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Das Gesicht der Wache in der Uniform der Neuen Republik, die Wedge in das Büro ließ, war so ausdruckslos wie ein Ferrobetonbunker. Drinnen waren die Wände in einem beruhigenden Blau gehalten, die Möbel glatt und gerundet in Meeresfarben, die Luft kühl, aber unangenehm feucht.

Trotzdem trug Wedge wieder die Uniform der Neuen Republik, und das allein verschaffte ihm schon ein größeres Gefühl von Wohlbehagen, als das die Klimaanlage des Büros hätte tun können.

Hinter dem Schreibtisch erwiderte Admiral Ackbar, der Oberkommandierende sämtlicher Streitkräfte der Neuen Republik, Wedges Ehrenbezeigung. Wie alle anderen Mon Calamari wirkte er mit seinem übergroßen Kopf und der gummiartigen Haut auf die meisten Leute wie ein zweibeiniger intellektueller Fisch. Aber Wedge wußte, daß er in Wirklichkeit menschlicher und couragierter war als so mancher, der für die Sache der Neuen Republik gekämpft hatte.

Ackbar deutete auf seine Besuchersessel. »Commander Antilles. Bitte, nehmen Sie Platz. Ist es zu feucht für Sie? Ich kann das anpassen.«

»Keineswegs.« Wedge nahm auf dem Sessel Platz. »Vielen Dank, daß Sie sich so kurzfristig für mich Zeit genommen haben.«

»Als ob das eine Zumutung wäre!« Ackbar beugte sich vor und musterte Wedge, wobei sich seine beiden weit auseinanderstehenden Augen unabhängig voneinander bewegten. »Ich kann an Ihnen keine Anzeichen eines Katers feststellen, Commander. Muß ich daraus den Schluß ziehen, daß Sie nicht ausreichend gefeiert haben?«

Wedge lächelte. »Doch, sogar mehr als ausreichend. Es macht immer wieder Spaß, sich mit alten und neuen Freunden zu treffen, alten und neuen Kameraden von der Sonderstaffel, und sich Geschichten zu erzählen, bis man kein Wort mehr herausbringt. Aber das Trinken habe ich im wesentlichen den jüngeren Piloten überlassen.«

»Sehr klug. Jüngere Piloten. Ich habe festgestellt, daß ich nicht mehr alle Namen kenne.«

»Die Sonderstaffel erholt sich allmählich von ihrer Auszehrung, Sir. Am Ende der Thyferra Mission hatten wir nur noch ein paar Piloten. Aber seit damals haben wir unsere Reihen wieder aufgefrischt. Nur ein Pilot fehlt uns noch. Aber den hat bei der gestrigen Feier Aril Nunb vertreten.«

»Ich bin sicher, Ihr außergewöhnliches Geschick beim Auffinden hervorragender Ersatzleute wird Sie nicht im Stich lassen. Und nun erlauben Sie mir bitte die Ungeduld meines Amtes. Was führt Sie zu mir? In Ihrer Nachricht hatten Sie angedeutet – was war es doch gleich? – ›Empfehlungen für eine neue Art von Einheit, die besonders für die Suche nach Warlord Zsinj geeignet ist.‹«

»Das ist richtig.« Warlord Zsinj, ein ehemaliger imperialer Admiral, der sich in den Besitz eines Supersternenzerstörers gebracht hatte, eines acht Kilometer langen Kriegsschiffs mit einer Feuerkraft, die ausreichte, um eine Planetenoberfläche in eine radioaktive Wüste zu verwandeln, war jetzt das wichtigste militärische Zielobjekt der Neuen Republik. Seine häufigen Überfälle auf Standorte der Neuen Republik wurden immer dreister und richteten auch immer größere Schäden an, so daß er eine durchaus ernstzunehmende Gefahr wurde – eine Bedrohung, die an die Stelle von Ysann Isard treten und sich allmählich zu einem Zentrum des Wiedererstarkens der Imperialen Kräfte entwickeln könnte. »Ich würde gern eine neue X-Flügler Staffel aufstellen, Sir.«

