GINTARO AONO

 

 

18. Tag des 4. Monats

mit Blick auf die Südspitze

der Indischen Halbinsel

 

Vor drei Tagen haben wir in Bombay abgelegt, und in dieser Zeit habe ich kein einziges Mal mein Tagebuch aufgeschlagen. Das war noch nie, denn ich habe es mir zur festen Regel gemacht, täglich zu schreiben. Aber die Pause war notwendig. Ich mußte mich in den auf mich einstürmenden Gefühlen und Gedanken zurechtfinden.

Meinen inneren Umbruch gibt am besten ein Dreizeiler wieder, der in dem Moment entstand, als der Polizeiinspektor mir die Eisenketten abnahm.

 

Einsam ist der Flug

des Glühwurms in der Nacht.

Der Himmel aber ist voller Sterne.

 

Ich begriff sofort: Das ist ein sehr gutes Gedicht, besser als alle, die ich je geschrieben habe, aber der Sinn ist nicht offenkundig und bedarf der Erläuterung. Drei Tage lang grübelte ich und horchte in mich hinein, dann hatte ich wohl endlich Klarheit.

Mir war das große Wunder widerfahren, von dem jeder Mensch träumt – ich hatte den seligen Zustand Satori erlebt, den die alten Griechen Katharsis nannten. Oft genug hatte mir der Altmeister gesagt, daß Satori, wenn überhaupt, dann ganz von selbst kommt, ohne Ansporn und ohne Vorwarnungen! Der Mensch könne ein Gerechter und ein Weiser sein, könne viele Stunden täglich meditieren, Berge von heiligen Texten lesen und doch ohne Erkenntnis sterben, während irgendeinem Nichtsnutz, der dumm und sinnlos durchs Leben bummele, plötzlich der majestätische Glanz der Satori zuteil werde, wodurch sich seine nutzlose Existenz schlagartig verändere! Ich bin solch ein Nichtsnutz. Ich hatte Glück. Mit 27 wurde ich zum zweitenmal geboren.

Die Erleuchtung und Läuterung erlebte ich nicht in einem Moment der geistigen und physischen Konzentration, sondern in einem Moment der Niedergeschlagenheit, als von mir nur noch die Hülle übrig war wie bei einem geplatzten Luftballon. Aber da klirrte das dumme Eisen, und plötzlich spürte ich mit unglaublicher Schärfe, daß ich nicht ich bin, sondern … Nein, anders. Daß ich nicht nur ich bin, sondern eine Unzahl von anderen Leben. Daß ich nicht irgendein Gintaro Aono bin, dritter Sohn des Chefberaters Seiner Erlaucht Fürst Shimatsu, sondern ein kleines, doch darum nicht minder wertvolles Teilchen eines Ganzen. Ich bin in allem Seienden, und alles Seiende ist in mir. Wie oft hatte ich diese Worte gehört, aber nicht begriffen, erfühlt habe ich sie erst am 15. Tag des 4. Monats im Jahre 11 der Meji-Ära in der Stadt Bombay, an Bord eines riesigen europäischen Dampfers. Der Wille des Allerhöchsten ist wahrlich wunderbar.

Was ist der Sinn des intuitiv in mir entstandenen Dreizeilers? Der Mensch ist ein einsames Glühwürmchen in der unendlichen Finsternis der Nacht. Sein Licht ist so schwach, daß es nur ein winziges Stück des Raums beleuchtet, und ringsum ist Dunkelheit, Kälte und Angst. Wenn man aber den verängstigten Blick emporhebt von der dunklen Erde (es bedarf nur einer Drehung des Kopfes!), so sieht man den Himmel mit Sternen bedeckt. Sie strahlen in gleichmäßigem, hellem und ewigem Licht. Du bist in der Finsternis nicht allein. Die Sterne sind deine Freunde, sie werden dir helfen und dich nicht dem Elend überlassen. Und etwas später verstehst du etwas anderes, nicht minder Wichtiges: Ein Glühwürmchen ist auch ein Stern, genauso wie alle übrigen. Die am Himmel sehen auch dein Licht, das ihnen hilft, die Kälte und Finsternis des Alls zu ertragen.

