17. KAPITEL

Nicolai nahm Jane fest in seine Arme, nahm ihre Leidenschaft in sich auf und gab sie in gleicher Stärke zurück. Er wäre fast auf die Knie gesunken, als er sie entdeckt hatte, wie sie neben seiner Feindin gesessen hatte, in höchster Gefahr, aber am Leben. Erleichterung, ja, die hatte er empfunden. Und Wut. Laila war in seiner Reichweite gewesen, bereit, von ihm getötet zu werden.

In der Wut hatte allerdings auch Angst gelegen. Er hatte den Zauber gespürt, der die Schlampe vor körperlichen Angriffen bewahrte und der jede Gewalt, die jemand ihr antat, auf den Angreifer zurückfallen ließ.

Wenn er sich auf ihre Kehle gestürzt hätte … oder Jane …

Sie wären beide tot.

Aber es ist ja nicht passiert. Jane ist jetzt in Sicherheit.

Laila wusste, dass Nicolai auf der Jagd nach ihr war, sonst hätte sie diesen Zauber nicht gesprochen. Die wenigsten Hexen gingen dieses Risiko ein. Niemand konnte ihr schaden, das stimmte, aber es konnte ihr auch niemand helfen. Wenn sie sich aus Versehen selbst verletzte, würde der Zauber sich gegen sie wenden und sie selbst als Bedrohung ansehen. Sie würde nicht nur die eine Verletzung erleiden, sondern hundertfach von der Magie verletzt werden.

„Nicolai“, krächzte Jane.

Er hatte gefürchtet, sie könnte ihn nicht erkennen, dass er Lailas Gabe zur Hypnose stehlen müsste, um sie zu zwingen, mit ihm zu kommen. Und er hatte nicht gewusst, ob er damit Erfolg haben würde, solange Laila durch ihren Zauber geschützt war. Er hätte mehr Vertrauen in seine Frau haben sollen. Jane war sich seiner so bewusst, wie er sich ihr bewusst war. Das Gesicht, das er trug, war dabei egal.

„Ja, mein Liebes?“ Die Süße ihres Dufts erfüllte ihn. Ihr köstlicher Geschmack füllte seinen Mund. Sein Blut kochte förmlich, und jeder Muskel in seinem Körper spannte sich an, sehnte sich nach ihrer Berührung.

„Was hast du … mit dem … echten Sklaven … gemacht?“ Ihre Zunge leckte bei jeder Atempause über seine Haut.

„Ihn freigelassen.“ Auf mehr als eine Weise. Laila hatte den Verstand des armen Mannes verwirrt, bis er nicht mehr gewusst hatte, wo oben, wo unten, wo links oder rechts war, sie hatte sich selbst zum absoluten Zentrum seiner Welt gemacht und ihn gezwungen, sich an sie zu klammern.

Nicolai hätte den armen Mann einfach für die Nacht anketten und ihn verstecken können, aber er hatte sich selbst in dem Jungen gesehen. Deshalb hatte er seine Fähigkeiten benutzt, um den Zauber zu durchbrechen und den Mann daran zu erinnern, wer er war, wen er liebte und um Laila von der Rechnung zu streichen.

„Das ist gut.“ Jane hielt ihn so fest, dass er sich kaum bewegen konnte. Er fand, das war es wert. „Sollten wir nicht … fliehen … solange wir … können?“

„Nein. Während die Prinzessin schläft, kann ich in ihre Träume eindringen und sie zwingen, sich selbst zu verletzen.“ Noch eine Fähigkeit, die er besaß. „Dann verschwinden wir. Kehren nach Elden zurück.“ Jeder Satz wurde von einem tiefen feuchten Kuss unterstrichen, der ihn tief berührte.

„Dann müssen wir uns bis dahin wohl irgendwie die Zeit vertreiben, was?“ Jane wandte ihre volle Aufmerksamkeit seiner Zunge zu, saugte daran und umschlang sie mit der eigenen. Mit den Händen fuhr sie ihm durchs Haar, mit den Fingernägeln kratzte sie über seine Kopfhaut und hinterließ Spuren.

Er liebte es, dass sie seinen Durst nach Rache einfach so hinnahm. Er liebte es, dass sie sich an ihn klammerte, sich genauso verzweifelt nach Berührung sehnte wie er. Sie konnten sich gar nicht nahe genug sein. Er liebte es, dass sie klüger war als er und sich manchmal in den eigenen Gedanken verlor.

