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»Wir sind bei Mr. und Mrs. Alberton zum Dinner eingeladen«, sagte Hester als Antwort auf Monks fragenden Blick über den Frühstückstisch hinweg. »Sie sind Freunde von Callandra. Eigentlich war sie ebenfalls eingeladen, aber sie wurde überraschend nach Schottland gerufen.«

»Ich nehme an, du möchtest die Einladung trotzdem annehmen«, folgerte Monk, wobei er ihr Gesicht beobachtete.

Für gewöhnlich erfasste er ihre Gefühle rasch, manches Mal mit erschreckender Akkuratesse, wohingegen er andere gründlich missverstand. Bei dieser Gelegenheit lag er jedoch richtig.

»Ja, das möchte ich. Callandra sagte, sie seien bezaubernde und interessante Menschen und hätten ein wunderschönes Haus. Mrs. Alberton ist Halbitalienerin, und offenbar sah auch Mr. Alberton viel von der Welt.«

»Nun, ich nehme an, dann sollten wir die Einladung annehmen. Obwohl sie sehr kurzfristig ausgesprochen wurde, nicht wahr?«, sagte er ungnädig.

Es war tatsächlich eine kurzfristige Einladung, Hester wollte jedoch nicht an etwas herumnörgeln, was interessant zu werden versprach und möglicherweise sogar den Beginn einer neuen Freundschaft bedeutete. Sie hatte nicht viele Freunde. Es lag in der Natur ihrer Arbeit als Krankenschwester, dass ihre Freundschaften oft von flüchtigem Charakter waren. Sie war seit geraumer Weile an keinem fesselnden Diskurs mehr beteiligt gewesen. Sogar Monks Fälle, finanziell zwar lukrativ, waren während der letzten vier Frühlings und Frühsommermonate höchst uninteressant gewesen, und er hatte nur selten ihren Ratschlag erbeten. Dies machte ihr nichts aus. Diebstahl war langweilig und meist durch Gier motiviert, und sie kannte die Betroffenen nicht.

»Gut«, sagte sie lächelnd und faltete den Brief. »Ich werde augenblicklich antworten und sagen, dass wir entzückt sind.«

Seine Antwort war ein schiefer, nur leicht sarkastischer Blick.

Kurz vor halb sieben erreichten sie das Haus der Albertons am Tavistock Square. Wie Callandra es beschrieben hatte, war es ein stattliches Haus, obwohl Hester es einer Bemerkung nicht für wert gehalten hätte. Doch sie änderte ihre Meinung, sobald sie in der Eingangshalle standen, die von einer geschwungenen Treppe dominiert wurde, hinter deren halber Höhe sich ein mächtiges bleiverglastes Fenster befand, durch das die Abendsonne schien. Es war wahrhaft wunderschön, und Hester ertappte sich dabei, es anzustarren, während sie doch eigentlich ihre Aufmerksamkeit dem Butler hätte zuwenden müssen, der sie eingelassen hatte.

Auch der Salon war ungewöhnlich. Mit weniger Mobiliar ausgestattet, als es üblich war, und in blasseren und wärmeren Farben gehalten, erzeugte er eine Illusion von Licht, obwohl die hohen Fenster, die auf den Garten hinausgingen, den Blick auf den östlichen Himmel freigaben. Die Schatten wurden bereits länger, obgleich es zu dieser Zeit, so kurz nach der Sommersonnenwende, erst nach zehn Uhr dunkel werden würde.

Hesters erster Eindruck von Judith Alberton war, dass sie eine außergewöhnlich schöne Frau war. Sie war überdurchschnittlich groß, hatte einen schlanken Hals und Schultern, die die üppigen Rundungen ihrer Figur betonten und dieser eine Zierlichkeit verliehen, die sie ansonsten nicht besessen hätte. Betrachtete man ihr Gesicht näher, so entsprach es keineswegs der konventionellen Auffassung von Schönheit. Ihre Nase war kerzengerade, aber ziemlich markant, ihre Wangenknochen hoch, ihr Mund zu groß und ihr Kinn definitiv zu kurz. Ihre schräg stehenden Augen hatten einen goldenen herbstlichen Ton. Die ganze Erscheinung war edel und verriet die der Frau innewohnende Leidenschaft. Je länger man sie betrachtete, desto bezaubernder wirkte sie. Hester mochte sie vom ersten Augenblick an.

»Guten Abend«, sagte Judith herzlich. »Ich freue mich ja so, dass Sie gekommen sind. Es ist sehr liebenswürdig von Ihnen, nachdem die Einladung doch sehr kurzfristig war. Aber Lady Callandra sprach mit solcher Zuneigung von Ihnen, dass ich nicht länger warten wollte.« Sie lächelte Monk an. In ihren Augen funkelte aufflammendes Interesse, als sie sein dunkles Gesicht mit den prägnanten Wangenknochen und der kräftigen Nase betrachtete, dennoch war es Hester, der sie ihre Aufmerksamkeit widmete. »Darf ich Ihnen meinen Gatten vorstellen?«

Der Mann, der auf sie zutrat, war eher als kultiviert denn als gut aussehend zu bezeichnen. Er wirkte weit gewöhnlicher als seine Gattin, doch seine Gesichtszüge waren ebenmäßig und drückten sowohl Stärke als auch Charme aus.

»Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Mrs. Monk«, sagte er lächelnd, aber als der Höflichkeit Genüge getan war, wandte er sich augenblicklich an Monk, der hinter ihr stand. Gelassen betrachtete er einen Moment lang dessen Gesichtsausdruck, bevor er seine Hand zum Willkommensgruß ausstreckte und dann einen Schritt zur Seite trat, um den Rest der Gesellschaft vorzustellen.

Es waren noch drei weitere Gäste anwesend. Der eine war ein Mann Mitte vierzig, dessen dunkles Haar sich bereits ein wenig lichtete. Als Erstes fiel Hester sein offenes Lächeln und der spontane Händedruck auf. Er strahlte ein natürliches Selbstvertrauen aus, als ob er seiner selbst und seiner Anschauungen so sicher wäre, dass er kein Bedürfnis verspürte, sie jedermann aufzudrängen. Er begnügte sich damit, anderen zuzuhören. Dies war eine Eigenschaft, die sie sogleich schätzte. Sein Name war Robert Casbolt, und er wurde nicht nur als Albertons Geschäftspartner und Jugendfreund, sondern zudem als Judiths Cousin vorgestellt.

Der andere anwesende Herr war Amerikaner. Es war kaum zu vermeiden, zur Kenntnis zu nehmen, dass sein Land in den letzten Monaten tragischerweise an den Rand eines Bürgerkriegs geschlittert war. Bis jetzt war es zwar zu nichts Ernsterem als ein paar hässlichen Scharmützeln gekommen, aber mit jedem aktuellen Bulletin, das über den Atlantik kam, schien offene Gewalt und Krieg immer wahrscheinlicher zu werden.

»Mr. Breeland kommt aus den Unionsstaaten«, sagte Alberton höflich, doch in seiner Stimme klang keine Herzlichkeit.

Hester sah Breeland an, der die Vorstellung mit einem Nicken quittierte. Er schien Anfang dreißig zu sein, war groß und hielt sich sehr kerzengerade, er hatte breite Schultern und die stramme Haltung eines Soldaten. Seine Gesichtszüge waren ebenmäßig, sein Ausdruck höflich, aber streng kontrolliert, als ob er ständig vor einem Missgeschick oder dem Nachlassen seiner Aufmerksamkeit auf der Hut wäre.

Die letzte anwesende Person war die Tochter der Albertons, Merrit. Sie war ungefähr sechzehn Jahre alt und verfügte über all den Charme, die Leidenschaft und die Verletzlichkeit ihrer Jahre. Sie war hellhäutiger als ihre Mutter und besaß nicht deren Schönheit, aber in ihrem Gesicht stand eine ähnliche Willensstärke und ein geringeres Vermögen, ihre Emotionen zu verbergen. Die Vorstellung ließ sie durchaus artig über sich ergehen, aber sie machte keinerlei Versuch, mehr als höflich zu sein.

Die einleitende Unterhaltung handelte von so simplen Themen wie dem Wetter, dem zunehmenden Verkehr auf Londons Straßen und den zahlreichen Menschen, die eine Ausstellung in der Nähe besuchten.

Hester fragte sich, warum Callandra angenommen hatte, sie und Monk würden diese Menschen sympathisch finden, aber vielleicht hatte sie sie einfach nur ins Herz geschlossen und war der Meinung, auch Hester und Monk würden ihre Liebenswürdigkeit schätzen.

Breeland und Merrit traten ein wenig zur Seite und führten eine ernste Unterhaltung. Monk, Casbolt und Judith Alberton diskutierten über das neueste Theaterstück, und Hester begann eine Unterhaltung mit Daniel Alberton.

»Lady Callandra erzählte mir, Sie hätten nahezu zwei Jahre auf der Krim verbracht«, sagte er interessiert. Dabei lächelte er entschuldigend. »Ich werde Ihnen nicht die üblichen Fragen über Florence Nightingale stellen. Mittlerweile müssen Sie dies gewiss als ermüdend betrachten.«

»Sie war eine äußerst bemerkenswerte Person«, erwiderte Hester. »Ich würde niemanden kritisieren, der mehr über sie erfahren möchte.«

Sein Lächeln wurde breiter. »Das müssen Sie schon sehr oft gesagt haben. Sie waren darauf vorbereitet!«

Sie spürte, wie sie sich entspannte. Es war überraschend angenehm, mit ihm zu plaudern. Offenheit war stets so viel einfacher als fortgesetzte Höflichkeiten. »Ja, ich gebe es zu, ich war vorbereitet. Es ist…«

»Wenig originell«, vollendete er ihren Satz.

