5.
Ich bin groß für mein Alter. Du bist klein. Ich tue so, als wärst du meine Tochter. Ich halte dich im Wasser in meinen Armen und fühle deine zarte Stirn an meinem Hals. Ich presse deinen Körper an meinen, und du erschauerst; ich halte dich fester. Die Wellen bewegen uns hin und her, und du schmiegst dich an - ich, bis zum Hals im Wasser; du, noch zu klein, um mit deinen Zehen den Boden zu erreichen. Wir bleiben so, bis deine Mutter uns zurück an den Strand ruft. Im seichten Wasser lasse ich dich sanft herunter und du läufst, mit fliegenden Haaren, dünnen Beinen, die das Wasser aufwühlen, Gischt spritzt auf, die sich wie ein schützender Schild vor dich legt, als deine Füße die Wellen durchstoßen. Deine Mutter schüttelt den Kopf und wünscht sich, du wärst mehr wie ich. Aber sie würde die Wahrheit nicht wissen wollen. Warum ich dich im Wasser so eng an mich presse, wie weich und warm deine Haut an meiner ist, wie ich nachts im Bett meine Arme fest um mich lege und mir vorstelle, du wärst da. Verzaubert. Ich berühre mich, öffne eine Muschel. Meine Fingerspitze reibt langsam entlang der Ränder, dringt dann in fleischige Falten, lebendig und pulsierend, warm und feucht. Ich schwöre dir, niemand wird es je herausfinden. Ich verspreche es, ich werde es nicht verraten.