19
Steht ein Irrer auf
Gloucester irrte
draußen vor der Burg umher, gleich jenseits der Zugbrücke, und war
gefährlich nah daran, in den Burggraben zu taumeln. Noch immer
wütete der Sturm, und blutiger Regen rann aus den leeren
Augenhöhlen über das Gesicht des Grafen.
Drool packte den
Alten hinten an seinem Umhang und hob ihn auf wie ein kleines
Kätzchen. Gloucester wehrte sich und schlug in Panik um sich, als
hätte ihn ein Adler aufgepickt, nicht ein tumbes
Mondkalb.
»Hoooo, ruhig …«,
sagte Drool, wie man es bei einem verschreckten Pferd tun mochte.
»Ganz ruhig!«
»Schaff ihn vom Ufer
weg, und setz ihn ab, Drool«, befahl ich. »Lord Gloucester, ich
bin’s, Pocket – Lears Narr. Wir bringen Euch in Sicherheit und
verbinden Eure Wunden. Auch König Lear wird dort sein. Nehmt Drools
Hand!«
»Hinfort!«, rief der
Graf. »Euer Trost ist mir vergebens. Ich bin verloren. Meine Söhne
sind Schurken, mein Hab und Gut verwirkt. Lasst mich in den Graben
stürzen und ertrinken!«
Drool setzte den
alten Mann ab und richtete ihn auf den Burggraben aus. »Dann mal
los, Mylord!«
»Halt ihn fest,
Drool, du wurmstichiger Holzkopf!«
»Aber er hat gesagt,
ich soll ihn ertrinken lassen, und er ist ein Graf mit einer Burg
und allem, und du bist nur ein Narr, Pocket, also tu ich, was er
sagt.«
Ich trat vor, packte
Gloucester und führte ihn vom Ufer fort. »Er ist kein Graf mehr,
Dussel. Er besitzt nicht mehr als seinen Umhang, der ihn vor dem
Regen schützt, genau wie wir.«
»Er hat nichts
mehr?«, sagte Drool. »Darf ich ihm Jonglieren beibringen, damit er
Hofnarr werden kann?«
»Lass ihn uns erst in
Sicherheit bringen und dafür sorgen, dass er nicht verblutet, dann
kannst du ihm eine Lektion in Narretei erteilen.«
»Wir machen dich zum
Narren«, sagte Drool und klopfte dem Alten auf die Schulter. »Das
wird der Knaller, Mylord!«
»Ertränkt
mich!«
»Narr sein ist viel
schöner als Graf sein«, sagte Drool zu fröhlich für diesen kalten,
trostlosen Tag. »Man hat zwar keine Burg, aber man bringt die Leute
zum Lachen, und sie schenken einem Äpfel, und manchmal kann man
lachen mit den Weibern oder Schafen. Das wird der Oberknaller, echt
jetzt.«
Ich stutzte und
starrte meinen Lehrling an. »Du hast mit den Schafen
gelacht?«
Drool blickte zum
schiefergrauen Himmel auf. »Nein, ich, äh … Und manchmal essen wir
auch Kuchen, wenn Bubble welchen macht. Du wirst Bubble mögen. Die
ist toll.«
Da schien Gloucester
seine letzten Willenskräfte zu verlieren, und er ließ sich von mir
zögerlichen Schrittes durch den Ort führen. Als wir an einem langen
Holzbau vorüberkamen, der mir die Kaserne zu sein schien, hörte
ich, wie jemand meinen Namen rief. Ich blickte auf und sah Curan,
Lears Hauptmann, unter einem Vordach stehen. Er winkte uns zu sich,
und wir drückten uns mit dem Rücken an die Mauer, um dem Regen zu
entkommen.
»Ist das der Graf von
Gloucester?«, fragte Curan.
»Aye«, sagte ich. Ich
erzählte Curan, was in der Burg und draußen auf der Heide
vorgefallen war, seit wir uns zuletzt gesehen hatten.
»Bei Gottes Blut,
zwei Kriege. Cornwall tot. Wer führt jetzt unsere
Armee?«
»Die Herrin«, sagte
ich. »Haltet Euch an Regan. Der Plan bleibt derselbe.«
»Nein, bleibt er
nicht. Wir wissen nicht einmal, wer der Feind ist, ob Albany oder
Frankreich.«
»Aye, aber Euer
Vorgehen sollte dasselbe sein.«
»Ich würde einen
Monatslohn hergeben, wenn ich hinter der Klinge stehen dürfte, die
den Bastard Edmund durchbohrt.«
Bei der bloßen
Erwähnung seines Sohnes fing Gloucester wieder an zu jammern.