Mein Leben wird sich sicherlich nicht ändern. Ich werde der sein, der ich war – hektisch, händelsüchtig, Leidenschaften unterworfen. Aber in der Tiefe meines Herzens wird nun stets ein zuverlässiges Wissen leben. Es wird mich in schweren Momenten retten und stützen. Ich bin keine kleine Pfütze mehr, die von einer heftigen Böe über die Welt gepustet werden kann. Ich bin ein Ozean, und kein Sturm, der als alles zerstörender Tsunami über meine Oberfläche fegt, kann die Schätze meiner Tiefen berühren.

Als ich das alles endlich begriffen hatte und mein Geist sich mit Freude füllte, entsann ich mich, daß die größte Tugend die Dankbarkeit ist. Der erste der Sterne, deren Strahlen ich in der tiefen Finsternis erblickt hatte, war Fandorin-san. Ihm verdanke ich das Wissen, daß ich, Gintaro Aono, der Welt nicht gleichgültig bin und daß das Große Außen mich nicht dem Elend überlassen wird.

Aber wie soll ich dem Menschen einer anderen Kultur erklären, daß er für immer mein Onjin ist? Dieses Wort gibt es in den europäischen Sprachen nicht. Heute habe ich mir ein Herz gefaßt und mit ihm darüber gesprochen, aber dabei ist wohl nichts Gescheites herausgekommen.

Ich paßte Fandorin-san auf dem Bootsdeck ab, denn ich wußte, daß er um punkt acht mit seinen Hanteln dorthin kommen würde.

Als er erschien, eingezwängt in sein gestreiftes Trikot (ich werde ihm sagen müssen, daß für körperliche Übungen anliegende Kleidung nicht so gut geeignet ist wie legere), trat ich zu ihm und verbeugte mich tief. »Was haben Sie denn, Monsieur Aono?« fragte er verwundert. »Warum richten Sie sich nicht wieder auf?« In solcher Haltung zu sprechen war unmöglich, darum machte ich den Rücken gerade, obwohl ich in solcher Situation die Verbeugung länger hätte halten müssen. »Ich spreche Ihnen meine unendliche Dankbarkeit aus«, sagte ich und war sehr aufgeregt. – »Schon gut«, sagte er mit einer lässigen Handbewegung. Diese Geste gefiel mir sehr – Fandorin-san wollte damit das Ausmaß der mir erwiesenen Wohltat vermindern und seinen Schuldner von dem übermäßigen Dankbarkeitsgefühl erlösen. An seiner Stelle würde jeder vornehm erzogene Japaner genauso gehandelt haben. Aber er erzielte den gegenteiligen Effekt – mein Geist füllte sich mit noch größerer Dankbarkeit. Ich sagte, fortan stünde ich ihm gegenüber in ewiger Schuld. »Was heißt schon ewige Schuld«, sagte er achselzuckend. »Ich wollte einfach diesem selbstzufriedenen Puter einen Dämpfer verpassen.« (Puter, das ist ein häßlicher amerikanischer Vogel mit komischer Gangart, erfüllt von dem Gefühl der eigenen Wichtigkeit; im übertragenen Sinne ein eitler und dummer Mensch.) Ich wußte das Taktgefühl meines Gesprächspartners zu schätzen, aber ich mußte ihm unbedingt erklären, wie sehr ich ihm verpflichtet war. »Dank dafür, daß Sie mein wertloses Leben gerettet haben«, sagte ich mit einer neuerlichen Verbeugung. »Dreifachen Dank dafür, daß Sie meine Ehre gerettet haben. Und unendlichen Dank dafür, daß Sie mir ein drittes Auge geöffnet haben, mit dem ich Dinge sehe, die ich vorher nicht sehen konnte.« Fandorin-san blickte (wie mir schien, ein bißchen ängstlich) auf meine Stirn, als erwartete er, dort würde sich jetzt ein Auge auftun und ihm zuzwinkern.

