6. Ein Halbmond


Es ist schon nicht einfach, das Kind eines Politikers zu sein. Wenn zu diesem Druck noch der Stress der eigenen Identitätsfindung dazukommt, na ja, dann kann es vorkommen, dass man einige Stolpersteine entlang seines Weges vorfindet. In den Augen ihres Vaters ist Stephanies Leben ein einziges Stolpern von einem Problem zum nächsten, aber sie selbst ist der Ansicht, Leben bedeute, seinen Überzeugungen zu folgen. Ihr Vater muss das wohl vergessen haben, als er Politiker wurde.


Dies ist das zehnte Mal, dass Stephanie Weihnachten nicht bei ihrer Familie verbringt, sondern mit Freunden. Ihr Vater hat ihre Berufswahl – Umweltforschung – befürwortet. Bis er in die Politik gegangen ist. Nach seiner Entscheidung, ein öffentliches Leben zu führen, ist es ihm wichtiger geworden, Dinge zu besitzen – ein großes Haus, ein großes Auto, die richtigen Freunde und die richtigen Beziehungen – als eine Umwelt zu erhalten, die wir stolz an die nächsten Generationen übergeben können.

Es stimmt schon: Auf der Suche nach ihrer »Berufung« ist sie einige Zeit lang hin und her gerissen gewesen zwischen unzähligen kurzlebigen Torheiten und Trends. Aber als sie von Dr. Ramu Visra hörte, während sie in einem Aschram in Indien lebte, wusste sie, dass diesmal daraus mehr werden würde als nur eine weitere kurze Marotte. Bei ihm konnte sie ihre Ausbildung in Umweltwissenschaften sinnvoll einsetzen und in ihm fand sie einen inspirierenden Mentor.


Sie hat immer angenommen, ihr Vater hasste Ramu wegen seiner alternativen, provokanten Ansichten. Aber damals, nach dem »Autounfall«, den sie vor zehn Jahren mit Ramu auf dem Weg zu einer Konferenz hatte, kurz bevor sie das Bewusstsein verlor, da war ihr letzter Gedanke die Warnung ihres Vaters. Er hatte sie davor gewarnt, dass Ramu ein »Unfall« passieren würde, wenn er mit seinen Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit gehen würde. Für Stephanie war damit klar, dass er in irgendeiner Weise in Ramus Tod verwickelt sein musste. Wenn er es auch nicht selbst getan hatte, er war ein Komplize!

Stephanie überlebte und sie schwor, für den Tod ihres Geliebten Rache zu nehmen. Auch, wenn sie dafür ihre eigene Familie in den Abgrund stürzen müsste.

25. Dezember 2013

Neuseeland

Nur eine Woche ist seit Mandis »Rausschmiss« aus der Senaggin-Mine in Südkalimantan vergangen, aber ihr kommt es vor, als ob Ewigkeiten seitdem vergangen wären. In dieser Woche hat Mandi ein Unternehmen des unfairen Handels beschuldigt und wurde von ebendieser Firma auf deren Kosten nach Neuseeland eingeladen. Und sie hat einen stürmischen Kurzurlaub in Singapur verbracht. Was für ein Jahresabschluss! Wenn sie wüsste, dass noch ein paar weitere Überraschungen auf sie warten, bevor das Jahr wirklich zu Ende ist!

Beim Abflug nach Neuseeland blickt Mandi auf Singapur herab, das sich in der Dämmerung unter ihnen ausbreitet. Sie erkennt einige der Stellen, die sie mit Alan besucht hat. Die Kompaktheit der Insel ist erstaunlich, besonders, wenn man sie mit der Weitläufigkeit Australiens vergleicht.

Mandi liebt die Lokale und Läden Singapurs, aber die Weite Australiens beginnt ihr zu fehlen. Vielleicht sind es auch die Weihnachtsfeiertage, die in ihr ein wenig das Gefühl von Heimweh hervorrufen. Heute ist der Tag nach Heiligabend und sie und Alan waren unterwegs in Singapur – Einkaufen, Essen und Herumstreunen, so wie die beiden Tage davor. Mandi hat noch nie Weihnachten außerhalb von Australien verbracht und die Familientraditionen fehlen ihr. Dazu gehört, einen Picknickkorb zusammenzupacken und den Tag am Strand zu verbringen: essen, im Sand mit Nichten und Neffen spielen, tratschen, dösen und wieder essen …


Genau das ist es auch, was Maria und Marcus mit ihren Kindern heute auf Great Barrier Island in Neuseeland tun. Im Picknickkorb sind einige von Marcus’ Lieblingsspeisen, darunter Salat, abgeschmeckt mit Kürbiskernöl, und ein Apfelstrudel. Auch eine Flasche Schilcher, sein Lieblingswein aus seiner Heimat Steiermark, ist dabei. Lena hilft ihren Eltern, indem sie ein paar Stofftiere in einen eigenen, kleinen Korb setzt und ihre Lieblingsnascherei – in Schokolade getunkte Erdbeeren – dazugibt. Beladen mit Körben, Strandtüchern und Sonnenschirmen macht sich die ganze Familie langsam auf den Weg zum Strand.

Wie immer läuft Stephan voraus und ruft seine Freunde, die Delfine, herbei. Lena versucht mit ihrem großen Bruder mitzuhalten, aber ihre kurzen Beinen tragen sie nicht schnell genug. Als Lena mit ihren Eltern endlich den Strand erreicht, wartet Stephan schon ungeduldig – er will ins Wasser! Einige Delfine tummeln sich schon im flachen Wasser und springen in den Wellen. Maria und Marcus lachen, während sie zusehen, wie ihre Kinder mit den sanften Tieren spielend plantschen.

Dank Stephan, der die Insekten von ihrem Strandplatz weggeschickt hat, genießen sie ein angenehmes Picknick ohne unliebsame Gäste. Nach dem Essen beschließt Stephan – um Lena zu beeindrucken – die größte Sandburg der Welt zu bauen. Aber damit nicht genug – er will auch eine Legion Krabben rekrutieren, die sie bewachen sollen. Marcus und Maria sehen zu, wie die Kinder die Basis des geplanten Bauwerkes schaufeln; die Ausmaße sind tatsächlich erstaunlich.

»Wir müssen froh sein, dass die Kinder so lieb miteinander spielen«, sagt Maria. »Wir leben hier so abgeschieden – manchmal frage ich mich, ob es für die Kinder nicht wichtig wäre, mit Gleichaltrigen zusammenzukommen. Mir ist bewusst, dass wir wegen ihrer Parafähigkeiten vorsichtig sein müssen, aber wir müssen trotzdem etwas tun, um ihre soziale Entwicklung zu fördern.«

»Es scheint, dass sie mit allen hier gut auskommen«, sagt Marcus.

