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R2-D2 war schon vor langer Zeit gebaut worden, und diese langen Jahre der Erfahrung bedeuteten, dass er über einen Schatz an Tricks, Techniken und Strategien verfügte, von denen die meisten anderen Droiden noch nicht einmal etwas ahnten. Jetzt stellte er fest, dass er einige davon brauchte.

Denn frustrierenderweise weigerte sich der Gefängniscomputer des Raumhafens einfach, seine Freunde freizulassen.

Oh, es war nicht schwer gewesen, Informationen über sie zu erhalten. Han und Leia teilten sich eine Zelle auf der untersten Gefängnisebene und wurden als STAATSFEINDE bezeichnet, mit der Zusatzcharakterisierung FESTHALTEN BIS ZUR SONDERABHOLUNG.

Er konnte die Gefängniscomputer auch überreden, die Tatsache geheim zu halten, dass er, R2-D2, versuchte, sich über sie hinwegzusetzen. Es gelang ihm, sich eine falsche Identität als Prüfprogramm zu verschaffen, das die Effizienz des Sicherheitsprogramms testete. Alles, was er ertragen musste, war leiser Spott, wenn es ihm wieder einmal nicht gelang, in eins der Protokolle einzudringen. Was häufig geschah.

Die Gefängniscomputer ließen sich nicht davon überzeugen, dass die Zelle der Solos tatsächlich unbewohnt und bereit für einen anderen Bewohner war, was die Tür geöffnet hätte. Sie ließen sich nicht vormachen, dass die militärische Autorität der Solos der des Gefängnisdirektors oder des Sicherheitschefs entsprach. R2 konnte sie nicht veranlassen, dass Han und Leia beschlagnahmte Sprengstoffe übergeben wurden, die sich in einem gesicherten Spind befanden. Und er konnte sie auch nicht dazu bringen, die Solos auf eine Ebene mit weniger scharfen Sicherheitsmaßnahmen zu versetzen.

R2-D2 piepte aufgeregt. Gefängniscomputer waren anders als Menschen, nie abgelenkt oder hungrig. Ihre Aufmerksamkeit ließ niemals nach. Das hier würde eine Ewigkeit dauern, und es gab einen Hinweis in der Akte der Solos, dass sie innerhalb der nächsten Stunden Besuchern von außerhalb des Systems übergeben werden sollten.

Abgelenkt. Hungrig. R2-D2 sah sich die Computerprotokolle zum Thema Ernährung der Gefängnisinsassen an.

Zufrieden gab er ein Trillern von sich und machte sich wieder an die Arbeit.

 

C-3PO stellte sich in die Besucherreihe, und langsam, Meter um Meter, kam er dem Lieferanteneingang des Gefängnisses näher. Er sprach in die Tasche, die um seinen Hals hing, und flüsterte: »R2, es sind nur noch drei vor mir.«

VERSTANDEN.

Der Protokolldroide schaute zum Eingang. Dort standen ein Mensch und ein Sicherheitsdroide. Der Sicherheitsdroide war klotzig gebaut, mit schwarzer Rüstung, die an Sturmtruppen erinnerte, und einem beinahe konturenlosen Gesicht mit rot glühenden Augen; ein albtraumhafter Anblick sogar für einen Droiden. Der Mensch wirkte, als wäre er ein entfernter Verwandter des Droiden, mit ähnlicher Rüstung und ähnlichem Körperbau. Er trug keinen Helm, und seine Augen schienen im Morgenlicht rötlich zu glänzen.

C-3PO machte einen weiteren Schritt vorwärts. »Jetzt sind noch zwei vor mir.«

GUT. DIE ZEITEINTEILUNG STIMMT.

»Welche Zeiteinteilung?«

Er erhielt keine Antwort.

Nun stand nur noch eine Person vor C-3PO in der Reihe. Der menschliche Wachtposten, der gerade diesen Besucher kurz verhörte, runzelte die Stirn und hob ein schwarz emailliertes Komlink hoch. Er sprach einen Moment hinein, dann wandte er sich dem Droiden zu. »Übernimm du einen Moment«, sagte er. »Die Gehaltsbuchhaltung hat eine Frage an mich.«

Der Droide nickte. Als der Mann weg war, nahm er den Identichip des nächsten Besuchers entgegen, zog ihn durch seinen eingebauten Schlitz, gab ihn dem Mann zurück und versetzte ihm dann einen Schubs, der ihn die Treppe hinunterstolpern ließ. »Zugang verweigert«, verkündete der Droide. »Der Nächste.«

C-3PO kam näher und hatte irrationalerweise das Gefühl, dass seine Sprachzentren schmolzen. »Guten Morgen, Sir. Ich möchte diese …«

»Still. Identifikation.«

C-3PO reichte ihm den Chip, der noch Minuten zuvor in seinem Datenblock gesteckt hatte.