»Ja.«

»Vielleicht war das, was ich sagen wollte, auch wenig originell, aber ich werde es dennoch sagen, weil ich es tatsächlich wissen möchte.« Er runzelte leicht seine Stirn und zog die Brauen zusammen. Seine Augen waren von einem klarem Blau. »Sie müssen dort draußen eine beträchtliche Beherztheit aufgebracht haben, sowohl physisch als auch moralisch, vor allem, wenn Sie sich tatsächlich nahe dem Schlachtfeld befunden haben. Sie müssen Entscheidungen getroffen haben, die anderer Leute Leben beeinflussten, sie möglicherweise retteten oder verloren gaben.«

Das war nur zu wahr. Erschüttert erinnerte sie sich, wie hoffnungslos es gewesen war, wie weit entfernt von diesem ruhigen Sommerabend in einem eleganten Londoner Salon, in dem der Farbton einer Abendrobe, der Schnitt eines Ärmels von Bedeutung war. Krieg, Krankheit, zerfetzte Körper, die Hitze, die Fliegen oder die schreckliche Kälte, das alles hätte ebenso gut auf einem anderen Planeten gewesen sein können, ohne jegliche Verbindung zu dieser Welt, abgesehen von einer gemeinsamen Sprache; und doch, Worte allein hätten niemals die eine Welt des anderen erklären können.

Sie nickte.

»Finden Sie es nicht außerordentlich schwierig, sich nach jenem Leben wieder in diesem zurechtzufinden?«, fragte er. Seine Stimme war sanft, aber aus ihr klang eine überraschende Eindringlichkeit.

Wie viel hatte Callandra Judith Alberton oder ihrem Gatten erzählt? Würde Hester sie künftig bei den Albertons in Verlegenheit bringen, wenn sie aufrichtig sein würde? Vermutlich nicht. Callandra war nie eine Frau gewesen, die vor der Wahrheit floh.

»Nun, ich kehrte mit der brennenden Entschlossenheit zurück, zu Hause all unsere Hospitäler zu reformieren«, sagte sie wehmütig. »Wie Sie sehen können, scheiterte ich aus mehreren Gründen. Der wichtigste Grund war, dass niemand glauben wollte, ich hätte auch nur die leiseste Ahnung, wovon ich eigentlich sprach. Immer noch herrscht die Auffassung, Frauen verstünden von Medizin rein gar nichts, insbesondere Krankenschwestern wären lediglich zum Aufrollen von Bandagen geeignet, zum Wischen und Polieren von Fußböden, zum Kohle und Schmutzwasserschleppen, und sie sollten im Allgemeinen nur tun, was ihnen aufgetragen wird.« Sie ließ es zu, dass ihre Bitterkeit zu hören war. »Ich brauchte nicht lange, um entlassen zu werden, und musste anschließend mein Geld mit der Pflege von Privatpatienten verdienen.«

In seinen Augen lagen sowohl Bewunderung als auch ein Lachen. »War das sehr schwer für Sie?«, fragte er.

»Sehr«, nickte sie. »Doch bald nachdem ich nach Hause zurückkehrte, lernte ich meinen Mann kennen. Wir waren … fast hätte ich ›Freunde‹ gesagt, aber das entspräche wohl kaum der Wahrheit. Gegner, allgemein gesprochen, würde es weit besser beschreiben. Erzählte Ihnen Lady Callandra, dass er als Privatermittler tätig ist?«

In seinem Gesicht zeichnete sich keinerlei Überraschung ab und ganz sicher nichts, was Erschrecken nahe gekommen wäre. In der Oberschicht besaßen Gentlemen Ländereien, oder sie waren in der Armee oder der Politik tätig. Doch sie arbeiteten nicht im Sinne von Dienstleistenden. Handel war ebenso wenig akzeptabel. Welchem familiären Hintergrund Judith Alberton auch entstammen mochte, ihr Ehemann zeigte jedenfalls keinerlei Bestürzung darüber, dass sein Gast nur wenig besser war als ein Polizist, ein Beruf, der nur für die verabscheuenswertesten Elemente in Frage kam.

»Ja«, gestand er bereitwillig zu. »Sie erzählte mir, einige seiner Abenteuer recht faszinierend gefunden zu haben, aber sie enthielt sich der Details. Ich nahm an, sie seien vertraulich.«

»Das sind sie auch«, stimmte Hester zu. »Auch ich möchte nicht darüber sprechen, ich sage nur so viel, dass sie mich davor bewahrt haben, Aufregungen oder das Gefühl, Entscheidungen treffen zu müssen, zu vermissen. Überdies forderte mein Anteil an den Fällen nur selten die physischen Entbehrungen und persönlichen Gefahren, denen man als Krankenschwester in Kriegszeiten ausgesetzt ist.«

»Und das Grauen und das Mitleid?«, fragte er leise.

»Davor haben sie mich nicht bewahrt«, gestand sie.

»Das ist nur eine Frage des Quantums. Aber ich bin nicht sicher, ob man für eine Person weniger Empfindungen aufbringt, wenn er oder sie in einer verzweifelten Notlage ist, als man es für mehrere tut.«

»Vermutlich.« Es war Robert Casbolt, der sprach. Er trat direkt hinter Alberton und legte seine Hand freundschaftlich auf die Schulter seines Freundes, wobei er Hester interessiert betrachtete. »So viel die Seele eben ertragen kann, und man gibt alles, was man hat, stelle ich mir vor? Aus dem, was ich soeben mitgehört habe, schließe ich, dass Sie eine bemerkenswerte Frau sind, Mrs. Monk. Ich bin entzückt, dass Daniel die Idee hatte, Sie und Ihren Gatten zum Dinner einzuladen. Sie werden unsere gewohnte Konversation immens beleben, und ich freue mich darauf.« Verschwörerisch senkte er die Stimme.

»Zweifellos werden wir während des Dinners mehr darüber hören – dieser Tage ist es vollkommen unumgänglich –, aber ich habe mehr als genug vom Krieg in Amerika und all seinen Streitfragen.«

Albertons Gesicht strahlte. »Dasselbe gilt für mich, aber ich wette mit dir um einen guten Zweispänner, dass Breeland uns mit den Vorzügen der Union ergötzen wird, bevor der dritte Gang serviert sein wird.«

»Der zweite!«, widersprach Casbolt und grinste Hester offen an. »Er ist ein sehr ernsthafter junger Mann, Mrs. Monk, und fanatisch von der moralischen Richtigkeit seiner Sache überzeugt. Für ihn ist die Union der Vereinigten Staaten eine göttliche Einheit und das Streben der Konföderierten nach Sezession das Werk des Teufels.«

Jeglicher weitere Kommentar wurde durch die Notwendigkeit abgeschnitten, sich in den Speisesalon zu begeben, denn dort war man bereit, das Dinner zu servieren.

Monk fand das Haus angenehm, obgleich er nicht sicher war, warum. Es hatte wohl etwas mit der Wärme der Farben und der Einfachheit der Proportionen zu tun. Den ersten Teil des Abends hatte er damit verbracht, sich mit Casbolt und Judith Alberton zu unterhalten, wobei Lyman Breeland lediglich einen gelegentlichen Kommentar abgab, da er eine lockere Unterhaltung als ermüdend zu empfinden schien. Breeland hatte zu gute Manieren, um dies unverhohlen zu zeigen, aber Monk erkannte dennoch, dass er sich langweilte. Er fragte sich, warum Breeland überhaupt erschienen war. Dieser Umstand erweckte Monks Neugier. Er blickte durch den Raum, und es schien eine sonderbar unvereinbare Gruppe von Menschen zu sein, er und Hester eingeschlossen. Breeland war Anfang dreißig, vielleicht ein oder zwei Jahre jünger als Hester.

Die anderen mussten, abgesehen von Merrit Alberton, Mitte bis Ende vierzig sein. Warum hatte sie sich entschlossen, dem Dinner beizuwohnen, wenn sie sicherlich in Gesellschaft anderer junger Mädchen hätte sein können, oder gar bei einer Festlichkeit?

Dennoch entdeckte er an ihr kein Anzeichen der Langeweile oder Ungeduld. War sie bemerkenswert wohlerzogen, oder gab es etwas, was sie dazu bewog, vorzugsweise hier sein zu wollen?

Die Antwort erfolgte nach der Suppe, als der Fisch serviert wurde.

»Wo leben Sie in Amerika, Mr. Breeland?«, fragte Hester unschuldig.

»Unsere Heimat ist in Connecticut, Ma’am«, antwortete er, wobei er sein Essen ignorierte und sie direkt ansah.

»Doch im Augenblick wohnen wir natürlich in Washington. Die Menschen strömen aus sämtlichen nördlichen Teilen der Union herbei, um sich der Sache wegen zu vereinigen, wie Ihnen zweifellos bekannt sein dürfte.« Ganz leicht hob er seine Augenbrauen.

Casbolt und Alberton warfen sich einen kurzen Blick zu.

