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Als sie in der Notaufnahme ankamen, zeigte der Arzt Timms gerade die Röntgenbilder von seinem Arm, den, so hatte Cullen gesagt, Merilee über ihrem Bein zerbrochen hatte wie einen Stock. Er hatte Glück gehabt. Der Knochen war an zwei Stellen gebrochen, aber es waren glatte Brüche. Eine Operation war nicht nötig, und Timms musste auch nicht im Krankenhaus bleiben.

Timms war froh, sie zu sehen. Sogar Cullen. Entweder hatten die Männer sich während des Kampfes schätzen gelernt, oder er war mit genug Percodan im Blut ein viel umgänglicherer Mensch. Doch dann konnte auch er seine große Klappe nicht halten und fragte, wie es ihrem Kopf gehe und ob sie sich nicht lieber behandeln lassen sollte.

Der Arzt, ein junger Typ mit sehr kurzen Haaren und mit Ohrlöchern, in denen er aber im Moment nichts trug, wollte eine CT machen. Sie erklärte ihm, dass sich eine Heilerin bereits um ihre Verletzungen gekümmert hatte.

Was ihn allerdings nicht im Mindesten beruhigte. Dann machte Cullen weiter. Er versicherte dem Arzt, dass er die Behandlung überwacht hatte, und warf mit Ausdrücken wie „frontoparietale Region“, „Scherkraft“ und „subdurales Hämatom“ um sich. Er gab sich zwar nicht als Arzt aus, aber er hatte den Jargon perfekt drauf.

Es hätte auch geklappt, wenn Timms ihn nicht eher verwirrt als misstrauisch angestarrt hätte. „Ich dachte, Sie wären ein Stripper.“

Cullen riss die Augen auf. „So ein Medizinstudium ist teuer.“

Es war nicht viel los in der Notaufnahme, daher bestand der junge Arzt auf einer CT. Anscheinend war er entschlossen, wenn nötig mit dem Schienen von Timms Arm zu warten, bis sie sich einverstanden erklärte. Cynna verlor die Beherrschung.

Ihre laute Stimme lockte einen weiteren Arzt an, älter und dunkler als der erste und viel müder. „Sie kennen da ein paar hübsche Flüche“, sagte er, „und Sie haben möglicherweise recht, was Dr. Farleys Herkunft betrifft, aber in diesem Krankenhaus sind noch andere Patienten. Seien Sie also ein bisschen leiser.“ Sie seufzte, gelobte Besserung, und er fuhr fort: „Sie wurden drüben bei Victor verletzt. Wurde dort auch die Heilung vorgenommen?“

Sie nickte und hoffte, er würde nicht fragen, wer sich ihrer angenommen hatte. Er wandte sich an den jüngeren Arzt. „Dann war es wohl Leah. Machen Sie sich keine Sorgen. Schienen Sie den Arm des Mannes.“

Leah also. Cynna prägte sich den Namen ein, doch ohne ausdrückliche Erlaubnis würde sie ihn nicht benutzen.

Cynna ging ins Wartezimmer, während der Arzt Timms Arm richtete und einen Gips anlegte. Cullen begab sich zur Herrentoilette, und sie ließ sich erleichtert auf einen leeren Stuhl sinken. Mit geschlossenen Augen vertrieb sie sich die Zeit, indem sie versuchte, die Geräusche und die Stimmen den anderen Personen im Raum zuzuordnen.

Bei dem jammernden Baby war es einfach. Es gehörte zu der korpulenten Frau ihr gegenüber, genauso wie das weinende kleine Mädchen mit den vielen Zöpfen. Die schrillen Beschwerden kamen von der dünnen alten Frau, die irgendeine Frage wegen der Versicherung klären wollte. Am anderen Ende der Stuhlreihe nieste ein alter Mann.

