Zwanzig

Gott sei Dank ist wenigstens schönes Wetter, dachte Holly, als sie ihr Auto abschloss und die Straße zum Haus ihrer Eltern überquerte. In den letzten Wochen hatte es ständig geregnet. Ciara war die ganze Woche über völlig aufgelöst und unausstehlich gewesen, weil sie Angst um ihre Grillparty hatte, aber dann war zum Glück die Sonne zurückgekehrt.

Holly war stolz auf ihr Geschenk. Sie hatte Ciara einen Schmetterling für ihr Bauchnabel-Piercing gekauft, mit einem kleinen rosa Kristall auf jedem Flügel. Perfekt passend zu Ciaras neuem Tattoo und ihren rosaroten Haaren. Holly folgte dem Klang fröhlicher Stimmen und freute sich, dass der ganze Garten voller vertrauter Gesichter war. Denise war mit Tom und Daniel gekommen, und die drei hatten sich im Gras niedergelassen. Sharon war ohne John da und unterhielt sich mit Hollys Mutter. Ciara stand in der Mitte des Gartens, rief jedem etwas zu und genoss es, der Mittelpunkt zu sein. Sie trug ein rosa Bikini-Oberteil und abgeschnittene Jeans.

Holly überreichte ihr Geschenk, das Ciara sofort aufriss. Beim Einpacken musste man sich für sie wirklich keine große Mühe geben.

»O Holly, das ist ja toll!«, rief Ciara und fiel ihrer Schwester um den Hals.

»Ich dachte mir, das würde dir bestimmt gefallen«, sagte Holly. Ihr Schwesterchen hätte es allerdings auch sofort herausposaunt, wenn dem nicht so gewesen wäre.

»Ich werde es gleich dranmachen«, verkündete Ciara, pulte ihr Piercing aus dem Nabel und ersetzte es durch den Schmetterling.

Holly schüttelte sich. »Das hätte ich mir jetzt nicht unbedingt ansehen müssen, danke.«

Überall duftete es köstlich nach Gegrilltem, und Holly lief das Wasser im Mund zusammen. Wie nicht anders zu erwarten, drängelten sich die Männer ums Feuer, mit ihrem Vater auf dem Ehrenplatz. Steinzeitjäger, die dafür sorgten, dass ihre Familien zu essen hatten.

Als Holly Richard ausfindig gemacht hatte, ging sie zu ihm hinüber. Ohne lange Vorrede kam sie zum Thema: »Richard, hast du in meinem Garten was gemacht?«

Verwirrt blickte Richard vom Grill auf. »Wie bitte, was soll ich getan haben?« Auch die anderen Männer unterbrachen ihre Gespräche und starrten Holly verwundert an.

»Hast du in meinem Garten was gemacht?«, fauchte Holly, die Hände in die Hüften gestemmt. Sie wusste selbst nicht, warum sie sich benahm, als wäre sie wütend auf ihn, denn sie war ja froh darüber, dass der Garten wieder einigermaßen in Ordnung war. Aber irgendwie ärgerte es sie, dass sich jedes Mal, wenn sie nach Hause kam, wieder etwas verändert hatte, ohne dass sie die geringste Ahnung hatte, wer dafür verantwortlich war.

»Nein Holly«, fauchte er zurück. »Manche Leute müssen nämlich arbeiten, weißt du.«

Holly warf ihm noch einen wütenden Blick zu, aber ihr Vater ging dazwischen, um einen größeren Familienstreit zu verhindern. »Was sagst du da, Liebes? Jemand hat in deinem Garten gearbeitet?«

»Ja, und ich weiß nicht, wer es war«, murmelte sie und rieb sich nachdenklich die Stirn. »Du vielleicht, Dad?«

Aber Frank schüttelte entschieden den Kopf. Hoffentlich hatte seine Tochter jetzt nicht doch noch den Verstand verloren.

»Du, Declan?«

»Na ja, Holly, die Frage kannst du dir wohl selbst beantworten«, meinte er sarkastisch.

»Sie vielleicht?«, wandte sie sich an den wildfremden Mann, der neben ihrem Vater stand.