Admiral Ackbars Mund verzog sich in der Andeutung eines Lächelns. Ein angelerntes Verhaltensmuster – Mon Calamari pflegten Erheiterung nicht auf diese Weise zu kommunizieren. Aber Ackbar war in der menschlichen Körpersprache bewandert. »Die Sonderstaffel reicht Ihnen also nicht mehr aus?«

»Die Sonderstaffel wird mir immer ausreichen, Sir. Aber ich bin in den vergangenen Jahren wiederholt auf geradezu erschreckende Schwächen in unseren Streitkräften gestoßen. Ich habe schon früher versucht, dieses Thema anzusprechen, und will das erneut probieren.«

»Bitte fahren Sie fort.«

Wedge lehnte sich zurück und stellte sich auf eine längere Diskussion ein. »Sie werden sich daran erinnern, daß ich mir vor ein paar Jahren, als ich die Sonderstaffel reorganisiert habe, die besten Piloten geholt habe, die ich versetzen oder stehlen konnte … aber wenn es darum ging, zwischen Piloten mit gleicher Qualifikation zu wählen, habe ich mich immer für denjenigen entschieden, der auch über nützliche Bodenerfahrung und entsprechende Fähigkeiten verfügte.«

»Ja. Sie wollten Piloten, die man auch als Kommandos einsetzen konnte.«

»Die habe ich bekommen. Und ich habe sie auch als Kommandos durchaus gefordert. Ganz besonders, als wir Coruscant aus dem Machtbereich des Imperiums befreit hatten, und dann später, als wir Thyferra Ysanne Isard entrissen haben.«

Wieder lächelte Ackbar. »Damit haben Sie ganz sicherlich das Vertrauen gerechtfertigt, das wir in Ihr Experiment gesetzt hatten. Die Sonderstaffel hat Großartiges geleistet.«

»Vielen Dank. Ich muß dem für meine Männer und Frauen zustimmen. Aber ich dachte ursprünglich, daß die Sonderstaffel opportunistisch eingesetzt werden würde: daß wir also bei einer Mission auf eine Schwäche im Bodenbereich des Feindes stoßen und dann infolge unserer Ausbildung und unserer technischen Ausrüstung auch landen und den notwendigen Bodeneinsatz durchführen würden. Aber es entwickelte sich dann so, daß wir immer wieder komplette Kommandomissionen landen. Und deshalb glaube ich, daß wir eine weitere X-Flügler Staffel für Kommandoeinsätze benötigen, eine, für die wir die Piloten so auswählen, daß sie über die volle Ausbildung für verdeckte Operationen verfügen. Die Sonderstaffel war in erster Linie als Einheit für den regulären Kampf und erst in zweiter Linie als Kommandotruppe gedacht – und diesmal will ich es genau umgekehrt anpacken.«

Soweit Wedge imstande war, Admiral Ackbars Gesichtsausdruck zu deuten, war dieser zumindest von Zweifeln geprägt. »Wir hatten in der Vergangenheit nur selten Probleme, die Aktivitäten von Kommandos im Bodeneinsatz und von Jägerpiloten in der Luftunterstützung zu koordinieren.«

»Da bin ich anderer Ansicht. Kommandos können zwar den Piloten Einsatzpositionen mitteilen, aber die Piloten werden trotzdem nicht in gleichem Maße mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sein wie das Kommandoteam. Falls bei einer Kommandoeinheit die Absetzplanung scheitert, könnten sie auf den Gedanken kommen, sich feindlicher Raumfahrzeuge zu bemächtigen, um damit zu entkommen; so, wie die Dinge stehen, können sie nicht darauf rechnen, über genügend Piloten für derartige Fluchtmanöver zu verfügen. Würden die Piloten zu Kommandos ausgebildet, wäre das anders. Normale Piloten folgen ihren Anweisungen und passen sich den Standardtaktiken an – das ist ja auch in Ordnung. Aber eine Kommando X-Flügler Einheit würde möglicherweise neue Taktiken entwickeln. Neue Methoden, um selbst normale Razzien und Verfolgungsaktionen durchzuführen. Neue Methoden, um auf offene Angriffe und solche aus dem Hinterhalt zu reagieren.«