»Ertränkt mich! Ich will nicht länger leiden! Gebt mir Euer
Schwert, auf dass ich mich hineinstürze und meinem Elend, meiner
Schande ein Ende bereite!«
»Verzeiht!«, sagte
ich zu Curan. »Er ist eine grausame Heulsuse, seit sie ihm die
Augen ausgestochen haben.«
»Nun, vielleicht
sollte man ihn bandagieren. Bringt ihn herein! Hunter ist noch bei
uns. Er kennt sich mit dem Kantereisen aus.«
»Lasst mich diesem
Leid ein Ende machen!«, heulte Gloucester. »Ich kann die Pfeile und
Schleudern nicht mehr ertragen …«
»Mylord Gloucester!
Bitte, wenn Ihr die Freundlichkeit besäßet … und sei es bei den
verkohlten Hoden des Heiligen Georg: Schnauze!«
»Bisschen harsch,
hm?«, sagte Curan.
»Wie? Ich hab doch
›bitte‹ gesagt.«
»Trotzdem.«
»Tut mir leid,
Gloucester, alter Knabe. Schicker Hut, das.«
»Er trägt gar keinen
Hut«, sagte Curan.
»Aber er ist blind,
oder? Hättet Ihr nichts gesagt, würde er sich jetzt vielleicht über
seinen blöden Hut freuen, oder?«
Der Graf fing wieder
an zu jammern. »Meine Söhne sind Halunken, und ich habe keinen
Hut.« Er wollte noch mehr sagen, aber Drool hielt ihm den Mund mit
seiner Pranke zu.
»Danke, Kleiner.
Curan, habt Ihr was zu essen?«
»Aye, Pocket. Wir
können so viel Brot und Käse entbehren, wie ihr tragen könnt, und
ich schätze, einer meiner Männer könnte sogar eine Flasche Wein
auftreiben. Seine Lordschaft war so großzügig, uns mit reichlich
Proviant zu versorgen«, sagte Curan zu Gloucesters Gunsten. Der
alte Mann fing an, sich gegen Drool zu wehren.
»Verdammt, Curan, Ihr
habt ihn wieder aufgeregt. Seid so gut und sputet Euch! Wir müssen
Lear suchen und gen Dover ziehen.«
»Dann also gen Dover?
Ihr verbündet Euch mit Frankreich?«
»Aye, mit König Jeff,
dieser froschäugigen, äffchennamigen, frauenklauenden
Schwuchtel.«
»Dann magst du ihn
also?«
»Ach, leckt mich,
Hauptmann! Sorgt nur dafür, dass der Trupp, den Regan auf unsere
Fährte setzt, uns nicht einholt. Meutert nicht, zieht nur erst
ostwärts gegen Dover, dann südwärts weiter. Ich führe Lear gen
Süden, dann gen Osten.«
»Lass mich mitkommen,
Pocket! Der König braucht besseren Schutz als zwei Narren und einen
Blinden.«
»Der alte Ritter
Caius ist bei Lear. Ihr helft dem König am meisten, wenn Ihr seinem
Plan hier an Ort und Stelle dient.« Was nicht ganz stimmte, doch
hätte er seine Pflicht getan, wenn er seinen Kommandeur für einen
Narren hielt? Wohl kaum.
»Nun denn. Ich hol
euch was zu essen«, sagte Curan.
Als wir zu der Kate
kamen, stand Tom O’Bedlam draußen nackt im Regen und
bellte.
»Der bellende Kerl
ist nackt«, sagte Drool und huldigte dieses eine Mal nicht dem
Heiligen Sankt Offenbar, da wir ja mit einem Blinden
reisten.
»Aye, jedoch die
Frage stellt sich: Ist er nackt, weil er bellt, oder bellt er, weil
er nackt ist?«, fragte ich.
»Ich habe Hunger«,
sagte Drool, der mit dieser Frage überfordert war.