Sie dachte gerade darüber nach, ob sie die Kraft hätte, sich eine Cola zu holen, als sich jemand neben sie setzte. Träge hob sie die Lider, warf einen schnellen Blick auf den Neuankömmling und schloss die Augen wieder. „Medizinstudium?“

„Sehr teuer“, sagte Cullen. „Hier.“

Stirnrunzelnd sah sie auf den Becher, den er ihr entgegenhielt. „Ich bin kein Kaffeetrinker.“

„Koffein ist ein leichtes Analgetikum. Gut gegen Kopfschmerzen.“

Sie seufzte, setzte sich auf, nahm den Becher und betrachtete finster den trüben Inhalt. „Ibuprofen wirkt besser und schmeckt nicht so furchtbar.“

„Das hast du schon genommen. Ich habe drei Päckchen Zucker hineingeschüttet.“

Dann wurde es vielleicht erträglich. Und wenn es tatsächlich gegen die Kopfschmerzen half … Sie nahm einen Schluck und verzog das Gesicht. „Dass es Leute gibt, die das Zeug tatsächlich freiwillig trinken …“

„Das Elixier der Götter.“ Cullen nippte an seinem eigenen Becher. „Obwohl dieses spezielle Gebräu wohl eher für unbedeutendere Gottheiten bestimmt ist. Sehr unbedeutend. Was diesen Heilzauber betrifft …“

„Herrje, Cullen, nicht jetzt.“

„Vielleicht kann ich etwas daraus lernen, was uns mit Rules Dämonengift helfen könnte.“

„Hä?“, fragte sie schlauerweise.

„Rules Wunde heilt nicht. Dein Zauber blockiert nicht nur den Schmerz, sondern auch die Heilung. Einen Versuch ist es wert.“

Sie dachte darüber nach oder versuchte es zumindest. Das Koffein zeigte noch keine Wirkung. „Du glaubst, du kannst den Zauber umkehren, um den Heilungsprozess bei ihm neu zu starten?“

„Vielleicht. Oder ich verstehe besser, wie das Gift wirkt, wenn ich sehe, wie der Zauber funktioniert. Darf ich das kilingo für den Zauber sehen?“

Kaum jemand kannte die richtigen Begriffe für Msaidizi-Magie. Er schon. Er wusste auch, dass sie eine shetanni rakibu gewesen war, eine Dämonenreiterin, und er hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, was das bedeutete.

Sie wollte, dass er sie allein ließ. „Hast du vergessen, dass ich den Zauber nicht anwenden darf? Wenn er inaktiv ist, wirst du nichts sehen.“

„Die Rhej wusste nichts von dem Zauber, als sie dich heilte, also muss die Wirkung sehr klein sein, wenn die Energie nicht voll aufgedreht ist. Gib nur so viel hinein, dass ich sehen kann, wie er funktioniert.“

Sie biss sich auf die Lippen. Sie wollte Rule helfen, aber sie fand die Situation seltsam intim. „Okay, aber versuch deine Leidenschaft zu zügeln. Ich muss meinen Pullover hochziehen.“

„Prima“, murmelte er.

Sie war sicher, dass es eine mechanische Antwort gewesen war. Mit Frauen zu flirten war für Lupi wie Bitte und Danke sagen – eine einfache Geste der Höflichkeit. Cullen wollte zwar vielleicht gern Sex mit ihr, aber seine wahre Leidenschaft galt der Magie. „Er ist auf meinem Bauch. Hier, über meinem Bauchnabel.“ Sie zeigte ihm die Umrisse des Zaubers und ließ über ihren Finger ein wenig Energie hineinfließen.

Ah, es wurde besser. Der Zauber wirkte zwar nur schwach, aber er half.

Er beugte sich tiefer und legte den Kopf schief, als er ihren Bauch prüfend betrachtete. „Dieser Teil“, er fuhr mit den Fingerspitzen über ihren Bauch, „sieht vielversprechend aus. Ich nehme an, du hast einen Zauber umgewandelt, der ursprünglich mit physischen Komponenten gearbeitet hat?“

„Ja, das stimmt.“ Wow. Jetzt, da ihr Kopf nicht mehr wehtat, spielten ihre Hormone verrückt. Und sie waren begeistert. Seine Berührung hinterließ Hitze. Echte Hitze, nicht nur die sexuelle.

Moment mal. Ihre Kopfschmerzen waren weg. Vollständig.

