22

 

»Also ich muß schon sagen«, meinte Wedge. »Ich hatte immer gedacht, ihr Boys von der imperialen Navy wärt alle TIE-Jägerpiloten. Jeder einzelne von euch.«

Sie saßen in der Sunfruit Promenade, einem weitläufigen, überdachten Innenhof, den Blumengärten säumten. Überall standen Liegestühle, und dazwischen gab es Standplätze für Musiker, die jetzt zu dieser frühen Abendstunde von Musikern männlichen und weiblichen Geschlechts sowie ein paar Droiden besetzt waren, die eine Vielzahl von Saiten- und Rhythmusinstrumenten spielten.

Die drei Hinterwäldlerbrüder waren auch da, inmitten einer wahren Flut von Mannschaftsangehörigen der Hawkbat. Die meisten davon tranken nur sporadisch und hoben sich ihr Besäufnis für den späteren Abend auf. Einige befanden sich in der Gesellschaft ortsansässiger Frauen und Männer; die Liegestühle waren so gebaut, daß man zu zweit behaglich darauf Platz fand. Aber Wedge, Face und Donos, laut und schrill, waren allein.

Der Mann, der Wedge gegenübersaß, ein langjähriger Unteroffizier der imperialen Marine, falls Wedge das auch nur einigermaßen richtig beurteilte, lächelte über Wedges Dummheit. Er war gebaut wie Kell, aber mit einem eher noch mächtigeren Brustkasten. »Jetzt überlegen Sie doch einmal, Dod – «

»Ich bin Fod. Das ist Dod. Und das ist Lod.«

»Fod. Selbst ein Sternenzerstörer der Imperialklasse trägt nur sechs Staffeln TIE-Jäger. Das sind zweiundsiebzig. Selbst wenn man die Reservepiloten mitzählt, gibt das auf einem der großen Schiffe etwa neunzig oder hundert Piloten. Meinen Sie, ein Sternenzerstörer käme mit einer Brückencrew und hundert Piloten zu Rande?«

»Nun ja, da habe ich eigentlich noch nie richtig darüber nachgedacht.«

Die Hawkbatleute in ihrer unmittelbaren Umgebung lachten.

Wedges Gesprächspartner, er hieß Rondle, blickte betrübt in sein beinahe geleertes Glas.

Face fuhr ruckartig und mit den Bewegungen eines gründlich betrunkenen Mannes in die Höhe. »Hey, so geht das nicht. Hey, Bedienung! Noch eine Runde.« Er sank wieder in seinen simulierten Rauschzustand.

Die Leute von der Hawkbat waren mehr als erfreut darüber, die Nobrinbrüder in ihrer Gesellschaft zu haben. Die Jungs von Agamar luden großzügig alle ein und schienen spitze Bemerkungen der Raumfahrer überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wedge hatte bemerkt, daß einige der Raumfahrer Begleiterinnen mitgebracht hatten, um ihnen die angeblichen Bewohner des in der ganzen Galaxis für ihre Dummheit berühmten Agamar vorzuführen. Er fühlte sich wie ein Tier in einem Käfig, das die Zoobesucher betrachteten.

Wedge fuhr fort: »Also hüpft ihr nicht einfach in eure TIE-Jäger und braust in den Weltraum, wenn es Zeit ist, nach Hause zurückzukehren?«

Rondle schmunzelte. »Nein. Ich bin Ausbilder für waffenlosen Nahkampf. Partus da drüben, das ist die mit dem roten Gesicht, ist Navigator. Das ist jemand, der dem Schiff sagt, wie es an sein Ziel kommen muß. Dewback Kord dort drüben ist Schiffsmechaniker. Nein, wenn es Zeit zum Ablegen ist, springen wir alle in ein Shuttle und fahren hinauf.«

»Ein Shuttle? Ein Lamda-Shuttle? In so etwas war ich auch einmal.«

Rondle nickte abwesend und ließ sich sein Glas von einem Kellnerdroiden nachfüllen.