Ackbar lehnte sich plötzlich zurück, und seine Augen schlossen sich halb. Wedge vermittelte diese Haltung den Eindruck, daß der Mon Calamari sich konzentrierte. »Weshalb haben Sie das gesagt?«

»Ich habe während des langen Fluges nach Hause und auch in der Zeit, als wir auf Thyferra vorher in Garnison waren, darüber nachgedacht«, meinte Wedge. »Der Garnisonseinsatz dauerte zwar nicht die ganzen zwei Monate, die ursprünglich geplant waren. Aber ich hatte trotzdem viel Zeit zum Nachdenken.«

»Und Sie haben keine Nachrichten gehört?«

»Nein, Sir. Worüber denn?«

Ackbar schüttelte den Kopf. »Bitte, fahren Sie fort.«

»Nun, eigentlich wäre das alles. Ich kann das Ganze ein wenig ausschmücken und einen formellen Bericht für Sie schreiben. Aber ich glaube, eines ist noch wichtig – ich kann Ihnen eine solche Einheit praktisch gratis liefern.«

Ackbar schnaubte, es klang wie zerplatzende Luftblasen. »So, können Sie das?«

»Ja, Sir. Zunächst einmal wird die Ersatzsonderstaffel aufgelöst, und ihre Piloten und X-Flügler werden wieder den ursprünglichen Einheiten zugeteilt. Richtig?«

»Richtig.«

»Also werden Sie uns ein Dutzend neue X-Flügler zur Verfügung stellen, nicht wahr? Der ursprünglichen Sonderstaffel, meine ich.«

»Warum sollten wir das? Ihre X-Flügler sind doch voll einsatzfähig, oder nicht?«

»Nun ja, das schon. Aber sie sind nicht länger Eigentum der Neuen Republik. Sie wurden zu Beginn unserer Operation gegen Thyferra an meinen Stellvertreter Tycho Celchu verkauft. Sie sind sein persönliches Eigentum und werden treuhänderisch von ihm für uns alle verwaltet, bis er beschließt, das Eigentum an Ihre Piloten zu übertragen.«

»Das ist aber nicht sehr großzügig von Ihnen. Sie sollten die Maschinen der Neuen Republik stiften. Ich glaube, einer Ihrer Piloten hat von Anfang an seinen persönlichen X-Flügler benutzt.«

»Ja, Sir. Lieutenant Horn. Und Tycho würde mit dem größten Vergnügen seine Jäger der Neuen Republik leihen, damit die Sonderstaffel sie benutzen kann, wenn …«

»Wenn das nächste Dutzend X-Flügler, das aus den Fabriken kommt, Ihrer neuen Kommandostaffel zugeteilt wird.«

»Ja, Sir.«

»Das ist Erpressung. Das ist ungebührlich.«

»Die meisten unkonventionellen Taktiken sind so lange ungebührlich, bis sie Erfolg haben, Admiral. Ich darf Sie auf den Planeten Thyferra hinweisen …«

»Seien Sie still. Da ist immer noch die Frage der Piloten. Wenn sie frisch von der Akademie kommen, hat ihre Ausbildung Hunderttausende von Credits pro Nase gekostet. Das ist nicht ›gratis‹.«

»Nein, Sir. Ich will keine neuen Piloten. Ich will erfahrene Leute.«

»Das kostet ja noch mehr Geld.«

»Nein, Sir. Nicht bei den Piloten, die ich im Auge habe. Ich will Piloten, die sonst keiner haben möchte. Versager. Piloten, denen ein Kriegsgerichtsverfahren bevorsteht. Unruhestifter.«

Ackbar starrte ihn. an, als ob er nicht richtig gehört hätte. »Im Namen der Macht, Commander, warum

»Nun, einige davon werden natürlich nicht zu gebrauchen sein. Die werde ich auch ausscheiden. Und einige werden gute Männer und Frauen sein, die einmal zu oft Mist gebaut haben und wissen, daß ihre Karriere im Eimer ist, aber alles darum geben würden, noch einmal eine Chance zu bekommen …«