„Das sieht aus wie die signa für Majoran.“

„Das ist es auch.“ Sie hatte ihre Energie kaum angezapft. Konnte ein Zauber besser werden, wenn man ihn oft anwendete? Sich irgendwie anpassen? „Der Zauber hat vier Phasen, für jede Mondphase eine. Es dauert einen Monat, um ihn herzustellen. Ich bin gerade letzten Monat fertig geworden.“

„Hm.“ Er zog seine Hand zurück, und sie schob ihren Pullover wieder über ihre merkwürdig warme Haut. Dann sah er ihr in die Augen und lächelte, und auf einmal war auch dort Hitze. „Ich kann gut mit Feuer umgehen“, sagte er leise. „Was bedeutet, dass ich auch seinen sanfteren Verwandten zum Leben erwecken kann. Durch Berührung.“

Wollte er damit sagen, dass er … oh ja, das wollte er. „Magische Hände?“

„Schade, dass ich dir nicht genauer zeigen kann, was ich meine, aber …“ Er nahm ihre Hand und legte sie in seinen Schoß. Allein das war schon interessant. Dann malte er langsam mit einem Finger einen Kreis auf ihre Handfläche … und sie spürte Hitze. „Das ist nur eine Kostprobe“, sagte er, und sein Lächeln wurde anzüglich.

Er dachte an andere Stellen, die er mit dieser Hitze berühren konnte. Genau wie sie.

Er fuhr fort, langsam Kreise zu zeichnen. Anders als der Großteil ihres Körpers waren ihre Handflächen nackt, untätowiert. Bis zu diesem Moment hatte sie das nie für erotisch gehalten. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, die ganz trocken geworden waren. „Endorphine.“

„Endorphine?“ Seine Stimme war rau.

Sie nickte. „Besser als Koffein.“

„Wir würden tolle Endorphine zusammen machen.“ Er seufzte und legte ihre Finger über der wunderbaren Wärme in ihrer Handfläche zusammen. „Aber nicht heute Abend. Du musst diesen Zauber wieder abstellen, und die Rhej hat mir ausdrücklich zu verstehen gegeben, dass ich dich im Moment mit Sex noch in Ruhe lassen soll.“

Sie war überrascht. Sie hatte einmal mit angesehen, wie er der Rhej der Nokolai gehorcht hatte. Das war erstaunlich gewesen. Aber diese Rhej gehörte gar nicht zu seinem Clan. „Und du tust, was sie sagt?“

„Ich habe Angst um eines meiner liebsten Körperteile. Außerdem hat sie recht. Ruhe ist für dich wichtiger als Endorphine.“

Und sie musste den Zauber abstellen. Mit einem Seufzer schloss Cynna die Augen und konzentrierte sich. „He.“ Sie riss die Augen auf. „Er zieht Energie.“

„Der Zauber?“

„Ja. Er … in der kurzen Zeit hat er mehr Energie gezogen, obwohl ich das nicht erlaubt habe. Ich … aua. Mist.“ Im dem Augenblick, als sie den Energiefluss abgestellt hatte, kamen die Schmerzen umso stärker wieder.

Cullen war fasziniert. „Wo hast du diesen Zauber her?“

„Von einer Wodu-Priesterin.“

„Um Himmels willen! Wodu-Magie ist mit ihren Gottheiten verbunden. Du kannst nicht einfach die Beschwörung weglassen und erwarten …“

„Ich bin nicht blöd! Warum gehst du immer davon aus, dass ich blöd bin? Das ist ein Zauber, kein Ritus oder eine Beschwörung von ihnen. Gottheiten haben damit nichts zu tun. Sie hat ihn von ihrer Großmutter und die wiederum von ihrer. Sie hat ihn selbst angewendet.“

„Wird Friedhofsstaub dabei verwendet? Knochen?“

„Nein und nochmals nein.“

„Blutmagie?“

„Na ja, aber nur mein eigenes Blut. Herrgott, Cullen! Jede Tradition auf diesem Planeten verwendet Blutzauber.“