»Ist euer Shuttle die Daran Star? Mit der sind wir nämlich gekommen.«

Rondle musterte ihn verständnislos. »Also, ihr seid gerade von Agamar gekommen in einem Shuttle, von dem ich nicht weiß, wie es heißt. Wenn das auch Ihr Shuttle war, wie hätten wir da vor Ihnen hier landen können?«

»Also … äh … das weiß ich nicht.«

»Nein, unsere Shuttles heißen Hawkbat’s Perch und Hawkbat’s Vigil.«

»Oh. Hey, wenn das kein Zufall ist. Zwei Shuttles, die fast genauso heißen wie euer großes Schiff.«

Rondle verdrehte die Augen und hielt sich die Hand darüber.

 

»Ich wollte, Grinder wäre hier«, sagte Phanan. Er tippte gereizt auf die Tasten des Terminals ihrer Suite.

Kell und Tyria zwängten sich hinter ihm auf einen überdimensionierten Lehnsessel, der mühelos zwei Leute von normaler Größe aufgenommen hätte. »Was ist denn los?« sagte Tyria. »Anscheinend stößt du überhaupt nicht auf irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen.«

»Nein. Aber ich kann nicht einfach das System auffordern, mir Informationen über alle Virenkombinationen zu geben, die im Institut lagern – zumindest nicht, ohne daß da irgendwo Alarm geschlagen wird. Und ich wette, Grinder könnte das. Außerdem habe ich Zimmerkollegen, die dauernd widerwärtige Kuschelgeräusche von sich geben, während ich hart arbeite.« Das klang nur teilweise scherzhaft, und man konnte Phanan anmerken, wie verstimmt er über die Wahl war, die Tyria getroffen hatte.

»Wir könnten ja einen Spaziergang machen«, schlug Kell vor.

»Ihr habt euch das Institut bereits von außen angesehen – also langsam. Nachrichtendienste. Seuchenausbrüche. Nach Mechanismen sortieren. Das ist bestimmt nicht komplett, aber es wird uns zumindest Aufschluß darüber liefern, welchen Infektionen die Bevölkerung von Storinal ausgesetzt war. Und was dort draußen war, ist sicher auch in den Lagerräumen des Instituts vorhanden.«

Tyria und Kell waren jetzt aufgestanden und sahen ihm über die Schultern.

»Bothanischer Rotlauf«, sagte Phanan. »Zu willkürlich. Außerdem könnte Grinder es sich zuziehen, und das gäbe Ärger. Bandonianische Pest, zu gefährlich. Blastonekrose dito, ebenfalls widerwärtig. Ein großer Touristenplanet wie dieser hier hat schon ein paar seltsame Krankheiten erlebt. Hey.« Er konzentrierte sich plötzlich auf eine der Eintragungen auf dem Bildschirm und vergrößerte sie, um sich im Detail zu informieren.

Kell beugte sich weiter vor. »Was ist das?«

»Das Bunkurd Kanalsyndrom.«

»Puh«, machte Tyria. »Das klingt widerwärtig.«

»Ist aber nicht so schlimm, wie es klingt. Vor ein paar Jahrhunderten hat die Bunkurd Corporation auf Coruscant ein Bakterium entwickelt, mit dem Abwässer vor dem Recycling aufbereitet werden. Etwa zwanzig Prozent Verbesserung gegenüber bisher für denselben Zweck eingesetzte Biopräparate. Und ihr könnt mir glauben, Coruscant braucht da wirklich alle Hilfe, die es kriegen kann. Aber wenn diese Bakterien in das menschliche Verdauungssystem geraten, greifen sie im Grunde genommen die Nahrung an, die Menschen zu sich nehmen, und zwar in dem Augenblick, wo sie es essen, und machen es damit weniger nahrhaft … und man bekommt davon so etwas wie eine Lebensmittelvergiftung. Die Inkubationszeit ist definierbar, die Bakterien reagieren sehr gut auf Standardheilmittel, und deshalb entsteht daraus keine Gefahr für Leib und Leben, nur in isolierten Bereichen.«

»Das klingt brauchbar«, sagte Kell. »Jetzt müssen wir uns das Zeug nur noch beschaffen.«

»Ich werde mir die Aufzeichnungen noch eine Weile ansehen, für den Fall, daß es noch etwas Besseres gibt. Aber eine Lösung wäre dieses Zeug.«

 

Das Howler war nicht gerade die Art von Lokal, wo die Bewohner von Storinal sich darum bemühten, die Aufmerksamkeit von Touristen auf sich zu lenken, die etwa über das Interesse und das dazugehörige Kapital verfügten, um sie außer Planet zu befördern. Tatsächlich handelte es sich einfach um eine ziemlich primitive Kaschemme. Die schwache Beleuchtung wirkte als eine Art Tarnung und verbarg, daß Böden und Tische nicht so sauber waren, wie sie das eigentlich sein sollten, und daß die Eingeborenen, die sich dort der Inspektion stellten, nicht alle so attraktiv waren, wie sie das selbst vielleicht hofften.

