Am nächsten Morgen, kaum daß der Tag anbrach, fuhr eine Karosse des Kardinals bei uns vor, in welcher der Chevalier de Meaux und ein mir unbekannter sehr hagerer Edelmann saßen, um Lord Montagu abzuholen und zur Poststation zu bringen, von wo er mit einer Eilkutsche der Kabinettskuriere weiterreisen würde.
Lord Montagu war gerade erst aufgestanden, weil ihm der köstliche und verräterische französische Wein vom Vorabend noch in Haupt und Gliedern steckte, und Madame de Bazimont schickte ihm Luc zur Hilfe, getraute sich aber nicht selbst in die Nähe seines Zimmers. Doch erschien unsere Haushofmeisterin dann auf der Freitreppe, als er von uns Abschied nahm, und machte ihm eine so tiefe, herzbebende Reverenz, daß ich mir gut vorstellen konnte, in welche balsamischen Düfte gehüllt sie die Erinnerung an den Lord für den Rest ihres Lebens bewahren würde. Ihr Gruß verfehlte die Wirkung auf Lord Montagu nicht. Er erwiderte ihn mit einer Ehrerbietung, als wäre sie eine Herzogin. Und der Ärmsten traten Tränen in die Augen. Mein Gott, dachte ich, wie traurig ist es, alt zu werden! Die Liebe ist nur mehr ein fahler, illusorischer Abglanz dessen, was sie einmal war.
Vor der Abfahrt bat mich der Chevalier de Meaux, ein schmucker junger Mann, um eine vertrauliche Unterredung. Er sagte mir, der ihn begleitende Edelmann sei ein gewisser Sir Francis Kirby, Oberst der englischen Garnison von La Rochelle. Ihm sei es in der vergangenen Nacht gelungen, ungehindert durch das Tasdon-Tor zu entkommen, so schlecht werde es derzeit bewacht. Waffenlos sei er am Graben des Hauptmanns von Bellec aufgetaucht. Die Soldaten hätten laut Befehl auf ihn schießen müssen, taten es aber nicht, weil sie völlig fassungslos gewesen seien über seinen hohen Wuchs und seine Reglosigkeit. Er habe, sagten sie ihrem Gefreiten, als er sie deswegen rüffelte, ausgesehen wie ein Skelett in Uniform, und sie hätten es nicht |330|über sich gebracht, auf diesen lebenden Leichnam zu schießen. Es sei überhaupt ein Wunder, daß er noch aufrecht gehen könne.
Hauptmann von Bellec habe den Oberst zum Kardinal gebracht, der dem abgezehrten Mann erst einmal eine Gemüsebrühe vorsetzen ließ. Darauf habe Richelieu den Engländer mit seiner Kutsche zu mir nach Brézolles bringen lassen, damit ich mich seiner annähme. Ich solle mich von ihm so genau wie möglich über die gegenwärtige Lage der Rochelaiser und der englischen Garnison unterrichten lassen. So rief ich denn Madame de Bazimont, damit sie Sir Francis helfe, die Freitreppe zu erklimmen, so unsicher schien er mir auf den Beinen. Und sie widmete sich ihm sogleich mit allem Eifer, denn ihre mütterliche Ader regte sich bereits wieder bei dem Gedanken, einen zweiten Engländer zu umsorgen.
Lord Montagu, der mir nicht die kleinste Frage nach Sir Francis stellte, ihn nicht einmal anblickte, so diskret war er, schloß mich zum Abschied in die Arme und sagte, wenn ich einmal Gelegenheit fände, ihn in England zu besuchen, würde er mir vom Tor bis zu seiner Freitreppe einen Perserteppich ausrollen lassen … Woran man sieht, dachte ich, daß sogar ein Engländer aufschneiden kann.
Endlich fuhr die Karosse ab, und während ich ihr nachblickte, sagte ich mir, daß es angesichts der Entfernung mindestens einen Monat dauern würde, bis Lord Montagu mit dem Ölzweig zurückkehren konnte, der seinem und unserem Land das Ende dieses sinnlosen Krieges verheißen würde. Und ein Monat war eine sehr lange Zeit für jene, die in La Rochelle dahinsiechten.
Auf der Stelle schickte ich Nicolas zum Domherrn Fogacer, um ihn zu bitten, er möge den englischen Oberst untersuchen kommen und wenn nötig behandeln, uns aber auf jeden Fall sagen, wie man ihn ernähren müsse. Zwar hatten wir auf Brézolles schon Erfahrung mit dem Problem, doch war unsere kleine Henriette bei ihrer Ankunft nicht derart erloschen und knochendürr gewesen wie der arme Oberst, der schon an jenen äußersten Punkt des Hungerns und der Schwäche gelangt war, an dem man gar keinen Hunger mehr verspürt. Ich weiß noch genau, wie sehr er sich überwinden mußte, um nach Fogacers Anweisungen an diesem ersten Tag auch nur ein Ei, ein halbes Glas Milch und eine dünne Scheibe Brot zu sich zu nehmen.
|331|Erst nachdem er sich ein wenig erholt hatte, erkannte man, wie schön Sir Francis war. Mindestens sechs Fuß drei Daumen groß, breit in den Schultern, in der Taille schmal, lange Beine, die Gesichtszüge ebenmäßig und harmonisch wie bei einer griechischen Statue, helle Haut, tiefblaue Augen, dunkle Brauen, aber blonde lockige Haare, und obwohl er aussah, als ob er sich durch nichts beeindrucken ließe, begegnete er jedermann freundlich und höflich, auch dem Gesinde.
Weil er in den ersten Tagen noch sehr schwach war, frühstückte ich mit ihm in einem kleinen Kabinett neben seinem Zimmer, was uns beiden anfangs einiges Ungemach bereitete, weil ich meiner Gewohnheit gemäß bei dieser Mahlzeit kräftig zuzulangen pflegte und er zu seiner Rettung auf schmale Kost gesetzt war.
Sobald Sir Francis zu Kräften kam, sagte er mir, daß er aus La Rochelle geflohen sei, weil er den französischen König um Audienz bitten und in Berufung auf den Waffenstillstand anflehen wollte, die englischen Soldaten aus der Stadt herauszulassen.
»Sir Francis«, sagte ich, »erlauben Sie mir zuerst, Ihnen meine Bewunderung dafür auszusprechen, daß Sie sich ohne Rücksicht auf Ihr Leben zu einem französischen Graben wagten, um die Befreiung Ihrer Soldaten zu erwirken. Sodann verzeihen Sie mir, wenn ich Sie enttäusche, aber diese Bitte ist leider völlig vergeblich. Lord Montagu hat sie Seiner Majestät vor kurzem in dringlichster Form vorgetragen und erhielt eine Abfuhr, weil der König Ihre Soldaten als Kriegsgefangene betrachtet, die er erst freiläßt, wenn König Karl die Franzosen freiläßt, die in seine Hände gefallen sind.«
»Das mag gerecht sein«, sagte Sir Francis traurig, »aber es ist furchtbar! Meine Männer sterben den langsamen Hungertod. Ich weiß nicht, Mylord«, fuhr er fort, »ob der Herr Kardinal jetzt noch Zuträger in La Rochelle hat. Ich glaube, wenn sie die Stadt nicht verlassen haben, dann sind sie alle tot. Niemand außerhalb der Mauern kann sich ein auch nur annäherndes Bild davon machen, was drinnen vorgeht. Es ist die Hölle, Mylord, und eine Hölle, die keiner vorhergesehen hat. Niemand war darauf gefaßt, daß der Deich nicht nur den Stürmen standhalten, sondern auch ein unüberwindliches Hindernis für die englische Flotte sein würde. Niemand hatte auch nur einen |332|Augenblick vermutet, daß die Belagerung so lange dauern und unsere Vorräte erschöpfen würde. Und vor allem hatte sich niemand vorstellen können, daß jener Teil der Bucht hinter dem Deich, in dem es immer von Fischen, Krustentieren und Muscheln wimmelte, eines Tages leergefischt sein würde, weil zu viele Menschen Tag und Nacht dort Nahrung suchten! Auf einmal war alles Leben aus diesem Teil des Meeres verschwunden, so wie in La Rochelle alles Leben erlischt. Mylord«, fragte er mit bebender Stimme, »wissen Sie, wie viele Einwohner La Rochelle zu Beginn der Belagerung hatte?«
»Achtundzwanzigtausend, soweit ich weiß«, sagte ich.
»Und was glauben Sie, wie viele es noch waren, als der Bürgermeister Guiton sie kürzlich zählen ließ?«
»Ich habe keine Ahnung.«
»Fünftausend!«
O mein Gott! dachte ich, so viele gestorben! So viele sinnlose Tode!
Als Sir Francis imstande war, Treppen zu steigen, nahm er seine Mahlzeiten in unserer Runde ein und wurde von allen verwöhnt und bewundert. Wenn das Sprichwort wahr ist, daß »Schönheit ohne Güte saurer Wein« ist, so konnte man ihm den Vorwurf wahrlich nicht machen. Seine Seele war ganz Geduld und Sanftmut, und ich fragte mich, warum, zum Teufel, er das Waffenhandwerk erwählt hatte. Doch als ich hörte, daß er einer langen Linie von Offizieren entstammte, begriff ich, daß er kaum eine Wahl gehabt hatte. Doch hatte er in seinem Regiment viele Menschen gefunden, die er liebte: seine Offiziere, seine Gefreiten, seine Soldaten.