»Ja, aber hier sind nur Erwachsene«, erwidert Maria. »Sie fühlen sich inmitten der Erwachsenen wohl, aber wie ist das mit Gleichaltrigen? Ich möchte einfach nicht, dass sie in allzu vieler Hinsicht ‚anders’ sind – sozial und wegen ihrer Parafähigkeiten.«

»Na gut. Heute Abend kommen wir nach Auckland, um Mandi und Alan zu treffen. Warum nehmen wir die Kinder nicht mit? Wir können ein paar Dinge ansehen und uns mit Freunden treffen, die auch Kinder haben«, schlägt Marcus vor. »Allerdings müssen wir vorher noch mit den Kindern reden. Sie müssen unser ‚Familiengeheimnis‘ für sich behalten, wenn wir mit anderen zusammen sind.«

Die Sorge wegen der Aufdeckung ihrer besonderen Fähigkeiten ist wohl begründet. Stephan setzt seine Parafähigkeiten ganz offen ein, ohne dabei viel nachzudenken. Marcus deutet auf die Kinder, die begeistert an ihrer Sandburg bauen. Stephan ist vom Schleppen der sandgefüllten Eimer erschöpft und so hat er sich eine Reihe Krabben organisiert, die mit ihren Scheren den Sand in Richtung Burg schaufeln. Stephan baut mit dem herangeschafften Material die Mauern auf. Zwei Krabben stehen schon zu beiden Seiten des Eingangs. Lena klatscht darüber fröhlich kichernd in die Hände.


Mandi und Alan sind überrascht, am Flughafen von Auckland Marcus gleich mit seiner gesamten Familie kennen zu lernen. Die Leute machen einen ehrlichen, ungekünstelten Eindruck auf sie. Aber sie weiß, dass sie Distanz wahren muss, zumindest bis sie für sich entschieden hat, ob SR Inc. in unfairen Handel verwickelt ist oder nicht. Doch die Distanz zu wahren ist schwierig bei den Kindern, besonders bei dem Mädchen namens Lena. Die reizende Kleine scheint Mandi vom ersten Augenblick an zu mögen.

Als perfekte Gastgeber haben Marcus und Maria ein Zimmer in einem Hotel in Ponsonby reserviert und bestehen darauf, dass Mandi und Alan sie anrufen sollen, wenn sie irgendetwas benötigen sollten. Sie selbst sind in einem Apartment in der Nähe des Hotels einquartiert. Bevor sie auseinander gehen, beschließen sie noch, sich am nächsten Morgen zum Frühstück zu treffen. Maria wird nur kurz dabei sein, bevor sie mit den Kindern Freunde besuchen wird.

Mandi ist beeindruckt von Marcus’ Zurückhaltung. Sie weiß, dass er die gestohlenen e-Helper sobald wie möglich sehen will – und sie versteht ihn! Auch sie würde die Beweisstücke sehen wollen, wenn man ihr ein Vergehen vorwerfen würde. Sie hatte erwartet, dass Marcus ein Treffen sofort nach der Ankunft vorschlagen würde. Stattdessen bringt man sie zu einem Hotel.


Nachdem Mandi und Alan gegangen sind, setzen sich Maria, Marcus und die Kinder in das nahe gelegene Flughafencafé. Nach kurzer Zeit gesellen sich Sandra und Klaus zu ihnen.

»Also, Sandra, was denkst du?«, fragt Marcus.

Sandra hatte sich auf Marcus’ Bitte als »Reisende« in Hörweite der Gruppe aufgehalten und das Geschehen aufmerksam verfolgt. Als Emotiopathin kann sie die Gefühle der anderen »lesen« und feststellen, wenn jemand lügt.

»Sie war müde und vorsichtig«, beginnt Sandra, »aber das war zu erwarten. Allgemein habe ich ein gutes Gefühl mit ihr. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie etwas verbergen wollte, und sie fühlt sich besonders zu Lena hingezogen. Auch Alan scheint ehrlich zu sein. Aber obwohl er vorgibt glücklich zu sein, habe ich das starke Gefühl, dass er es in Wirklichkeit nicht ist. Ich glaube aber nicht, dass diese negativen Schwingungen gegen SR Inc. gerichtet sind, sondern eher gegen Mandi. Aber ich könnte das falsch interpretiert haben.«

»Ich habe sie bewusst nicht direkt auf das Thema ‚unfairer Handel‘ angesprochen. Aber trotzdem: Was meinst du, Sandra, ist sie für ein Gespräch darüber offen?«, will Marcus wissen.

Sandra denkt einen Moment nach, bevor sie überzeugt antwortet: »Ja, ich hatte das Gefühl, dass sie offen und ehrlich ist. Ich habe keinerlei Schwingungen empfangen, die auf irgendwelche harten Urteile gegen dich hinweisen. Ich glaube, die Aussichten sind gut, Marcus.«

Marcus ist klar, dass Sandra nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass Mandi ihre Anschuldigungen zurückziehen wird, aber es beruhigt ihn zu wissen, dass sie die Person ist, die sie vorgibt zu sein. Sowohl Sandras Einschätzung als auch der Nachforschungsbericht geben ihm diese Gewissheit. Nun ist es an ihm, sie von SR Inc.s Unschuld zu überzeugen.


Am nächsten Morgen beim Frühstück treffen sich nur Mandi, Maria und Marcus. Alan hat beschlossen noch etwas zu schlafen und die Kinder bereiten sich für den Tag draußen vor. Maria entschuldigt sich gleich zu Beginn, dass sie bald gehen muss – sie und die Kinder treffen sich mit Freunden, sobald Stephan und Lena bereit sind.

Marcus denkt an das, was er in dem Bericht über Mandi gelesen hat. Er hat sich eine Frau mittleren Alters vorgestellt, aber die Frau, die jetzt vor ihm sitzt, entspricht nicht ganz dem, was er sich ausgedacht hat: Sie ist schlank und groß gewachsen, trägt eine in Olivegrün und Weiß gestreifte Knitterbluse, die das Grün und Blau ihrer Augen betont. Ihr brünettes Haar wellt sich auf natürliche Weise um ihre Schultern. An ihren sanften, aber deutlichen Konturen ihrer Armmuskeln kann Marcus erkennen, dass sie körperlich gut in Form ist. Mandi ist hübsch angezogen, aber gleichzeitig bequem. Nach ihrer reinen Haut, dem klaren Blick und dem trainierten Körper nach hätte Marcus ihr Alter auf Mitte dreißig geschätzt. Aber aus dem Bericht weiß er, dass Mandi 43 ist.

Marcus, Mandi und Maria fühlen sich offenbar alle zusammen nicht wohl beim Smalltalk. Schließlich spricht Mandi die Sache aus: »Marcus und Maria, offen gesagt finde ich die gezwungene Lockerheit unseres Getratsches etwas mühsam. Ich möchte gerne etwas professionelle Distanz wahren und auf unser Thema zu sprechen kommen.«

Marcus ist froh über die Wende und stimmt voll zu; er mag Mandis direkte Art.

»Ich habe in der Vergangenheit schon einige Fälle von unfairem Handel aufgedeckt«, erklärt Mandi, »und ich muss wissen, wie es um SR Inc. in dieser Hinsicht steht. Ich schätze es wirklich, was Sie alles für mich tun – den Flug hierher zu bezahlen und mich und Alan in einem sehr schönen Hotel unterzubringen. Ich danke Ihnen dafür. Aber Sie sollen hier und jetzt wissen, dass ich es aufklären werde, falls Sie mit unfairem Handel zu tun haben. Ich zahle gerne meine eigenen Spesen, denn mein Schweigen kann nicht erkauft werden.«

»Mandi, wir hätten Sie nicht hierher eingeladen, wenn wir unserer Unschuld nicht sicher wären. Sie sind unser Gast«, erwidert Marcus ruhig. »Ich bin zuversichtlich, dass Sie von hier in dem Wissen abreisen werden, dass SR Inc. nicht in unfairen Handel involviert ist. Ich weiß nicht, wie eine Produktionsstätte außerhalb Neuseelands errichtet werden konnte, aber ich versichere Ihnen, dass das nicht auf Anweisung oder mit Zustimmung von SR Inc. geschehen ist. Sie haben nicht gesagt, wo sich diese Fabrik befindet, ich kann also nicht einmal Vermutungen darüber anstellen, wie unser Patent – beziehungsweise die technischen Spezifikationen – dorthin gelangen konnte.«

»Die Produktionsstätte der e-Helper befindet sich in Südkalimantan, Indonesien – das ist auf der Insel Borneo. Haben Sie irgendwelche Verbindungen zu Indonesien?«, fragt Mandi direkt.