Sämtliche Wände des Lokals waren mit Holoprojektoren ausgestattet, die abwechselnd Bilder von Storinals beeindruckenden Landschaften und seiner Städte projizierten, aber die Kleidung der darauf zu sehenden Touristen deutete daraufhin, daß die meisten Aufnahmen zu einer Zeit hergestellt worden waren, als die meisten Gespenster noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt hatten.

Doch einen entscheidenden Vorteil hatte das Howler. Auf einer vom Imperium kontrollierten Welt wie Storinal, wo Nichtmenschen, wenn man ihnen überhaupt irgendwelche Bewegungsfreiheit einräumte, immer Bürger zweiter Klasse waren, machte das Howler keine Unterscheidung zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Gästen. Das einzige, worauf es den Besitzern des Lokals offensichtlich ankam, war, jeden Credit zu verdienen, den sie bei ihren Gästen lockermachen konnten.

Als Wedge und Kell eintrafen, saßen Falynn und Piggy bereits an einem der hinteren Tische, der in tiefen Schatten und gelegentliche Rauchwolken aus der Küche gehüllt war. Falynn warf einen Blick auf Wedges Outfit und fing zu lachen an.

»Das darfst du nicht mir vorwerfen«, sagte Wedge. »Das ist die Schuld von Face.« Er legte seinen Hut auf den Tisch und sagte: »Habt ihr gescannt?«

Piggy nickte. »Alles sauber.« Er hatte den Lautstärkeregler so weit heruntergedreht, daß die anderen die mechanisch klingenden Worte in Basic, die sein Grunzen überlagerten, kaum hören konnten.

»Diese Bude hier braucht mehr als nur Scannen«, sagte Kell. »Sandstrahlen würde ich sagen. Da gehören mit dem Laser die obersten fünf Millimeter jeder freiliegenden Fläche abgebrannt.«

»Ich hatte auch nicht von dem Schmutz, sondern nur von Lauschgeräten gesprochen.«

»Ich weiß.«

Wedge blickte in die Runde, aber nach der kurzen Aufmerksamkeit, die Falynns Gelächter erzeugt hatte, schien sich niemand mehr für sie zu interessieren. »Also gut. Die Hinterwäldlergruppe hat sich bereits gemeldet, und wir verfügen jetzt über Hinweise auf die Herkunft der Ladung der Hawkbat; wir werden das an den Nachrichtendienst weiterleiten. Zum zweiten hatten wir eine Art Abschiedsfeier für die Mannschaft der Hawkbat in Erwägung gezogen, um sie bei der Gelegenheit zu infizieren, haben dann aber herausgefunden, daß die Mannschaft in zwei Shuttles zwischen den beiden Schiffen und den Planeten hin und her befördert wird. Wenn wir den Erreger auf diese Shuttles bringen könnten, würden wir vermutlich ein Drittel der Mannschaft infizieren. Ich denke, am einfachsten wäre ein Erreger, der durch die Luft übertragen wird. Dann könnten wir ihn in die Luftversorgung einschleusen.«

»Durch die Luft übertragen.« Kell runzelte die Stirn und überlegte. Dann holte er sein Datapad heraus. »Ich kann mich nicht erinnern, ob Phanan gesagt hat, daß dieses BKS durch die Luft übertragen wird … Ah. Ja, das ist der Fall.«

Falynn schnitt eine Grimasse. »Bunkurd Kanalsyndrom?«

»Du kennst das?« fragte Wedge.