»Wir kämpfen für das Ideal von Freiheit und Recht für alle Menschen«, fuhr Breeland leidenschaftlich fort. »Aus jedem Ort, jeder Stadt und sogar von Farmen, die weit im Landesinneren oder im Westen gelegen sind, strömen Freiwillige herbei.«

Plötzlich erstrahlte Merrits Gesicht. Einen Moment lang sah sie Breeland mit glänzenden Augen an, dann flog ihr Blick zurück zu Hester. »Wenn sie gewinnen, dann wird es keine Sklaverei mehr geben«, verkündete sie. »Alle Menschen werden kommen und gehen können, wie es ihnen beliebt, und müssen niemanden mehr ›Master‹ nennen. Es wird einer der größten und edelsten Schritte sein, die die Menschheit je getan hat, und die Unionisten werden ihn tun, auch unter Einsatz ihrer Leben, ihrer Heime, oder was auch immer es sie kosten möge.«

»Krieg kostet immer einiges, Miss Alberton«, erwiderte Hester sanft. »Welchen Grund er auch immer haben mag.«

»Aber dieser Krieg ist etwas anderes.« Merrits Stimme hob sich hartnäckig. Sie beugte sich leicht über das erlesene Porzellan und das Silberbesteck, und das Licht der Kronleuchter schimmerte auf ihren blassen Schultern.

»Hier haben wir es mit wahrem Edelmut und dem Opfer für ein großes Ideal zu tun. Es ist ein Kampf, um jene Freiheiten zu bewahren, um deretwillen Amerika gegründet worden war. Wenn Sie das alles wirklich verstanden hätten, Mrs. Monk, würden Sie für die Verteidigung dieser Sache ebenso viel Leidenschaft aufbringen wie diejenigen, die die Union unterstützen… außer natürlich, Sie befürworten die Sklaverei?« Aus ihr klang kein Ärger, lediglich Bestürzung darüber, dass jemand zu derlei fähig sein könnte.

»Nein, Sklaverei befürworte ich keineswegs!«, entgegnete Hester scharf, wobei sie weder nach rechts noch nach links blickte, um zu sehen, welcher Art anderer Leute Meinung sein mochte. »Allein die Idee finde ich verabscheuungswürdig!«

Merrit entspannte sich, und über ihr Gesicht huschte ein bezauberndes Lächeln. Eine plötzliche Wärme strahlte von ihr aus.

»Dann werden Sie ja vollkommen verstehen. Sind Sie nicht auch der Meinung, wir sollten alles tun, was in unserer Macht steht, um solch eine Sache zu unterstützen, wenn andere Menschen dazu bereit sind, dafür ihr Leben zu geben?« Wieder flogen ihre Augen einen Augenblick lang zu Breeland, der sie anlächelte, wobei ein schwacher Glanz der Freude auf seinem Gesicht lag. Sogleich wandte er den Blick wieder ab, befangen vielleicht, als ob er seine Gefühle im Zaum halten wollte.

Hester war wachsamer. »Ich stimme natürlich damit überein, dass wir gegen die Sklaverei kämpfen sollten, aber ich bin nicht sicher, ob dies der richtige Weg ist. Ich gestehe, ich weiß nicht genügend über die Angelegenheit, um mir ein Urteil erlauben zu können.«

»Das ist doch reichlich simpel«, antwortete Merrit, »wenn man die politischen Querelen und die Streitfragen bezüglich Landbesitz und Geld außer Acht lässt, steht man nur noch vor der Frage der Moral.« Dabei wischte sie mit der Hand durch die Luft, ohne zu bemerken, dass sie den Lakaien behinderte, der versuchte, das Entree zu servieren.

»Es ist eine reine Frage der Aufrichtigkeit.« Wieder verwandelte ein reizendes Lächeln ihr Gesicht. »Würden Sie Mr. Breeland fragen, würde er Ihnen die Sache erklären, und dann könnten Sie sie mit solcher Klarheit sehen, dass Sie darauf brennen würden, mit Ihrem ganzen Herzen für die Sache zu kämpfen.«

Monk warf einen Blick über den Tisch, um zu eruieren, was Daniel Alberton über die leidenschaftliche Loyalität seiner Tochter zu einem fünftausend Meilen entfernten Krieg dachte. Im Gesicht seines Gastgebers zeichnete sich ein Überdruss ab, der von zahlreichen solcher Diskussionen zeugte, die stets ohne Lösung geblieben waren.

In den Londoner Zeitungen waren zahllose Artikel über Mr. Lincoln, den neuen Präsidenten, und über Jefferson Davis zu lesen, der zum Präsidenten der provisorischen Regierung der Konföderierten Staaten von Amerika gewählt worden war, jener Staaten, die während der letzten paar Monate von der Union abgesplittert waren. Lange Zeit hatten viele gehofft, einen regelrechten Krieg vermeiden zu können, während ihn andere tatkräftig förderten. Aber nach dem Bombardement von Fort Sumter durch die Konföderierten und dessen darauf folgender Kapitulation am 14. April hatte Präsident Lincoln fünfundsiebzigtausend Freiwillige aufgerufen, um für die Dauer von drei Monaten zu dienen, und hatte eine Blockade sämtlicher Häfen der Konföderierten vorgeschlagen.

Zeitungen zufolge hatte der Süden einhundertfünfzigtausend Freiwillige aufgerufen. Nun befand Amerika sich im Kriegszustand.

Was weit weniger offensichtlich war, war die Natur der Fragen, die auf dem Spiel standen. Für manche, wie Merrit, ging es einfach nur um Sklaverei. In Wahrheit schien es für Monk mindestens ebenso viel mit Grundbesitz zu tun zu haben, mit Wirtschaft und dem Recht des Südens, sich von einer Union zu trennen, deren Teil er in Zukunft nicht mehr sein wollte.

Tatsächlich galt ein Großteil der Sympathien in England dem Süden, obwohl die Motive dafür auch gemischt und vielleicht suspekt waren.

Albertons geduldige Worte klangen mühevoll, was sich einen Moment lang unverhüllt in seinem Gesicht abzeichnete.

»Es gibt viele Streitfragen, meine Liebe, und einige davon stehen miteinander in Konflikt. Aber ich weiß von keinem Zweck, der unehrenhafte Mittel rechtfertigen würde. Man muss in Betracht ziehen –«

»Es gibt nichts, was Sklaverei rechtfertigen würde!«, rief sie hitzig und schnitt ihm damit das Wort ab, ohne einen Gedanken an den Respekt zu verschwenden, den sie ihm schuldig war, vor allem in Gesellschaft. »Zu viele Menschen schützen Sophisterei vor, um sich dafür zu verteidigen, im Kampf nicht ihr Leben und ihren Besitz zu riskieren.«

Judiths Hand umklammerte die Silbergabel, und sie warf ihrem Mann einen Blick zu. Breeland lächelte. Über Casbolts Gesicht huschte aufflammender Ärger.

»Und zu viele Menschen ergreifen hastig für eine Sache Partei«, entgegnete Alberton, »ohne sich Zeit zu nehmen, abzuwägen, was ihr Parteigängertum einer anderen Sache kosten mag, die ebenso gerecht ist, ebenso ihrer Hilfe bedarf und möglicherweise ihre Loyalität im gleichen Maße verdient.«

Es war offensichtlich, dass es sich um kein philosophisches Argument handelte. Etwas Dringliches und von großer persönlicher Bedeutung stand hier auf dem Spiel. Man musste lediglich einen Blick auf Lyman Breelands angespannte Schultern und sein ernstes Gesicht, auf die Röte auf Merrits Wangen und Daniel Albertons spürbare Ungeduld werfen, um sich dieser Tatsache bewusst zu werden.

Dieses Mal erwiderte Merrit nichts, aber ihr Zorn loderte nur zu offensichtlich. In vielerlei Beziehung war sie nichts weiter als ein Kind, aber ihre Gefühle waren so heftig, dass Monk die Situation als zunehmend peinlich empfand.

Die Teller des Entrees wurden abgetragen, und es wurde Kirschkuchen mit Schlagsahne serviert. Alle aßen schweigend.

Judith Alberton machte eine fröhliche Bemerkung über einen Liederabend, den sie kürzlich besucht hatte. Hester verlieh einem Interesse Ausdruck, von dem Monk wusste, dass es vorgetäuscht war. Sie machte sich nichts aus sentimentalen Balladen, und Judiths bemerkenswertes Gesicht betrachtend, fragte er sich, ob seine Gastgeberin dafür wirklich Interesse hatte. Dies schien ihm eine Geschmacksrichtung zu sein, die sich mit ihrer Ausstrahlung nicht vereinbaren ließ.

Casbolt fing Monks Blick auf, und er lächelte, als ob er sich insgeheim amüsieren würde.

Allmählich kam die Unterhaltung wieder in Gang, zaghaft und gesittet, mit einem gelegentlichen Witz. Dem Kuchen folgten frische Trauben, Aprikosen und Birnen mit Käse. Licht glänzte auf Silber, Kristall und weißem Leinen. Hier und da ertönte ein Lachen.

Monk ertappte sich bei der Überlegung, warum Breeland eingeladen worden war. Diskret studierte er den Mann, seinen Gesichtsausdruck, die Spannungen in seinem Körper und die Art, wie er der Unterhaltung lauschte, als ob er entschlossen sei, etwaige tiefere Bedeutungen zu interpretieren, und nur auf seine Chance wartete, sich für eigene Belange einsetzen zu können. Doch diese Gelegenheit ergab sich nicht. Ein halbes Dutzend Mal bemerkte Monk, wie er Atem holte und es dann doch unterließ, das Wort zu ergreifen. Wenn Merrit sprach, sah er sie an, wobei sekundenlang Weichheit in seine Augen trat. Doch er vermied es gewissenhaft, sich zu ihr zu beugen oder eine andere Geste zu machen, die vertraut wirken könnte, ob er damit nun ihre Gefühle oder seine eigenen schützen wollte.

