Jemand reichte mir einen Brandy, um »nach dem Frühstück die Schotten dicht zu machen«. Ich hatte bisher nur einen Kaffee gefrühstückt, aber ich nahm einen Schluck aus dem Flachmann und reichte ihn zurück.
Ich ging auf den Hügel und winkte den einsetzenden Verkehr weiter. Ich trug nicht wirklich Uniform. Kein Hemd, keine Krawatte, nur eine schwarze Hose und einen schwarzen Pullover unter meiner Splitterschutzweste, auf der in gelben Lettern »Police« stand. Ich trug meine Uniformmütze und fuchtelte mit einer Sterling-Maschinenpistole herum, die mit einem 25-Schuss-Magazin geladen war, dieselbe Waffe, mit der ich den Angriff in der Coronation Road abgewehrt und mir so einen Orden und eine Einladung in den Buckingham Palace eingehandelt hatte.
Ich spielte mit der Waffe herum, um mir nicht die Verwüstung ein Stück weiter unten ansehen zu müssen. Jeder versuchte sich irgendwie abzulenken. Einer pfiff, zwei andere unterhielten sich über Fußball, auch ein Weg, um sich nicht mit der Gegenwart befassen zu müssen. »Wir haben mit unserer Zeit was Besseres zu tun, als den Verkehr zu regeln«, brummte Matty zu Crabbie; bei mir brauchte er damit nicht ankommen, das wusste er.
»Du tust, was man dir sagt, und Schluss«, fertigte Crabbie ihn ab, trank als guter Freier Presbyterianer nichts und reichte mir den Brandy zurück. Ich schüttelte den Kopf und ging die Straße entlang zu der Stelle, wo eine tote Kuh im Straßengraben lag. Zu Tode gekommen durch die Druckwelle oder herumfliegende Teile. Ich sah ins Tal hinab. Die Suchscheinwerfer des Helikopters tasteten im Morgengrauen noch immer den Tatort ab, obwohl niemand mehr vermisst wurde. Die Opfer waren gezählt: die Toten, die im Sterben Liegenden, die wie durch ein Wunder Davongekommenen. Ich zündete mir eine Marlboro an und sog den Qualm des guten, verlässlichen amerikanischen Tabaks ein. Er tröstete mich. Ich setzte mich auf einen Baumstumpf und sah zu, wie die intensiven, weißglühenden Scheinwerfer des Helikopters über pulverisierte Ziegel und Steine wanderten, über die eingeschlagenen Gasbetonsteine, die Autos, die wie ausgeweidet wirkten. Ich beobachtete, wie die Rotoren Funken, Papierfetzen und Staub in riesigen gegenläufigen Spiralen in den Himmel zogen.
Auch das spendete mir Trost, und ich hatte das Gefühl, dass etwas getan wurde. Eine halbe Stunde verstrich, dann breitete sich langsam die Dämmerung über der Landschaft aus, und der Hubschrauber drehte nach links ab und flog zurück zum Armeeflughafen Aldergrove.
Ich konnte nun das ganze Ausmaß der Zerstörung sehen, die über das Revier der Ballycoley RUC hereingebrochen war.
Es war ein ländliches Polizeirevier. Eine nicht sonderlich massive Ziegelmauer umgrenzte das Gelände, weshalb gerade dieses Revier für den Angriff ausgesucht worden war. Das Hauptgebäude selbst lag in Schutt und Asche, der hintere Anbau aus Wohncontainern lag auf halber Höhe des nächstgelegenen Hügels. Ein Großteil der umliegenden Häuser war zerstört worden, ein Teil der Eisenbahnstrecke beschädigt, das Umspannwerk lag in Trümmern. Die Verluste unter der Zivilbevölkerung waren erstaunlich niedrig.
Nachdem die Wessex davongeflogen war, wurde es im Tal ruhiger.
Polizisten unterhielten sich miteinander, Funkgeräte knisterten, Generatoren summten, und ein riesiger gelber Bagger krallte sich in den Schutt wie ein Brachiosaurus, der sich über sein totes Junges beugt.
