19. KAPITEL

Wir Schotten lieben herrliche Hochzeiten und miserable Begräbnisse. Manchmal ist es schwierig, beides voneinander zu unterscheiden.

So sprach die alte Heilerin Nora von Loch Lomond in einer kalten Nacht zu ihren drei jungen Enkelinnen.

„Oh! Lord Kincaid! Lord Kincaid!“ Unter dem Vordach des Landhauses stand eine Frau und winkte wild. „Ich bin es, Miss Hatfield! Sagen Sie nicht, dass Sie mich nicht erkennen! “

Jack half Fiona aus der Kutsche und flüsterte ihr dabei ins Ohr: „Wundere dich nicht, aber das ist die Braut.“ Die kleine, gedrungene Frau, die in rosa Seide gekleidet war, welche sich furchtbar mit ihren tanzenden roten Locken biss, eilte auf sie zu. „Ich habe Paul gesagt, dass Sie Ihre Ankunft für heute angekündigt haben, aber er wollte mir nicht glauben. Ha, er wird sich ärgern, dass er unrecht hatte!“

Fiona lächelte, während sie unauffällig in Jacks Ohr murmelte: „Ich dachte, du kennst nur den Bräutigam.“ „Ich bin Miss Hatfield nur einmal begegnet, kenne sie aber gut genug, um zu wissen, dass sie ausnehmend gefühlvoll reagiert. Du solltest vermeiden ... “

Da stand Miss Hatfield schon vor ihnen und hüpfte vor Aufregung auf und nieder. „Es ist so entzückend von Ihnen zu kommen, ganz besonders weil in London noch

Saison ist und Sie so gefragt sind. Und dies ist Ihre Gattin? Wie schön, Sie kennenzulernen, Lady Kincaid! “

Miss Hatfield griff nach Fionas Hand und bewegte sie auf und ab wie einen Pumpenschwengel, dann trat sie einen Schritt zurück und ließ ihren Blick an Fiona entlangwandern. „Sie sind schön wie ein Bild! Ich glaube, Sie sind der am besten angezogene Gast, der bis jetzt angereist ist. Und sehen Sie sich nur Sie beide an, wie Sie da so Seite an Seite stehen, die Sonne im Haar. Oh! “ Miss Hatfield presste sich die Hand vor den Mund, während sich ihre Augen mit Tränen füllten. „Sie sehen so liebreizend aus! Wir müssen Porträts von Ihnen malen lassen!“

Hamish, der soeben die Koffer aus der Kutsche geladen hatte, betrachtete Miss Hatfield mit dem gleichen Gesichtsausdruck, mit dem er eine tote Katze am Straßenrand angesehen hätte.

Als die redselige Braut gezwungen war, eine Pause machen, um Luft zu holen, nutzte Jack die Gelegenheit, einen Gruß einzuwerfen. Fiona tat es ihm gleich, beging dann aber den Fehler, sich nach den Hochzeitsfeierlichkeiten zu erkundigen. Miss Hatfield strahlte und begann einen langen Vortrag über all die Schwierigkeiten, mit denen sie sich bei der Planung ihrer Hochzeit herumgeschlagen hatte, brach in fröhliches Gelächter über den Speiselieferanten aus, der ihr erklärt hatte, er könne kein Eis von Edinburgh bis zu ihrem Haus transportieren, ohne dass unterwegs alles schmelzen würde, obwohl sie doch genau wusste, dass Lucy Marshall auf der Party zu ihrem achtzehnten Geburtstag vor nur zwei Monaten Eis gehabt hatte, und erzählte anschließend eine Menge höchst persönlicher Dinge über ihren künftigen Ehemann, die weder Jack noch Fiona wissen wollten.

Jack versuchte mehrere Mal, sie zu unterbrechen, aber Miss Hatfield war nicht zu bremsen. Seine Ungeduld verwandelte sich langsam in schlechte Laune, bis er plötzlich spürte, wie Fiona neben ihm vor unterdrücktem Gelächter bebte.

Als sich ihre Blicke begegneten, sah sie ihn mit einem kaum verborgenen Lächeln und funkelnden Augen an.

„Oh ja“, fuhr Miss Hatfield fort, ohne sich bewusst zu sein, dass ihre Gäste sich über sie amüsierten. „Der Schlachter und der Bäcker sind mit einem Abstand von nur zwei Wochen gestorben! Ich habe also keinerlei Ahnung, wie wir vernünftiges Essen auf den Tisch bringen sollen, und nun sitzen wir da, mit so vielen Gästen! Ich kann nicht einfach über Nacht einen neuen Schlachter und einen neuen Bäcker wachsen lassen.“