Er war höflich zu Judith Alberton, aber nicht herzlich, als ob er ihr gegenüber befangen wäre. Zog man ihre bemerkenswerte Schönheit in Betracht, fiel es Monk nicht schwer, dies zu verstehen. Männer ließen sich leicht durch solche Frauen einschüchtern, wurden gehemmt und zogen es vor, zu schweigen, und riskierten solchermaßen, weniger klug und amüsant zu erscheinen, als sie dies erhofft hatten. Er war etwa zehn Jahre jünger als seine Gastgeberin, und Monk glaubte, dass er ohne deren Wissen in ihre Tochter verliebt war.

Casbolt zeigte keinen solchen Mangel an Entspanntheit. Seine Zuneigung zu Judith war offensichtlich, aber als Cousine und Cousin kannten sie sich vermutlich bereits ihr ganzes Leben lang. Tatsächlich machte er, oft im Spaß, einige Andeutungen auf Ereignisse in der Vergangenheit, die sie gemeinsam erlebt hatten. Manche davon mochten damals Unheil gewesen sein, waren aber nun in der Erinnerung verblasst und schmerzten nicht mehr. Geteiltes Leid und geteiltes Lachen hatten ein einzigartiges Band zwischen ihnen geschaffen.

Sie sprachen von Sommeraufenthalten in Italien, als sie drei – Judith, Casbolt und ihr Bruder Cesare – über die goldenen Hügel der Toskana gewandert waren, als sie charakteristische Stücke von antiken Skulpturen gefunden hatten, die auf die Zeit des Aufstiegs Roms zurückzudatieren waren, und über die Menschen spekuliert hatten, die diese erschaffen haben mochten. Judith lachte vor Vergnügen, aber Monk meinte, auch den Schatten des Schmerzes erkennen zu können. Mit einem Blick auf Hester stellte er fest, dass auch sie ihn wahrgenommen hatte.

Auch in Casbolts Stimme lag es: Das Wissen um etwas, was zu tief saß, um je vergessen zu werden, und doch gemeinsam getragen werden konnte, da man es gemeinsam erlebt hatte. Er, sie und Daniel Alberton.

Während des gesamten Essens war nichts Unverhohlenes und gewiss nichts angesprochen worden, was Ärgernis erregte. Aber Monk kam zu der Überzeugung, dass Casbolt Breeland nicht sonderlich mochte. Vielleicht war es nichts weiter als eine Verschiedenheit der Temperamente. Casbolt war ein weltkluger Mann mit Erfahrung und Charme. Er fühlte sich in Gesellschaft wohl und führte entspannte Unterhaltungen.

Breeland dagegen war ein Idealist, der seine Überzeugungen nicht vergessen konnte und sich selbst nicht einmal für die Dauer eines Dinners gestattete, Frohsinn zu verspüren, da er wusste, dass andere litten. Es mochte durchaus eine merkwürdige Situation sein, sich in einer Zeit solcher Prüfung so weit von seiner Heimat entfernt und mitten unter Fremden zu befinden. Zudem fühlte er sich offensichtlich außerstande, sich Merrits Jugend und Charme zu entziehen.

Monk hatte ein wenig Mitgefühl mit ihm. Einst war er ebenso leidenschaftlich für bedeutende Zeitfragen eingetreten, hatte gestrotzt vor Eifer, wenn es um Ungerechtigkeiten ging, die Tausende, vielleicht gar Millionen Menschen betrafen. Jetzt konnte er solche Hingabe nur noch für Individuen aufbringen. Zu oft hatte er versucht, den Lauf der Gerechtigkeit oder der Natur zu beeinflussen, und erfahren müssen, was es bedeutete, zu scheitern, während er die Stärke der Gegner kennen lernte. Er gab sich noch immer alle Mühe und litt bitterlich. Die Wut krampfte sich in seinem Innern zusammen. Dennoch konnte er sie für eine Weile vergessen und sein Herz und seinen Geist mit Genuss und Schönheit füllen. Er hatte gelernt, das Tempo seiner Schlachten zu bestimmen – wenigstens bisweilen – und die Momente der Erholung zu genießen.

Der letzte Gang war fast beendet, als der Butler kam und zu Daniel Alberton sprach.

»Entschuldigen Sie, Sir«, sagte er kaum lauter als im Flüsterton. »Mr. Philo Trace ist eingetroffen. Soll ich ihm sagen, Sie seien beschäftigt, oder wünschen Sie ihn zu sehen?«

Breeland wirbelte herum, sein Körper war steif und sein Gesichtsausdruck so streng kontrolliert, dass es aussah, als wäre er zu Eis erstarrt.

Merrit war weit weniger vorsichtig, ihre Gefühle zu verbergen. Heiß schoss die Röte in ihre Wangen, und sie funkelte ihren Vater an, als ob dieser kurz davor stünde, etwas Ungeheuerliches zu tun.

Casbolt sah die Anwesenden entschuldigend an, aber in seinem Gesicht zeichnete sich lebhaftes Interesse ab. Monk hatte den flüchtigen Eindruck, dass es Casbolt tatsächlich wichtig war, was er dachte, aber dann verwarf er den Gedanken als lächerlich. Warum sollte er?

Albertons Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass er den Besucher nicht erwartet hatte. Einen Moment lang wirkte er verblüfft. Fragend sah er Judith an.

»Unbedingt«, erwiderte sie mit einem schwachen Lächeln.

»Ich nehme an, es ist besser, Sie bitten ihn herein«, wies Alberton den Butler an. »Erklären Sie ihm, dass wir beim Dinner sitzen. Wenn er sich uns gerne bei Obst und Käse anschließen möchte, ist er sehr willkommen.«

Während der Butler ging, herrschte betretenes Schweigen. Als er zurückkehrte, geleitete er einen schlanken, dunkelhaarigen Herrn – mit sensiblem, lebendigem Gesichtsausdruck – herein, einem Gesicht, das Gefühle widerspiegelte und dennoch vielleicht die wahren Emotionen verbarg. Er war gut aussehend, wirkte, als ob er seinen Charme freizügig verteilen würde, und trotzdem hatte er etwas schwer Fassbares und Verhaltenes an sich. Monk schätzte ihn etwa zehn Jahre älter als Breeland, und in dem Moment, als er das Wort ergriff, war es offenbar, dass er aus jenen Südstaaten stammte, die sich kürzlich von der Union getrennt hatten und mit denen die Union nun im Kriegszustand lag.

»Guten Abend«, sagte Monk, als sie einander vorgestellt wurden und der Butler einen weiteren Stuhl gebracht und diskret ein weiteres Gedeck aufgelegt hatte.

»Es tut mir wirklich sehr Leid«, sagte der Besucher leicht verlegen. »Ich scheine den falschen Abend gewählt zu haben. Ich hatte ganz bestimmt nicht die Absicht zu stören.«

Einen Augenblick lang sah er Breeland an, und es war eindeutig, dass die beiden sich bereits kannten. Die Feindseligkeit zwischen ihnen knisterte förmlich in der Luft.

»Aber das tun Sie doch nicht, Mr. Trace«, sagte Judith lächelnd. »Möchten Sie gerne etwas Obst? Oder etwas Gebäck?«

Seine Augen weilten mit Vergnügen und einem gewissen Ernst auf ihr.

»Danke, Ma’am. Das ist sehr großzügig von Ihnen.«

»Mr. und Mrs. Monk sind Freunde von Lady Callandra Daviot. Ich kann mich nicht erinnern, ob Sie sie kennen gelernt haben oder nicht. Sie ist eine höchst interessante Dame.« Er ließ sich auf dem Stuhl nieder, der für ihn gebracht worden war. Mit liebenswürdiger Neugierde betrachtete er Hester. »Stehen Sie ebenfalls mit der Armee in Verbindung, Ma’am?«

»Ja, das tut sie tatsächlich!«, rief Casbolt begeistert. »Sie hatte eine bemerkenswerte Karriere… zusammen mit Florence Nightingale. Ich bin sicher, dass Sie von ihr gehört haben.«

»Aber natürlich habe ich das.« Trace lächelte Hester an.

»Ich fürchte, in Amerika sind wir dieser Tage verpflichtet, uns mit allen Aspekten des Krieges zu befassen. Ich wage zu behaupten, Sie wissen das. Aber ich bin sicher, das ist kein Thema, das Sie während des Dinners zu diskutieren wünschen.«

»Sind Sie nicht gerade deswegen gekommen, Mr. Trace?«, fragte Merrit mit kalter Stimme. »Sie sind doch nicht der Gesellschaft wegen gekommen. Sie gaben ja zu, dass Sie sich bei Ihrem Besuch im Datum geirrt hatten.«

Trace errötete. »Ich weiß nicht, wie mir das passieren konnte. Aber ich habe mich dafür entschuldigt, Miss Alberton.«

»Das weiß ich auch nicht!«, sagte Merrit. »Ich kann mir nur vorstellen, Sie machten sich Sorgen, Mr. Breeland könnte meinen Vater schließlich doch noch von der Gerechtigkeit seiner Sache überzeugen und Sie wären dann ohne den Geschäftsabschluss, den Sie zu tätigen erwarteten.« Dies war eine eindeutige Herausforderung, und Merrit machte keinerlei Konzessionen an die Höflichkeit. Ihre leidenschaftliche Überzeugung klang so aufrichtig, dass sie sie fast aller Grobheit beraubte.

Casbolt schüttelte den Kopf. Er sah Merrit geduldig an.