Es versteht sich von selbst, daß Madame de Bazimont vernarrt in ihn war, ebenso aber die Kammerfrauen, die rot anliefen, wenn sie ihn nur sahen, und wie ein Blatt im Winde flatterten, wenn sie ihm auf einer Treppe begegneten.
Auch als er wieder ganz zu Kräften gekommen war, frühstückte ich weiter mit ihm in dem kleinen Kabinett neben seinem Zimmer, weil ich annahm, daß er mir unter vier Augen mehr erzählen würde als einer ganzen Tischrunde.
Er sprach wirklich oft von seinen Soldaten, und immer mit großer Bewegung, und voll bitterer Verzweiflung über ihr Los.
»Ich schäme mich«, sagte er, »daß sie in eine solche Lage geraten sind. Als ich mit meiner Garnison nach La Rochelle |333|kam, um die Stadt im Fall eines Angriffs der Königlichen zu unterstützen, hatte ich genug Geld, sie zu ernähren. Aber der Schatz war bald aufgebraucht, weil die Lebensmittel immer teurer und immer knapper wurden, bis es schließlich gar nichts mehr gab. Das letzte Rind, das ich für meine Truppen kaufte, kostete zweihundertfünfzig Livres, aber an Rindern findet Ihr innerhalb der Mauern jetzt nicht mehr ein einziges, ebenso wenig wie Pferde oder überhaupt Vierfüßer, ob große, ob kleine. Schafe, Hunde, Katzen, Ratten, Mäuse, alles ist aufgegessen, und die Näpfe sind leer.«
»Meinen Sie«, fragte ich, »daß Ihre Soldaten noch schlechter dran sind als die Rochelaiser?«
»Sicher! Weil sie keine Rochelaiser Frauen haben, eine bewundernswerte Gattung! Um ihre Familien zu ernähren, haben sie eine schier unglaubliche Regsamkeit und Erfindungsgabe entwickelt. Während die Männer stur das letzte Fischchen aus dem letzten Priel bei Ebbe fischten, gingen sie an den Mauern Malven und anderes Grünzeug sammeln, und gehackt, gekocht und gezuckert – Gott sei Dank hatte die Stadt noch Rohzuckervorräte –, ergab das eine Art Suppe. Sie brachten es sogar fertig, Brot zu backen, oder vielmehr etwas, das Brot ähnlich sah, und zwar aus Distelwurzeln. Nur gab es leider auch bald nichts Grünes mehr, weil zu viele danach auf die Suche gingen. Da verteilte die Bürgermeisterei Kuhhäute. Die Häute wurden mit Glasscherben glatt geschoren, dann einen Tag und eine Nacht eingeweicht, dann mit Talg gekocht und klein geschnitten, und die Familie hatte zu essen.«
»Aber ein allzu verlockendes Mahl war das nicht, wie?«
»So kann man wohl sagen. Trotzdem, dieses Distelbrot habe auch ich gegessen. Sie können mir glauben, es lag einem wie Stein im Magen, es hatte nur den einen Sinn, ihn zu füllen, damit er nicht so weh tat. Aber, wie ich hörte, haben Sie, Mylord, auf der Insel Ré auch gehungert, als Sie in der Zitadelle eingeschlossen waren?«
»Das ist wahr, aber wer hat Ihnen das gesagt?«
»Madame de Bazimont, als sie mir gestern abend einen Eisenkrauttee aufs Zimmer brachte.«
Ach! dachte ich und schmunzelte im Stillen, zieht auch dieser Magnet sie wieder mächtig an! Ich wette, wenn ich der Guten sagen würde, den kleinen Liebesdienst hätte auch eine |334|Kammerjungfer übernehmen können, würde sie mir antworten, sie habe so leicht entzündliches Werg nicht an eine so starke Flamme lassen wollen.
»Sir Francis«, sagte ich, »bevor wir, meine Schweizer und ich, in der Zitadelle Saint-Martin eingeschlossen wurden, hatten wir uns mit Vorräten versehen. Damit sie lange reichten, mußten wir sie sehr sparsam einteilen, so daß wir Hunger nur im ersten Grade litten: Wir darbten und verloren einige Pfunde Fleisch. Den Hunger zweiten Grades, bei dem die Muskeln schwinden, der Gang unsicher, die Stimme tonlos wird und man zum Skelett abmagert, den beobachteten wir voll Kummer zwar um uns in der Zitadelle, aber uns blieb er, Gott sei Dank, erspart.«
»Es ist wahr«, sagte Sir Francis, »daß es verschiedene Grade von Hunger gibt, und die Qual dabei ist, daß man sie einen nach dem anderen durchläuft, bis zum Tod. Man fragt sich wirklich, warum Heiden wie Christen für ihre Darstellungen der Unterwelt so ausgeklügelte Qualen ersonnen haben. Eine würde reichen, die schlimmste von allen: der Hunger, denn er erniedrigt das menschliche Wesen physisch und moralisch am grausamsten. Wissen Sie, was ich in La Rochelle mit eigenen Augen sah? Auf offener Straße, im Beisein anderer, stürzten sich zwei Frauen auf die Leiche einer Nachbarin, um sie aufzuessen. Und niemand hatte die Kraft, nicht einmal mehr den Antrieb, sie daran zu hindern.«
Am nächsten Tag sprach Sir Francis wieder von seinen Soldaten – sie gingen ihm nicht aus dem Sinn, gerade weil er sich bei uns so gut umsorgt fühlte.
»Heute nacht«, sagte er, »floh mich der Schlaf, und ich mußte an meine Soldaten denken. Wieder sah ich eine der Szenen vor mir, wie sie dann nur zu alltäglich wurden: Sie wissen, in einer Garnison ist jeden Morgen Appell. Beim Schall der Trompete müssen die Soldaten, gewaschen und bewaffnet, im Hof antreten, jeder an seinem Platz, müssen strammstehen und warten, bis der Anführer der Einheit die Reihen abgeschritten hat. Eines Morgens nun schleppte ich mich zum Appell, mich konnte nur noch ein einziger Gefreiter begleiten, der die Männer aufzurufen hatte. Der Trompeter, der sie geweckt hatte, war als einziger von fünfen noch imstande, sein Instrument zu blasen, wenn auch schwach und indem er Noten übersprang.
|335|Ich weiß noch genau, daß ich an jenem Morgen sehr lange im Hof wartete, wankend, mit leerem Kopf, schweren Beinen. Endlich erschienen die Männer, torkelnd, kurzatmig, und weil sie ihre Musketen nicht mehr tragen konnten, schleiften sie sie übers Pflaster nach. Sie haben recht verstanden: Sie schleiften sie nach! Als die übliche Zeremonie endlich begann, hielt der Gefreite, der mit matter Stimme die Namen aufrief, jedesmal inne, wenn keine Antwort erfolgte, dann wiederholte er den Namen, und wenn es beim Schweigen blieb, setzte er ein d dahinter für dead. Als die Zeremonie endlich vorüber war, fragte ich ihn: ›Wie viele d?‹ Und er antwortete: ›Einunddreißig, Sir.‹
Einunddreißig meiner Männer waren über Nacht gestorben! Seit einem Monat hatte sich die Zahl mit jedem Morgen erhöht. Auf die Idee, d statt dead zu schreiben, war der Gefreite gekommen, vielleicht der Kürze halber, vielleicht aber auch aus einer Art Scham.«
»Beklagten sich die Soldaten sehr über ihr Los?«
»Wenig. Zuerst, wenn sie von Buckie1 sprachen, dem Urheber ihrer Leiden, war jedes zweite Wort ›verdammt!‹ und Schlimmeres. Aber nach seiner Ermordung nicht mehr. Er war beim Teufel in der Hölle, damit war die Sache für sie erledigt. Einmal belauschte ich ein Gespräch. Ich ging an einem Zaun entlang, hinter dem zwei Soldaten saßen und miteinander redeten. Der eine war dunkel-, der andere rothaarig, seinem Akzent nach ein Ire.
›Soll ich dir verraten, was ich mir wünsche?‹ sagte der Rothaarige.
›Das kannst du, verdammt noch mal, für dich behalten‹, sagte der Brünette.
›Ich verrat’s dir aber trotzdem‹, sagte der Rothaarige. ›Ich wünsche mir, daß die Franzosen angreifen. So wie es mit uns steht, nehmen sie die Stadt doch wie Butter.‹
›Idiot‹, sagte der Dunkle, ›da hättest du aber was von.‹
›Klar, hätt’ ich was davon, Idiot‹, sagte der Rote, ›wenigstens bekämen wir was zu fressen.‹
Ich ging weiter, ohne etwas dazu zu sagen. Was hätte ich auch sagen sollen? Sicher waren solche Reden aus dem Mund eines Soldaten unduldbar, aber wozu in unserer Lage noch heucheln? |336|Daß die Franzosen angreifen und uns als ihre Gefangenen vom Hunger erlösen würden, das wünschten sich alle.«
Sir Francis machte eine Pause.
»Ich auch«, setzte er leise hinzu. »Und ich war viel zu schwach, um mich dessen zu schämen. Ich verzichtete auf den Morgenappell, weil er von den Männern eine Anstrengung erforderte, die über ihre Kräfte ging, zumal hinter fast der Hälfte der aufgerufenen Namen mittlerweile ein d stand. Ich befreite die Kanoniere davon, ihre Posten zu beziehen, weil sie die Kanonen ohnehin nicht mehr bewegen und nicht einmal mehr die Kugeln anheben konnten. Ich stellte die Wachdienste ein, Tag wie Nacht, denn nach zwei Stunden Postenstehen ließen sie ihre Musketen fallen und sackten zu Boden.