»Da kriegen Sie eher einen Protonentorpedo in Ihre Motoren, als daß Sie aus solchen Piloten eine funktionsfähige Staffel bilden könnten. Der Torpedo könnte zufällig abgefeuert worden sein … aber das ist auch kein Trost für eine Witwe.«

Wedge spreizte die Hände mit nach oben gewandten Handflächen und lächelte. »Problem gelöst. Ich bin nicht verheiratet.«

»Das weiß ich. Sie wissen genau, was ich meine.«

»Ja, Sir.«

»Was würde aus der Sonderstaffel werden?«

»Ich würde gern offiziell ihre Leitung behalten, aber Captain Celchu ist in höchstem Maße dafür qualifiziert, sie zu führen … und jetzt, wo er sowohl von der formellen Anklage des Mordes an Corran Horn als auch von der informellen Anklage, ein einer Gehirnwäsche unterzogener Doppelagent zu sein, freigesprochen worden ist, sollte es keine Einwände dagegen geben, daß er seine Pflichten wieder in vollem Maße übernimmt. Ich würde Lieutenant Hobbie Klivan als stellvertretenden Kommandanten in die Sonderstaffel zurückversetzen und Lieutenant Wes Janson als meinen eigenen Stellvertreter benennen. Sobald die neue Staffel dann steht, würde ich gerne wieder das Kommando der Sonderstaffel übernehmen.«

»Sie sind von Ihrer Idee überzeugt, nicht wahr?«

»Ja, das bin ich, Sir.« Wedge überlegte sich seine nächsten Worte. »Seit der Schlacht von Endor haben die Public Relations Gruppen der Streitkräfte die Sonderstaffel so hingestellt, als ob wir das Lichtschwert der Neuen Republik wären. Eine strahlende, scharfe Waffe, um finstere Überreste des Imperiums zur Strecke zu bringen, die sich noch gegen uns stellen. Aber, Sir, nicht jede Schlacht erfordert ein Lichtschwert. Manche Schlachten werden in dunklen Gassen mit Vibroklingen geschlagen. Die Neue Republik braucht auch solche Vibroklingen und hat sie nicht.«

»Ich verstehe.« Ackbar nickte freundlich. »Antrag abgelehnt.«

Wedge brachte keinen Ton heraus; ihm war plötzlich, als würde ihm jemand die Luft abschnüren. Er hatte geglaubt, seinem Ziel so nahe zu sein, hatte geglaubt, den Admiral überzeugt zu haben.

»Es sei denn …«

Wedge fand seine Stimme wieder. »Es sei denn?«

»Ich werde mit Ihnen eine Wette abschließen, Commander. Sie bekommen Ihre Chance, diese Staffel aufzustellen. Wenn Sie drei Monate, nachdem sie in Dienst gestellt ist, ihren Wert unter Beweis gestellt hat – ausschließlich nach meiner Beurteilung –, können Sie tun, was Sie wollen. Die Arbeit mit der neuen Staffel fortsetzen oder wieder die Sonderstaffel befehligen. Ganz wie Sie wollen.«

»Und wenn ich verliere?«

»Dann akzeptieren Sie die Beförderung zum General und treten in meinen Beraterstab ein.«

Wedge ließ sich sein Unbehagen nicht anmerken. »So wie das aussieht, gewinne ich ja in jedem Fall, Sir.«

»Hören Sie doch auf! Mir können Sie doch nichts vormachen. Wenn es nach Ihnen ginge, würden Sie Abfangjäger fliegen und Jägerstaffeln befehligen, bis Sie hundert Jahre alt sind. Wie viele Beförderungen haben Sie schon abgelehnt? Zwei? Drei?«

»Zwei.«

»Na schön. Wenn Sie die Wette verlieren, werden Sie die nächste annehmen.«

Wedge seufzte und überlegte. Er mußte einfach fliegen; alles andere würde ihn unglücklich machen. Aber die Streitkräfte der Neuen Republik brauchten diese neue Taktik, brauchten noch viele neue Verfahrensweisen, bevor sie taktisch auch so verknöcherten wie das Imperium. »Einverstanden, Sir.«