»Armer Tom, friert
und ist verflucht«, stieß Tom zwischen Hustenanfällen hervor, und
da ich ihn zum ersten Mal bei Tageslicht und fast sauber sah,
staunte ich nicht schlecht. Ohne die Schlammschicht kam mir Tom
bekannt vor. Sehr bekannt sogar. Tom O’Bedlam war in Wahrheit Edgar
von Gloucester, des Grafen legitimer Sohn.
»Tom, wieso stehst du
hier draußen?«
»Armer Tom. Der alte
Ritter Caius hat gesagt, er soll im Regen stehen, bis er sauber ist
und nicht mehr stinkt.«
»Und hat er dir auch
gesagt, dass du bellen und von dir selbst in der dritten Person
sprechen sollst?«
»Nein, das habe ich
mir selbst einfallen lassen.«
»Komm mit rein, Tom!
Geh Drool mit dem alten Knaben zur Hand!«
Tom sah Gloucester
zum ersten Mal an. Seine Augen wurden groß, und er sank auf die
Knie. »Bei aller Grausamkeit der Götter!«, sagte er. »Er ist
blind.«
Ich legte ihm meine
Hand auf die Schulter und flüsterte: »Seid standhaft, Edgar, Euer
Vater braucht Eure Hilfe.« In diesem Moment leuchteten seine Augen,
als flammte ein Funke geistiger Klarheit auf, und er nickte, erhob
sich und nahm den Grafen beim Arm. Steht ein
Irrer auf und führt den Blinden.
»Kommt, edler Herr!«,
sagte Edgar. »Tom ist verrückt, aber nicht so sehr, dass er nicht
einem Fremden in Not helfen könnte.«
»Lasst mich nur
sterben«, sagte Gloucester und versuchte, Edgar von sich zu stoßen.
»Gebt mir ein Seil, um meinen Hals zu strecken, bis mir der Atem
stockt.«
»Das hat er öfter«,
sagte ich.
Ich öffnete die Tür
und erwartete, Lear und Kent dort vorzufinden, doch die Hütte war
leer, und das Feuer war nur mehr eine Glut. »Tom, wo ist der
König?«
»Er ist mit seinem
Ritter nach Dover aufgebrochen.«
»Ohne
mich?«
»Der König wollte
unbedingt wieder in den Sturm hinaus. Der alte Ritter lässt Euch
sagen, sie seien auf dem Weg nach Dover.«
»Hier, hier, bringt
den Grafen herein!« Ich trat beiseite und ließ Edgar seinen Vater
in die Kate bugsieren. »Drool, wirf etwas Holz aufs Feuer! Wir
können nur so lange bleiben, bis wir etwas gegessen haben und
trocken sind. Wir müssen dem König hinterher!«
Drool duckte sich
durch die Tür und sah Jones auf einer Bank neben dem Feuer sitzen,
wo ich ihn zurückgelassen hatte. »Jones! Mein Freund«, rief der
Depp. Er nahm den Puppenstock und schloss ihn in die Arme. Drool
ist die Kunst der Bauchrednerei nicht recht geläufig, und obwohl
ich ihm erklärt habe, dass Jones nur durch mich spricht, hat er die
Puppe doch in sein Herz geschlossen.
»Hallo, Drool, du
dochtnasige Tranfunzel. Setz mich ab, und schür das Feuer«, sagte
Jones.
Drool steckte den
Puppenstock in seinen Gürtel und begann, am Kamin mit einem Beil
Zündholz zu schlagen, während ich das Brot und den Käse aufteilte,
den Curan uns gegeben hatten. Edgar gab sich Mühe, Gloucesters
Augen zu verbinden, und der alte Mann ließ sich immerhin so weit
herab, etwas Käse zu essen und ein wenig Wein zu trinken.
Unglücklicherweise ging der Graf durch Wein und Blutverlust von
jammervoller Trauer zu seelenerstickender Melancholie
über.
»Meine Frau hielt
mich – als sie starb – für einen Hurenbock, mein Vater glaubte, ich
sei verflucht, weil ich nicht seinem Glauben anhing, und meine
beiden Söhne sind Galgenstricke. Einen Moment lang glaubte ich,
Edmund hätte seine Unehelichkeit überwunden, indem er gut und
aufrecht war, indem er auf dem Kreuzzug gegen Ungläubige kämpfte,
doch ist er mehr noch ein Verräter als sein legitimer
Bruder.«
»Edgar ist kein
Verräter«, sagte ich zu dem alten Mann. Noch während ich es sagte,
hielt Edgar seinen Zeigefinger an die Lippen und gab mir Zeichen,
nicht weiterzusprechen. Ich nickte, um ihm zu zeigen, dass ich
verstanden hatte und seine Identität nicht preisgeben würde.
