16

Borleias

 

Lukes Gruppe kehrte zu einem veränderten Borleias zurück − zumindest, was die Umgebung des Biotikgebäudes und andere Bereiche anging, die von den Streitkräften der Neuen Republik gehalten wurden.

An der Oberfläche sah alles schlechter aus. Luke und Kell mussten die Hässliche Wahrheit durch Schichten von Verteidigung lenken − Dovin-Basal-Minenfelder und Korallenskipperpatrouillen −, die zweifellos zur Zerstörung eines von weniger fähigen Piloten gelenkten Schiffs geführt hätte. Die Gebäude rings um das Biotikgebäude waren von häufigen Bombardierungen durch größere Schiffe vernichtet worden. Korallenskipperangriffe auf die Schiffe im Raum hatten die Lusankya in ein fliegendes Wrack verwandelt und auch die anderen Kreuzer und Sternzerstörer schwer angeschlagen. Die Schwarzmond-Staffel, eine der Eliteeinheiten, die direkt neben dem Biotikgebäude untergebracht war, hatte an diesem Tag allein drei Piloten verloren, darunter ihren Kommandanten und seinen Stellvertreter. Die Piloten, Soldaten und Mannschaften funktionierten nur noch mithilfe von Kraft und Starrsinn, und einige waren kaum imstande, aufrecht zu stehen, wenn sie ihren Dienst antraten.

Aber innerhalb seiner ersten Stunden zu Hause konnte Luke auch einen Blick unter die Oberfläche werfen.

Kyp Durron hieß Luke mit einem offenen Lächeln und einem Handschlag willkommen; als er die Geschichte von Lord Nyax hörte, hatte er keine Kritik daran, wie der Jedi-Meister mit der Angelegenheit umgegangen war.

Han und Leia schienen unbeschwert miteinander umzugehen; keine Spannung färbte die Worte, die sie wechselten. Sie erzählten Luke, dass sie wegen der hohen Wahrscheinlichkeit eines gewaltigen Schlussangriffs der Yuuzhan Vong im Pyria-System ihren nächsten Flug zum Aufbau von Widerstandsgruppen verschieben würden, um Jaina hier so gut wie möglich zu unterstützen.

Auch Jaina hatte sich verändert, war irgendwie ruhiger geworden. Ihr Zorn über den Verlust ihrer Brüder war so glühend wie zuvor, und sie kämpfte auch nicht weniger intensiv gegen die Yuuzhan Vong, aber sie war im Gleichgewicht und neigte nicht mehr zur Dunklen Seite. Ihr Lächeln war unbeschwert und offen.

Lukes Familie, vor Kurzem so zerrissen und in alle Richtungen zerstreut, war zwar noch nicht wieder vollkommen vereint, aber die Wunden begannen zu heilen.

 

Sie waren in der Messe des Biotikgebäudes, aber dieser Raum wurde nun nicht mehr für diesen Zweck genutzt und würde wahrscheinlich auch nie wieder dafür genutzt werden. Die Tische standen alle am Rand, die Stühle waren so aufgereiht, dass alle Sitzenden dem Ende des Raums zugewandt waren, wo nun General Wedge Antilles, Colonel Tycho Celchu und Luke Skywalker saßen. Auf den Stuhlreihen hatten sich Divisionskommandanten, Staffelkommandanten, Schiffskapitäne, Spione und Jedi niedergelassen.

»Das Sternenlanze-Projekt«, sagte Wedge, »ist eine auf Lasertechnik basierende Superwaffe, dem Hauptgeschütz eines Sternzerstörers nicht unähnlich, mit zwei wichtigen Unterschieden. Der erste Unterschied besteht darin, dass es Zeit und Raum verzerrt, um seine Zerstörungskraft durch den Hyperraum zu beschleunigen, was erlaubt, es als Erstschlagwaffe gegen feindliche Sternsysteme zu benutzen, die sich Lichtjahre entfernt befinden.« Es gab Gemurmel von jenen, die nicht in das Sternenlanze-Geheimnis eingeweiht waren, aber diese leisen Geräusche kamen nicht gegen die fernen Detonationen an − die Yuuzhan Vong bombardierten den Stützpunkt nun beinahe ununterbrochen; die Kräfte der Neuen Republik waren nicht zahlreich genug, um den Feind wirksam zurückschlagen zu können. Auch jetzt schützten Staffeln übermüdeter Piloten das Biotikgebäude vor diesem Beschuss, konnten es aber nicht vollkommen absichern.