Fiona musste sich die Hand auf den Mund pressen, um nicht laut loszuprusten, worüber Jack seinerseits breit grinsen musste. Dennoch gelang es ihm schließlich mit erstaunlich ruhiger Stimme, Miss Hatfields Geplapper zu unterbrechen. „Es tut mir leid, Miss Hatfield, dass der Schlachter und der Bäcker Ihnen mit ihrem unpassenden Verscheiden Unannehmlichkeiten bereitet haben, aber Lady Kincaid und ich sind ein wenig müde von der Reise. Denken Sie, Sie könnten ... “

„Du liebe Güte!“, quietschte die Braut. „Hier stehe ich und rede, und Sie sind beide wahrscheinlich völlig erschöpft! Ich werde Ihre Koffer ins Rosenzimmer hinaufbringen lassen. “ Sie näherte ihren Mund Fionas Ohr und flüsterte in vertraulichem Ton: „Es ist das größte Gästezimmer, das wir haben. Pauls arme Eltern dachten, sie würden es bekommen, aber ich habe ihnen gesagt, bis sie ein Vermögen gemacht oder einen Titel aufzuweisen haben, reserviere ich das Zimmer für wirklich wichtige Gäste.“

„Vielen Dank“, erwiderte Fiona mit todernster Miene und warf gleich darauf Jack einen erheiterten Blick zu.

Miss Hatfield, die das alles nicht wahrnahm, zeigte in Richtung Haus. „Paul ist mit den Herren im Garten, Lord Kincaid. Für den Fall, dass Sie ihn begrüßen möchten.“ Sie zog Fionas Arm unter ihrem hindurch und wandte sich in Richtung Eingang. „Kommen Sie, meine Liebe. Ich werde Sie auf Ihr Zimmer begleiten und mein Mädchen anweisen, Ihnen etwas Griechisches Wasser zu bringen. Ich habe es in Italien gekauft, und obwohl ich den Geruch nicht besonders mag, muss ich doch sagen, dass ich tiefer schlafe, wenn ich mir ein wenig davon auf die Schläfen gerieben habe.“

„Ich bin nicht müde, nur ein bisschen steif von der langen Reise“, erklärte Fiona hastig.

Jack sah seine Frau prüfend an. Sie bewegte sich schon wieder viel besser und humpelte kaum noch. Während der Reise hatten sie viele Pausen gemacht, sodass Fiona häufig aussteigen und sich ein wenig bewegen konnte.

Sie hatte sich gut gehalten, obwohl sie immer noch blasser aussah als sonst.

„Nun, Lord Kincaid!“, riss ihn Miss Hatfields laute, schrille Stimme aus seinen Gedanken. „Porterfield wird Ihnen den Weg in den Garten zeigen, sodass Sie Paul dabei zusehen können, wie er seine dummen Zigarren raucht.“

Ein beleibter Butler, der sich bisher diskret im Hintergrund gehalten hatte, verbeugte sich in Jacks Richtung.

„In der Zwischenzeit werde ich gut auf Ihre Gattin aufpassen.“ Miss Hatfield tätschelte Fionas Hand. „Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, meine Liebe, aber meine älteste Schwester kennt Ihre Brüder gut, und sie sagte mir, dass Sie guter Hoffnung sind.“

Fiona stolperte, und Miss Hatfield packte ihren Arm noch energischer. „Sie müssen mir alles darüber erzählen, weil ich nicht die geringste Ahnung von alldem habe, und ich sagte bereits meinem Verlobten, dass wir sicher eine große Familie haben werden. Ich weiß einfach, dass ich nach meiner Hochzeit in derselben interessanten Verfassung sein werde wie Sie, bevor ich nur ,piep‘ sagen kann!“

Grinsend sah Jack seiner armen Frau hinterher, wie sie sich hilflos in der Gewalt einer Plaudertasche begeben musste. Natürlich war es ein wenig unangebracht von Miss Hatfield gewesen, Fionas Hoffnung zu erwähnen, aber seine tapfere Frau hatte es mit Würde getragen.

Jack zögerte. War es möglich, dass Fiona tatsächlich in einer interessanten Verfassung war? Er sah zu, wie sie die Stufen zur Haustür hinaufstieg und bemerkte, dass ihre Hand die ganze Zeit auf ihrem Bauch lag. Hatte sie das schon immer getan?

Während der Reise in der Kutsche war ihr mehrmals schlecht geworden, und sie hatten ein oder zwei Mal anhalten müssen, damit sie sich wieder von ihrem Unwohlsein erholen konnte. In einem Gasthaus hatte ihr beim Anblick von Steak und Nierenpastete geschaudert, was ihn erstaunt hatte, da sie normalerweise über einen gesunden Appetit verfügte.

Guter Gott, es war sehr gut möglich, dass sie sein Kind unter dem Herzen trug! Während er sich die Stirn rieb, wirbelten Jacks Gedanken im Kreis. Zur Hölle, er musste nicht nur seine Frau, sondern auch sein Kind beschützen!

Er schob die Hand unter seinen Mantel, um das beruhigende Gewicht der Pistole zu spüren, die er sicher in seinem Hosenbund verstaut hatte. Dann wandte er sich um. Mit grimmigem Gesicht hielt Hamish neben der Kutsche Wache, um zu verhindern, dass sich jemand an dem Wagen zu schaffen machte.