„Ich bin ebenfalls nicht blöd“, fuhr er sie an. „Ich selber verwende Blutzauber. Aber indem du dein eigenes Blut verwendet hast, wurde der Zauber an dich gebunden. Ich weiß nicht, wie es abläuft, wenn ein Zauber in deine Haut geschrieben wird – ja, ja, ich weiß sehr gut, dass du es mir nicht sagen wirst. Verschwiegenheitseid und dieser ganze Mist. Es ist vielleicht ein bisschen so, als würde man einen Talisman herstellen, nur dass er auf deinen Körper geschrieben ist und nicht auf einen toten Gegenstand. Der Zauber ist möglicherweise doppelt an dich gebunden, einmal durch dein Blut und dann noch einmal, als du ihn in dich aufgenommen hast.“ Er grübelte einen Moment darüber nach. „Ich muss ihn sehen. Ich muss sehen, was passiert, wenn er anfängt, Energie zu ziehen.“

Ihr Kopf pochte im Rhythmus ihres Herzschlags. „Nicht heute.“

„Nein.“ Es klang, als würde er es bedauern. „Kannst du den Zauber auf jemand anders übertragen?“

„Ich … ja. So hat man es mir beigebracht, indem der erste Zauber in meine Haut geschrieben wurde. Ich habe es noch nie selber gemacht, aber ich denke, ich wüsste, wie man es macht.“

„Das hatte ich gehofft. Wir, die Lupi, brauchen diesen Zauber. Bei einer eventuellen Operation können wir keine Narkose bekommen, weil das das Risiko eines Schocks erhöhen würde.“

Daran hatte sie nicht gedacht. „Das ist riskant. Da der Zauber Energie schluckt, könnte er die Heilung verlangsamen. Aber wir prüfen das nach, okay? Aber nicht heute Abend.“ Sie massierte vorsichtig ihren Kopf. „Da wir gerade von Heilung sprechen … Ich kann kaum glauben, dass ich wirklich einen Schädelbruch mit Impression hatte. Heiler können zwar den Körper dazu bringen, schneller zu heilen, aber Teile der Schädeldecke anheben, das können sie nicht. Ist das etwas Besonderes, was nur Rhejs können?“

Er saß breitbeinig da, hatte sich vorgebeugt und die Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt. Er legte den Kopf schief und warf ihr einen merkwürdigen Blick zu. „Du warst doch dabei, als wir das Höllentor geöffnet haben.“

Sie sah sich hastig um. Das Weinen des Babys zwei Stühle neben ihnen hatte wahrscheinlich alles übertönt, was sie gesagt hatten, aber dennoch … „Lass uns nicht darüber sprechen.“

Er richtete sich auf. „Hast du wirklich gedacht, dass drei Frauen und ein Zauberer genug Macht hätten, um das allein zu bewerkstelligen?“

„Dafür war doch der Netzknoten da. Er war zwar klein, aber das Tor war auch nicht groß.“

Er wippte unruhig mit einem Bein. „Du hast einen schlauen Verstand. Ich verstehe nicht, warum du ihn nicht öfter benutzt. Macht zu Macht, Cynna. Man braucht Macht, um Macht nutzen zu können, und wir hatten nicht genug eigene Macht, um den Knoten zu öffnen. Die Rhejs haben die Macht ihrer Clans genutzt.“

Sie war entsetzt. „Das können sie? Die Magie von anderen ziehen, um sie für sich selber zu nutzen?“

„Normalerweise tun sie das nicht, aber sie sind dazu in der Lage. Als die Rhej der Leidolf über deine Heilung gesprochen hat, sagte sie, wir seien es dir schuldig. Wir, nicht ich. Sie hat etwas von der Macht des Clans genutzt, um dich wieder zusammenzuflicken.“

Cynna fragte sich, ob jemand die Fähigkeit haben sollte, die Magie anderer Leute ohne deren Erlaubnis zu nutzen. Sie war sich ganz sicher, dass man ihr diese Art von Macht nicht in die Hand geben dürfte.