Ich kehrte zu den anderen Beamten zurück, wir teilten uns Zigaretten und hielten einen Milchwagen an, erklärten dem verwirrten Fahrer, was passiert war, und schickten ihn zurück. »Es hat einen Zwischenfall gegeben, die Straße ist bis auf Weiteres gesperrt. Du wirst dir einen anderen Weg suchen müssen, Kumpel.«
»Was ist denn passiert?«
»Ein Bombenangriff auf das Polizeirevier da hinten in den frühen Morgenstunden.«
»Und, gibt es Tote?«
»Aye. Vier.«
Der Fahrer nickte und wendete. Ballycoley RUC lag nur sechs Meilen von Carrickfergus entfernt, aber ich kannte keines der Opfer. Zwei Polizisten, der Fahrer des Bombenfahrzeugs und eine Zivilistin. Eine Witwe, die auf der anderen Straßenseite wohnte und offenbar von ihren eigenen zerschmetterten Schlafzimmerfenstern ums Leben gebracht worden war.
Matty gähnte. »Wie lange sollen wir hier denn noch rumstehen wie die Idioten, Sean?«, fragte er.
Ich schüttelte den Kopf. »Ich geh mal runter und frage nach.«
Ich stieg den schlammigen Hang hinunter zum Gelände des Reviers.
Es roch süßlich nach Kordit, Sägemehl, Blut und Diesel, der aus dem mobilen Generator sickerte. Nachdem die Rettungsmannschaften abgezogen waren, sammelten nun die Spurensicherer in ihren weißen Overalls Material und machten Fotos.
Ich fand den diensthabenden Beamten und stellte mich vor.
»Detective Inspector Duffy, Carrickfergus RUC«, sagte ich.
»Detective Chief Superintendent McClure, Special Branch«, antwortete er und reichte mir die Hand. Ich schüttelte sie. Sein Händedruck war noch kraftloser als meiner. Wir waren beide erschöpft. McClure war ein grauhaariger Mann mit grauem Schnauzer und schwarzen Augenbrauen, etwa fünfzig, Linkshänder. Er rauchte eine kleine Zigarre.
»Sie haben da oben den Verkehr geregelt?«, fragte er mit leicht schottischem Einschlag.
»Aye.«
»Die lassen einen Detective Inspector den beschissenen Verkehr regeln? Wo soll das denn verdammt nochmal enden?«
»Schätze, die haben nicht genug Leute. Offenbar sind die Armeeeinheiten, die sie in East Antrim einsetzen wollten, auf dem Weg zu den Falklands«, meinte ich.
Er spuckte aus. »Verfluchte Falklands. Dämliche Schafe, mehr gibt’s da nicht. Ich weiß das, ich war schon mal da. Militärpolizei. Sie sind doch wohl nicht der Duffy, von dem Tony McIlroy andauernd quatscht, oder?«, fragte McClure.
»Tony spricht von mir?«
»Er meinte, wir sollten Sie zur Special Branch holen, er sagt, Sie sind gut.«
»Nett von ihm.«
»Ich kann den Kerl nicht leiden. Angeber.«
»Als wir gestern Nacht hier eintrafen, meinte jemand, das sei eine neue IRA-Technik?«, fragte ich, um das Thema zu wechseln.
»So ist es. Sehen Sie sich das mal an.«
Er hob das Absperrband, und ich folgte ihm über den Platz, wo früher mal das Revier gestanden hatte. Er zeigte mir, wo der Laster durch die Sperre gebrettert und dann explodiert war. »Recht beeindruckende neue Technik«, räumte er ein. »Wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen an allen Kasernen in Ulster verbessern. Offenbar ist der Mann, der den Laster fuhr, dazu gezwungen worden. Die IRA hat seine Familie als Geisel genommen, und man hat ihm gesagt, wenn er den Laster nicht direkt auf das Gelände lenken würde, würde man sie alle erschießen. Kaum hatte er die Sperre durchbrochen, hat ein anderes IRA-Team den Laster ferngezündet. Eine ziemlich große Bombe, wie Sie sehen. Vierhundertfünfzig Kilo vielleicht.«
»Haben Sie so etwas schon mal gesehen?«
»Ein Mal. Beim zweiten Mal ist es ein Handlungsmuster. Eine ziemlich verheerende neue Taktik. Unter uns gesagt, Inspector, die Oberen machen sich die Hosen voll.«
»Da wette ich. Damit ist jedes Polizeirevier in Ulster angreifbar.«
»Aye.«
»Was ist mit dem Fahrer? Auch ein Polizist?«
»Nein. Katholischer Brotauslieferer. Er hat auch die Polizei beliefert, also ist er für sie ein ›Kollaborateur‹. Er verdient sein Geld damit, Brot auszufahren, und schon ist er Kollaborateur. Das ist die Logik der heutigen Welt.«
Wir stapften durch den qualmenden Schutt, und der Chief
Superintendent hob die verschmorten Reste eines Lenkrads hoch. »Schauen Sie mal«, sagte er und zeigte mir das Plastikrad, das zu einer eindrucksvollen Spaghettiskulptur zerschmolzen war. Mir fiel ein Eisenring am Lenkrad auf. »Die scheinen ihm wohl doch nicht ganz über den Weg getraut zu haben, oder?«, sagte ich und deutete auf den Metallring.