Ich befehligte keine Truppen mehr, ich hatte das furchtbare Gefühl, einem Lazarett vorzustehen, und bekümmert fühlte ich mich ohne jeden Nutzen für die Stadt, die ich verteidigen sollte. Noch bevor das Leben mich verließ, hatte ich meine Bestimmung verloren.
Am Morgen des Tages, an dem ich die Mauern verlassen wollte, versuchte ich, das Haus des Bürgermeisters Guiton aufzusuchen, um ihm meinen Entschluß mitzuteilen. Ich nahm zwei Gefreite mit, einen links, einen rechts, damit sie mich hielten, falls ich umsinken würde. Es war ein Sonntag, und ich wunderte mich, keine Glocken zu hören, die zum Gottesdienst riefen. Der Grund war: Die Glöckner hatten keine Kraft mehr zum Läuten.
Die Straßen lagen voller Leichen, Gott sei Dank stanken sie nicht, so entfleischt waren sie. Vor der Haustür des Bürgermeisters sah ich einen Brandsatz, und zwei Schritt davon entfernt lag tot der Mann, der ihn hatte zünden wollen, das Feuerzeug hatte er noch in der Hand.
Es erstaunte mich nicht groß. Guiton war inzwischen wegen seiner Halsstarrigkeit, nicht mit dem König zu verhandeln, ebenso verhaßt und verpönt, wie er anfangs für seine Standhaftigkeit bewundert worden war, sich nicht zu unterwerfen. Mein Klopfen klang so matt, daß meine Gefreiten noch einmal klopfen mußten. Endlich öffnete sich die Tür, und eine abgezehrte Bediente mit bleichem Gesicht erschien. Der Bürgermeister, sagte sie, sei beim Gottesdienst ohnmächtig geworden, man habe ihn nach Hause tragen müssen, er versuche zu Kräften zu kommen und wolle niemanden sehen.«
|337|»Sir Francis«, sagte ich, »darf ich fragen, wie es Euch an jenem Abend gelang, durch das Tasdon-Tor hinauszukommen?«
»Das schwerste dabei war, den Weg von der Garnison bis zu dem Tor zu gehen, und dann vom Tor bis zu dem französischen Graben. Aber durch das Tor zu kommen, war eine Kleinigkeit. Ich sagte den Rochelaiser Wächtern, wer ich sei, daß Guiton darniederliege, daß ich mit dem König verhandeln wolle. Sie öffneten mir ohne Widerspruch, die einzige Schwierigkeit für sie war, den großen Schlüssel im Schloß zu drehen.«
Diese danteske Schilderung der letzten Tage von La Rochelle versetzte mich in eine Schwermut, die sich kaum sagen läßt. Eine Sache ist es zu beschließen: »Diese Stadt rebelliert gegen ihren König, sie muß durch Aushungern bezwungen werden«, und eine andere, wenigstens in der Vorstellung hinter die Mauern zu gehen und diese Hungersnot und ihre entsetzlichen Wirkungen mitzuerleben. Dann empfindet man, wie das Wort »Der Mensch ist des Menschen Wolf« ungerecht gegen den Wolf ist.
Was Sir Francis anging, so hatte er sich mit diesen Erzählungen die grausigen Erlebnisse von der Seele reden müssen, glaube ich. Als ich ihn verließ, dankte er mir jedenfalls für die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl, mit denen ich ihm gelauscht hätte, und setzte hinzu, er werde Brézolles niemals vergessen. Hier habe er durch mich, durch uns alle, wieder Freude am Leben gefunden in der Welt der Farben und der Bewegung.
Weil ich meinte, daß er sein Säckel nun ausgeleert hätte, hieß ich Nicolas mein Schreibpult öffnen und nach meinem Diktat niederschreiben, was mir Sir Francis erzählt hatte. Den Bericht sollte der Kardinal unverzüglich erhalten.
Nicolas geriet beim Aufschreiben dieser Schreckensgeschichte bald in höchste Erregung. Und als ich sah, daß ihm Tränen in die Augen stiegen, sagte ich halb scherzend, halb ernst, wenn er weinen müsse, solle er es so einrichten, daß das Papier nicht naß werde, der Kardinal sei so peinlich genau.
»Monseigneur«, sagte Nicolas, »ich würde mir nie erlauben, ohne Eure Zustimmung zu weinen.«
Ich stutzte über seine Bemerkung und fragte mich, ob sie nicht ziemlich doppeldeutig war. In diesem Moment begriff ich zum erstenmal, daß der einem Höheren geschuldete Respekt durchaus Nuancen enthalten konnte, die alles andere als respektvoll |338|waren. Und Gott weiß, wie oft ich diese Einsicht noch bestätigt finden sollte.
Nicolas hatte kaum zu Ende geschrieben, als Hörner mir meldete, eine Karosse des Herrn Kardinals sei am Tor von Brézolles vorgefahren. Bei Ansicht seines gemalten Wappens am Wagenschlag habe man sie eingelassen. Ein schmucker, junger Musketier sei ausgestiegen und habe ihm gesagt, daß er Order habe, mich unverzüglich nach Schloß La Sauzaie zu Seiner Eminenz zu entführen. Ich trug also Nicolas auf, sein Pferd zu satteln und mit meiner Accla am Zügel zu besagtem Schloß nachzukommen, weil ich nicht sicher sein könne, daß die Kutsche mich zurückbrächte.
»Monseigneur«, sagte er, »ich auf meinem Ungarn soll Eure Accla am Zügel führen! Aber sie kann ihn nicht ausstehen und wird sich weigern, neben ihm her zu traben. So erreiche ich La Sauzaie nie!«
Er hatte recht. Seit Nicolas den Ungarn ritt, war an ein Nebeneinander unserer Pferde nicht mehr zu denken. Und wenn er es auch verbergen wollte, tat es ihm sichtlich wohl, mich nach meiner Bemerkung über seine Tränen eines Irrtums zu überführen. Ich glaube, man sollte seinen Untergebenen ihre kleinen Rechthabereien im Alltag nicht verübeln. Sie entschädigen sie für ihre untergeordnete Stellung.
»Mach es, wie du willst, Nicolas«, sagte ich. »Die Hauptsache ist, meine Accla wartet im Hof von La Sauzaie, wenn ich sie brauche.«
»Monseigneur«, sagte Hörner, der in seiner Schlichtheit die Untertöne meines kleinen Schlagabtausches mit Nicolas sicherlich nicht bemerkt hatte, »ich könnte doch eine Stute nehmen und Eure Accla nach La Sauzaie führen, wenn der Herr Chevalier mir den Weg zeigen würde.«
»Gut, machen wir es so«, sagte ich und bestieg die Karosse.
***
In La Sauzaie führte mich der Türsteher sogleich in den Raum, in dem die vier Sekretäre des Kardinals ihrer fast unaufhörlichen Arbeit nachgingen. Ich bedeutete ihnen, nicht aufzustehen, sie taten es trotzdem, und mit tiefen Verneigungen. Dann geleitete mich Charpentier in das angrenzende Kabinett, wo |339|der Kardinal saß. Ich überreichte ihm den Bericht, den ich nach den Erzählungen von Sir Francis Kirby angefertigt hatte. Er las ihn sehr aufmerksam.
»Die Unglücklichen sind am Ende«, sagte er. »Ab jetzt verläuft alles nach einem nahezu mathematischen Gesetz, Ursache erzeugt Wirkung, Wirkung wird wiederum Ursache, und aus der ersten Wirkung erfolgt die zweite. Lord Montagus Schritt hat die Rochelaiser Kapitäne, die bei der englischen Flotte dienten, veranlaßt, ihre Unterwerfung anzubieten. Und da die Kapitäne den Bürgermeister Guiton von ihrem Vorsatz sicherlich unterrichtet haben, wird er schließlich das gleiche tun.
»Kommt mit, Herzog, die Stunde ist günstig, das Lever Seiner Majestät müßte zu Ende sein. Wenn wir uns beeilen, können wir ihn allein sprechen.«
Ich fühlte mich durch dieses »wir« sehr belohnt und folgte frohen Herzens dem Kardinal. Schloß La Sauzaie war nicht der Louvre, und der Weg zu den königlichen Gemächern war im Nu zurückgelegt.
Seine Majestät saß im Bett und wusch sich die Hände in einer Schüssel, die Berlinghen ihm darreichte. Ludwigs Gesicht war frisch und ausgeruht, der Monat Oktober, nicht zu warm, nicht zu kalt, bekam ihm gut, und das schönste: Er hatte gestern in Surgères einen guten Jagdtag verlebt.
Aber Surgères lag zu weit ab vom Feldlager, sein Quartier in Aytré behagte ihm nicht, bei Bassompierre in Laleu hatte er nicht bleiben wollen, so hatte Ludwig den Kardinal um Gastfreundschaft ersucht. Daß der König hier sein mußte, hatte ich schon im Hof von La Sauzaie festgestellt, denn der war halb von Königlichen Musketieren besetzt und halb von denen des Kardinals, eine Nachbarschaft, die bekanntlich weder diese noch jene erfreute. Hüben wie drüben maß man einander mit dermaßen vernichtenden Blicken, daß es mich nicht gewundert hätte, wenn diese Hitzköpfe sich munter an die Kehle gesprungen wären. Aber auf Duelle stand die Todesstrafe. Und so ruhmvoll es war, mit einer Degenspitze in der Brust zu sterben, so schändlich war es, auf dem Schafott zu enden.
