Der Gejagte

 

Es wurde immer unerträglicher. Das Gift fraß sich wie loderndes Feuer durch seine Adern und rief das, was tief in ihm eingeschlossen ruhte. Zunächst hatte es sich kaum gerührt, doch ganz allmählich war es wachgerüttelt worden. Inzwischen kostete es ihn immense Kraft, es ruhig zu halten und zu unterdrücken. Es tobte in ihm, riss ihn schier auseinander und nicht zum ersten Mal kam ihm der Gedanke, dass er keine Chance mehr hatte. Sollte er nicht doch besser sofort fliehen? Natürlich würde derjenige, der das Gift gebraut hatte, wissen, wo er sich befand. War das aber nicht besser, als sich hier zu verraten?

Er schüttelte den Kopf und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Es hing nicht nur seine Existenz davon ab. Zudem gelang es ihm, die meiste Zeit das Ding in Schach zu halten. Nur jetzt gerade war es so unglaublich schwer. Er schleppte sich die letzten Stufen hinauf und spürte, wie sein Atem heiß und stoßweise austrat. Sein Blick verschleierte sich allmählich, während es in ihm raste und wütete. Er öffnete die Türe und fiel mehr ins Zimmer, als dass er ging. Seine Beine gaben nach und er kippte zu Boden. Sein Brustkorb hob und senkte sich in Sekundenschnelle. Er bekam einfach nicht genügend Luft. Er fühlte, wie sein Körper zu brennen begann. Schweiß tropfte ihm vor lauter Anstrengung und Schmerz von der Stirn. Sein Blick verklärte sich immer weiter. Er spürte, wie er die Kontrolle verlor, alles drehte sich. Er hielt sich krampfhaft an seinem Bewusstsein fest, während über ihn die nächste Schmerzenswelle hinweg raste. Sein gesamter Körper glühte, war so heiß, dass die Schweißperlen augenblicklich verdampften. Seine Augen verdrehten sich, als er auseinanderbrach. Ein Schrei der puren Qual und des Entsetzens drang aus seiner Kehle, während ein wirbelnder Nebel aufkam und ihn einhüllte. Sein Verstand wurde in die Tiefe gezogen und er verwandelte sich.

Als der Rauch sich verzogen hatte, erhob sich die Gestalt und betrachtete die Hände. Er war erwacht; zu lange eingeschlossen und darum von seinem eigentlichen Selbst abgespalten. Er erhob sich und spürte die unermessliche Kraft in sich. Ein unbändiger Drang, diese auszukosten, zu gebrauchen, zu zerstören und zu vernichten, übermannte ihn. Auf seinen Lippen lag ein kaltes Lächeln.

Plötzlich zuckte er zusammen. Sein Gesicht verzog sich. Er spürte, wie etwas versuchte, wieder an die Oberfläche zu gelangen. Seine schwarzen Augen verdrehten sich, als er erneut vom wirbelnden Nebel ergriffen wurde und ohnmächtig auf den Boden prallte. Er hatte sich zurückverwandelt, war wieder er selbst. Die Kreatur zurück gedrängt, doch wie lange würde sie dort bleiben?