Kapitel 6
~ Cassandra ~ 6 Monate später ~
Aydans Geburt war auf den Tag sechs Monate her und nun saß er auf dem Schoß seiner Mutter. Der Salon war zu Cassandras Lieblingsraum geworden, wenn sie nicht mit Aydan spazieren ging, war sie die meiste Zeit des Tages hier. Eine Amme saß ihr gegenüber und strickte etwas. Cassandra schätzte sie jünger als sich selbst, doch hatte sie nie danach gefragt wann und ob sie, Emilia mit Namen, ein eigenes Kind hatte. James hatte sie ausgesucht und ihr darüber hinaus nicht mehr erzählt, als Emilia.
Cassandra empfand die Dame als hübsch, sie hatte ein rundes Gesicht, schulterlanges blondes Haar und blaue Augen. Ihre Figur war allerdings weniger einladend. Zwar hatte sie eine sehr üppige Brust, aber auch breite Hüften und war untersetzt. Es störte sie jedoch nicht, denn ihr war es wichtig, dass Aydan satt wurde und das wurde er, wenn Emilia ihn nährte. Zu gerne hätte Cassandra ihn selbst genährt, doch bereits nach acht Wochen hatte ihr Leib keine Milch mehr produzieren wollen. Schweren Herzens hatte sie James damals erlaubt eine Amme zu suchen und sie ins Haus zu bringen, ihre einzige Voraussetzung war, dass es eine Dame sein sollte, deren Antlitz oder Körper ihm gefiel. Heute kam sie sich, für das was sie verlangt hatte, albern vor.
»Was strickt Ihr Emilia?«, fragte Cassandra interessiert und musterte die junge Nährmutter.
Aus ihren Gedanken gerissen schaute sie auf und sah Cassandra an.
»Es soll ein Hemdchen für Aydan werden«, antwortete sie und zeigte der Gräfin die blaue Wolle, die langsam die Form eines Hemdes annahm. Lächelnd nickte Cassandra.
»Es ist sehr hübsch«, lobte sie die Amme, die errötete.
»Vielen Dank Herrin«, erwiderte Emilia verlegen. Die Säugamme sah wieder auf ihre Handarbeit und konzentrierte sich erneut darauf. Aydan gluckste und zappelte auf Cassandras Bein, seine kleine Faust hatte er in seinen Mund gesteckt und nuckelte daran.
»Er ist hungrig«, stellte die Gräfin fest und Emilia legte ihre Arbeit zur Seite.
Die Gouvernante erhob sich und nahm Aydan von Cassandras Schoß.
»Soll ich ihn gleich zu Euch bringen?«, fragte sie. »Nein, bitte legt ihn in sein Bettchen, damit er schlafen kann«, antwortete Cassandra und lächelte sie an.
Emilia nickte und zog sich gemeinsam mit dem kleinen Jungen zurück. Nachdenklich blieb die Gräfin allein und sah in den Salon. James hatte sie in letzter Zeit kaum zu Gesicht bekommen und er hatte sich verändert. Sie wusste nicht, ob es an der Ungewissheit lag, dass weitere Jäger der Bruderschaft ihnen auflauerten oder an etwas anderem. Es tat ihr im Herzen weh, dass sie ihn nur zu später Stunde in ihrem Gemach sah und er sich meist wortlos neben sie ins Bett fallen ließ. Seit Wochen hatten sie keine Zärtlichkeiten mehr ausgetauscht und wann er das letzte Mal gesagt hatte, dass er sie liebt, musste ebenso lang her gewesen sein.
Seufzend erhob sich die Gräfin und ging ans Fenster. Sie vermisste ihre Heimat und ihren Bruder, der ihr seit ihrer Hochzeit keinen weiteren Besuch abgestattet hatte, wie er es versprochen hatte. Langsam reifte in ihr der Verdacht, dass James sie nicht mehr wollte und sie entschied, dass ein Urlaub wohl das Beste für sie und Aydan war. Cassandra hörte Schritte und wandte sich zur Tür. In ihrem roten Kleid sah sie atemberaubend aus, das Korsett war eng geschnürt und brachte ihre schlanke Erscheinung zur Geltung. Margret knickste vor ihr und Cassandra nickte ihr zu.