Er liebte einfach … sie. Ja. Das tat er. Er liebte sie. Er hatte sich schon in sie verliebt, als sie zum ersten Mal in seiner Welt aufgetaucht war. Sie waren Fremde gewesen, aber sie hatten sich schon bald verbündet. Aus diesem Bund war Zuneigung geworden. Aus dieser Zuneigung Liebe. Aber das Begehren … oh, das Begehren war immer da gewesen.

Er verspürte eine gewisse Abneigung. Nicht ihr gegenüber, sondern gegen den Vampir, der sie verflucht hatte. Nicolai durfte ihr nie sagen, was er empfand. Sonst erwiderte sie seine Empfindungen vielleicht und verschwand für immer.

„Ich habe dich vermisst. So sehr vermisst.“ Wenigstens das konnte er ihr gestehen, wenn er schon nicht weiter gehen durfte. „Die Trennung war, als würde man mich erdolchen.“ Wieder und wieder, und die Wunde würde nie verheilen, nie, und der Schmerz niemals aufhören.

„Ich habe dich auch vermisst.“ Sie zog eine Spur aus Küssen an seinem Kiefer und seinem Hals entlang. „Wo warst du?“

„Elden.“

„Zu Hause?“

„Ja.“

„Ich auch.“

„Was?“ Er löste ihre erotische Umarmung und blickte zu ihr hinab. „Dein Zuhause?“

Sie weigerte sich, aufzuhören. Mit einem Satz war sie wieder in seinen Armen und saugte an seinem Hals. „Ja, zu Hause. In meiner Welt.“

Nicolai legte die Finger an ihr Kinn, zwang sie, stillzuhalten und ihn anzusehen. Ihr Blick war von Leidenschaft verschleiert, ihre Lider halb gesenkt. Sein Herz zog sich bei diesem atemberaubenden Anblick zusammen. Er schüttelte den Kopf, um nicht den Faden zu verlieren. „Damit ich das richtig verstehe: Du hast meine Welt verlassen und bist in deine zurückgekehrt.“

„Ja.“

Er hätte sie beinahe wieder verloren. Und er hatte es nicht einmal gewusst! „Wie bist du zurückgekommen?“, krächzte er.

Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, brannte sich in ihn hinein und verstärkte sein Begehren. „Anscheinend hast du mir, als du mir von deinem Blut zu trinken gegeben hast, auch deine Fähigkeit zur Teleportation gegeben.“

Beim dunklen Abgrund. Diese Möglichkeit war ihm nie in den Sinn gekommen. Vielleicht weil er sein Blut bisher nur mit seinem Vater geteilt hatte, der bereits einige von Nicolais Fähigkeiten besaß.

„Und du bist zu mir zurückgekommen.“ Er hatte nie an so etwas wie Schicksal geglaubt, aber jetzt … Wäre Jane nicht von den Ogern verletzt worden, hätte er ihr nicht von seinem Blut gegeben. Hätte er ihr nicht sein Blut gegeben, hätte er auch keinen Weg gefunden, sie für den Rest ihrer beider Leben an sich zu binden.

„Ich werde immer zu dir zurückkommen.“

Eine schwere Last hob sich von seinen Schultern. Der Fluch hatte irgendwie seine Macht über sie verloren. Sonst wäre sie in ihrer Welt geblieben.

Er fuhr mit dem Daumen ihre Wangenknochen nach. „Ich habe es dir schon einmal gesagt, aber ich will, dass du trotzdem genau zuhörst. Es ist mir egal, ob tausend Verlobte auf mich warten. Du bist die, die zählt.“ Er würde nur eine Frau haben. Diese Frau. Für immer.

Er beugte sich schwungvoll vor und drang mit der Zunge tief in die süßen Abgründe ihres Mundes hinab. Sie hieß ihn mit einem Stöhnen willkommen.

Den größten Teil seines Lebens war er Frauen gegenüber kalt und distanziert gewesen. Oh, er hatte seine Mutter und seine Schwester wie die Kostbarkeiten behandelt, die sie waren, aber auf alle anderen hatte er keinen zweiten Gedanken verschwendet. Er war ein Prinz, und sie standen ihm zu. Das hatte er sich jedenfalls eingeredet.

Schicksal, dachte er wieder. Wäre er kein Sklave gewesen, verzweifelt auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit, hätte er Jane vielleicht auf dieselbe Art behandelt. Und es wäre ein großer Verlust gewesen, wenn er sie und die vielen Facetten ihrer Persönlichkeit nie kennengelernt hätte. Selbstlos, mutig, stärker als jeder andere, den er kannte, fähig und ehrenhaft.