Meinetwegen sollte er Tom bleiben, wenn er wollte, vorausgesetzt,
er zog sich endlich Hosen an. »Edgar war Euch immer treu, Mylord.
Seinen Verrat hat sich der Bastard Edmund ausgedacht, um Euch zu
täuschen. Es war die Niedertracht gleich zweier Söhne, von nur
einem ausgeführt. Edgar mag nicht der schnellste Pfeil im Köcher
sein, doch ist er kein Verräter.«
Fragend zog Edgar
eine Augenbraue hoch und sah mich an. »Es ist nicht eben ein
Zeichen von Intelligenz, nackt und zitternd dazusitzen, wenn es ein
Feuer gibt und Decken, mit denen man sich bekleiden könnte, Tom«,
sagte ich.
Er stand neben seinem
Vater auf und trat ans Feuer.
»Dann bin ich es, der
Edgar verraten hat«, sagte Gloucester. »Oh, sollt es den Göttern
denn gefallen, mich ob meines Wankelmuts ins Unglück zu stürzen?
Ich habe einen guten Sohn verbannt und ihm die Hunde auf den Hals
gehetzt und alles sonst den Würmern übereignet: für diesen welken,
blinden Leib. Oh, wir sind nur nasse Säcke, die durch die Dornen
der Schicksalstonne taumeln, aus denen das Leben leckt, bis wir
schlaff in uns zusammensinken, in unsere Verzweiflung.« Der Alte
begann, mit den Armen zu rudern und sich an die Stirn zu schlagen,
peitschte sich in den Wahn, bis sich die Verbände lösten. Drool kam
zu dem alten Mann herüber und nahm ihn in die Arme, um ihn zu
beruhigen.
»Ist schon gut,
Mylord«, sagte Drool. »Ihr leckt fast überhaupt
nicht.«
»Lasst mich dies
zerbrochne Haus zerstören und in des Todes ewger Kälte modern!
Lasst mich aus diesem Jammertal entfliehen – meine Söhne verloren,
mein König gestürzt, mein Besitz enteignet – lasst mich dieser Qual
ein Ende machen!«
Da hatte er im Grunde
völlig recht.
In diesem Moment
griff der Graf nach Jones und zog ihn aus Drools Gürtel. »Leiht mir
Euer Schwert, guter Ritter!«
Edgar wollte seinen
Vater daran hindern, doch ich streckte eine Hand aus, um ihn
zurückzuhalten – mit einem Nicken hatte ich Drool bedeutet, nicht
einzugreifen.
Der alte Mann stand
auf, drückte Jones unter sein Herz, dann sank er auf den
verdreckten Boden. Ihm ging die Luft aus, und er keuchte vor
Schmerz. Mein Becher Wein stand zum Wärmen dort am Feuer, und ich
warf ihn nach Gloucesters Brust.
»Ich bin des Todes«,
krächzte der Graf und rang um Atem. »Des Lebens Blut rinnt aus mir
hervor. Begrabt meinen Leichnam auf dem Hügel über der Burg von
Gloucester! Und bittet meinen Sohn Edgar um Vergebung! Ich habe ihm
Unrecht getan.«
Wieder wollte Edgar
zu seinem Vater gehen, doch ich hielt ihn zurück. Drool musste sich
den Mund zuhalten, um nicht loszuprusten.
»Mir wird kalt, so
kalt, doch zumindest nehme ich meine Missetaten mit ins
Grab.«
»Wisst Ihr, Mylord«,
sagte ich, »was die Menschen Böses tun, überlebt sie meist, das
Gute aber steckt in ihren Knochen, wie man hört.«
»Edgar, mein Junge,
wo du auch sein magst, vergib mir, vergib mir!« Der alte Mann
rollte auf den Boden und wirkte überrascht, als das Schwert, von
dem er sich durchbohrt glaubte, zu Boden fiel. »Lear, verzeiht mir,
dass ich Euch nicht besser diente!«
»Sieh sich das mal
einer an!«, sagte ich. »Man kann sehen, wie seine schwarze Seele
von der Leiche aufsteigt.«
»Wo?«, sagte
Drool.