»Wie kommen Sie darauf?«
»Sie haben den armen Kerl mit Handschellen ans Lenkrad gefesselt.«
Davey besah sich das Lenkrad und nickte. Die Sonne brannte durch die niedrigen Wolken. Ich gähnte. Die Nacht war lang gewesen. »Hören Sie, Sir, ich hab mich gefragt, ob Sie mein Team von der Verkehrsregelung abziehen könnten, ich habe im Laufe des Vormittags einen Termin im amerikanischen Konsulat und …«
»Aye, aye, ersparen Sie mir die Einzelheiten. Ziehen Sie Ihre Leute ab. Wie viele Männer haben Sie da oben?«
»Nur zwei.«
»Gut. Lassen Sie die anderen noch da. Ich kann hier unten keinen Mann entbehren.«
»Danke, Sir.«
Ich ging den Hügel hinauf und grinste Matty und Crabbie an. Ich zeigte auf Matty. »Du kannst schlafen gehen.«
»Danke, Mann.«
Dann deutete ich auf Crabbie. »Du kommst mit mir.«
Ein paar der anderen Polizisten aus Carrickfergus schauten mich erwartungsvoll an.
Ich schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, Jungs, die brauchen euch hier noch. Tut mir wirklich leid.«
Bevor es noch zu einer Meuterei kam, ließ ich Matty und McCrabban schnell in den nächststehenden Land Rover einsteigen, und wir fuhren los. Oben auf den Hügeln hatten die Trümmer der Explosion den Ginster in Brand gesteckt. Eine Flammenreihe schlängelte sich über den Gipfel davon. Wir riefen die Feuerwehr an und fuhren durch Ballyclare, Ballyeaston, Ballynure, Ballylagan und kamen schließlich nach Carrickfergus. Wir setzten Matty an seinem Haus an der Woodburn Road ab. Seine Mutter lud uns auf eine Tasse Tee herein, aber wir mussten weiter.
McCrabban und ich fuhren aufs Revier, spritzten uns Wasser ins Gesicht, schnappten uns einen Becher Instantkaffee, zogen frische Hemden an und banden uns Krawatten um.
Gerade als wir gehen wollten, lief uns der Chief über den Weg. »He, was machen Sie noch hier? Kriegen Sie Ihren Arsch endlich hoch, Sie haben um neun ein Treffen im amerikanischen Konsulat in Belfast. Zackig, zackig, Duffy. Blamieren Sie uns nicht.«
»Wir sind schon unterwegs, Sir, wir hatten erst noch in Ballycoley den Verkehr zu regeln.«
»Das ist Polizeidienst. Alle Mann an Deck. Eine Tragödie, was da passiert ist. Zwei Kollegen tot. Sie wollen sich doch nicht etwa beschweren, Duffy?«
»Nein, Sir.«
»Gut, und jetzt stehen Sie nicht rum und halten Maulaffen feil, raus mit Ihnen!«
Auf der M5 gaben wir Vollgas und ließen die Sirene aufjaulen, um es noch pünktlich zu unserem Termin zu schaffen und nicht »das Revier zu blamieren«. Wir kamen zehn Minuten zu spät.
Ein Lakai führte uns in ein sehr offizielles Besprechungszimmer mit Kronleuchter, William-Morris-Tapete und großen Fotografien von Präsident Reagan, Vizepräsident Bush und dem Außenminister Alexander Haig. Es gab einen polierten ovalen Tisch und ein Dutzend unbequem wirkender Stühle mit geraden Rückenlehnen auf einem tiefroten Teppich.