Wedge zeigte auf einen Bereich in der Luft, und ein Hologramm erschien. Er hatte diese etwas dramatische Geste mit Tycho, der den Projektor bediente, abgesprochen, aber er dachte, dass es auch etwas Verwegenes hatte. Und er konnte sehen, wie Iella hinten im Zimmer lächelte.

Das Hologramm zeigte den Raum voller Sterne. Dann kamen vier unregelmäßig geformte Schiffe in Sicht. Drei waren identisch, sahen aus, als hätte man Y-Flügler-Cockpits an den Verbindungspunkt von Sechziggradwinkeln aus dickem Rohr geschweißt, wobei ein drittes Rohr diesen Winkel in zwei Dreißiggradwinkel teilte. Das vierte Schiff war von ähnlicher Bauart, aber hier gingen drei Rohre von einem Mittelpunkt am Heck des Cockpits ab. Ein viertes Rohr zweigte von der gleichen Stelle in einem Neunziggradwinkel zu der Ebene ab, die die drei anderen Rohre andeuteten.

Im Hologramm trennten sich die drei identischen Schiffe und bildeten bald die Spitzen eines imaginären Dreiecks. Das vierte bezog in der Mitte der Formation Stellung.

»Das hier ist keine maßstabgerechte Darstellung«, sagte Wedge. »Es ist eine Animation. Diese Schiffe trennen sich bis zu einer Entfernung von mehreren Lichtsekunden. Dann durchlaufen sie ihre Aktivierungssequenz.« Im Hologramm fiel Licht aus den beiden äußeren Rohren der drei identischen Schiffe. Die Strahlen gingen von einem Schiff zum nächsten und verbanden sie zu einem Lichtdreieck. Dann fiel auch ein Strahl aus dem Mittelrohr jedes Schiffs und ging zu dem Schiff in der Mitte. Und dann schoss das Mittelrohr des Schiffs im Zentrum. Sein Laserstahl, heller als alle anderen, sprang in den Raum … und verschwand.

»Die Sternenlanze-Waffe benutzt einen riesigen Leuchtkristall, einen nach der Methode der Yuuzhan Vong gezüchteten lebenden Kristall, um diese Kraft zu konzentrieren und die Hyperraumbeschleunigung durchzuführen, von der ich gesprochen habe. Und nun ist alles fertig für den letzten Einsatz.

Oh, und der zweite Unterschied zwischen dieser Waffe und dem Todessterngeschütz ist folgender: Dieser Sternenlanze-Strahl funktioniert nicht. Das Ganze ist eine Fälschung.«

Das Gemurmel wurde lauter. Wedge sah Luke grinsen.

Wedge hob die Stimme über das Gemurmel, um die Anwesenden zum Schweigen zu veranlassen. »Der Sinn des Sternenlanze-Projekts besteht darin, den genauen Zeitpunkt des abschließenden Angriffs der Yuuzhan Vong gegen uns in diesem System festzulegen. Sie ›wissen‹, dass diese Waffe sie bedroht; sie haben das Beispiel von Anakin Solos auf einem Leuchtkristall basierenden Lichtschwert, mit dem sie sie vergleichen können, und unsere Waffe beleidigt sie selbstverständlich. Sie ›wissen‹, dass wir uns ihre Technologie angeeignet haben, und das ärgert sie. Sie ›wissen‹, dass wir, sobald diese Waffe bereit ist, ihr Weltschiff im Orbit um Coruscant zerstören können; wir haben einen solchen Angriff auf einer niedrigen Energiestufe gefälscht, indem wir eins unserer großen Schiffe außerhalb des Orbits von Coruscant positionierten, das dann einen Laserangriff auf das Weltschiff durchführte, der zeitgleich mit dem Test unserer Rohrschiffe erfolgte. Also ›wissen‹ sie, dass sie uns, sobald wir die fertige Version in den Raum bringen, mit allem treffen müssen, was sie haben.