Ackbar lachte. »Eigentlich haben Sie schon verloren, Commander Antilles. Sie setzen Ihre Karriere zum Nutzen der Neuen Republik aufs Spiel. Sie entwickeln neue Taktiken und neue Waffen für die Neue Republik, nicht bloß für Ihre Staffel. Sie sind bereits General … Sie wissen es bloß noch nicht.«

»Ich denke, ich werde diese Bemerkung in dem Sinn akzeptieren, in dem sie gemeint war, Sir.«

»Ich habe noch eine Bemerkung für Sie, Wedge. Neuigkeiten, schlechte Neuigkeiten, die Sie Ihren Untergebenen überbringen müssen. Und das ist eine Aufgabe, um die ich Sie nicht beneide.«

 

Wedge traf sich mit den anderen in dem Hangar an Bord des Kreuzers Home One, wo die X-Flügler der Sonderstaffel überholt und neu lackiert wurden. Er sah mit einem Anflug von Wehmut zu, wie die schwarzgrüngoldenen Karos seiner Maschine, Farben, die sein Vater für die geplante Tankstation ausgewählt hatte, die er nie erlebt hatte, jetzt mit dem Grau der Neuen Republik und den stolzen, aber grellen roten Streifen der Sonderstaffel übermalt wurden.

Tycho runzelte die Stirn, aber das galt nicht den Lackiererarbeiten. »Und wie soll das jetzt funktionieren?«

»Ich bin Befehlshaber der kombinierten Einheit – also sowohl für die Sonderstaffel als auch die neue Staffel. Außerdem bin ich Staffelführer der neuen Staffel. Tycho, bis zu meiner Rückkehr bist du Staffelführer der Sonderstaffel und Hobbie dein Stellvertreter; Nawara, du bleibst erster Offizier. Wes, du bist mein Stellvertreter. Die Sonderstaffel wird für die Jagd auf Zsinj eingeteilt werden; die neue Staffel wird am Stützpunkt Folor zusammengestellt – «

Tycho zuckte zusammen. »Ah, ja, das Zentrum der Vergnügungen der Neuen Republik und eine lunare Schönheit.«

»Sobald die neue X-Flügler Staffel in Dienst getreten ist, wird sie sich ebenfalls, allerdings verdeckt, der Jagd auf Zsinj anschließen – vorausgesetzt natürlich, daß er bis dahin nicht bereits erledigt ist. Beide Staffeln werden zusammen fliegen, wenn die Umstände es erforderlich machen.«

Wes drehte sich zu Hobbie herum und streckte ihm die Hand hin. »Tut mir leid, daß man dich zu diesen fliegenden Fossilien gesteckt hat, während ich bei Commander Wedge an der Spitze – «

Hobbie stieß seine Hand weg. »Ach, halt doch die Klappe.«

Wedge räusperte sich. »Da ist noch etwas. Tycho, Nawara, würdet ihr beide uns einen Augenblick allein lassen?«

Die beiden entfernten sich und ließen Wedge mit Hobbie und Janson allein. »Ich habe schlechte Nachrichten für euch beide«, sagte Wedge. »Die Krallenstaffel ist dahin.«

Hobbie runzelte die Stirn. »Wie meinst du das, dahin?«

»Ausgelöscht. Überfall. Alle mit Ausnahme von Lieutenant Donos sind tot.«

Janson ließ sich schwer gegen eine Wand sinken. Hobbie sah so entsetzt aus, als ob jemand ihm die Hand in einen Energiegenerator gesteckt hätte.