Marcus denkt schweigend nach, aber es kommen ihm keinerlei Verbindungen – weder geschäftlich noch privat – in den Sinn, die er oder seine Kollegen bei SR Inc. zu Indonesien haben könnten.

»Ich kann natürlich nicht für alle meine Kollegen sprechen. Aber nach allem, was ich über sie weiß, glaube ich nicht, dass jemand von ihnen eine Verbindung nach Indonesien hat. Für mich selbst – und ich denke, Maria wird zustimmen – kann ich definitiv ausschließen, dass so eine Verbindung besteht, weder beruflich noch privat.«

»Ich weiß von keinen Verbindungen«, bestätigt Maria, »aber wir werden das mit den anderen Kollegen prüfen.«

»Ich würde gerne sehen, was diese Fabrik herstellt«, fährt Marcus fort. »Haben Sie die Raubkopien der e-Helper bei sich, sodass wir sie prüfen können?«

Mandi greift in ihre Handtasche und zieht zwei kleine Kartons hervor, in denen sich die e-Helper befinden. Einen davon stellt sie auf den Tisch. Marcus öffnet den Karton und ist überrascht, darin einen e-Helper vorzufinden, der aussieht wie einer der von SR Inc. produzierten. »Sind Sie sicher, dass das einer von denen ist und nicht einer von SR?«, fragt Marcus.

»Ja, ich bin sicher«, sagt Mandi fest. »Ich habe die Produktion mit eigenen Augen gesehen.«

Marcus betrachtet das Gerät näher. Dann holt er seinen eigenen e-Helper hervor. Die Ähnlichkeit ist unglaublich – sie sind exakte Duplikate! Wer hat das gemacht und wie haben sie es gemacht? Marcus vergleicht jedes Detail, sogar die Markenkennzeichnung auf der Vorderseite. Ebenso genau untersucht er die Rückseite und die Seiten des e-Helpers. Er kann nicht den geringsten Unterschied zwischen Original und »Fälschung« feststellen.

Da nimmt sich Maria das Gerät und dreht es um. »Ich sehe schon einen Unterschied«, sagt sie entschieden. »Er ist nicht leicht zu sehen, aber er ist da.« Mit ihrer Parasicht kann sie einen sehr schwachen, mondförmigen Kratzer im rechten oberen Eck des Gehäuses erkennen. Für Maria ist der angedeutete Umriss eines Halbmondes klar ersichtlich, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand mit einem »normalen« Sehsinn ihn ohne expliziten Hinweis bemerken würde.

»Sieh dir das an, Marcus«, sagt Maria und reicht ihm das Gerät, mit dem Finger auf die entsprechende Ecke zeigend.

»Ich sehe überhaupt nichts«, sagt Marcus.

»Im rechten oberen Eck ist eine schwache Form, die aussieht wie ein Halbmond. Genau da.« Maria nimmt einen Kugelschreiber und zeigt mit der Spitze darauf.

»Ist es nicht nur ein Kratzer?«, fragt Mandi. Sie sieht es sich an und dann zum Vergleich Marias e-Helper. Dann nimmt sie den zweiten gestohlenen e-Helper aus dem Karton und dreht ihn im Licht. »Da! Da ist es!«

Mandi zieht schnell ihren eigenen e-Helper hervor und untersucht ihn genau. Sie schüttelt den Kopf.

»Wie haben Sie … ich habe diese e-Helper mit meinem verglichen … ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft! Wie haben Sie das gesehen?«, ruft Mandi erstaunt.

»Glauben Sie mir, ich habe Tausende e-Helper gesehen. Ich kenne sie besser als meine eigene Hand«, lügt Maria. »Als wir mit der Produktion begannen, war ich in der Qualitätssicherung tätig.«

Sie werden durch das Läuten von Marias e-Helper unterbrochen. »Gut … bin schon auf dem Weg. Vergesst nicht eure Kappen und die Sonnenbrillen.«

Maria erhebt sich und verabschiedet sich – sie wird in etwa einer Stunde anrufen.


Mandi ist erleichtert, dass SR Inc. den ersten Test bestanden hat. Die vom Unternehmen produzierten e-Helper sind nicht exakt identisch mit den von ihr gestohlenen. Aber Marcus ist noch nicht auf der sicheren Seite. Der Halbmond könnte ein von SR Inc. angebrachtes Erkennungszeichen sein, das für interne Zwecke über die Herkunft Auskunft gibt. Es könnte also immer noch etwas für die Theorie vom unfairen Handel sprechen, aber Mandi hat inzwischen das Gefühl, dass das eher unwahrscheinlich ist.

»Entschuldigen Sie bitte«, sagt Mandi und neigt sich der Frau am Nebentisch zu. »Ich weiß, es klingt eigenartig, aber könnte ich einen kurzen Blick auf Ihren e-Helper werfen, gleich hier am Tisch? Es dauert nur eine Sekunde, ich verspreche es. Ich würde gerne die Rückseite des Gehäuses sehen. Nur eine Sekunde, wirklich …«

Die Frau wirkt etwas überrascht, aber sie lächelt und reicht Mandi ihren e-Helper. Mandi sieht ihn sich genau an: kein Halbmond. Sie gibt das Gerät zurück und wendet sich wieder lächelnd Marcus zu.

»Gut. Wie wäre es als Nächstes mit einer Analyse der Bauteile?«, schlägt Mandi vor. »Ist Ihr Forschungslabor in der Nähe? So könnten wir klären, ob dieser e-Helper nach Ihren Spezifikationen hergestellt wurde oder nicht. Hoffentlich nicht …«

»Die Forschungsabteilung von SR Inc. ist nicht weit weg«, sagt Marcus. »Wir können sofort eine verkürzte Untersuchung durchführen lassen und eine detaillierte Analyse später. Die Ferien haben begonnen und deshalb haben wir nur einen Teil der Belegschaft zur Verfügung und können nicht so ohne weiteres das ganze Analyseprogramm durchführen. Wir werden in zwei Tagen auf unser Anwesen auf Great Barrier Island zurückkehren und würden uns freuen, wenn Sie mitkommen könnten.«

Mandi ist überrascht über die Einladung von Marcus. Sie könnte SR Inc. ruinieren, wenn sie das Unternehmen weiter beschuldigt, aber sie und Alan werden auf das Anwesen der Eigentümer eingeladen! Sie kann sehen, dass die Situation auch Marcus etwas peinlich ist – er drückt sich im Stuhl herum und ein Hauch von Röte ist auf seinem Gesicht zu erkennen.