Und das wird sie am Ende genügend ablenken, damit wir eine vollständige Evakuierung dieser Einrichtung durchführen … und den letzten Kampf in diesem System auf eine Weise zu ihnen tragen können, die sie nicht erwarten.«

Nach dieser Aussage verliehen viele ihrer Erleichterung Ausdruck, in Worten und in Gesten. Wedge sah, wie seine Offiziere Blicke wechselten. »Ja, diese Verteidigung ist keine Selbstmordmission, ganz gleich, was Sie vielleicht gehört haben.« Das war zu einem gewissen Grad eine Täuschung. Der Beirat der Neuen Republik und der selbsternannte Staatschef Pwoe hatten genau das verlangt: eine Selbstmordmission. Aber Wedge hatte die Befehle ein klein wenig anders interpretiert. »Die Verwundeten und alles Personal, das nicht überlebenswichtig ist, wurden in den letzten Tagen bereits abtransportiert − auf sehr unbequeme Weise, fürchte ich, als Fracht und anderweitig getarnt − und befinden sich bereits in unseren Transportern und Frachtschiffen oben. Tycho?«

Tycho erhob sich und drückte einen Knopf auf dem Datenblock in seiner Hand. »Ihre Befehle wurden ihnen soeben zugestellt. Sie haben eine Stunde, bevor es losgeht. Ich schlage vor, wenn Sie noch etwas hier am Boden haben, das Sie mitnehmen wollen, sollten Sie es jetzt holen gehen.«

»Wenn Sie irgendwelche Fragen haben«, sagte Wedge, »sprechen Sie mit Ihren Vorgesetzten. Wir haben keine Zeit, noch länger hier zu bleiben. Sie können gehen.«

Die Offiziere erhoben sich und drängten zu den Ausgängen. In ein paar Minuten waren beinahe alle draußen, und ihre Stimmen wurden von dem Geräusch der Bombardierung so gut wie übertönt.

»Was macht deine neue Staffel?«, fragte Wedge Luke.

»Sie ist nicht übel. Meinem Vorgänger war Disziplin wichtiger als Talent, aber die Piloten, die ich geerbt habe, sind sehr entschlossen. Wir werden gut miteinander zurechtkommen.«

Wedge sprach einen Offizier an, der gerade die Tür erreicht hatte. »Eldo. Einen Moment?«

Der große, kräftige Kapitän der Lusankya kehrte zurück. Seine Miene war erheblich schwerer zu deuten als vor Wochen, als er im System eingetroffen war, aber das passte Wedge recht gut, denn das Einzige, was sich damals auf Davips Zügen abgezeichnet hatte, waren Verwirrung und Sorge gewesen. »General?«

»Ich möchte nur noch einmal sagen, wie Leid es mir tut, dass ich Ihnen Ihr Kommando unter den Füßen wegreiße. Ich werde dafür sorgen, dass es in Ihrer Akte kein schlechtes Licht auf Sie wirft.«

Der Kommandant lächelte dünn. »Schlecht? General, ich stehe kurz davor, den größten, furchterregendsten Ein-Piloten-Sternjäger zu befehligen, den die Welt je gesehen hat. Ob ich nun überlebe oder nicht, ich werde Geschichte machen.«

»Das ist eine gute Art, es zu betrachten.« Wedge streckte die Hand aus. »Viel Glück.«

 

Luke setzte sich zufrieden in seinem X-Flügler-Cockpit zurecht. In den Wochen, in denen er nicht auf Borleias gewesen war, hatte Wedge den Jäger benutzt und das Schiff mit der konzentrierten Sorgfalt warten lassen, die ein anderer Kampfpilot zu schätzen wusste. »Wie geht’s, R2?«

Sein Astromech piepste ebenfalls vergnügt, froh, wieder mitten im Getümmel zu sein.

»Schwarzmond-Führer an Staffel«, sagte Luke. »Schwarzmond-Führer ist bereit. Bereitschaftsmeldung nach Nummern.«

»Schwarzmond Zwei bereit.« Das war Mara in dem E-Flügler, der dem ehemaligen Kommandanten der Staffel gehört hatte. Der Mann war nicht im Kampf umgekommen; der Stress hatte ihn schließlich in wilde Paranoia verfallen lassen, und er wäre unfähig gewesen, auch nur den Landspeeder eines Kindes zu lenken, von einer Kriegswaffe nicht zu reden.

