AN BORD DES MILLENNIUM FALKEN
Ungeachtet Hans wahnwitziger Flugmanöver mit dem Falken, ungeachtet seines andauernden Gefluches und der Art und Weise, wie der Falke erbebte, wann immer die Schilde einen Treffer von der Fregatte einsteckten, die ihnen auf den Fersen war, hielt Leia ihre Aufmerksamkeit auf den Durchgang zum Korridor an der Rückseite des Cockpits gerichtet. Und als die Wände des Gangs zu glühen begannen, erhellt von einer blauschwarzen Lichtschwertklinge, die sich unmittelbar hinter der nächsten Ecke des Korridors befinden musste, sprang Leia aus ihrem Sitz, huschte vor, um neben dem Durchgang in Position zu gehen, und aktivierte ihre eigene Klinge.
Alema trat in Sicht, wieder jung und unversehrt. Sie stürmte auf Leia zu, legte ihre ganze Kraft in einen schonungslosen Angriff, in eine geradlinige, brutale Attacke ohne irgendwelche akrobatischen Sperenzchen.
Leia wich einen halben Schritt zurück, sodass der Rahmen der Cockpittür wenige Zentimeter vor ihr war. Sie blockte die erste Attacke ohne die geringste überflüssige Bewegung mit knappen Gesten ab und reckte die Waffe keinen Zentimeter weiter vor, als sie musste. um Energie zu sparen.
Außerdem streckte sie ihre Machtfühler aus - nicht nach Alema, sondern nach ihrem Ehemann. So, wie sie durch Erfahrung und gemäß ihrer Jedi-Natur seit Ewigkeiten an seine Stimmungen und Dünkel gewöhnt war. war es jetzt fast, als hätte sie ein zweites Paar Augen direkt hinter seinem Rücken, mit dem sie jede seiner Bewegungen an der Steuerkonsole des Falken vorhersehen konnte. Als er abrupt zu einem geschraubten Sinkflug ansetzte, wusste Leia bereits einen Sekundenbruchteil im Voraus, was kommen würde - genügend Vorwarnung, dass sie sich mit einer Hand am Türrahmen festhalten konnte. Alema blieb dieser Vorteil verwehrt: als das Flugmanöver begann, wurde sie aus dem Gleichgewicht gerissen, und ihr nächster Hieb grub sich zischend in den Türpfosten.
Keine der Frauen sagte etwas, doch ihre Gesichter spiegelten den Verlauf des Duells wider. Alema begann mit einem spöttischen Lächeln: nachdem sie ein Dutzend sinnloser Schläge angebracht hatte, war es verblasst und wurde von Zorn ersetzt. Leia machte sich von vornherein nicht die Mühe, ihre Besorgnis und Entschlossenheit zu verbergen: doch als Alema zorniger wurde, ließ Leia es zu, dass ein süßes, herablassendes Lächeln über ihre Züge glitt.
Alema wich verwirrt, zurück. »Wir sind jung. Ihr seid alt. Ihr werdet bald müde. Oder das Schiff, das auf Euch feuert - wer auch immer das ist -, trifft den Falken, und dann werdet Ihr mit ansehen, wie Euer Mann stirbt.«
Leia nickte zustimmend. »Ja, so etwas höre ich öfter. Mittlerweile seit über vierzig Jahren, immer dieselbe Leier. Einer der Nachteile. >alt< zu sein.«
Alemas Lippen kräuselten sich, und sie sprang erneut vor.
Alema starrte Jaina an, als könne der Zorn, der sie erfüllte, irgendwie ein Loch in die Jedi brennen. Sie nahm einen tiefen Atemzug, ein Hinweis auf die drohende Tirade, und hielt dann inne, um nach oben zu schauen.
Jaina fühlte es ebenfalls: ein plötzliches Gefühl der Zufriedenheit in der dunklen Energie dieses Ortes. Es nahm zu, schwoll an, absorbierte, labte sich ...
Labte sich an Zekk...
Jaina rang nach Luft. Sie suchte in der Macht nach Zekk, doch mit einem Mal war er nicht mehr hier, zumindest nicht in irgendeiner Form, die sie wahrnehmen konnte.
Alema lachte. »Da haben wir ihn, deinen ersten Verlust dieses Tages. Und weitere werden folgen.«
Jaina ignorierte sie und sah weiter nach oben. Zekk war irgendwo dort draußen. Er musste dort draußen sein.
Obwohl die Möglichkeit bestand, dass er jetzt ein solcher Teil von diesem Ort war, dass seine Präsenz in der Macht von der hier herrschenden Energie nicht zu unterscheiden war. Innerlich verging Jaina bei diesem Gedanken.