»Ich hatte es. Die wenigen Etablissements von Mos Eisley, die überhaupt einen Abwasserrecycler besitzen, benutzen ein Bunkurd Wiederaufbereitungssystem. Ein altes. Ein altes, häufig geflicktes und gelegentlich undichtes. Ich war eine Woche lang sterbenskrank wie eine Wompratte.« Sie schauderte bei der Erinnerung.

»Das bedeutet«, meinte Wedge, »daß die Seuchengruppe bereits einen Kandidaten hat.«

Kell nickte. »Aber für das eigentliche Eindringen möchten wir wirklich Grinder haben. Ich hatte gehofft, ihn nach Scohar mitnehmen zu können.«

»Das sollte kein Problem sein«, meinte Wedge. »Unser Liegeplatz ist ja offiziell für uns freigegeben. Das stimmt doch? Wenn du dorthin gehst, könntest du ja ein wenig am Schiff arbeiten und dann in Gesellschaft eines bothanischen Touristen wieder weggehen …«

»Immer vorausgesetzt, wir kommen beide durch die Sicherheitskontrollen.«

»Grinder wird schon einen Weg finden. Das ist für ihn eine Frage der Berufsehre. Gruppe Spritztour?«

Falynn richtete sich auf. »Nun, zunächst einmal weiß ich, wo die Hawkbatshuttles sind. Bunker Zweiundzwanzig Alpha. Ich habe den Punkt markiert, falls Kell sie hochjagen möchte oder so etwas.«

»Ich muß nicht alles in die Luft jagen, was ich sehe. Es ist nur so, daß es mir Spaß macht.«

»Und von TIE-Jägern wimmelt es geradezu. Aber es gibt eine Stelle, wo immer TIEs stehen, und zwar flugbereite: der Raumhafen. Dort werden immer vier von ihnen in Bereitschaft gehalten. Die Piloten warten in einem Bereitschaftsraum. Das sind nicht die TIEs, die sie dafür einsetzen, ankommende Schiffe zu eskortieren; ich glaube eher, sie sind für potentielle Bedrohungen gedacht. Das Problem ist nur, daß der kleine Bunker, wo man sie bereithält, einer der am besten bewachten im ganzen Hafenkomplex ist.«

»Wie gut bewacht?« wollte Wedge wissen.

»Der Bunker besitzt wenigstens zwei Sicherheitstüren, die ich sehen kann. Ich meine nicht zwei Außentüren. Eine Außentür mit einer Sicherheitsstation und ein zusätzlicher Raum mit einer zweiten Sicherheitstür innen. Vielleicht sogar noch mehr.«

»Wie kommen die TIE-Jäger heraus?«

»Ein Tor im Dach. Es ist groß genug, daß zwei gleichzeitig starten können.«

»Wie sieht es mit den Sicherheitsvorkehrungen auf diesem Dach aus?«

Sie zuckte die Achseln. »Dort oben war ich noch nicht. Ich wollte warten, bis es Nacht geworden ist.«

»Gut, tu das heute abend. Aber zuerst soll Donos seinen Laserkarabiner aus dem Schmuggelabteil holen. Ich möchte, daß er dir Feuerschutz gibt. Falls du einen Alarm auslöst – «

»Vielen Dank.«

»– kann er dir Feuerschutz liefern, damit du entkommen kannst.« Wedge überlegte kurz. »Also – wir machen das folgendermaßen: Heute nacht dringt die Seuchengruppe, unterstützt durch Grinder, in das Gebäude ein und beschafft sich die biologischen Wirkstoffe. Unterdessen überprüfen Falynn und Donos die Sicherheitsvorkehrungen des TIE-Bunkers. Wenn alles gutgeht und wir den Eindruck bekommen, den Bunker knacken zu können, erledigen wir den Rest morgen abend.