»Schwarzmond Drei bereit.«

»Schwarzmond Vier kann’s kaum erwarten, ihnen eins zu verpassen.«

Luke sah zu, wie die Sternenlanze-Piloten ihre schwerfälligen Fahrzeuge mittels Repulsoren aus dem Sondereinsatzhangar steuerten. Die drei Eckschiffe sahen genau so aus wie immer, aber das vierte, die Mitteleinheit, hatte einen Zusatz: In der Astromechbucht hinter dem Cockpit befand sich ein Kristall von der Größe eines Menschen. Er ragte anderthalb Meter weit aus der Astromechöffnung und glitzerte in der Sonne. Er war identisch mit dem Kristall, den ein Yuuzhan-Vong-Spion in einem der unteren Keller des Biotikgebäudes zerschlagen hatte − und ebenso falsch.

Irgendwo draußen im Dschungel hinter der Sicherheitszone würden Yuuzhan-Vong-Beobachter das sehen, erschrocken nach ihren Villip-Kommunikatoren greifen und aufgeregt mit ihren Kommandanten sprechen.

Eine nach der anderen kündigten die Elitestaffeln, die in all diesen Wochen im Biotikkomplex stationiert gewesen waren, um die Vorstellung zu bestätigen, dass es sich hier um den kritischsten Punkt der Verteidigung von Borleias handelte, ihre Bereitschaft an und gingen in Position: Gavin Darklighters Renegaten-Staffel, Jaina Solos Zwillingssonnen, Saba Sebatynes Wilde Ritter, Lukes Schwarzmonde, Wes Jansons Tanaab Yellow Aces. Shawnkyr Nuruodos Vanguard-Staffel. Der Millennium Falke. Weniger als zwei Kilometer entfernt duellierten sich die Staffeln der Lusankya mit Korallenskippern, und die größeren Schiffe hielten aus dem Raum auf den Stützpunkt zu, aber die Elitestaffeln würden sie nicht verstärken, würden sich auch nicht gegen die Angreifer am Boden wenden − nein, stattdessen würden sie damit beschäftigt sein, den Feind zu belügen.

Auf General Antilles’ Befehl stiegen die Renegaten, Zwillingssonnen und Schwarzmonde auf. Die Sternenlanze-Rohrjäger erhoben sich nach ihnen. Dann starteten auch die anderen Elitejäger. Es war ein Konvoi aus Sternjägern, Kanonenbooten und einem leichten Frachter, und auf seine eigene Weise war dies eine der tödlichsten Flotten, die die Neue Republik je auf den Weg geschickt hatte.

 

Auf dem Holocam-Schirm sah Wedge zu, wie die Staffeln des letzten Sternenlanze-Ausfalls abhoben. »Alarmiere die Lusankya«, sagte er Tycho. »Sobald die Verfolgung beginnt, soll Davip die Operation Speer des Imperators initiieren.«

»Verstanden«, sagte Tycho.

 

»Das«, informierte Czulkang Lah Harrar, »ist es also. Ihr Großangriff, um meinen Sohn zu vernichten.«

»Wie wird es sich abspielen?«

»All ihre besten Piloten schützen die Schiffe mit dem Kristall. Sie erwarten, dass wir ihrer Flotte überwältigende Horden von Korallenskippern entgegenschicken. Sobald unsere Jäger angriffsbereit sind, wird der Feind alle Mittel einsetzen, um unsere Yammosks zu verwirren und die Kommunikation zwischen unseren Kräften zu stören.« Czulkang Lah lächelte verkniffen. »Aber so wird es nicht geschehen. Augenblicke nachdem unsere Leute angreifen, werden bewegliche Dovin-Basal-Minen in den Bereich eindringen und anfangen, den Feinden die Schilde zu nehmen. Alle Jäger, die für diesen Kampf vorgesehen wurden, sind sorgfältig ausgebildet worden, sodass jeder einzelne Pilot die Initiative ergreifen kann. Eine Störung der Yammosk-Kontrolle wird ihnen nichts ausmachen. Ihre berühmtesten Kämpfer werden überwältigt und vernichtet werden. Der Gefahr durch den Kristall wird ein Ende gemacht. Und da die Kämpfer, die noch am Boden verblieben sind, von Erschöpfung und Trauer geschwächt sind, wird die Einrichtung am Boden ebenfalls innerhalb einer Stunde in unsere Hände fallen.«