Der Sicherheitsdroide steckte den Chip in den Schlitz in seiner Brust, dann spuckte er ihn wieder aus und gab ihn zurück. »Tadening Mahlzeiten ist autorisiert einzutreten«, sagte er.

»Danke, Sir.« C-3PO versuchte durch die Tür zu gehen, aber die Hand des Sicherheitsdroiden krachte auf seine Schulter und hielt ihn fest.

»Nicht so schnell. Alle mitgebrachten Artikel zur Durchsuchung vorlegen.«

Widerstrebend hielt C-3PO seine Tasche zur Inspektion hin und öffnete die Klappe. Deutlich sichtbar lagen dort Leias Lichtschwert, Hans modifizierter DL-44-Blaster, Vibromesser, ein Datenblock, Datenkarten. »Das hier ist die letzte Mahlzeit für die Solos vor ihrem Abflug.«

Der Sicherheitsdroide starrte die Gegenstände an. »Identifizieren.«

»Nun, die beiden größeren Päckchen sind corellianische Fleischklöße. Der mit dem Auslöser ist selbstverständlich scharf gewürzt, der andere nicht.« Bedrückt, weil ihm nur eine so lächerliche Beschreibung eingefallen war, zeigte er auf die Vibroklingen und log weiter: »Brotstangen.« Dann zeigte er auf die anderen Gegenstände. »Honigwaffeln zum Nachtisch.«

»Kein Gemüse?«

»Kein Gemüse. Sie wissen doch, wie Corellianer sind.«

Der Sicherheitsdroide setzte sich drahtlos mit dem Basiscomputer in Verbindung und ließ sich dreidimensionale Bilder der Lebensmittel zeigen, die C-3PO benannt hatte. Die Datenbank bot ihm die neueste Version von Bildern dieser Lebensmittel, die in jeglicher Hinsicht, sei es Farbe, Größe und Oberflächenstruktur, mit den Gegenständen in der Tasche übereinstimmten.

»Zugang gestattet«, sagte der Sicherheitsdroide.

»Danke, Sir.«

Nachdem er den Lieferanteneingang hinter sich hatte, folgte C-3PO Datenmikrosendungen, die ihn durch einen Irrgarten von Dienstleistungsabteilungen führte: Wäscherei, elektronische Gefangenenüberwachung, Besucherflure. Am Eingang zur Küche kam ihm ein Rollwagen entgegen, der einen Schlitz öffnete.

»Bist du sicher, dass dies der Schlitz für die Mahlzeiten der Solos ist?«

Der Rollwagen piepste gereizt.

»O nein, ich wollte selbstverständlich deine Kompetenz nicht infrage stellen. Ich habe nur Konversation gemacht.« C-3PO ließ den Inhalt seiner Tasche in den Schlitz fallen. Der Rollwagen schloss den Schlitz und fuhr rasselnd wieder durch die Tür in die Küche zurück, wobei er immer noch alles andere als freundlich vor sich hin piepste.

»Behördendroiden«, schnaubte C-3PO. »Und jetzt wollen wir mal sehen, wie wir wieder herausfinden.«

Aber er sprach mit sich selbst. Solange er keinen anderen Datenblock oder ein Kom mit einem starken Sender fand, das ihn mit R2-D2 verband, war er auf sich gestellt. R2-D2 hatte ihn angewiesen, nach der Übergabe das Gefängnis auf dem Weg zu verlassen, auf dem er gekommen war, und sich dann so schnell nach Norden zu bewegen, wie seine goldenen Beine ihn trugen. Der Astromech hatte ihm gesagt, er solle mutig sein.

»So fühlt sich Mut also an«, sagte der Protokolldroide leise. »Seltsam, es ist ganz ähnlich wie Versteinern.«

 

Han und Leia hörten, wie der Essensdroide an der Zellenreihe entlangfuhr. Vor jeder Zelle verkündete er mit einem nervtötenden mechanischen Heulton: »Frühstück.« Dann folgten Klappern und Scheppern.