Jack sah seine beiden Diener auffordernd an, und Dobson und Peter nickten ihm zu. Sie würden sich nachts bei der Bewachung der Kutsche abwechseln. Und sie würden über alles Ungewöhnliche berichten, was sie vielleicht beobachteten. Morgen, nach der Hochzeit, würden Fionas zwei Brüder ankommen, ebenso Devonsgate, der mit dem Rest ihres Gepäcks folgte. Sie alle würden die Augen nach verdächtigen Reisenden offenhalten, während sie auf der Straße in Richtung Norden unterwegs waren.

In der Zwischenzeit würde eine bestimmte Person in London festgestellt haben, dass die Kincaids sich nicht mehr in ihrem Haus aufhielten.

Plötzlich hatte Jack das Gefühl, alle Sorgen dieser Welt würden auf seinen Schultern lasten.

Die Hochzeit war eine bis in alle Einzelheiten geplante Angelegenheit. Die Braut trug ein reizendes blaues Kleid und Blumen im Haar, der Bräutigam einen Kilt und eine Abendjacke, auf deren Tasche das Familienwappen gestickt war. Es gab ein Meer von Blumen, zahlreiche Brautjungfern und so viele Gäste, dass die Bänke in der wunderschön dekorierten Kirche überfüllt waren.

Fiona saß neben Jack. Seit ihrer Ankunft war er in ungewohnt düsterer Stimmung. Miss Hatfield - nun Mrs. Cargreaves - badete den ganzen Morgen über in Tränen. Ihre Augen wurden feucht, als sie ihren Bräutigam sah, der vor dem Altar auf sie wartete, sie weinte, als sie ihr Gelöbnis sprach, vergoss Tränen am Ende der Messe und brach schluchzend an der Schulter ihres Ehemannes zusammen, als sie gemeinsam die Glückwünsche der Gäste entgegennahmen.

Dennoch fand Fiona die Zeremonie wunderschön. Das Paar hatte sich voller Aufrichtigkeit gegenseitige Liebe versprochen. Und die Freude, mit der sie ihr neues Leben begannen, war an ihren Gesichtem abzulesen und zeigte sich in der Art, wie sie sich bei den Händen hielten, wenn sie glaubten, niemand würde es bemerken.

Fiona betrachtete die Neuvermählten wehmütig. Jack und sie hatten solche glückseligen Momente nicht genießen können; ihre Hochzeit war nicht so gewesen, wie sie es sich beide gewünscht hätten. Sie warf ihrem Ehemann einen Seitenblick zu und sah, dass er mit zusammengezogenen Brauen aus dem Fenster starrte. Hatte er dieselben Gedanken wie sie? Diese Vorstellung schnürte ihr die Kehle zu.

Nachdem sie sich in die Reihe der Gratulanten eingeordnet und dem Paar ihre Glückwünsche dargeboten hatten, begaben sie sich mit den anderen Gästen zum Dinner ins Haupthaus. Der geflieste Boden der großen Halle war kalt und vom Gebrauch vieler Jahre uneben. Es dauerte nicht lange, bis Fionas Rücken schmerzte und ihre Füße wehtaten.

Sie presste sich die Hand in den Rücken, um ihre Schmerzen zu lindern und bemerkte, dass Jack sie besorgt ansah. Sein Blick strich zärtlich über ihren Körper und blieb immer wieder an ihren Brüsten und ihren Hüften hängen.

Ein vertrautes Prickeln lief an ihrem Rücken entlang. In der vergangenen Nacht hatte er sie mit einer Sanftheit geliebt, die sie überrascht hatte. Er schien fasziniert von ihrem Körper zu sein, hatte seine Hände an ihr entlanggleiten lassen, ihre Brüste umfasst, ihren Bauch geküsst und sie fast ehrfürchtig liebkost, was sie tief im Inneren berührt und gleichzeitig erregt hatte.

Vielleicht würde sie ihn in der kommenden Nacht im Gegenzug verführen. Sie würde ohne ihr Nachtgewand ins Bett schlüpfen, ihre nackten Beine um ihn schlingen, ihre Hände über seine Schultern und seine Brust gleiten lassen, würde ihn fühlen und schmecken ...

Sie erschauerte, und ihre Brustspitzen wurden bei diesen Gedanken hart. Er sah so gut aus, ihr Ehemann, und er war so leidenschaftlich und zärtlich.

Jack nahm ihren Arm und beugte sich zu ihr herab. „Komm, lass uns einen Sitzplatz suchen, Fiona.“

„Wolltest du nicht tanzen?“, erkundigte sie sich und sah ihn fragend an.