Er hörte auf, mit dem Bein zu wippen. „Haben wir schon einmal zusammen gegessen?“

„Gegessen?“

„Zu Abend. Nein“, stellte er fest und sprang auf, „haben wir nicht. Hier muss es doch eine Cafeteria oder so geben.“ Er sah sich suchend um, als hätte sie sich in einer Ecke des Wartezimmers versteckt.

„Was ist denn auf einmal in dich gefahren?“

„Hunger. So sind wir Wölfe eben. Wenn es ums Essen geht, benehmen wir uns alle, als wären wir fünf. Hast du … schon gut. Du musst etwas essen, ob du willst oder nicht.“

Nein, sie wollte nicht. „Dein Telefon klingelt.“

Verärgert blickte er auf sein Handy hinunter, das an seinem Gürtel steckte. „Ich dachte, ich hätte es ausgestellt.“

„Gehst du nicht ran?“

Er schnitt eine Grimasse, nahm es aber von seinem Gürtel ab und hielt es ans Ohr. „Ich bin hier, aber ich habe Hunger. Können wir es kurz machen?“

„Wer ist dran?“

„Lily. – Nein“, sagte er ins Telefon, „Ich habe Cynna geantwortet. Ja, abgesehen von höllischen Kopfschmerzen und ihrem ganz normalen Wahnsinn geht es ihr gut. Was ist mit …“ Er brach ab und runzelte die Stirn.

Eine dunkelhäutige Krankenschwester schob Timms in einem Rollstuhl aus dem Behandlungsraum. Cynna zog die Brauen hoch. Timms zeigte eine ganz neue Seite, die sie nicht bei ihm erwartet hätte. Er trug eine brandneue Armschlinge und einen brandneuen Gips … in Flamingorosa.

Wenn die Wirkung der Schmerzmittel nachließ, würde es ihm dreckig gehen. Sie grinste, stemmte sich hoch und winkte den beiden zu. „Hierher.“

Eine Zeitlang redeten alle durcheinander. Timms schwebte auf Percodan und war gesprächig. Er wollte über Betäubungsmittel für Dämonen sprechen. Die Krankenschwester schimpfte mit Cullen, weil der das Handy nicht ausgeschaltet hatte, deshalb ging er nach draußen. Dann knöpfte sie sich Cynna vor, fest entschlossen, irgendjemandem Timms weitere Pflege zu erläutern.

Anscheinend hatte er sich den Knöchel verstaucht, deswegen auch der Rollstuhl. Cynna schaffte es, Timms davon zu überzeugen, dass sie später über ihre Strategie der Dämonenbetäubung reden würden, hörte der Schwester zu und stopfte ein Rezept für Schmerzmittel und für Krücken und eine Liste mit Pflegeanweisungen in ihre Tasche. Die Rezepte würde sie im Krankenhaus einlösen können, aber die Krücken würden sie erst morgen bekommen, wenn die Apotheke öffnete.

Sie fragte sich gerade, ob er ihr wohl eine von seinen Schmerztabletten abgeben würde, als Cullen zurückkam.

Für einen Moment vergaßen die Schwester, die aufgebrachte alte Frau und die erschöpfte Mutter ihre Sorgen und glotzten. Wenn er einfach nur dastand, war Cullen eine Augenweide. Wenn er sich bewegte, war er wie in Form gegossene Musik.

Jetzt gerade sehr schnelle Musik. Er bewegte sich vorwärts, als müsste er eigentlich schon woanders sein, und blieb dann mit sorgenvoller Miene vor ihr stehen. „Rule geht es schlechter. Ich fahre sofort zurück nach D.C. Wo soll ich dich absetzen?“

„Dumme Frage. Ich komme mit.“

„Du brauchst Ruhe.“

„Dann kauf mir ein Kopfkissen. Ich kann während der Fahrt schlafen.“

Er widersprach nicht. Das machte ihr Sorgen. „Was ist mit ihm?“

Timms blinzelte benommen zu ihnen hoch. „Sie haben meine Waffen. Ich komme am besten auch mit.“

Offenbar hatte Percodan keinerlei Wirkung, was seine Prioritäten betraf. „Aber ich sitze hinten“, sagte sie.