Morgen …«Er nahm jetzt seine Finger zu Hilfe, um sicherzustellen, daß er niemanden vergaß. »Janson, Kell, Tyria, Phanan, Piggy und Grinder verschaffen sich Zugang zu den Shuttles der Hawkbat und infizieren sie. Diese Einheit wird Janson befehligen. Es wäre gut, wenn ihr euch etwas einfallen lassen könntet, damit es so aussieht, als ob ihr irgend etwas anderes vorhabt, falls man euch erwischt – irgendeinen Diebstahl beispielsweise.«

Kell nickte. »Verstanden.«

»Myn wird sich einen geeigneten hohen Standort suchen, von dem aus er wenn nötig beide Einheiten als Scharfschütze unterstützen kann. Und Atril, Falynn, Face und ich dringen in den TIE-Bunker ein und stehlen alle vier TIE-Jäger.«

Falynn sah ihn überrascht an. »Alle vier?«

»Ja. Es sei denn, jemand garantiert mir, daß die zwei, die wir stehlen, intakt durchkommen.«

Sie schüttelte den Kopf. »Garantien sind nicht mein Geschäft. Wie kommen wir hinein?«

»Durch die Tore im Dachbereich – wenn der TIE-Jäger startet. Wir schnappen ihn uns, wenn er zurückkehrt.«

»Und wie richten wir es ein, daß ein TIE-Jäger dann startet, wenn wir das wollen?«

Wedge lächelte. »Ich setze mich mit Knirps in Verbindung und bitte ihn, einen Angriff auf den Raumhafen zu fliegen.«

Kell nickte. Das ruckartige Aasvogelnicken von Face wurde daraus. Falynn und Piggy taten es ihm gleich.

»Aufhören«, sagte Wedge.

 

Wedge ging als erster, und dann ein paar Minuten später Kell, um sicherzustellen, daß nur möglichst wenige Leute die Gespenster zusammen sahen.

»Fertig?« fragte Piggy.

Falynn nickte.

Dann verstummte die Musik, und ein Scheinwerferstrahl nagelte die beiden fest. Falynn richtete sich auf und zog ihren Blaster halb heraus. Piggy griff nach ihrer Hand und hinderte sie daran, die Waffe ganz zu ziehen, zog sie auf ihren Platz zurück.

Eine Lautsprecherstimme sagte: »Die Direktion des Howler möchte Master und Mistress Wallowlot zum fünften Jahrestag ihres Ehevertrages gratulieren!«

An einigen Tischen im Howler kam Beifall auf, und Gelächter ertönte. Ein Kellnerdroid kam hereingeschwebt und stellte zwei gefüllte Gläser vor ihnen ab. Falynn hielt sich die Hand über die Augen, um sie vor dem Scheinwerferstrahl zu schützen, und versuchte, den Mann an der Schalttafel zu entdecken, von dem aus die Beleuchtung gesteuert wurde, und sah ihn und Kell, der neben ihm stand. Kell grinste breit, hob den rechten Daumen und ging dann zur Tür.

Dann verlosch der Scheinwerferstrahl, und die Gäste der Bar wandten sich wieder ihren Getränken oder sonstigen Aktivitäten zu.

Falynn blickte finster zu der Tür hinüber, durch die Kell geflohen war. »Das war nicht komisch.«

Piggys Übersetzer war immer noch leise geschaltet. »Warum nicht?«

»Also … also, er hätte unsere Identität verraten können.«

»Die haben wir doch gar nicht. Wir verschwinden hier in zwei Minuten. Du verlierst deine Perücke, und ich schlüpfe wieder in meine Verkleidung als Wache, und damit haben wir das hinter uns.«

»Trotzdem ist es nicht komisch.«

»Ich finde doch. Aber wir müssen uns natürlich an Kell rächen.« Doch Falynn wirkte so unglücklich, daß er einfach nicht anders konnte, als sie zu fragen: »Warum stört dich das denn so?«

»Die Leute werden denken, daß ich, daß ich …« Sie redete nicht weiter und wich Piggys Blick aus.

»Daß du mit einem Gamorreaner verheiratet bist?«

»Ehrlich, Piggy, so ist es nicht.«

»Ich denke doch.« Seine Stimme blieb ruhig und gleichmäßig, soweit sein Übersetzer solche Nuancen wiedergeben konnte. »Sag mir die Wahrheit. Wäre das ein guter Scherz gewesen, wenn du mit, sagen wir einmal, Face zusammengewesen wärst?«

»Piggy …«

»Bitte, beantworte meine Frage.«

Sie atmete tief durch. »Ja, wahrscheinlich schon.«

»Was dich also stört, ist, daß die Leute glauben könnten, daß du dich außerhalb deiner Spezies bewegst?«

»Nein …«

»Daß du so tief gesunken sein könntest, dich mit einem Gamorreaner einzulassen?«

Sie zuckte zusammen, und er wußte, daß er den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. »Jetzt habe ich dich beleidigt«, sagte sie.