Vom Nebentisch erklingt das laute Klirren einer Kaffeetasse. Mandi dreht sich um – es ist die Frau, von der sie sich kurz den e-Helper geliehen hat. Sie hat anscheinend beim Zeitungslesen die Tasse auf den Tisch knallen lassen. Ihr Gesicht ist nur von der Seite erkennbar, aber sie scheint irgendwie aufgewühlt zu sein.

»Ja, wir nehmen gerne an«, sagt Mandi, nachdem sie sich wieder Marcus zugewandt hat, » … natürlich hängt es vom Ergebnis der ersten Analyse ab.«

Mandi hat ein gutes Gefühl mit Marcus. Sie hofft nur, dass ihre spontane Zustimmung, auf Marcus’ und Marias Anwesen zu kommen, keine Probleme mit Alan heraufbeschwören wird. Sie wollten ja ihre Neuseelandtour in den nächsten Tagen beginnen. Aber sie muss diesem potenziellen Fall von unfairem Handel einfach auf den Grund gehen, so oder so!


Später am Vormittag bringt Marcus Mandi und Maria ins Forschungslabor der SR Inc. Alan und Klaus verstehen sich auf Anhieb und beginnen gleich, über das Thema Software und Computer zu fachsimpeln. Mandi und Marcus einigen sich vor der eigentlichen Arbeit auf die Vorgangsweise: Im Prinzip wollen sie die Raubkopien der e-Helper sofort einer Analyse unterziehen. Bevor Klaus den e-Helper in seine Einzelteile zerlegt, zeichnet er in einem provisorischen Test seine elektromagnetische Strahlung auf.

Ein typisches Merkmal der e-Helper von SR Inc. ist die geringe Stärke der von ihnen emittierten elektromagnetischen Strahlung. Das ist nicht etwa auf Zufall zurückzuführen, sondern es ist eine Anforderung, die Marcus von Beginn an in die Spezifikation des e-Helpers einfließen ließ. Entwurf und Entwicklung des Gerätes fielen in die Zeit des großen öffentlichen Interesses am Thema elektromagnetische Umweltverschmutzung. Anstatt einfach nur die empfohlenen Standards einzuhalten – den einfachen Weg zu gehen, den viele Firmen wählten –, bestand Marcus darauf, dass die Strahlungswerte seines Produktes deutlich unter den Grenzwerten liegen sollten.

Mandi und Marcus sehen zu, wie Klaus die Messgeräte reinigt und den e-Helper noch einmal prüft. Sein Gesichtsausdruck zeigt Skepsis: »Ich glaube, irgendetwas verfälscht die Leseergebnisse. Kann ich den anderen e-Helper einmal sehen?«

Mandi reicht ihm ihr zweites Gerät und Klaus prüft auch dessen Strahlung. Schließlich schüttelt er den Kopf: »Nichts da! Die gleichen Ergebnisse!«, gibt er bekannt.

Klaus sieht Marcus an und sagt: »Die Strahlung dieser e-Helper ist zehnmal so hoch wie die unserer Geräte und fünfmal so hoch wie der empfohlene Grenzwert. Seht her!«

Er zeigt den beiden das Messergebnis am Bildschirm des Messgerätes, reinigt dann die Messinstrumente erneut und misst zuerst die Strahlung eines Original-e-Helpers von SR Inc., dann die eines der nachgebauten Geräte. Dessen Strahlung ist wesentlich höher – gefährlich hoch!

»Die Leute benutzen diese e-Helper«, flüstert Mandi, auf die Anzeige starrend. »Sie halten sie sich an den Kopf, sie haben sie auf ihrem Nachttisch liegen und in ihren Hosentaschen eingesteckt. Kaum vorstellbar, was sie in ihren Gehirnzellen, ihren Organen anrichten …«

Marcus geht zu einem Metallschrank, schließt ihn auf und holt einen großen schwarzen Ordner heraus, auf dem in großer Schrift VERTRAULICH steht.

»Mandi, das hier sind die Resultate unserer Forschungstestläufe mit e-Helpern, durchgeführt sowohl in unserem eigenen Labor als auch von Labors in aller Welt, darunter solche in Russland, Schweden und Belgien.« Er legt den Ordner auf den Tisch und klappt ihn auf.

»Wir haben eine Reihe von Tests mit Ratten durchgeführt. Es war eine bewusste Entscheidung, Ratten zu verwenden und nicht Affen. In einigen Forscherkreisen wurden wir deswegen kritisiert, weil man Affen als die nächsten ‚Verwandten‘ von uns Menschen ansieht. Aber der Grund unserer Entscheidung war, dass die Gehirnzellen von Ratten denen von Menschen sehr ähnlich sind. Aus diesen Unterlagen ist zu ersehen, dass wir auf den vorangegangenen, bereits veröffentlichen Versuchen mit Rattengehirnen aufgebaut haben. Wir haben sie angepasst, sodass sie auf unsere Tests mit e-Helpern angewendet werden konnten.

Wie Sie wissen, gab es in den späten 1990er und den frühern 2000er Jahren großes Interesse am Thema elektromagnetische ‚Umweltverschmutzung‘. Die Wissenschafter konzentrierten sich damals hauptsächlich auf den Aspekt der Erwärmung, der aber nur ein Teil des Problems ist. Die spätere Forschung – auch unsere eingeschlossen – schloss zudem den biologischen Aspekt mit ein: den Einfluss auf das Zellniveau, auf die Interaktion zwischen den Zellen. Sie können zum Beispiel sehen, dass wir Zerstörungen der DNA in den Hirnzellen von Ratten fanden, nachdem sie hohen Dosen von elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt waren. Dies führte zu einer verminderten Produktion des Melatonins, das bekanntlich – unter anderem – die Zellen vor der Zerstörung durch die freien Radikale schützt. Wir fanden aber noch viele andere Hinweise auf mögliche negative Effekte der Strahlung. Wenn wir denen allen gefolgt wären, würden wir uns immer noch ausschließlich mit dem Einfluss elektromagnetischer Strahlung im Zusammenhang mit e-Helpern beschäftigen – bis zum heutigen Tag. Wir konzentrierten uns also auf diejenigen Versuche, die uns für unser Produkt als die relevantesten erschienen.«


Mandi unterbricht Marcus: »Ich habe kürzlich einige Ihrer Veröffentlichungen noch einmal gelesen. Darin sagten Sie, dass Sie die Auswirkungen von dauernder, niedriger Strahlung untersuchen wollten; Strahlung, die nicht nur von den e-Helpern generiert wird, sondern von der Vielzahl der alltäglichen Geräte, die uns umgeben. Überall sind elektrische Geräte, die Strahlung emittieren, der wir Tag für Tag ausgesetzt sind. Wie kann das keine Auswirkung auf uns haben?! Sind Sie irgendeiner dieser Ideen gefolgt? Ich bin wie Sie überzeugt, dass man hier noch sehr viel zur Klärung beitragen kann.«