»Du weißt es doch wirklich besser, meine Liebe. Wie tief deine Überzeugung auch sein mag, du kennst deinen Vater besser, als dass du glauben könntest, er würde wegen eines anderen sein Wort brechen. Ich hoffe, Mr. Trace weiß das auch. Und wenn nicht, dann wird er es bald erfahren.« Er sah Monk über den Tisch hinweg an. »Sir, wir müssen uns bei Ihnen entschuldigen, bei Ihnen ebenso«, sagte er mit einem kurzen Blick auf Hester. »Dies muss Ihnen alles unerklärlich hitzig erscheinen. Ich wage zu behaupten, dass niemand es Ihnen erklärt hat. Daniel und ich sind Händler und Spediteure, unter anderem. Jetzt, da sich die Vereinigten Staaten im Krieg befinden, was bedauerlicherweise so ist, sind Schusswaffen guter Qualität äußerst gefragt. Männer sowohl aus der Union als auch aus den Südstaaten durchkämmen Europa und kaufen alles an Waffen auf, was sie bekommen können. Die meisten der verfügbaren Waffen sind sehr wahrscheinlich minderwertig und explodieren aller Voraussicht nach eher ihren Benutzern mitten ins Gesicht, als dass sie dem Feind Schaden zufügen würden. Einige davon haben eine derart schlechte Zielausrichtung, dass man sich schon glücklich schätzen könnte, aus zwanzig Schritt Entfernung die Breitseite einer Scheune zu treffen. Verstehen Sie etwas von Schusswaffen, Sir?«

»Rein gar nichts«, erwiderte Monk aufrichtig. Wenn er je über ein derartiges Wissen verfügt hatte, dann war es mit dem Kutschenunfall vor fünf Jahren verschwunden, der ihn sämtlicher Erinnerungen aus früheren Zeiten beraubt hatte. Er konnte sich nicht erinnern, je einen Schuss abgegeben zu haben. Dennoch hatten Casbolts Erklärungen die Stimmungsturbulenzen, die Monk im Raum wahrgenommen hatte, klar gemacht, ebenso wie die Anwesenheit von Breeland und Trace und die bitteren Gefühle zwischen den beiden. Es hatte also nichts mit Merrit Alberton oder einem anderen Mitglied der Familie zu tun.

Casbolts Gesicht glühte vor Begeisterung. »Das beste moderne Gewehr – nehmen wir zum Beispiel einmal das P1853, das Vorjahresmodell – besteht aus insgesamt sechzig Teilen, inklusive Schrauben und derlei Dingen. Es wiegt lediglich acht Pfund und vierzehneinhalb Unzen, ohne Bajonett, und der Gewehrlauf ist einen Meter lang. Es ist auf eine Entfernung von über achthundert Metern zielsicher, das entspricht über einer halben Meile.«

Judith sah ihn mit einem leicht missbilligenden Blick an.

»Aber natürlich!« Er entschuldigte sich, warf Hester und Monk einen Blick zu. »Es tut mir Leid. Bitte erzählen Sie uns doch etwas von Ihrem Beruf, wenn es nicht allzu vertraulich ist.«

Sein Gesicht drückte ein derartig brennendes Interesse aus, dass es schwer vorzustellen war, er habe es aus purer Höflichkeit vorgetäuscht.

Noch nie zuvor war Monk diese Frage bei einer Dinnergesellschaft gestellt worden. Normalerweise war es das Letzte, worüber die Herrschaften zu sprechen wünschten, denn oft war er nur deshalb anwesend, weil er in einer Sache ermittelte, die ihnen kürzlich Schwierigkeiten bereitet hatte und es aller Wahrscheinlichkeit nach immer noch tat. Verbrechen brachte nicht nur Angst, schmerzlichen Verlust und unweigerlich auch Misstrauen mit sich, sondern es riss auch meist die ehrbare Maske von dem ruhigen Leben, die jedermann über alle Arten kleinerer Sünden und Schwächen zu legen pflegte.

»Robert!«, rief Judith eindringlich. »Ich finde, du bittest Mr. Monk, uns von anderer Menschen Tragödien zu erzählen.«

Mit großen Augen und nicht im Mindesten verstimmt, sah Casbolt über den Tisch. »Oh, wirklich? Wie peinlich! Wie kann ich das verhindern? Ich würde wahrhaftig gerne etwas über Mr. Monks faszinierende Betätigung erfahren.« Er lächelte immer noch, aber in seiner Stimme lag Entschlossenheit. Er rückte ein wenig vom Tisch ab und griff nach einer kleinen Traube mit etwa einem Dutzend Beeren. »Erzählen Sie, verwenden Sie viel Zeit mit der Aufklärung von Diebstählen, verschwundenen Juwelen und dergleichen?«

Dies war ein weit sichereres Thema als Gewehre oder Sklaverei. Monk bemerkte aufflackerndes Interesse in Judiths Gesicht, trotz ihres Bewusstseins, dass das Thema möglicherweise nicht eines war, das man in einer auf Diskretion bedachten Gesellschaft erörtert hätte.

Auch Daniel Alberton schien erleichtert. Seine Finger hörten auf, das Obstmesser, das sie hielten, hin und her zu drehen.

»Mrs. Monk sagt, dass ihr Engagement in Ihren Fällen die Erregung, das Grauen und die Verantwortung ersetzte, die sie auf dem Schlachtfeld verspürte«, fuhr Casbolt unverzüglich fort. »Es kann sich also nicht lediglich um Angelegenheiten handeln wie das verlorene Salzfässchen oder die verschwundene Großnichte von Lady Soundso wieder zu finden.«

Alle warteten darauf, Monk würde ihnen etwas Dramatisches und Unterhaltsames erzählen, was rein gar nichts mit ihrem eigenen Leben oder den Spannungen, die zwischen ihnen herrschten, zu tun hatte. Sogar Hester blickte ihn lächelnd an.

»Nein«, nickte er und griff nach einem Pfirsich, »solche Fälle gibt es natürlich manches Mal, aber sehr oft fällt mir ein Mordfall zu, anstatt der Polizei –«

»Gütiger Himmel!«, rief Judith unwillkürlich.

»Warum?«

»Für gewöhnlich, weil die Polizei den falschen Täter verdächtigt«, erwiderte Monk.

»Ihrer eigenen Meinung nach?«, warf Casbolt schnell ein.

Monk suchte seinen Blick. In Casbolts Stimme lag Herausforderung, aber sein Blick war aufrichtig, direkt und hochintelligent. Monk war sicher, seine Bemerkung war nicht im Geringsten gedankenlos gemeint, sondern er wollte die vorherige Peinlichkeit zwischen Breeland und Trace übertünchen.

»Ja, meiner Meinung nach«, antwortete Monk mit dem Ernst, den er für angemessen hielt. »Zuweilen erlag ich gravierenden Täuschungen, aber stets nur für kurze Zeit. Einmal war ich von der Unschuld eines berühmten Mannes überzeugt und arbeitete sehr hart daran, dies zu beweisen, nur um am Ende entdecken zu müssen, dass er eine grässliche Schuld auf sich geladen hatte.«

Merrit wollte kein Interesse zeigen, doch schließlich konnte sie nicht anders. »Konnten Sie Ihren Irrtum wieder gutmachen? Was passierte mit dem Mann?«, fragte sie und vergaß die Trauben auf ihrem Teller.

»Er wurde gehängt«, entgegnete Monk freudlos.

Sie starrte ihn an, und über ihre Augen legte sich ein Schatten. Irgendetwas an seinem Verhalten verstand sie nicht; es waren nicht seine Worte, sondern seine Gefühle.

»Waren Sie denn nicht froh darüber?«

Wie sollte er ihr seinen Zorn über den Tod der Frau erklären, die ermordet worden war, und dass die Rache, denn mehr war die Strangulation nicht, nichts besser machte? Gerechtigkeit, wie sie das Gesetz interpretierte, war nötig, aber sie brachte keine Freude mit sich. Er betrachtete die weichen Linien ihres Gesichtes: Sie war kaum der Pausbäckigkeit der Kindheit entwachsen und sich so sicher, die richtige Meinung über den amerikanischen Krieg zu haben, und ihre Züge brannten vor Empörung, Liebe und verzehrendem Idealismus.

»Nein«, sagte er in dem Bedürfnis, ehrlich zu sich selbst zu sein, ob sie es nun verstand oder nicht. »Ich bin zufrieden, dass die Wahrheit ans Licht kam. Ich bin zufrieden, dass er für sein Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurde, aber ich bedauerte seine Vernichtung. Er war ein kluger Mann, äußerst talentiert, aber seine Arroganz war ungeheuerlich. Am Ende dachte er, jedermann müsste seinen Talenten dienen. Dies zerstörte sein Mitgefühl und sein Urteilsvermögen, ja sogar seine Ehre.«

»Wie tragisch«, hauchte Judith leise. »Ich freue mich, dass Robert Sie gefragt hat. Ihre Antwort war aufschlussreicher, als ich erwartet hatte.« Sie warf ihrem Mann einen Blick zu, dessen Gesichtsausdruck ihre Meinung bestärkte.

»Danke, meine Liebe.« Casbolt schenkte ihr ein strahlendes Lächeln, dann wandte er sich erneut Monk zu.

»Erzählen Sie uns doch, wie stellten Sie ihn? Wenn er klug war, müssen Sie doch noch klüger gewesen sein!«

Monk antwortete ein wenig blasiert. »Er machte Fehler – längst vergangene Machenschaften, alte Feinde. Ich entdeckte sie. Es war eine Frage, Loyalitäten und Betrügereien zu verstehen, alles genau zu beobachten und niemals aufzugeben.«

»Sie haben ihn also förmlich gejagt?«, fragte Breeland mit Abscheu in der Stimme.