»Es wurde ein Brief für Euch abgegeben«, sagte die Magd und näherte sich ihr.
Auch die Gräfin ging ihr entgegen und streckte die Hand nach dem sauber gefalteten Pergament aus. Als sie es festhielt, musterte sie das rote Wachssiegel und ein Lächeln stahl sich auf ihre Züge. Ihr Bruder Garrett hatte geschrieben. Sie brach das Siegel und entfaltete den Brief.
Meine liebe Schwester
Verzeih mir, dass ich erst nach so vielen Monaten schreibe und Dir das Gefühl gab, dass Du mir nicht wichtig bist. Die Geburt meines Neffen habe ich mit Freude vernommen und auch unsere Eltern sind stolz, auch wenn sie es nicht zugeben möchten. Leider konnte ich Dich nicht besuchen, doch hoffe ich, dass mein Geschenk Euch erreicht hat. Cassandra erinnerte sich an das Spielzeug und die Kleider, die Garrett geschickt hatte.
Ich hoffe, dass ihr drei wohlauf seid, und möchte Euch herzlich in die Sommerresidenz in Dulanis einladen. Ich halte mich bereits hier auf und freue mich auf eine baldige Antwort von Dir.
In Liebe,
Garrett
Eine Freudenträne verließ ihren Augenwinkel und sie musste lächeln.
»Bitte packt für mich und Aydan, Margret. Wir werden verreisen«, wies Cassandra die Magd an, die nickte und sich zurückzog.
Sie selbst ging in James‘ Schreibzimmer und wunderte sich, dass es verlassen war.
Die junge Gräfin nahm hinter dem Schreibtisch Platz und formulierte eine Antwort an ihren Bruder, in der sie ihr kommen ankündigte. Lächelnd versiegelte sie das gefaltete Pergament schließlich. Cassandra betätigte die kleine Glocke, die auf dem Sekretär lag, und Esra kam herein.
»Ihr habt geläutet?«, fragte er und hielt sich kerzengerade. Sie nickte,
»Bitte lasst diesen Brief nach Dulanis bringen. Es steht darauf, wohin er gebracht werden soll«, antwortete sie und überreichte dem Butler das Schreiben.
~ James ~
Das Pferd schnaubte vor Anstrengung und James streichelte den Hals vom schwarzen Hengst. »Immer ruhig mein Bester«, redete er auf das Tier ein.
James sah sich um. Shadow hatte ihn in den Wald gebracht, genau dorthin, wo er Cassandra einst gefunden hatte. Seufzend sprang der Graf vom Ross und fragte sich, was geschehen wäre, wenn er ihr und ihre Gefährten, die dennoch starben, nicht zur Hilfe geeilt wäre. Er liebte Cassandra, aber seit Aydans Geburt hatte sich einiges geändert. Ihr Körper hatte sich verändert, ihr Bauch war nicht mehr straff und ihr Busen war nicht mehr so fest. Kopfschüttelnd vertrieb er diese Gedanken und sah sich um. James überlegte, aus welchem Grund Shadow ihn ausgerechnet hierher gebracht hatte. »Warum hast du mich hergebracht alter Freund?«, fragte er das Tier, doch natürlich gab der Hengst ihm keine Antwort.
Langsamen Schrittes entfernte James sich von seinem Pferd und sog, mit geschlossenen Augen, die Luft ein. Er legte die Stirn in Falten, denn ihm drang ein schwerer Geruch in die Nase. Wenn ihn nicht alles täuschte, war es eine Kräutermischung und … etwas Metallisches. Er öffnete die Lider. Bedächtig folgte er der Spur und achtete darauf sich im Verborgenen zu halten. Geschickt wich er den niedrig hängenden Ästen der Fichten und Eichen aus. James wollte erfahren, wer dahinter steckte. Der Duft wurde stärker und er versteckte sich hinter dem Baumstamm eines weiteren Fichtenbaum. Vorsichtig lugte er um den Stamm herum. Drei Herren saßen um ein Lagerfeuer und es wirkte, als kochten sie etwas. Ihm war bewusst, dass nichts gekocht wurde. Dafür lag der Geruch des geschmolzenen Silbers zu schwer in der Luft. Das Feuer brannte heißer, als ein herkömmliches. James fragte sich, wie sie diese Temperatur erreicht hatten, denn im gewöhnlichen Flammenmeer schmolz das Edelmetall nicht. Es loderte auch nicht mit normaler Flamme, sie war grün-blau. Die Männer hatten sich auf dem Boden niedergelassen und unterhielten sich in einer Sprache miteinander, die James nicht verstand. Sie hörte sich wie eine Mischung aus der lateinischen und einer alten keltischen Sprache an. Latein hatte er einst gelernt, doch mit dem Keltischen war er gnadenlos überfordert.
