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Parkes, seine Männer und die beiden Kinder von Justus setzten sich in einen Toyota Previa Minivan mit getönten Seitenscheiben, fuhren durch ein Seitentor des Firmengeländes und fädelten sich in den Verkehr stadtauswärts ein. Die Rushhour hatte gerade begonnen. Es dauerte eine Weile, bis sie zu dem zweispurigen Band aus rissigem Asphalt und Schlaglöchern gelangten, das die Hauptroute zur südafrikanischen Grenze bildete, und auch dort ging es nur langsam voran. Gute anderthalb Stunden vergingen, ehe der Fahrer auf eine einfache Schotterstraße abbog, die in die flache, weite Buschlandschaft führte.

Ein paar Minuten später hob die DeHavilland Twin Otter ohne Passagiere vom Buwekuer Flugplatz ab. Nach knapp zehn Minuten Flug, keine achtzig Kilometer von Buweku entfernt, meldete der Pilot an den Tower eine Störung der Instrumente. Er werde notlanden, sagte er und erbat Informationen zu nahegelegenen Landemöglichkeiten.

Der Fluglotse zögerte. Es gab tatsächlich eine Landebahn auf der Flugroute der Twin Otter. Es war einer der vielen Flugplätze für Zwischenlandungen des Militärs, die vor dreißig Jahren von den Briten gebaut worden waren. In einem Krieg, wo der Feind jederzeit und überall im Land auftauchen konnte, wollte man in der Lage sein, die Soldaten schnellstmöglich in die Kampfgebiete zu bringen. Inzwischen waren viele dieser Flugplätze aufgegeben und überwuchert, aber die Landebahnen waren noch benutzbar, trotz allen Grüns, das aus dem Boden drängte.

Der Lotse war sich nicht sicher, ob die Lage dieser Flugplätze als Staatsgeheimnis betrachtet wurde. Andererseits wusste natürlich jeder, wo sie waren. Aber durfte man das öffentlich sagen? Bei einer Regierung, die sich auf Unvernunft und Einbildung gründete, war das schwer zu sagen.

»Es mag Landemöglichkeiten in Ihrer Nähe geben, aber ich bin nicht befugt, genauere Angaben zu machen«, sagte der Lotse äußerst vorsichtig.

Zu seiner Überraschung hörte er den Piloten laut lachen.

»Ja«, meinte der. »Ich habe auch davon gehört.«

Kurz darauf korrigierte die Twin Otter ihren Kurs und begann mit dem Landeanflug.

»Pünktlich auf die Minute«, stellte Sonny Parkes zufrieden nickend fest, als er die Twin Otter kommen sah.

Von den ursprünglichen zweitausend Metern Landebahn war noch knapp die Hälfte benutzbar, aber für dieses Flugzeug war das reichlich Platz. Es rollte schaukelnd über die bucklige Piste, beschrieb eine Hundertachtzig-Grad-Kurve und stand dann still. Es wartete mit laufenden Motoren, bis die sieben Passagiere an Bord waren, dann raste der Pilot auf dem Weg zurück, den er gekommen war, und stieg in den dämmrigen Frühabendhimmel auf. Er schwenkte nach Süden und hielt auf die Grenze Südafrikas zu, die gut sechzig Kilometer weit entfernt war.

Als der Fluglotse die Twin Otter wieder auf seinem Radar sah, war er äußerst unzufrieden mit sich. Er hatte sich leimen lassen. Das Flugzeug hatte keinerlei Probleme gehabt. Es war gelandet, um jemanden abzusetzen oder aufzunehmen. Und da es Buweku leer verlassen hatte, traf höchstwahrscheinlich Letzteres zu. In den vergangenen zwei Stunden hatte er ab und zu Nachrichten von einem Angriff auf einen Gefangenentransport gehört. Mehrere Gefangene waren noch flüchtig. Saßen vielleicht welche in diesem Flugzeug? Wer sich traute, am helllichten Tage mitten auf der Hauptverkehrsstraße von Buweku Gefangene zu befreien, schaffte es sicher auch, eine so dramatische Flucht zu organisieren. Aber damit würden sie nicht durchkommen.

Der Fluglotse, der sich persönlich gekränkt, sogar ein wenig gedemütigt fühlte, hängte sich aufgebracht ans Telefon und rief bei der Luftwaffe an.

In den Wirren nach dem Staatsstreich waren die Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Vom untersten Kadetten bis zum ranghöchsten Offizier war jedem klar, dass Ruhm und Beförderung auf ihn warteten, wenn er zur Ergreifung Patrick Tshongas oder eines seiner Komplizen beitrug. Man kannte auch den schrecklichen Preis, den sie zu zahlen hätten, wenn sie eine Gelegenheit, ihn zu fassen, verstreichen ließen. Darum waren knapp fünf Minuten nach dem Anruf vom Tower Buweku drei Abfangjäger in der Luft.

Es waren Chengdu F-7, chinesische Jagdflugzeuge, die auf der russischen MiG-21 basierten, zwanzig Jahre alte Modelle einer fünfundfünfzig Jahre alten Konstruktion und als modernes Kampfflugzeug ein armseliger Witz. Gegen einen Jäger des einundzwanzigsten Jahrhunderts wären sie so hilflos wie Klerks Tontauben. Aber die malembischen F-7 wollten es nicht mit einer RAF-Typhoon oder einer amerikanischen F-22 Raptor aufnehmen. Ihre Beute war eine unbewaffnete propellergetriebene Passagiermaschine. Und damit würden sie spielend fertig werden.

Ihre Turbojets brachten sie mit Überschallgeschwindigkeit an ihr Ziel heran. Es war keine Zeit gewesen, sie mit Raketen zu bestücken, aber sie waren mit zwei Dreißig-Millimeter-Kanonen ausgestattet. Die drei Piloten, alle in jahrelangen Kampfeinsätzen erprobt, da Malemba an dem endlosen Bürgerkrieg im Kongo beteiligt gewesen war, verständigten sich gut gelaunt über Funk. Wenn moderne Raketen nicht verfügbar waren, würden sie es auch mit dem größten Vergnügen auf die altmodische Weise erledigen.

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