»Ich nehme an«, sagte Han, »es wird eine interessante Mahlzeit sein.«

Der Droide kam quietschend vor ihrer Tür zum Stehen. »Letzte Mahlzeit«, verkündete er.

»Es wird immer besser«, sagte Leia.

Dann fielen Gegenstände durch den Schlitz in der Tür. Hans Blaster. Leias Lichtschwert. Andere Dinge.

»Das muss einfach ein Witz sein«, sagte Han.

Leia nickte. »Dieser Laden ist gerade zu meinem Lieblingsgefängnis geworden.«

Sie eilten zur Tür und sahen sich an, was sie hatten. Leia klappte den Datenblock auf und las: R2-D2 WARTET AUF ANWEISUNGEN. AUDIO OFFEN. GEBEN SIE ›VORWÄRTS‹ FÜR FLUCHTROUTE EIN UND ›RETURN‹ FÜR TEXT.

Leia strahlte. »R2?«

HIER. ICH SCHLAGE VOR, SIE FLIEHEN SO SCHNELL WIE MÖGLICH. ICH BIN NICHT IN DER LAGE, DIE WÄRTERDROIDEN DAVON ABZUHALTEN, IHRE ZELLE ZU ÜBERWACHEN. SIE WERDEN JEDEN AUGENBLICK ANFANGEN SICH ZU WUNDERN, WIESO SIE IHR ESSEN NICHT ZU SICH NEHMEN.

»Verstanden«, sagte Leia. Sie drückte eine Taste und nahm sich einen Moment Zeit, um sich die ersten Elemente ihres Fluchtwegs einzuprägen. »Kurzer Flur, Metallgitter − kein Problem − durch den Boden in den Instandhaltungsbereich schneiden. Verstanden. Fertig?« Sie reichte Han den Datenblock.

»Fertig.« Han stellte sich neben die Tür, den Blaster in der Hand.

Leia aktivierte ihr Lichtschwert. Sie stieß die Spitze der glühenden roten Energieklinge dicht über dem Boden in die Tür und zog sie zur Seite. Sie spürte den schweren Widerstand der Metallriegel. Sobald sie daran vorbei war, tat sie das Gleiche noch einmal ganz oben an der Tür, wobei ihre Klinge nicht ganz horizontal schnitt, weil sie nicht groß genug war, um das Lichtschwert so hoch zu halten.

Sobald sie dort den schwersten Widerstand hinter sich hatte, zog sie sich in eine defensive Haltung zurück und nickte.

Han schob. Die Tür glitt halb auf. Er zog die Hand rasch zurück, als zwei Wärter auf der anderen Seite mit Blastern durch die Öffnung schossen.

Leia fing beide Schüsse mit der Klinge ab, schlug einen zur Seite, den anderen wieder durch die Öffnung. Er traf einen blau gekleideten Wärter in die Brust, und der Mann fiel zu Boden, die Uniform brennend und qualmend.

Han lehnte sich nach draußen und schoss zweimal durch die Öffnung, traf den anderen Mann. Wieder schob er die Tür auf, und diesmal öffnete sie sich ganz.

 

Han und Leia bogen um die Ecke zu dem vergitterten Ausgang aus diesem Zellenblock. Han wartete hinter seiner Frau und begann in die Richtung zu schießen, aus der sie gekommen waren, während Leia an den Gittern arbeitete und drei Stangen in Kopf- und Fußhöhe durchschnitt. Blasterfeuer zischte an Han vorbei und schwärzte die Wand hinter ihm. »Bist du so weit?«, rief er.

»Ja. Komm.« Sie glitt durch die Lücke und wandte sich Han zu.

Er rannte zu ihr und sprang durch die Lücke. In diesen paar Sekunden kamen bereits die ersten Wärter um die Ecke. Sie begannen zu schießen; Leia schlug die Salven aus der Luft und freute sich daran, etwas so Einfaches, Wirkungsvolles und Direktes tun zu können. Einige der abgelenkten Geschosse flogen wieder in die Richtung, aus der sie gekommen waren, und zwangen die Wärter, sich zurückzuziehen.

