Till ist schweißüberströmt, als er aus der Vision gerissen wird. Durch die breite Glasfront, die auf die Lichtung vor dem Haus geht, sieht er, wie sie sich aus dem Erdreich emporwühlen.
Schlammverschmiert, verwaschen, verkommen - aber zu Hunderten. Zu Tausenden.
Eine Flut sich bewegender Wesen, die hervorquellen aus der Erde, den Schächten, Gräben und Kanälen, die in die versteckte Stadt hinabführen - in die Stadt, in der er mit Bentheim umhergeirrt ist, in der noch immer Bentheims Knochen liegen müssen - und wahrscheinlich auch die Gebeine der beiden Hunde, zwischen denen er, Till, als Junge nicht wählen konnte.
Haben sie sie damals am Leben gelassen?
Es reißt ihn aus seinem Stuhl, er hetzt durch die Tür in das steinerne Foyer des Hauses, zum hinteren Eingang, hindurch, die Stufen hinunter, geradeaus über die Lichtung, auf der die Gestalten noch nicht erschienen sind, zum Waldrand, der wie eine Rettung dunkelgrün vor ihm schimmert.
Till weiß nicht, wo Felix ist, er hat ihn nicht mehr gesehen, seitdem er zuletzt mit ihm über sein Vorhaben gesprochen hat. Till hat niemanden im Haus angetroffen, als er sich in das Arbeitszimmer zurückgezogen hat, um das fiktive Universum zu studieren.
Er weiß nicht, wohin er laufen soll, er weiß nicht, ob er sich besser verbarrikadiert hätte, er weiß nicht, ob er Hilfe rufen soll - er denkt nicht geradeaus oder klar oder logisch, er läuft nicht kraftsparend, er versucht nicht, sich zu orientieren - er stürzt einfach nur los, gejagt von dem Grauen, das über dem Haus zusammenschlägt. Hinter sich hört er das Krachen und Prasseln, Quietschen und Splittern, aber er stürzt nur den Waldweg hinunter und dreht sich nicht um. Hetzt zwischen den Bäumen hindurch, duckt sich, um den Zweigen auszuweichen, spürt, wie die Blätter und Ästchen ihm ins Gesicht peitschen, rennt an dem Friedhof vorbei, tiefer hinein in den Wald …
… über das vertrocknete Laub, das Moos, die Baumstümpfe und umgestürzten Stämme hinweg -
und kommt sich plötzlich vor wie ein kleiner Junge, elf Jahre alt oder zwölf, der kopflos vor einem Schrecken davon stürmt - und der doch zugleich ahnt, dass er dem Schrecken nicht wird entkommen können, denn es ist nichts, das hinter ihm her ist, sondern etwas, das sich in seinem Herzen eingenistet hat.