»Wie ist es passiert?«

»Wir kennen noch nicht alle Einzelheiten. Nur, daß sie eine Anomalie verfolgt haben, einen ganz normalen TIE-Abfangjäger. Weit und breit war kein hyperraumfähiges Schiff in Sicht. Sie haben den TIE in ein unbewohntes System verfolgt, das im Flottenalmanach in jüngster Zeit von der Abwehr der Neuen Republik als gesichert registriert war. Diese Eintragung war falsch und ist auf einem noch nicht geklärten Weg in unseren Kode eingeschleust worden. Der Abfangjäger hat sie praktisch in eine Schießbude gelockt, und elf Mitglieder der Staffel sind gefallen. Lieutenant Donos wird gerade befragt; anschließend lasse ich ihn zum Stützpunkt Folor bringen. Aber auch wenn sich herausstellt, daß ihn keine Schuld trifft, wird es eine Menge Staffelkommandanten geben, die ihn nicht haben wollen, und deshalb möchte ich, daß er für die neue Staffel bewertet wird.«

Jansons Stimme klang brüchig. »Elf Piloten, die wir ausgebildet haben. Bei einem einzigen Überfall einfach ausgelöscht. Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf unsere Ausbildung.«

Wedge schüttelte den Kopf. »Das war mehr als ein gewöhnlicher Hinterhalt. Wir werden in Kürze mehr wissen. Unterdessen sollten wir uns nicht selbst verrückt machen. Jeder von uns hätte in eine solche Falle gelockt werden können – was bleibt uns denn anderes übrig, als unsere Entscheidungen auf die Berichte der Flottenabwehr zu stützen. Ihr versteht doch?«

Beide Männer nickten.

Wedge zog ein Datapad aus einer Tasche seiner Kombination und reichte es Janson. »Da sind ein paar Dateien drauf. Eine davon enthält Pilotendaten. Auf der anderen ist die Vollmacht, dieses Kriterienprofil mit den Pilotenprofilen sämtlicher bewaffneter Streitkräfte der Neuen Republik zu vergleichen. Ich möchte, daß ihr morgen eine Liste aller Piloten aufstellt, die diesen Kriterien entsprechen, und anschließend nehmt ihr Verbindung mit ihnen auf und bringt in Erfahrung, wie viele von ihnen bereit sind, sich für einen möglichen Dauereinsatz in meine neue Staffel versetzen zu lassen. Ich wette, daß das bei beinahe hundert Prozent der Fall sein wird. Alle, die zustimmen, schickt ihr nach Folor, ohne ihnen ihr Ziel zu nennen; wir treffen uns mit ihnen und werten sie aus.«

Dann wandte er sich Hobbie zu. »Sobald du dir ein Bild von Donos gemacht hast, möchte ich, daß du eine Simulatorsequenz entwickelst, die auf dem Einsatz basiert, bei dem die Krallenstaffel vernichtet wurde. Das wird eine der ersten Trainingssitzungen am Simulator für die neue Staffel – und die nächste für die Sonderstaffel. Damit das nicht wieder vorkommt.«

»Verstanden«, nickte Hobbie.

 

»Ich habe mir das gründlich überlegt und bin der Ansicht, daß es eine schreckliche Idee ist«, sagte General Crespin.

Wochen waren vergangen, und Wedge Antilles stand vor einem anderen Militärbefehlshaber in einem anderen Büro und war darauf vorbereitet, seinen Vorschlag erneut vorzutragen. Wedge spürte Ärger in sich aufsteigen. Crespin mochte zwar sein Vorgesetzter sein, aber seine Erfahrung im Umgang mit kleinen Jägereinheiten und deren Taktiken kamen den seinen in keiner Weise gleich. Das galt für die meisten Offiziere in den Streitkräften der Neuen Republik. Aber es war wichtig, sich sachlich mit Crespin auseinanderzusetzen, seinen Fakten eigene gegenüberzustellen; wenn er seine Argumentation von Gefühlen leiten ließ, würde er die Auseinandersetzung verlieren.