Er zögerte. „Nein“, erwiderte er schließlich. „Wolltest du tanzen?“

Zwar hätte sie es nur zu gern getan, aber ihre schmerzenden Füße sprachen dagegen. „Ich fürchte, mir geht es noch nicht gut genug.“

„Natürlich nicht. Du musst dich noch schonen.“ Jack führte sie durch den Raum zu einer kleinen Gruppe freier Stühle, die an einem langen Tisch standen. „Setz dich.“ Er rückte ihr einen der Stühle zurecht. „Ich bin gleich zurück.“

Tatsächlich erschien er innerhalb weniger Minuten wieder. Er kam beladen mit zwei Tassen Mandelmilch und zwei Tellern, auf denen sich Tortenstücke, heiße Obsttörtchen und andere Delikatessen häuften.

Grinsend stellte er seine Last ab. „Es ist mir gelungen, die letzten Apfeltörtchen zu erringen. Der dicke Mann in der blauen Jacke wird nie wieder ein Wort mit mir wechseln, aber das ist es mir wert. “

Fiona gluckste vor sich hin. „Man wird während der nächsten Wochen ausschließlich schlecht von dir reden.“

„Daran hege ich keinen Zweifel.“ Er reichte ihr einen Teller mit Torte, und sie aßen und sahen dabei den Paaren beim Tanzen zu. Die Braut und der Bräutigam hielten sich bei den Händen und sahen entzückend schüchtern aus, während sie atemlos auf ihn einredete und er sie in stummer Bewunderung ansah.

Ein leiser Schmerz zog Fionas Herz zusammen. Sie sehnte sich nicht unbedingt nach dem Brautschleier und den Blumen, die sie nicht gehabt hatte, aber nach der Freude, die es normalerweise bedeutete, das Leben als Ehepaar zu beginnen. Das hatten Jack und sie versäumt, und sie würden es niemals nachholen können.

Jacks Blick ging in die Richtung, in die Fiona wehmütig schaute, dorthin, wo Braut und Bräutigam die Tänzer anführten. Was machte sie so traurig? Dass sie dem Glück des fremden Paares zuschaute, selber aber niemals eine richtige Hochzeit gehabt hatte?

Obwohl er zu Beginn den Gedanken, verheiratet zu sein, gehasst und sich so lange wie möglich an seine Freiheit geklammert hatte, konnte er sich nun das Leben ohne seine Ehefrau nicht mehr vorstellen. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie es gewesen war, allein zu schlafen, allein zu frühstücken oder lässig und gleichgültig durch das Leben zu schlendern, wie er es ohne Fiona getan hatte, anstatt es wirklich zu leben. Mit ihr an seiner Seite lebte er. Ohne sie ...

Er weigerte sich, darüber nachzudenken, wie leer und kalt ohne sie alles wäre. Schon immer hatte er in der Gegenwart gelebt; vielleicht war es das, was er auch jetzt tun musste. Er konnte Fiona keine Hochzeit wie diese verschaffen - was vorüber war, war vorüber. Aber er konnte etwas tun, um sie zum Lächeln zu bringen.

Gleich darauf ließ er sich grinsend in seinem Stuhl zurückfallen. Er hatte einen Plan, den er so bald wie möglich in die Tat umsetzen würde. Dazu brauchte er nur ein wenig Hilfe von Devonsgate.

Die Morgensonne blinzelte durch einen Spalt im Vorhang. Fiona öffnete ihre Augen und sah sich suchend in der fremden Umgebung um.

Jack lag nicht neben ihr und hielt sich auch nicht im Zimmer auf. Er war fort.

Eilig richtete sie sich auf und sprang aus dem Bett. Wo war er? Sie streckte die Hand nach dem Klingelzug aus, um das Mädchen herbeizurufen, entschied dann aber, dass es angesichts der vielen Gäste im Haus schneller gehen würde, wenn sie sich ohne Hilfe anzog. Sie benutzte das frische Wasser aus der Kanne neben dem Bett zum Waschen, dann schlüpfte sie so schnell es ging in ihre Kleider.

Jacks Reitstiefel fehlten. Vielleicht war er einfach nur ausgeritten.

Gerade dachte sie darüber nach, welche harmlosen Erklärungen es außer einem morgendlichen Ausritt noch für seine Abwesenheit geben konnte, als die Tür aufging und Jack hereinkam. Er trug ihren Umhang zusammengefaltet über dem Arm und lächelte, als er sie sah. Bis zu diesem Moment war ihr gar nicht bewusst gewesen, dass sie bei seinem Anblick die Luft angehalten hatte.

„Ich freue mich, dass du schon auf bist“, sagte er mit sanfter Stimme.

Sie betrachtete ihren Umhang. „Gehen wir aus?“

„Ja. Devonsgate ist früher als erwartet angekommen und wartet mit der Kutsche auf uns“, erklärte ihr Jack mit geheimnisvoller Miene.

„Wo fahren wir hin?“, fragte sie, denn wie üblich konnte sie ihre Neugier nicht zügeln.

