdest mich dem sicheren Tod überlassen.“
„Du glaubst noch immer, dass wir gestorben wären, falls wir in dem anderen Raum geblieben wären.“
Er nickte. „Das knirschende Geräusch war die Decke, die auf den Boden gekracht ist. Ich schätze, dass uns das auf der Stelle getötet hätte.“
Ausdruckslos starrte ich ihn an.
„Woher weißt du …“
Ehe ich meine Frage zu Ende stellen konnte, wurde ich unterbrochen.
„Herzlichen Glückwunsch, Rogan und Kira, zur erfolgreichen Beendigung des ersten Levels von Countdown.“
Die körperlose Stimme drang wie auch schon der Countdown durch Lautsprecher, die man nicht sehen konnte. Es erschien mir beinahe so, als wäre die Stimme in meinem Kopf. Ich konnte die genaue Richtung, aus der sie kam, nicht benennen, und der Klang bereitete mir körperliche Schmerzen – fast so, als würde etwas in mein Gehirn gedrückt werden.
Anders als bei dem Countdown, der so metallisch geklungen hatte, ob eine computergenerierte Stimme herunterzählte, wirkte diese Stimme allerdings sehr menschlich. Sehr männlich. Und sehr selbstgefällig.
„Du Scheißkerl“, stieß Rogan knurrend hervor. „Lass uns hier raus!“
„Level eins“, fuhr der Sprecher fort, als hätte er Rogans Bemerkung entweder nicht gehört oder sich entschlossen, sie zu ignorieren, „sollte eure Fähigkeiten in Sachen Vernunft und Kompatibilität testen. Ihr habt euch die Möglichkeit erspielt, mit Level zwei weiterzumachen. Und angesichts eurer bisherigen Leistung haben wir euch zu einem Team zusammengeschlossen.“
Mein Herz hämmerte. „Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Ich habe für nichts dergleichen unterschrieben …“
Plötzlich durchzuckte etwas wie ein Blitz mein Gehirn. Weiß glühender Schmerz erfasste mich. Ich schrie und presste beide Hände an meinen Kopf, während ich zu Boden stürzte.
Aus dem Augenwinkel sah ich, dass es Rogan nicht anders erging.
Der Schmerz verschwand so schnell, wie er gekommen war, und ich schaute mich benommen und geschockt in dem Raum um.
„W… Was …“, brachte ich hervor.
Die Stimme redete weiter, als wäre nichts Außergewöhnliches vorgefallen. „Eure Implantate sind aktiviert und auf die Frequenz des jeweils anderen eingestellt worden. Vergesst nicht, dass ihr als Team spielt. Falls ihr euch mehr als dreißig Meter voneinander entfernt, führt das zur sofortigen Disqualifikation.“
Ich rappelte mich auf und taumelte zur kalten Metallwand, um mich daran festzuhalten.
„Ich will wissen, was hier los ist“, erklärte ich mit heiserer Stimme. „Ich möchte sofort hier raus oder ich rufe die Polizei!“
Es war eine leere Drohung. Die Cops würde es überhaupt nicht scheren, was mit jemandem wie mir passierte. Ich besaß nicht einmal einen Ausweis. Wahrscheinlich würden sie mich nach St. Augustine’s bringen, da ich Unruhe gestiftet hatte.
Ich war auf mich gestellt.
Rogan versuchte mühsam, aufzustehen, während ich wieder zur Tür lief und dagegentrat, auch wenn mir klar war, dass es nichts nützen würde. Aber ich verspürte den verzweifelten Wunsch, etwas zu tun – irgendetwas! „Kommt schon! Kommt schon, ihr Mistkerle. Lasst mich hier raus!“
Ich bemerkte Lichtblitze hinter mir und drehte mich langsam um. Die Lichter im Raum wurden dunkler, und aus dem Nichts erschien ein Holoscreen, auf dem eine Übersicht der Stadt zu sehen war.
So etwas hatte ich nur ein Mal zu Gesicht gekriegt – damals hatte ich mich in das einzige Kino der Stadt geschlichen, das noch geöffnet hatte, um mir einen alten Science-Fiction-Film anzuschauen. Ich hätte nicht gedacht, dass eine solche Technologie im realen Leben existierte. Ob es echt war?
Offensichtlich war es das, denn ich sah es ja gerade mit meinen eigenen Augen.
Ich ging um die Bildfläche herum, weil ich sehen wollte, woher die Projektion kam, allerdings konnte ich es nicht ausmachen. Ich berührte das Bild, und es zuckte und verformte sich, als würde ich meinen Finger in eine flache Schale mit Wasser tauchen. Es war zum Teil durchsichtig, und ich konnte Rogan auf der anderen Seite erkennen.
Er blickte mich an und schüttelte den Kopf. „Es fängt an.“
„Was fängt an? Was ist das?“
Auf der Karte der Stadt wurde eine Kreuzung, die nicht näher beschrieben war, mit einem runden, weißen Lichtpunkt markiert.
„Level eins ist erfolgreich beendet worden.“ Die körperlose Stimme klang begeistert. In den Worten schwang etwas Unheimliches, Melodiöses mit. „Countdown besteht aus sechs Leveln. Beendet sie alle, ohne disqualifiziert zu werden oder auszuscheiden, und ihr seid die Gewinner. Eure nächste Herausforderung ist es, vor Ablauf der Zeit den markierten Punkt zu erreichen, den ihr auf der Karte seht. Falls ihr es nicht schafft, seid ihr raus. Zögert nicht und vergeudet keine Zeit. Euch bleiben dreißig Minuten, um dieses Level zu schaffen. Eure Zeit startet jetzt.“
Die Karte verblasste, und der Bildschirm zeigte stattdessen eine tickende Uhr. Dann verschwand auch die Uhr, und ich starrte direkt in Rogans Augen. Es wurde wieder hell, und ein kühler Luftzug strich über meine nackten Arme.
Ich wandte mich um und stellte fest, dass die Tür, gegen die ich getreten hatte, ein Stück weit offen stand. Sie führte nach draußen. In die Stadt. Auf gewohntes Terrain.
„Kira!“, rief Rogan mir hinterher.
Aber ich hörte ihn kaum. Ich war zu beschäftigt damit, wegzulaufen.