»Äh, nein … ich bin gerade erst in Dublin angekommen … übers Wochenende«, antwortete er nervös mit einem ausgeprägten britischen Akzent.

Ciara fing laut an zu lachen. »Komm, Holly, ich helfe dir. Arbeitet irgendjemand von den Anwesenden heimlich in Hollys Garten?«, brüllte sie in die Runde. Alle sahen sich nach ihr um, schüttelten jedoch die Köpfe.

»Na, war das nicht viel einfacher?«, kicherte Ciara.

Stumm ging Holly auf die andere Seite des Gartens hinüber, zu Denise, Tom und Daniel.

»Hallo Daniel«, sagte Holly und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

»Hi, Holly, lange nicht gesehen«, antwortete er und reichte ihr eine Dose Bier vom Vorrat neben ihm.

»Du hast den Heinzelmann also immer noch nicht entlarvt?«, fragte Denise lachend.

»Nein«, antwortete Holly, streckte die Beine aus und stützte sich auf die Ellbogen. »Es ist wirklich sonderbar!« Sie erklärte Tom und Daniel die Geschichte.

»Meinst du, dein Mann hat das vielleicht organisiert?«, platzte Tom heraus, und sein Freund warf ihm einen warnenden Blick zu.

»Nein«, erwiderte Holly. »Das glaube ich eher nicht.« Sie sah Denise wütend an, weil sie Tom offensichtlich von der Liste erzählt hatte, aber diese hob nur hilflos die Hand und zuckte die Achseln.

»Schön, dass du kommen konntest, Daniel«, wandte sich Holly demonstrativ von den beiden anderen ab.

»Kein Problem, ich freue mich, hier zu sein.«

Da Holly ihn bisher nur in Wintersachen kannte, war er in seiner dunkelblauen Weste, der dunkelblauen knielangen Cargohose und den blauen Turnschuhen ein ungewohnter Anblick. Wenn er einen Schluck Bier nahm, trat sein Bizeps hervor. Holly hatte keine Ahnung gehabt, dass er so durchtrainiert war.

»Du bist ganz schön braun«, bemerkte sie, als Ausrede dafür, dass sie seine Muskeln angeglotzt hatte.

»Du auch«, erwiderte er, während er ganz unverhohlen ihre Beine in dem kurzen Jeansrock betrachtete.

Holly lachte und wechselte ihre Sitzhaltung. »Ich hab Zeit, in der Sonne zu liegen, weil ich keinen Job habe. Und du?«

»Ich war letzten Monat ein paar Tage in Miami.«

»Wow, du hast es gut! War’s schön?«

»Ja, es war toll«, nickte er und lächelte. »Warst du schon mal drüben?«

Sie schüttelte den Kopf. »Aber immerhin fahre ich nächste Woche mit meinen Freundinnen nach Lanzarote. Ich kann’s kaum erwarten«, meinte sie und rieb sich aufgeregt die Hände.

»Ja, ich hab schon davon gehört. Muss eine nette Überraschung gewesen sein.« Er lächelte sie an und bekam dabei süße Lachfältchen in den Augenwinkeln.

»Kann man wohl sagen«, bestätigte Holly, die es manchmal selbst noch nicht recht glauben konnte.

Eine Weile unterhielten sie sich über seinen Urlaub und das Leben im Allgemeinen, und Holly kapitulierte irgendwann vor ihrem Burger, weil ihr beim Reden ständig Ketchup und Mayonnaise übers Kinn liefen.

»Ich hoffe, du warst nicht mit einer Frau in Miami, sonst ist Ciara garantiert fertig mit der Welt«, witzelte Holly.

»Nein, nein, ich habe mich vor ein paar Monaten getrennt.«

»Oh, tut mir Leid«, antwortete sie ehrlich. »Wart ihr lange zusammen?«

»Sieben Jahre.«

»Puh, das ist echt lange.«

Er sah weg, und Holly merkte, dass er nicht gern darüber sprach. Also wechselte sie schnell das Thema.