»Nicht so wie du denkst, vielleicht. Aber das legt wirklich den Schluß nahe, daß du deshalb so angewidert auf die Andeutung reagiert hast, daß wir verheiratet sind, weil Gamorreaner … für dich eine niedrigere Lebensform sind.«

Schließlich konnte sie ihm in die Augen sehen. »Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es tut mir wirklich leid.«

»Das reicht für den Augenblick.« Er leerte sein vom Haus gestiftetes Glas mit einem einzigen langen Zug. »Können wir gehen?«

»Ja.«

»Da wir ein jungverheiratetes Paar sind, wollen wir Händchen halten?«

Sie grinste. »Einverstanden.«

 

Falynn hatte inzwischen wieder ihr schwarzes Leibwächteroutfit angelegt und kauerte im nächtlichen Schatten eines abgeschalteten Landgleiters. In der Ferne war die Wand des Bereitschaftsbunkers der TIE-Jäger zu sehen. Vierzig Meter Duraton trennten sie von jener Wand, schwach beleuchtet, aber völlig leer, so daß selbst jemand, der wie sie schwarz gekleidet war, deutlich zu erkennen sein würde. Im übrigen vermutete sie, daß rings um den Bunker Drucksensoren angebracht waren. Aber sie würde es schaffen, selbst wenn sie vier Stunden brauchte, um zu diesem Bunker hinüberzukriechen.

Sie war selbst überrascht, welche Entschlossenheit sie plötzlich erfaßt hatte. Das war nicht nur das Bestreben, diesen Einsatz erfolgreich abzuschließen. Es ging auch darum, daß sie endlich nicht mehr bei allem, was geschah, die Nummer Zwei sein wollte.

In Anbetracht ihres Talents, einfache Sicherheitssysteme außer Funktion zu setzen, wie z. B. solche, die den Diebstahl von Bodenfahrzeugen verhindern sollten, war sie die zweite Sicherheitsexpertin der Gespenster. Sie war TIE-Pilot Nummer Zwei nach Wedge … und wenn Atril tatsächlich so gut mit dem Knüppel eines TIE umgehen konnte, wie alle das von ihr behaupteten, würde Falynn vermutlich bald die Nummer Drei sein. Ihre Jugenderfahrungen aus der Zeit, in der sie sich in der Umgebung von Mos Eisley mit Diebstahl ihren Lebensunterhalt verdient hatte, machte sie zum Scout Nummer Zwei nach Tyria. Selbst Donos hatte nicht auf Falynn gehört, als sie ihm immer wieder klarzumachen versucht hatte, daß er weiterleben mußte, bis er dasselbe von Tyria und anderen gehört hatte.

Niemals die Nummer Eins, bei nichts. Aber wenn sie noch ein paar Dinge zuwege brachte, die vor ihr kein Gespenst getan hatte, wie z. B. neulich, als sie mit ihrem gestohlenen Skiff diese TIE-Jäger abgeschleppt hatte, würden die Leute mit der Zeit doch aufhören, sie als zweitrangig anzusehen.

Sie wartete eine halbe Stunde und sah, wie ein Landgleiter am Bereitschaftsbunker der TIEs eintraf, tat aber dann die Idee, ihn aufzuhalten und an Bord zu springen, gleich wieder ab – der Pilot des kleinen Fahrzeugs würde ganz bestimmt merken, wie es durchsackte, sobald ihr Gewicht zu dem seinen hinzukam.

Aber dann, ein paar Minuten später, schwebte ein rundliches Repulsorliftfahrzeug von der Größe eines Touristenbusses gemächlich auf den Bunker zu. THOLANS SCHWEBENDE KÜCHE stand in großen Lettern auf seiner Seitenwand, und es sah so aus, als würde diese Seitenwand hochklappen und sich in eine Art Dach verwandeln.