Dieser Flur war nichts weiter als eine Durabetonröhre, die sich sachte nach oben zog. Han rannte weiter und maß im Laufen die Entfernung ab. Er warf noch einen Blick auf den Datenblock in seiner Hand, dann schoss er mit dem Blaster auf den Boden. »Das ist unser Punkt.«

Leia rannte zu ihm, stieß das Lichtschwert dort in den Boden und zog es in einem Kreis herum. Han wartete, bis er die ersten Köpfe unten an der Rampe sah, dann fing er an, auf die Verfolger zu schießen. »Funktioniert es?«

»Nur langsam. Ich habe anfangs vergessen, den Schnitt nach außen statt nach innen zu biegen.«

»Was für einen Unterschied − schon gut.« Wenn sie durch den Durabeton schnitt und der Winkel nach innen wies, würde sie nur einen Stöpsel schaffen, den sie hochziehen mussten; es umgekehrt zu machen würde bewirken, dass das herausgeschnittene Stück nach unten stürzte.

Aber es wollte nicht stürzen. Leia hatte ihren Schnitt beendet und trat keuchend zurück, doch das herausgeschnittene Stück blieb störrisch an Ort und Stelle.

Han schoss weiter. »R2!«, rief er. »Wie dick ist der Durabeton hier?« Er warf einen raschen Blick auf den Datenblock.

WENIGER ALS EINEN METER.

»Warum fällt es dann nicht herunter?«

Erzürnt stampfte Leia auf das Stück. Es blieb weiterhin, wo es war. »Sieh dir die Karte noch einmal an«, sagte sie. »Vielleicht haben wir uns vertan.«

»Sieh du sie dir an!« Han warf ihr den Datenblock zu und schoss dreimal schnell hintereinander. Das Gegenfeuer prallte vom Durabeton rings um sie her ab. »Ich bin offenbar nicht imstande, eine Karte zu lesen.«

»Nein, du hast die richtige Stelle gefunden.«

»Fall runter, verdammt noch mal!« Han stampfte auf das herausgeschnittene Stück. Es vibrierte nicht einmal. Er sprang mit beiden Füßen darauf.

Es fiel.

R2-D2 schickte den Befehl durch das Kabel, das sich durch die falsche Fluchtkapseltür zum Tor der Landebucht schlängelte. Sofort registrierten seine Audiosensoren ein Knirschen, als das Dach begann, sich zurückzuziehen.

Er stieß das Kabel aus seinem eigenen Stecker aus und sah zu, wie es durch das Loch zum Boden der Bucht darunter rutschte.

Mit einem leisen fröhlichen Quieken, das seinen Eifer verriet, rollte der Astromech aus der Fluchtkapsel und auf die Brücke des Falken. Dort schloss er sich an und begann eine verkürzte Startvorbereitungssequenz. Die Hafenautoritäten würden schon bald bemerken, dass eine angeblich leere Bucht sich öffnete, um einen angeblich beschlagnahmten Transporter starten zu lassen, und bis dahin wollte er verschwunden sein.

R2-D2 hatte immerhin nicht jeden Tag Gelegenheit, den Millennium Falken zu fliegen.

 

Captain Mudlath war in seinem Büro und rechnete sich gerade aus, was er sich mit der Belohnung kaufen konnte, die auf die Solos ausgesetzt war, als sein Kom zum Leben erwachte. »Captain«, sagte sein Verwaltungsassistent, »die Solos sind geflohen.«

Mudlath wurde tatsächlich ein wenig schwindlig, als das Adrenalin ihn durchflutete. »Ich hoffe, das ist nur ein Witz«, sagte er. »Und ein so komischer, dass ich lange genug darüber lache und dabei vergesse, Sie umzubringen.«

»Sie haben das Gefängnis noch nicht verlassen«, sagte der Assistent. »Sie werden auch nicht rauskommen. Aber sie sind aus ihrer Zelle geflohen.«

Mudlath senkte die Stimme zu einem Beinaheflüstern: »Dann würde ich vorschlagen, Sie bringen sie in die Zelle zurück.« Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern schaltete das Kom ab, dann lehnte er sich zurück und versuchte seine Magenmuskeln dazu zu bewegen, sich zu entspannen.