»Nein!«, erwiderte Monk scharf. »Ich habe die Wahrheit gesucht, ob sie mir nun gefiel oder nicht. Auch wenn sich das herausstellt, was man am allermeisten fürchtet, was dem, woran man glauben will, den tiefsten Schnitt verpasst, man darf nie lügen, nichts verdrehen, nicht davonlaufen und niemals aufgeben.«

Er war über die Vehemenz erstaunt, mit der er das meinte, was er sagte. Er vernahm sie in seiner Stimme, und es erschreckte ihn.

Er sah die Zustimmung auf Hesters Gesicht und spürte, dass er errötete. Er war sich nicht bewusst gewesen, wie wichtig ihm ihr Respekt war. Niemals hatte er die Absicht gehabt, so verletzlich zu werden.

Merrit starrte ihn mit plötzlichem Interesse an, als ob er sich binnen Momenten in einen Mann verwandelt hätte, den sie mögen könnte, und nun wusste sie nicht, wie sie mit dem Wandel umgehen sollte.

»Da haben wir’s!«, rief Casbolt mit offensichtlichem Vergnügen. »Ich wusste, du hattest einen höchst interessanten Mann eingeladen, meine Liebe«, sagte er zu Judith.

»Geben Sie sich nie geschlagen, Mr. Monk? Ziehen Sie sich jemals aus dem Kampf zurück und räumen Ihre Niederlage gegenüber dem Bösewicht ein?«

Monk lächelte mit einer Spur Hintertriebenheit. Jetzt war die Leidenschaft verpufft, und sie heischten danach, unterhalten zu werden.

»Bis jetzt noch nicht. Ein paar Mal war ich nahe daran. Ich fürchtete, mein eigener Kunde könnte der Schuldige sein, oder die Person, zu deren Schutz ich angeworben worden war, könnte es sein, dann hätte ich am liebsten aufgegeben, wäre gerne gegangen und hätte vorgegeben, die Wahrheit nicht aufdecken zu können.«

»Und, taten Sie es?«, fragte Alberton und beugte sich ein wenig über den Tisch, wobei er seinen Teller übersah und Monk eindringlich anstarrte.

»Nein, aber manches Mal mochte ich den Bösewicht lieber als das Opfer«, gestand Monk aufrichtig.

Judith war überrascht. »Tatsächlich? Als Sie das Verbrechen verstanden, hatten Sie also mehr Sympathien für den Mörder als für die Person, die er tötete?«

»Ein oder zwei Mal, ja. Da war einmal eine Frau, deren Kind systematisch missbraucht wurde. Sie mochte ich viel lieber als den Mann, den sie deswegen tötete.«

»Oh!« Sie sog scharf die Luft ein, und ihr Gesicht erblasste vor Schmerz. »Die arme Kreatur!«

Trace sah sie mit großen Augen an, dann wanderten seine Augen zu Merrit. »War er schuldig?«

»O ja. Aber er war selbst ein Opfer.«

»Aber…«, begann Judith, dann verstand sie, und in ihre Augen trat Mitleid. »Oh… ich verstehe.«

Breeland schob seinen Stuhl vom Tisch zurück und erhob sich langsam.

»Ich bin sicher, Mr. Monks Abenteuer sind faszinierend, und ich bedauere, mich so zeitig zurückziehen zu müssen, aber da Mr. Trace offenbar aus geschäftlichen Gründen erschienen ist, habe ich das Gefühl, entweder bleiben und meine Überzeugung gegen die seine verteidigen oder mich zurückziehen zu müssen und mir damit Ihr Wohlwollen zu erhalten, indem ich es nicht gestatte, diesen höchst angenehmen Abend in Bitterkeit enden zu lassen.«

Er hob sein Kinn ein wenig höher. Er war zornig und unsicher, hätte seine Überzeugungen jedoch niemandem zuliebe aufgegeben. »Und da Sie ohnehin bereits jeden Grund kennen, warum die Union darum kämpft, eine Nation zu erhalten, die wir in Freiheit gegründet haben, und damit gegen eine Konföderation antritt, die uns mit Sklaverei umzingeln würde, und ich bereits jedes vernünftige Argument und jede Gemütsbewegung, deren ich fähig bin, vorgebracht habe, danke ich Ihnen für Ihre Gastfreundschaft und wünsche Ihnen eine gute Nacht.« Steif neigte er den Kopf, doch nicht so weit, dass man die Bewegung als Verbeugung hätte deuten können.

»Mrs. Alberton. Mr. Alberton.«

Kalt sah er Alberton an. »Sir. Meine Damen und Herren«, sagte er mit einem Blick in die Runde. Dann drehte er sich auf dem Absatz um und ging.

»Es tut mit aufrichtig Leid«, wiederholte Trace. »Das war das Letzte, was ich beabsichtigt hätte.« Er wandte sich von Judith an Alberton. »Bitte glauben Sie mir, Sir, ich habe Ihr Wort keinen Moment angezweifelt. Ich wusste nicht, dass Breeland hier war.«

»Natürlich wussten Sie das nicht«, nickte Alberton und erhob sich ebenfalls. »Wenn Sie uns vielleicht entschuldigen würden, wir können unser Geschäft recht schnell zum Abschluss bringen. Da Mr. Trace nun schon einmal hier ist, scheint es mir bedauerlich und unnötig zu sein, ihn zu bitten, morgen noch einmal zu kommen.« Er sah Hester und Monk entschuldigend an.

»Ich wage zu behaupten, das war mein Fehler«, gestand Casbolt mit einem Blick auf Trace, wobei er leicht mit den Achseln zuckte. »Ich habe als Letzter mit Ihnen darüber gesprochen. Ich habe Ihnen vielleicht das falsche Datum genannt. Wenn es so ist, dann tut es mir aufrichtig Leid. Es war höchst unachtsam von mir.« Er wandte sich an Judith, dann an Hester und Monk.

»Das macht nichts«, beeilte Monk sich zu sagen und meinte es auch so. Die Reiberei zwischen Trace und Breeland war bei weitem interessanter, als dies eine zwanglose Gesellschaft hätte sein können, aber natürlich konnte er dies nicht kundtun.

»Ich danke Ihnen«, erwiderte Casbolt voller Herzlichkeit.

»Sollen wir beide hier bleiben, indes sich die Damen in den Salon zurückziehen und Daniel und Mr. Trace ihren Geschäften nachgehen?«

»Sehr gerne«, antwortete Monk.

Casbolt warf einen Blick auf die Portweinflasche, die in ihrem Flaschenkorb lag, und auf die glitzernden Gläser, die ihrer harrten, und grinste breit.

Judith führte Hester und Merrit zurück in den Salon. Die Vorhänge waren noch offen, und das letzte Abendlicht tauchte die Wipfel der Bäume immer noch in einen apricotfarbenen Glanz. Eine Espe schimmerte, als die abendliche Brise ihre Blätter bewegte, einmal glitzernd, das andere Mal matt glänzend.

»Es tut mir so Leid, dass sich dieser unglückselige Krieg in Amerika uns derartig aufdrängt«, sagte sie wehmütig.

»Es hat den Anschein, wir könnten uns ihm im Moment nicht entziehen.«

Merrit stand sehr aufrecht und mit gestrafften Schultern vor den hohen Fenstern und starrte auf die Rosen draußen im Garten.

»Ich halte es moralisch für falsch, würden wir das versuchen. Entschuldige, wenn du es für schlechtes Benehmen hältst, dies zu sagen, aber ich bin aufrichtig der Meinung, dass Mrs. Monk keine Frau ist, die sich als Entschuldigung auf Manieren beruft, um vor der Wahrheit zu fliehen.« Sie drehte den Kopf und sah Hester an. »Sie ging auf die Krim und kümmerte sich um unsere Soldaten, die krank und verwundet waren, obgleich sie zu Hause hätte bleiben können, wo sie es weit behaglicher gehabt hätte, und behaupten hätte können, das alles ginge sie nichts an. Hätten Sie zu der Zeit schon gelebt, hätten Sie nicht mit Wilberforce darum gekämpft, dem Sklavenhandel in England und in Übersee ein Ende zu setzen?« Ihre Worte waren eine Herausforderung an Hester, und ihre Stimme klang schrill, dennoch leuchteten ihre Augen, als ob sie die Antwort schon wüsste.

»Gütiger Himmel, das hoffe ich doch!«, rief Hester ungestüm.