»Übrigens«, begann sie, senkte aber gleich die Stimme, und Daniel beugte sich näher zu ihr herüber. »Ich wollte mich noch bedanken, dass du mich damals nach dem Film so nett getröstet hast. Die meisten Männer laufen weg, wenn sie eine Frau weinen sehen. Danke, dass du das nicht getan hast, ich weiß es wirklich zu schätzen.« Holly lächelte ihn an.

»Gern geschehen, Holly. Ich mag es halt nicht, wenn es dir schlecht geht.« Daniel erwiderte ihr Lächeln.

»Du bist ein echt guter Freund«, sagte Holly, mehr zu sich selbst.

Daniel schien sich darüber zu freuen. »Wie wäre es, wenn wir zusammen noch mal was trinken gehen, ehe du wegfährst?«

»Ja, vielleicht erfahre ich dann auch mal was über dich, wo du inzwischen schon meine gesamte Lebensgeschichte kennst«, lachte Holly.

»Ja, das wäre schön«, stimmte Daniel zu, und sie vereinbarten gleich einen Termin.

»O, hast du Ciara eigentlich schon dein Geschenk gegeben?«, fragte Holly.

»Nein, sie war immer so … so beschäftigt.«

Holly drehte sich zu ihrer Schwester um und sah, dass sie mit einem von Declans Freunden flirtete, was Declan offenbar gar nicht gefiel. Holly lachte – es war wohl doch nicht so weit her mit ihrem Plan, Daniel zu heiraten.

»Ich hole sie, ja?«

»Nur zu«, ermunterte sie Daniel.

»Ciara!«, rief Holly. »Hier ist noch ein Geschenk für dich!«

»Ooh!« Ciara stieß einen Jubelschrei aus und ließ den sehr enttäuscht wirkenden jungen Mann einfach stehen.

»Was ist es?«, fragte sie und ließ sich neben Holly und Daniel ins Gras sinken.

Holly nickte Daniel zu. »Von ihm.«

Aufgeregt wandte sich Ciara ihm zu.

»Ich hab mich gefragt, ob du vielleicht den Job als Barfrau im Club Diva möchtest?«

Ciara war sprachlos. Aber nur eine Sekunde. »O Daniel, das wäre super!«

»Hast du schon mal am Tresen gearbeitet?«

»Ja, schon oft«, antwortete sie mit einer wegwerfenden Handbewegung.

Daniel zog die Brauen hoch; er wollte gern etwas ausführlichere Informationen.

»O, ich hab schon in fast allen Ländern, in denen ich war, an der Bar gearbeitet, ehrlich!«, beteuerte sie aufgeregt.

»Dann glaubst du also, du wärst dazu in der Lage«, fragte Daniel und lächelte.

»Na klar!«, kreischte sie und schloss ihn in die Arme.

Ihr ist jede Ausrede recht, dachte Holly, während sie zusah, wie ihre Schwester Daniel praktisch erwürgte. Er wurde schon ganz rot im Gesicht und gab Holly SOS-Zeichen.

»Das reicht, Ciara«, meinte Holly, während sie Daniel befreite. »Du willst deinen neuen Chef doch nicht gleich umbringen.«

»O, tut mir Leid«, lenkte Ciara sofort ein. »Aber das ist soo cool! Ich habe einen Job, Holly!« Schon kreischte sie wieder los.

»Ja, ich hab es gehört«, lachte Holly.

Auf einmal wurde es ganz still im Garten, und Holly sah sich um. Was war los? Alle schauten zum Wintergarten hinüber, in dessen Tür Hollys Eltern mit einer großen Geburtstagstorte erschienen waren und begannen, Happy Birthday zu singen. Die Gäste stimmten ein, und Ciara sonnte sich in der allgemeinen Aufmerksamkeit. Als ihre Eltern ins Freie traten, sah Holly, dass jemand ihnen mit einem großen Blumenstrauß folgte. Die Torte wurde vor Ciara auf den Tisch gestellt, und nun kam der Fremde hinter seinem Bouquet hervor.

»Mathew!«, japste Ciara und wurde kreidebleich. Holly nahm schnell ihre Hand.

»Tut mir Leid, dass ich mich so blöd benommen habe, Ciara«, sagte Mathew mit einem unverkennbaren australischen Akzent. Ein paar von Declans Freunden lachten; offenbar war es ihnen peinlich, wenn jemand seine Gefühle aussprach. Natürlich war die Szene wie aus einer Daily Soap, aber genau das mochte Ciara.