Wenn er sie nicht wieder gefangen nehmen konnte, würden seine Vorgesetzten in der Friedensbrigade ihm nicht nur die Belohnung für die Gefangennahme der Solos vorenthalten, sie würden diese Nachricht wahrscheinlich überhaupt sehr schlecht aufnehmen. Und wenn es so weiterging, wie anzunehmen war, und die Friedensbrigade demnächst die legitime Regierung dieses Hinterwäldlerplaneten darstellte, würde er verschwinden müssen. Schnell und heimlich.

Nun wurde er aktiv. Er griff in eine Schublade und nahm eine Hand voll Identichips heraus, die er Gefangenen abgenommen hatte. Mit einer kleinen Modifikation würde einer davon vielleicht helfen, ihn hier wegzubringen.

 

Der Durabeton unter Hans Füßen fiel in die Dunkelheit, aber nur etwa drei Meter − tief genug, dass er anfangen konnte sich zu fragen, ob er vielleicht in einen Minenschacht stürzte, und kurz genug, dass er dank seiner Erfahrung den größten Teil des Aufpralls mit den Knien abfangen und sich dann nach vorn abrollen konnte, um auf einem anderen harten Boden zu landen, ohne sich allzu viele Prellungen zuzuziehen.

Nicht allzu viele. Aber es gab welche. Sein nicht mehr ganz so junger Rücken würde das am nächsten Morgen spüren. Erstaunlicherweise hatte er immer noch den Blaster in der Hand.

Er war in einem anderen Durabetongang, der nur durch das Loch in der Decke beleuchtet wurde. Ein Loch, in dem plötzlich Leias Gesicht erschien. »Alles in Ordnung?«

»Komm runter!«

Sie sprang mit dem Kopf voran ins Loch und drehte sich in der Luft, um sicher auf dem herausgeschnittenen Betonstück zu landen. Sie tat das so leichtfüßig, dass Han einfach grinsen musste. »Du machst das wie eine Jedi.«

»Still. Wohin jetzt?« Sie reichte ihm den Datenblock.

Er warf einen Blick auf den Schirm und wandte sich in die gleiche Richtung, die sie in dem Gang darüber eingeschlagen hatten. »Wir kommen zu einer Metalltür, die uns in eine Abfallmetallpresse führt. Wir gehen nach links und durch die Tür am Ende.«

»Nein, Han. Nicht noch eine Müllpresse. Eine ist genug für ein ganzes Leben.«

Die Karte auf dem Schirm verschwand plötzlich, und dafür erschienen die Worte: ICH HABE BEI DER PRESSE EINEN ENERGIEAUSFALL BEWIRKT. SIE KANN NICHT WIEDER AKTIVIERT WERDEN, OHNE EINEN KOMPLETTEN STARTDURCHLAUF ZU VOLLZIEHEN. DAS DAUERT MINDESTENS DREI STUNDEN.

»Nun«, gestand Leia ihnen zu, »dann ist das wohl in Ordnung.«

Weitere Gestalten erschienen in dem Loch über ihnen. Han und Leia rannten los, bevor sie anfangen konnten zu schießen.

 

R2-D2 schaute durch die Holocam-Augen des Falken und auf die Sensoranzeigen und brachte den Frachter mithilfe der Repulsoren steil nach oben. Das Schiff wackelte wie ein Teller auf einem Stock, und der kleine Droide staunte darüber, dass Menschen, deren Reflexe sich im Vergleich mit dem Rechentempo von Droiden im Kriechgang vollzogen, so gut lernen konnten, Schiffe zu fliegen.

Es gelang ihm, den Falken aus der Bucht zu bringen, bevor die Decke sich wieder schloss. Das Trillern des kleinen Astromech klang ein wenig wie Lachen − die Hafenautoritäten hatten seine Flucht zu spät bemerkt. Jetzt, da er sich oberhalb der Bucht befand, hatte er auch das Kommunikationsstörfeld hinter sich, das sie errichtet hatten, und er konnte Han und Leias Datenblock wieder finden und erneut kommunizieren.

Nun musste er vor allem dafür sorgen, den Falken zum Gefängnis zu bringen. Nein, er musste ihn nicht nur hinbringen, erinnerte er sich, das Schiff musste auch in einem Stück ankommen.