Ehrenhaft. Ja. Er musste sich bei ihr nie fragen, wo er stand. Sie würde es ihm immer sagen, egal ob er ein Prinz war oder ein Bettelknabe. Sie würde sich von ihm nie einschüchtern lassen und ihn immer herausfordern.

„Ich will dich nackt sehen.“ Er zog an den Schulterträgern ihres Kleides und schob den Stoff nach unten. Innerhalb von Sekunden lag das smaragdgrüne Kleid auf dem Boden. Er hob sie hoch und zog sie dichter an sich heran. Haut an Haut. Endlich.

Jedes Mal, wenn sie ausatmete, berührten sich ihre Oberkörper, und der Kontakt erregte ihn noch mehr. Ihre Haut fühlte sich warm und seidig an. Ihre Brustspitzen waren hart und rieben über sein feines Brusthaar. Sein Schaft presste sich gegen ihren Bauch, und an der Spitze glänzte es schon feucht. Er schob die Hüften vor und genoss dieses köstliche Gefühl.

Sie kam ihm entgegen, und die Reibung ließ Funken sprühen. „Ich bekomme nie genug von dir.“

„Gut.“ Er fuhr mit den Händen ihre Wirbelsäule entlang und fühlte, wie sie eine Gänsehaut bekam. Dann legte er beide Hände an ihren Po. „Keine Unterwäsche?“

„Man hat mir keine gegeben.“

„Das freut mich.“ Wenn es nach ihm ginge, würde sie nie wieder welche tragen.

„Ich … ich will dich, Nicolai. Jetzt.“

„Du hast mich. Nichts wird uns je wieder trennen, Jane. Verstehst du?“

Ihr stockte der Atem. Sie spielte mit seinen Haarspitzen. „Ich glaube schon, ja.“

„Du sollst es wissen. Ich will dich nicht verlieren. Ich darf dich nicht verlieren. Ich will dich heiraten. Immer bei dir sein. Ich wähle dich, Jane. Vor meiner Krone, meinem Volk und meiner Rache.“

Tränen stiegen ihr in die Augen wie bernsteinfarbene Seen. Nicolai wartete angespannt, war auf eine Weise unsicher, die er noch nie gekannt hatte.

„Genau wie ich dich wähle“, sagte sie mit brechender Stimme.

Den Göttern sei Dank. Er wäre auch auf die Knie gefallen und hätte gebettelt, wenn es nötig gewesen wäre. „Ich will deine Familie sein.“

„Das bist du.“

Eine sanfte Berührung auf seiner Wange. Janes Miene war so zärtlich, dass ihm Tränen in die Augen stiegen.

„Jane. Ich liebe dich.“ Es gab keinen Grund mehr, das zu leugnen. „Ich will es dir zeigen. Lass mich es dir zeigen.“

Erstaunt schnappte sie nach Luft. „Du … du liebst mich? Ich meine, ich weiß, du hast vom Heiraten geredet, aber das ist das erste Mal, dass du von Liebe gesprochen hast, und ich … ich …“

„Ich liebe dich. Von ganzem Herzen.“

„Oh Nicolai.“ Sie umarmte ihn noch fester und lachte und weinte gleichzeitig. „Ich liebe dich auch. So sehr.“

Ihr Geständnis zu hören war, als träte er in einen warmen Sonnenstrahl, nachdem er eine Ewigkeit in der kalten Dunkelheit des Winters verbracht hatte. Als hätte er etwas erhalten, von dem er nicht gewusst hatte, dass er es brauchte, aber jetzt, da er es hatte, konnte er ohne nicht mehr leben.

Er zog sie mit sich herab auf den Boden. Ihre Brüste waren gerötet und rosig, und er konnte nicht widerstehen. Er umkreiste eine Spitze mit seiner Zunge und leckte daran, bis sie vor Verlangen stöhnte, dann wandte er sich der anderen zu. Seine Fangzähne sprangen hervor und schmerzten vor Verlangen. Jetzt war allerdings nicht die Zeit, sich an ihrem köstlichen Blut zu laben. Er hatte getrunken, ehe er zu ihr gekommen war, in der Hoffnung, den quälenden Hunger zu lindern.