»Allein daran teilzuhaben, war eine der dunkelsten Seiten unserer Geschichte. Menschliches Leben zu kaufen und zu verkaufen ist durch nichts zu entschuldigen.«

Merrit schenkte ihr ein bezauberndes Lächeln und wandte sich an ihre Mutter. »Ich wüsste es! Warum nur kann Papa dies nicht verstehen? Wie kann er sich in sein Arbeitszimmer stellen und tatsächlich in Erwägung ziehen, den Konföderierten Waffen zu verkaufen? Den Sklavenstaaten?«

»Weil er Mr. Trace sein Wort gab, bevor Mr. Breeland hier auftauchte«, erwiderte Judith. »Nimm jetzt bitte Platz und stelle Mrs. Monk nicht in den Mittelpunkt unseres Ungemachs. Das ist reichlich unfair.« Sie verließ sich auf Merrits Gehorsam und wandte sich an Hester. »Manches Mal wünsche ich wirklich, mein Gatte wäre in einem anderen Metier tätig. Ich bin zwar nicht sicher, ob es überhaupt ein Geschäft gibt, das vollkommen ohne Kontroversen abgeht. Selbst wenn man Zinkbadewannen oder Rüben verkauft, wage ich zu behaupten, dass jemand auf deiner Schwelle auftaucht und erklärt, dass dein Begehren dem Auskommen eines anderen gegenüber ungerecht und nachteilig sein könnte. Aber Waffen fachen die Gemüter heftiger an, als es andere Dinge tun, und scheinen zahlreiche Veränderungen menschlicher Schicksale zur Folge zu haben, die man nicht vorhersehen kann.«

»Meinen Sie wirklich?«, fragte Hester. »Ich hätte gedacht, wenigstens Regierungen sollten die Wahrscheinlichkeit von Kriegen vorhersehen, lange bevor sie unvermeidbar werden.«

»Oh, für gewöhnlich ja, aber es gibt Zeiten, in denen ein Krieg aus dem Nichts entsteht«, erwiderte Judith. »Natürlich verfolgt mein Mann, ebenso wie Mr. Casbolt, den Lauf des Weltgeschehens sehr genau. Dennoch gibt es Ereignisse, die jedermann überraschen. Der dritte chinesische Krieg gerade letztes Jahr war ein perfektes Beispiel dafür.«

Hester verfügte über keinerlei Kenntnisse darüber, und dies musste klar in ihrem Gesicht zu lesen gewesen sein.

Judith lachte. »Er war Teil der Opiumkriege, die wir immer wieder mit den Chinesen führen, aber dieser kam für jedermann überraschend. Am absurdesten war es jedoch, als der zweite chinesische Krieg begann. Ganz offenbar gab es einen Schoner namens Arrow, der von den Chinesen erbaut worden war und sich in deren Besitz befand, obwohl er einst in British Hong Kong registriert gewesen war. Sei es wie es sei, die chinesischen Behörden enterten die Arrow und verhafteten einen Teil der Mannschaft, die auch aus Chinesen bestand. England beschloss, dies als Affront zu werten –«

»Was?«, sagte Hester erstaunt. »Ich meine… entschuldigen Sie bitte?«

»Sie haben Recht«, fuhr Judith verbittert fort. »Wir nahmen Anstoß und dies zum Anlass, einen kleinen Krieg anzuzetteln. Die Franzosen entdeckten, dass ein paar Monate vorher ein französischer Missionar von den Chinesen exekutiert worden war, und schlossen sich uns an. Als der Krieg zu Ende war, wurden einige Verträge unterzeichnet, und wir hielten es für sicher, unsere Geschäfte mit China wieder aufzunehmen, als wäre nichts geschehen.« Sie zog eine Grimasse. »Dann brach recht unerwartet der dritte chinesische Krieg aus.«

»Hat er Auswirkungen auf den Waffenhandel?«, fragte Hester.

»Sicherlich doch nur zum Vorteil, wenigstens für die Engländer?«

Judith schüttelte leicht den Kopf. »Hängt davon ab, an wen man verkaufte. In diesem Fall nicht, wenn man an die Chinesen verkaufte, mit denen wir soeben eine Phase guter Beziehungen durchleben.«

»Ah, ich verstehe.«

»Dann sollten wir doch überhaupt etwas vorsichtiger sein, an wen wir Waffen verkaufen?«, warf Merrit hitzig ein. »Statt sie immer nur dem höchsten Bieter zu geben!«

Einen Moment lang sah es so aus, als wollte Judith sich auf eine Diskussion einlassen, dann entschied sie sich dagegen. Hester kam zu der Auffassung, dass ihre Gastgeberin diesen Diskurs schon in verschiedensten Variationen geführt haben musste, ohne dass es ihr je gelungen wäre, bei Merrit eine Meinungsänderung herbeizuführen. Es war keinesfalls Hesters Sache, und sie hätte es besser auf sich beruhen lassen, doch der Impuls, den Monk so oft als eigenmächtig und starrsinnig bezeichnete, zwang die Worte auf ihre Lippen.

»Wem sollten wir denn Waffen verkaufen?«, fragte sie mit vordergründiger Offenheit. »Außer natürlich den Anhängern der Union in Amerika?«

Merrit war unempfänglich für Sarkasmus. Sie war zu idealistisch, um Mäßigung in einem Diskurs zu akzeptieren.

»Wo keine Unterdrückung im Spiel ist«, gab sie ohne zu zögern zurück. »Wo Menschen um ihre Freiheit kämpfen.«

»Wem hätten Sie sie dann in den Indianeraufständen verkauft?«

Merrit starrte sie an.

»Den Indianern«, antwortete Hester an ihrer Stelle.

»Aber wenn Sie gesehen hätten, was sie den Siedlern angetan hatten, wie sie Frauen und Kinder massakriert hatten, dann wären Sie vermutlich unsicher geworden. Ich bin es jedenfalls.«

Plötzlich wirkte Merrit sehr jung. Das Gaslicht auf ihren Wangen betonte die sanfte, fast kindliche Rundung und das blonde Haar, das sich im Nacken lockte.

Hester spürte, wie sie eine Welle der Zärtlichkeit für das Mädchen überflutete, und erinnerte sich, wie hitzig sie selbst in dem Alter gewesen war, wie sie darauf gebrannt hatte, die Welt zu verbessern, in der Überzeugung, zu wissen wie, ohne auch nur die leiseste Ahnung gehabt zu haben von den mannigfaltigen Stadien der Leidenschaft und des Schmerzes, die miteinander verstrickt waren, so wie von den widersprüchlichen Überzeugungen, die für sich allein genommen so vernünftig waren. Wenn Unschuld nicht mit jeder Generation neu geboren würde, welche Hoffnung gäbe es dann, dass Unrecht je bekämpft würde?

»Ich bin mit der Moral dessen ebenso wenig glücklich«, sagte sie zerknirscht. »Lieber wäre mir etwas relativ Unkompliziertes wie Medizin. Hier hat man das Leben der Menschen immer noch in seinen Händen, man kann noch Fehler machen, schreckliche Fehler, aber man ist nicht im Zweifel, was man versucht zu erreichen, auch wenn man noch nicht weiß, wie.«

Merrit lächelte zaghaft. Sie erkannte den Ölzweig und ergriff ihn. »Haben Sie nicht manches Mal Angst?«, fragte sie leise.

»Oft. Und vor allen möglichen Dingen.«

Merrit stand immer noch im schwindenden Tageslicht. Nur die Spitze der Espe vor den Fenstern fing die Sonne ein. Sie tastete nach einer schweren Uhr, die sie in ihrem Dekollete verborgen hatte, und nahm sie heraus. Sie fing Hesters Blick auf, der darauf lag, und die Farbe ihrer Wangen wurde dunkler.

»Lyman schenkte sie mir… Mr. Breeland«, erklärte sie und mied den Blick ihrer Mutter. »Ich weiß, sie passt nicht direkt zu diesem Kleid, aber ich habe vor, sie immer bei mir zu tragen, zum Teufel mit der Mode.« Sie schob ihr Kinn ein wenig vor, bereit, sich jeglicher Kritik zu widersetzen.

Judith öffnete den Mund, doch sie überlegte es sich anders.

»Vielleicht könnten Sie sie ja am Rock tragen?«, schlug Hester vor. »Dann sieht sie sowohl wie eine zum Gebrauch bestimmte Uhr aus als auch wie ein Schmuckstück.«

Merrits Gesicht strahlte. »Das ist eine gute Idee. Ich hätte selbst daran denken können.«

»Ich neige eher dazu, nützliche Uhren zu tragen als hübsche. Eine, die ich nicht sehen kann, verfehlt ihren Zweck.«

Merrit ging auf den Stuhl zu, der Hester gegenüberstand, und setzte sich. »Ich hege die größte Bewunderung für Menschen, die ihr Leben der Pflege anderer widmen«, sagte sie voller Ernst.

»Wäre es sehr aufdringlich und unangenehm, wenn ich Sie bäte, uns ein wenig von Ihren Erfahrungen zu erzählen?«

In der Tat war es etwas, was Hester nur zu gerne vermied, wenn es damit nichts zu erreichen gab und niemand zu überzeugen war. Es wäre jedoch unhöflich gewesen, die Bitte abzulehnen, also verbrachte sie die nächste Stunde damit, Merrits eifrige Fragen zu beantworten und darauf zu warten, dass Judith die Unterhaltung in andere Bahnen lenkte. Diese jedoch schien ebenso interessiert zu sein, und ihr Schweigen zeugte von großer Aufmerksamkeit.

Als Trace sein Geschäft mit Alberton abgeschlossen hatte, verabschiedete er sich, und Alberton kehrte in den Speisesalon zurück. Er sah Casbolt an, bemerkte ein leichtes Nicken, woraufhin er ihn und Monk aufforderte, sich gemütlichere Plätze zu suchen, dies jedoch nicht bei den Damen im Salon, sondern in der Bibliothek.