 

Wütend trat Han gegen den Haufen Metallreste, der vor der Ausgangstür der Metallpresse lag. »R2, du hast nichts darüber gesagt, das wir uns freigraben müssen!«

TUT MIR LEID. DAS COMPUTERSYSTEM HAT NICHT ERWÄHNT, DASS DIE PRESSE HALB VOLL IST. DIESE LEUTE VERSTOSSEN GEGEN IHRE EIGENEN REGELN. DESHALB HATTEN SIE DIE LADUNG WAHRSCHEINLICH NICHT ANGEFÜHRT.

»Leia, kannst du dich hier durchschneiden? Oder durch die Wand?«

Leia ließ ihre Lichtschwertklinge an der glänzend blauen Wand der Presse abprallen und schüttelte den Kopf. »Magnetisch versiegelt. Ich kann durch den Abfallhaufen schneiden. Aber das wird ein paar Minuten dauern.« Dann hörte sie metallische Stimmen hinter sich. Sie fuhr herum. »Und die haben wir nicht.«

Ein Sicherheitsdroide kam durch die Tür herein, die Han und Leia erst vor einem Moment selbst benutzt hatten. Der Droide schoss, sobald er sich in der Presse befand, und schoss weiter, als er zur der Tür gegenüberliegenden Wand rannte, wo er Stellung bezog und anderen Deckung gab.

Leia schlug das erste Geschoss aus dem Weg, als sie und Han Deckung suchten. Die Deckung war gut, schwere Stahlteile, die rasch von den Blastergewehrschüssen ausgestrahlte Energie absorbierten. Aber Fehlschüsse prallten von den Wänden ab, die durch die magnetische Versiegelung geschützt waren, und es war zu erwarten, dass bald einer von ihnen Hans oder Leias Rücken traf.

Dann kam ein zweiter Droide herein, ein dritter folgte, dann ein vierter, und sie schossen alle.

»Wir sind erledigt«, sagte Leia.

»Das glaube ich nicht.« Han sah sich um, fand eine Nische in den Metallresten, die besseren Schutz bot, und schlüpfte hinein. Er reckte sich hoch genug, um einen Augenblick das Feuer zu erwidern. »Sechs, sieben, acht von ihnen. Je mehr, desto besser.«

»Je mehr, desto besser?« Leia zwängte sich neben ihn.

»Ja, wenn genug von ihnen kommen, können wir auf keinen Fall verlieren.«

»Nun weiß ich, was du meinst, wenn du sagst, du willst gar nicht wissen, wie die Chancen stehen. Du weißt einfach nicht, was das bedeutet.«

Han grinste sie an. »Neun, zehn, elf. Das reicht für den Anfang. Kannst du mir ein paar von diesen Blastergewehren besorgen?«

»Hast du vor, dir den Weg freizuschießen?«

»Ja. Bitte, Leia. Zwei Gewehre.«

Leia zögerte, verwirrt, weil Han bitte gesagt hatte, was nicht oft vorkam, dann sagte sie: »Gib mir Deckung. Los.«

Han richtete sich auf und gab rasch mehrere Schüsse ab. Leia erhob sich einen Augenblick später hinter der Deckung und sah mehrere Droiden das Feuer erwidern. Einige mussten sich jedoch zurückhalten, damit sie ihre Kollegen nicht trafen, die weiter in die Presse stürmten.

Leia griff mithilfe der Macht nach einem der Droiden, die als letzte hereingekommen waren, weil dieser sein Gewehr nur lose in der mechanischen Hand hielt. Sie riss die Waffe auf sich zu, und das Gewehr segelte in die gewünschte Richtung. Noch bevor es landete, wiederholte sie den Trick bei dem nächsten Droiden, der hereinkam, und auch dieses Gewehr sprang aus dessen Hand in Leias.

Sie duckte sich wieder zu Han. »Was jetzt?«

»Schiffe-Versenken-Taktik.« Er riss die schwerste Metallplatte in der Nähe aus dem Schrotthaufen und hielt sie so, dass sie den beiden beinahe vollständig Deckung gab. Ihr improvisiertes Fort wurde nun beinahe ausschließlich von dem roten Licht von Leias Waffe beleuchtet.

Han zeigte auf zwei Stellen in der Platte. »Löcher hier und dort. Faustgroß.«

Leia gehorchte und brannte zwei Öffnungen ins Metall. Es stank nach glühend heißem Durastahl. »Du wirst nicht genug Platz haben, um zielen zu können.«

»Wer muss denn hier noch zielen?« Han nahm ein Gewehr in jede Hand, schaltete beide auf Autofeuer, steckte die Läufe in die Löcher, richtete sie gegen die Decke und begann zu schießen.