Kein anderes Blut hatte je so eine Wirkung auf ihn gehabt wie Janes. So mächtig, so verschlingend. Und auch wenn er all seine Erinnerungen wiederhaben wollte, jetzt sofort, wollte er lieber nicht riskieren, noch einmal ohne Warnung zu verschwinden und seine Frau allein den Gefahren auszusetzen.

Gefahren, mit denen sie umgehen konnte, wie sie immer wieder aufs Neue bewiesen hatte.

Er hob den Kopf, um sie zu betrachten. Ihr honigfarbenes Haar fiel auf ihre Schultern hinab, ihr Blick leidenschaftlich, ja gierig. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie mit den Händen über seinen festen Bauch strich. Sie bot einen erhabenen Anblick, eine Göttin, hinabgestiegen aus den Himmeln.

Er erhob sich auf die Knie und spreizte ihre Beine. So nass, so rosig. Er wollte in sie eintauchen. Ihm stand schon Schweiß auf der Stirn, und jede Zelle in seinem Körper verlangte, dass er sie nahm, sie für sich beanspruchte. Seine Frau. Jetzt, für immer.

Noch nicht, noch nicht.

Er musste sie erst vorbereiten. Beim ersten Mal hatte er ihr wehgetan. Nicht dass sie etwas dagegen gehabt hatte. Sie war zu eng gewesen und er zu hastig. Dieses Mal nicht. Dieses Mal sollte sie jede Sekunde genießen.

Er fuhr mit den Fingern bis zu ihrer heißen Mitte, und sie zuckte zusammen, als hätte sie der Blitz getroffen.

„Ja!“ Sie griff in den Teppich unter sich und hob die Hüften.

Durch die Bewegung glitten seine Finger wie von selbst in sie hinein. Sie schloss sich fest um ihn. Er hätte auf der Stelle kommen können. Atme, verdammt. Er liebte sie mit seinem Finger, vor und zurück, bis sie sich wie von Sinnen unter ihm wand und seinen Namen keuchte. Dann nahm er einen zweiten Finger dazu. Vor und zurück, vor und zurück.

Bald stöhnte sie alle paar Sekunden, ließ die Hüften kreisen, verlangte nach seinem Daumen auf ihrer Klitoris. Er gab ihn ihr. Einen Augenblick lang. Sie schrie vor Erleichterung auf – und stöhnte vor Verzweiflung, als er den Druck wieder löste.

Ein dritter Finger schloss sich den ersten beiden an, vor und zurück, vor und zurück. Er weitete sie und verteilte ihren süßen, süßen Nektar. Als ihre Muskeln sich anspannten und sie kurz vor dem Höhepunkt stand, zog er die Hand zurück.

„Bitte!“, rief sie aus.

So ein verlockendes Flehen. Mit der Hand, die feucht von ihr war, machte er sich für sie geschmeidiger. Er schloss vor Wonne die Augen, genoss die Stimulierung ebenso, wie Jane es getan hatte. Brauchte sie. Er rieb hinauf … hinab …

„Oh nein, wage es nicht.“ Sie schlang die Beine um ihn, kreuzte die Knöchel über seinem Hintern und zog ihn zu sich herab. Er konnte sein Gleichgewicht nicht mehr halten und fiel auf sie. Sie keuchte, als sie sein Gewicht spürte. „Bitte, Nicolai. Tu es.“

„Ja“, krächzte er. Er konnte selbst keine Sekunde mehr warten.

Mit einem selbstsicheren Stoß drang er tief in sie ein. Sie schrien beide auf. Dann kam sie, klammerte sich an ihn, trieb ihn in ungeahnte Höhen … immer höher. Mehr, er musste mehr haben. Wollte sie beißen, durfte sie nicht beißen.

Stattdessen vergrub er seine Fangzähne in seinem Handgelenk. Blut troff auf seine Zunge, Blut, das noch nach Jane schmeckte. Er wollte saugen, aber er zwang sich, loszulassen und die Wunde an Janes Lippen zu halten.

„Trink“, befahl er ihr. Sie würden das jeden Tag tun. Würden niemals riskieren, dass sie die Fähigkeit verlor, zwischen den Welten zu wandeln.

Sie schloss gehorsam die Augen und begann zu saugen. Es sah aus, als würde sie es … genießen? Bei allen Göttern, das tat sie. Allein der Gedanke steigerte seine Lust noch weiter. Jeden Augenblick würde er kommen. Er wollte aber mit ihr gemeinsam den Höhepunkt erleben.