Harrar nickte. Die Selbstsicherheit des alten Kriegsmeisters war in solch unsicheren Zeiten sehr willkommen. »All diese Einzelinitiativekämpfer … Wissen sie, dass sie Jaina Solo keinen Schaden zufügen sollen?«

»Das wissen sie.«

»Die Götter lächeln auf Sie herab, Czulkang Lah.«

»Möge es so sein. Und nun muss ich meine Aufmerksamkeit dem bevorstehenden Kampf zuwenden.«

Harrar verbeugte sich und zog sich zurück. Er ließ es sich nicht anmerken, aber er war ausgesprochen erfreut.

Endlich waren die Ziele der Yuuzhan Vong im Pyria-System in Reichweite gerückt.

 

Danni Quee schaltete das Kom im Kanonenboot der Wilden Ritter auf die Frequenz der Einheit um. »Hier Wilde Eins. Gravitationsmessungen lassen darauf schließen, dass eine große Formation von Korallenskippern auf uns zukommt. Sieht aus, als wären es mindestens hundert Skips. Geschätzte Ankunftszeit in zehn Minuten.«

»Wild Eins, hier Ace Eis. Das genügt für die Yellow Aces, aber was werdet ihr andern tun?«

»Ace Eins, Renegat-Führer hier. Ruhe.«

»Korrektur, die Sensoren zeigen jetzt eine größere Zahl an. Mindestens hundertfünfzig.«

»Ah, das klingt schon besser.«

 

»Jetzt?«, fragte Tycho.

Wedge dachte nach, immer noch auf das Sensordisplay konzentriert, das alle Daten von den diversen Staffeln verband. Er nickte.

»Lusankya, beginnen Sie mit Operation Speer des Imperators

Tycho lauschte, dann setzte er den Kopfhörer ab. »Die Lusankya ist auf dem Weg.«

»Wir beginnen mit der Evakuierung des Stützpunkts.«

Tycho kehrte an sein Komlink zurück. »Beginnen Operation Piranha-Käfer. Wiederhole beginnen Piranha-Käfer.«

»Du fliegst zur Mon Mothma. Solltest du irgendwann den Kontakt mit mir verlieren, sei es, weil ich im Transit bin oder aus irgendeinem anderen Grund, übernimmst du das Kommando über die Operation.«

»Verstanden.«

»Und sorg dafür, dass mein Shuttle wartet. Ich möchte nicht aus dem Gebäude getrabt kommen und dann nur einen Entschuldigungszettel finden.«

Tycho grinste und streckte die Hand aus. »Möge die Macht mit dir sein, Wedge.«

Wedge schüttelte die Hand seines alten Freundes. »Wenn das passiert, wie soll ich es dann merken?«

 

Kasdakh Bhul sagte: »Die Lusankya verlässt den Orbit. Wir haben Berichte, dass Jäger von ihr aufsteigen und sie eskortieren.«

Czulkang Lag runzelte die Stirn. »Haben Sie mir nicht zuvor gesagt, dass all ihre Jäger am Boden sind, bei der Verteidigung der Basis der Ungläubigen?«

»Ja, Czulkang Lah.«

»Nun?«

»Es waren unsere Berater von der Friedensbrigade, die uns das gesagt haben, basierend auf Daten, die sie aus dem Funkverkehr zwischen den Jägern und den Dreieck-Schiffen entnahmen.«

»Also haben sie gelogen.«

»Das denke ich ebenfalls.«

»Lassen Sie diese Berater zu einem unserer Schiffe kommen. Töten Sie einen für diesen Fehler. Jedes Mal, wenn ein neuer Fehler dieser Art uns Leben kostet, töten Sie einen weiteren.«

»Es wird geschehen.« Kasdakh Bhul machte sich wieder daran, die Flammkäfernische zu betrachten und lauschte den Villips auf dem Sims. Dann wandte er sich erneut dem Kommandanten zu. »Das rote Dreiecksschiff kommt nun aus dem Orbit.«

»Gut. Es wird leichte Beute sein; es hat nur wenige Waffen.« Czulkang Lah machte eine Geste, um die Aufmerksamkeit seines Flottenkommandanten zu erregen.