Ich sagte ihm, er sei mein Onjin, und mein Leben gehöre fortan ihm, was ihn noch mehr zu erschrecken schien. »Oh, ich träume davon, Sie in Lebensgefahr zu sehen, um Sie retten zu können, so wie Sie mich gerettet haben!« rief ich aus. Er bekreuzigte sich und sagte: »Lieber nicht. Wenn es Sie nicht gar zu sehr anficht, träumen Sie bitte von etwas anderem.«

Das Gespräch stockte. Verzweifelt schrie ich: »Sie sollen wissen, daß ich alles, aber auch alles für Sie tun werde!« Ich präzisierte meinen Schwur, um spätere Mißverständnisse zu vermeiden: »Alles, wofern es Seiner Majestät, meinem Land und der Ehre meiner Familie keinen Schaden bringt.«

Meine Worte lösten bei Fandorin-san eine seltsame Reaktion aus. Er lachte! Nein, ich werde die Rothaarigen wohl nie begreifen. »Na gut«, sagte er und drückte mir die Hand. »Wenn Sie darauf bestehen, dann bitte sehr. Wir werden wohl von Kalkutta zusammen nach Japan fahren. Sie können Ihre Schuld abtragen, indem Sie mir Japanisch-Unterricht geben.«

Dieser Mann nimmt mich nicht ernst. Ich würde gern sein Freund sein, aber Fandorin-san interessiert sich viel mehr für den Steuermann Fox, der ein beschränkter Mensch ist. Mein Wohltäter verbringt recht viel Zeit in der Gesellschaft dieses Schwätzers und lauscht aufmerksam dessen Prahlereien über Erlebnisse auf See und amouröse Abenteuer, er geht sogar mit Fox auf Wache! Ehrlich gesagt, mich kränkt das. Heute war ich Zeuge, wie Fox seine Romanze mit einer »japanischen Aristokratin« aus Nagasaki beschrieb. Er erzählte von den kleinen Brüsten, den purpurroten Lippen und sonstigen Besonderheiten dieser »Miniaturpuppe«. Es wird eine billige Nutte aus dem Matrosenviertel gewesen sein. Ein Mädchen aus anständigem Hause würde mit solch einem Barbaren kein Wort wechseln! Am ärgerlichsten war, daß Fandorin-san diesem Unsinn mit sichtlichem Interesse zuhörte. Ich wollte mich schon einmischen, aber da kam Regnier dazu und schickte Fox in irgendeiner Angelegenheit weg.

Ach ja! Ich habe noch gar nicht über ein wichtiges Ereignis an Bord geschrieben! Kurz bevor das Schiff von Bombay ablegte, geschah eine wirkliche Tragödie, neben der mein Ungemach unbedeutend erscheint.

Um halb neun am Morgen, als schon die Anker gelichtet waren und man eben die Taue lösen wollte, wurde dem Kapitän vom Ufer ein Telegramm überbracht. Ich stand an Deck und blickte auf Bombay, die Stadt, die in meinem Leben eine so wichtige Rolle gespielt hatte. Ich wollte dieses Bild für immer meinem Herzen einprägen. Darum wurde ich Zeuge des Geschehens.

Kapitän Cliff las die Depesche, und sein Gesicht veränderte sich schlagartig. So etwas hatte ich noch nie gesehen! So legt ein Schauspieler des No-Theaters die Maske des Drohenden Kriegers ab und setzt die Maske des Wahnsinnigen Leids auf. Das wettergegerbte, grobe Gesicht des alten Seebärs erzitterte. Der Kapitän gab ein Stöhnen oder Schluchzen von sich. »Oh God!« schrie er heiser. »My poor girl!«1 Und er stürmte von der Brücke hinunter in seine Kabine, wie sich später herausstellte.