»Ich schulde Ihnen eine Entschuldigung, Mr. Monk«, sagte Alberton, noch bevor sie es sich gemütlich gemacht hatten. »Ich habe natürlich heute Abend Ihre Gesellschaft genossen, ebenso die Ihrer Gattin, die eine höchst bemerkenswerte Person ist. Aber ich habe Sie zu uns eingeladen, weil ich Ihre Hilfe benötige. Nun, prinzipiell benötige ich sie, aber Casbolt ist ebenso betroffen. Es tut mir Leid, Sie derart irregeführt zu haben, aber die Angelegenheit ist äußerst delikat, und trotz Lady Callandras hoher Meinung von Ihnen – die sie mir übrigens als Freundin und nicht geschäftlich vermittelt hat – zog ich es vor, mir ein eigenes Urteil zu bilden.«

Einen Augenblick lang verspürte Monk Unmut, hauptsächlich wegen Hester, dann erkannte er, dass er selbst wahrscheinlich ebenso gehandelt hätte, wäre er in Albertons Lage gewesen. Er hoffte, die Sache würde nichts mit Waffen oder der Wahl zwischen Philo Trace und Lyman Breeland zu tun haben. Trace hielt er für den angenehmeren Mann, aber an Breelands Anliegen glaubte er mehr. Seine Gefühle waren nicht so leidenschaftlich wie die Hesters, aber die Vorstellung von Sklaverei stieß ihn dennoch ab.

»Ich nehme Ihre Entschuldigung an«, erwiderte er mit sardonischem Lächeln. »Nun, wenn Sie mir die Angelegenheit schildern wollen, die Sie beunruhigt, dann kann ich mir mein Urteil bilden, ob ich Ihnen dabei behilflich sein kann – und ob ich dies wünsche, sei dahingestellt.«

»Gut pariert, Mr. Monk«, lobte Alberton trübselig. Er versuchte, leichtfertig zu klingen, aber Monk erkannte die Spannung, die in seinen Worten mitschwang. Sein Körper war steif, an seinem Kinn zuckte ein winziger Muskel, und seine Stimme klang nicht ausgeglichen.

Monk spürte den Stich der Schuld wegen seiner Leichtfertigkeit. Der Mann war weder arrogant noch gleichgültig. Die Selbstkontrolle, die er den ganzen Abend gezeigt hatte, war ein Akt der Tapferkeit.

»Sehen Sie sich einer Art von Drohung ausgesetzt?«, fragte er gelassen. »Sagen Sie mir, worum es sich handelt, und wenn ich Ihnen helfen kann, werde ich es tun.«

Ein kurzes Lächeln leuchtete auf Albertons Gesicht.

»Das Problem ist sehr einfach zu erklären, Mr. Monk. Wie Sie wissen, sind Casbolt und ich Partner im Speditionsgeschäft, manches Mal geht es um Holz, meistens aber um Maschinen und Waffen. Ich nehme an, nach der Unterhaltung unserer anderen Dinnergäste ist das offensichtlich.«

Er sah Casbolt nicht an, während er sprach, sondern hielt seinen Blick standhaft auf Monk gerichtet. »Was Sie nicht wissen können, ist, dass ich vor etwa zehn Jahren einem jungen Mann namens Alexander Gilmer vorgestellt worden bin. Er war charmant, wunderschön anzusehen und einen Tick exzentrisch in seiner Lebensweise. Außerdem war er krank und verdiente seinen Lebensunterhalt als Modell für Künstler. Wie schon erwähnt, er war von verblüffender Schönheit. Sein Arbeitgeber entließ ihn, sagte Gilmer, weil er ihm sexuelle Dienste verweigerte. Zu jener Zeit war er verzweifelt. Aus Mitgefühl bezahlte ich seine Schulden.« Er holte tief Luft, aber seine Augen blieben starr auf Monk gerichtet.

Casbolt versuchte nicht, sich einzumischen. Er schien es zufrieden, dass Alberton die Geschichte erzählte.

»Nichtsdestoweniger«, fuhr Alberton noch leiser fort, »der arme Mann starb… unter sehr tragischen Umständen …« Er atmete ein und stieß die Luft mit einem Seufzen aus. »Er hatte versucht, weiter als Modell zu arbeiten, aber die Künstler wurden immer unrespektabler. Er war… nun, irgendwie naiv, denke ich. Er erwartete einen Standard von Moral, der in den Kreisen, in denen er sich bewegte, nicht existierte. Er wurde missverstanden. Die Männer dachten, er würde sexuelle Dienste anbieten, und wenn er ablehnte, wurden sie zornig und setzten ihn auf die Straße. Ich nehme an, Zurückweisung erzeugt oft derartige Emotionen.« Er hielt inne, und in seinem Gesicht zeichnete sich Mitleid ab.

Dieses Mal nahm Casbolt den Faden auf. Er sprach mit ernster Stimme.

»Sie müssen wissen, Mr. Monk, der arme Gilmer, den auch ich bei einer Gelegenheit finanziell unterstützte, wurde vor ein paar Monaten tot in einem Haus aufgefunden, in dem männliche Prostituierte arbeiten. Ob sie ihm nur aus Mitleid Unterkunft boten oder er dort arbeitete, ist nicht bekannt. Aber dieser Umstand machte alles Geld, das ihm gegeben wurde, ob nun als Geschenk oder Bezahlung, verdächtig.«

»Ja, das verstehe ich.« Monk konnte sich die Sache lebhaft vorstellen. Er war sich nicht ganz sicher, wie viel er glaubte, aber das war vielleicht irrelevant. »Jemand entdeckte einen Beweis für Ihre freundliche Unterstützung und wünscht nun, dass Sie damit fortfahren… an ihn natürlich?«

Ein Zucken ging durch Albertons Gesicht. »Ganz so einfach ist es nicht, aber das ist der Kern der Sache. Es ist nicht Geld, was sie fordern. Wenn es das wäre, könnte ich es versuchen, um meine Familie zu schützen, obwohl ich mir bewusst bin, dass es zu keinem Ende führen würde, wenn ich erst einmal bezahlen würde.«

»Es scheint mir auch ein Eingeständnis zu sein, dass man etwas zu verbergen hat«, fügte Monk hinzu und hörte selbst die leichte Verachtung in seiner Stimme. Erpressung war ein Verbrechen, das er mehr hasste, als andere Arten von Diebstahl. Es war nicht nur das Erpressen von Geld. Es war eine Art von Folter, ausgedehnt und vorsätzlich. Er hatte erlebt, dass sie Menschen in den Tod trieb. »Ich werde alles tun, um Ihnen zu helfen«, beeilte Monk sich zu sagen.

Alberton sah ihn an. »Die Bezahlung, die sie fordern, kann ich nicht leisten.«

Casbolt nickte fast unmerklich, aber in seinem Gesicht standen Wut und Schmerz. Er beobachtete Monk aufmerksam.

Monk wartete.

»Sie wollen, dass ich sie durch Waffenverkäufe bezahle«, erklärte Alberton, »an Baskin and Company, eine Firma, von der ich weiß, dass sie lediglich als Fassade für eine andere dient, die direkt an die Piraten verkauft, die im Mittelmeer operieren.« Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt, bis seine Fingerknöchel sich weiß abzeichneten. »Was sie nicht wissen dürften, Mr. Monk, ist, dass meine Frau Halbitalienerin ist.« Er warf einen kurzen Blick auf Casbolt. »Ich denke, es wurde beim Dinner erwähnt. Ihr Bruder, dessen Frau und Kinder wurden vor der Küste Siziliens auf See ermordet… von Piraten. Sie werden verstehen, warum es mir unmöglich ist, ihnen unter diesen Umständen Waffen zu liefern.«

»Ja… ja, natürlich verstehe ich das«, antwortete Monk mitfühlend. »Es ist nie gut, einen Erpresser zu bezahlen, aber unter diesen Umständen ist es doppelt unmöglich. Wenn Sie mir alle Informationen geben, über die Sie verfügen, werde ich alles tun, um herauszufinden, wer Sie bedroht, und werde die Sache regeln. Vielleicht kann ich einen Beweis finden, dass Ihr Geldgeschenk nichts weiter als Erbarmen war, dann haben sie keine Waffe mehr gegen Sie in der Hand. Andererseits können wir dieselbe Waffe vielleicht gegen sie benutzen. Ich nehme an, Sie wären einverstanden, wenn ich das täte?«

Alberton sog den Atem ein.

»Ja«, erwiderte Casbolt, ohne zu zögern. »Natürlich. Verzeihen Sie, aber wir mussten uns erst ein Urteil über Ihre Bereitschaft bilden, einen schwierigen und vielleicht sogar gefährlichen Fall zu einem Abschluss zu bringen und für die Gerechtigkeit zu kämpfen, wenn sich alles gegen einen verschworen zu haben scheint. Daher habe ich Sie an diesem Abend so viel über Sie selbst gefragt, bevor Sie den Grund dafür erkennen konnten. Auch wünschte ich zu erfahren, ob Sie den Weitblick hätten, einen Fall in größeren Zusammenhängen zu sehen, als nur dem Buchstaben des Gesetzes Genüge zu tun.«

Monk lächelte ein wenig verzerrt. Auch er glaubte wenigen Menschen aufs Wort. »Wenn Sie mir nun erzählen wollten, wie man mit Ihnen Kontakt aufnahm und was Sie alles über Alexander Gilmer wissen, über sein Leben und über seinen Tod«, erwiderte er, »dann könnte ich morgen früh beginnen. Wenn sie wieder mit Ihnen Kontakt aufnehmen, halten Sie sie hin. Sagen Sie ihnen, Sie müssten zunächst gewisse Arrangements treffen und würden sich bereits darum kümmern.«

»Ich danke Ihnen.« Zum ersten Mal, seit Alberton auf das Thema zu sprechen gekommen war, entspannte er sich nun ein wenig. »Ich bin Ihnen zutiefst verpflichtet. Nun müssen wir uns noch über die finanziellen Vereinbarungen unterhalten.«

Casbolt streckte seine Hand aus. »Ich danke Ihnen, Monk. Ich glaube, jetzt haben wir Grund zur Hoffnung.«