»Schicken Sie zwei Mataloks, um dieser Abscheulichkeit ein Ende zu machen.«

»Es wird geschehen.«

 

Die Lusankya drehte sich mit einer Trägheit, die kein Sternzerstörerkommandant von einem Piloten hingenommen hätte. Tatsächlich war die Drehung nach backbord zu weit ausgefallen, und sobald das Schiff damit fertig war, musste die Nase noch ein paar Grad nach steuerbord gezogen werden, bevor das Mammutschiff auf Kurs war.

Dann zündeten die Triebwerke, und sie begann schwerfällig, direkt auf das Weltschiff der Domäne Hull zuzufliegen.

 

»Bestätigte Zählung, zweihundertzehn Korallenskipper«, sagte Danni. »Und ein paar von diesen Schwerkraftanomalien folgen ihnen. Kontakt in drei Minuten.« Luke sagte: »Alle Staffeln, alle Staffeln, Kurs umkehren. Fliegt zurück und initiiert Stufe zwei nach einem Countdown von einer Minute.« Er zog seinen X-Flügler in eine enge Kehre. »Countdown beginnt …« Sein Finger schwebte über dem Schalter. »Jetzt.«

 

Die beiden Yuuzhan-Vong-Kreuzer näherten sich der Errant Venture von gegenüberliegenden Seiten.

Die Errant Venture hatte ihr Leben als imperialer Sternzerstörer begonnen, war von dem Schmuggler Booster Terrik erbeutet und zu seinem privaten Spielkasino und mobilen Hotel umgebaut worden und hatte deshalb anders als andere Schiffe ihrer Klasse vom Bug bis zum Heck einen leuchtend roten Anstrich. Die Farbe wurde nur hin und wieder durch Kampfspuren und von den Lichtern des Schiffs unterbrochen. Bis vor Kurzem war die Errant Venture das Zuhause der Jedi-Kinder gewesen, und sie galt als leichte Beute; die Yuuzhan Vong hatten sich nicht viel um sie gekümmert, denn sie stellte keine Gefahr dar, hatte den letzten Teil ihrer Zeit häufig auf Missionen außerhalb des Pyria-Systems verbracht und war im Allgemeinen ein viel weniger bedeutsames Ziel als das Biotikgebäude oder andere größere Schiffe der Neuen Republik.

Aber nun war ihre Zeit gekommen, und als die Mataloks sich näherten, begannen die jämmerlich wenigen Verteidigungsbatterien der Errant Venture zu schießen und versetzten den feindlichen Schiffen unbedeutende kleine Kratzer.

Die Yuuzhan-Vong-Kommandanten erwiderten das Feuer, aber zurückhaltend, denn sie warteten, bis sie eine Entfernung erreichten, die ihnen gestatten würde, diesem beleidigenden roten Dreieck wirklichen Schmerz zuzufügen. Aber einen Augenblick bevor sie die optimale Entfernung erreichten, begannen die anderen Waffen der Errant Venture zu feuern. Der imperiale Sternzerstörer drehte sich, damit jedes Matalok sich im Visier der größtmöglichen Anzahl von Geschützen befand, dann eröffneten dreißig Turbolaserbatterien das Feuer und verwandelten den Rumpf beider Kreuzer in eine glühende, explosive Ruine.

Innerhalb von Sekunden waren die beiden Mataloks verschwunden, und eine sich ausbreitende Wolke aus Gas und Trümmern stellte das einzige Anzeichen dafür dar, dass es sie einmal gegeben hatte. Ihre Kommandanten würden nie wissen, welcher Täuschung sie zum Opfer gefallen waren. Als die Lusankya mehr und mehr beschädigt wurde, hatte man viele ihrer unbeschädigten Turbolaser und Ionengeschütze zu den anderen großen Schiffen der Flotte gebracht, was die Lusankya zu einer nur gering bewaffneten Hülse eines Zerstörers machte und den anderen gewaltige Feuerkraft verlieh.

Die Errant Venture hielt ihren Kurs, bis die Schwerkraft von Borleias sie nicht mehr sonderlich behinderte, dann sprang der imperiale Sternzerstörer in den Hyperraum.