Die Vorkehrungen zum Ablegen wurden ausgesetzt. Das Frühstück begann wie immer, aber Leutnant Regnier verspätete sich. Alle sprachen nur von dem seltsamen Verhalten des Kapitäns und rätselten, was in dem Telegramm stehen mochte. Regnier-san kam erst, als die Mahlzeit zu Ende ging. Er sah bekümmert aus und teilte mit, daß die einzige Tochter von Cliff-san (ich schrieb schon, daß der Kapitän sie vergötterte) bei einer Feuersbrunst in ihrem Pensionat schwere Verbrennungen erlitten habe. Die Ärzte fürchteten um ihr Leben. Der Leutnant sagte, Mr. Cliff sei wie von Sinnen. Er habe beschlossen, sogleich von Bord der »Leviathan« zu gehen und mit dem ersten Paketboot nach England zurückzukehren, da er jetzt bei seiner Tochter sein müsse. Der Leutnant sagte immer wieder: »Was soll bloß werden? Welch eine Unglücksfahrt!« Wir trösteten ihn nach Kräften.

Ich muß gestehen, daß ich den Entschluß des Kapitäns nicht gutheißen konnte. Sein Kummer war mir verständlich, aber ein Mann, dem eine Aufgabe anvertraut ist, hat nicht das Recht, sich von persönlichen Gefühlen leiten zu lassen. Besonders wenn er Kapitän ist und ein Schiff führt. Was würde aus einer Gesellschaft werden, deren Kaiser oder Präsident oder Premierminister Persönliches über seine Pflicht stellte? Es käme zum Chaos, während doch Sinn und Pflicht der Macht darin bestehen, das Chaos zu bekämpfen und die Harmonie zu befördern.

Ich ging wieder an Deck, um zu sehen, wie Mr. Cliff das ihm anvertraute Schiff verläßt. Und der Allmächtige erteilte mir eine neue Lehre, die Lehre des Mitleids.

Der Kapitän lief gebeugt die Schiffstreppe hinunter. In der Hand hielt er eine Reisetasche, und ein Matrose trug ihm einen Koffer hinterher. Auf der Landungsbrücke blieb der Kapitän stehen und drehte sich nach der »Leviathan« um, und ich sah sein großflächiges Gesicht naß von Tränen. Im nächsten Moment wankte er und stürzte zu Boden.

Ich eilte zu ihm. Nach seiner unterbrochenen Atmung und dem krampfhaften Zucken seiner Gliedmaßen zu urteilen, hatte er einen schweren hämorrhagischen Schlaganfall erlitten. Der herzueilende Doktor Truffo bestätigte meine Diagnose.

Ja, es kommt nicht selten vor, daß ein menschliches Gehirn den Zwiespalt zwischen der Stimme des Herzens und dem Ruf der Pflicht nicht aushält. Ich habe Kapitän Cliff unrecht getan.

Der Kranke wurde ins Hospital gebracht. Die »Leviathan« blieb an der Landungsbrücke liegen. Regnier-san, dessen Haar von der Erschütterung ergraut war, fuhr zum Telegraphenamt, um mit der Londoner Reederei zu verhandeln. Erst in der Dämmerung kam er zurück. Die Neuigkeiten: Cliff-san habe das Bewußtsein nicht wiedererlangt, die Führung des Schiffs werde provisorisch Regnier-san übernehmen, und in Kalkutta werde der neue Kapitän an Bord kommen.

Wir legten mit zehnstündiger Verspätung von Bombay ab.

In all diesen Tagen ist mir, als schwebte ich dahin. Mich freuen der Sonnenschein, die indischen Küstenlandschaften und das gemessene, müßige Leben an Bord des großen Schiffs. Selbst im Salon »Hannover«, in den ich früher nur mit Beklemmung gegangen bin, wie zur Folter, fühle ich mich jetzt beinahe heimisch. Die Tischgenossen verhalten sich anders zu mir – ohne Abscheu und ohne Argwohn. Alle sind nett und liebenswürdig, und ich verhalte mich zu ihnen auch anders als früher. Selbst Kleber-san, die ich eigenhändig hätte erwürgen können (die Ärmste!), ist mir nicht mehr zuwider. Sie ist einfach eine junge Frau, die zum erstenmal Mutter wird und ganz von dem naiven Egoismus dieses für sie neuen Zustands durchdrungen ist. Seit sie weiß, daß ich Arzt bin, stellt sie mir unentwegt medizinische Fragen und klagt über kleine Unpäßlichkeiten. Früher ist Doktor Truffo ihr Opfer gewesen, jetzt tragen wir die Last zu zweit. Und das Erstaunlichste, es wird mir nicht zuviel. Mein Status ist bedeutend höher als in der Zeit, in der ich für einen Offizier gehalten wurde. Verblüffend!