»Avabruck morietur«, drang es an sein übernatürliches Gehör und er wurde hellhörig.
Ein weiterer Herr verfiel wieder in die Fremdsprache der Länder.
»Wie meinst du das, dass Avabruck sterben wird?« James beobachtete sie. Der erste Sprecher war von muskulöser Statur, glich einem Bullen von Mann, der sein rotblondes Haar lang und offen trug. Der Bart des Hünen war verfilzt und ungepflegt. Der Andere, der Fragesteller, war athletisch wie James und gepflegt. Er hatte kurzes hellbraunes Haupthaar und keinen Vollbart. Der dritte Herr war es allerdings der James‘ Aufmerksamkeit erweckte. »Wir werden James von Avabruck und seine Linie auslöschen«, antwortete der Erste auf die Frage.
Seine Züge ähnelten der der Amme, die er für Aydan beschäftigte. Sein blondes Haar hatte denselben Glanz, seine Augen dasselbe Blau und sein Gesicht war ebenso rund wie das Emilias. Vorsichtig ging James um den Baumstamm herum und zertrat einen Ast.
»Verdammt«, fluchte der Graf flüsternd.
»Was war das?«, vernahm er einen der Herren. »Bestimmt nur ein Tier im Unterholz«, antwortete ein anderer.
»Ich gehe nachsehen«, hörte er den dritten Herrn sagen.
James war alles egal, er wandte sich ab und rannte los. Er wollte sich nicht von diesen Männern, die ihm nach dem Leben trachteten, erwischen lassen.
James wurde verfolgt. Sein Atem ging hektisch, als er sein treues Ross erblickte. Der Graf legte noch einmal an Geschwindigkeit zu und Shadow kam ihm entgegen. Schnell ergriff James die ledernen Zügel und schwang sich auf den Rücken des majestätischen Tieres. Mit einem festen Ruck am Zaumzeug wandte Shadow sich um. Das Pferd galoppierte sofort los. An James Ohr sauste ein Pfeil vorbei und er sah über seine Schulter. Sein Verfolger, der Herr der Emilia ähnelte, stand mitten im Unterholz und hielt seine Armbrust erhoben. Er hatte Angst um Cassandra und Aydan. Seit Monaten hatte er sie ignoriert und nun wurde ihm bewusst, dass er sie keinesfalls verlieren wollte. Er liebte seine Gemahlin abgöttisch, doch leider hatte er es versäumt, auch ihr dieses Gefühl zu geben. Auf dem Rücken Shadows ritt er durch Avabruck und geradewegs zu seinem Grundbesitz. Auf der staubigen Straße fuhr eine geschlossene Kutsche an ihm vorbei und er war zu schnell, um hineinzusehen. Er vertrieb den Gedanken, dass Cassandra ihn verlassen haben könnte, und schüttelte den Kopf. Während er versuchte seine Sinne von dem Gesehenen freizubekommen, galoppierte der Hengst weiter und erreichte das Anwesen des Grafen. Noch als Shadow auslief, sprang James von seinem Rücken und stürmte ins Haus.
»Cassandra?«, hallte durch das Foyer und er hastete in den Korridor, in dem ihr gemeinsames Gemach lag.
»Cassandra?«, rief er abermals, doch sie antwortete ihm nicht. Er wandte sich um und eilte zur Küche. James hielt nicht an, um die Tür ruhig zu öffnen, er schwang sie auf. James erblickte Esra und Margret, die sich küssten. Die Bediensteten trennten sich erschreckt und sahen ihn ebenso an.