Eine Sekretärin trat ein, um zu protokollieren, ein nettes kleines Ding mit blasser Haut und grünen Augen, gefolgt von einem hageren Kerl, offensichtlich Diplomat. Er war etwa dreißig, leichenblass, spindeldürr, mit braunen Augen und einem leicht verformten Kopf. Er trug ein Tweedjackett, ein rosafarbenes Hemd und eine schwarze Krawatte. Die Aktentasche, die er bei sich hatte, stellte er vor sich auf den Tisch.
Ich warf Crabbie einen Blick zu, der ihm bedeutete, dass er das Gespräch führen sollte, und er nickte. »Detective Inspector Duffy«, stellte er uns vor, »Detective Constable McCrabban.«
»James Fallows, US-Außenministerium. Möchten die Herren vielleicht Tee oder Kaffee?«, fragte Fallows mit angenehmer Baritonstimme.
»Kaffee wäre toll«, antwortete ich. »Milch, zwei Stück Zucker.«
»Für mich Tee, bitte, keine Milch, kein Zucker«, sagte McCrabban.
Die Sekretärin legte ihren Notizblock beiseite und ging wortlos hinaus.
»Ich habe von dem Bombenangriff heute Morgen gehört. Sehr bedauerlich«, erklärte Fallows.
»Danke«, sagte Crabbie für uns beide.
»Es hat drei Tote gegeben, hieß es in den Nachrichten?«, fuhr Fallows fort.
»Vier bislang. Vier Tote am Ort des Geschehens. Zwei tote Polizisten, zwei Schwerverletzte. Der Fahrer des Lastwagens kam bei der Explosion ums Leben, eine Zivilistin starb in einem nahe gelegenen Haus«, führte ich aus.
»Ah ja, aber der Fahrer war doch sicher ein Terrorist«, entgegnete Fallows mit einem dünnen Lächeln, das mir überhaupt nicht gefiel.
»Das können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen«, erklärte McCrabban.
Die Sekretärin kehrte zurück und brachte die heißen Getränke und einen Teller mit amerikanischen Keksen herein.
Ich nahm einen Schluck von dem erstaunlich guten Kaffee und biss ein Stück Keks ab.
Von irgendwoher vernahm ich leise Musik von Aaron Copland.
»Also, kommen wir zum Dienstlichen. Offenbar ist einer unserer Landsleute, ein Mann namens William O’Rourke, ermordet worden?«
»Ja.«
»Und Sie sind sicher, dass es sich um Mord handelt?«
»Sind wir«, bestätigte Crabbie.
»Vergiftet?«
»Vergiftet, ja.«
Fallows öffnete die Aktentasche und sah sich seine Notizen an. »Ich habe noch nie etwas von diesem ›Abrin‹ gehört – ziemlich selten, richtig?«
»Äußerst selten. Deshalb möchten wir unter anderem wissen, ob Sie uns irgendwelche Informationen zukommen lassen können, wie es mit Mr O’Rourkes gärtnerischen Kenntnissen aussah. Hatte er ein Gewächshaus, züchtete er exotische Pflanzen, hatten irgendwelche Verwandten mit so etwas zu tun?«, fragte Crabbie.
»Mir war nicht bewusst, dass Sie hergekommen sind, um Hilfe bei Ihren Untersuchungen zu erbitten«, meinte Fallows.
»Und warum sollten wir sonst hier sein?«, fragte ich.
»Ich war der Überzeugung, dass es sich um ein rein formelles Gespräch handelt.«
»Sie wollen uns doch nicht etwa Ihre Hilfe bei den Ermittlungen verweigern, oder?«, fragte ich ungläubig.
Crabbie und ich warfen uns einen Blick zu.
»Natürlich nicht«, flötete Fallows. »Sie werden die volle und umfassende Kooperation der Botschaft der Vereinigten Staaten am St. James’ Court erhalten.«
»Das hatten wir gehofft«, sagte ich. »Als Erstes scheinen die örtlichen Polizeikräfte in Newburyport gewisse Schwierigkeiten damit zu haben, uns Mr O’Rourkes Führerschein zu faxen. Offenbar erfordert das die Erlaubnis irgendeiner höheren Stelle oder so etwas. Ich bin mir nicht sicher, wo diese Verzögerung herrührt, aber ich frage mich, ob Sie …«
Mr Fallows schob einen Aktendeckel über den Tisch.