Marcus wiegt seinen Kopf. »Wir haben ein wenig in diese Richtung geforscht, aber leider nur sehr begrenzt. Wir haben uns auf unsere e-Helper konzentriert. Ich bin allerdings Mitglied eines neuseeländischen Komitees, das auch andere Elektrogeräte untersucht … Aber, um auf die e-Helper zurückzukommen: Wir haben uns auch eine Anzahl von weiteren Faktoren angesehen, die durch elektromagnetische Strahlung beeinflusst sein könnten, darunter Hormonspiegel, Biorhythmus, Immunsystem, Nervensystem und anderes – Verhaltensfaktoren und psychologische Funktionen –, das die Gesundheit beeinflussen kann. Wir definieren Gesundheit auf holistische Weise: also, die Gesamtheit aller Phänomene und wie die verschiedenen Teile dieses Ganzen miteinander zusammenwirken. All die ‚Teile‘ – die Zellen zum Beispiel – können in rein technischer Hinsicht ‚gesund‘ sein, aber wenn sie nicht richtig zusammenarbeiten, dann gibt es trotzdem keine richtige Gesundheit. Meine Erklärung ist sehr vereinfachend – aber Sie verstehen, worauf ich hinauswill?«

Mandi nickt bedächtig und Marcus fährt fort: »Ich denke, den größten Nutzen könnte das ganze Forschungsgebiet daraus ziehen, die Arbeit von Leuten wie Dr. Visra und Dr. Lawrence Schuler weiterzuführen. Schuler forschte im Bereich des Testens von elektromagnetischer Strahlung – er war bis vor wenigen Jahren aktiv. Er war auch in derselben neuseeländischen Organisation tätig wie ich, dem Komitee für Maßnahmen gegen Elektrosmog, und er war maßgebend beteiligt am Durchbringen vieler der neuseeländischen Anti-Elektrosmog-Gesetze. Aber vor einigen Jahren hat er sich zurückgezogen, wegen Arbeitsüberlastung. Er hatte gerade einen neuen Posten in der Privatindustrie erhalten, der intensive Reisetätigkeit erforderte. Ich treffe ihn noch gelegentlich, wenn er in Neuseeland ist, aber beruflich haben wir den Kontakt verloren.«

»Ja, die Forschergemeinde hätte die Beiträge und die visionäre Führung durch Dr. Visra sehr nötig gehabt, um den neuen Ansatz in der Elektrosmogforschung durchzusetzen«, sagt Mandi. »Und ich weiß, dass Dr. Schuler, ein Kollege von Dr. Visra, versucht hat, dort weiterzumachen, wo Dr. Visras Arbeit abgebrochen war … Ich habe unmittelbar nach Visras Tod mit ihm zirka ein halbes Jahr lang zusammengearbeitet, bis er sich in zu vielen anderen Dingen verzettelt hat und meine ‚Extragelder‘ aufgebraucht waren. Auch er ist über die isolierten Produkttests hinausgegangen, weil er – genauso wie Dr. Visra – nicht glaubte, dass das den Einflüssen in unserem alltäglichen Leben entsprach. Wir besitzen nicht nur einen e-Helper oder nur eine Mikrowelle oder nur einen Fernseher. Viele von uns besitzen all diese Dinge – und mehr – und benutzen sie gleichzeitig … Ich habe seit Jahren nicht mit Dr. Schuler korrespondiert, nicht einmal an ihn gedacht …

Wie auch immer, zurück zum Thema.« Mandi unterbricht ihren Gedankenfluss. »Wie war noch einmal Ihr Zielwert? Ich erinnere mich, dass er unter dem empfohlenen Standard von 1 mG lag?«

»Wir legten 0,5 mG als den höchsten noch akzeptablen Wert der elektromagnetischen Strahlung eines e-Helpers fest«, erklärt Marcus. »Kein e-Helper mit einer stärkeren Strahlung wird verkauft und wir haben strenge Qualitätskontrollen. Jeder e-Helper von SR Inc., der heute auf dem Markt ist, hat garantiert eine Strahlung von höchstens 0,5 mG. Na ja, wenigstens jeder e-Helper, der von SR Inc. produziert wurde …«


Jetzt erzählt Mandi Marcus und Klaus ihre Geschichte von der Dschungelfabrik. Sie beginnt mit dem Stacheldrahtzaun und berichtet alle Details, bis hin zu den Fertigungshallen und den hochkarätigen Computeranlagen. Auf die Bitte von Marcus zeichnet Mandi Skizzen vom Grundriss der Gesamtanlage, der Anordnung der Häuser und der Innenausstattung der zwei Gebäude, in die sie eingedrungen ist – die Fertigungshalle und das Computerlabor.

»Wer immer das auch ist, er hat Geld … allein die Investition dieses einen Computerraums!«, sagt Mandi. »Und wer immer es ist, er ist nicht erfreut über ungebetene Besucher.«

»Ich muss dorthin«, sagt Marcus. »Sie haben kein Recht, unser Produkt herzustellen und nebenbei Leben zu gefährden!«

»Da gibt es eine kleine Schwierigkeit«, sagt Mandi. »Ich glaube nicht, dass ich Ihnen dabei behilflich sein kann. Ich wurde von der Mine rausgeworfen, nachdem mein unbefugtes Betreten der Dschungelanlage aufgeflogen war. Sie werden mich nicht einmal in die Nähe des Minengebietes lassen – und die Produktionsanlage befindet sich in diesem Gebiet.«

»Können wir nicht etwas über das Management der Mine erreichen? Die sind sicher …«

Mandi unterbricht Marcus: »Nein, das habe ich schon versucht. Das Management der Mine hat mich aufgefordert, die Mine zu verlassen. Und er war ein Landsmann, ein Australier. Ich hatte fälschlicherweise angenommen, er würde mehr Verständnis für meine Situation haben. Ich weiß nicht, wie wir jetzt vorgehen sollen … Vielleicht können wir rechtliche Schritte einleiten. Wenn Sie beweisen können, dass Ihr Patent umgangen wurde, könnten Sie versuchen, sie von hier aus zu klagen. Aber wie – und ob überhaupt – die neuseeländischen Rechte international gelten – ich habe keine Ahnung. Und irgendwo ist sicher auch Schmierung – ich meine Bestechung – im Spiel …«

Marcus stimmt zu, dass es eine gute Idee ist, rechtliche Schritte zu prüfen, aber sagt auch offen, dass er lieber die öffentliche Aufmerksamkeit und die Medien vermeiden möchte.

»Wie wäre es, wenn wir als Touristen nach Indonesien kämen und auf Umwegen zu dieser Anlage gelangen könnten?«, fragt Marcus und greift damit nach einem Strohhalm.

»Schon möglich, dass Sie ein Touristenvisum bekommen können«, sagt Mandi, »aber sogar die sind heutzutage so rar wie Hühnerzähne. Die politischen Spannungen sind im Moment groß in dem ganzen Gebiet. Aber auch, wenn sie so ein Visum haben, ist es unmöglich unterzutauchen und unbeobachtet irgendetwas zu unternehmen – glauben Sie mir. Jeder kennt Sie dort und sie kennen jeden Schiritt, den Sie tun – unerkanntes Reisen ist einfach unmöglich. Bei der hohen Bevölkerungsdichte werden Sie immer von irgendjemandem irgendwo beobachtet. Die Filmaufnahmen von mir und Elly sind ein Beispiel, man weiß nur nicht, wann – und von wem – man gerade beobachtet wird. Ein anderes Beispiel ist Ellys urplötzliches Auftauchen: Sie ist eines frühen Morgens wie aus dem Nichts erschienen, stand einfach in der Dämmerung da am Straßenrand. Ihr Sohn macht das ebenso im Dschungel – es ist unheimlich: In einem Moment ist er da, im nächsten ist er verschwunden.«


Nach einer zweistündigen Diskussion verabschiedet sich Alan und Mandi wird klar, dass er schon sehr ungeduldig geworden sein muss. So bittet sie Marcus, die Gespräche später fortzusetzen. Sie ist zufrieden mit den Ergebnissen der ersten Tests und jetzt ziemlich sicher, dass SR Inc. nichts mit unfairem Handel zu tun hat. Marcus schlägt vor, dass sie alle eine Pause einlegen und sich mit Maria und den Kindern treffen. Sie könnten sich ein paar interessante Dinge ansehen.