Als der Mynock beidrehte, um ein weiteres Mal vor Jaina vorbeizuschießen, wandte sich Alema der Jedi zu und lächelte. »Gar keine trotzige Erwiderung für uns? Wir ... « Dann erstarrte sie, und ihre Augen weiteten sich.
Jaina verspürte ein plötzliches Gefühl von Freiheit.
Irgendetwas verließ diesen Ort, etwas Dunkles und Niederträchtiges, und Alema Rar verblasste zu einer helleren Blauschattierung.
Die Twi'lek schüttelte den Kopf. »Schiff...«
Jaina sah sie an. »Schwierigkeiten? Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?«
»Schiff? Schiff?« Alema öffnete ihren Mund weit, wie um zu schreien - und verschwand dann zusammen mit dem Mynock außer Sicht.
Der Schrei drang an Jainas Ohren - schwach und fern, von weit unten.
Leia behielt die Waffe im Anschlag und ihre Konzentration aufrecht, doch es war offensichtlich - Alema wurde langsamer. Wurde müde. Bei ihrem letzten Schlagabtausch waren die vorschlaghammerartigen Hiebe der Twi'lek schwächer geworden.
Jetzt wich Alema zurück, trat einen Schritt nach hinten, öffnete ihren Mund, um eine weitere Stichelei loszuwerden - und dann riss sie mit einem Mal die Augen auf, als wäre sie hinterrücks erstochen worden. Ihr nächster Atemzug war ein Keuchen. Dann löste sie sich auf, um augenblicklich außer Sicht zu verschwinden.
Argwöhnisch suchte Leia in der Macht nach ihrer Widersacherin. Doch sie nahm niemand anderen an Bord des Falken wahr, bloß sich und Han.
Sie warf einen Blick über ihre Schulter. »Wie läuft das Gefecht?«
Hans Stimme glich einem Knurren. »Es würde besser laufen, wenn du oben an einem der Lasergeschütze wärst.«
»Nicht, bis ich die Nachricht erhalten habe, dass Alema in Ketten oder in einem Sarg liegt.«
Er knurrte wieder.
Mit Jag im Schlepptau flog der Mynock Schwarm durch einen weiteren schmalen Gang. Jags »Entführer« schwang ihn zur Seite, sodass er an dem felsigen Tunnel entlangschrammte.
Ein vorstehender Stein traf ihn in den Rücken: es tat nicht weh, sondern ließ ihn von der Wand nach oben prallen. Er richtete seine Sensoren nach vorne aus, versuchte, den nächsten Aufschlag vorherzusehen, um ihm mithilfe seines Düsenrucksacks zu entgehen. Sie hatten ihn durch - wie es schien - kilometerlange Tunnel gezerrt, hatten ihn auf jeder möglichen Oberfläche aufschlagen lassen, und es war ihm nicht gelungen, jeden Aufprall zu vermeiden - sein linker Ellbogen pochte, als wäre er verletzt oder sogar gebrochen, und sein Schädel dröhnte vom wiederholten Knallen gegen Gestein.
Sie tauchten in eine neue Kammer ein. Jags Sensoren registrierten in kurzer Distanz eine Wand, vielleicht dreißig Meter entfernt. Die Mynocks hielten auf ein Loch zu ...
Und dann waren sie verschwunden und ließen ihn allein zurück, während er auf die senkrechte steinerne Oberfläche weiter vorn zuschoss.
Er aktivierte die Schubdüsen und bremste ab, doch die Mynocks hatten sich mit hoher Geschwindigkeit bewegt. Trotz seines Bremsmanövers schlug er hart gegen die Wand. Er hörte und spürte, wie sein linkes Bein brach ... und dann wurde ihm schwarz vor Augen, als wären seine Sensoren plötzlich alle auf einmal abgeschaltet worden.
Alema erhob sich mit zitternden Beinen von der Stelle, an der sie gestürzt war. Ihre Sinne, die jetzt wieder in ihren eigenen Körper zurückgekehrt waren, nachdem sie zu viele Minuten zwischen mehreren Phantomen aufgeteilt gewesen waren, streckten sich auf der Suche nach Schiff in der Macht aus.
Schiff war ... weit weg. Schiff floh. Schiff war zufrieden.
»Komm zurück!« Sie legte ihre ganze Willenskraft in den Befehl, doch ihr Bemühen kam zu spät, und Schiff war bereits zu weit entfernt. Schiff schoss gleichgültig weiter davon.