»Habt Ihr meine Gemahlin gesehen?«, fragte James atemlos. Esra war es, der seine Stimme als Erstes wiederfand.
»Sie ist abgereist Herr«, erwiderte er. James sog tief die Luft ein.
»Abgereist? Wohin reist sie?«, verlangte er zu erfahren.
Margret räusperte sich und trat einen Schritt vor. »Wir wissen es nicht, aber sie brach vor gut einer Stunde auf.«
James seufzte. Er sah erst seine Magd, dann seinen Butler durchdringend an.
»Wisst Ihr wirklich nicht, wohin sie reist?«, fragte er. Margret schluckte.
»Ich weiß nicht, wohin sie reisen möchte, aber sie schrieb einen Brief an die Sommerresidenz des Herzogs von Dulanis. Ich sollte ihn einem Boten übergeben«, antwortete Esra. James nickte. »Sicherlich wird sie auch dorthin reisen. Esra macht mein Pferd fertig für eine Reise«, wies der Graf seinen Bediensteten an und ging aus der Küche.
Er eilte in sein Schlafgemach. Dort angekommen holte er Kleidung aus dem Schrank und warf sie achtlos in eine Ledertasche, die er ebenso schnell verschloss, wie er sie gepackt hatte. Wütend packte James die Tasche am Henkel, der riss, und er fluchte lauthals. Er verließ sein Gemach. Seine Schritte hallten im Korridor wider. Inständig hoffte er darauf seine Gemahlin und seinen Sohn einzuholen bevor sie ihr Ziel erreichten.
»Herr?«, hielt ihn Margrets leise Stimme auf.
James blieb abrupt stehen und wirbelte zu seiner Magd herum.
»Sprecht Margret«, verlangte er streng.
Margret sah ihn mit aufgerissenen Augen an. Selten hatte der Graf sich solch einen Ton herausgenommen. Sie räusperte sich.
»Esra schlug vor, dass wir Euren Freund Caleb unterrichten, damit er gemeinsam mit Euch reitet in diesen gefährlichen Zeiten«, erwiderte sie eingeschüchtert.
James Züge entspannten sich und ein kleines, jedoch charmantes, Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
»Das ist eine sehr gute Idee. Bitte begleitet mich in mein Schreibzimmer, damit ich einen Brief an ihn aufsetzen kann«, sagte er, wesentlich ruhiger. Margret nickte und James trat an ihr vorbei. Wenige Atemzüge später betraten sie sein Büro und der Graf ging sofort an seinen Schreibtisch. Zügig hatte er Papier und Feder zur Hand. Die, in Tinte getränkte, Mine kratzte über das Pergament, während er seine geschwungenen Lettern darauf schrieb. Deutlich hörte er den beschleunigten Herzschlag seiner Magd und ihren ebenso schnellen Atem.
»Mein Gemüt hat sich beruhigt Margret. Ihr könnt unbesorgt sein«, sagte er konzentriert, als er die letzten Worte niederschrieb.
Ihr Aufatmen war beinahe ohrenbetäubend und James schmunzelte. Er faltete das Pergament zusammen und tropfte das Siegelwachs auf das Papier. James drückte seinen Ring in das flüssige Wachs und wartete einen Moment, dabei musterte er Margret. Unsicher trat sie von einem Fuß auf den anderen.
»Soll ich einen Boten rufen?«, fragte sie heiser.
Ihre Anspannung war immer noch nicht von ihr abgefallen. Wortlos nickte er, als er den Brief vom Schreibtisch nahm und ihn hochhielt, damit sie ihn sich nehmen konnte. Sie kam näher, um das Schreiben an sich zu bringen. Gerade streckte sie ihre Hand danach aus, als James es aus ihrer Reichweite zog.
»Wenn Ihr wüsstet, wo meine Gemahlin sich aufhält, würdet Ihr es mir mitteilen, richtig?«, erkundigte sich James, obwohl er sich ihrer Loyalität bewusst war.
»Selbstverständlich Herr«, antwortete sie und er überließ ihr die Botschaft.