»Ich liebe dich! Bitte lass mich zu dir zurückkommen!«, fuhr Mathew unbeirrt fort, und nun wandten sich wieder alle Blicke Ciara zu. Was würde sie antworten?

Einen Moment saß sie regungslos und mit zitternder Unterlippe im Gras, dann sprang sie plötzlich auf, rannte auf Mathew zu, schlang die Arme um seinen Hals und die Beine um seine Taille. Holly traten Tränen der Rührung in die Augen, während Declan seine Kamera ergriff und die Szene für die Nachwelt festhielt.

Daniel legte den Arm um Hollys Schulter und drückte sie. »Tut mir Leid, Daniel«, sagte Holly und wischte sich die Tränen weg. »Aber ich fürchte, sie hat dich gerade abserviert.«

»Macht nichts«, lachte er. »Man sollte Job und Privatvergnügen sowieso lieber auseinander halten.« Genau genommen machte er einen erleichterten Eindruck.

Mathew wirbelte Ciara in seinen Armen herum.

»Ach, nehmt euch doch ein Hotelzimmer, dann seid ihr ungestört!«, rief Declan, und alles lachte.


»Wir fahren mit Holly in Urlaub!«, sangen die Freundinnen den ganzen Weg bis zum Flughafen. John hatte seine Fahrdienste angeboten, aber inzwischen bereute er es schon. Die drei Frauen benahmen sich, als hätten sie noch nie das Land verlassen. Holly kam es vor wie eine Ewigkeit, seit sie sich das letzte Mal so auf etwas gefreut hatte. Sie hatte das Gefühl, sie wäre wieder in der Schule, auf Klassenfahrt. Ihre Taschen waren voll gestopft mit Süßigkeiten, Schokolade und Zeitschriften, und sie konnten einfach nicht aufhören zu singen. Ihr Flug ging erst um neun Uhr abends, und sie würden in den frühen Morgenstunden ihr Quartier erreichen.

Als sie am Flughafen waren, kletterten alle aus dem Auto, während John die Koffer aus dem Kofferraum hievte. Denise rannte über die Straße in die Wartehalle, als würde dadurch irgendetwas schneller gehen, aber Holly wartete neben dem Wagen, während Sharon sich von ihrem Mann verabschiedete.

»Du passt gut auf dich auf, ja?«, sagte er besorgt. »Dass du mir keine Dummheiten machst da unten.«

»Natürlich passe ich auf mich auf, John.«

Er flüsterte ihr etwas ins Ohr, und sie nickte. »Ich weiß, ich weiß.«

Dann küssten sie sich lange zum Abschied, und während Holly sie beobachtete, wühlte sie im vorderen Fach ihrer Handtasche nach dem Augustbrief von Gerry. Sie würde ihn am Strand aufmachen. Was für ein Luxus. Sonne, Sand, Meer und Gerry, alles gleichzeitig.

»Holly, pass bitte gut auf meine wundervolle Frau auf, ja?«, rief John und holte Holly damit aus ihren Gedanken.

»Mach ich, John. Wir sind aber nur eine Woche weg, weißt du«, lachte Holly und drückte John an sich.

»Ich weiß, aber nachdem ich gesehen habe, was ihr so treibt, wenn ihr zusammen weggeht, mache ich mir schon ein bisschen Sorgen.« Er lächelte. »Viel Spaß, Holly, du hast es wirklich verdient.«

John sah ihnen nach, wie sie ihr Gepäck über die Straße schleiften.

Als sich die Flughafentür hinter ihnen geschlossen hatte, holte Holly erst einmal tief Luft. Sie liebte Flughäfen, den Geruch, den Lärm, die ganze Atmosphäre, Leute in Aufbruchstimmung oder bei der Heimkehr. Sie sah gern zu, wie die frisch Angekommenen von ihren Familien jubelnd begrüßt und umarmt wurden. Überhaupt war es der perfekte Ort, um Menschen zu beobachten. In Flughäfen spürte man die Aufregung, die Vorfreude darauf, bald etwas ganz Besonderes zu erleben. Am Gate in der Schlange zu stehen, kam ihr immer vor, als wartete sie im Vergnügungspark auf die Achterbahn. Sie fühlte sich wie ein kleines Mädchen.