Leia schaltete das Lichtschwert ab, entfernte sich so weit von den Gewehren, wie sie konnte, und drückte sich die Hände auf die Ohren. Das Getöse in dem geschlossenen Raum ließ einen beinahe taub werden. Han bewegte die Waffen hin und her und veränderte immer wieder geringfügig seinen Schusswinkel.

Die Metallplatte erzitterte, als sie getroffen wurde. Han drehte sich kurz zu Leia um und bedachte sie mit einem verrückten Grinsen, dann schloss er die Augen und schoss weiter.

Erst war eine seiner Waffen leer, dann die andere. Aber das Geräusch von Abprallern ging weiter, als Schüsse von einem Ende der Presse zum anderen flogen und wieder und wieder abprallten, bis sie etwas trafen, das nicht wie die Wände magnetisch versiegelt war.

Wie zum Beispiel Metallabfälle. Wie zum Beispiel Droiden. Wie zum Beispiel Droiden, die in Metallabfälle verwandelt wurden.

Als keine Schüsse und keine Abpraller mehr zu hören waren, schob Han die Metallplatte ein wenig beiseite und spähte hinaus. Leia tat es ihm nach.

Nicht alle Droiden waren vollkommen zerstört. Sie sah einen, dem der halbe Kopf fehlte, hin und her gehen und den Abzug eines Gewehrs bedienen, dem der Mittelteil fehlte. Ein anderer drehte sich immer wieder, seine obere Hälfte in eine Richtung, die untere in die andere, was ihn wild über den Boden rollen ließ. Aber die meisten lagen einfach da und rührten sich nicht.

»Ich behalte die Tür im Auge«, sagte Han. »Wenn du durch den Metallhaufen schneidest und uns hier rausbringst.«

»Gerne.«

 

Die Wachen auf dem Exerzierplatz blicken auf, als der Millennium Falke ungeschickt über dem Platz in Position gebracht wurde.

Sie hoben ihre Blastergewehre und eröffneten das Feuer. R2-D2 sah ihren Angriff durch seine Verbindung zu den Holocams des Frachters, und einen Augenblick spürte er Unruhe und erwartete Schaden am Schiff, bevor seine Wahrscheinlichkeitsrechnung ergab, dass ihre Schulterwaffen dem Schiff nichts anhaben konnten. Er brachte den Falken noch mehrere Meter weiter nach unten, bis der Kiel gerade oberhalb des Bodens hing, und ließ es dort schweben.

Han und Leia kamen aus einer Seitentür eines Gebäudes am Exerzierplatz. Sofort begannen die Wachen, auf sie zu schießen, aber Han erwiderte ihr Feuer und sorgte dafür, dass die Droiden auf der einen Seite beschäftigt und defensiv blieben, während Leia jedes einzelne Geschoss ablenkte, das aus der anderen Richtung auf sie zukam. R2-D2 senkte die Steuerbordrampe, und einen Augenblick später eilten Han und Leia ins Cockpit. R2 zog die Rampe wieder ein.

Leia tätschelte R2-D2 den Halbkugelkopf, bevor sie sich auf den Kopilotensitz setzte. »Gut gemacht, R2.«

Er pfiff und sendete eine letzte Botschaft durch den Datenport, dann löste er sich davon.

Han riss sich das Piratenhemd herunter und rieb an der falschen Narbe, während er die Anzeigen betrachtete. »3PO ist nördlich von hier zu Fuß unterwegs. Geh du in den oberen Geschützturm. Wir lesen 3PO auf und verschwinden von hier.«

»In den Raum, nehme ich an«, sagte Leia.

»In den Wald.« Han grinste. »Vertrau mir.«

 

Der Raumhafen wurde von vier nicht mehr neuen Z-95-Kopfjägern bewacht, altmodischen Vorgängern der X-Flügler. Sie hielten sich vorsichtig auf Distanz, weil sie nicht auf ein Schiff schießen wollten, das so nah am Boden flog, und Leia hielt sie mit wohl platzierten Schüssen des oberen Geschützturms des Falken auf Abstand.