„Das ist eine Überraschung.“ Sein Blick wanderte zu ihren leichten Schuhen. „Du wirst Stiefeletten brauchen; der Weg könnte uneben sein.“ Er ging zum Schrank, um ihr ein Paar der halbhohen Schnürschuhe zu holen.

Fiona setzte sich hin, um die Schuhe zu wechseln, aber er schüttelte ungeduldig den Kopf. „Das kannst du in der Kutsche machen. Ich möchte fort sein, bevor die anderen Gäste im Haus wach sind.“

Sie stand auf. „Gut, obwohl ich dich warnen muss. Ich bin kurz vorm Verhungern.“

„Bestens. Ich will dich und deinen Appetit auf diesem kleinen Ausflug dabeihaben“, erklärte er, während er ihr den Umhang um die Schultern legte und den Haken unter ihrem Kinn schloss.

Diese Geste war zauberhaft, schlicht und völlig unerwartet. An diesem Morgen hatte Jack etwas Zärtliches an sich. Spürte er, dass vielleicht bald die Zeit kam, da sie sich trennen mussten? Sobald sie ein Kind erwartete, würde dieser Zeitpunkt unerbittlich näherrücken.

Unter dem weiten Umhang legte sie sich die Hand auf den Bauch. Es war möglich, dass sie bereits guter Hoffnung war. Sie runzelte die Stirn, während sie versuchte, sich zu erinnern, wann sie zuletzt unpässlich gewesen war.

„Fertig, meine Liebe?“ Er hielt ihr die Tür auf.

Während sie an ihm vorbeiging, wunderte sie sich über den Glanz in seinen Augen. Er erschien aufgeregt, fast wie ein verspielter Lausbub.

Vor der Kutsche begrüßte Devonsgate sie mit einer Verbeugung und einem Lächeln. „Guten Morgen,' Madam. Wie geht es Ihnen an diesem schönen Tag?“

„Mir ist kalt!“ Sie rieb sich unter dem Umhang die Arme. „Ich hoffe, Sie werden draußen auf der Kutsche nicht erfrieren. “

„Ich habe einen sehr wärmenden Übermantel. Nach dem ganzen Lärm und Gestank in der Stadt finde ich diese Kühle sehr belebend“, beteuerte der Butler.

„Die Luft ist wirklich viel frischer“, schnaubte Hamish zufrieden.

Das fand Fiona ebenfalls; der sanfte Morgenwind brachte den Duft von frisch gemähtem Heu und Geißblatt mit.

Einer der Diener öffnete die Tür der Kutsche, und dann waren sie auch schon unterwegs. Es war eine herrliche Fahrt, über die Hügel und durch einen dichten Wald. Unterwegs brachte Jack sie mit Geschichten über seine Brüder und seine Eltern zum Lachen.

Die Kutsche hielt auf einer weiten grünen Fläche neben einem kleinen Fluss. Mit Hilfe eines der Diener stieg Fiona aus. „Wo sind wir?“

„Strathmore Forest. In diesen Wald bin ich als Kind oft gekommen“, erklärte ihr Jack. „Am Ende des Pfades ist eine kleine Lichtung. Ich dachte, dort können wir essen.“ Als Devonsgate am Ende des Pfades mit einem schweren Korb verschwunden war, atmete Fiona tief durch. Der Geruch von feuchtem Gras und sauberem Wasser umwehte sie. Das Gras war von einem satten Grün und sah so weich und frisch aus, dass sie sich am liebsten die Schuhe ausgezogen hätte. Neben ihren murmelte eine Quelle, deren Wasser klar und rein über bemooste Steine plätscherte. Und über ihnen ragten große Bäume in einen klaren blauen Himmel, der zwischen dem dichten Laub der Zweige zu sehen war.

Hamish stieg aus dem Sattel und band sein Pferd hinten an die Kutsche, dann zog er seine Pistole aus dem Gürtel, stellte sich neben einen Baum in der Nähe und ließ von dort aus seinen Blick aufmerksam in die Runde wandern.

Als sie bemerkte, dass nicht nur Hamish, sondern auch die Diener bewaffnet waren, runzelte Fiona die Stirn. „Glaubst du wirklich, dass das notwendig ist, Jack?“

„Ich bezweifle, dass dein Feind unsere Abreise aus London schon bemerkt hat, aber ich fühle mich sicherer, wenn ich auf alles vorbereitet bin.“ Er nahm ihren Arm und führte sie an den Anfang eines schmalen Pfades. „Hier habe ich mich als kleiner Junge immer versteckt.“

„Vor wem?“, wollte sie wissen.

„Vor meinen Pflichten, ehrlich gesagt.“

Sie lachte.

Während er sie anlächelte, wanderte sein Blick hinunter zu ihrer Hand, die wieder auf ihrem Bauch ruhte.

Errötend zog Fiona ihre Hand dort weg, ihr war nicht aufgefallen, in welcher Haltung sie dagestanden hatte.