Sie folgte Sharon, und nach einer Weile fanden sie Denise beim Check-in in einer extrem langen Schlange.

»Ich hab euch doch gesagt, wir hätten früher da sein sollen«, stöhnte Denise.

»Aber dann hätten wir am Gate ewig warten müssen«, gab Holly zu bedenken.

»Ja, aber da gibt’s wenigstens eine Bar«, entgegnete Denise. »Außerdem ist es der einzige Platz in diesem ganzen blöden Gebäude, wo man rauchen kann.«

»Also«, begann Sharon mit ernster Miene, »ich will euch beiden mal was sagen, gleich jetzt, bevor wir losfliegen: Ich werde mich weder sinnlos besaufen noch mir die Nächte um die Ohren schlagen. Ich möchte mich einfach nur am Pool oder am Strand mit meinem Buch entspannen, gut essen und früh schlafen gehen.«

Voller Entsetzen starrte Denise sie an. »Können wir jemand anders mitnehmen, Holly?«

Holly lachte. »Nein, ich stimme Sharon völlig zu. Ich will auch nur entspannen. Keinerlei Freizeit-Stress.«

Denise schmollte wie ein kleines Mädchen.

»Ach, keine Sorge, Schätzchen«, meinte Sharon leise. »Da gibt’s bestimmt andere Kinder in deinem Alter, mit denen du spielen kannst.«

Denise zeigte ihr den erhobenen Mittelfinger. »Wenn wir da sind, werde ich jedenfalls allen erzählen, dass meine beiden Freundinnen furchtbare Langweiler sind.«

Sharon und Holly kicherten.

Nach dreißig Minuten in der Schlange konnten sie endlich einchecken, und danach deckte Denise sich für ein ganzes Leben mit Zigaretten ein.

»Warum starrt die Tussi da drüben mich so an?«, fragte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen und musterte dabei eine junge Frau am Ende der Bar.

»Wahrscheinlich, weil du sie anstarrst«, antwortete Sharon und blickte auf ihre Armbanduhr. »Nur noch fünfzehn Minuten.«

»Nein, mal ehrlich, Leute«, Denise drehte sich zu ihnen um. »Das ist kein Verfolgungswahn, sie starrt uns an.«

»Dann geh doch zu ihr rüber und frag sie, ob sie mit dir rausgeht, um die Sache zu regeln«, scherzte Holly, und Sharon kicherte.

»Achtung, sie tanzt an«, trällerte Denise und drehte sich weg.

Holly blickte auf und sah eine dünne blonde Frau mit Riesensilikonbrüsten auf sie zukommen. »Hol schon mal den Schlagring raus, die sieht ziemlich gefährlich aus«, neckte Holly, und diesmal wäre Sharon vor Lachen fast erstickt, weil sie gerade einen Schluck von ihrem Wasser trank.

»Hallo!«, quietschte die Frau.

»Hallo«, antwortete Sharon und bemühte sich, ein ernstes Gesicht zu machen.

»Ich wollte nicht unhöflich sein, aber ich musste einfach rüberkommen und nachsehen, ob Sie es wirklich sind!«

»Doch, ich bin es tatsächlich«, erwiderte Sharon ironisch. »Höchstpersönlich.«

»Oh, ich wusste es!«, quietschte die junge Frau wieder und hüpfte vor Aufregung auf und ab. Erwartungsgemäß bewegte sich ihr Busen nicht entsprechend. »Meine Freundinnen meinten dauernd, ich würde mich irren, aber ich wusste einfach, dass Sie es sind. Da drüben stehen sie übrigens, meine Freundinnen«, erklärte sie und zeigte zur Bar, wo die anderen vier lächelten und winkten. »Ich heiße Cindy … «

Wieder erstickte Sharon beinahe an ihrem Wasser.