Im »Hannover« genieße ich eine privilegierte Position. Nicht nur als Arzt, sondern, wie Mrs. Truffo sich ausdrückte, als unschuldiges Opfer polizeilicher Willkür. Die Hauptsache, ich bin mit Sicherheit nicht der Mörder. Das ist bewiesen und offiziell bestätigt. Dadurch gehöre ich nun zur höchsten Kaste – zusammen mit dem Polizeikommissar und dem frischgebackenen Kapitän (der sich übrigens kaum noch bei uns sehen läßt, er ist sehr beschäftigt, und der Steward bringt ihm das Essen auf die Brücke). Wir drei sind außer Verdacht, und niemand wirft uns verstohlen furchtsame Blicke zu.

Diese ganze »Hannover«-Gesellschaft tut mir aufrichtig leid. Mit meinem neuerworbenen geistigen Auge sehe ich deutlich, was sie alle nicht sehen, nicht einmal der scharfsinnige Fandorin-san.

Unter meinen Nachbarn ist kein Mörder. Keiner von ihnen eignet sich für die Rolle des Verbrechers. Ich betrachte diese Leute und sehe: Sie haben Fehler und Schwächen, aber ein Mensch mit finsterem Herzen, der imstande wäre, kaltblütig elf unschuldige Menschen zu ermorden, darunter zwei Kinder, ist nicht unter ihnen. Ich würde seinen stinkenden Atem riechen. Ich weiß nicht, von wessen Hand Sweetchild-san gefallen ist, aber ich bin sicher, daß es niemand aus unserem Salon war. Der Kommissar hat sich ein wenig geirrt mit seinen Mutmaßungen: Der Verbrecher befindet sich an Bord des Dampfers, aber nicht im »Hannover«. Vielleicht hat er an der Tür gehorcht, als der Professor uns von seiner Entdeckung erzählte.

Wenn Coche-san nicht so stur wäre und die »Hannover« unvoreingenommen betrachtete, würde er begreifen, daß er seine Zeit verschwendet.

Ich gehe einen nach dem anderen durch.

Fandorin-san. Seine Unschuld liegt auf der Hand. Würde er sonst den Verdacht von mir genommen haben, als meine Schuld von niemandem bezweifelt wurde?

Die Eheleute Truffo. Der Doktor ist ein etwas komischer, doch sehr gutmütiger Mensch. Er könnte keiner Zikade etwas zuleide tun. Seine Frau ist die verkörperte englische Wohlanständigkeit. Sie könnte niemanden töten aus dem einfachen Grund, weil es unanständig wäre.

M.-S.-san. Er ist ein sonderbarer Mensch, der dauernd etwas vor sich hin murmelt und manchmal aufbraust, doch in seinen Augen ist tiefes und aufrichtiges Leid erstarrt. Mit solchen Augen begeht man keinen kaltblütigen Mord.

Kleber-san. Nun, da ist alles klar. Erstens ist es beim Menschengeschlecht nicht üblich, daß eine Frau, die im Begriff ist, neues Leben zur Welt zu bringen, mit solcher Leichtigkeit das Leben anderer zertrampelt. Schwangerschaft ist ein Mysterium, welches uns lehrt, sorgsam mit der menschlichen Existenz umzugehen. Zweitens befand sich Kleber-san zur Tatzeit bei dem Polizisten.

Und schließlich Stomp-san. Sie hat kein Alibi, aber die Vorstellung, daß sie sich von hinten an einen Bekannten heranschleicht, ihm mit ihrer schmalen, schwachen Hand den Mund zuhält und mit der anderen mein unglückseliges Skalpell ansetzt … Blödsinn. Ausgeschlossen.

Reiben Sie sich die Augen, Kommissar-san. Sie stecken in der Sackgasse.

 

Das Atmen fällt mir schwer. Ob ein Sturm im Anzug ist?