 

Charat Kraal, der eine der Staffeln befehligte, die auf die Rohrjäger und ihren ketzerischen Kristall zurasten, seufzte zufrieden. Sie brauchten die feindlichen Jäger nur lange genug in diesem Bereich des Raumes zu halten, bis die Minen dort waren, und die Minen, die Jaina Solos X-Flügler zugeordnet waren, würden sie packen und in Charat Kraals Griff bringen.

Ihr Sternjäger befand sich in der Wolke aus Schiffen, die nun auf sie zukam. Der besonders bearbeitete Dovin Basal an Charat Kraals Korallenskipper konnte die spezifische Schwerkraftsignatur ihres Schiffs spüren und übermittelte Charat Kraal seine Aufregung in Form von ununterbrochenem Summen in der Kontrollhaube.

Die Sternjäger vor ihnen hatten sich zu Staffeln formiert und würden jeden Moment in Waffenreichweite kommen. Charat Kraal wählte sich ein Ziel in Jainas Staffel, das Schiff mit den klauenförmigen Erweiterungen.

Dann verschwanden die feindlichen Jäger plötzlich.

Charat Kraal blinzelte, dann konzentrierte er seine Aufmerksamkeit auf seinen zweiten Dovin Basal. Die Frage, die er stellte, war wortlos, wurde aber verstanden: Wo ist das Schiff?

Der Dovin Basal wusste es nicht.

Die vier Schiffe, die die Ungläubigen Rohrjäger nannten, waren allerdings immer noch direkt vor ihnen. Erschüttert und verwirrt orientierte sich Charat Kraal auf sie und verfolgte sie weiter, wie es auch die anderen in seiner gewaltigen Korallenskipperflotte taten.

Bald schon befanden sich die fliegenden Götterlästerungen in Schussweite. Charat Kraals Verachtung wuchs, als die ersten Korallenskipper seiner Formation zu schießen begannen. Die Rohrjäger gaben sich nicht die Mühe zu manövrieren. Vielleicht waren die Piloten zu unerfahren, zu verängstigt.

Charat Kraal schob den Gedanken weg. Es war einfach unsinnig. Selbst der unerfahrenste Pilot konnte versuchen, sich aus der Feuerlinie zu manövrieren, und diese Schiffe hier rührten sich nicht. Eins nach dem anderen detonierten sie unter dem Plasmabeschuss der Yuuzhan Vong, das Schiff mit dem Kristall als Letztes.

Der nächste Gedanke traf Charat Kraal wie ein Schlag: was, wenn sie nicht einmal lebendige Piloten hatten? Was, wenn diese Abscheulichkeiten von anderen Abscheulichkeiten gesteuert worden waren?

 

Kasdakh Bhul machte den Eindruck, als störe es ihn, Czulkang Lah so unverständliche Neuigkeiten bringen zu müssen. »Die Korallenskipper, die die Schiffe mit den Kristallen angreifen, melden, dass alle Jäger der Ungläubigen, die diese Abscheulichkeiten eskortierten, verschwunden sind.«

»Verschwunden. Geflohen?«

»Nein, es sieht nach einem ordentlichen Sprung in den Raum aus. Und es gibt noch mehr.«

»Sagen Sie es mir.«

»Die Mataloks, die das rote Dreiecksschiff zerstören sollten, sind weg. Ebenso wie das rote Dreiecksschiff.«

»Alle vernichtet? Das Schiff der Ungläubigen muss ihnen trotz seiner schlechten Bewaffnung einen erbitterten Kampf geliefert haben.«

»Das ist unbekannt. Die Matalokkommandanten berichteten nichts über heftige Gegenwehr.«

Czulkang Lah schaute missmutig drein, aber er wandte seinen Zorn von Kasdakh Bhul ab. Dieser Krieger war nicht besonders intelligent, aber es brauchte Mut, um einem höheren Offizier schlechte Nachrichten zu überbringen.

Und das waren in der Tat schlechte Nachrichten. Es wurde immer rätselhafter. Czulkang Lah mochte keine Rätsel. Rätsel bedeuteten, dass er nicht jede Variable korrekt interpretiert hatte.

Und auf solche Weise konnte man leicht eine Schlacht verlieren.