So fährt die kleine Gruppe mit der Fähre nach Waiheke Island, um die dortige entspannte Atmosphäre eines alternativen Lifestyles zu genießen. Lena lässt sich das Haar zu einem Dutzend kleiner Zöpfe flechten, Stephan will sich unbedingt Affen auf das Gesicht malen lassen. Seit er die Doku im Fernsehen gesehen hat, hat er gierig alles über Primaten gelesen, was er bekommen konnte.

Den Tag beschließen sie mit einem wunderbaren Abendessen in Restaurant Mudbrick. Maria und Marcus sind sich einig darin, dass sich das Lokal kaum verändert hat, seit sie es vor über zehn Jahren zum ersten Mal besucht haben.


Am nächsten Morgen gehen Marcus und Maria wieder ins Labor von SR Inc. Klaus, der bis spät in die Nacht gearbeitet hat, geht mit ihnen die Ergebnisse seiner Analyse durch. Er hat eine Reihe von Tests mit den raubkopierten e-Helpern durchgeführt und er hat ihre Komponenten mit denen der e-Helper von SR Inc. verglichen. Die Unterschiede sind erheblich, sowohl was die Charakteristik der abgegebenen elektromagnetischen Strahlung anbelangt als auch die Bauweise der Komponenten. Klaus konnte den Hersteller von zwei der Komponenten ausfindig machen – es ist ein großer internationaler Konzern.

Obwohl Klaus zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten ist, bittet er um noch etwas mehr Zeit, um die Analyse abschließen zu können. Er meint, es sei Zeit, die Feiertage zu genießen – und die anderen stimmen zu.

An diesem Nachmittag fahren Mandi und Alan mit Marcus, Maria und den Kindern nach Great Barrier Island. Die Gäste sind beeindruckt vom großzügig angelegten Anwesen, das aber die Umgebung nicht dominiert, sondern sich perfekt in sie einfügt. Ebenso interessant findet Mandi den Wintergarten mit den integrierten, natürlichen Wasserfällen. Welch Paradies haben sich Maria und Marcus hier geschaffen! Zuerst hat Mandi es eigenartig gefunden, dass Marcus sein Anwesen so weit vom Geschäftsviertel Aucklands und dem Büro von SR Inc. entfernt errichtet hat, aber nun, da sie die Anlage sieht, versteht sie das vollkommen. Es ist einfach idyllisch.

Gleich nach der Ankunft bettelt Lena, dass Mandi mit ihr zu den Pohutukawa-Bäumen mitgeht, die in voller Blüte stehen. Der Kontrast zwischen den feuerroten Blüten und dem tiefen Blau des nachmittäglichen Himmels ist großartig. Mandi ist bezaubert vom Charme der kleinen Lena, die auf alle möglichen Bäume und Büsche zeigt und ununterbrochen über Picknicks, Delfine, Sandburgen usw. erzählt.

Beim Abendessen plaudern die Wallers mit Mandi und Alan entspannt über Wandertouren und die freie Natur. Mandi hört aufmerksam zu, als ihre Gastgeber über das Hochtor erzählen, und sie fügt den Berg zu ihrer mentalen »Noch zu besteigen«-Liste hinzu.


Am nächsten Tag gehen Mandi und Alan mit den Kindern, Inge und Rolf zu den heißen Quellen. Das gibt den Parapersonen Gelegenheit zu einem Treffen.

Marcus beginnt die Besprechung mit vier e-Helpern auf dem Tisch – in zwei Paaren angeordnet. Er fragt seine Kollegen, ob sie Unterschiede feststellen könnten. Einige Minuten lang untersuchen die Leute aufs Genaueste die Geräte, bevor sie verlautbaren: Nein, es sind die gleichen. Er fordert sie auf, sie ein zweites Mal zu prüfen, aber sie kommen zum gleichen Ergebnis: Kein Unterschied zwischen den Paaren.

Maria sagt, sie sollen sich das obere rechte Eck der Gehäuserückseite genau ansehen, aber sogar nach diesem Hinweis können sie nichts erkennen. Erst als Maria auf den kleinen Halbmond zeigt, sehen auch sie ihn.

»Das ist der einzige sichtbare Unterschied – sichtbar dank Marias Parasicht«, sagt Marcus. »Klaus, erzähle uns bitte, was du in deiner Analyse herausgefunden hast.«

»Obwohl die sichtbaren Unterschiede minimal und praktisch nicht zu entdecken sind«, beginnt Klaus, »sind die unsichtbaren Verschiedenheiten gewaltig. Es gibt viele Unterschiede zwischen diesen fremden und unseren Geräten, die nicht offensichtlich sind. Sie werden erst bei einer gründlichen Analyse des Produktes und seiner Einzelteile erkennbar.«

Er zeigt mit seinem Taschencomputer zur Wand und projiziert das erste Schaubild.

»Ich fange mit den schlechten Nachrichten an. Dieses Diagramm zeigt den größten Unterschied zwischen deren e-Helpern und unseren, nämlich die elektromagnetische Strahlung. Die Emission unserer Geräte liegt bei 0,5 mG, das ist die Hälfte des empfohlenen Wertes. Die illegal hergestellten Geräte strahlen 5 mG ab! Das bedeutet, dass sich die Leute, die diese Geräte benutzen, einer Strahlung aussetzen, die zehnmal höher ist als der empfohlene Standard. Ohne sich dessen bewusst zu sein, halten sich die Leute die Dinger unzählige Male am Tag ans Ohr. Sie tragen sie in ihren Hemd- und Hosentaschen. Und sie geben sie in Handtaschen, die sie neben Kleinkindern auf dem Boden abstellen Ihr könnt euch vorstellen, in welchem Ausmaß die Menschen diesem Elektrosmog – Gift – ausgesetzt sind. Und sie setzen sich ihm aus, weil sie glauben, die Strahlung liege unter dem empfohlenen Grenzwert, nicht ein Vielfaches über ihm!«

Im Raum herrscht Schweigen und die Worte von Klaus entfalten ihre Wirkung. Die Paraleute starren ungläubig auf das projizierte Diagramm – sie hoffen, etwas anderes zu sehen, als Klaus berichtet.

»Aber wie … wie … sind sie an unsere Spezifikationen rangekommen? Wie schaffen sie das … diese täuschende Ähnlichkeit ihrer Fälschung?«, fragt Sandra entgeistert.