Das war schlecht. Anstatt eine Fluchtmöglichkeit zur Hand zu haben, würde sie zur Oberfläche des Asteroiden aufsteigen müssen, an den Jedi und diesem Schwachkopf von Soldaten vor bei, der sie anführte, um das Schiff zu stehlen, mit dem sie hergekommen waren, was auch immer es war. Oder sie musste den Falken dicht genug heranlocken, um Han und Leia zu töten und mit ihrem Raumfrachter zu verschwanden. Das würde nicht einfach sein.
Sie war bereits müde. Todmüde.
Als sie in den Minenwagen kletterte, versuchte sie, ihre Machtpräsenz so klein wie möglich zu machen, damit es schwieriger war, sie zu finden. Wenigstens besaß der Wagen kein Droidenhirn, das eine Fehlfunktion haben konnte, keine Sith-Sympathien, die ihn vom Weg abbringen konnten. Alles, was er hatte, war ein Hebel mit der Beschriftung HOCH und RUNTER.
Sie schob den Hebel auf HOCH, und der Minenwagen begann, die Schienen hinaufzugleiten.
AN BORD DER GIFTMOND
»Neuer Kontakt, Captain.« Ithila schaltete die Anzeige ihrer Sensortafel auf Dicians Monitor. Das Bild, das nun zwar weniger pixelig war, aufgrund der Flugmanöver der Giftmond allerdings merklich schwankte, zeigte das Asteroidenhabitat. Ein Schiff von der Größe eines Sternenjägers tauchte unter dem Bauwerk auf und schoss sternenwärts.
Dician lehnte sich vor. So winzig das Schiff auf dem Bildschirm auch war, handelte es sich doch eindeutig um eine Sith Meditationssphäre - um das Gefährt, das Alema Rar nach Korriban gebracht hatte. Ebenso klar war, dass die Twi'lek damit die Flucht ergriff. »Alle Waffen auf die Meditationssphäre ausrichten. Auf mein Kommando
»Captain, das Schiff ist leer.«
Dician blinzelte. Sie griff in der Macht nach der Sphäre und spürte ihr Bewusstsein, ihr Verlangen ... aber keinen Passagier.
Dann befand sich Alema Rar immer noch auf dem Asteroiden. Interessant.
Sie hatte kein Glück darin, den Millenium Falken zu zerstören. Der Pilot des Raumfrachters war einfach zu gut - ein Beleg dafür, dass Han Solo tatsächlich am Steuerknüppel saß. Sein Tod wäre zwar eine große Sache gewesen, aber mehr als das Recht, damit anzugeben, hätte er ihr nicht eingebracht.
Die Meditationssphäre andererseits war etwas Greifbares, etwas, das Dician besitzen konnte, das sie behalten konnte. Damit war ihr der Neid jedes Mitglieds ihres Ordens gewiss.
Sie sah Wayniss an. »Haben sich die Shuttleteams gemeldet? Sind sämtliche Sprengladungen platziert?«
»Ja, Captain. Die große wurde soeben aktiviert und abgeliefert. Sie können sie hochjagen, wann immer Sie wollen.«
»Folgen Sie dem neuen Kontakt.« Als die Giftmond beidrehte, um den neuen Kurs aufzunehmen, fügte sie hinzu: »Sagen Sie den Shuttleteams, dass sie sich sammeln sollen, und zwar bei... Wie lautet unsere Kennung für den größten Asteroiden dieses Gürtels?«
»Omega Drei-Sieben-Neun.«
»Bei Omega Drei Sieben Neun. Wir kommen zurück, um sie einzusammeln. Wahrscheinlich.« Sie griff abermals in der Macht nach der Meditationssphäre und war dankbar dafür, sie immer noch wahrzunehmen, ein Pulsieren dunkler Energie, das auf die Methoden und Anforderungen ihres Ordens perfekt eingestellt war. »Wo willst du hin. du bezauberndes Ding?«
Sie erwartete keine Antwort, erhielt aber eine, in Form des klaren Bilds eines fernen Planeten - arktisch, bewaldet, ein bedrohliches blauweißes Auge in einem Meer aus Dunkelheit.
Ziost, die ursprüngliche Heimatwelt der Sith.
Sie schnippte mit dem Finger nach Wayniss. »Setzen Sie Kurs auf Ziost. Maximale Geschwindigkeit. Sehen wir mal, ob wir dieses kleine Kerlchen da überholen und bei seiner Ankunft in unsere Gewalt bringen können.« »Ja, Captain.«
»Und initiieren Sie die Bombenzündsequenz. kurz bevor wir in den Hyperraum eintreten.« »Ja. Captain.«
Dician lächelte. »Herzlichen Glückwunsch, Ihnen allen, zum perfekten Abschluss einer perfekten Mission.«