Ludwig hatte sich die Hände getrocknet und reichte seine Hand dem Kardinal zum Kuß, danach mir. Während meine Lippen sich respektvoll seinen Fingern näherten, fiel mir auf, |340|daß sie diesmal nicht nach Eigelb rochen. So hatte auch ich gegenüber dem Gebieter, den ich doch hoch verehrte, meine heimlichen kleinen Ungezogenheiten, ganz wie Nicolas mir gegenüber.
»Sire«, sagte der Kardinal, »der Gegenstand meines Besuches ist ein zwiefacher. Primo wünschte ich, Ihr würdet von diesen Blättern Kenntnis nehmen, auf welchen der Herr Herzog von Orbieu seine Gespräche mit Sir Francis Kirby wiedergibt. Sie beschreiben die gegenwärtige Lage in La Rochelle. Secundo möchte ich Euch über die Audienz berichten, die ich gestern in Eurem Namen den Rochelaiser Kapitänen im englischen Flottendienst gewährte.«
»Zuerst die Blätter«, sagte Ludwig.
Er las sie sehr viel langsamer als der Kardinal, und nicht ohne Schrecken, Grauen und Traurigkeit zu verraten.
»Die Armen!« sagte er schließlich, »welch einen Preis zahlen sie für ihre Rebellion! Warum konnten sie sich nur nicht unterwerfen, bevor ihre Stadt zugrunde ging?«
Der Leser wird hier bemerken, daß der sehr fromme König »Warum nur« sagte und nicht »Warum, zum Teufel«, wie die Mehrheit seiner Untertanen.
»Herr Kardinal«, fuhr der König fort, »ich erwarte Euer secundo.«
»Gestern, Sire, in aller Frühe, erbaten die Rochelaiser Kapitäne, die ihre Schiffe in den Dienst der englischen Flotte gestellt hatten, von uns Passierscheine, damit sie an Land und mit uns ins Gespräch kommen könnten. Ihre Abgeordneten, die Herren Gobert und Vincent, erhielten das Gewünschte und begaben sich auf das Admiralsschiff der französischen Flotte. Kommandeur von Valençay lud sie freundlich zu Tisch und ließ sie anschließend an Land bringen, wo eine meiner Karossen sie abholte.«
»Was wollten sie?« fragte Ludwig.
»Sie wollten, daß La Rochelle seine Begnadigung direkt von seinem König erhalte und nicht durch Vermittlung eines ausländischen Fürsten, über den sie sich bitter beklagten.«
»Eine späte Einsicht!« sagte Ludwig.
»Und, Sire, sie behaupteten wahrhaftig, die Rochelaiser hätten noch Vorräte für drei Monate. ›Ihr meint wohl, für drei Tage‹, sagte ich, womit die Verhandlung ein wenig zu knirschen |341|begann. Um die Differenz auszuräumen, schlug ich vor, La Rochelle solle königliche Kommissare in seine Mauern einlassen, um sie von den gegenwärtigen Vorräten der Stadt zu überzeugen.«
»Aber das wollten sie nicht, wie?« fragte der König.
»Ganz und gar nicht. Das sei nicht machbar, sagten sie, weil die meisten Rochelaiser erbittert versteckten, was sie noch hätten.«
»Woher wußten sie dann«, sagte Ludwig, »daß La Rochelle angeblich noch Vorräte für drei Monate hat?«
»Dasselbe, Sire, hielt ich ihnen auch entgegen. Gleichwohl versprach ich, Eurer Majestät zur Kenntnis zu bringen, was sie vorgeschlagen hatten.«
»Ist das alles?«
»Nein, Sire. Bevor sie gingen, gaben sie mir zu bemerken, daß die Rochelaiser die Lilien an ihren Türen und Mauern nicht angerührt hätten, ein Beweis dafür, daß sie mit dem Herzen nach wie vor an ihrem Königshause hingen, und wahrscheinlich ein Grund dafür, daß die Engländer sich so viel Zeit ließen mit ihrer Hilfe.«
»Und was sagtet Ihr darauf, mein Cousin?« fragte der König.
»Daß der König, ihr legitimer Gebieter, dies wisse und daß dies die einzige Tür sei, die ihnen für eine Rückkehr in Gnaden offenstehe.«
»Gut. Aber viel ist bei dieser Begegnung nicht herausgekommen.«
»Sire, weil nichts herauskommen konnte. Die Rochelaiser extra muros können uns die Tore der Rochelaiser intra muros nicht öffnen. Aber in der wirklich bewundernswerten Verkettung der Dinge ist dies, nachdem Lord Montagu um einen Friedensschluß zwischen Frankreich und England ersuchte, nun der zweite Akt der Tragödie. Nach jenem ersten Akt müssen sich die Rochelaiser von der englischen Flotte gedacht haben: Wenn die Engländer Frieden machen, warum nicht auch wir?«
»Dazu hatten sie allen Grund«, sagte Ludwig. »Wenn sie sich nicht unterworfen hätten, wären ihre Schiffe aus meinen Häfen verbannt worden, und sie hätten ihr Vaterland verloren.«
Das Wort »Vaterland«, das im Mund eines Königs von Frankreich ganz ungewöhnlich war, überraschte mich. Ludwig schien |342|einzuräumen, daß es neben ihm noch eine andere Einheit gab, die das Reich darstellte. Ich glaube, Richelieu war nicht minder erstaunt, enthielt sich aber in seiner gewohnten Klugheit, den Fuß auf diesen unsicheren Boden zu setzen.
»Wenn ich recht verstehe«, fuhr der König fort, »was Ihr über die wunderbare Verkettung der Dinge sagtet, müßte das Beispiel der Rochelaiser extra muros die Rochelaiser intra muros dazu bringen, auch um Frieden zu bitten?«
»Davon bin ich fest überzeugt, Sire, zumal Bürgermeister Guiton, nachdem er im Gottesdienst ohnmächtig wurde, sich nicht mehr für unsterblich halten dürfte.«
»Wenn es so steht, mein Cousin«, sagte der König, »müssen wir morgen, gleich nach der Frühmesse, hier den Rat versammeln, um unsere Politik hinsichtlich der Rochelaiser festzulegen, sobald sie sich unterwerfen.«
Seine Majestät entließ mich, und ich ging zu Nicolas, Hörner und meiner Accla, die zärtlich wieherte, als sie mich gewahrte.
Mein Nicolas aber war ganz rot und zerfurcht vor Zorn. Doch konnten wir nicht nebeneinander reiten, weil meine Accla, wie gesagt, seinen Ungarn nicht ertrug, und so fragte ich ihn erst, als wir wieder in Brézolles waren, nach dem Grund seines Ärgers.
»Monseigneur«, sagte er, »als wir, Hörner und ich, mit den Pferden im Hof von La Sauzaie auf Euch warteten, suchten zwei Königliche Musketiere mit uns Streit.«
»Wie? Mit dem Bruder eines ihrer Hauptleute?«
»Wahrscheinlich waren es frisch Eingerückte. Sie kannten mich nicht und meinen Bruder auch nicht.«
»Hast du ihnen nicht gesagt, wer du bist?«
»Nein, Monseigneur, ich wollte nicht, daß es aussähe, als versteckte ich mich hinter meinem großen Bruder.«
»Und was sagten die Streithähne?«
»Der erste fragte mich, zu wem ich gehöre.
›Zum Herzog von Orbieu‹, antwortete ich.
›Herzog von Orbieu?‹ sagte er, ›den kenn ich nicht.‹
Und der zweite sagte: ›Das muß ja ein armer Herzog sein, der nur zwei Berittene als Eskorte hat.‹
Worauf der erste ihn übertrumpfte: ›Wenn er nicht arm ist, ist er ein Geizkragen, der die Ausgabe scheut.‹
|343|›Meine Herren‹, sagte Hörner entrüstet, ›sehr töricht ist, wer über einen hohen Herrn herzieht, den zu kennen er nicht die Ehre hat.‹ Das sagte er in einem so scharfen Ton, daß die beiden Großmäuler fuchsig wurden.
›Hörner‹, sagte ich, ›redet nicht mit diesen Herren, sie suchen Händel, aber wir haben nichts mit ihnen zu schaffen.‹ Damit kehrte ich ihnen den Rücken, Hörner auch, aber die beiden hätten wohl kaum aufgehört, uns Frechheiten an den Kopf zu werfen, wenn nicht ein Musketier, der mich kennt, hinzugetreten wäre, sie beide eingehakt und ihnen geflüstert hätte: ›Mit Verlaub, meine Herren, gehen wir ein wenig weiter, ich habe Euch zwei Worte zu sagen.‹«
»Wenn ich dich recht verstehe, mein lieber Nicolas, will uns der Vorfall etwas lehren. Gut denn! Bemühen wir uns, morgen dran zu denken.«
Und bevor ich mich am nächsten Morgen zum Rat begab, ließ ich Hörner durch Nicolas sagen, er solle samt meiner Accla sechs Pferde satteln. Was für ein Jammer! dachte ich, daß man der Dummheit solcher Laffen Rechnung tragen muß, die über die Bedeutung eines Edelmannes nach der Größe seiner Eskorte urteilen. Trotzdem tat ich es, denn ich wollte Hörner und Nicolas nicht noch einmal Beleidigungen dieser Art aussetzen.
Als ich den großen Saal von La Sauzaie betrat, wo der Rat abgehalten wurde, meldete mir Du Hallier, daß der König Hutschwenke unter den Räten untersagt hatte, damit die Debatte nicht gestört werde, falls es Nachzügler gebe. Ich mußte mich also wie jeder andere auf Blicke und Kopfnicken beschränken.