Ein fahrbares Restaurant. Sie hatte dergleichen schon gesehen, nicht auf Tatooine, aber auf der Akademie der Neuen Republik. Leute mit Nachtdienst, wie z. B. die Besatzung des TIE-Bereitschaftsbunkers, mußten schließlich auch essen …

Sie richtete sich auf, als das silberne Fahrzeug näherglitt, setzte dann zu einem schnellen Sprint an und erreichte die stumpfe Hinterpartie des Fahrzeugs, wo sie allerdings mit Ausnahme der Türscharniere nichts fand, woran sie sich festhalten konnte. Sie sprang in die Höhe und packte das rechte obere Scharnier mit beiden Händen; ihre Füße baumelten frei herunter.

Aber es war nicht weit, und auf die Weise würde sie jedenfalls nicht auf irgendwelche Sensoren treten.

Als die schwebende Küche sich der Vorderseite des Bunkers näherte, wurde das Fahrzeug langsamer, drehte nach steuerbord und schob sich seitlich auf das Gebäude zu; offenbar hatte der Fahrer vor, die Seitenwand an der Vordertür des Bunkers aufzuklappen. Falynn zog sich in die Höhe, rutschte immer wieder mit den Stiefeln an der Hinterseite des Fahrzeugs ab und schaffte es schließlich, sich auf sein Dach zu stemmen. Als es einen knappen Meter vor der Eingangstür auf den Boden sackte, stieg sie auf das Bunkerdach hinüber und preßte sich flach dagegen.

So weit, so gut. Aber was, wenn es dort oben auch Drucksensoren gab? Sie würde ein wenig abwarten, um das festzustellen.

Jetzt hörte sie, wie sich die einzige Außentür des Bunkers mit einem Zischen öffnete. Dann das Klappern von Metallgeschirr. Gelächter von Männern der Nachtschicht. Zischen von Flüssigkeiten. Klimpern von Münzen. Und dann schlossen sich die Tür und die Seitenwand wieder, und THOLANS SCHWEBENDE KÜCHE entfernte sich von dem Bunker.

Und niemand war herausgekommen, um einer ungewöhnlichen Druckanzeige auf dem Dach nachzugehen. Ausgezeichnet.

Sie klickte ihr Kommlink an. Ein Doppelklicken antwortete ihr. Sie klickte noch einmal, um Donos damit anzuzeigen, daß er nicht auf ein zufälliges Sendegeräusch geantwortet hatte.

Dann schob sie sich langsam und mit größter Vorsicht auf dem Bunkerdach bis auf die Stelle zu, wo der Duraton in Metallsegmente überging, und glitt dann nach links, bis sie das untere Ende eines der riesigen Zugangstore erreicht hatte; es war besser, am unteren Ende zu sein, wo die Wahrscheinlichkeit geringer war, daß sie entdeckt wurde, wenn die Tore sich öffneten.

Falls sie sich öffneten.

Bitte, flehte sie niemanden Bestimmten an, laß sie irgendeinen Notfall haben. Laß mich nicht die ganze Nacht hier umsonst warten.

 

»Tyria, Kopf hoch«, sagte Grinder in das Mikro seines Headset. Er saß an dem Schreibtisch in der Suite der Gespenster in Scohar, und der tragbare Monitor vor ihm zeigte das zittrige Bild, das von der Kamera in Tyrias Mütze ausgesendet wurde. Im Augenblick zeigte das Bild die hintere Steinmauer des Scohar-Xenomedizininstituts. Das Bild wanderte an der Mauer entlang nach oben und kam dann einigermaßen zum Stillstand, zeigte jetzt das Vordach über einer der fensterlosen Metalltüren in der Wand und die Sicherheitslampe darüber.

Phanan und Kell beugten sich über seine Schultern. Sie hätten beide auch den Bildaufnahmemarsch rund um das Institut machen können, aber Grinder hatte erklärt, daß sie zu auffällig seien: Phanan wirkte zu mechanisch und Kell war zu groß. Tyria, das Gesicht schmutzig und das Haar ausgekämmt, bis es ungepflegt wirkte, wurde von den besser gekleideten nächtlichen Touristen auf den Straßen von Scohar kaum eines zweiten Blickes gewürdigt.