»Klaus und ich, wir haben uns die letzten 24 Stunden unsere Hirne zermartert, um eine Antwort auf diese Frage zu finden«, sagt Marcus. »Ich bin der Meinung, irgendjemand muss die Spezifikationen verraten haben, aber es ist für mich unvorstellbar, wer … Die einzige andere Erklärung, auf die wir gekommen sind – und es war Mandi, die uns darauf gebracht hat –, wäre, dass es Könner gibt oder Wissenschafter – nennt sie, wie ihr wollt –, die Experten darin sind, Dinge herzunehmen und exakte Duplikate davon herzustellen. Wobei das ‚exakt‘ abzuschwächen ist, weil diese Geräte eben nicht exakt die gleichen sind. Sie sehen gleich aus, unterscheiden sich aber wesentlich, wie Klaus gerade ausgeführt hat.«

»Aber diesen Unterschied«, fügt Barry hinzu, »wird Otto Normalverbraucher nicht merken. Er wird es kaufen und dabei die Eigenschaften unseres Produktes erwarten. Das kann gewaltige Konsequenzen haben.«

»Genau«, stimmt Marcus zu. »Wenn jemand an einem Gehirntumor erkrankt oder an Hypogammaglobulinämie, einer seltenen Immunschwäche – beide Krankheiten sind in der Vergangenheit, wenn auch vage, mit elektromagnetischer Strahlung in Verbindung gebracht worden –, könnte ein gerissener Verwandter die richtigen Fragen stellen und schnell ist die Ursache des Übels entlarvt – nämlich elektromagnetische Umweltverschmutzung, e-Smog. Die Verbindung vom e-Smog zum Hersteller der e-Helper, SR Inc., ist dann nur der letzte Schritt.«

Marcus hält kurz inne, um dann fortzufahren: »Wir wissen, dass die Erforschung elektromagnetischer Felder drastisch nachgelassen hat und nicht länger en vogue ist. Wir wissen aber auch, dass dieses Gift immer noch da ist. Und es ist allgegenwärtiger als je zuvor. Wir leben inmitten einer gigantischen Ansammlung von Geräten, die alle e-Smog emittieren, Gift.«

»Und wenn wir in irgendeiner Weise mit Krankheit oder Tod in Verbindung gebracht werden, dann können wir unseren Laden hier gleich dicht machen«, ruft Barry aufgeregt.

»Nein«, entgegnet Marcus, »wir können nicht darauf warten, bis wir unter solch grausigen Umständen aufgedeckt werden. Die Leute werden jetzt geschädigt – gestern, heute, morgen … Wir müssen jetzt sofort etwas unternehmen. Die Produktion muss gestoppt werden – diese Raubkopien müssen zurückgerufen werden.«

»Und das muss geschehen, ohne dass SR Inc. auffliegt«, fügt Maria hinzu, »oder wir werden alle auf der Flucht sein und gar nichts mehr dagegen unternehmen können.«

»Wo ist diese Produktionsstätte?«, fragt Monika.

»In Südkalimantan, Indonesien«, antwortet Marcus, »das ist auf der Insel Borneo.« Klaus reagiert schnell und schaltet die Projektion weiter zu einer Karte Südostasiens; Südkalimantan ist farblich hervorgehoben.

»Kann Mandi nähere Angaben machen?«, fragt Monika.

»Ich bin sicher, dass sie das kann«, sagt Marcus. »Wir haben sie noch nicht über Details zur Mine gefragt – was uns zu einem anderen Problem bringt: Die Fertigungsstätte liegt auf dem Gebiet eines Bergwerksbetriebes. Mandi sagt, das Management der Mine wüsste nichts über die Anlage. Wir haben das besprochen und Mandi meint, dass, wenn schon der Leiter der Mine nichts davon weiß – ein ausgewanderter Australier, für den Mandi arbeitet –, dann vielleicht jemand anderer. Es gibt andere Mitglieder des Managementteams – Australier und Einheimische –, die etwas wissen könnten und die vielleicht sogar ihre Hand über die Anlage halten. Wir sind also nicht sicher, ob wir beim Management überhaupt willkommen wären, wenn wir auf der Anlage aufkreuzen. Bislang haben sie Mandi jedenfalls nicht unterstützt. Wie wir aus dem Bericht über Mandi wissen – und sie selbst hat das ja auch bestätigt –, ist sie von der Mine rausgeworfen worden, wegen unbefugten Betretens der Anlage.«

»Wissen wir etwas darüber, durch wen und wie diese e-Helper vertrieben werden?«, fragt Sandra.

»Nein«, antwortet Marcus. »Mandi hat in Singapur ein paar e-Helper gekauft und wir haben sie uns angesehen – es sind alles original e-Helper von SR Inc. Wir wissen nicht, wo ihr Zielmarkt ist – obwohl ein wahrscheinlicher Markt natürlich Indonesien selbst ist …«

»Moment!«, unterbricht Klaus, während er die Unterlagen durchblättert. »Warum bin ich nur nicht früher darauf gekommen … Erinnert ihr euch, als wir am Morgen mit Mandi gesprochen haben … du hast sie gebeten, eine Skizze der Anlage im Dschungel zu zeichnen – den Grundriss des Geländes, die Anordnung der Gebäude und das Innere der Halle mit den Förderbändern, das Computergebäude … Hier ist es – hier ist das Blatt, das ich suche, die Skizze des Hauses mit den Fertigungsanlagen.«

Klaus zieht eine grobe Skizze hervor; sie zeigt einen Raum mit einer Anzahl von dunklen Linien über die gesamte Länge der Seite. Schnell scannt er das Blatt ein und projiziert die Zeichnung mit seinem e-Helper an die Wand.

»Du hast sie gebeten, absolut alles zu zeichnen, an das sie sich erinnern kann«, sagt Klaus. Er stellt seinen e-Helper auf den Tisch und geht zur Wand, bereit, seinen Kollegen etwas Bestimmtes in Mandis Skizze zu zeigen.

»Mandi hat laut mitgedacht, während sie zeichnete. Diese dunklen Striche sind die Förderbänder und das sind die Eimer, in die die fertigen Teile fallen. Diese Kreuzchen sind einzelne Komponenten auf dem Förderband. Als du ‚alles‘ gesagt hast, Marcus, hat sie wirklich alles gezeichnet. Sie hat den Servierwagen gezeichnet – hier – komplett mit Teebeuteln, Wasserspender, Zucker und aufgestapelten benutzten Tassen. Hier sind zwei Mülleimer – hier und hier – und sie zeichnete die Umrisse einer Landkarte! Da, dieses Rechteck ist die Landkarte, ich bin ganz sicher!«

Marcus lächelt, als er sich an Mandis Skizze erinnert. »Ja! Wenn wir Glück haben, kann uns diese Karte auf ihre Vertriebskanäle bringen. Ein kühner Gedanke, aber nicht unmöglich. Wenn Mandi uns mehr zu dieser Landkarte sagen kann, haben wir vielleicht einen Ausgangspunkt, um deine Frage zu beantworten, Sandra. Dann können wir uns überlegen, wie wir die Dinger aus den Ländern rausbringen und von den Leuten zurückbekommen, die sie bereits gekauft haben.«


Während Marcus und die anderen der Gruppe noch diskutieren, ist eines ihrer größten Probleme – nämlich Mandis vorzeitiger Hinauswurf aus der Mine – dabei, sich selbst zu lösen. Als Lena und Stephan Mandi und Alan die heißen Quellen zeigen, bekommt Mandi einen unerwarteten, aber umso willkommeneren Anruf.