„Noch mehr, Jane“, sagte er, während seine Stöße härter wurden, so hart, dass sie aufkeuchte, aber sie hörte nicht auf zu trinken, und schon bald hoben sich ihre Hüften wieder seinen entgegen. Sie trank gierig und stöhnte bei jedem Schluck.

Meine Frau. Mein.

Vielleicht hatte er die Worte geschrien. „Ja“, antwortete Jane, und sie umschloss ihn enger und enger, als ein zweiter Orgasmus sie überkam. „Dein.“

Dieses Mal gab es kein Zurückhalten. Er ergoss sich in ihr, gab ihr noch den letzten Tropfen.

Sie hielten einander danach mehrere Minuten, Stunden, Jahre fest, zitterten und bebten, bis sie schließlich auf dem Boden zusammensanken. Er rang nach Atem, konnte keinen klaren Gedanken fassen, aber er wusste noch, dass er ihr nicht wehtun wollte, und drehte sich auf die Seite.

„Zuerst dachte ich, ich würde mich in einen Vampir verwandeln, dann habe ich mich selbst davon überzeugt, dass das nicht geht“, murmelte sie schläfrig. „Aber ich glaube, ich bin doch einer. Dein Blut – es schmeckt so verdammt gut. Ich habe mich danach gesehnt wie nach einer Droge. Und jetzt, wo ich mehr davon hatte …“ Sie erschauerte. „Ich fühle mich so gut.“

Er runzelte die Stirn. Dass so etwas möglich war, hatte er nicht gewusst. Im Gegensatz zu den Nachtwandlern war er ein lebendiges Wesen, geboren, nicht geschaffen. Andere zu erschaffen war einfach – bisher – nicht möglich gewesen.

Außerdem, selbst wenn er sein Blut mit anderen hätte teilen wollen, wonach er bisher noch nie den Wunsch verspürt hatte – keine seiner menschlichen Geliebten hätte von ihm trinken wollen. Sie hätten schon die Vorstellung geradezu widerlich gefunden. Das Gleiche galt für die Hexen und die Gestaltwandler, auch wenn diese eher eine Verunreinigung ihrer Art befürchteten.

„Verlangt es dich nach allem Blut oder nur nach meinem?“, fragte er.

„Nur deines. Aber der Gedanke, von anderen zu trinken, ist nicht so abstoßend, wie er sein sollte.“

„Gibt es noch andere Symptome?“ Ihm gefiel der Gedanke, so etwas mit ihr zu teilen, aber die Schwierigkeiten, die es mit sich bringen würde, erschreckten ihn bis auf den Grund seiner Seele.

„Meine Haut ist etwas empfindlicher als früher. Empfindlicher als deine, glaube ich. Aber wenn ich zu einem Vampir werde, würde diese gesteigerte Empfindlichkeit einen Sinn ergeben, weil ich noch keine Zeit hatte, mich anzupassen.“

Wie viele andere Menschen würden ihm erzählen, dass die Verwandlung zum Vampir „einen Sinn ergab“? Fast musste er lächeln. Fast.

Er musste ihr beibringen, wie man trank, nur für den Fall, dass sie für eine längere Zeit getrennt wurden. Er erstarrte bei dem Gedanken daran, dass ihr Mund den Körper eines anderen berührte. Es muss sein. Eine Ader zu durchbeißen war kein Talent, das man einfach entwickelte, man musste es lernen.

„Wie fühlst du dich bei dem Gedanken, dich zu verwandeln?“, fragte er.

„Ich bin etwas ängstlich. Aber auch aufgeregt.“

„Sag mir, wenn du noch weitere Anzeichen bemerkst.“

„Das werde ich.“

Er küsste sie auf die Schläfe. „Jetzt ruh dich aus, mein Liebes. Ich wecke dich in ein paar Stunden.“

„Und dann bringen wir Laila um?“

Hatte er es nicht gewusst? Jane kannte ihn besser als jeder andere, dem er je begegnet war. „Ja. Dann bringen wir Laila um.“ Er fragte sich, ob er Jane in einen Traum ziehen konnte, um sie zu beschützen, damit Laila sie nicht angreifen konnte, während sie schutzlos dalag.

„Gut.“ Ihr warmer Atem streichelte seine Haut, als sie sich enger an ihn schmiegte. „Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch.“

Sie schlief ein und er begann, ihre gemeinsame Zukunft zu planen. Dabei ignorierte er die intensive dunkle Vorahnung, die plötzlich in ihm aufstieg.