Grinder verarbeitete das Bild mit einer Vielzahl unterschiedliche Sensorinputs. Das Bild auf dem Bildschirm polarisierte sich, wurde zum Negativ und schließlich wieder normal. »In dem Überhang ist eindeutig eine Kamera wie in den anderen auch. Komm jetzt herein; ich habe den Punkt definiert, wo wir eindringen, und wir brauchen vorher noch einiges Material.«

Ihre Stimme kam gedämpft über den Lautsprecher des Monitors. »Wo ist der Punkt, an dem wir eindringen werden?«

»Der einzige ohne Kamera. Der einzige ohne Schloß, der es uns erlaubt, von außen einzudringen.«

»Der Abfallschacht«, sagte sie.

»Genau der.«

 

Ein hartnäckiges Pfeifen veranlaßte Falynn dazu, die Augen aufzuschlagen. Ein lästiger Alarm. Sie tastete um sich, um ihn zum Schweigen zu bringen, stieß aber nur auf Metall.

Jetzt war sie hellwach. Sie war eingeschlafen. Sie sah auf ihr Chrono, stellte fest, daß zwei Stunden verstrichen waren, und erkannte jetzt, daß das Pfeifen von den Antriebsaggregaten der Metalltore kam. Sie atmete tief durch und spannte alle Muskeln.

Die Nahtstelle der beiden Torhälften weitete sich mit einem Ruck aus, und dann fuhren die Tore in kleinen Rucken zurück. Falynn blickte düster auf den Rand des Tors, das sich jetzt auf sie zuschob. Wenn die Motoren gewartet und die Schienen geölt wären, würde das leiser und glatter gehen; hoffentlich befanden sich die TIE-Jäger in besserem Zustand als ihr Hangar.

Das Tor rastete jetzt mit einem deutlichen Klappern ein. Sie griff nach dem Rand und zog sich ein Stück in die Höhe, gerade so weit, daß sie über den Metallrand nach unten sehen konnte.

Das typische Bild eines Hangars mit Reparaturstationen bot sich ihr. Da gab es Karren voll Werkzeuge, verschmierte Duratonbodenplatten, vier auf den Boden aufgemalte blaue Kreise im Durchmesser von je etwa acht Metern, auf denen TIE-Jäger parkten. Neben zweien der Jäger standen Männer, dem Aussehen nach ein Vorarbeiter und ein Mechaniker. Während sie noch zusah, zogen sich die Männer hastig zurück, und die TIE-Jäger erhoben sich langsam mit grummelnden Repulsorliftmotoren in die Luft. Jetzt hatten sie Falynns Höhe erreicht und stiegen schnell höher; als sie ein Dutzend Meter über dem Bunker standen, sprangen die Zwillingsionenmotoren an, und die TIEs fegten in den Nachthimmel.

Sie schüttelte den Kopf. Sie war nicht hier, um sie zu beobachten. Ihre Aufmerksamkeit wandte sich den verbliebenen TIEs und den Männern im Hangar zu. Aber die Männer sahen nur zu, bis die Sternenjäger ihren Blicken entschwunden waren, dann ging einer zu einer Tür in der Ostwand, der andere zu einer Schalttafel an der Wand, wo er einen Schalter umlegte. Ein Ruck ging durch die Torflügel, und sie begannen sich wieder zu schließen.

Falynn hielt sich am Rand des Torflügels fest und ließ sich von dem Metallsegment in die Höhe ziehen, ohne dabei das Innere des Hangars aus den Augen zu lassen. Einer der Mechaniker ging zu einer Tür an der Südwand, strich mit der rechten Hand zweimal über seinem Kopf über den Türstock, und die Tür öffnete sich für ihn.

Dann war der Torflügel, an dem Falynn sich festhielt, nur noch einen halben Meter von seinem Pendant auf der anderen Seite entfernt. Sie ließ los, damit die Torflügel ihr nicht die Finger zerquetschten, und versuchte, sich durch bloße Reibung festzuhalten.

Das funktionierte nicht. Als die Torränder aufeinanderkrachten, begann Falynn zu rutschen. Sie tastete wie wild um sich, um einen Haltepunkt zu finden, doch es gab keinen.

Sie rollte auf dem Tor hinunter, dann über das Bunkerdach und fiel schließlich vom Dach.

Bis zum Boden waren es lange drei Meter.