Han lenkte den Falken über den Stützpunkt hinweg nach Norden und ließ das Schiff noch einmal zum Boden sinken, lange genug, um die Rampe aufzuklappen und C-3PO Zeit zu geben, an Bord zu eilen. Dann zog er das Schiff nach Nordwesten, in die Richtung, wo der Wald am dichtesten war. Als er sich den Wipfeln der hohen, alten Bäume näherte, von denen einige die Höhe zwanzigstöckiger Gebäude hatten, drehte er das Schiff, bis es senkrecht stand. Der Falke glitt in den Wald. Die Kampfjäger brachen die Verfolgung ab, verteilten sich und stiegen über den Wald auf, um den Falken von oben entdecken zu können. Nach ein paar Hundert Metern nervenzerreißender Manöver durch die Bäume kippte Han den Frachter wieder in die Horizontale und landete auf einer schattigen Lichtung.

»Wenn ich fragen darf, Sir«, sagte C-3PO, der sich verzweifelt an die Gurte seines Sitzes geklammert hatte, »warum fliegen wir nicht einfach in den Raum?«

»Weil jemand an Bord des Falken war«, fauchte Han. »Und weißt du, was jedes Mal passiert, wenn jemand, den ich nicht leiden kann, an Bord kommt?«

»Nein, Sir.«

»Er sabotiert irgendwas! Für gewöhnlich die Schilde oder besonders den Hyperantrieb-Motivator. Ich hasse das. Leia, übernimm du die Kontrolle, während ich nachsehe, was sie angestellt haben.«

»Ja, Captain. Sofort, Captain.« Leia trabte ins Cockpit und setzte sich auf den Pilotensitz, als Han aufstand, und im Vorbeihuschen gab sie ihm einen Kuss. »Du weißt, dass wir nur ein paar Minuten haben, bevor sie uns finden und die schweren Geschütze auffahren.«

»Dann wollen wir hoffen, dass ich ein so guter Mechaniker bin, wie ich mir einbilde.«

»Kann ich irgendwas tun, während wir warten?«

»Sieh zu, ob du ihren Kom-Verkehr abhören kannst. Das gibt uns vielleicht eine Idee davon, wie viel Zeit wir wirklich haben.«

»Ich werde mich auch mit unseren Schmugglerkontakten in Verbindung setzen und sie wissen lassen, dass wir eilig aufbrechen mussten.«

»Sehr höflich von dir. Sehr angemessen.«

»Oh, halt den Mund.«

 

Han brauchte nicht lange, um es zu finden. Der Hyper-Antrieb-Motivator war tatsächlich sabotiert worden. Jemand hatte eine einfache Sicherung eingebaut, die einem Systemcheck standhalten, aber durchbrennen würde, sobald zum ersten Mal echte Energie hindurchfloss. Außerdem hatte der Saboteur auch einen kleinen Sender im Hyperantrieb-Motivator-Gehäuse angebracht, um den Falken verfolgen zu können. Han schaltete die Hyperantrieb-Energiezufuhr wieder so, wie sie sein sollte, dann warf er den Sender aus dem Schiff.

Er kehrte im Laufschritt ins Cockpit zurück und glitt auf den Pilotensessel, als Leia, immer noch mit dem Kom-Kopfhörer, aufstand und sich auf ihrem eigenen Platz niederließ. Sie sahen zu, wie sich an backbord in einiger Entfernung ein langnasiges Schiff durch die Bäume schob. »Was ist das denn?«, fragte Han. »Kommt dieses Ding von den Vong, oder ist es ein hiesiges Erzeugnis?«

»Kann es nicht erkennen«, sagte Leia.

»Nun, fliegen wir ihm erst davon und identifizieren wir es später.« Han setzte die Repulsoren ein und kippte den Millennium Falken aufs Heck. Er hörte unglückliche Laute von C-3PO und ein lautes, protestierendes Quieken von R2-D2. Als er durch die Baumwipfel aufstieg, grinste er Leia zu. »Ich hab doch glatt vergessen, ihnen zu sagen, dass wir starten.«

»Mhm.«

»Leia, du musst zugeben, dass das Spaß gemacht hat.«

»Spaß. Entführt, ins Gefängnis gesteckt, mit Folter bedroht und beschossen werden − Spaß.«

»Genau.«

Leia spürte, wie sich ihr Mund gegen ihren Willen zu einem Lächeln verzog. »Also gut, ich geb’s zu. Es hat trotz allem Spaß gemacht.«

»Willkommen zurück, Prinzessin.«