In seinem Blick flammte Verlangen auf, doch er wandte den Blick ab und deutete auf den Pfad. „Nach Ihnen, Mylady.“

Sie ging den schmalen, gewundenen Weg entlang, Fionas Stiefeletten raschelten durchs Gras, und ihre Zehen wurden kalt, als das Leder durch die Berührung mit dem feuchten Untergrund auskühlte. Sie war sich der Frische der Luft sehr bewusst, ebenso wie der sanften Brise, die an ihren Haaren zog und ihr über die Wangen strich. Ganz besonders intensiv spürte sie aber die Wärme von Jacks Hand, die ihren Ellbogen umschloss, als er sie durch mehrere Senken auf dem Pfad führte.

„Ich hoffe, du hast eine ordentliche Mahlzeit mitgebracht“, sagte sie. „Mein Magen verlangt dringend nach Nahrung.“

Nach der nächsten Kurve blieb sie überrascht stehen.

Auf einer großen Decke waren Trauben und Käse, Törtchen, Teekuchen und Brot aufgebaut. Außerdem gab es verschiedene Gelees und Konfitüren. Neben der Decke stand Devonsgate, über dessen Arm eine zusammengefaltete Serviette lag, als würde er an seinem üblichen Platz neben dem Tisch im Speisezimmer stehen.

„Devonsgate! Das ist herrlich!“, rief Fiona begeistert aus.

„Danken Sie Seiner Lordschaft. Es war seine Idee“, wehrte der Butler bescheiden ab.

Fiona wandte ihrem Gatten den Kopf zu. „Danke, Jack.“ Ein kaum wahrnehmbares Lächeln legte sich um Jacks Lippen. „Das ist doch gar nichts. Nun komm und iss. Seit ein paar Tagen siehst du ein wenig blass aus.“

Er setzte sich auf der Decke dicht neben sie. „Wir haben eine unruhige Zeit hinter uns, nicht wahr? Erst war da unsere Hochzeit, die nicht ganz den üblichen Gepflogenheiten entsprach. Dann mussten wir uns aneinander gewöhnen. Die Anwesenheit deiner Brüder hat die Dinge auch nicht gerade einfacher gemacht. Hinzu kamen die Schwierigkeiten mit Lucinda und dem durchgehenden Pferd ... Und nun sind wir hier und nehmen an einer Hochzeit teil.“ Er nahm ein Messer und begann eine Birne zu schälen. „Ich mag Hochzeiten nicht.“

„Wirklich?“ Sie legte den Kopf schief und betrachtete ihn aufmerksam. „Warum nicht?“

„Geben Sie Ihrer Ladyschaft bitte ein wenig Saft“, bat Jack den Butler, während er die Birne in Spalten schnitt und auf einen Teller legte.

Devonsgate goss Saft in ein Weinglas und reichte es Fiona. „Und Sie, Mylord? Ich nehme an, Sie möchten etwas Ale.“

„Nein, ich nehme ebenfalls Saft.“

Devonsgate und Fiona sahen einander überrascht an, dann richtete Fiona den Blick fragend auf Jack. „Saft?“, erkundigte sie sich.

Er zuckte die Achseln. „Was gut genug für meinen Sohn ist, ist auch gut genug für mich.“

Sohn? Er ging also davon aus, dass sie ... Fiona blinzelte verwirrt. Sie hatte sich während der vergangenen Tage manchmal selber schon gefragt, ob sie vielleicht bereits guter Hoffnung war, aber sie war jedes Mal nach wenigen Sekunden dem Gedanken ausgewichen, als wäre es zu gefährlich, sich mit ihm zu beschäftigen.

Im Stillen rechnete sie die Wochen zusammen. Es war möglich. Es war tatsächlich möglich. Ihre Augen wurden feucht. Trug sie Jacks Kind unter dem Herzen?

„Trink deinen Saft, Fiona“, forderte Jack sie sanft auf.

Mühsam nahm sie einen Schluck, und die Flüssigkeit brannte auf ihrer Zunge.

„Devonsgate“, wandte sich Jack an den Butler, ohne den Blick von Fiona abzuwenden. „Ich denke, wir haben alles, was wir brauchen. Sie können sich zur Kutsche zurückziehen.“

„Vielen Dank, Mylord. Falls Sie mich brauchen - ich bin in der Nähe.“ Der Butler verbeugte sich tief, warf einen letzten kritischen Blick auf die Decke und verschwand dann in Richtung Pfad.

Jack nippte an seinem Saft, verzog das Gesicht und bemühte sich sofort, sein Missfallen zu verbergen. Er stellte sein Glas ab, nahm einen kleinen Teller und legte ein Aprikosentörtchen und ein Stück Käse darauf. „Versuch das hier.“

Sie nahm das Törtchen und knabberte am Rand. Durch die Öffnung ihres Umhangs blitzte ihr Morgenkleid aus weißem, mit rosafarbenen Röschen besetztem Musselin. Da sie sich so eilig angezogen hatte, hatte sie viel zu wenige Haarnadeln benutzt, und ihr Haar war in größter Gefahr, sich zu lösen und auf ihre Schultern zu fallen.