Mandi ist erstaunt, Terrys Nummer am Display ihres e-Helpers zu sehen. Da er früher anruft, als er angekündigt hat, ist Mandi auf das Schlimmste gefasst. Sie erwartet, dass er sie bitten wird, nicht zur Senaggin-Mine zurückzukommen. Obwohl sich Mandi auf diesen Moment vorbereitet hat, fühlt sie jetzt doch ein Würgen in ihrem Hals. Nie wurde sie bisher vor dem Ende eines Projektes entlassen. Und nie ist sie eines Vergehens beschuldigt worden, wie unbefugten Eindringens, eines Gesetzesbruchs oder unprofessionellen Verhaltens. Mandi entschuldigt sich und entfernt sich etwas von der Gruppe, um das Gespräch ungestört führen zu können.

Sie kann nicht glauben, was sie hört.

»Was?! Ja … was sind das für Bedingungen?«, fragt sie.

Terry bietet, was sie am wenigsten erwartet hätte: eine Verlängerung ihres Vertrages. Sie kann ihr Glück kaum fassen!

Das Angebot von Terry ist allerdings nicht einfach die Fortsetzung ihres bisherigen Vertrages; es ist an Bedingungen geknüpft, die Mandi annehmen muss, bevor sie zurückkommen darf. Sie muss zustimmen, dass sie 1) zurückkommt, um ihren Vertrag zu erfüllen, 2) sich ausschließlich auf das Projekt konzentriert, während sie ihm Stunden verrechnet, und 3) sich von der Dschungelanlage fernhält, solange sie an dem Projekt arbeitet.

Mandi bemerkt, dass Terry seine Worte sehr sorgfältig wählt. Sie interpretiert ihn so, dass er ihr – ohne ihre Aktionen ausdrücklich gutzuheißen – freie Hand gibt, die Dschungelanlage zu erkunden. In ihrer Freizeit, auf eigenes Risiko und nach der Beendigung des Projektes. Er macht deutlich, dass sie selbst zusehen wird müssen, wie sie aus dem Schlamassel wieder herauskommt – was es auch immer für ein Schlamassel sein wird, in das sie gerät. Er hat sie einmal herausgeboxt, aber er hat nicht vor, das noch einmal zu tun.

Mandi lächelt und nimmt Terrys Bedingungen an. Er wird ihr die neuen Konditionen faxen und wenn sie es arrangieren kann, wird sie am 2. Jänner nach Balikpapan fliegen. Er möchte eine kurze Besprechung mit ihr haben, bevor sie am 3. Jänner gemeinsam zur Senaggin-Mine fahren.

Bevor er auflegt, bittet er Mandi zu warten – jemand möchte noch mit ihr sprechen. Bevor Mandi sich Gedanken machen kann, wer es sein könnte, ertönt schon eine andere Männerstimme aus dem e-Helper.

»Hey, Mandi, wieder hinter jemandem her, höre ich«, sagt Tom.

»Tom! Ich wusste, dass Sie dahinter stecken, dass ich wieder zurückkann! Ich schulde Ihnen was!«, ruft Mandi aufgeregt.

»Mandi, ich kenne Sie gut genug, um Ihrem Urteil zu vertrauen. Ich weiß nicht, was da draußen los ist, aber seien Sie vorsichtig – passen Sie auf sich auf«, sagt Tom. »Und ein gutes neues Jahr!«

»Ihnen auch, Tom! Ich melde mich, wenn ich zurück bin«, sagt Mandi.


Mandi läuft zur Gruppe zurück und berichtet den anderen aufgeregt von den guten Nachrichten. Inge, Rolf und die Kinder verstehen nicht ganz, worüber Mandi spricht – sie kennen ja nicht die ganze Geschichte –, aber Mandi ist die Erleichterung anzumerken. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend. Bald lachen alle und gratulieren Mandi zu – na ja, worüber sie eben so aufgeregt ist.

Alan lächelt und nickt, aber Mandi kann sehen, dass er nur mit dem Mund lächelt und nicht mit dem Herzen. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen. Sie haben geplant, die nächsten zwei Wochen durch Neuseeland zu reisen. Stattdessen ist Mandi auf dem Weg nach Indonesien. Mandi umarmt ihn besonders lang und flüstert ihm ein »Danke« ins Ohr.

Bei ihrem Spaziergang zwischen den Büschen und Bäumen rund um die heißen Quellen bemerkt Mandi eine Fülle von Leben überall. Da ist eine kleine Kiore, eine polynesische Ratte, die durch das Gestrüpp trippelt, und am Himmel kreisen zahlreiche große Vögel.

»Vorhin war ich abgelenkt, deshalb habe ich das vielleicht nicht bemerkt. Aber mir kommt vor, dass jetzt viel mehr kleine Tiere und Vögel hier sind. Ich kann mich nicht erinnern, so viele Tiere gesehen zu haben, als wir ankamen«, sagt Mandi.

Mandi bemerkt, dass Lena ihrem Bruder einen strafenden Blick zuwirft. Auch Rolf und Inge sehen einander an, sagen aber nichts. Stephan wirkt verärgert; er ballt die Fäuste und vergräbt sie in seinen Hosentaschen. Mandi kann nur undeutlich verstehen, was er vor sich hin murmelt: »Als Barry das erste Mal da war, haben ihm die Tiere gefallen und jetzt ist er Teil der Gruppe. Ich dachte, wenn Mandi auch gerne Tiere sieht, kommt sie vielleicht auch in die Gruppe. Ich will ja nur helfen. Mandi ist keine Fremde.«

Inge nähert sich Mandi und hakt sich unter. Sie erklärt, dass zu dieser Tageszeit immer so viele Wildtiere zu sehen seien. In der Dämmerung kämen sie immer hervor.

Als sie zum Haus zurückkehren, geht das Treffen der Parapersonen gerade zu Ende. Die Leute von SR Inc. kommen aus dem Besprechungsraum – immer noch lebhaft miteinander diskutierend, da erkennt Mandi Sandra. Mandi ist sicher, dass es die Frau ist, die sie damals in dem Restaurant in Auckland gesehen hat, als sie mit Marcus und Maria frühstückte – die Frau, von der sie sich den e-Helper geborgt hat, um ihn mit den Raubkopien zu vergleichen. Mandi öffnet den Mund, um etwas zu Sandra zu sagen, die sie ebenfalls anblickt – aber dann nickt sie ihr nur zu und lächelt.

Marcus, Klaus und Maria kommen als Letzte aus dem Raum. Mandi geht mit einem breiten Grinsen auf sie zu.

»Ich bin wieder dabei«, sagt sie. »Ich habe gerade einen Anruf von Terry bekommen – von der Senaggin-Mine. Er hat beschlossen, meinen Vertrag zu verlängern. Wir müssen noch die Details aushandeln, aber jedenfalls bin ich wieder drin!«

Spontan streckt Maria ihre Arme aus und umarmt Mandi. Marcus und Klaus schütteln Mandi erfreut die Hand.

»Heißt das, Sie können uns helfen, in die Mine und zur Dschungelfabrik zu kommen?«, fragt Marcus gleich direkt. »Wenn ja, dann möchte ich das jetzt gleich wissen, damit ich eine Feier organisieren kann!«

Mandi reibt sich begeistert die Hände und grinst vielsagend: »Ich werde es jedenfalls versuchen. Und inzwischen fangen wir schon einmal an, die Feier zu planen!«