» … und ich bin ein großer Fan von Ihnen.« Vor lauter Aufregung schnappte ihr fast die Stimme über. »Ich liebe eure Sendung, ich hab sie mir bestimmt schon zwanzigmal angesehen. Sie spielen die Prinzessin Holly, nicht wahr?«, fragte sie und deutete mit einem manikürten Fingernagel auf Holly.

Holly machte den Mund auf, um zu antworten, aber Cindy plapperte unbeirrt weiter.

»Und Sie ihre Kammerzofe!« Sie zeigte auf Denise. »Und Sie« – jetzt war Sharon an der Reihe – »Sie waren die Freundin der australischen Rocksängerin.«

Die Freundinnen warfen einander besorgte Blicke zu, während Cindy einen Stuhl heranzog und sich ungefragt an ihrem Tisch niederließ.

»Wissen Sie, ich bin selbst Schauspielerin … «

Denise verdrehte die Augen.

» … und ich würde furchtbar gern auch mal bei so einer Sendung mitmachen. Wann startet denn Ihr nächstes Projekt?«

Holly machte wieder den Mund auf, um zu erklären, dass sie keine Schauspielerinnen waren, aber Denise kam ihr zuvor.

»Oh, wir stehen noch in Verhandlungen«, log sie munter.

»Fantastisch!« Cindy klatschte vor Begeisterung in die Hände. »Worum geht es?«

»Im Moment können wir noch keine näheren Auskünfte darüber geben, aber wir müssen zum Dreh auf jeden Fall nach Hollywood.«

Cindy sah aus, als drohe ihr eine Herzattacke. »O mein Gott! Wer ist denn Ihr Agent?«

»Frankie«, mischte sich jetzt auch Sharon ein. »Frankie goes mit uns allen to Hollywood.«

Holly prustete los.

»Achten Sie nicht auf Prinzessin Holly, Cindy, sie ist vor Flugreisen immer so aufgeregt«, winkte Denise ab.

»Kein Wunder!« Cindy warf einen Blick auf Denises Bordkarte, die auf dem Tisch lag, und brach nun endgültig fast zusammen. »Nein, Sie fliegen doch nicht etwa auch nach Lanzarote?!«

Sofort packte Denise die Bordkarte und stopfte sie in ihre Handtasche – als könnte das jetzt noch etwas ändern.

»Da wollen ich und meine Freundinnen auch hin. Die da drüben.« Wieder drehte sie sich zu ihnen um, winkte ihnen zu, und sie winkten zurück. »Wir wohnen in einem Hotel namens Costa Palma Palace. Und Sie?«

Holly schluckte. »Ich erinnere mich gar nicht mehr an den Namen, ihr vielleicht?« Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie Sharon und Denise an.

Auch die beiden schüttelten heftig die Köpfe.

»Na, macht ja nichts«, meinte Cindy und zuckte fröhlich die Achseln. »Bei der Landung sehen wir uns bestimmt. Aber jetzt geh ich mal lieber an Bord, sonst fliegt das Flugzeug noch ohne mich ab!« Inzwischen starrten die Leute von den Nachbartischen unverhohlen zu ihnen herüber, aber Cindy achtete nicht darauf, umarmte die Freundinnen eine nach der anderen und stolzierte dann zu ihrer Gruppe zurück.

»Sieht aus, als müssten wir die Schlagringe doch noch auspacken«, meinte Holly unglücklich.

»Ach was«, munterte Sharon sie auf. »Wir ignorieren sie einfach.«

Sie standen auf und gingen zum Gate hinüber. Beim Einsteigen hechtete Holly sofort auf den Sitz am Fenster, und Sharon ließ sich rasch neben ihr nieder. Denise fiel das Gesicht herunter, als sie merkte, wen sie als Nachbarin haben würde.

»O, das ist ja fabelhaft! Wir sitzen nebeneinander!«, quietschte Cindy.

Denise warf Sharon und Holly einen bösen Blick zu und ließ sich resigniert neben Cindy auf ihren Platz plumpsen.

»Siehst du? Ich hab dir doch gesagt, du findest bestimmt eine Freundin zum Spielen«, kicherte Sharon, und auch Holly konnte nicht länger an sich halten.

P.S. Ich liebe Dich
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