»Das können Sie behalten«, erklärte er.
In der Akte fand sich eine Fotokopie von Bill O’Rourkes Führerschein und Reisepass. Ein gutaussehender Mann, unser Bill. Schlank, gebräunt, schwarze Haare, die nur an der linken Schläfe etwas grau wurden. Intelligentes, eisernes Gesicht und dieses gewisse Etwas, das einem Respekt einflößte. Wohl das Resultat all des Schreckens, den er im Zweiten Weltkrieg erlebt hatte.
»In meiner ganzen Dienstzeit hier ist noch kein einziger Amerikaner in Nordirland ermordet worden«, sagte Fallows. »Eigentlich erstaunlich bei all dieser Gewalt.«
»Es gibt für alles ein erstes Mal«, erwiderte Crabbie. »Wir werden auch seine Dienstakte benötigen, dazu alles, was das FBI an Unterlagen hat«, fügte ich an.
»Sie verlangen eine Menge.«
»Und ich möchte, dass ein Polizist vor Ort sein Haus durchsucht und uns Bericht erstattet, was er dort gefunden hat.«
»Oh, das wird denen nicht gefallen«, rümpfte Fallows die Nase. »Das ist zu ungenau. Was denn berichten?«
»Ich brauche einen umfassenden Bericht zu seinem Haus – seinen Häusern, sollte ich wohl besser sagen –, zu seinen jüngsten finanziellen Aktivitäten, all das. Die Kollegen werden schon wissen, was zu tun ist.«
»Und ob er ein Gewächshaus hat. Wir müssen wissen, ob er eine Pflanze namens Paternostererbse in dem Gewächshaus hat«, fügte McCrabban hinzu.
»Paternostererbse?«, fragte Fallows, sah uns aber nicht in die Augen.
Ich warf McCrabban erneut einen kurzen Blick zu. Ja, er hatte es auch bemerkt. Dieser Scheißkerl hatte was zu verbergen.
»Klingelt da bei Ihnen was?«, fragte ich.
Fallows schüttelte den Kopf. »Noch nie davon gehört.«
»Sind Sie sicher?«
»Ganz sicher. Höre ich zum ersten Mal.«
»Und Ihr letzter diplomatischer Posten war nicht auf Trinidad, oder?«, fragte McCrabban.
»Nein. Sechs Jahre Kanada und jetzt hier. Warum?«
Ich lächelte und schüttelte den Kopf. »Ach, nur so.«
Wir bearbeiteten ihn noch mit ein paar Fragen, aber er gab uns nichts Verwertbares. Wir hakten noch einmal nach, damit er auch die Botschaft verstand, die Polizei in Massachusetts und das FBI um Mithilfe zu bitten, und er meinte, er wolle sehen, was er tun könne.
Draußen verschnürten wir die Akte mit einem Gummiband und gingen zum Rover. Queen’s Street war einer jener Orte, wo man nur dann Zugang zum Stadtzentrum von Belfast bekam, wenn man die stählernen Sicherheitsschranken passierte, mit denen die Straße versperrt war. Jeder einzelne Fußgänger, der nach Belfast hineinwollte, musste sich abtasten lassen, und alle Taschen wurden durchsucht, um weitere Bombenangriffe zu unterbinden. Natürlich brauchten wir Polizisten nur unsere Dienstmarken vorzuzeigen und konnten uns vorn in der Schlange einreihen.
»Gottverdammte Bullen«, murmelte jemand hinter uns in der Schlange.
»Aye«, bestätigte ein anderer. »Die glauben, ihnen gehört die Welt, verdammt.«
Als wir die Sperre hinter uns hatten, klopfte ich McCrabban auf den Rücken, was dieser große, verängstigte protestantische Schlacks hasste. »Das war eine gute Frage, Mann, Paternostererbsen haben dem dürren kleinen Scheißer einen ziemlichen Schrecken eingejagt, was?«
»Vielleicht haben die amerikanischen Kollegen vor Ort schon was in O’Rourkes Gewächshaus gefunden?«, spekulierte Crabbie und wich der Berührung aus.
»Vielleicht, Crabbie, vielleicht. Aber wie Dylan schon sagt, ›there’s something funny going on, I can just feel it in the air‹.«
»Komplikationen?«
»Brennan wird das nicht gefallen, aber ja, hört sich ganz danach an, oder?«