 

Sobald sie den Schwerkraftbereich von Borleias verlassen hatte, zündete die Lusankya ihren Hyperantrieb zu einem Mikrosprung, der ihre Eskorte von Sternjägern hinter sich ließ. Der Sprung führte sie auf halbem Weg durchs System, bis eine Dovin-Basal-Mine sie wieder in den Realraum zurückzog.

Das war keine unerwartete Entwicklung. Die Besatzung wusste, dass das passieren würde, nur nicht genau, wann. Nach Raummaßstäben war der Supersternzerstörer nun nicht mehr weit von dem Weltschiff der Domäne Hul entfernt, das Czulkang Lah befehligte, aber es war unwahrscheinlich, dass er noch einen Versuch unternehmen würde, näher zu kommen; der Raum zwischen diesem Punkt und jenem musste vor Dovin-Basal-Minen nur so wimmeln.

Ihre Besatzung sendete sofort ein Signal auf Flottenfrequenz. Es sagte nicht viel mehr als: Ich bin in Position.

Die Lusankya war zwar dazu gebaut, eine Besatzung von mehr als einer halben Million zu tragen, Bodentruppen nicht eingeschlossen, aber die Dinge hatten sich geändert. Es gab keine Waffenbatterien zu bedienen. Die Lebenserhaltungssysteme waren beinahe überall auf dem Schiff abgeschaltet. Die Kommunikation war auf einige wenige Kanäle verringert, Schilde und andere kritische Systeme wurden überwiegend von Droiden gelenkt. Niemand überwachte den Treibstoffverbrauch, die Hitzeentwicklung in den Triebwerken, die Vorräte.

Die Besatzung des Schiffs bestand nur noch aus einem einzigen Mann.

Einen Augenblick später erschienen die Staffeln, die gerade die Rohrjäger verlassen hatten, hinter dem Supersternzerstörer, aus dem Raum gerissen von der gleichen Dovin-Basal-Mine. Sie wendeten und gruppierten sich als Schutzschirm um die Lusankya.

Und Korallenskipperstaffeln begannen sie anzugreifen.

 

Der Millennium Falke zählte nicht zu den Schiffen, die die Lusankya schützten. Tatsächlich kam der Frachter am Rand des dichtesten Dovin-Basal-Minenfelds aus dem Hyperraum, in dem Bereich, der den Hauptvektor für Schiffe schützte, die von Coruscant her eintrafen.

»Ich sehe keine Korallenskipper«, sagte Leia.

»Gut! Wie wär’s mit einer Runde Sabacc?«

Leia versetzte ihm einen gereizten Blick.

»Du weißt, dass ich nur Spaß mache. Mach die Schwerkraftköder fertig.«

Leia bediente ein paar Schalter an der Waffenkonsole vor ihr. Zuvor hatte es hier einen einzigen Schalter gegeben, der die Aufschlaggeschosse scharf machte, aber in den letzten Tagen war er kurzfristig ersetzt worden. »Fünf scharf«, sagte sie.

»Setz einen ab.«

Sie kippte den ersten Schalter. Der Falke wackelte ein wenig, als einer der Köder aus dem Aufschlaggeschossrohr abgefeuert wurde.

Leia beobachtete ihn auf dem Sensorschirm. Das Ding flog in die Mitte des Minenfelds, dann wandte es sich plötzlich dem entfernten Schlachtfeld zu. Es bewegte sich erheblich langsamer, als sich eine Rakete bewegen sollte.

Auf dem Schirm blieben die Rasterdarstellungen der Punkte im Raum, an denen die Schwerkraft gestört war, konstant … außer in einem Bereich. Dort faltete sich das Raster, und die Verzerrung veränderte sich, erst langsam, dann mit zunehmender Geschwindigkeit, und folgte der Rakete.

Leia lächelte. »Köder geschluckt.«

Dieser Köder war ein Instrumentenpaket, das die von Jaina Solo entwickelte Technik der Simulation einer Schwerkraftsignatur benutzte. Die Rakete, die sie abgeschossen hatten, verfügte über die gleiche Schwerkraftsignatur wie der Millennium Falke, ebenso wie die vier anderen Raketen, die noch im Falken warteten.

»Starte Nummer zwei.«

»Du klingst wirklich wie ein Flottenoffizier.«

Han grinste. »Nur, wenn ich Befehle gebe

»Rakete zwei gestartet.«