Aber es ist schon erstaunlich, Leser, wie verschieden diese doch diskreten Zeichen von den einzelnen erwidert wurden. Um nur einige Beispiele anzuführen: Soviel Freundschaft mir in den Blicken von Schomberg und Toiras begegnete und soviel Sympathie in den Augen des Herzogs von Angoulême, sosehr ließen es die beiden Marillacs (der Siegelbewahrer und der Feldmarschall) daran fehlen, erst recht aber Bassompierre, der sich nun wohl gänzlich, wenn auch stillschweigend, dem Clan der diabolischen Reifröcke ergeben hatte, für die ich ein Handlanger des Kardinals und eine Kreatur des Königs war, und das heißt, ein Edelmann, der eingekerkert oder wenigstens auf seine Ländereien verbannt gehörte, sobald man sich Ludwigs und Richelieus entledigt hätte.
|344|Wer was auf dieser höchst entscheidenden Ratssitzung sagte, kann ich dir nicht verraten, Leser, jeder gute Rat fühlt sich hierüber zur Geheimhaltung verpflichtet. Doch kann ich, ohne die Urheber zu nennen, die unterschiedlichen Meinungen mitteilen, die zu der Frage geäußert wurden, wie mit den Rochelaisern zu verfahren sei, sowie sie bereit wären, sich zu unterwerfen.
Die einen meinten, den Rebellen müsse eine exemplarische Bestrafung auferlegt werden, damit diese den anderen protestantischen Städten Frankreichs als abschreckendes Beispiel diene und sie gezwungen würden, ihre Schuldigkeit zu erfüllen.
Die anderen vertraten die Ansicht, die Belagerung, der Hunger, der Ruin, vor allem aber der Verlust von weit über vier Fünfteln der Einwohner seien an sich bereits eine so furchtbare Strafe für La Rochelle, daß man keine weitere hinzufügen müsse.
Wieder andere, die gleichfalls zur Milde neigten, fanden, es müßten nichtsdestoweniger der Bürgermeister Guiton hart bestraft werden sowie die Handvoll Pastoren und Schöffen, die ihn in seiner verbrecherischen Halsstarrigkeit bestärkt hatten. Verbrecherisch im doppelten Sinn: gegenüber den Seinen wie gegenüber dem König.
Ludwig hörte alle Reden an, ohne irgend zu zeigen, ob er eher diesem oder jenem Vorschlag zustimme, dann erteilte er das Wort dem Kardinal, und er wußte, was er tat, wenn er sich ihn sozusagen zum krönenden Abschluß aufsparte.
Ich war mir ganz sicher, daß Richelieu aus politischen Gründen für die Begnadigung eintreten würde, denn eine »exemplarische Bestrafung« La Rochelles hätte in den anderen protestantischen Städten Frankreichs eine solche Empörung wecken können, daß die Rebellionen kein Ende mehr nehmen würden. Doch wußte er auch, daß diese politischen Gründe nur für jene Geltung hatten, die wie er in die Zukunft zu schauen vermochten, nicht aber für eine Versammlung, die wie jede Versammlung nur von den Leidenschaften des Augenblicks beherrscht war.
Mit einer Gewandtheit, die ich als diabolisch bezeichnen würde, handelte es sich nicht um einen Kardinal, griff Richelieu alle Argumente für eine »exemplarische Bestrafung« auf und stellte sie mit mehr Kraft, Gewicht, Klarheit und Eleganz |345|dar als jene, die dafür eingetreten waren. Kürzer faßte er dann die Argumente, die für eine teilweise Ahndung sprachen. Und als er darauf die Begnadigung erörterte, schien er sie eine Weile mit den vorangehenden Vorschlägen in der Waage zu halten, doch redete er so lange über Vergebung, daß allein dieses Beharren schon offenbarte, welcher Seite er zuneigte. Er legte auch mehr Empfindung in seine Worte, wohl wissend, daß Vernunft nur dann überzeugt, wenn man das Gefühl gewinnt. Er wandte sich auch persönlicher als bisher an den König, sicherlich im Gedanken daran, wie sehr Ludwig von der Schilderung ergriffen gewesen war, die Sir Francis Kirby von den Verheerungen des Hungers unter den Rochelaisern und den englischen Soldaten gegeben hatte. Er appellierte zugleich an die Menschlichkeit und an die Sorge Seiner Majestät um den Ruhm.
»Sire«, sagte er, »nie bot sich einem Fürsten vielleicht eine so herausragende Gelegenheit, sich durch seine Milde auszuzeichnen, eine Tugend, durch welche ein König sich Gott zu nähern vermag, denn seinem Bild wird er eher ähnlich, wenn er Gnade übt, als wenn er zerstört und ausrottet. Und je schuldiger La Rochelle sich gemacht hat, desto mehr wahre Großmut würde Seine Majestät beweisen, wenn er, nachdem er die Stadt durch seine unbesiegbaren Waffen überwunden und zur völligen Unterwerfung gezwungen hat, sich selbst überwinden und ihr vergeben würde. Denn vollbrächte er dies, so trüge der berühmte Name dieser Stadt seinen Ruhm in alle Welt und in kommende Zeitalter fort als den eines Fürsten, der sich ganz unvergleichlich darin zeigte, sowohl zu siegen als auch maßvoll zu sein im Sieg.«
»Meine Herren«, sagte der König, indem er seinen Blick über die Versammlung schweifen ließ, »will jemand hierauf entgegnen, so erteile ich ihm das Wort.«
Doch keiner derjenigen, die für die »exemplarische Bestrafung« gesprochen hatten, hob die Hand. Sie gaben ihr Spiel verloren. Denke aber nicht, Leser, Richelieu habe es schon gewonnen gehabt, denn auch wenn Ludwig eine menschliche Ader hatte, vergaß er ihm angetane Übel doch schwer, und weil ihm nicht die dreifache Nachsicht Henri Quatres, seines Vaters, eigen war, nahm er so manches Mal unerbittliche Rache. Der Appell an die Sorge um seinen Ruhm, um ihn gegenüber La |346|Rochelle zur Milde zu bewegen, war also durchaus nicht unnötig, und das wußte Richelieu. Er kannte seinen Herrn besser als alle anderen.
Am siebenundzwanzigsten Oktober, einem Freitag, empfing der Kardinal im Schloß La Sauzaie die fünf Abgeordneten von La Rochelle und führte die Sache klar und entschlossen zu Ende: Die Rochelaiser sollten ihr Leben, ihre Glaubens- und Religionsfreiheit sowie ihren Besitz unangetastet behalten. Ihre Mauern jedoch sollten geschleift werden, und, was ihnen unendlich schmerzlicher war, La Rochelle sollte aufhören, eine freie Reichsstadt zu sein, in Zukunft hätten die Bürger die königliche Steuer zu zahlen. Da gab es großes Heulen, Ächzen und Zähneklappern, aber Richelieu blieb eisern.
Fünf Abgeordnete waren es, am Nachmittag aber, bevor sie zum König gingen, erhielten sie, weiß Gott warum, Verstärkung durch sechs weitere Notabeln. Zuerst von Richelieu und einigen Ratsmitgliedern, darunter ich, empfangen, wurden sie anschließend vor den König geführt. Er saß in einem Lehnstuhl, den die höchsten Vertreter des Hofes umstanden. Nach dem Kniefall vor Seiner Majestät hielt der Rochelaiser Daniel de La Goutte im Namen der Stadt eine hochgeschwollene Rede, die mir ziemlich zuwider war. Darin wurde der König mit der Sonne verglichen, derer die Rochelaiser beraubt gewesen seien. So lange hätten sie in finsteren Verliesen geschmachtet, daß ihre Augen nun ganz geblendet seien vom Glanz ihrer Strahlen und ihre Helligkeit kaum zu ertragen vermögen … La Goutte schloß mit dem Versprechen, die Rochelaiser würden für alle Zeiten der ihnen erwiesenen Gnade segnend gedenken und bis zum letzten Seufzer ihres Lebens die sehr ergebenen, sehr gehorsamen Untertanen und Diener Seine Majestät sein.
Wenn etwas auf der Welt angetan war, Ludwig zu mißfallen, dann solch eine schwerfällige Rhetorik. Und seine Antwort – die ich, zurück in Brézolles, sofort aufs Papier warf – war schroff, knapp und offen. Als ich sie später meinem Vater vortrug, lachte er herzlich und sagte: »Das, mein Sohn, ist ganz der Vater! Was für eine hübsche Abfuhr! Der gute König Henri hätte es nicht besser gemacht!«
Hier, Leser, Ludwigs Antwort:
»Meine Herren, wolle Gott, daß Ihr aus ehrlichem Herzen sprecht und daß Eure Dankbarkeit nicht allein der Not gehorcht, |347|in der Ihr seid. Ihr habt alle Arten von Klügeleien und Bosheiten aufgeboten, um mir den schuldigen Gehorsam zu verweigern. Ich vergebe Euch Eure Rebellionen. Seid Ihr mir gute und treue Untertanen, dann bin ich Euch ein guter Fürst. Und wenn Ihr durch Eure Taten beweist, was Ihr verkündigt, dann halte auch ich, was ich Euch versprochen habe.«
***
Am Dienstag, dem einunddreißigsten Oktober, stand ich bei Tagesanbruch auf, ebenso Sir Francis, Nicolas, Hörner und die Männer, die er ausgewählt hatte, meine Karosse zu eskortieren. Wir mußten in den frühen Morgenstunden die englischen Soldaten aus La Rochelle evakuieren, bevor das erste Kontingent der Unseren die Stadt besetzte. Weil die meisten der armen Engländer zu schwach zum Gehen waren, wurden sie auf Karren nach Chef de Baie gefahren und von dort mit Schaluppen auf die Schiffe der englischen Flotte gebracht. Und Sir Francis wollte nicht eher an Bord des Admiralsschiffes gehen, als bis auch die letzten eingeschifft waren. Bei der Gelegenheit zählte er sie: Es waren vierundsechzig. Sir Francis wollte unbedingt, daß ich ihn an Bord begleite. Als »Mylord Diouk d’Orbiou« stellte er mich Lord Lindsey vor, der mich zum Frühstück einlud. Kaum saßen wir bei Tisch, als er von Sir Francis hören wollte, was geschehen war, seit Buckingham ihn und seine Männer in La Rochelle zurückgelassen hatte.