Sie sah frisch und jung aus. Ein zartes Muster aus Sommersprossen bestäubte ihre Nase so verführerisch, dass er in Versuchung geriet, jede einzelne küssen zu wollen.

Fiona biss in das Törtchen. „Warum magst du Hochzeiten nicht, Jack?“

„Ich finde das ganze Drumherum, die Blumen und all das Zeug lächerlich“, gestand er ihr.

„Das verstehe ich“, sagte sie langsam. „Und doch ...“ Sie wurde rot. „Du hältst mich vielleicht für dumm, aber ich fand die Zeremonie wunderschön. Sie lieben einander wirklich. Manchmal... wünschst du dir nicht manchmal, Jack, dass die Dinge zwischen uns anders wären? Dass unsere Hochzeit normaler gewesen wäre?“ Ihre Röte vertiefte sich. „Natürlich wären wir dann gar nicht zusammen. Aber wenn wir es wären ... vermisst du das alles?“ Sie seufzte. „Ich mache die Dinge kompliziert, nicht wahr? Es tut mir leid.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, sprich weiter. Was genau hat dir an der Hochzeit gefallen?“

Sie sah überrascht, aber erfreut aus. „Die ganze Sache war schön - die Zeremonie, der Empfang. Wir hatten so etwas nicht.“

„Nein, unsere Hochzeit war anders“, stimmte er ihr grinsend zu. „Der Bräutigam war betrunken und besinnungslos.“

Mit heißen Wangen legte sie ihr Törtchen zurück auf den Teller. „Ich wünschte, du würdest dich gar nicht mehr daran erinnern. “

Jack lachte. „Ich werde mein Bestes tun, es zu vergessen, obwohl das schwierig sein wird.“

Sie seufzte, und Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Jack verkniff sich die oberflächliche Bemerkung, die er hatte machen wollen. Sie meinte es ernst. Es bedeutete ihr viel.

„Wie hättest du dir unsere Hochzeit gewünscht?“, fragte er mit sanfter Stimme.

„Es ist dumm, überhaupt darüber nachzudenken.“ Über ihr Gesicht huschte ein Lächeln. „Wir hatten nicht die Wahl, was für eine Hochzeit wir haben wollten, besonders du nicht.“

„Ich bedauere es nicht, dass wir verheiratet sind.“ Seine Worte überraschten ihn selbst, aber er wusste im gleichen Moment, dass sie wahr waren. Nun hatte sein Leben einen Sinn, in allem lag plötzlich ein Sinn.

Ihr Blick suchte sein Gesicht. „Wirklich nicht?“

„Nicht im Geringsten. Wenn man die Umstände bedenkt, haben wir es gut hinbekommen.“

Sie zog die Knie hoch und legte die Arme um die Beine. „Das denke ich auch.“

Als er ihre Hand nahm, fiel ihm auf, wie klein sie im Vergleich zu seiner war. „Fiona, ich ...“

Ein Schuss durchschnitt die Luft.

Noch bevor das Echo verklungen war, hatte Jack seine Pistole in der Hand und war aufgesprungen.

Aber der dichte Wald gab nichts preis - keine Bewegung, keinen Laut. Nichts außer unheimlicher, unnatürlicher Stille.

„Verdammt noch mal!“ Vor Schreck hämmerte sein Herz immer noch wild in seiner Brust. „Da ist wahrscheinlich jemand auf der Jagd.“

Fiona antwortete nicht.

Er wandte sich zu ihr um. Ihr Gesicht trug einen erstaunten Ausdruck, sie öffnete den Mund, als wollte sie sprechen, doch über ihre Lippen kam kein Ton.

Jack kniete sich neben sie. „Hab keine Angst. Wenn ich herausfinde, wer das war ... “ Er stutzte und hielt die Luft an.

Tiefrotes Blut tränkte ihr eben noch makellos weißes Kleid.

„Nein!“, keuchte er entsetzt.

„Ich ...“, stieß sie mit zitternden, bleichen Lippen hervor. Ihre Lider zuckten, dann fiel sie langsam vorwärts in seine Arme.

Jack fing sie auf und ließ gleichzeitig seine Pistole auf die Decke fallen. „Devonsgate! Hamish!“ Die Angst brachte ihn fast um den Verstand. Er musste etwas unternehmen, um sie zu retten! Der Blutfleck auf dem weißen Stoff wuchs mit rasender Geschwindigkeit.

„Verdammt noch mal, wo sind Sie, Devonsgate! schrie er verzweifelt. „Fiona! Bitte, Gott, nein!“ Tränen ließen alles um ihn herum verschwimmen, während er sie fest an sich presste.

Ein leises Geräusch drang an sein Ohr.

BUMM!