General Crespin, der neue Kommandant des Jägerausbildungsstützpunkts auf dem Mond Folor und in Personalunion Befehlshaber von zwei Ausbildungsstaffeln von A-Flüglern, ging hinter seinem Schreibtisch auf und ab, während Wedge in militärischer Haltung davorstand. Crespin war ein hochgewachsener, schlanker Mann, dessen Gesicht offenbar nur zwei Ausdrucksformen kannte: ungerührt und streng. Seit Wedge ihn das letzte Mal gesehen hatte bei den Einsatzbesprechungen vor dem Angriff auf den zweiten Todesstern, war Crespin vom Colonel zum General befördert worden, hatte zu hinken begonnen und sein linkes Auge durch ein glänzendes schwarzes Opto ersetzen lassen; gewöhnlich trug er eine verspiegelte Klappe über dem mechanischen Ersatz, weil die Klappe nicht so unheilverheißend wie das schwarze, unmenschliche Auge wirkte. Wedge argwöhnte, daß der General durch die Klappe hindurchsehen konnte. Er hatte gehört, daß Crespin verletzt worden war, als Zsinjs Sternenzerstörer der Superklasse, die Iron Fist, einen Militärstützpunkt der Neuen Republik in der Nähe des von Zsinj kontrollierten Gebietes bombardiert hatte.

»Wir brauchen als Vertreter der Neuen Republik keine Taugenichtse«, fuhr der General fort. »Wir brauchen Helden. Männer und Frauen mit gutem Charakter und sauberen Dienstakten. Hologene Piloten, die in der Holovision und in den Archiven eine gute Figur machen.«

»Bei allem gebührenden Respekt, General, genausogut könnte man Kurs auf die dunkle Seite der Macht nehmen.«

Crespins Kopf fuhr herum, und er funkelte Wedge an. »Sie sind unverschämt. Erklären Sie sich.«

Wedge atmete tief durch. Zügle deine Wut. Mache ihn zum Verbündeten, nicht zum Feind. »Zunächst einmal haben wir seit Gründung der Allianz imperiale Überläufer in unseren Reihen aufgenommen.«

»Ich weiß, ich bin selbst einer.« Crespins Kinn schob sich vor, als wolle er Wedge dazu animieren, seine Loyalität in Zweifel zu ziehen.

»Ja, Sir. Sie wissen also auch, daß diese Leute manchmal bloß darauf gewartet haben, sich uns anschließen zu können. So wie Sie. Manchmal sind sie übergelaufen, wenn unsere Position stärker als die des Imperiums war. Manchmal haben sie auch aus rein egoistischen Gründen gehandelt. Uns war das immer gleichgültig, solange sie ihre Aufgabe erfüllten, der Neuen Republik halfen und unseren Zielen loyal blieben.«

»Ja, und?«

»Ich will damit sagen, daß all diese Überläufer irgendwo in ihrer Vergangenheit einen Makel in ihren Dienstakten hatten. Manchmal mehr als nur einen Makel. Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Wir haben Black-Sun-Verbrecher von Kessel geholt, sie nach Coruscant geschickt und ihnen solange die Treue gehalten, wie sie sie uns gehalten haben. Ich habe das Gefühl, Sie meinen, man sollte die Beiträge, die sie für die Neue Republik geleistet haben, ignorieren, sie verborgen halten – daß wir nur die Leistungen von Leuten anerkennen sollen, deren Dienstakten, Uniformen und Gesichter makellos sind.«

»Lächerlich.«

»Zum zweiten, diese Idee, daß das Aussehen ein Faktor bei der Auswahl neuer Piloten sein muß – damit sie in Hologrammen und Holosendungen gut aussehen –, Sir, ich verstehe Ihre Argumentation, und ich stimme ihr zu« – die Lüge wäre Wedge beinahe im Halse steckengeblieben, doch er hastete einfach weiter –, »aber das setzt die Neue Republik und die Provisorischen und Inneren Räte einer Gefahr aus, von der ich vermute, daß Sie sie übersehen haben.«

»Und was wäre das für eine Gefahr?«

»Wenn alle unsere Piloten ein bestimmtes Aussehen haben müssen, einem willkürlichen Schönheitsideal entsprechen müssen, dann sind wir genauso wie das Imperium, das Hunderte vernunftbegabter Spezies einfach nicht hochkommen ließ, weil es keine Menschen waren. Weil sie nicht bestimmten menschlichen Aussehensnormen entsprachen.«

»Das ist ja lächerlich!« Doch Crespin machte den Eindruck, als ob ihn Wedges letzter Angriff ein wenig erschüttert hätte.