»Das war vor einem Jahr«, sagte Sir Francis mit dumpfer Stimme. »Nach den verhängnisvollen Ereignissen auf der Insel Ré schätzten meine Männer sich glücklich, nach La Rochelle zu kommen. Wir wurden aufs beste empfangen von den Einwohnern, die uns als ihre Retter ansahen. Und was für eine schöne und blühende Stadt war La Rochelle, sauber wie ein frischgeschlagener Taler, die Bewohner fröhlich und fleißig, viele Kinder überall auf den Straßen und Gassen und am Hafen, und ich weiß noch, wie ich morgens von den Rochelaiserinnen geweckt wurde, die in den Waschhäusern ihre Wäsche schlugen und dabei sangen. Jetzt, Mylord, hört Ihr niemanden mehr singen. Und Ihr seht auch keine Kinder mehr. Sie sind als erste gestorben. Und überall, in den verwaisten Häusern, auf Gassen und Plätzen, sieht man nur noch skelettdürre Leichen |348|liegen, und keiner hat mehr die Kraft, sie aufzuheben und auf dem Friedhof zu bestatten. Was meine Männer angeht, so waren es bei unserer Ankunft hier sechshundert, aber der langsame Hungertod hat sie dahingerafft, und leider ist vorauszusehen, daß für einige der vierundsechzig Überlebenden jede Nahrung zu spät kommt und daß sie ihre letzte Ruhe im Ozean finden werden.«
Sobald ich es in aller Höflichkeit konnte, verließ ich Lord Lindsey und Sir Francis. Beim Abschied sprachen sie mir in schlichten, aber gerade in ihrer Schlichtheit bewegenden Worten ihren Dank aus. Mich drängte es, zu Ludwig zu kommen, der um neun Uhr am Fort Beaulieu den Aufmarsch des ersten Truppenverbandes abnehmen wollte, der in La Rochelle einziehen würde. Zuerst konnte ich ihn nicht erspähen, aber Marschall von Schomberg erblickte mich, kam mit Riesenschritten auf mich zu und schloß mich herzlich in die Arme.
»Mein Freund«, sagte er, ein Wort, das in seinem Mund einen Sinn hatte, »wenn Ihr Ludwig sucht, wie ich glaube, so werdet Ihr ihn hier nicht mehr finden. Er geht durch die Truppenreihen und mustert Mann für Mann.«
»Mann für Mann? Da hat er aber zu tun! Was sind das für Truppen.«
»Vierzehn Gardekompanien und sechs Kompanien vom Schweizer Regiment. Anders ausgedrückt, die Elite der königlichen Armee. Alles Ehrenmänner, gewissenhaft, gute Christen und sehr diszipliniert. Ludwig will sichergehen, daß die unglücklichen Überlebenden von La Rochelle von den Unseren nicht drangsaliert werden. Drei Männer hat er schon zurückgeschickt ins Feldlager.«
»Was hatten sie verbrochen?«
»Nichts, nur daß sie sich vorwitzig eingeschlichen hatten, um mit den ersten in die Stadt einzuziehen. Den einen erkannte er als Soldaten der Kompanie eines Herrn von Sourdis – ein erstaunliches Gedächtnis! – und schickte ihn seinem Hauptmann zum Auspeitschen. Die beiden anderen Vorwitzigen waren Kapuziner, aber Ludwig verfuhr mit ihnen darum nicht zarter. ›Was ist das, meine Herren!‹ sagte er, ›wollt Ihr vor dem Herrn Kardinal in La Rochelle sein?‹ und schickte sie barsch zu ihrer Bruderschaft.«
»Womit wieder einmal bewiesen ist«, sagte ich, »daß der |349|Gesalbte des Herrn, so fromm er immer sei, es nicht duldet, daß ihm die Geistlichkeit vorgreift.«
»Recht hat er«, sagte Schomberg. »Ich bin selbst ein guter Katholik und respektiere Priester und Mönche, solange sie sich um ihre Schäflein und ihre Armen kümmern, aber sie sollen ihre Nase nicht in Reichsangelegenheiten stecken. Auch den Orthodoxen bin ich nicht grün (damit meinte er unter anderen den Siegelbewahrer Marillac), weil ihre Devotion immer den Beigeschmack der Herrschsucht hat. Diese Leute haben zu große Zähne, um nur ihren Käse zu essen. Sie wollen sich alles unterjochen.«
Solche Reden vor anderer Ohren als meinen zu führen, wäre höchst unvorsichtig gewesen, denn die Orthodoxen waren zwar Christen, aber äußerst rachsüchtige. Ich kam jedoch nicht dazu, Schomberg zu warnen, denn in dem Moment sah ich, wie der König sich straffen Schrittes zu seinem Generalstab begab, und schon brach ein ohrenbetäubender Trommelwirbel an. Nach der fürchterlichen Lautstärke zu urteilen, müssen es mindestens ein Dutzend Trommler gewesen sein. Als die endlich verstummten, trat ein riesengroßer Gefreiter aus der Reihe hervor. Die königlichen Soldaten standen stramm.
»Auf Befehl des Königs und des Herrn Generaloberst der französischen Infanterie«, rief er mit lauter Stimme: »Beim Einmarsch der Truppen in La Rochelle ist es den Soldaten strengstens verboten, erstens: ihre Reihen zu verlassen, bei Strafe sofortigen Erhängens (Trommelwirbel). Zweitens: in die Häuser einzudringen, bei Strafe sofortigen Erhängens (Trommelwirbel). Drittens: in besagten Häusern was es auch sei zu rauben, bei Strafe sofortigen Erhängens (Trommelwirbel). Viertens: Frauen und Mädchen Gewalt anzutun, bei Strafe sofortigen Erhängens (Trommelwirbel).«
»Das Dumme dabei ist«, flüsterte mir Schomberg ins Ohr, »daß der arme Teufel dreimal gehängt wird: das erste Mal fürs Verlassen der Reihe, das zweite Mal, wenn er ein Haus betritt, das dritte Mal, wenn er sich ein Weib vornimmt.«
Pflichtschuldig belächelte ich den Militärwitz, dann fragte ich Schomberg, wem denn die Ehre zufiele, an der Spitze dieser schmucken Soldaten in die Stadt einzumarschieren.
»Mir, Eurem Diener«, sagte Schomberg ein wenig verlegen.
»Verflixt! Freut Euch das nicht?«
|350|»Es freut mich sehr, aber …«
»Aber?«
»Nicht ich bin hier der dienstälteste Marschall, es ist Bassompierre. Ihm hätte diese Ehre gebührt.«
»Bassompierre stand aber nur halbherzig zu dieser Belagerung. Ihr wißt doch noch, wie er sagte: ›Wir werden so verrückt sein, La Rochelle einzunehmen‹. Glaubt Ihr, der König hätte ihm das vergessen? Ludwig vergißt nichts, nicht das Gute, nicht das Böse.«
»Deshalb seid Ihr jetzt Herzog«, sagte Schomberg und lächelte freundschaftlich. »Zieht Ihr mit mir in La Rochelle ein?«
»Nein. Leider habe ich dazu keinen Befehl Seiner Majestät.«
In dem Moment kam Monsieur de Clérac gelaufen und sagte, ich solle unverzüglich zu Ludwig kommen, er habe einen Auftrag für mich. Obwohl der König wie immer ruhig und gesammelt war, sah ich, der ich ihn von klein auf kannte, daß er doch strahlte, so großes Vergnügen hatte ihm diese immerhin ziemlich lange und ermüdende Revue gemacht. Denn auch wenn er auf harte und unbeugsame Disziplin hielt, liebte er seine Soldaten, und sie erwiderten es ihm, so gerecht wußten sie ihn und so bedacht auf ihr Wohl und ihre Gesundheit. Allerdings wäre es ihnen lieber gewesen, er hätte sich weniger um ihr geistliches Wohl gesorgt, denn bekanntlich hatte Ludwig aus dem Feldlager alle Huren und Weiber verbannt, die der Ruhe der Krieger hätten dienen können. »Das ist zu hart fürs arme Tier«, sagte mir eines Tages ein Soldat, »ein ganzes Jahr ohne Frau! Wenn der Herr gewollt hätte, daß unsereiner so einsam lebt, hätt’ er uns dann eine Rippe weggenommen und Eva draus gemacht?«
Ludwig empfing mich gut und sagte, ich solle mich augenblicklich Schomberg anschließen, um in La Rochelle einen dringlichen Auftrag zu erfüllen.