Ein hektischer
Zeigefinger an meinen Lippen brachte ihn zum Schweigen. »Oh, welch
grässlich Aasgeier reißen des armen Gloucesters Seele nun in
Fetzen! Oh, des Schicksals Rache überkommt ihn! Er
leidet!«
»Ich leide!«, sagte
Gloucester.
»In die tiefsten
Tiefen des Hades steigt er hinab! Um nie mehr von dort
aufzustehen.«
»Hinunter in den
Abgrund steige ich. Auf ewig ohne Licht und Wärme.«
»Oh, der kalte, kalte
Tod hat ihn geholt«, sagte ich. »Und welch ein Arsch er doch im
Leben war! Vermutlich wird er jetzt von Milliarden
stachelpimmeliger Teufel durchgefickt.«
»Der alte, einsame
Tod hat mich geholt«, sagte der Graf.
»Nein, hat er nicht«,
sagte ich.
»Bitte?«
»Ihr seid nicht
tot.«
»Dann aber bald. Ich
bin in die kalte Klinge gestürzt. Das Leben rinnt mir feucht und
klebrig durch die Finger.«
»Ihr seid auf eine
Puppe gestürzt«, sagte ich.
»Nein, bin ich nicht.
Es ist ein Schwert. Ich habe es von dem Soldaten dort
genommen.«
»Ihr habt meinem
Lehrling meinen Puppenstock geklaut. Ihr habt Euch auf eine Puppe
gestürzt.«
»Du bist ein
Schlitzohr, Pocket. Du bist nicht vertrauenswürdig und würdest
selbst noch einen Mann verspotten, der sein Leben lässt. Wo ist
dieser nackte Irre, der mir vorhin geholfen hat?«
»Ihr habt Euch auf
eine Puppe gestürzt«, sagte Edgar.
»Dann bin ich gar
nicht tot?«
»Korrekt«, sagte
ich.
»Ich habe mich auf
eine Puppe gestürzt?«
»Genau das sagte ich
gerade.«
»Du bist ein böser
kleiner Mann, Pocket.«
»Nun, Mylord, wie
fühlt Ihr Euch, nachdem Ihr von den Toten auferstanden
seid?«
Der alte Mann stand
auf und kostete den Wein an seinen Fingern. »Besser«, sagte
er.
»Gut. Dann lasst mich
Euch Edgar von Gloucester vorstellen, ehedem der nackte Irre, der
Euch nach Dover zu Eurem König bringen wird.«
»Hallo, Vater«, sagte
Edgar.
Sie umarmten sich. Es
folgte einiges Geheul und Gebettel um Vergebung, kindisches
Geknutsche, und alles in allem war das Ganze eher eklig. Ein
Augenblick stillen Schluchzens der beiden Männer verging, dann hub
der Graf erneut zu klagen an.
»O Edgar, welch
Unrecht hab ich dir getan, und keine Vergebung deinerseits kann
meine Scham mehr ungeschehen machen!«
»Himmelarsch!«, sagte
ich. »Komm schon, Drool! Wir folgen Lear nach Dover und suchen
Zuflucht bei den Froschfickern.«
»Aber der Sturm tost
nach wie vor«, sagte Edgar.
»Seit Tagen wandere
ich durch diesen Wind. Ich bin nass, und mir ist so kalt, wie einem
nur sein kann, und zweifelsohne wird mich jeden Augenblick ein
Fieber niederringen und meinen zarten Leib mit schwerer Hitze
beuteln, doch bei den muschimümmelnden Hoden der Sappho, ich werde
keine Stunde mehr dem Klagen dieser verwirrten Blindschleiche über
ihre Untaten lauschen, wenn es noch eine Unmenge Untaten zu tätigen
gilt. Carpe diem, Edgar. Carpe diem.«
»Fisch des Tages?«,
sagte der rechtmäßige Erbe der Grafschaft Gloucester.
»Ja, genau. Ich
appelliere an den Fisch dieses Scheißtages, du Vollstoffel! Ich
mochte dich lieber, als du noch Kröten gefressen und Dämonen
gesehen hast. Drool, lass ihm den halben Proviant hier, und pack
dich so warm wie möglich ein! Wir machen uns auf die Suche nach dem
König. Wir anderen sehen uns in Dover.«