Der Gejagte

 

Er schlug mit der Faust gegen die Wand, dass der Verputz herab rieselte und ein Loch zurückblieb. Es war alles schiefgegangen und es war allein seine Schuld. Wie hatte er nur so dumm sein können?! Er lehnte sich an die Wand und starrte mit rasendem Herzen gen Decke, während vor ihm die Bilder noch einmal abliefen.

Er hatte ihn gespürt. Starke Dämonen waren in der Lage, ihre Energie auf ein Minimales zu senken, so dass sie unentdeckt blieben. Da er diesen eindeutig gespürt hatte, schien er zu der schwächeren Sorte gehört zu haben.

Er war zu ihm geeilt und hatte ihn dabei überrascht, wie er mit lodernden Flammen die Botschaft in die Wand brannte. Der Dämon hatte sich zu ihm umgedreht und ihn herausfordernd angegrinst. Da war ihm alles klar geworden, doch zu spät. Er hatte den Dämon gepackt; all die angestaute Wut und der Hass waren in ihm hochgekocht. Seine Hand hatte sich wie von selbst um den dürren Hals der Kreatur gelegt und zugedrückt. Es hatte ihm dennoch einfach nicht gelingen wollen, ihm dieses verdammte Lachen aus dem Gesicht zu wischen. Und das war sein Fehler gewesen. Er hatte sich von seiner Wut mitreißen lassen, war unvorsichtig geworden und hatte nicht länger nachgedacht. Alles, was von Bedeutung gewesen war, war, diesen Dämon zu vernichten, ihn in Stücke zu zerreißen… Dabei hatte er nicht bemerkt, wie die Kreatur seinen Schatten von sich gelöst hatte. Der war hinter ihn gekrochen, hatte sich aufgebäumt und seine Zähne in ihn geschlagen. Er hatte es sofort gespürt, das heiße glühende Gift, das sich durch seine Adern brannte. Es war ihm schlagartig klar gewesen: Er war markiert worden! Mit einem Flammenzauber hatte er den Dämon getötet, der daraufhin zu einem schwarzen Haufen geschmolzen war. Seine Hoffnung hatte sich in diesem Moment zerschlagen. Natürlich war nicht der Dämon es gewesen, der den Trank gebraut hatte, sonst hätte er es nicht mehr in sich spüren können, die heiße Substanz, die das lang Unterdrückte in ihm wachzurufen begann. Denn durch dessen Tod wäre der Effekt sofort verschwunden. Er hatte sich umgesehen, doch niemand außer ihm war dort gewesen.

Sein Herz jagte erneut, während sein Verstand zu rasen schien. Er konnte nicht mehr fliehen. Dafür war es jetzt zu spät. Dank des Trankes wussten sie nun immer, wo er war. Es gab nur eine Möglichkeit: Denjenigen zu finden, der die Substanz gebraut hatte und schnellstmöglich vernichten. Danach würde er verschwinden. Wieder mal. Er musste sich beeilen und hatte keine Ahnung, wo er suchen sollte. Er hoffte nur, dass er lang genug gegen das Ding in sich ankam. Er würde nach einigen Zaubern suchen müssen und am besten auch trainieren, damit er überhaupt eine Chance hatte. Er drückte sich von der Wand und eilte den Flur entlang.