»Hier steht alles«, sagte er und übergab mir ein Papier. »Dieser Befehl ist vom Herrn Kardinal unterzeichnet und von mir gegengezeichnet. Er muß pünktlich und nach dem Sinne ausgeführt werden.«
Ich fragte mich, was mit diesem »nach dem Sinne« wohl gemeint sei, aber einem König stellt man bekanntlich keine Fragen, |351|und ich dachte mir, wenn es ein Strafbefehl wäre, hätte er ihn doch einem Feldmeister erteilt und nicht mir. Dies bestätigte sich zu meiner Erleichterung, als ich von dem Papier Kenntnis nahm. Ich kehrte zurück zu Schomberg und sagte ihm, was für mich anstand. Hörner hieß einen seiner Schweizer absitzen, gab mir dessen Pferd und schien ebenso stolz und glücklich wie Nicolas, daß wir unter den ersten das große Ereignis miterleben sollten: den Einmarsch der königlichen Armee in La Rochelle.
Obwohl das Tasdon-Tor zum Zeichen der Unterwerfung weit offen stand, hütete sich Schomberg, sofort mit der langen Kolonne der zwanzig Kompanien hindurchzuziehen. Zuerst richtete er sein Fernrohr zu sorglicher Prüfung auf die Zinnen. Als er dort keine Menschenseele gewahrte, schickte er Du Hallier und fünf Offiziere zu Pferde, doch ohne Degen aus, die Stadt nach möglichen Störenfrieden zu durchstreifen. Den sechs Berittenen folgte ein Trommler, der auf den Straßen in Abständen innehielt und die Einwohner daran gemahnte, daß sie laut Befehl alle Waffen, Musketen, Pistolen, Degen, Piken und Dolche, im Rathaus abzuliefern hätten. Wenn sie deren noch im Hause hätten und nicht so weit gehen könnten, beschwor er sie, diese vor ihrer Haustür niederzulegen. Jeder, bei dem hiernach noch Waffen gefunden würden, werde sofort erschossen.
Binnen einer knappen Stunde kehrte das Detachement der Offiziere zurück, und Schomberg sagte, jetzt stehe es mir frei, mit meiner Eskorte aufzubrechen, um meinen Auftrag zu erfüllen, während er mit seinen Truppen alle wichtigen Posten und Stellungen der Stadt besetzen werde.
Wenn Nicolas und Hörner sich vom Einzug in La Rochelle eine große Gemütserhebung versprochen hatten, so wurden sie rasch enttäuscht, als sie sahen, wie die Leichen auf den Straßen lagen und die wenigen Überlebenden bleich und entfleischt hier und da lungerten in der Hoffnung, daß man ihnen etwas zu essen gebe. Wir hatten es nicht ganz einfach mit unseren Pferden, die bei Ansicht der Toten in große Unruhe gerieten, so daß wir schließlich absitzen und sie am Zügel führen mußten. Doch waren die Pioniere unserer Armee bereits geschäftig, die entseelten Hüllen fortzuschaffen und auf dem Friedhof zu begraben.
|352|Nicht leicht war es auch, einen Einwohner zu finden, der im Kopf noch klar genug war, mich zu verstehen, und noch Stimme genug hatte, mir zu sagen, wo ich das Haus des Bürgermeisters Guiton fände. Endlich konnte ich dort anklopfen, und eine blasse Frau fragte durch einen Türspalt, wer ich sei.
Ich nannte meinen Namen und verlangte auf Befehl des Königs, den Bürgermeister zu sprechen.
»Kommt Ihr den Herrn Bürgermeister verhaften?« fragte die Alte mit zittriger Stimme.
»Nein, Gevatterin«, sagte ich. »Monsieur Guiton wird nicht verhaftet, er hat nichts zu befürchten. Geht ihn nur holen, Gevatterin.«
Ich mußte aber länger warten als gedacht, Guiton machte vermutlich erst ein wenig Toilette, bevor er sich mir zeigte. Endlich kam er, lüftete seinen Hut und grüßte mich mit großem Respekt. Ich erwiderte seinen Gruß, was ihn sehr zu verwundern schien. Und als ich sah, daß er, so wacker er sich auch hielt, doch ziemlich aufgeregt und durcheinander war, schlug ich vor, daß wir uns setzten, das Gespräch werde etwas dauern. Sichtlich erleichtert stimmte er zu und blickte mich schweigend an. Auch ich betrachtete ihn, und ich muß gestehen, was ich sah, gefiel mir.
Er war nicht eben groß, wirkte aber sehr stämmig, obwohl er infolge der Belagerung auch abgemagert war. Aber nicht abgemagert bis auf die Knochen, wahrscheinlich weil er zu den vorausschauenden Rochelaisern gehörte, die vor Beginn der Belagerung große Vorräte angelegt hatten. Sein Gesicht war sonnengebräunt und fast so dunkel wie das eines Sarazenen, wie es bei einem langgedienten Seemann nicht verwundern konnte. Seine Nase war groß und kühn gebogen, der Kiefer kantig, die Augen stahlblau, und wenn er in Zorn ausbrach, war sein Blick sicherlich schwer zu ertragen.
Davon konnte heute jedoch keine Rede sein, wo er stoisch, ohne Stolz, ohne Trotz, aus meinem Mund das Verdikt des Königs erwartete. Ehrlich gesagt, diese stumme Würde imponierte mir.
»Monsieur«, sagte ich, »Seine Majestät hat mich beauftragt, Euch folgende Befehle zu übermitteln. Wenn der König eine seiner guten Städte besucht, ist es der Brauch, daß der Bürgermeister ihm entgegenschreitet. Der König wünscht, daß Ihr Euch dieser Pflicht morgen enthaltet und daheim bleibt.«
|353|»Monseigneur, es geschehe, wie Seine Majestät befiehlt«, sagte Guiton.
»Der König wünscht, daß Eure Hellebardiergarde aufgelöst wird und daß die Hellebarden bis morgen im Rathaus niedergelegt werden.«
»Es soll geschehen«, sagte Guiton.
»Der König wünscht, daß der Kriminalassessor des Präsidialgerichts, Raphael Colin, der während der Belagerung von Euch unzulässigerweise gefangengesetzt wurde, noch heute aus dem Kerker entlassen wird.«
»Das ist schon geschehen, Monseigneur.«
»Der König hält dafür, daß die ganze Stadt La Rochelle für die Rebellion gegen sein Zepter die Verantwortung trägt und nicht Ihr allein. Folglich werdet Ihr weder verhaftet noch verurteilt, und Eure Güter werden nicht beschlagnahmt. Doch werdet Ihr nach der Abreise des Königs für eine Dauer von sechs Monaten La Rochelle verlassen.«
»Ich allein, Monseigneur?«
»Nein, Monsieur. Ein Dutzend anderer Personen haben diese kurze Verbannung zu teilen, darunter die Pastoren Salbert und Palinier. Somit verbleiben in La Rochelle sechs Pastoren, genug also, um den Gottesdienst während der Abwesenheit der genannten aufrechtzuerhalten.«
»Monseigneur«, sagte Guiton nach einem Schweigen, »darf ich Euch bitten, Seiner Majestät zu übermitteln, daß ich unendliche Dankbarkeit empfinde und bis ans Ende meiner Erdentage empfinden werde für die wunderbare Milde, die er gegenüber seinen rebellischen Untertanen bezeigt. Mir sind die Augen aufgegangen. Ich sehe heute klar, daß La Rochelle nur besiegt werden konnte, weil Gott uns verlassen hat. Und mir ist klar, daß Er uns verlassen hat, weil Er unser Bündnis mit der fremden Macht nicht guthieß, noch unser Aufbegehren gegen unseren legitimen und natürlichen Herrscher. Es ist vollkommen klar für mich, daß es Gott war, der Ludwig zu der großmütigen Vergebung bewegt hat, die er seinen schuldigen Kindern heute erweist. Monseigneur, dies werde ich niemals vergessen. Ich ziehe aus meiner Verblendung die Lehre und werde dem Gebieter, den der Herr uns gegeben hat, künftig ein treuer Diener sein.«
Diese Sprache beeindruckte mich. Das war etwas anderes als die geschwollene Rhetorik, mit der die Rochelaiser Abgeordneten |354|ihren König um Verzeihung gebeten hatten. Guiton kamen seine Worte von Herzen, aus einer untadeligen Aufrichtigkeit, die sich bis in die biblischen Anklänge seiner Reue bekundete. Wie wünschte ich, Leser, einen so lebendigen Glauben zu haben! Was diese gewissenhaften Hugenotten auch tun im Leben, sie fühlen sich bei allem von einem Gott begleitet, der sie bald für ihre guten Taten belohnt und bald straft für begangene Fehler!
Schöne Leserin, bevor wir Guiton verlassen, den ich Ihnen ans Herz legen möchte, sollen Sie wissen, daß er Seiner Majestät in der Zukunft tatsächlich ein treuer Diener war. Und so trifft man ihn Jahre später als Admiral eines königlichen Geschwaders, dem Dienst des Königs mit Leib und Seele ergeben.
Im Begriff, Guitons Haus den Rücken zu kehren, hörte ich großen Lärm, und bald sah ich, daß er von schwer beladenen Karren herrührte, die zu Dutzenden polternd durch das Tasdon-Tor einfuhren – sicherlich auch durch die anderen Stadttore – und die auf dem Pflaster von La Rochelle einen Höllenlärm verursachten. Hinzu kamen in Abständen ohrenbetäubende Trommelwirbel, gefolgt von lautstarken Aufrufen an die Einwohner: Sie sollten aus ihren Häusern treten und kostenlose Nahrung in Empfang nehmen.