»Natürlich ist es das, Sir. Es ist sogar mehr als lächerlich. Es ist idiotisch. Ganz besonders in Anbetracht all der Nichtmenschen in der Sonderstaffel und anderen Einheiten. Aber geben Sie doch imperialen Aufständischen, die im Inneren der Neuen Republik tätig sind, dieses Argument an die Hand, und schon haben Sie es mit Aufständen und Protesten jeder Mitgliedsrasse der Neuen Republik zu tun, die nicht im Cockpit eines X-Flüglers oder eines A-Flüglers vertreten ist.«

Crespin schnitt eine Grimasse, gab aber keine Antwort.

»Drittens erlaubt die Zusammensetzung der neuen Staffel bessere, nicht etwa schlechtere Public Relations. Jeder Pilot, der es schafft, wird eine Erfolgsstory sein, die sich für ein Holodrama oder eine Serie eignet. Das Wichtigste ist, es werden Stories von ganz normalen Lebewesen sein. Nicht jeder kann sich mit Corran Horn von der corellianischen Sicherheit oder mit Bror Jace, Millionär und Prinz des Bactamonopols auf Thyferra, identifizieren. Aber irgendein Schlepperpilot, der in die Allianz eingetreten ist, Mist gebaut hat und in der Gosse steckte, dann wieder hochgekommen ist und den Schaden in seinem Leben repariert hat – «

»Ja, ja.« Crespin bedeutete ihm, daß er still sein sollte. »Schon gut, Commander. Ihre Begeisterung für dieses Experiment ist ja nicht zu überhören. Ihre Gründe sind vernünftig. Tun Sie für den Augenblick, was Sie für richtig halten. Und nehmen Sie zur Kenntnis, daß ich damit rechne, daß dieses Experiment zu einer Katastrophe führen wird … und daß ich dann da sein werde, um Ordnung zu schaffen.«

»Ja, Sir.«

»Sie sollten einige Veränderungen zur Kenntnis nehmen, die wir eingeführt haben, seit Sie zuletzt hier stationiert waren. Sie haben vielleicht bei der Landung schon festgestellt, daß die Emissionen des Stützpunkts jetzt wesentlich weniger bemerkbar sind als früher; die externen Leuchtfeuer werden nur dann eingeschaltet, wenn landende Fahrzeuge sie brauchen.«

»Ja, Sir.«

»Wir brauchen die zusätzliche Sicherheit. Schließlich werden Zsinjs Überfälle immer häufiger und dreister … und wenn dann noch Pannen dazukommen, wie zum Beispiel, wenn einer Ihrer Piloten, Erisi Dalrit, sich als Verräter erweist – «

Wedge zügelte erneut seinen Zorn. »Ich darf vielleicht darauf hinweisen, daß man sie aus politischen Gründen zur Sonderstaffel versetzt hat; ich habe sie nicht rekrutiert. Und soweit wir das feststellen konnten, haben ihre Führungsoffiziere die Informationen, die sie über den Stützpunkt Folor weitergegeben hat, für sich behalten und sie nicht Abtrünnigen wie Zsinj zugänglich gemacht. Und jetzt sind sie tot.«

»Was auch immer. Jedenfalls brauchen wir bessere Sicherheitsvorkehrungen. Solange das hier Grenzgebiet ist, sind wir gegenüber Angriffen, wie Zsinj sie so gern macht, sehr verletzbar. Ihre Piloten, die man hierherbringt, wissen nicht, wo sie sind; und diejenigen, die Sie abweisen, werden auf dem gleichen Wege wieder entfernt werden.«

»Ja, Sir.«

»Also gut.« Plötzlich wirkte Crespin unsäglich müde. Wedge fragte sich, wie oft er sich wohl mit Offizieren auseinandersetzen mußte, die ihn mit Argumenten und Widersprüchen überhäuften – selbst wenn sie so höflich und wohlüberlegt wie die Wedges waren.

»Wegtreten.«