Ein weiteres Mal atmete Margret auf. Sie nahm ihn an sich und selten hatte sie James‘ Schreibzimmer so schnell verlassen, wie in diesem Augenblick. Der Magd schlug das Herz bis zum Hals, als sie durch den Korridor eilte und schnellstens einen der männlichen Bediensteten mit der Übergabe des Briefes beauftragen wollte. Wenige Male war ihr Herr so außer Kontrolle und aufgebracht, wie in den letzten Minuten. Das Peinlichste aber war für sie, dass er sie und Esra in solch einem intimen Moment gestört hatte. Mit geröteten Wangen trat sie aus dem Haus und sah sich um. Der Bursche, der sich gemeinsam mit dem Stallknecht um die Pferde kümmerte, stolperte über den Hof. »Marius«, rief sie und er blieb stehen. Fragend sah er sie durch seine haselnussbraunen Augen an.
»Bitte bringt diesen Brief nach Kentmore zu Sir Caleb«, wies sie ihn an und händigte ihm das Schreiben aus »Es ist dringend«, fuhr sie fort. Nickend steckte er dieses in seine Manteltasche. »Ich werde sofort ein Ross satteln und mich auf den Weg machen«, erwiderte er schüchtern.
Margret lächelte ihn an, doch schon im nächsten Moment scheuchte sie ihn zum Stall und teilte dem Stallknecht die Aufgabe des Burschen mit.
~ James & Cassandra ~
Seufzend sah Cassandra auf die Landschaft Avabrucks, dessen letztes Dorf sie gerade hinter sich gelassen hatten. Lang würde es nicht mehr dauern und sie würden Foschina erreichen. Von dort war es nicht mehr weit zur Sommerresidenz ihrer Familie.
»Lady Cassandra hört Ihr mir nicht zu?«, fragte Emilia.
Cassandra schüttelte den Kopf und sah Aydans Amme fragend an.
»Entschuldigt, was sagtet Ihr?«, fragte sie.
»Ich sagte, es ist schade, dass Euer Gemahl Euch nicht begleitet«, wiederholte die Gouvernante.
Die Gräfin nickte gedankenverloren und sah wieder hinaus auf die Landschaft. Die Kutsche ruckelte, weshalb Aydan fröhlich gluckste.
Auch nachdem Margret verschwunden war, hatte James sich nicht bewegt. Nachdenklich saß er am Schreibtisch und ließ die letzten Monate Revue passieren. Es versetzte ihm einen Stich ins Herz, wie ablehnend er Cassandra gegenüber aufgetreten war. Stets waren ihre blauen Augen von Einsamkeit und Traurigkeit erfüllt gewesen, doch hatte er sich daran nicht gestört. Nun, wo diese Herren im Wald eine Bedrohung darstellten, bereute er sein Verhalten zutiefst. Jetzt wo die Gefahr gegenwärtig war, dass er seine geliebte Gemahlin und seinen Sohn verlieren könnte, überdachte er seine Handlungen. Cyrus war nicht mehr aufgetaucht seit dieser schicksalhaften Nacht, in der Aydan das Licht erblickt hatte. Ein schweres Seufzen verließ seine Lippen und er schloss die Lider. Vor seinem geistigen Auge tauchte sofort Cassandras Antlitz auf. Er merkte, wie seine Mundwinkel sich zu einem Lächeln verformten. James schlug die Augen auf. Sein schlechtes Gewissen und all die Fehler, die er gemacht hatte, waren wieder präsent. Cassandra spürte die Träne in ihrem Augenwinkel nicht, bevor sie diesen verließ und ihre Wange hinab kullerte. »Seid ihr traurig?«, fragte Emilia leise. Die Gräfin blinzelte und sah ihre Begleiterin an. »Nein, bloß ist dieser Anblick so wundervoll«, log sie. Natürlich war sie niedergeschlagen wegen der Behandlung, die James ihr hatte zuteilwerden lassen. Nie hätte sie gedacht, dass er sie so verletzen würde, nachdem es so lange gedauert hatte, bis sie endlich zueinander gefunden hatten. Um ihn zu schützen, hatte sie sogar Hernan sterben lassen und ihn nicht vor Mira gerettet. Die Zeit in der Silberstreifgilde fehlte ihr. Zu gern wäre sie wieder ein Teil davon und dachte über die Worte des Rates nach, als man sie damals um ihres Kindes wegen aus ihrer Berufung entlassen hatte.