Von seiten des Königs war dies zweifellos eine sehr großmütige Geste, aber wie traurig war es, diese armen Rochelaiser zu sehen, die wankend aus ihren Häusern kamen und gierig die Hände nach Brot ausstreckten, die sich um jede Gabe prügelten, wenn auch mit so geringen Kräften, daß sie sich kaum weh tun konnten. Ihnen beizubringen, daß sie warten sollten, bis ein jeder an die Reihe käme, und ihnen zu empfehlen, nur sehr maßvoll zu essen, wenn sie nicht sterben wollten, wäre ganz unmöglich gewesen. Nicht viele waren der Vernunft zugänglich, und Dutzende dieser Unglücklichen gingen in den folgenden Tagen noch zugrunde, weil sie sich den vom Hunger geschwächten Körper bis zum Sattwerden vollgeschlagen hatten.
***
»Monsieur, auf ein Wort, bitte!«
»Schöne Leserin, ich höre.«
»Man kann nicht behaupten, daß Sie sich in diesem Band |355|Ihrer Memoiren allzuoft an mich gewendet hätten. Immer nur an den Leser.«
»Madame, den Vorwurf habe ich aus Ihrem Munde schon gehört, glaube ich. Aber er ist ungerecht. Wenn ich ›Leser‹ sage, meine ich selbstverständlich auch immer die ›Leserin‹, während ich mich mit der Anrede ›Schöne Leserin‹ stets nur an Sie persönlich wende.«
»Ach, ich weiß, Monsieur, Sie sind um Worte nicht verlegen. Darf ich denn fragen, ob Sie Ihre Ernennungsurkunden zum Herzog und Pair erhalten haben?«
»Danke, Madame, daß Sie sich darum sorgen. Die Antwort ist ja. Daß sie mir verspätet zugestellt wurden, lag aber nicht am König, sondern an unserem Siegelbewahrer Marillac.«
»Mag er Sie nicht?«
»Er ist ein Orthodoxer, Madame, und die orthodoxe Partei ist gegen die Politik des Königs und des Kardinals, der ich diene. Wäre beispielsweise Herr Marillac zur Zeit des La-Rochelle-Krieges der entscheidende Minister gewesen, hätte er dem König wahrscheinlich empfohlen, die protestantische Religion in La Rochelle zu verbieten und die Pastoren aus der Stadt zu verjagen.«
»Hätte er Ludwig davon überzeugen können?«
»Nein, Madame. Bestimmt nicht. Ob Protestanten oder Katholiken – der König liebte seine Untertanen und wünschte sich sehr, von ihnen geliebt zu werden. Als er am ersten November 1628 als Sieger in La Rochelle einzog, fielen die Notabeln auf die Knie und riefen ›Erbarmen!‹ und ›Es lebe der König!‹ Da lüftete der König seinen Federhut und entbot ihnen ernst seinen Gruß. Und dieser Gruß, Madame, gewann ihm alle Herzen. ›Es ist gar nicht‹, sagten die Rochelaiser untereinander, ›wie man uns weismachen wollte, daß er uns alle umbringen würde. Statt dessen grüßt er uns!‹ Schon am Tag davor hatten sie ihm tiefen Dank gewußt, daß er ihnen so schnell zu essen gab, und vor allem umsonst, denn höchstens die reichen Bürger von La Rochelle hatten noch ein paar Taler im Beutel. Als sie Seine Majestät ganz anders als gefürchtet fanden, erblickten sie in ihm einen guten Engel, der sie den Klauen des Todes entrissen hatte. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Am ersten November, zu Allerseelen, gab es auch eine große Prozession in den Straßen von La Rochelle mit wer weiß wie vielen funkelnden Sternen, |356|Wachslichtern und Heiligenfiguren, für einen Hugenotten ebenso sträflich wie heidnische Götzenbilder. Aber alle Rochelaiser standen an den Fenstern, um den König vorbeiziehen zu sehen, und erinnerten einander, daß er bei seinem Einzug in die Stadt sie nicht nur gegrüßt, sondern bei ihrem erbärmlichen Anblick auch Tränen vergossen hatte.«
»Trotzdem, Monsieur, ließ Ludwig ihre Festungsmauern schleifen bis auf den Grund.«
»Was hatte das kleine Volk von diesen Mauern? Ein volles Jahr hatten sie die Leute eingesperrt und von jeglicher Nahrungszufuhr abgeschnitten.«
»Ludwig nahm der Stadt aber ihre Freiheitsrechte und Privilegien, und die Rochelaiser mußten seitdem die Taille bezahlen.«
»Wer bezahlte denn die königliche Steuer, doch nur die wohlhabenden Bürger, die auf der Insel Ré ihre Weinfelder und auf der Insel Oléron ihre Viehherden besaßen.«
»Und was wurde inzwischen aus der englischen Flotte?«
»Sie hatte am vierundzwanzigsten November beigedreht. Und dank einer unglaublichen Ironie des Schicksals, die sogar Guiton die Wege der Vorsehung verdunkelte, erhob sich zwei Tage später, am sechsundzwanzigsten November, der Südwest und steigerte sich an Stärke und Geschwindigkeit bis zum gewaltigen Sturm. Er riß die Stützen des Deiches ein und brach den Deich an drei Stellen auseinander.«
»Heißt das, Monsieur, wenn Lord Lindsey zwei Tage länger geblieben wäre, hätte er La Rochelle mit Nahrung versorgen können?«
»Das hörte ich oft sagen, aber, schöne Leserin, so sprechen Landbewohner. Die Wahrheit des Ozeans sieht anders aus. Die Bucht von La Rochelle liegt dem Südwest weit geöffnet, und wenn dieser Wind Orkanstärke gewinnt, ist ihm nichts mehr gewachsen. Er hätte die Schiffsanker aus dem Grund gerissen, die Ankerketten zerschlagen, und die englische Flotte wäre splitternd und krachend teils gegen die französische Flotte, teils gegen die Palisaden, teils gegen die Deichstümpfe geschleudert worden.«
»Was hätte Lord Lindsey in einer solchen Lage tun können?«
»Beidrehen, bevor der Südwest zum Sturm wurde, Madame, |357|und mit verminderter Segelkraft an der gegenüberliegenden Küste der Insel Ré, am Bretonischen Pertuis, Schutz suchen. Auf keinen Fall hätte er angreifen können.«
»Also machte sich die englische Flotte auf den traurigen Heimweg.«
»Der ihr zum bitteren Leidensweg wurde, denn auch sie geriet in einen Sturm und verlor vierzehn große Schiffe und vierhundert Mann. England war in dieser Geschichte der große Verlierer.«
»Und der französische König der große Gewinner?«
»Ja. Aber nicht er allein, Madame. Das Merkwürdige ist, daß der königliche Sieger und der Rochelaiser Besiegte sich den Ruhm teilen mußten. Die königliche Armee genoß von Stund an den Ruf der Unbesiegbarkeit. Der Name La Rochelle jedoch flog durch ganz Europa als ein Symbol des Heroismus und der Standhaftigkeit im Unglück.«
»Aber die Stadt war doch völlig ausgeblutet, nachdem sie den größten Teil ihrer Einwohner verloren hatte.«
»Trotzdem wurde allen Hugenotten, die nicht in der Stadt geboren waren, der Zuzug verboten.«
»Wie soll ich eine so paradoxe Maßnahme verstehen?«
»Bei näherem Hinsehen, Madame, war sie sehr genau bedacht. Der Belagerung waren nämlich weit mehr Männer erlegen als Frauen, weil Ihr liebenswertes Geschlecht, schöne Leserin, offenbar besser begabt ist zu überleben, so daß es in La Rochelle beim Friedensschluß viele Witwen und viele Mädchen ohne Männer gab. Und weil eine Heirat in den Augen dieser Witwen und Mädchen eine Messe wert war, wie unser guter König Henri gesagt hätte, heirateten sie je nach Rang und Stand die Soldaten oder Offiziere der königlichen Garnison … Womit sich in La Rochelle das zahlenmäßige Gleichgewicht zwischen Hugenotten und Katholiken herstellte.«
»Ein bewundernswerter Schachzug Ludwigs XIII.!«
»Nein, Madame, diese Maßnahme war die Idee des Kardinals. Obwohl er für Ihr liebenswertes Geschlecht nicht viel übrig hatte, erkannte er zu Zeiten seine Nützlichkeit.«
»Auch er war der große Sieger der Belagerung.«
»Zweifellos! Kurios aber, er, der für gewöhnlich so Maßvolle, sprach bei dieser Gelegenheit Worte, die von einem sehr unvorsichtigen Vertrauen in die Zukunft zeugten. ›Soviel ist |358|gewiß‹, erklärte er, ›das Ende von La Rochelle ist das Ende von Frankreichs Miseren und der Anfang seiner Ruhe und seines Glücks.‹«
»Und diese Voraussage erwies sich als falsch?«
»Grundfalsch. Am zwanzigsten Mai 1629 wurde der Frieden mit England unterzeichnet, und zehn Monate später, am zehnten und elften März 1630 brach am Hof etwas aus, was man den ›großen Sturm‹ nannte: Eine mächtige, haßgetriebene Kabale, angeführt von der Königinmutter und eingerührt von Marillac, die darauf abzielte, Richelieu vom König zu trennen und ihn zu vernichten. Es waren tödliche Schrecken für den Kardinal, der sich in einem Maße von Ungnade, Verbannung und womöglich dem Tode bedroht fühlte, daß er an den Punkt kam, alles hinzuwerfen! Gott sei Dank tat er es nicht. Aber das, Madame, ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.«