Etwas explodierte direkt über seinem Kopf. Er fiel und rollte sich fallend auf die Seite, um Fionas Sturz abzufedern, als er sie mit sich zu Boden riss.

Mit all seiner Kraft versuchte er bei Bewusstsein zu bleiben, die Arme nach ihr auszustrecken und sie wieder an sich zu ziehen, doch dichte, kalte schwarze Stille verschluckte ihn.

Gregor spähte ins Dickicht.

„Siehst du irgendwas?“, erkundigte er sich bei Dougal.

„Ja. Ich kann sie beide sehen. Es scheint, als würden sie ein Picknick veranstalten.“ Er warf Dougal einen spöttischen Blick zu. „So viel zu deiner Idee, er würde sie hierherschaffen, um sie umzubringen. “

„Ich habe nichts dergleichen gesagt“, widersprach Dougal.

Gregor zog eine Braue hoch.

Dougals Wangen nahmen eine rötliche Farbe an. „Ich traue ihm nicht, das ist alles.“

„Manchmal glaube ich, ihm liegt wirklich etwas an ihr“, stellte Gregor nachdenklich fest. „Gerade jetzt sieht er sie an, als wäre sie die einzige Frau auf Erden. Ich frage mich, ob ihm seine Gefühle für sie selber bewusst sind.“

Dougal machte ein finsteres Gesicht. „Er braucht einen ordentlichen Stoß in die Rippen, um zur Vernunft zu kommen. Sie ist die beste Frau der Welt, und er ist ein Dummkopf, das nicht zu bemerken. “

„Genau“, stimmte Gregor seinem Bruder mit einem energischen Nicken zu.

„Und wir sollten bei ihr sein, um sie zu beschützen. Ich traue ihm nicht, und bis vor Kurzem ist es dir ebenso ergangen.“

„Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass er viele Gelegenheiten hatte, ihr etwas anzutun, wenn er es gewollt hätte? Ein Stoß die Treppen hinunter, ein wenig Gift in ihrem Tee. Es wäre nicht besonders schwierig gewesen“, erläuterte Gregor.

Dougal kratzte sein Kinn, während er durchs Laub spähte. „Oh Gott. Er wird sie gleich küssen. Ich hasse es, das zu sehen.“

Die Brüder wandten sich ab und lehnten sich gegen einen Baumstamm. Bis auf das Plätschern der Quelle war es still um sie herum.

Schließlich sah Dougal seinen Bruder an. „Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber vielleicht hast du recht. Es ist nicht nötig, dass wir hier sind. “

Gregor nickte, und sie gingen zurück zu ihren Pferden.

Als sich Dougal wegen eines tief hängenden Astes bücken musste, hielt er plötzlich inne und starrte in den Wald.

„Was ist los?“, wollte Gregor wissen.

Den blonden Kopf schief gelegt, sah Dougal immer noch angestrengt ins Gebüsch. Schließlich zuckte er die Achseln. „Ich dachte, ich hätte etwas gesehen, aber was es auch immer war, es ist fort. Wahrscheinlich habe ich mich geirrt.“

Sie überquerten den schmalen Fluss, und dann war plötzlich ein Schuss zu hören.

Dougal wandte seinem Bruder sein kreidebleiches Gesicht zu, und beide schrien gleichzeitig: „Fiona!“

In der nächsten Sekunde rannten sie los, zwischen den Bäumen hindurch und über gefällte Stämme, ihre Stiefel dröhnten über den Boden, ihr Atem ging rau.

Sie kamen zur Kurve des überwachsenen Pfades, durchbrachen das Unterholz und erreichten endlich atemlos die Lichtung.

„Fiona!“ Gregor hetzte über die freie Fläche zu der Stelle, wo Fiona lag. Ein roter Fleck breitete sich auf ihrem Kleid aus, und sie war beängstigend bleich. Neben ihr auf der Decke lag Jacks Pistole. Zorn tobte durch seine Adern, als er seine Schwester vom Boden aufhob, und über ihm zuckten Blitze über den Himmel.

„Ins Dorf“, beschloss Dougal mit grimmiger Miene, während er Jacks Pistole in den Bund seiner Hose stopfte. „Die alte Nora weiß mehr über Heilkunde als jeder Arzt.“

Gregor nickte und lief mit schnellen Schritten zurück zu den Pferden, die alarmierend stille Fiona auf den Armen. Wie hatte er zulassen können, dass das passierte? Während sich am Himmel überraschend schnell die Wolken zusammenballten, reichte er die bewusstlose Fiona seinem Bruder, der bereits auf seinem Pferd saß.

Dougal ritt sofort im Galopp davon.

Während Gregor ihm auf seinem Pferd in raschem Tempo folgte, schwor er im Stillen Rache. Und zwar nicht nur an Jack Kincaid, sondern an der gesamten Familie, der dieser Hundesohn entstammte.

Die Pforten zur Hölle hatten sich geöffnet.